{"id":1347,"date":"2023-03-29T07:04:41","date_gmt":"2023-03-29T07:04:41","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=1347"},"modified":"2026-02-19T12:13:47","modified_gmt":"2026-02-19T12:13:47","slug":"kommen-und-gehen-bild-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1347","title":{"rendered":"Kommen und Gehen &#8211; Bild 4"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"738\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen4ZerbomDieleFarb-1024x738.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1466\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen4ZerbomDieleFarb-1024x738.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen4ZerbomDieleFarb-300x216.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen4ZerbomDieleFarb-768x554.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen4ZerbomDieleFarb.jpg 1368w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fchnenbild von Rolf Christiansen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Viertes Bild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zerbombte Diele.Tr\u00fcmmer, Unordnung, geborstene W\u00e4nde und Decken, h\u00e4ngende T\u00fcr- und Fensterrahmen. Kisten, M\u00f6bel, zum Teil besch\u00e4digt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>r\u00e4umt in Hosen, mit Kopftuch und Handschuhen herum, findet noch Brauchbares, schmei\u00dft Unbrauchbares auf einen gro\u00dfen Haufen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>erscheint in winterlicher, neutraler Uniform durch einen Riss in der Wand, wartet einen Augenblick.<\/em>)<br>Eva\u2026!<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>schreckt furchtbar zusammen und wankt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>springt zu ihr und h\u00e4lt sie in den Armen.<\/em>)<br>Eva, mein Liebes.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Peter.&nbsp; (<em>Umarmt ihn.<\/em>)<br>Lass mich sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>l\u00e4sst sie auf eine Kiste nieder.<\/em>)<br>Ich bin wieder mal da.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Jaja, ich wei\u00df, ich sehe \u2026 Aber ich glaube es noch nicht ganz. (<em>Fasst ans Herz<\/em>). Immer wieder, wenn du kommst, werde ich schwach in den Knien und das Herz droht zu zerspringen. (<em>L\u00e4chelt verlegen gl\u00fccklich<\/em>). Ist so l\u00e4cherlich\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>streichelt sie.<\/em>)<br>Du Liebes, Du!<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>steht auf.<\/em>)<br>So, nun bin ich da. (<em>K\u00fcsst ihn.<\/em>)<br>Hast du Urlaub?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>nach einer Pause:<\/em>)<br>Eva, was ist denn geschehen? Frau S\u00e4bel hat mir schon erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Dann wei\u00dft du ja schon das Wichtigste. Das andere wirst du im Urlaub nach und nach erfahren. Ich mag es nicht schon wieder der Reihe nach erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Was hast du alles durchgemacht?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ach, es ist nicht so schlimm, Peter. Im Leid gibt es Stufen. Dr\u00fcben wohnt jetzt ein f\u00fcnfzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen ganz allein in einer Sechszimmerwohnung, die kaum besch\u00e4digt ist. Die Mutter und die Hausangestellte kamen im Keller um. Am n\u00e4chsten Morgen suchte der Brieftr\u00e4ger sie lange in den Tr\u00fcmmern, um ihr die Nachricht vom Heldentod ihres Vaters zu \u00fcbergeben. Die Verwandten sind im feindlichen Ausland, interniert wahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Es ist entsetzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, dieser Herr Krieg richtet viel an!<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wenn es nur erst zu Ende w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Das ist ein so dummes Wort. Es ist doch gar keine Aussicht. Schau auf den Schlachthof von Stalingrad: wie Vieh. Ach, viel schlimmer. Die kleine Nachbarin ist das Opfer. Die hat nun nichts mehr. Ich hab\u2018 ja dich, dich leibhaftig hier vor mir. Ach Peter, das ist so sch\u00f6n. (<em>Birgt den Kopf an seiner Schulter.<\/em>) Meine Eltern sind tot. Ich habe nur noch dich.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich kann gar nichts sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Brauchst nichts zu sagen. Hab ja den Kopf an deiner Schulter. Wie geht es dir?