{"id":1380,"date":"2023-03-29T07:47:28","date_gmt":"2023-03-29T07:47:28","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=1380"},"modified":"2026-02-19T12:16:05","modified_gmt":"2026-02-19T12:16:05","slug":"kommen-und-gehen-bild-10","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380","title":{"rendered":"Kommen und Gehen &#8211; Bild 10"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"721\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen10ArbeitsraumFarb-1024x721.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1480\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen10ArbeitsraumFarb-1024x721.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen10ArbeitsraumFarb-300x211.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen10ArbeitsraumFarb-768x541.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/KommenUndGehen10ArbeitsraumFarb.jpg 1382w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">B\u00fchnenbild Rolf Christiansen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen und Gehen &#8211; Zehntes Bild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Arbeitsraum<\/em><br><em>Hell, n\u00fcchtern, hohe W\u00e4nde, hohes Fenster, zwei T\u00fcren. Schreibtisch, B\u00fccherschrank, Stuhl, sonst nichts.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>sitzt am Schreibtisch und liest.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>kommt herein und wartet. Schlie\u00dflich:<\/em>)<br>Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ach, du bist ja da, Eva.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, du hast mich rufen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>begr\u00fc\u00dft sie.<\/em>)<br>Ja, ich\u2026 Ich brauche dich.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Doch wieder?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, nicht weil ich kapituliere. Die Zeit, die ich ungest\u00f6rt, ohne dich, gearbeitet habe, war sehr fruchtbar. Ich bin sehr viel weiter gekommen. Meine Untersuchungen im Laboratorium haben zu den erstaunlichsten, allerdings auch vermuteten Ergebnissen gef\u00fchrt. Ich bin dem Atomproblem ebenso nahe, wie die Wissenschaftler in den gr\u00f6\u00dften Versuchsst\u00e4tten. Ja, vielleicht n\u00e4her. Meine Untersuchungen waren allerdings wesentlich billiger, weil ich von ganz anderen Voraussetzungen ausging. Ich glaube, Kenntnis von Zusammenh\u00e4ngen zu haben, die noch kaum ein Mensch auf der Welt hat. Ein unbeschreibliches Gef\u00fchl\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und du hast mich nie vermisst?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Bisher nicht, nein. Ich war ja wie besessen, Eva. Ich habe wunderbar intensiv arbeiten k\u00f6nnen, in diesen n\u00fcchternen R\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>N\u00fcchtern sind sie allerdings.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>N\u00fcchternheit, Klarheit, Sachlichkeit sind die unbedingtesten Forderungen der Gegenwart. Au\u00dfen. Und noch viel wichtiger: Innen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Bilder sind also verp\u00f6nt in deiner Gegenwart? Bilder, weiche Linien, Blumen etwa\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>nach \u00dcberlegung:<\/em>)<br>Ja! Sie f\u00fchren ins irdische Leben zur\u00fcck. Ich will ins geistige. Und einer der schwerwiegendsten modernen Fehler ist die In-Konsequenz in den Menschen. Die Eroberung des Geistes verlangt eine eiserne, unbeirrbare Konsequenz und verlangt Opfer.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Warum hast du mich rufen lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Weil ich dir ein Manuskript vorlesen m\u00f6chte. Ich habe den sehr gewagten Versuch unternommen, mit wenigen Worten in knappen Zeilen einmal das Wesentliche unserer neuen Welt f\u00fcr die modernen Menschen niederzuschreiben. Neben dem Wagnis kommt diesem Versuch allerdings noch eine andere wesentliche Bedeutung zu: da ich diese Worte nicht nur auf Grund von philosophischem Erkenntnissen, sondern im gleichen Ma\u00dfe auf Grund von naturwissenschaftlichen Studien ausspreche, glaube ich beweisen zu k\u00f6nnen, dass es sich nicht um das intellektuelle System einer \u2013 wieder einer \u2013 Philosophie handelt, sondern eben doch um die endg\u00fcltige L\u00f6sung der Kernfrage. Willst du mich anh\u00f6ren und mit sagen was &nbsp; &nbsp; d u &nbsp; dar\u00fcber denkst?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>So weit ich dazu in der Lage sein werde.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wie meinst du das?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich bin schlie\u00dflich eine Frau, und dieses Werk entstand hier in deiner m\u00e4nnlichen Einsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Erstens bist du eine sehr gescheite Frau, und zweitens wendet sich die Schrift schlie\u00dflich an alle Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Also fang an.