{"id":1860,"date":"2023-05-10T14:43:03","date_gmt":"2023-05-10T14:43:03","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=1860"},"modified":"2024-10-11T06:23:22","modified_gmt":"2024-10-11T06:23:22","slug":"lotte-in-weimar-und-auch-peter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1860","title":{"rendered":"Lotte in Weimar &#8211; und auch Peter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Aus Peters nicht gerade linearen Erinnerungen <br>(die er hier bei uns in Mandela schrieb)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erinnerung 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>WEIMAR<\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00e4ngt ein Schl\u00fcssel zu einem Gl\u00fccksloch, zu einem Glanzpalast in meinem Leben: Weimar. Vier au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Jahre am Deutschen Nationaltheater. Meine ersten ernsthaften Erfahrungen als Schauspieler. Ich wurde Komiker, nicht nur. Und ich wurde Ehemann und Vater. Vielleicht sollte man die Reihenfolge umstellen: Ehemann und Vater, sodann auch Komiker: Dromio in der KOM\u00d6DIE DER IRRUNGEN, Perin in der DONNA DIANA.<\/p>\n\n\n\n<p>Das begann im November 1946. Erstes Problem war die Wohnungssuche. Ich hatte da an der Ostsee in einem Kurzurlaub mit Gisela und Josse eine Tochter des Hauses Kiepenheuer kennengelernt. Zu der ging ich, und die nahm mich vorl\u00e4ufig auf im Hause des Verlegers Kiepenheuer. Einschneidende Erinnerung: Hunger. Trockenbrot, und davon nicht genug. In Scheiben nach Terminen eingeteilt, die ich alle a\u00df, ohne auf die Termineinteilung zu achten. Nee, war nicht gut, dieser Anfang der au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6nen Jahre, auch wenn ich nicht verhungert bin. In der Kantine lernte ich die Kollegin Charlotte Ulbrich kennen, mit der ich als erstes in UND PIPPA TANZT spielen sollte, Gerhart Hauptmann, den Hellriegel. Ich hatte das St\u00fcck mal gesehen, mit K\u00e4the Gold in der Titelrolle, und Eugen Kl\u00f6pfer. Meine Mutter verballhornte: \u201eUnd Tante piepst\u201c. Aber die Russen sagten: Njet, nix dieses pseudoromantische Ges\u00e4usel, dieses urgermanische Mysteri\u00f6se. Und sie reichten daf\u00fcr <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1994\">TANJA <\/a>\u2013 DIE ZWEITE GEBURT ins Theater-Geh\u00e4use, ein St\u00fcck des zeitgen\u00f6ssischen Arbusow mit einer Glanzrolle f\u00fcr Charlotte, mit keiner Rolle f\u00fcr Pepo. Der Untertitel war f\u00fcr Charlotte nat\u00fcrlich sehr bedeutsam: Es war ihre zweite Geburt nach der Katastrophe mit Ottos Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wohnungssuche endete bei Frau Blasius in der Heckelstra\u00dfe, wo sowohl Charlotte als auch ich m\u00f6blierte Zimmer mieteten. Da begann, was \u00fcber 50 Jahre halten sollte: Die Liebe zwischen diesem Berserker Charlotte und dem so zart besaitet wirkenden Pepo \u2013 so hie\u00df er immer noch nicht. Ich war nat\u00fcrlich gar nicht so zart besaitet, sondern hatte viel energisches Beharrungsverm\u00f6gen in der Seele. Claudia sagte neulich: \u201eBei dir f\u00fchlte sich Mutti geborgen, deshalb ist sie dir auch nie untreu geworden.\u201c Was man bez\u00fcglich der Ehe mit Otto nicht behaupten kann. Verrate ich zu viel?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spielte erstmal im wei\u00dfen Smoking BUNBURY, den Algernon, wenn ich mich an den Namen der Rolle einigerma\u00dfen richtig erinnere. Das wurde ein netter Erfolg, nichts Aufregendes. Ich b\u00fcckte mich dem Garderobier, der etwas klein und bucklig war, entgegen, dass er mir die Schleife um den Hals kn\u00fcpfe, aber das wollte der partout nicht, war empfindlich wegen seines Kleinwuchses. Will-Jo Bach spielte den m\u00e4nnlichen Partner, Christiane Enskat, heftig in mich verliebt, schon wieder eine, mein Liebchen, das andere Liebchen war Anne-Marie Hueck (gesprochen: Huck). Ein junger Kollege lie\u00df verlauten, dass meine Rolle eigentlich seine Rolle gewesen w\u00e4re, \u201eaber der Podehl musste ja eine Anfangsrolle kriegen.