{"id":2303,"date":"2023-10-19T14:45:48","date_gmt":"2023-10-19T14:45:48","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=2303"},"modified":"2023-10-21T04:46:37","modified_gmt":"2023-10-21T04:46:37","slug":"henriette-gusic-teil-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2303","title":{"rendered":"Henriette Gusi\u010d &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Donnerstag, den 25.9.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u2019 Wichtig: Das Fragezeichen, ganz wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem nach dem gestrigen Tag vollkommen unwirklichen Zustand ging ich von zu Hause zum Theater. Ich absolviere das meistens ziemlich flott, weil ich nicht angestarrt werden oder gar Autogramme geben m\u00f6chte. Ich wollte Ordnung wiederherstellen: Ich bin nicht mehr krankgeschrieben und m\u00f6chte die Blanche probieren. Deshalb achtete ich auch nicht auf die Schlagzeile der <em>Robotni\u010desko delo<\/em> mit der schrecklichen Frage, ob ich denn vergewaltigt worden sei. Ich musste auch klarstellen, wie Jon denn nun zu der Besetzung stand. Sein letztes Wort war ja, dass er gar nicht sicher sei, ob ich die richtige Besetzung bin. Ganz ernst habe ich das allerdings nicht genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatte ich das Theater betreten, hatte ich das Gef\u00fchl, in ein Irrenhaus geraten zu sein. Schon in der Pf\u00f6rtnerloge beim B\u00fchneneingang rumorte es. Der Pf\u00f6rtner begr\u00fc\u00dfte mich auffallend aufgekratzt, bei ihm standen zwei Frauen, Putzfrauen wahrscheinlich, die schrecklich losprusteten, als sie mich sahen. Warum denn nur? Als ich den ersten Flur langging, lugte aus einer T\u00fcr eine kleine Ballettratte. Als sie mich erkannte, st\u00fcrzte sie auf den Flur und ging vor mir her, aber r\u00fcckw\u00e4rts, Auge in Auge mit mir, sehr anmutig, l\u00e4sst sich nicht leugnen. Dann nahm sie meine beiden Handgelenke, r\u00fcckte, dauernd r\u00fcckw\u00e4rts weitergehend, nahe an mich ran und fl\u00fcsterte mit \u2013 ja, sehr geilem Gesichtsausdruck: \u201eWirklich vergewaltigt, Henriette Gusi\u010d?\u201c Was sollte ich sagen? \u201eBl\u00f6de Zimtzicke\u2026\u201c Was Besseres fiel mir im Moment nicht ein. Sie h\u00fcpfte lachend auf dem langen Flur davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes begegnete ich dem widerlichen Volksschauspieler, Pardon: verdienten Volksschauspieler Antonin Bulgari, der nur ins Ensemble geraten war, weil diese proletarische Revolution stattgefunden hat. \u201eNa, wie wars?\u201c schrie er mich an. \u201eWas?\u201c musste ich fragen. \u201eWie hat er dich denn vergewaltigt?\u201c \u2013 \u201eWaaas?\u201c \u2013 \u201eH\u00e4ttet euch mehr Zeit nehmen sollen, \u2013 w\u00e4rs nicht gewaltt\u00e4tig geworden.\u201c Er stank entsetzlich nach Alkohol und r\u00fclpste. Viel mehr hatte er nicht zu bieten. Kein Regisseur wollte mit ihm arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Slanska huschte in Kost\u00fcm und Maske vorbei und rief. \u201eDu \u00c4rmste! Da nimmt man dir die Rolle weg und dann auch noch das.\u201c Was? Sie verschwand in ihrer Garderobe. Mir fiel ein, dass heute Haupt- oder Generalprobe von GROSSE TATEN war.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war gl\u00fccklich, in die Probeb\u00fchne schl\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. Ich war wie meistens fr\u00fch dran. Da stand nur Jon und fragte: \u201eWie konnte denn das passieren?