{"id":1632,"date":"2023-05-15T06:21:43","date_gmt":"2023-05-15T06:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=1632"},"modified":"2026-02-19T11:46:05","modified_gmt":"2026-02-19T11:46:05","slug":"marchen-fur-den-donnerstag-philosophie-einer-liebe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1632","title":{"rendered":"M\u00e4rchen f\u00fcr den Donnerstag &#8211; Philosophie einer Liebe"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\"><strong>Philosophie einer Liebe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Das heutige M\u00e4rchen ist ein wenig anders als die vorhergehenden. Es bedarf keiner gr\u00f6\u00dferen Vorrede als dieser Feststellung<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um die<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>PHILOSOPHIE EINER LIEBE<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-605x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1664\" style=\"width:605px;height:1024px\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-605x1024.jpg 605w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-177x300.jpg 177w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-768x1300.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-907x1536.jpg 907w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15-1209x2048.jpg 1209w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_15.jpg 1314w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es schenkte ihnen die Liebe, da sie aufeinander trafen, die sch\u00f6nsten Tr\u00e4ume ins Herz. Erwachend sprachen sie davon, eng umschlungen. Die Tr\u00e4ume zogen durch die Landschaften der Welt: Felder, Berge, durch lodernde und glimmende Feuer, auf Meeresgr\u00fcnden dahin, durch stille und st\u00fcrmende L\u00fcfte. Sie endeten stets in ihrer Liebe; sie war der Punkt und die Weite, Hafen und Schiff.<\/p>\n\n\n\n<p>Er kam daher \u2013 ein reiner Tor, voll Gl\u00fcck und ohne H\u00e4rte. Die Welt \u2013 unergr\u00fcndlich \u2013 hatte seine Torheit unangetastet belassen. Abgr\u00fcnde f\u00fcllten und ebneten sich, gelangte er in ihre N\u00e4he, Gefahren versiegten. Seine M\u00fcdigkeit gewann er aus best\u00e4ndigem Wandern und Schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kam daher aus vielen Dunkelheiten. Mit lichter Natur in sie hineingeboren, war Kampf ihr notwendiges Element geworden. Es blieben ihr nur wenige Erfahrungen erspart, am wenigsten die bitteren. Aus der Unergr\u00fcndlichkeit und Weite ewigen Eises kommend, musste sie sich immer wieder die schmale Lebensrinne aufbrechen, um in eine ihrer lichten Natur gem\u00e4\u00dfe warme Welt zu gelangen. Sie glich einer M\u00fchle. Was immer ihr widerfuhr wurde Korn; sie zerbrach die H\u00fclle und erkannte den Wert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das R\u00e4derwerk dieser M\u00fchle hatte kaum je stillgestanden. Sie wusste um das Leid, das Unermahlenes ihr antun konnte. Darum gab es Zeiten, wo die M\u00fchlsteine ohne Nahrung, ohne Korn sich drehten. Das knirschte schmerzhaft. Doch sie ertrug eher diesen Schmerz, als die Angst, es k\u00f6nnte Unerkanntes ihr wieder Leid antun.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kam die Stunde, da sie der unabl\u00e4ssigen Drehung Halt gebot. Durch die erwartungsvolle Stille der ruhenden Steine bewegte sie ihre Hand, geschlossen um ein ungebrochenes Korn, das sie ganz tief in sich versenkte und so der erbarmungslosen Steinesh\u00e4rte entzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe, erkennende Liebe war notwendig, dieses Korn zu versenken, in Obhut zu nehmen, bis es aus sich brechen w\u00fcrde. Liebe erkannte, dass dieses Korn ersch\u00f6pfend mehr braucht, als die kurze Drehung der Steine. Und nicht aus Torheit hatte er sich in gerade diese M\u00fchle senken lassen, sondern aus Liebe. Schon vielen H\u00e4nden, die ihn hatten ergreifen wollen, war er entglitten. In dieser M\u00fchle ahnte er seine tiefste Versenkung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das stille Korn in ihrer Tiefe sch\u00fctzte sie vor Widerf\u00e4hrnissen und so verharrten die M\u00fchlensteine in ihrer Ruhe. Und in die Stille fielen Tr\u00e4ume wie Tropfen vom Baum nach rauschendem Regen. Es vergingen N\u00e4chte und