\u201c Der junge Mann war fortan keine Gr\u00f6\u00dfe im Ensemble, war alles andere als eine Konkurrenz f\u00fcr mich. So weckste Eifersucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Stiebner inszenierte <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1994\">TANJA<\/a>, er war ein sehr guter Regisseur, aber einer von denen, die sich im ersten Akt festbei\u00dfen, dem zweiten Akt einige Aufmerksamkeit widmen und erst reichlich sp\u00e4t vor der Premiere merken, dass es da noch einen dritten Akt vor einiger Bedeutung gab. Es wurde ein Riesenerfolg f\u00fcr Charlotte. Auf der Hauptprobe sagten die Russen: Nicht in diesen Dekorationen, das sind ja Armenh\u00e4user! Verschiebung um eine Woche, bis die neuen, schickeren Dekorationen fertig waren. Im Grunde waren die Sowjets ja sehr b\u00fcrgerlich. Auf der rasanten Premierenfeier stellte meiner Charlotte der F\u00fchrer der Ost-FDP Wilhelm K\u00fclz nach, was ihr gar nicht behagte. Der sowjetische Kulturoffizier fragte Charlotte, ob er ihr einen Wunsch erf\u00fcllen k\u00f6nnte. Ja: eine Wohnung, damit sie ihren Sohn Thomas, der noch bei seiner Tante in Jena wohnte, zu sich nehmen konnte. Charlotte wusste auch schon, wo die Wohnung lag: Haeckelstra\u00dfe 3 (oder 5?), derzeit noch bewohnt von russischen Soldaten, aber die z\u00f6gen sowieso aus. Woher sie das wusste, wei\u00df ich nicht. Am n\u00e4chsten Tag wurde ihr die Wohnung zugeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war eine wundersch\u00f6ne Wohnung, im Nachbarhaus wohnte die Frau Blasius. Charlotte hatte im Horoskop stehen: \u201aIn Wohnungsangelegenheiten werden sie im Leben mit Gl\u00fcck zu rechnen haben.\u2019 Ich habe diesen Satz nie so recht geglaubt, aber irgendwann habe ich ihn dann wirklich gelesen. Erdgeschosswohnung mit Garten. Zun\u00e4chst mietete ich da ein m\u00f6bliertes Zimmer. Irgendwann kam Amanda, das war die Haush\u00e4lterin in der Familie Schmidt in Stendal gewesen. Charlotte z\u00f6gerte sehr, sie aufzunehmen, denn sie war in Stendal ein Tyrann, den Charlotte fragen musste, ob sie mit Thomas ausfahren d\u00fcrfe. Aber die Zeit nach Schmidts hat sie wohl einigerma\u00dfen geknetet, so dass die Tyrannenattit\u00fcde abfiel. Es war sehr gut, sie zu haben, Charlotte war frei, Theater zu spielen. Noch dazu, nachdem dann Claudia zur Welt kam. Sie bewohnte mit Thomas und Claudia das Zimmer, das ich anfangs gemietet hatte und ich zog ins Schlafzimmer zu Charlotte.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eGutes Spiel\u201c, w\u00fcnschte uns Amanda, wenn wir abends zur Vorstellung gingen. Ein guter Wunsch, den ich nicht kannte; ich glaube, sie hat ihn erfunden. Das war ja sehr sch\u00f6n: am Abend, wenn die anderen ins Theater gingen, fangen wir Schauspieler an zu arbeiten, ein sch\u00f6nes kleines Mysterium. Naja: nun gleich Mysterium, &#8211; kleine Eigenheit. Charlotte spielte fast nur noch Titelrollen. Ich spielte sehr viel, alles durcheinander: komisch, ernst, gro\u00df, klein, Hauptrollen, Chargen. Gerne franz\u00f6sische Boulevard-Kom\u00f6dien: DIE GL\u00dcCKLICHEN TAGE und HEUTZUTAGE MIT ACHTZEHN JAHREN. War viel Lust dabei. Charlotte plagte sich viel viel mehr als ich, sie wollte immer schon auf der ersten Probe Premierenqualit\u00e4t liefern \u2013 Ich war sehr viel unbek\u00fcmmerter, daf\u00fcr fehlte mir eher der Ernst am Abgrund. Charlotte hat mich ein Leben lang aufgezogen \u00fcber einen Abgang bei meiner zweiten Rolle: Leutnant zur See in DIE MATROSEN VON CATTARO. War das etwa von Friedrich Wolf? Ja, war es. Da sei ich nach einer dramatischen Szene v\u00f6llig privat abgegangen, als spielte ich gar keine Rolle. Dabei hatte dieser Leutnant eine recht dramatische Szene hinter sich, Auseinandersetzung mit den zum Meutern entschlossenen Matrosen. \u201eGeht der ab, als sei er Pepo\u2026\u201c Nein, damals nannte sie mich noch nicht Pepo.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lore Muth, Kollegin an der Schauspielschule in Wien, eine dicke Person, deren schauspielerische Laufbahn wegen ihrer Leibesf\u00fclle etwas fragw\u00fcrdig schien, aber von einigem Pfiff; wenn ich ihr sagte: \u201eNaja, zum lebenden Leichnam von Tolstoij fehlt mir noch das Letzte.\u201c Dann sagte sie ganz trocken mit ihrem schmallippigen Mund: \u201eDas Letzte? Dazu fehlt dir das Erste.\u201c Mistst\u00fcck, das die Wahrheit sprach. Ich liebte Tolstoijs Titel und den Text, aber sehr oberfl\u00e4chlich. Heute mag ich den Titel \u00fcberhaupt nicht mehr, Text wei\u00df ich nicht, ist ja wohl eine ziemliche Gef\u00fchlsschmiere. Eiwei, sehr freche Einsch\u00e4tzung. Moissi hatte den gespielt. Lore Muth spielte \u00fcbrigens die Marthe Schwerdtlein in einer Auff\u00fchrung des Urfaust, die wir in Salzburg zum Besten gaben. Ich den Wagner.