\u201c \u2013 \u201eWas denn blo\u00df, verdammt nochmal?!\u201c \u2013 \u201eHast du nicht die <em>Robotni\u010desko delo<\/em> gelesen?\u201c \u2013 \u201eNein. Was steht denn da drin?\u201c Er zeigte mir das Blatt. Auf dunkelgrauem Grund stand da in wei\u00dfer, beachtlich gro\u00dfer Schrift: \u201aWurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u2019 Ich war erstmal platt: \u201eWas soll das?\u201c \u2013 \u201eStimmt nicht?\u201c \u2013 \u201eNat\u00fcrlich nicht. Sehe ich so aus? Und vor allem: Sieht Doktor Capet so aus?\u201c \u2013 \u201eAlso der ist der Kutscher aus dem Landwirtschaftsg\u00fcrtel?\u201c \u2013 \u201eJa\u2026 Bitte, was steht da?\u201c Was stand da? Dass Professor Doktor Fabricius Capet bei seiner Verhaftung wegen staatsfeindlicher Umtriebe von den ausf\u00fchrenden Milizion\u00e4ren in eindeutiger Umarmung mit der Schauspielerin Henriette Gusi\u010d angetroffen wurde und manches darauf schlie\u00dfen l\u00e4sst, dass sie kurz zuvor vergewaltigt worden sei. Es sei zwar nicht abzuw\u00e4gen, was die Milizion\u00e4re wirklich gesehen haben, daher das Fragezeichen, aber die Wahrscheinlichkeit sei gro\u00df. \u201aWir berichten in der morgigen Ausgabe ausf\u00fchrlicher.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu gehst augenblicklich in die Redaktion und stellst richtig.\u201c \u2013 \u201eMuss das sein?\u201c \u2013 \u201eDu kannst die, die du geliebt hast, nicht so ans Messer liefern.\u201c \u2013 \u201eDas stimmt. Ich gehe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wusste, wie schwer ihm das fiel. Ich muss ein gutes Wort f\u00fcr Jon einlegen: Ich w\u00fcnsche ihm die wunderbarste Frau der Welt, nicht diese verzickte Henriette Gusi\u010d, die ja nur Probleme hat und macht. \u201eIch komme mit. Wenn die einen Skandal anzetteln k\u00f6nnen, dann kann ich das schon lange.\u201c Ich merkte Jon an, wie wunderbar er das fand, dass ich mitkomme.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Gang begegneten wir Kubelik, kam mit Assistenten arg verschwitzt und zerknittert aus dem Zuschauerraum \u2013 ich m\u00f6chte nicht in seiner Haut stecken. Jon sprach ihn an: \u201eHerr Intendant -\u201c Er glaubte mir sagen zu m\u00fcssen: \u201eVerehrte Henriette Gusi\u010d, ich war unterrichtet, aber ich konnte es nicht verhindern, glauben Sie mir\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Redaktion war es nicht allzu schwierig, mit ein wenig Durchfragen an einen zust\u00e4ndigen Redakteur zu geraten, der ganz offensichtlich einigerma\u00dfen verlegen war: \u201eVerehrte Henriette Gusi\u010d\u2026\u201c Ich machte keinerlei Umst\u00e4nde: \u201eIhr berichtet in der morgigen Ausgabe nicht ausf\u00fchrlicher, sondern kein Wort mehr, oder es knallt! Henriette Gusi\u010d k\u00f6nnt ihr nicht als Sensationshure missbrauchen und einen ehrbaren Doktor der Medizin nicht als W\u00fcstling!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jon blieb gl\u00fccklicherweise sachlicher und fragte nach der Herkunft der Meldung. \u201ePresseb\u00fcro der Partei,\u201c war die lakonische Antwort. \u201eHabt ihr mal eben die Telefonnummer?\u201c \u2013 \u201eIch w\u00fcrde da nicht anrufen.\u201c \u2013 \u201eWarum nicht?\u201c \u2013 \u201eKommt mal mit in mein Zimmer.