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Jetzt\u2026 Jetzt halte ich dich in meinen Armen, &#8211; jetzt geht es mir gut und sch\u00f6n. Vorher\u2026 Ja, wie es uns da drau\u00dfen so geht: k\u00e4mpfen, sehnen, warten\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Armer Peter!<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Och, bedauern brauchst du mich deshalb eigentlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Doch.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Euch geht es ja hier nicht viel besser. Auch die Diele hat sich etwas ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du, jetzt ist hier schon aufger\u00e4umt. Entschuldige die Kleidung, aber es ist so scheu\u00dflicher Staub in den Tr\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Du brauchst dich doch nicht entschuldigen, Eva. Du wei\u00dft, wie sehr ich Kopft\u00fccher an dir liebe. Und die lange Hose wirst du ausziehen, sobald wir zuhause sind, nicht wahr? Und dann ziehst du das Kleid mit dem Glockenrock an, ja? Der bewegt sich so h\u00fcbsch bei jedem deiner Schritte. Damit m\u00fcsstest du immer vor mir hergehen. Du m\u00fcsstest \u00fcberhaupt immer vor mir hergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Will ich auch.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>War es nicht furchtbar, als du nach dem Angriff das erste Mal hier rauf kamst?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Furchtbar \u2013 sind die Dinge, auf die wir nicht gefasst sind. Furchtbar war der Anruf vom Hausmeister, dass man dabei sei, meine Eltern auszugraben, und die Fahrt mit der Stra\u00dfenbahn mit angetrunkenen Soldaten, die mich anp\u00f6belten. Und dann das Warten, als sie gruben. Ich sa\u00df auf dem Stumpf einer zertr\u00fcmmerten S\u00e4ule. Das Herz stand still, als sie die Leichen auf einer Bahre im Schein der Fackeln an mir vor\u00fcbertrugen. Ich erkannte sie nur an den Kleiderfetzen. Sie lagen wie ein Liebespaar, fest umschlungen. (<em>Starrt einen Augenblick.<\/em>) Wenn hier alles unzerst\u00f6rt geblieben w\u00e4re, &#8211; wer wei\u00df, vielleicht h\u00e4tte es viel weher getan. Die kleine Nachbarin f\u00fchrt aus lauter Verzweiflung dr\u00fcben den Haushalt weiter, als sei nichts geschehen. Ich habe sie oft besucht. Immer ist alles peinlich sauber. Immer eine frische Decke auf dem Tisch. Aber sie weint unaufh\u00f6rlich und legt den Kopf schluchzend auf die wei\u00dfe Decke.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>entdeckt etwas in der Ecke.<\/em>)<br>So krass ist das Leben geworden. (<em>Klettert in die Ecke.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Vorsicht! Da ist Einsturzgefahr.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>So krass. Neben deiner Erz\u00e4hlung liegt hier eine Flasche unzerst\u00f6rter Benediktiner. (<em>Kommt mit der Flasche zur\u00fcck.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Dass ich die noch nicht gesehen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Entdecken eben nur S\u00e4uferaugen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Hast du S\u00e4uferaugen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Bekommen, ja. (<em>Sucht herum.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Mach die Flasche auf. Wir feiern hier schnell dein Kommen. Au\u00dferdem ist es kalt.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Herrlicher alter Benediktiner. Ja, die M\u00f6nche in den Kl\u00f6stern, die wissen, was gut ist, au\u00dfer Beten nat\u00fcrlich. Es findet sich alles zusammen, wie in einem schlechten Roman. (<em>Hebt einen verborgenen Korkenzieher auf<\/em>.) Nein, den kann man nicht mehr benutzen. In Ermanglung eines geeigneten Korkenziehers werde ich zu einer milit\u00e4rischen Flaschen\u00f6ffnung schreiten. (<em>Haut den Flaschenhals ab.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>holt eine kleine Vase.<\/em>)<br>Und in Ermanglung eines w\u00fcrdigen Glases werden wir aus dieser Vase trinken.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Die ist h\u00fcbsch, woher hast du sie?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Dr. Golno hat sie mir einmal geschenkt, als er mich noch verehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>pl\u00f6tzlich eifers\u00fcchtig:<\/em>)<br>Nein, dann mag ich nicht daraus trinken.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du wirst daraus trinken. Ein gewisses Ma\u00df an Eifersucht ist f\u00fcr den Partner sehr schmeichelhaft, aber wenn es so weit geht, dass man deswegen sogar auf den Benediktiner verzichtet, &#8211; das geht zu weit.