Tage, es kamen Morgen und Abende. Da ergriff sie eine Woge. Sie aber wollte sich nicht ergreifen lassen und wehrte sich. Und weil die Woge nicht ohne Sturm geboren werden kann, umgaben ihn die bewegten L\u00fcfte. Auch er wehrte sich. Aber Woge und Sturm sprachen zu ihnen, denn viel mehr Dinge k\u00f6nnen sprechen, als die Menschen gemeinhin glauben wollen. Und da man die Ohren nicht schlie\u00dfen kann, h\u00f6rten sie:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDas Tr\u00e4umen muss enden. Der Traum ist Plan, das Leben ist wirklich. Beginnt zu handeln, denn im Traum wird mit euch gehandelt. Die Traumes\u00e4ngste weichen: Das Leben ist notwendend und angstlos. So sch\u00f6n ein Traum Beginn und Anruf sein mag, so ungleich sch\u00f6ner ist Leben: Vollenden. Zu opfern gilt es. Wenn ihr erwacht und lebt, werdet ihr erkennen, dass es nur ein leichthin Lassen war um zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Waren bis dahin die Tage von den Freuden der vergangenen Tr\u00e4ume erf\u00fcllt, so f\u00fcllten sich nunmehr die Tr\u00e4ume zunehmend mit dem erwachenden Leben. Einmal wurden die M\u00fchlsteine beredt und sprachen zu ihm:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cWir k\u00f6nnen nicht mehr, wir wollen nicht mehr. Das Drehen schafft Qualen. Die Ruhe ist Schein, wenn du nicht wirst. Werde du, auf dass die Ruhe nie wieder ende. Wenn du nicht wirst, kommt keine Liebe. Wir werden eine Allt\u00e4glichkeit ermahlen; doch das ist nichts, denn du bist es nicht.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Nun k\u00f6nnte er liegen bleiben, offenen Auges weiter tr\u00e4umen und warten; auf das Ger\u00e4usch der sich wieder reibenden Steine, auf die Allt\u00e4glichkeit, mit der es sich auch leben l\u00e4sst. Und sie k\u00f6nnte ihn wieder der Welt anheim geben und mit m\u00fcder Bewegung den Ansto\u00df zur Fortdrehung der Steine geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber so unterschiedenen Geistes und gegens\u00e4tzlicher Natur sie auch sind, \u2013 sie lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es erwachen zwei kleine Menschen vor einem gro\u00dfen Tor. Es ist mit vielen Eisen beschlagen, mit Schl\u00f6ssern versehen, deren Schl\u00fcssell\u00f6cher die kleinen Menschen in gro\u00dfer H\u00f6he kaum erkennen k\u00f6nnen. Sie stehen auf und kommen sich vor wie Zwerge. Sie l\u00e4cheln etwas zaghaft. Es kostet Mut, dieses Tor anzuschauen. Sie fassen sich bei der Hand des anderen und stehen lange schweigend davor.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"711\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-711x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1665\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-711x1024.jpg 711w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-208x300.jpg 208w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-768x1107.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-1066x1536.jpg 1066w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16-1421x2048.jpg 1421w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_16.jpg 1758w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Mancher Gedanke wandert zur\u00fcck zu den sch\u00f6nen Tr\u00e4umen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt das Wachstum der Liebe, nur denen m\u00f6glich, die beisammen sind. Es gilt die hohen Schl\u00f6sser zu erreichen, durch die Schl\u00fcssell\u00f6cher zu schauen, aufzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das neue Wachstum der Liebenden schmerzt. Es ist nicht mehr ein Wachstum aus der Natur allein, wie bei Kindern, sondern hier muss der Wachsende mitbauen an jedem Knochen des neuen Ger\u00fcsts, er muss die Muskeln des neuen Organismus selbst spannen und jedem Nerv das notwenige Bett geben. Und wenn man nicht einander helfen k\u00f6nnte, wenn man nicht beisammen w\u00e4re, \u2013 die Schmerzen w\u00e4ren t\u00f6dlich und der Bau unausf\u00fchrbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam ein breiter Strom zwischen die Liebenden und trennte sie. Sie gingen an seinen beiden Ufern der Quelle entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Ufer dehnt sich in flacher Ebene dahin. Kahl und kalt f\u00fcr ihre Augen, die