\u201c Wir gingen in einen recht unansehnlichen Verschlag. Der Pressemann fuhr fort: \u201eDarf ich mal eben ein bisschen Grunds\u00e4tzliches verzapfen, auf die Gefahr hin, mich zum Staatsfeind zu stilisieren und in der Hoffnung, dass dieser Verschlag hier nicht verwanzt ist? Wir haben ihn ziemlich genau abgesucht. Ich setze Vertrauen und Verschwiegenheit bei euch voraus. Dem Professor Capet droht ein Schauprozess vor einem Gericht der Securitate. Man will die Stimmung gegen ihn aufheizen. Der Staatsanwalt braucht Futter. Man setzt Ger\u00fcchte in die Welt: Hat er die popul\u00e4re Schauspielerin vergewaltigt? Morgen kommt wahrscheinlich die Meldung, er habe Staatsgelder veruntreut. Auch mit Fragezeichen, damit man immer den R\u00fcckzieher machen kann. Aber wir alle wissen, dass Dementis nie so wirksam sind wie die vorangegangenen L\u00fcgengeschichten, die sie dann dementieren. Aus Dementis macht der Layouter keine Schlagzeilen. Die verschwinden unter Vermischtes. Und die Schlagzeilen berichten wieder \u00fcber die Kartoffelernte und die \u00dcbererf\u00fcllung des Plansolls in den Industrie-Kombinaten. So \u2013 jetzt habe ich mich ganz sch\u00f6n entbl\u00f6\u00dft vor euch.\u201c \u2013 \u201eKeine Sorge,\u201c sagte ich, \u201ewir Theaterleute sind ein treues Volk und werden keinen Entbl\u00f6\u00dften denunzieren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6ner Abgang, nicht wahr? Ich lese schon die morgige Schlagzeile: \u201aVaros wird den Plan vorzeitig \u00fcbererf\u00fcllen\u2026\u2019 oder so was. Oder \u201aWeltpremiere GROSSE TATEN\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJon,\u201c sagte ich auf der Stra\u00dfe, \u201ewir haben oder hatten einige M\u00fche miteinander. Ich danke dir sehr f\u00fcr deinen heutigen Beistand. Spiele ich denn nun die Blanche bei dir?\u201c Wie antwortet er, typisch Jon, knapp trocken: \u201eWer denn sonst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall h\u00e4ngen und kleben Zettel: \u201aGeneralprobe GROSSE TATEN, Freitag, 26.9.1947 \u2013 11 Uhr nicht \u00f6ffentlich!, kein Zutritt, auch nicht f\u00fcr Angeh\u00f6rige des Hauses.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend WIDERSPENSTIGE. Die Humorpf\u00fctzen in Bulgarien sind noch nicht v\u00f6llig ausgetrocknet. Als ich zum Theater komme, stehen da f\u00fcnf oder sechs M\u00e4nner an einem Zeitungskasten mit der Schlagzeile \u201aWurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u2019 Sie halten ein langes Transparent hoch, auf dem steht \u201aNein! Nein! Nein! Nein!\u2019 Erst im Theater, auf dem Weg zur Garderobe wird mir klar, dass ich gemeint bin, dass sie auf ihre sehr witzige Weise geantwortet haben. Kaum Jemand kann sich vorstellen, dass Henriette Gusi\u010d vergewaltigt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitten im St\u00fcck habe ich zu sagen: \u201eNein, meiner Treu!\u201c, vierter Aufzug, f\u00fcnfte Szene. Kurz davor h\u00f6re ich aus dem Zuschauerraum ein Gemurmel von einigen M\u00e4nnerstimmen: \u201eWurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u201c \u2013 \u201eNein, meiner Treu!\u201c sage ich und muss lachen und falle aus der Rolle. Da rufts noch einmal lauter aus dem Zuschauerraum: \u201eWurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u201c \u2013 \u201eNein, meiner Treu!