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Eva, solange sich unser Eheleben nur in den kurzen Urlauben abspielt, solange lass mir meine Eifersucht, und wenn sie noch so kindisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein, ich will dich nicht kindisch.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich kann doch nichts daf\u00fcr. Du kannst dir doch gar nicht vorstellen, wie uns da drau\u00dfen zumute ist. Ihr habt hier doch wenigstens mal \u2013 Abwechslung.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Peter!<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Reg dich nicht auf. Ist ganz nat\u00fcrlich. Ich wei\u00df doch. Dr. Golno wird nicht aufgeh\u00f6rt haben, dich zu verehren, weil du geheiratet hast. Und du bist auch keine Nonne.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein, die bin ich nicht. Es ist mir sogar oft versichert worden, dass ich eine sehr reizvolle Frau bin.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Von mir, ja!<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein, auch von anderen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>H\u00f6r auf. Sprich nicht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du hast angefangen. Aber bitte: ich werde nicht weiterreden. Du wei\u00dft, dass ich keine Nonne bin. Das soll dir gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und wenn du eine w\u00e4rst. Ich hatte in einem Kloster mal eine, die kam immer nach der Messe zu mir ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Peter\u2026!<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, die w\u00fcrdigen Vertreter deiner w\u00fcrdigen Religion. Wie schaust du mich denn an?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ach Peter!, dass du so sprechen kannst\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, den feinen Ton, den habe ich ein bisschen verlernt.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Wir haben ja nie dar\u00fcber gesprochen, &#8211; \u00fcber Treue und so. Aber &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wollen wir auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Wollen wir nicht? Oh nein, so kommst du mir nicht raus. Oh nein, wir &nbsp; w o l l e n &nbsp; dar\u00fcber sprechen. Bist du auch der landl\u00e4ufigen Meinung, dass der Mann darf und die Frau nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich wei\u00df nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Oder darf ich nun Gleiches mit Gleichem vergelten?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, Eva, bitte nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Dieser Krieg ist eine Pr\u00fcfung f\u00fcr die Menschheit und f\u00fcr uns beide auch. Was war das f\u00fcr eine Frau in dem Kloster?<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>schweigt. Schlie\u00dflich:<\/em>)<br>Du kannst einen manchmal anschauen, dass man aus dem Kragen springen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du, ich bin deine Frau. Ich will das wissen. Aber du musst in der Zeit, in der du hier bist, ganz folgsam deiner Eva sein. Ich liebe dich ja doch, \u2013 trotz \u2013 der Nonne, und habe viel mit dir vor. Ich kann dich nicht so haben. Ganz im Geheimen glaubte ich manchmal, dass du mir treu bist. Aber dass du es mir so sagen w\u00fcrdest\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Es war h\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du bist so hart, so grausam, ohne Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und dabei habe ich so viel, so viel Liebe f\u00fcr dich aufgespeichert. Viel mehr als Dr. Golno.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und ich habe viel mehr f\u00fcr dich als die Nonne. Schluss, Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, Schluss, trinken wir.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Auf die Urlaubszeit.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE (<em>trinken aus der Vase.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>umarmt sie.<\/em>)<br>Schau, ich w\u00e4re doch so arm ohne dich da drau\u00dfen, immer wieder: so arm. Verzeih mir, du hast ja eigentlich so viel Trost notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Zumindest Schonung. Ich bin die Betrogene. Ich k\u00f6nnte mich jetzt scheiden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Eva, kannst du dir das wirklich vorstellen?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein. Und deshalb endg\u00fcltig: Schluss. Dir und uns und dem Urlaub und dem Kind zum Wohl.