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Aufnahmen mit Monologen, die Moissi spricht. Nicht zum Anh\u00f6ren. Der war meiner Mutter noch ein Begriff; ob sie ihn noch gesehen und geh\u00f6rt hatte, wei\u00df ich nicht. Ein Pathos, ein Singsang, &#8211; nein! Das hat sich wohl doch eine Menge ver\u00e4ndert, zum Guten. Am Nationaltheater war Lothar M\u00fcthel, ber\u00fchmter Mann der zwanziger Jahre bei Jessner am Schauspielhaus in Berlin, etwas korrumpiert als Direktor des Burgtheaters in den Nazi-Jahren. Er neigte zum Pathos, wenn er Goethe sprach, Beate Lenders konnte ihn da herrlich nachmachen: Urworte, orphisch. Auch \u201aAral\u2019 soll er wunderbar gesprochen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich rutsche ganz sch\u00f6n weg vom Thema, macht aber doch vielleicht auch Spa\u00df. Nicht vergessen, dass Pathos von Pathein kommt, das hei\u00dft leiden. Denkbar, dass wir eine attische Trag\u00f6die im Original kaum ertragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mandela, <\/em> ohne Datum<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erinnerung 5<\/strong> &#8211; Verschiedene Theaterst\u00fccke, am Anfang<\/p>\n\n\n\n<p>Wir spielten in Weimar zuerst in der Weimarhalle. Da war hinten noch ein kleines Haus dran. Das blieb nach dem Einzug in den Neubau als Kleines Haus erhalten, war sehr klein, aber sehr sch\u00f6n. Da gabs die Urauff\u00fchrung von unserem <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=177\">KOMMEN UND GEHEN<\/a> . Die Weimarhalle bedeutete f\u00fcr die Regisseure ganz sch\u00f6ne Klimmz\u00fcge, denn da war praktisch nur ein gro\u00dfes Orchesterpodium. Aber so was regt ja auch an. Der Chef, Hans-Robert Bortfeldt, konnte besonders gut damit umgehen: <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1953\">WIE ES EUCH GEF\u00c4LLT<\/a>, seine gro\u00dfe Anfangsinszenierung mit Charlotte als Rosalinde. \u201eBl\u00f6der Sch\u00e4fer!\u201c hatte Charlotte zu mir zu sagen. Nicht so doll, aber von Shakespeare.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zeit am Nationaltheater Weimar ist in der Erinnerung ein einziger riesiger, wundersch\u00f6ner Blumenstrau\u00df. Es war eine solche F\u00fclle, dass ich einige M\u00fche habe, davon einigerma\u00dfen linear zu erz\u00e4hlen. Und es war ja doch auch Hochzeit und Claudia-Geburt. Auch hier sollte die Reihenfolge stimmen: Hochzeit und Claudia-Geburt und eine F\u00fclle am Theater.<\/p>\n\n\n\n<p>Helmut Spie\u00df inszenierte Benatzkys MEINE SCHWESTER UND ICH. Die M\u00e4nnerrollen waren mit dem Buffo Karl Lohmann und Gerd-Michael Henneberg besetzt. Und zwar sollten die alternativ die Hauptrollen spielen, das war so eine moderne Variante zum Thema: keine Protagonisten. Premiere mit Karl Lohmann als Liebhaber und Henneberg als Filosel. N\u00e4chster Abend umgekehrt, aber Henneberg sagte ab: krank. Hatte offensichtlich so viel Schiss, den Liebhaber zu spielen. Das \u00e4rgerte Hans-Robert Bortfeld und Helmut Spie\u00df sehr und sie beschlossen, einen Coup zu landen: Ich sollte in der zweiten Auff\u00fchrung den Filosel spielen, um Henneberg einen Denkzettel zu verpassen. Das klappte, vom Morgen bis zur Vorstellung. Ich lernte sehr behende den Text samt Singen und Tanzen und spielte am Abend. Ich hatte da auch der blonden Brigitte Gola an den Hintern zu fassen, sie zu st\u00fctzen, als sie im Schuhladen auf der Leiter stand. Was man so in der Erinnerung beh\u00e4lt&#8230; Man sagte, es habe den Henneberg sehr irritiert. Als Lohmann mal tingeln wollte und mich fragte, ob ich die Rolle nochmals spielen w\u00fcrde, habe ich Nein gesagt, ich h\u00e4tte den Text gar nicht mehr parat gehabt. Eine Zeitungskritik lobte mich, als h\u00e4tte ich die Rolle einstudiert, nannten mich: eine Grande Utilit\u00e9, das war eine etwas altmodische Fachbezeichnung wie schwerer Held oder Naive: Einer, der f\u00fcr sehr viele Rollen zu brauchen ist. O \u00fcber die Leichtigkeit solchen Arbeitens \u2013 o \u00fcber die Leichtigkeit, nach sechzig Jahren davon zu berichten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Gabs denn da keine Misslichkeiten, Durststrecken? Gabs nat\u00fcrlich. DIE MAUS IN DER FALLE von Gustav von Wangenheim, ein miserables Theaterst\u00fcck, Hans-Robert inszenierte das mit Friedel Nowack als Gast in der Hauptrolle, das war die Frau