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nimm Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Wo? Deine N\u00fcchternheit erlaubt dir anscheinend nur einen Stuhl.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ach so. Setz dich hierher. Ich werde sowieso auf- und abgehen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>setzt sich.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>geht auf und ab und liest.<\/em>)<br>\u201e\u00dcberaus interessante Laboratoriumsversuche haben zu der Erkenntnis gef\u00fchrt, dass dem Geheimnis des Atoms niemals in der analytischen, mikroskopischen Forschungsweise beigekommen werden kann. Das Geheimnis liegt tiefer \u2013 und zugleich offener auf der Hand. Die Grenzen sind erreicht. Die nur intellektuelle Wissenschaft ist am Ende. Es gilt nun, den Weg nach innen, zur Synthese zu suchen und zu erkennen, dass im Atom Kr\u00e4fte eminent geistiger Natur wurzeln. Wir m\u00fcssen den Schritt wagen, vom Atom zu Gott! Nicht dem Gott irgend einer Kirche oder Religion rede ich das Wort. Ich rede von dem Gott, der \u2013 wie auch immer \u2013 den Menschen schuf, die Welt, das All, den jeder wahrhaft Betende meint, wenn er sich sammelt im Denken und F\u00fchlen. Der Gott, der das Genie befruchtet, der jedem Menschen einen Geist gab, und jedem Atom einen Kern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Atom wirkt Gottes Geist. Es ist t\u00f6richt, ihn durch Atomzertr\u00fcmmerung sichtbar machen zu wollen. Man wird ihn dabei ebenso wenig finden, wie beim Sezieren einer Leiche den menschlichen Geist. Es ist nicht nur t\u00f6richt, sondern auch gef\u00e4hrlich, denn es hat bereits die ungeheure Energie dieses noch immer geheimnisvollen Kerns freigelegt. Wir schaudern mit Recht vor der Atomwaffe. Erst der Weg \u00fcber Gott in das Atom wird die Energie der Materie zum Nutzen der Menschheit f\u00fchren, den Weg \u00f6ffnen in ein Paradies.<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag kindisch-m\u00e4rchenhaft klingen, vom Ergebnis streng wissenschaftlicher Forschung auf das Paradies zu kommen. Aber der Weg von der \u00dcberwindung von Raum, Zeit und Materie zu einer Welt des Friedens, des Gl\u00fccks und der Sch\u00f6nheit ist m\u00f6glich, keineswegs utopisch. Aber er erfordert Glauben und Haltung, Demut nicht zuletzt: es gilt, den Geist als Ursprung, Hintergrund allen Geschehens und als Ziel anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Atom ist ein St\u00fcck Materie, wie der menschliche K\u00f6rper. Die Synthese der Atome und der Zusammenschluss der Individuen bildet ein durchgeistigtes All. Ohne Synthese verenden wir im Nihilismus. Ich bin nichts, wir sind alles. Die Welt steht vor ungeheuren Entscheidungen. Sie wankt in ihren Grundfesten, und die Menschheit wankt mit. Diese Feststellung ist jedoch m\u00fc\u00dfig, wenn sie uns nicht bedingungslos und konsequent den Weg zum geistigen Ziel, zur sch\u00f6neren Welt, zum gl\u00fccklicheren Leben gehen hei\u00dft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>nach einer Pause:<\/em>)<br>Bist du zu Ende?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, ich wei\u00df, es ist sehr viel offen gelassen. Aber ich glaube, das Entscheidende ist ausgesprochen und alles K\u00fcnftige l\u00e4sst sich daraus entwickeln. Als ich dich Weihnachten verlie\u00df, sprach ich doch von Kommen und Gehen. Hier ist das Ziel des Gesetzes: mit offenen Augen den Wert des unaufh\u00f6rlich Kommenden erkennen, und mit offenen Augen t\u00e4tig ergreifen, wenn es wertvoll ist. Der Geist \u00f6ffnet sich uns. Und mit dem Erworbenen schreiten wir zur Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Oh, ich habe schon erkannt, dass der Ursprung dieser Worte weit zur\u00fcckliegt. Vielleicht ist es das, was der Krieg dich an G\u00fcltigem und Positivem gelehrt hat. (<em>Mit leichtem Zweifel:<\/em>) Es ist sehr sch\u00f6n, was du sagst, wundersch\u00f6n, wenn man dich kennt und wei\u00df, wie ehrlich und schwer du dir das abgerungen hast. Auch stilistisch gro\u00dfartig\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Aber?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Aber ist es der Weisheit letzter Schluss?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Der Weisheit letzter Schluss ist unaussprechbar. Er liegt jenseits des konkreten Wortes.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Das muss ich zugeben. Da mir trotzdem noch Zweifel bleiben, muss ich vielleicht so fragen: ist das der Weg, der notwendige, endg\u00fcltige, einzige?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich glaube , &#8211; ja. Ich habe die Menschheit angesprochen. Die Menschen m\u00fcssten in diesen Worten das finden, was sie suchen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, &nbsp; d i e &nbsp; Menschen, aber hast du nicht vielleicht vergessen, &nbsp; d e n &nbsp; Menschen anzusprechen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich verstehe dich nicht. Wir sind uns doch dar\u00fcber einig, dass dieser Krieg alle Menschen zu einer unzertrennlichen Schicksalsgemeinschaft zusammengeschmolzen hat, auch wenn sie es selbst nicht einmal genau wissen, und man es bei blo\u00dfem Hinschauen kaum merkt.