{"id":1374,"date":"2023-03-29T07:45:33","date_gmt":"2023-03-29T07:45:33","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=1374"},"modified":"2026-02-19T12:14:55","modified_gmt":"2026-02-19T12:14:55","slug":"kommen-und-gehen-bild-7","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1374","title":{"rendered":"Kommen und Gehen &#8211; Bild 7"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"707\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen7ZerschossFensterFarb-1024x707.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1472\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen7ZerschossFensterFarb-1024x707.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen7ZerschossFensterFarb-300x207.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen7ZerschossFensterFarb-768x530.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen7ZerschossFensterFarb.jpg 1380w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fchnenbild Rolf Christiansen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen und Gehen &#8211; Siebentes Bild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zerschossene Fenster<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>sitzt mit dreckiger Uniform mit Kopfh\u00f6rer, unrasiert und m\u00fcde vor seinem Funkapparat.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, Hitler ist tot. Der Krieg ist bald aus. Das wei\u00df man, dazu braucht man kein gro\u00dfer Prophet zu sein. Hitler tot\u2026 komisch, wie kalt mich das l\u00e4sst. Man hat so lange darauf gewartet, nun ist es so weit. Wie weit ist es eigentlich? Vorsicht! H\u00fcten wir uns. Es ist n\u00e4mlich noch sehr die Frage, ob sein Tod die ersehnte L\u00f6sung bringt. An ihm alleine hing es ja nicht mehr, er hatte ja seinen D\u00e4mon schon in die Welt und in die Menschen gepflanzt. Das ist eine Verschw\u00f6rung. Kriegsende\u2026 Und man sitzt so sinnlos und eigentlich tatenlos herum, so m\u00fcde\u2026 Tja, Hitler, und anstatt befreit aufzuatmen, w\u00fcrgte es mir heute fr\u00fch in der Kehle, als wir Gustl Lang begruben. Er war ganz jung, hatte sch\u00f6ne H\u00e4nde und lebensgierige Augen und w\u00e4re wohl ein Dichter geworden, wenn man ihn gelassen h\u00e4tte, aber\u2026 tot \u2013 vorbei. Tot wie unser General, von dem man nur noch einen Orden fand, nachdem er versehentlich auf eine Mine trat. Auch vorbei\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Man denkt wieder so intensiv nach \u00fcber Leben und Tod in den wenigen Augenblicken, die einem in dieser unbeschreiblich hastigen Zeit gelassen werden. Die Schie\u00dferei kann gleich wieder losgehen. Dann hei\u00dft es, Deckung nehmen, allersicherste Deckung. Aber Sie brauchen keine Angst zu haben: der traurige und fragw\u00fcrdige Ruhm zu den letzten Toten in diesem Krieg zu geh\u00f6ren, wird mir nicht zuteil. Ich werde Sie \u00fcberhaupt gleich aufkl\u00e4ren: ich bekomme gleich einen Kopfschuss, und Weihnachten 1945 komme ich nach Hause zur\u00fcck. Das ist dann das n\u00e4chste Bild. In einem Zwei-Personen-St\u00fcck in zehn Bildern kann doch nicht der Held im siebenten Bild sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Held? Oh, wie weit sind wir in diesen letzten Kriegstagen von einem Helden entfernt! Angst, grauenhafte Angst, wie in den ersten Fronttagen vor vielen Jahren, habe ich. Angst vor dem Sterben, Angst vor dem \u2013 T\u00f6ten, dem Morden anderer Menschen, haben wir alle. Man h\u00e4tte sich wohl daran gew\u00f6hnt, aber jetzt, wo wir alle hoffen k\u00f6nnen, lebendig zu bleiben:- oh, man sucht sichere Deckung und der Finger z\u00f6gert, bevor er abdr\u00fcckt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Herrliche Maitage waren das, damals. Erinnern Sie sich? Irgendwie standen wir alle m\u00fcde an irgendeinem Fenster irgendwo in Europa und blinzelten verwundert in die unverg\u00e4ngliche Fr\u00fchlingssonne in den letzten Leidenstagen. Sind sie die letzten? Ob die, die den Krieg gewollt haben, nicht uns auch noch besiegen werden? Es steht so viel bevor.