\u201c schreie ich. Jetzt lachen alle und applaudieren. Ich schaue ins Publikum und erkenne das Transparent mit dem \u201aNein\u2019 quer durch den Zuschauerraum. Mein Gru\u00df mit der Hand an der Stirn f\u00e4llt vielleicht ein bisschen zu milit\u00e4risch aus, wollte ich gar nicht. War aber angesichts der Tatsache, dass pl\u00f6tzlich sechs Milizion\u00e4re im Zuschauerraum standen, gar nicht so schlecht. Die Milizion\u00e4re sind nat\u00fcrlich \u00fcberfordert: sollen sie eingreifen und wenn ja, wie? Ist das ein Aufstand? Eine Revolution? Ich spiele weiter, als sei nichts geschehen, die Milizion\u00e4re verdr\u00fccken sich. Es wird die liebensw\u00fcrdigste Huldigung bleiben, die ich in meiner Karriere je erlebt habe. Ich habe Hoffnung f\u00fcr den Geist Bulgariens.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich dergleichen meinem Liebsten Fabricius nicht erz\u00e4hlen kann\u2026 Ich bin so gespannt, was er zu meinem K\u00f6rpergeruch sagen wird. (Mutwille der Liebenden!) Nein, das ist nicht einfach saurer Schwei\u00df. Ich habe das seit der Pubert\u00e4t. Eine ganz eigene Mischung, die Jon \u00fcbrigens mit gr\u00f6\u00dftem Genuss abschn\u00fcffelte. Da, wo der Mensch Hund wird. In Bulgarien gibt es derzeit nur schlechte Seifen. Ich lasse mir welche von meiner Schwester aus England schicken; sparsam anzuwenden, nicht meinen spezifischen K\u00f6rpergeruch zudeckeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Freitag, den 26.9.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Premiere GROSSE TATEN war keine Katastrophe, aber sie war schrecklich. Wenn das die Zukunft unseres Theaters ist, dann gnade uns Gott! Es kommt das Wort, das Theater nie nie nie sein darf: langweilig! Das, was ich schon beim Lesen festgestellt habe und bei meinen wenigen Proben: Das ist kein Theaterst\u00fcck \u2013 es ist langweiligster Leitartikel. Ein klein wenig Respekt f\u00fcr Kubelik: Er muss sich wahnsinnig angestrengt haben, seine Spielerschar zu motivieren. Nein, sie waren nicht motiviert, aber sie haben funktioniert. Das sei Kubelik als Verdienst hoch angerechnet, als habe er das Theater erfunden und nicht die alten Griechen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In der Pause n\u00e4herte ich mich der gro\u00dfen Entourage um den Ministerpr\u00e4sidenten, ganz ohne Absicht, beachtliche Mannsbilder von Bodyguards. Er durchbrach den Kreis und kam auf mich zu: \u201eIch vermisse Sie da unten auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten.\u201c Ich war vielleicht eine Spur zu schnippisch: \u201eIch kann nicht Alles spielen.\u201c \u2013 \u201eIch bin weit davon entfernt, Sie \u00fcberfordern zu wollen, verehrte Henriette Gusi\u010d. Aber wenn ich auf die B\u00fchne schaue und sehe die Slanska in der Hauptrolle, dann sehe ich nur die H\u00e4lfte dessen, was Sie ganz gewiss uns in aller F\u00fclle angeboten h\u00e4tten. Sie spielt nur das halbe St\u00fcck.\u201c Vielleicht ganz gut, dass unser Skandal nicht in h\u00f6chste Regierungskreise vorgedrungen ist, Dimitroff schien nichts zu wissen. \u201eIch hatte gerade erst die Premiere von der Widerspenstigen,\u201c sagte ich. \u201eDas wei\u00df ich doch. Aber wenn man ein wenig genauer vorausdisponierte, w\u00e4re vielleicht Beides gegangen, und die GROSSEN TATEN h\u00e4tten mit Ihnen einen triumphalen Erfolg eingefahren.\u201c Ich schaute ihn von unten skeptisch an. Er hakte sofort ein: \u201eVergessen Sies, verehrte Henriette Gusi\u010d. Ich will mir nicht anma\u00dfen, in die Dispositionen des Bulgarischen Staatstheaters einzugreifen. Der \u2013 wie hei\u00dft er? \u2013 Slatan macht das gewiss recht ordentlich.