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, das stimmt, aber Peter\u2026 Sind deine Worte nicht vermessen und \u00fcberheblich? Kannst du sie in alle Sprachen \u00fcbersetzen lassen? Kannst du sie Allgemeingut aller werden lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich will es versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich glaube nicht daran.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Das w\u00e4re sehr traurig. Sprich nicht weiter. Du zerst\u00f6rst.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>sehr klug:<\/em>)<br>Was zerst\u00f6re ich?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Was? Was ich mir gebaut habe, was ich erkannt habe, was ich mir erarbeitet habe in langen, langen einsamen, schweren Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Kann man das zerst\u00f6ren, mit drei S\u00e4tzen?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Nein, du hast recht. (<em>Voller Kraft:<\/em>) Ach Eva, du wei\u00dft nicht, welche Kraft ich in mir sp\u00fcre, diesen meinen Weg mit den Menschen, &#8211; unseren Weg zu gehen in die bessere, sch\u00f6nere Welt aus dem Nichts, du. Keine Macht, kein noch so zersetzender Geist kann das zerst\u00f6ren. Das ist etwas in mir\u2026 (<em>Leise:<\/em>) Das ist wohl Gott in mir.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Siehst du, jetzt wirst du lebendig, jetzt wird der n\u00fcchterne Raum farbig, die Linien harmonisch.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>voll Sehnsucht:<\/em>)<br>Mit dir will ich einen Weg gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Mit mir? Ja, Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>umarmt sie.<\/em>)<br>Eva.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>sehr froh:<\/em>)<br>Peter, ich hatte Angst um dich in diesem kahlen Raum. Nun bist du dem Leben zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>pl\u00f6tzlich ern\u00fcchtert:<\/em>)<br>Dem Leben\u2026? Dieses irdische Leben wollte ich doch \u00fcberwinden! Eben f\u00fchlte ich, wie die Ideen dieser letzen Wochen mir unglaubliche Kraft gaben und jetzt: &#8211; ist es das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Die Kraft, die du eben hattest, die kam von mir, von deiner lebendigen Frau. Du hast in wundersch\u00f6nen Worten vom Paradies gesprochen, und dass wir es uns schaffen m\u00fcssen, und dass der Geist notwendig ist. Aber vergiss nicht, dass das Handwerkszeug dazu, das einzige, das wir zur Verwirklichung deiner Ideen haben, unser Leben auf dieser Erde ist, und mit ihm Fr\u00fchling, Fr\u00fcchte und alle Natur. Du stehst mit gro\u00dfem Gewicht auf der einen Waagschale des Lebens; schau mich an: ich stehe auf der anderen. Die Liebe, Peter, die Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja, du hast recht. Mein Geb\u00e4ude wankt; es wird zusammenfallen wie ein Kartenhaus. Das Leben ist st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Das Leben ist stark genug, das Paradies zu bauen. Dein Geb\u00e4ude, dein einsam erbautes, steht fest in seinen Grundmauern, aber es muss geliebt, &#8211; beliebt werden. So wie Christus\u2018 Taten erst dem gewaltigen Ideen- und Gesetzesbau des alten Testaments warmes Leben einhauchten. Und ein Geb\u00e4ude werden die Millionen Menschen, die drau\u00dfen durch das Leben wandern, schm\u00fccken und st\u00fctzen, ohne viel zu reden, ohne n\u00fcchternen Arbeitsraum, ja selbst ohne jedes deiner Worte verstanden zu haben, aber: &#8211; im gleichen Geiste und mit dem gleichen Willen. Nicht ohne Liebe bleiben wollen, mein Peter.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (<em>kniet vor ihr. Sehr still:<\/em>)<br>Ich knie vor dir. Ich anerkenne dir die Macht, die mir fehlt. Ich bitte um deine Liebe, deine Worte, deine H\u00e4nde. Man soll der Menschheit nichts sagen wollen, wenn man nicht zugleich auch einer Geliebten etwas zu sagen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Und die Liebe, Peter, ist genauso r\u00e4tselhaft und undefinierbar und unaussprechbar, wie du vorhin vom g\u00f6ttlichen Geist sagtest.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und ich zweifle, ob sie nur auf der anderen Waagschale ist. Sie muss die Weisheit kr\u00f6nen, wenn die Weisheit fruchtbar und t\u00e4tig sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Erinnerst du dich, wie du mich einmal zu deiner K\u00f6nigin der Unlogik machen wolltest? Und ich wollte nicht? Wenn ich jetzt eine Krone h\u00e4tte, dann w\u00fcrde ich dich zu meinem K\u00f6nig machen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ich w\u00fcrde wahrscheinlich komisch aussehen. (<em>Hockt sich nieder<\/em>.)<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ich habe ja auch keine Krone. (<em>Hockt sich zu ihm.