keine Grenzen in der Endlichkeit wahrzunehmen vermochten. An der haltlosen Linie des Horizonts strandete der Verstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ufer, an dem er ging, war von \u00fcppiger Natur: gro\u00dfe B\u00e4ume, Hecken und B\u00fcsche, einige Lichtungen von satten Weiden, Blumen, Schilfr\u00e4nder am Wasser. Er hatte keine Freude daran: die Grenzen waren zu nah, die Waldeswand bedr\u00e4ngte ihn. Sein Blick verfing sich in \u00c4sten, blieb daran h\u00e4ngen und gab sich gr\u00fcbelnder Betrachtung hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch kaum verhielt er dabei den Schritt, so rief sie ihn. Kaum liefen ihre Blicke ruhelos den Horizont entlang, so klang seine Stimme an ihr Ohr. Kein Ausruhen war ihnen geg\u00f6nnt. Oft war es schwer sich zu verst\u00e4ndigen. Die Breite des Flusses und sein Rauschen verschlang manches Wort, und so kamen die liebevollen S\u00e4tze oft entstellt an. \u00c4ngstlich-verwundert versuchten sie dann, den Unsinn zu entr\u00e4tseln, den die Liebe am anderen Ufer gesprochen hatte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"717\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-717x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1666 size-full\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-717x1024.jpg 717w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-210x300.jpg 210w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-768x1097.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-1076x1536.jpg 1076w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17-1434x2048.jpg 1434w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/MaBu_17.jpg 1758w\" sizes=\"auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Doch kaum verhielt er dabei den Schritt, so rief sie ihn. Kaum liefen ihre Blicke ruhelos den Horizont entlang, so klang seine Stimme an ihr Ohr. Kein Ausruhen war ihnen geg\u00f6nnt. Oft war es schwer sich zu verst\u00e4ndigen. Die Breite des Flusses und sein Rauschen verschlang manches Wort, und so kamen die liebevollen S\u00e4tze oft entstellt an. \u00c4ngstlich-verwundert versuchten sie dann, den Unsinn zu entr\u00e4tseln, den die Liebe am anderen Ufer gesprochen hatte.<br>Da sah er, wie sie sich im Kreise drehte, h\u00f6rte, wie sie schrie. Es war ihr die Ebene zu viel geworden. Er sprang in den Strom und schwamm zu ihr. Und mit dem Schwimmen, mit jedem Sto\u00df, den er tat, wurde des Stromes Breite geringer. Bald hatte er die Geliebte erreicht, die ihn trocknete, umarmte und k\u00fcsste.<\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Er befand sich wohl an ihrem Ufer. Die Ebene bot seinen Augen Raum, den sie f\u00fcllen wollten. Und aus seinen Worten erkannte sie, dass das Ufer der B\u00e4ume und Blumen ihr Paradies sei. Es verlangte sie nach ihrem Paradiese. Er geleitete sie hin\u00fcber. Wieder wurde der Fluss schmaler. Notwendigerweise, schmerzlicher Abschied nach kurzer Rast auf ihrem Ufer, und er schwamm wieder zur\u00fcck. Er erreichte das andere Ufer nicht, sondern schwamm direkt in die Flussquelle hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Sternenhimmel ruhten sie, unter der Quelle des \u00fcberwundenen Flusses, eng umschlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>So war der Tag gekommen, da die Grenzen fielen. Ihre Woge trug sie so hoch hinauf, dass sie keine Grenze mehr sah, nur \u00fcberwindbare Fernen noch. Damit wich die Angst vor irgendwelcher Macht irdischer Art aus ihr. Und ihm blies der Sturm den Geist des Unteilbaren und Unmessbaren ein. Nichts war mehr au\u00dfer ihnen und nichts unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Grenzen gefallen waren, sprach zu ihnen der Wandel:<br>\u201cDie Bewegung ist das Unbegrenzte. Ruhet nie, gehet immer. Wer steht, hat einen Standpunkt, deren es unz\u00e4hlige gibt. Wer vom Standpunkt aus den Wandel zu erkennen versucht, wird bitter und traurig. Nur wer im Wandel sich mitbewegt, hat Hoffnung auf Gnade und Erkenntnis. Des Stehenden Macht ist Gewicht nach unten. Des Wandelnden Kraft treibt in liebende Sterne mitten hinein.