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Eva w\u00fcrde es sich viel leichter gr\u00fcbeln. Mit ihr werde ich auch nicht so leicht melancholisch. (<em>Zieht einen Brief hervor.<\/em>) Ein Wunder, dass mich dieser Brief \u00fcberhaupt noch erreicht hat. Ich bin n\u00e4mlich vor einer Woche noch degradiert worden; hatte ein Geheimschreiben verlegt. Aber ich empfand es fast wie eine Bef\u00f6rderung \u2013 zur\u00fcck in den Menschen. Nun sagen die, die ich liebe, wieder \u201edu\u201c zu mir. Fr\u00fcher \u2013 als ich noch Offizier war, \u2013 da sagte auch ich manchmal: was brauchen wir hier (<em>im Kopf<\/em>), wenn wir hier (<em>auf der Schulter<\/em>) was haben. Und jetzt? Nur im Kopf und im Herzen brauchen wir was. Schulterst\u00fccke wiegen so federleicht. Und letzten Endes: Offiziere sind genauso arme Teufel wie wir\u2026 Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, Eva hat also geantwortet. Ich schrieb ihr, ich h\u00e4tte kein Herz und k\u00f6nnte deshalb auch nicht mit dem Herzen nachdenken. Und nun antwortet sie (<em>liest:<\/em>) \u201eNat\u00fcrlich hast du ein Herz. Wenn es sich im Moment nicht zum Nachdenken herbeil\u00e4sst, dann denk halt solange mit meinem nach.\u201c Und dar\u00fcber sind mir altem Krieger fast die Tr\u00e4nen gekommen. Finden Sie nicht: Sie hat eine so wunderbare Art, unsere Beziehungen \u00fcber alle Entfernung hinweg so nah und deutlich und unl\u00f6sbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Nach hinten, nimmt einen Befehl entgegen:<\/em>) Bereit halten! Jawohl! (<em>Pl\u00f6tzlich erregt:<\/em>) Ein Ende! Keine Angriffe mehr! Nicht mehr bereithalten zum Morden, nicht mehr so erb\u00e4rmlich k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Ich mag nicht mehr. Ich kann nicht mehr! Es bedr\u00e4ngt so\u2026 Ich habe oft das Gef\u00fchl, als sei ich selbst die ganze Menschheit. Alles lastet auf mir, alles schaut auf mich, und gequ\u00e4lt winde ich mich durch dieses Geschehen, komme kaum zu Atem\u2026 Und brauche doch so viel Atem. Will doch der Welt den Hauch des neuen Menschen einblasen. Die Welt wartet auf mich, auf uns alle. Damit Zeit und Erde wieder lebendig werden, und das Blut solange in den Adern flie\u00dft, als es einem g\u00fctigen Gott gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1376\">Bild 8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1378\">Bild 9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380\">Bild 10<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1364\">Zu Kommen und Gehen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1397\">Claudia zur hiesigen Ver\u00f6ffentlichung <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1352\">Presseschau und Zuschauerbriefe von damals<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1555\">Autobiografischer Monolog von 1947<\/a> &#8211; Das St\u00fcck \u201cKommen und Gehen\u201d berichtet<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1330\">Bild 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1333\">Bild 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1345\">Bild 3<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1347\">Bild 4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1351\">Bild 5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1372\">Bild 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1374\">Bild 7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1376\">Bild 8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1378\">Bild 9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380\">Bild 10<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** *** Kommen und Gehen &#8211; Siebentes Bild Zerschossene Fenster ER (sitzt mit dreckiger Uniform mit Kopfh\u00f6rer, unrasiert und m\u00fcde vor seinem Funkapparat.) 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