\u201c \u2013 \u201eIch w\u00fcnsche einen recht angenehmen zweiten Teil des Theaterabends. Gute Nacht, oberster Boss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Samstag, den 27.9.1047<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den guten sch\u00f6nen, ganz tiefen Morgenschlaf hinein dieses entsetzliche Klingeln: Securitate zur Hausdurchsuchung. Grobe, ungebildete Kerle durchw\u00fchlen meinen Schreibtisch und schmei\u00dfen alles durcheinander. Ich war kurz davor, aus der Haut zu fahren. Der Gedanke an Fabricius hielt mich zur\u00fcck. Zum Gl\u00fcck, so denke ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziemlich offensichtlich suchen sie Schriftst\u00fccke, die mit Fabricius\u2019 defekter Schreibmaschine getippt sind. Da finden sie nichts bei mir. Nichts mehr. Der anonyme Brief ist weg. Aber, saust es mir durchs Gem\u00fcte: Das Kochbuch! Sie gehen gar nicht in die K\u00fcche, wo ich es sorgf\u00e4ltig aufbewahre. Trotzdem ein sehr hei\u00dfer Schreck. Atemlos verfolge ich die Kerle durch die Wohnung: Nein, ganz so simpel sind sie nicht, dass sie nicht auch einen Blick in die K\u00fcche werfen, aber ein als Kochbuch getarntes Tagebuch scheint ihnen unwahrscheinlich. Je weniger Chancen sie haben, etwas zu finden, desto rabiater werden sie, desto w\u00fctender schmei\u00dfen sie alles durcheinander. Ich unterstelle, dass sie unter Erfolgsdruck stehen, dass sie nicht mit leeren H\u00e4nden zur Dienststelle zur\u00fcckkehren d\u00fcrfen. Aber da kann ich ihnen nicht helfen. Schlie\u00dflich ziehen sie ab. Dann h\u00f6re ich noch, dass sie als N\u00e4chstes Hausdurchsuchung bei Jon machen wollen. Was soll ich tun? Kann ich was tun? Ich habe kein Telefon, das wird besser mit Fabricius. Ich muss Jon seinem Schicksal \u00fcberlassen. Es ist nicht anzunehmen, dass er Briefe von Professor Capet hat, die auf dessen defekter Schreibmaschine mit dem springenden a getippt sind. Umso w\u00fctender werden sie rumw\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Nachmittag kommt Jon. Mit erstaunlicher Zur\u00fcckhaltung bleibt er im Treppenhaus stehen und schaut nur in die Wohnung. Er will mir mitteilen, dass die Securitate bei ihm eine Hausdurchsuchung gemacht hat. Es k\u00f6nnte gut ein, dass die mich auch auf ihrer Liste haben. Ich kl\u00e4re ihn auf. Ja, und dann gibt es nicht mehr viel zu reden. Mit kleiner Verlegenheit, die wiederum sehr liebenswert ist, verabschiedet sich Jon.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Nacht um \u00bd 2 oder etwas fr\u00fcher explodiert krachend die Angstbombe in meinem Herzen: Fabricius ermordet in den Kellern der Securitate, keine Leiche zu finden. Jon will sich r\u00e4chen und qu\u00e4lt mich, das Theater geht mir verloren \u2013 die Wohnung auch. Ich werde gezwungen, im Landwirtschaftsg\u00fcrtel zu leben in einem ganz miesen Quartier.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wehre mich so gut ich kann. Aber eine im Herzen platzende Bombe ist zu nah, ist zu nah an allem, was einen Menschen ausmacht: Kehle, Magen, Darm, Leber. Alles wird ersch\u00fcttert und krempelt sich um. Ich muss aufstehen und herumwandern und die N\u00e4he zum gro\u00dfen Fenster meiden, das sorgf\u00e4ltig geschlossen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht weg? Ja, nach einer Stunde l\u00e4sst es nach, nach zwei Stunden status quo ante, bereit f\u00fcr die n\u00e4chste Explosion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Sonntag, den 28.9.