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Alles akzeptiert, bis auf das Kind. Ich will auf keinen Fall, dass du in dieser Zeit eine solche Belastung auf dich nimmst.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Aber eine solche Belastung\u2026 von Dir, Peter, &#8211; wenn ich es mir so w\u00fcnsche.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, der Vater muss dabei sein. Mit Feldpostbriefen kann ich es doch in den ersten Jahren nicht erziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du bist s\u00fc\u00df. Zun\u00e4chst braucht es doch nur mich. Oder willst du es trocken legen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Aber die geistige Erziehungsunterst\u00fctzung vom Vater her, &#8211; die ist doch sicher gleich von Anfang an n\u00f6tig. Ich halte es nach wie vor f\u00fcr ein Verbrechen, ein Kind in die heutige Welt zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und ich halte es f\u00fcr die letzte Gnade, die Gott uns gelassen hat in dieser Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Das ist Ansichtssache.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein, es ist Empfindung. Jedes Kind, das heute aus Liebe geboren wird, bringt uns dem Frieden n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, aber eben \u2013 Liebe\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>verst\u00e4ndnislos:<\/em>)<br>Aber bei uns beiden ist die doch da..?!<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wie willst du das wissen? Aus den wenigen Wochen, die wir beisammen waren? Ja, sicher, sie ist da. Aber nicht so stark, klar, offen und ehrlich, wie ich glaube, dass sie zur Geburt eines Kindes notwendig da sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du zweifelst etwa an unserer Liebe?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, aber ich glaube, sie ist noch immer erst im Wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und ein Kind w\u00fcrde sie nicht manifestieren und festigen f\u00fcr immer? Oh, du bist ein Mann, aber kein v\u00e4terlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Fr\u00fcher hast du immer gesagt, ich h\u00e4tte Vati-H\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Die hast du auch.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>ernst:<\/em>)<br>Immer noch? (<em>H\u00e4lt ihr die H\u00e4nde hin:<\/em>) Schau sie dir an, sie haben inzwischen Dinge tun m\u00fcssen, die nicht sehr v\u00e4terlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, aber du hast meinen Ring dran. Und dann: Vati-H\u00e4nde kann man wohl nicht verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ach du. (<em>Umarmt sie.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Vielleicht ist der Krieg zu Ende, wenn das Kind zur Welt kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ach, manchmal glaube ich, er endet nur in einem noch grauenhafteren Chaos und schlie\u00dflichen Weltuntergang.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und wei\u00dft du keinen Ausweg? Lass uns \u00fcberlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE (<em>sitzen Beine baumelnd auf einem M\u00f6belst\u00fcck und \u00fcberlegen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Da sitzen wir nun, zwei kleine Menschenwesen in diesem Hexenkessel und \u00fcberlegen, wie wir das Feuer unter dem Hexenkessel l\u00f6schen k\u00f6nnen, weil wir sonst bald gar werden. Damit wir wieder zur Ruhe kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Zwei kleine Menschenwesen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und ich glaube, aus all diesen kleinen Menschenwesen muss die L\u00f6sung irgendwie kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Vielleicht irgendeine internationale Liga f\u00fcr Liebespaare. H\u00e4tte sicher die riesigsten Mitgliederzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja. Nur, wei\u00dft du, wenn auch alle kleinen Menschenwesen so auf einem umgekippten Schrank sitzen und Beine baumelnd \u00fcberlegen w\u00fcrden: die L\u00f6sung br\u00e4chte das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Nein\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wie also?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Irgendwie vom Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, ohne jede Religion vielleicht. Nur aus der Bewegung des Knieens.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Vielleicht auch mit Religion.