von Dr. Erwin Reiche, zur\u00fcckgekehrter Emigrant, der sp\u00e4ter Besetzungschef bei der DEFA wurde. Ich notierte nur drei Vorstellungen, danach \u00dcbernahme durch wen anderen. Ich glaube, ich war nicht b\u00f6se. DIE BRESCHE, noch so&#8217;n Kriegsschiffst\u00fcck, ein sowjetisches, aber da spielte sogar Lothar M\u00fcthel mit, fast v\u00f6llig versunken in der Vergangenheit. War greuslich! Spielten die meisten mit lautem oder leisem Z\u00e4hneknirschen. Aber dann doch mit allem Einsatz \u2013 Schauspieler, die nicht m\u00f6gen, gibt\u2019s nicht! Make the best of it. Auch aus einem grottenschlechten St\u00fcck. Woher kommt denn nur dieses grotten-? Irgendwo las ich: er war ein grottenschlechter Liebhaber. Schlecht mit grotten- zu steigern, &#8211; es klingt ja sehr gut, aber \u00fcber die Herkunft wei\u00df ich nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<strong>Erinnerung 6<\/strong> &#8211; Das Ende<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann ging das Theater-Paradies Weimar zu Ende. Zum Jahreswechsel 1949\/50. \u00dcber Hans-Robert Bortfeldt gab es Ger\u00fcchte \u2013 wohlgemerkt: Ger\u00fcchte, \u00fcber deren Wahrheitsgehalt ich nicht das geringste wei\u00df -, er habe Gelder f\u00fcr das Theater in private Kan\u00e4le verschwinden lassen. Hans-Robert hatte nie Geld. Eine sehr zuverl\u00e4ssige Pumpstelle war dann Charlotte, noch in Weimar. Nie bekam sie etwas zur\u00fcck. Eines Tages wurde es ihr zu viel, und sie verweigerte weitere Zahlungen. Als Hans-Robert tot war, hat sie das bitter bereut. Wie auch immer: Er flog die Treppe rauf, wurde Chefdramaturg der DEFA mit dem h\u00f6chst fragw\u00fcrdigen Auftrag, nur noch Drehb\u00fccher in die Produktion zu schicken, die politisch eindeutig auf der SED-Linie lagen, aber dabei immer hochk\u00fcnstlerisch waren. Eine Forderung nach der Quadratur des Kreises, die nicht gelingen konnte: Entweder TH\u00c4LMAN oder EINE VOM ZIRKUS mit Henny Porten. Hans-Robert ging nach Berlin und nahm viele von uns mit. Mich auch, als Autor. Dazu gab es einen Zusatz im Jahresvertrag als Schauspieler, der nicht gerade juristisch einwandfrei war, wie der Nachfolger betonte. Aber er lie\u00df uns ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war der Tod der Schauspielerin Charlotte Ulbrich. Das klingt sehr brutal. Claudia sagt immer wieder mal: sie h\u00e4tte Theater spielen k\u00f6nnen. Dass sie es nicht wollte, kann man so simpel nicht sagen. Sie konnte es nicht. Und sie wurde die Herrin des Hauses in der Aretinstra\u00dfe 6, das sie in ein Paradies verwandelte. Mit einer Umsicht ohnegleichen. Das wurde jetzt bei der Aufl\u00f6sung noch einmal ganz deutlich sichtbar. Ich h\u00e4nge \u00fcbrigens mein Herz nicht an das Haus, bin sehr unsentimental. Wenn Wechsel notwendig sind, sollte man sie unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Wir spielten als Letztes KARL III. UND ANNA VON \u00d6STERREICH, ein sehr harmloses Lustspielchen mit Musik, ein Zwei-Personenst\u00fcck, das aber auch viel Spa\u00df machte. Es war ein Bonbon, den uns der neue Chef da hinwarf: Roland Kaiser, war in Leipzig Schauspieler und Regisseur. Und sehr strammer Parteigenosse. Das war er nat\u00fcrlich auch in Weimar. Seinen Regiesseurseinstand gab er mit dem St\u00fcck eines Wiener Kommunisten, Ernst Fischer, wenn ich mich recht erinnere: DER GROSSE VERRAT, ein St\u00fcck \u00fcber Tito in Jugoslawien, der von Moskau abgefallen war, auch ein ziemliches Machwerk, opportunistisch, propagandistisch, Moskau verraten \u2013 welch ein Sakrileg! Kaiser besetzte prominent. Da durfte Charlotte nicht fehlen: sie sollte die Tochter von Tito spielen, die sich gegen des Vaters Verrat auflehnt: Propaganda von der ganz plumpen Art, mit S\u00e4tzen, die kaum zu sprechen waren. Charlotte m\u00fchte sich wahnsinnig, mit Tr\u00e4nen und ohnm\u00e4chtiger Wut beim Textlernen, aber \u2013 sie wurde umbesetzt. Christa Lehmann spielte die Tito-Tochter. Ob damals schon, wei\u00df ich nicht \u2013 sp\u00e4ter wurde sie eine stramme Genossin, blieb bis an ihr Lebensende in Weimar. Ich habe das in meinem Roman <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1901\">DIE SELTSAME KARRIERE DER HENRIETTE GUSIC<\/a> verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Charlotte umbesetzen, noch dazu in so heikler Rolle! Die die Stuart so gespielt hatte, dass gestandene M\u00e4nner weinen mussten, die nur Titelrollen spielte, kann keine sozialistischen Texte sprechen! Das hatte ja auch eine politische Dimension. Ich m\u00f6chte nicht wissen, ob es da nicht eine Stasi-Akte \u00fcber sie gibt. Es dauerte, bis sie ein St\u00fcckchen Freiheit empfand, die Last dieser Rolle loszusein. Dann das Bonbon des Zwei-Personen-Lustspiels. Wir verlie\u00dfen Weimar mit gemischten Gef\u00fchlen. Beate Lenders hat uns Jahrzehnte sp\u00e4ter gesagt, dass der Kaiser ein wenig angenehmer Zeitgenosse und Intendant war.