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Da f\u00fchlten sie sich in den Lauf der Gestirne einbezogen, fanden sich \u00fcberall wieder, sahen in unz\u00e4hlige Spiegel. Sie sprachen zueinander wie Sonne und Mond:<br>\u201cDu meine Sonne,\u201d sprach sie, \u201cf\u00fclle mich mit deinem Licht. Ergib dich mir. Vertrau dich mir, geh ferner, komm n\u00e4her. So grenzenlos dein Licht zu unserer Erde jagt, so grenzenlos sollen durch mich unserer Erde Wasser str\u00f6men. Was w\u00e4rst du mir ohne Erde? Blendender, segnender Planet. So aber bist du meine Liebe.\u201d<br>\u201cDu mein lieber Mond! Was w\u00e4re meine Bahn, h\u00e4tte sie nicht immer neue Stellungen zu dir? Ein Leben kann kaum ersch\u00f6pfen, was meine Strahlen an dir zu erhellen und zu entz\u00fcnden verm\u00f6gen. Ich war in mir und kannte die Grenzen des Feuers. Nun ist ein jeder Fluss auf unserer Erde von deiner Art und liebend ber\u00fccken ihn meine Strahlen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Grenzen gefallen waren, kamen sie ins Gleichgewicht des Unw\u00e4gbaren, ins Ma\u00df des Ungemessenen. Eine Welt, dem Unliebenden zugangslos und unverst\u00e4ndlich wie dem gro\u00dfen Sieb die feine Substanz. In dieser Welt der Liebe wird alles Vorstellbare, was man wagt und hofft, M\u00f6glichkeit! Sie spottet jedoch der Beschreibung, denn alle Beschreibung ist einsam. Das Leben in Liebe aber ist gemeinsam und \u00e4u\u00dferungslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erkannten, wie sie im Wachsen einander unentbehrlich geworden waren. Ihre Fehler tropften nicht in ein Gef\u00e4\u00df am Boden,- die Hand der Liebe fing sie auf und glich sie aus. Die Gr\u00f6\u00dfe der Liebe f\u00fcllte den Mangel des Anderen. So wuchsen sie ineinander, wie H\u00e4nde sich falten.<\/p>\n\n\n\n<p>Da bemerkten sie eines Tages, dass die Schl\u00fcssell\u00f6cher jenes Tores, dessen Gr\u00f6\u00dfe sie am Tag des Erwachens so viel Mut gekostet hatte, schon bald in der N\u00e4he ihres Knies lagen. Er \u00fcberstieg das Tor und griff zur\u00fcck, hob sie auf seine Arme und zeigte ihr von der neuen Welt. Zeigte ihr die Farbe reifer Kastanien, eine Brennnessel unter unz\u00e4hligen, die Bescheidenheit einer Knospe, bereit zu den Forderungen des liebenden Fr\u00fchlings, das Tier, das sein Junges f\u00fcttert, lie\u00df sie da Grunzen einer Sau h\u00f6ren und den Nachtigallenschlag. Dann sagte er:<br>\u201cWerde du wie die Natur, liebe so sichtbar, forme so klar und hastlos den Inhalt, der dir zustr\u00f6mt. Erschaffe Anfang auf Anfang, vertraue auf das Ende des gut Begonnenen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Leise dreht er sie im Kreise, und sie wiegt darin so leicht. Sie hebt die guten H\u00e4nde, schlie\u00dft die Augen und sagt:<br>\u201cWerde du so wie der Geist. Liebe du so unsichtbar, sei tausendmal ungebundener, nur mir verbunden. Vertraue auf das gut Begonnene und vollende. Halte und trage, was ich nie zu halten und tragen vermag: mich, Deine Geliebte.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Sturm und Woge sind lange gesunken. M\u00fchlstein ruht auf M\u00fchlstein: Es f\u00fcllt die Frucht des einstmals versenkten Kornes die ganze M\u00fchle aus. Ihre Fl\u00fcgel drehen sich im sanften Wind und treiben den Geist, der in ihr erwachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen f\u00fcr den Montag &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1624\">Wie einer auszog, das Gute und Sch\u00f6ne zu suchen<\/a><br>&#8230; f\u00fcr den Dienstag &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1627\">M\u00e4rchen in der M\u00fcllerstra\u00dfe<\/a><br>&#8230; f\u00fcr den Mittwoch &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1630\">Prinz, Prinzessin und B\u00e4r<\/a><br>.<br>&#8230; f\u00fcr den Freitag &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1634\">Wie M\u00e4rchenbriefe gewechselt werden<\/a><br>&#8230; f\u00fcr den Sonnabend &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1636\">Der B\u00e4r kann auch gut sein<\/a><br>&#8230; f\u00fcr den Sonntag &#8211; <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1638\">Aus dem Tagebuch eines Schutzengels<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Philosophie einer Liebe *** Das heutige M\u00e4rchen ist ein wenig anders als die vorhergehenden. 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