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, ich hielt ja nie viel von Religion, aber die Feldgeistlichen haben sie mir endg\u00fcltig vermiest. Wenn die da immer versuchen, Gottes Wort und die Worte des Majors in Einklang zu bringen\u2026 Nee! Das nenne ich Ideen verkaufen. Prost! (<em>Trinkt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Gib mir auch etwas und h\u00f6r du auf.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>reicht ihr die gef\u00fcllte Vase.<\/em>)<br>Noch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>trinkt.<\/em>)<br>Du wirst einen Schwips bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Oh, ich vertrage viel. Solltest sehen, wie ich mich ans trinken gew\u00f6hnt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich kann es mir vorstellen und will es gar nicht so genau wissen. Ich bin froh, dass ich dich jetzt wieder bei mir habe und dich ein bisschen manierlich machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Dann tauge ich wieder nicht mehr f\u00fcr die da drau\u00dfen, und das ist meine momentane Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, momentan. Aber nicht dein Beruf.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Was ist denn eigentlich mein Beruf? Manchmal wei\u00df ich so gar nicht, was ich eigentlich werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Du sollst etwas Gro\u00dfes werden, Dichter oder so\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>\u201eDichter oder so\u201c ist aufschreibenswert. Das wird man nicht von alleine. Zun\u00e4chst bin ich einmal gar nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Doch: du bist mein Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Also gut: ich bin sehr viel. Aber ich kann nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Doch, Peter, du kannst mich gl\u00fccklich machen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Zugegeben: ich kann viel (<em>k\u00fcsst sie<\/em>), sehr viel. Aber nun \u2013 hoffentlich wei\u00dft du darauf auch eine Antwort, &#8211; ich habe nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Mich.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, dich nat\u00fcrlich! Und das ist viel. (<em>Gl\u00fccklich:<\/em>)<br>Ich glaube, du hast viel \u00c4hnlichkeit mit einem Engel. Ich habe dich. Das ist so sch\u00f6n, dass du an mich glaubst. Vielleicht werden es einmal mehr. Manchmal tr\u00e4ume ich so Menschheitsbegl\u00fcckerideen, aber nur ganz geheim. Ich habe noch zu niemandem davon gesprochen. Aber dir kann ich es ja mal sagen. Da m\u00f6chte ich Hitlers Macht haben und Gutes tun. Einmal werden dann Millionen an mich glauben und mir vertrauen. Und wenn man dann Mensch bleiben k\u00f6nnte\u2026 Aber das ist wohl zu weit gegangen: dass einmal \u2013 alle an mich glauben k\u00f6nnten\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Zu weit nicht, Peter, aber nat\u00fcrlich sehr weit. Christus war das wohl. Ich will dir helfen, Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Aber das ist kein Beruf. Das sind Luftschl\u00f6sser.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Daf\u00fcr gibt es wohl auch gar keine Lehrb\u00fccher.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Eben. Wir m\u00fcssen auf der Erde bleiben. (<em>Trinkt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und du wirst noch einen Schwips bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>bekommt einen Schwips.<\/em>)<br>Ne, nu gerade nicht. Also auf der Erde bleiben. Also: ich werde ein gut bezahlter Zeitungsmann, mit h\u00fcbscher Wohnung, viel indirektes Licht und ein Fl\u00fcgel. Viele Kinder und eine s\u00fc\u00dfe Frau. Weit weg von allen Menschheitsbegl\u00fcckerideen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Jetzt wollen wir gehen. Es ist kalt und &#8211; ich liebe dich.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Lass mich noch den letzten trinken. Ich bin sowieso an viel mehr gew\u00f6hnt, woanders. (<em>Trinkt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, aber woanders bist du hier nicht. Was sollen denn die Leute sagen, wenn du am hellen Tag \u00fcber die Stra\u00dfe torkelst?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ob der n\u00e4chste Friede \u00fcberhaupt friedlich wird?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Die kleinen Menschenwesen m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Eva, ganz im Vertrauen: die kleine Menschenwesen sind ein gro\u00dfer Schei\u00dfdreck und die gro\u00dfen Herren werden immer die gro\u00dfen Herren sein.