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ich inszenierte dann in Weimar noch Nestroys LUMPAZIVAGABUNDUS, was mir nicht sehr gut gelang. Kein wirklicher Flop, aber ich sollte ja dann noch Shaws DIE HEILIGE JOHANNA mit Charlotte inszenieren. Dar\u00fcber wurde gar nicht mehr gesprochen. Kaiser war sicher eher froh, dass er uns los war, wir waren froh, dass wir fliehen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;Mandela, <\/em>ohne Datum<\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;<\/em><strong>Erinnerung 7<\/strong> &#8211; Donna Diana<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ich bin in meinem Leben der spanischen Kom\u00f6die DONNA DIANA von Moreto, \u00fcber den ich ansonsten nichts wei\u00df, dreimal begegnet. Das erstemal im Kleinen Haus des Staatstheaters in der N\u00fcrnbergerstra\u00dfe, ein sehr h\u00fcbsches Haus am Ende der Stra\u00dfe, wo sie auf den Zoologischen Garten st\u00f6\u00dft. Kaum eine Erinnerung. Werner Kraus spielte den Perin. Ich sehe ihn etwas verloren auf heller leerer B\u00fchne stehen, Maria Bard war die Donna Diana. Ich glaube, J\u00fcrgen Fehling hatte es inszeniert. Es ist eine Variante der WIDERSPENSTIGEN, ein schwacher Shakespeare, wage ich zu urteilen. Die zweite Begegnung war auf der Schauspielschule des Deutschen Theaters in der Trib\u00fcne am Knie (heute Ernst-Reuter-Platz). Unser Lehrer, Dr. Paul Helwig inszenierte das. Es gab zwei Inspizienten, ich war einer, Tom Engel der andere. Der Grund: Die B\u00fchne hatte kaum Tiefe und war bis in den letzten Winkel Spielfeld, auf jeder Seite ein Inspizient. Gute Erinnerung, aber keine deutliche.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;In Weimar lie\u00df ich gelegentlich die Bemerkung fallen, wie gerne ich den Perin spielen w\u00fcrde. Aber man erwiderte: \u201eF\u00fcr den Perin ist der Podehl nicht b\u00f6se genug.\u201c Wie bitte? Perin \u2013 b\u00f6se? Naja, er leistet sich schon einige ganz sch\u00f6ne \u00dcbergriffe auf seine Herrin, die Donna Diana, l\u00e4sst sie zappeln in ihrer zickigen Anti-Liebe-Haltung und verkuppelt sie an dem herrlichen Don C\u00e4sar. Und zu seiner Floretta ist er auch nicht gerade nett: \u201eDa ist ein allerliebstes Ding, die h\u00e4ngt sich an mich fast wie eine Klette. Und ich bin grob\u2026\u201c Gibt ein herrliches Foto von Stefan Moses, da seh ich doch ganz sch\u00f6n b\u00f6se aus. Hans-Robert war weg, die Intendanz lag kommissarisch in den H\u00e4nden des Schauspielerkollegen Walter Jup\u00e9 und von Opernboss Carl-Heinrich Kreith. Und dann hing da eines Tages der Besetzungszettel DONNA DIANA, Donna Diana: Charlotte Ulbrich, Perin: Peter Podehl, Regie: Helmut Spie\u00df. Ich freute mich wahnsinnig, nein: sehr. Wir probten mit viel Spa\u00df. Ich war ein ungenannter aber intensiver Regieassistent. Eine Wirbel-Inszenierung mit viel drehender Drehb\u00fchne auf offener Szene, ich fuhr da gelegentlich mit, sprang auf und ab. Rolf Christiansen schuf B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme. Und sagte eines Tages auf einer Probe: \u201eHelmut, Peter, wir m\u00fcssen f\u00fcr den B\u00fchnenmeister einen genauen Plan machen, damit der wei\u00df, was wann zu geschehen hat, insbesondere die Drehb\u00fchnenpositionen. Morgen Abend halb acht in meinem B\u00fcro.