<\/em>) Und deshalb soll ein Streicheln gen\u00fcgen. (S<em>treichelt \u00fcber seinen Kopf.<\/em>) F\u00fchlst du die Krone?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja. Ganz leicht und sch\u00f6n. Nun darfst du mich nie mehr verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Werde doch meinen K\u00f6nig nicht verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Denn wen die Liebe gekr\u00f6nt hat\u2026 Wei\u00dft du, fromm und weise soll jeder ruhig f\u00fcr sich sein. Aber Lieben, &#8211; das k\u00f6nnen nur zwei und \u2013 Alle\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>SIE (<em>steht auf.<\/em>)<br>Komm, Peter. Ein Weg liegt vor uns. Der muss gegangen werden. Der erste Schritt ist getan. Du darfst nicht vor mir knien bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>ER (s<em>teht auf, umarmt sie.<\/em>)<br>Dass ich das entbehren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Das ist gut, dass du das entbehrt hast, eine lange Zeit und freiwillig. Sp\u00fcrst du, dass in unseren Umarmungen nun mehr liegt als fr\u00fcher?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Es ist unser Kind dabei. Wei\u00dft du, dass es schon lebt, dass es geboren wurde am ersten Tag. Als wir uns lange in die Augen blickten; da war es schon in uns, zwischen uns.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Eva, jetzt m\u00f6chte ich es aber gerne mal anfassen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ja, jetzt ist es soweit. Ich muss Abbitte tun, weil ich es mir viel zu fr\u00fch gew\u00fcnscht habe. Was sollte es in einer Welt, die nicht einmal den Eltern auch nur halbwegs klar war?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Du glaubst, dass es nun schon das in sich tr\u00e4gt, was wir uns erst erk\u00e4mpft haben?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Ganz gewiss. Jetzt k\u00f6nnen wir ihm doch die Welt in einem viel sch\u00f6neren und weiteren Licht zeigen. Schon lange haben wir es besch\u00fctzt und erzogen. Es gibt ein chinesisches Sprichwort: \u201eDie Erziehung eines Kindes endet mit seiner Geburt.\u201c Man k\u00f6nnte hinzuf\u00fcgen: Sie beginnt mit der Hochzeit der Eltern. Ich bin so gl\u00fccklich, dass du unser Kind anfassen m\u00f6chtest. Ich will ihm ein Wiegenlied singen.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und M\u00e4rchen erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Aber nun komm. Komm in die Sonne, die auch nicht sein kann ohne Liebe. Du?<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Ja?<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Es gibt \u00fcberhaupt nichts, was ohne einander und ohne Liebe sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Und \u2013 ohne uns.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE (<em>gehen nach einer Pause langsam nach vorn.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Der Vorhang schlie\u00dft sich langsam hinter ihnen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>So endet unser Spiel vom Kommen und Gehen. Zu diesem Ziel sind wir gegangen in der dunklen Zeit. Erinnern Sie sich, wo wir hergekommen sind? Damals, im Fr\u00fchling 1939, mit der Lerche und dem Himmel? Nun haben wir uns, &#8211; unser Licht gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>SIE<br>Vielleicht haben auch Sie sich hier gefunden?! Das w\u00e4re sch\u00f6n. So viele Liebespaare\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>ER<br>Wir k\u00f6nnen auch zusammen weitergehen! Ja?<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE (<em>gehen ab.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1364\">Zu Kommen und Gehen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1397\">Claudia zur hiesigen Ver\u00f6ffentlichung <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1352\">Presseschau und Zuschauerbriefe von damals<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1555\">Autobiografischer Monolog von 1947<\/a> &#8211; Das St\u00fcck \u201cKommen und Gehen\u201d berichtet<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1330\">Bild 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1333\">Bild 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1345\">Bild 3<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1347\">Bild 4<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1351\">Bild 5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1372\">Bild 6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1374\">Bild 7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1376\">Bild 8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1378\">Bild 9<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1380\">Bild 10<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** *** Kommen und Gehen &#8211; Zehntes Bild ArbeitsraumHell, n\u00fcchtern, hohe W\u00e4nde, hohes Fenster, zwei T\u00fcren. 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