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Komm. Zu Hause ist es warm. Du musst baden, dich umziehen und mein Peter werden. (<em>Will gehen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und du meine K\u00f6nigin. (<em>Entdeckt etwas am Boden.<\/em>) Moment. Setz dich daher. (<em>Setzt sie in einen Stuhl<\/em>.) Ich werde dich jetzt kr\u00f6nen, zu meiner K\u00f6nigin machen. (<em>Drapiert eine Gardine und setz ihr einen Kinderspielzeugkrone auf.<\/em>) Bist du bereit, Hoheit?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich bin es. Ich bitte nur, mich in der dritten Person anzureden.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Sind Hoheit bereit?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich bin es, Zeremonienmeister.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>versucht, feierlich auf sie zuzugehen, die Krone in den erhobenen H\u00e4nden.<\/em>)<br>Und wenn ich schwanke, ist\u2019s, weil sich \u2013 das strenge Herz der Anforderung nicht w\u00fcrdig \u2013 zu erachten \u2013 bereit fand\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ihr redet nicht ganz klar. Ihr kommt von St. Benedikt?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Zu Ross, jawohl. Die Krone in der Linken, und rechts die Z\u00fcgel meines treuen Hengstes.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Es harrt das Bad auf euch, nach dieser Zeremonie. Drum eilet.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>kniet nieder.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>stutzt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Hochedelste, erhabenste und so weiter K\u00f6nig \u2013 nein, noch Prinzessin. Ich will auf eurem Haupt nun die Lie-hi-hi-hi-hi-be kr\u00f6nen. Ich als Vertreter der Vernunft, kr\u00f6ne in dir, du Weib, die Unlogik. Ich bin zwar etwas beschwipst, aber nichtsdestoweniger trotz ist es mir hochheilig &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>unterbricht; nett wie zu einem kleinen Kind:<\/em>)<br>Nein, Peter, beschwipst bist du, ja, aber hochheilig ist es dir nicht. Und die Unlogik dankt entschieden f\u00fcr die dargebotene Krone. Du solltest nur knien und kr\u00f6nen, wenn du knien und kr\u00f6nen willst.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Sei doch kein Spielverderber.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>hebt ihn auf:<\/em>)<br>Doch, komm, fass mich an, wie gehen. (Z<em>ieht ihn fort.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wie ein kleines Kind.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>dreht sich um, umarmt und k\u00fcsst ihn:<\/em>)<br>Ja, wie ein kleines Kind muss ich dich h\u00fcten und pflegen und dich geleiten auf deinen schweren Wegen. Du mein Geliebter, mein Mann und Mensch und Kind und alles.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE (<em>gehen ab.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1351\">Bild 5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1372\">Bild 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1374\">Bild 7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1376\">Bild 8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1378\">Bild 9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380\">Bild 10<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1364\">Zu Kommen und Gehen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1397\">Claudia zur hiesigen Ver\u00f6ffentlichung <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1352\">Presseschau und Zuschauerbriefe von damals<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1555\">Autobiografischer Monolog von 1947<\/a> &#8211; Das St\u00fcck \u201cKommen und Gehen\u201d berichtet<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1330\">Bild 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1333\">Bild 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1345\">Bild 3<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1347\">Bild 4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1351\">Bild 5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1372\">Bild 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1374\">Bild 7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1376\">Bild 8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1378\">Bild 9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380\">Bild 10<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** *** Viertes Bild Zerbombte Diele.Tr\u00fcmmer, Unordnung, geborstene W\u00e4nde und Decken, h\u00e4ngende T\u00fcr- und Fensterrahmen. 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