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren p\u00fcnktlich und fingen an. Nach kurzer Zeit sagte Helmut, er m\u00fcsse runter auf die B\u00fchne, er habe Abendregie in einer Vorstellung KABALE UND LIEBE, was er inszeniert hatte. Ein Abendregisseur ist eigentlich nur da f\u00fcr Entscheidungen, wenn etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches passiert, da tritt er vor den Vorhang und erkl\u00e4rt, was vorgefallen ist, etwa: \u201eLeider m\u00fcssen wir die Vorstellung abbrechen, da sich der Hauptdarsteller in der Pause auf der Jagd nach einem sch\u00f6nen M\u00e4dchen das Bein gebrochen hat\u201c. Helmut h\u00e4tte dem Inspizienten sagen k\u00f6nnen, er sei oben bei Rolf Christiansen. Nein, er ging. Rolf und ich sch\u00fcttelten die K\u00f6pfe. Es war typisch Helmut: dieses Disponieren und Festlegen mochte er \u00fcberhaupt nicht. Er inszenierte aus dem Bauch. Und als es auf die Premiere zuging, merkte er, dass er das St\u00fcck nicht inszeniert, sondern eigentlich nur Gag an Gag gereiht hatte \u2013 etwas \u00fcbertrieben gesagt. Einer seiner sch\u00f6nsten Einf\u00e4lle: Wenn Diana kapituliert, soll ich, vorne an der Rampe r\u00e4kelnd eine wei\u00dfe Fahne schwingen. Tat ich. Szenenapplaus. Damit die Fahne sich gleich voll entfaltete, durfte sie nicht aufgerollt werden, sondern wurde von mir \u2013 nicht vom Requisiteur \u2013 vor der Vorstellung fein gefaltet an der Rampe griffbereit hingelegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201aDONNA DIANA, ganzes St\u00fcck, Probeb\u00fchne\u2019 stand auf dem Probenzettel f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Eine Probeb\u00fchne ist etwas Entsetzliches, jedenfalls etwas sehr Ern\u00fcchterndes. Da stehen Bassgeigen in ihren riesigen Etuis, Kesselpauken f\u00fcr das Sinfonie-Orchester, St\u00fchle, keine Dekorationen, die sind nur mit Kreidestrichen markiert. Schauspieler, die nicht dran sind, warten hinter den Kreidestrichen auf ihren Auftritt, gut einsehbar f\u00fcr den Regisseur, der nun das St\u00fcck retten muss. Und zunehmend nerv\u00f6ser wird. Helmut Spie\u00df in N\u00f6ten. Charlotte hatte eine Szene absolviert und setzte sich hinter den Kreidestrich und holte aus ihrer Tasche das Strickzeug und \u2013 strickte. Das war zu viel f\u00fcr Helmut, so im Sinne von \u201aMusst du denn jetzt stricken?&#8230;\u2019 Stricken beruhigt die Nerven, jedenfalls die der Strickenden. Ein Wort gab das andere, Helmut wurde beleidigend. Und Charlotte zu beleidigen, das war ziemlich t\u00f6dlich. Schlie\u00dflich verlie\u00df sie die Probeb\u00fchne mit den Worten, f\u00fcr alle Mitwirkenden verst\u00e4ndlich: \u201eIch gehe jetzt. Wenn du dich ausgekotzt hast, kannst du mich ja wieder rufen.\u201c Und ab wie Maria Stuart. Nach kurzer Sprachlosigkeit st\u00fcrzt Helmut hinterher. Und ich auch, nichts Gutes ahnend. Und tats\u00e4chlich: auf dem Korridor schrie Charlotte: \u201eLeck mich doch am Arsch!\u201c Und Helmut: \u201eWaaas hast du gesagt?\u201c Und st\u00fcrzt sich auf sie. Ich im Hechtsprung dazwischen. Das Wort \u201aHechtsprung\u2019 benutzte Charlotte stets, wenn sie die Szene schilderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Sprache blieb ihr im Halse stecken. Nicht blo\u00df im Moment, sondern anhaltend. Arzt, Behandlung. Fortan sprach sie nur pantomimisch, auch noch in Haupt- und Generalprobe, sodass die Herren kommissarischen Leiter heiter sagten, sie seien gespannt, was die Ulbrich in der Premiere f\u00fcr einen Text abliefern werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Technische Probe f\u00fcr alle auf der B\u00fchne. So, jetzt mussten die von Rolf und mir erarbeiteten Positionen dem B\u00fchnenmeister vermittelt werden. Die Tanzgruppe musste ihren Platz finden, das kleine Orchester\u2026 Chaos auf der gro\u00dfen B\u00fchne. Ich aber schwieg wie ein Grab, Helmut geriet in schreckliche N\u00f6te. Bis Rolf zu mir kam und mich beiseite nahm: \u201ePeter, wenn du weiterhin schweigst, platzt die ganze Inszenierung, &#8211; das ist dir doch klar.\u201c Ich redete, aber nur mit Rolf oder direkt mit dem B\u00fchnenmeister. Und wir kriegten die technische Probe hin. Hauptprobe, Generalprobe mit heftig gestikulierender, aber nicht sprechender Donna Diana. Ich legte mir f\u00fcr die Premiere eine kleine Rede zurecht, die ich nach dem Schlussapplaus halten wollte, \u00fcber die obsz\u00f6nen Vorkommnisse off scene. \u00dcbrigens die korrekte Etymologie: off scene = obsz\u00f6n.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorhang ging auf, erster Szenenapplaus f\u00fcr das B\u00fchnenbild: da schwebten drei reich und geschmackvoll verzierte Gondeln im schwarzen Raum mit drei allerliebst kost\u00fcmierten Damen, die gegen die Liebe schnackten. Da trat Perin auf und sagte \u201eWas seh ich, Durchlaucht, Wolken auf der Stirne?\u201c Und Charlotte erwiderte: \u201eMein M\u00fchmchen hier scheint im Gehirne verwirrt ein wenig und verschm\u00e4ht es nicht, am hellerlichten Tag, von Liebe \u2013 h\u00f6rt mir doch \u2013 von Liebe\u2026.\u201c Ob der Text genauso stimmt, wei\u00df ich nicht. So ein Anfangszenenapplaus ist nat\u00fcrlich sehr belebend. Es wurde ein epochaler Riesenerfolg. Immer wieder Szenenapplaus, haupts\u00e4chlich f\u00fcr mich \u2013 muss ich sagen d\u00fcrfen. Die Leute waren hingerissen. Es gab einen \u00fcberlangen Schlussbeifall, weit \u00fcber den Eisernen Vorhang hinaus. Immer wieder mussten wir noch mal durch die kleine T\u00fcr und uns verbeugen-bedanken. Meine Rede? L\u00e4ngst weggesp\u00fclt. Sie w\u00e4re die gr\u00f6\u00dfte Dummheit gewesen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;<em>Mandela, 17.5.2008<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erinnerung 8<\/strong> &#8211; Segen und Scheitern<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201aM\u00f6ge Gott Sie segnen und zum Segen setzen.\u2019 So endet der Brief einer Zuschauerin aus Ilmenau, wo Charlotte und ich <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=177\">KOMMEN UND GEHEN<\/a> gespielt hatten. Ich kannte die Formulierung \u201azum Segen setzen\u2019 nicht. Der Brief? Ein einziger Liebesbrief kann man so simpel nicht sagen. Die Auff\u00fchrung muss die Schreiberin aufgew\u00fchlt haben, auch meine ambivalente Haltung zur Religion. Sicher auch ein Brief gro\u00dfer Sympathie (hei\u00dft ja Mitleiden). Er klebt auf der ersten Seite eines Tagebuches. \u00dcber die Briefschreiberin wei\u00df ich nichts, was ich sehr bedaure. Aber vielleicht auch gut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In meiner unbescheidenen Gro\u00dfspurigkeit glaube ich, dass der Wunsch dieser Ilmenauerin wohl in Erf\u00fcllung ging: dass ich zum Segen gesetzt worden bin, dass ich vielen Menschen gut getan habe \u2013 nicht Gutes! Die Tatsache, dass ich fast \u00fcberall geliebt worden bin \u2013 fast, sicher war ich auch manchmal ein schlimmes \u00c4rgernis -, l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen. Und es erf\u00fcllt mich mit gro\u00dfer Dankbarkeit. Was sonst? Und Demut. Wenn ich nur w\u00fcsste, was Demut wirklich ist. Das Wort erscheint t\u00e4glich zweimal im Gebet, bleibt aber sehr nebelhaft. Es setzt wohl eine gro\u00dfe innere W\u00fcrde voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist hoffentlich sehr gut, das oben Gesagte einmal so ausgesprochen zu haben. Es ist ja in diesen Erinnerungen oft die Rede davon, dass ich sehr geliebt worden bin. Und die Frage taucht nat\u00fcrlich auf, ob ich das denn wert war. Hier kann man nicht rundweg rational und linear mit Soll und Haben argumentieren, hier spielen Gnade und Segen und vor allem: Liebe eine gro\u00dfe Rolle, auch Begabung in des Wortes ernster Bedeutung w\u00e4re anzuf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Scheitern? Hats auch gegeben, spreche ich nur nicht so gerne dr\u00fcber. In Saarbr\u00fccken bei der Telefilm Saar sa\u00df als Abteilungsleiter f\u00fcr Unterhaltung H\u00f6rfunk und Fernsehen ein Kumpel, den ich von der Schauspielschule in Wien kannte. A.C. Weiland. Seine Hauptst\u00fctze als Regisseur war Truck Branss, der nat\u00fcrlich Kurt mit Vornamen hie\u00df. Der machte A.C. das Leben schwer mit hochstapelnden Anspr\u00fcchen und Kinkerlitzchen, war aber in seiner Arbeit oft sehr gut. Da wollte A.C. einen Entlaster haben. Leute, ich in der Fernseh-Unterhaltung! Was hatte ich denn da zu suchen? Ganz sicher: nichts. Dreimal DER GEM\u00dcTLICHE SAMSTAGABEND, schon ein Spie\u00dfertitel, mit dem sehr angenehmen Friedrich Sch\u00f6nfelder als Moderator. Ich schrieb die Drehb\u00fccher und hatte ein paar klangvolle Namen: Dunja Raiter (sehr angenehm), Hazy-Osterwald-Sextett (witzig, geistvoll), amerikanische Musical-Stars (recht unangenehm)\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Es war die H\u00f6lle, regelrecht! Hilflos stand ich diesem Aufgebot gegen\u00fcber. Nein, nicht alles war schrecklich! Dunja Raiter stand in schwarzen Vorh\u00e4ngen und sang ein sch\u00f6nes Lied. Naja, ob das besonders sch\u00f6n war\u2026 Aber dann kam eines Tages ein Chor von Bergarbeitern und ein Kinderchor. Klingt, als h\u00e4tte ich das nicht gewusst. Doch, ich wusste das alles. Und es quetschte mich platt. H\u00e4tte ich doch rechtzeitig Nein gesagt. Aber da spielte Geld eine gro\u00dfe Rolle. Und so genau wusste ich ja nicht, dass das die H\u00f6lle werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann wars zu Ende. Abnahme, das ist die Begutachtung durch die Redaktion, in diesem Falle A.C.Weiland, mit der M\u00f6glichkeit noch irgendwelche \u00c4nderungen nachtr\u00e4glich zu machen. Ich hatte Charlotte mitgenommen, sagte Weiland: \u201eWenn die Charlotte dabei ist, kann ich ja gar nicht schimpfen.\u201c Mensch, das musste ich mir von ihm sagen lassen. Damals fand ich das gar nicht so schlimm, in der Erinnerung kommt mir das kalte Grausen. Gedem\u00fctigt. Ist doch ein schreckliches Gef\u00fchl. Aber wir wollten ja vom Scheitern sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bamberg. Scribes DAS GLAS WASSER als Musical, die Musik von Udo J\u00fcrgens (?). Wieder schrillten keine Alarmglocken, als ich das las. Es war ein schlechtes St\u00fcck. Man kannte einen ber\u00fchmten Film mit Gr\u00fcndgens, Hoppe und Krahl. Meine Beziehung zu dem Original war schon nicht sehr doll. Ich war schrecklich verloren in dieser an sich so sch\u00f6nen Stadt, in dem reizvollen Rokoko-Theater. Es endete nicht als Katastrophe, aber als Beinah-Katastrophe. Ich glaube, es gab auch Pfiffe im Schlussapplaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam ich eigentlich zu solchen Gastinszenierungen? Da war in M\u00fcnchen eine Filiale der gro\u00dfen Agentur f\u00fcr die B\u00fchne, handelte auch mit Schauspielern. Die Zentrale war in Frankfurt, firmierte offiziell als Arbeitsamt. Da bekam ich ein tolles Angebot, in Ingolstadt DES TEUFELS GENERAL zu inszenieren. Naja, toll\u2026 Ein schweres St\u00fcck mit einem kaum zu bew\u00e4ltigenden Ersten Akt, der im Lokal Horcher spielt. Lutherstra\u00dfe, gegen\u00fcber der Scala. Da verkehrten viele Nazis und hohe Offiziere. Das ging sehr gut. Intendant war Heinz Seiltgen, der es inszenieren wollte, aber ein Gastspiel in Berlin vorzog und dringend einen Gastregisseur suchte, der sich mit den Gegebenheiten auskannte. War ich ja, wohnte doch nur einige Stra\u00dfen weiter. War ein einigerma\u00dfen gro\u00dfer Erfolg, inklusive Liebe der Schauspieler und Schauspielerinnen zu mir. Nicht ganz so erfolgreich w\u00e4re vielleicht besser gewesen, denn Seiltgen schwieg fortan beharrlich und holte mich kein weiteres Mal, war wohl eifers\u00fcchtig. Wo die Eifersucht hinf\u00e4llt\u2026 Hatte ich sein Ensemble verf\u00fchrt!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Claudias Kommentar:<br>Nein, eine weitere so intensive und erfolgreiche Spielzeit an einem anderen Theater h\u00e4tte es f\u00fcr Charlotte nie und nimmer gegeben. Und eine mehr oder weniger verwaschene Kopie des Gespielten und Erlebten auf eine andere B\u00fchne zu tragen, das war nicht Charlottes Ding. Alles oder nichts. Punkt. 1945-1950, das war die k\u00f6rperlich und kulturell ausgehungerte allererste Nachkriegszeit, wo alles m\u00f6glich war. Danach kam Propagandatheater im Osten und kapitalistisches Theater im Westen (wo Geld eingefahren werden musste). Charlotte versuchte es noch einmal von Babelsberg aus in Stuttgart, danach hat sie nie mehr etwas unternommen, um an irgendeinem Theater auch nur ein Gastspiel zu ergattern. <br>Allerdings kam dann in Babelsberg der <a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=45\">Kleine Muck,<\/a> wo sie als Betreuerin ihren Sohn Thomas zu schauspielerischen H\u00f6chstleistungen steuerte. Auch er hat daraus keinen Beruf gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=627\">Wie Peter nach Weimar kam<\/a> (und einiges mehr zum Kleinen Muck).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1352\">Kommentare zu Kommen und Gehen<\/a> <br>(Leider habe ich bisher den Brief der Frau aus Ilmenau noch nicht gefunden)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=556\">Charlottes Theater<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1953\">Charlotte als Rosalinde 1947 in Weimar<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1994\">Charlotte als Tanja 1947 in Weimar<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Aus Peters nicht gerade linearen Erinnerungen (die er hier bei uns in Mandela schrieb) *** Erinnerung 4 WEIMAR Da h\u00e4ngt ein Schl\u00fcssel zu einem Gl\u00fccksloch, zu einem Glanzpalast in meinem Leben: Weimar. Vier au\u00dfergew\u00f6hnlich sch\u00f6ne Jahre am Deutschen Nationaltheater. 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