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gestern ein Brief in der Post, von der Staatsanwaltschaft III, hier aus Sofia. Ich m\u00f6chte doch bitte am Montag, den 29.9.1947 vormittags dort erscheinen. Man habe im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Professor Doktor Capet Einiges zu besprechen. Hat meinen heutigen Sonntag nicht erheitert. Was tun? Hingehen um Fabricius\u2019 willen. Ihm helfen, dringendste Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Montag, den 29.9.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alles, was ich \u00fcber den heutigen Tag hinschreibe, ist explosiv, mehr als alles Bisherige. Der Gang zum Staatsanwalt, das entsetzlich d\u00fcstere Geb\u00e4ude, das Treppenhaus, das Dienstzimmer. Ich musste kaum warten. Im Grunde war es sehr gut: Ich erfuhr Dinge, die ich sonst gar nicht gewusst h\u00e4tte. Ich traue mich zu sagen: Ich konnte mir eine Strategie f\u00fcr meine Zeugenaussage zurechtlegen. Oh Gott, das sind alles so fern liegende Ausdr\u00fccke und \u00fcberhaupt Sachen. Wer bin ich, dass ich da durchmuss? Wo ist Shakespeare, wo die dahinschwindende Blanche? Sie galoppieren davon! Nein, auf Abruf sind sie vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Staatsanwalt, vor dem sich mein Fabricius morgen verantworten muss \u2013 wof\u00fcr??? \u2013 ist kein Unsympath! Was bewegt einen Menschen wie ihn, Schauprozesse zu veranstalten? Zwei Sekunden habe ich spekuliert, ob er mich aus Sympathie ins Ministerium bestellt hat. Sollte das nicht der Fall sein, wird er sich schrecklich wundern: Henriette Gusi\u010d wird von der Volksrepublik der Liebe reden und im Gef\u00e4ngnis landen oder im Freispruch des Geliebten! Das Letztere ist sehr unwahrscheinlich, und kann dennoch geschehen. Die Seele muss damit rechnen! Ja, sie muss davon ausgehen. Ich kann mich an keine Rolle erinnern, die mich so in Spannung versetzt h\u00e4tte. Ja, und aufpassen, dass das nicht zu einer Rolle degradiert wird. Das ist blutigster Ernst! Wort \u201aBlutig\u2019 weg? Nein. Ob ich heute schlafen kann, wei\u00df ich nicht\u2026<br>Der Inhalt des anonymen Briefes ist der Hauptanklagepunkt, wie nicht anders zu erwarten. Staatsfeindliche Umtriebe, die, w\u00e4ren sie an die \u00d6ffentlichkeit gelangt, die Revolution erstickt h\u00e4tten. Da darf ich nicht \u201aNa und?\u2019 fragen. Da muss ich sagen: Alles Liebe! Und es wird einige M\u00fche kosten, das zu beweisen! Nur die Liebe kann mir helfen, Oh Gott lass mich die richtigen Vokabeln finden! Dass ich sie jetzt schon parat h\u00e4tte, \u2013 das w\u00e4re wunderbar, aber sie m\u00fcssen morgen aus der Situation wachsen. Was habe ich da f\u00fcr eine Premiere vor mir. Und keinerlei Probenzeit hinter mir. Das kann doch nur schiefgehen!\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Dienstag, den 30.9.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das v\u00f6llig Unglaubliche, Unwahrscheinliche, schier Unfassbare ist eingetreten: Freispruch f\u00fcr Professor Doktor Maurizius Capet ohne Wenn und Aber. Mein Anteil an diesem Freispruch: gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz sanft h\u00f6re ich seinen Atem aus dem Schlafzimmer. Nein, kein Schnarchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich z\u00f6gere, den heutigen Tag zu beschreiben. Es gibt keinen dergleichen Tag in meinem bisherigen Leben. Es wird keinen dergleichen Tag in meinem k\u00fcnftigen Leben geben. (Aber man wei\u00df ja nie.) Ich war morgens p\u00fcnktlich wie immer, zu dieser Vormittagsvorstellung. Ich hatte sogar einigerma\u00dfen gut geschlafen. Obwohl doch so viel auf dem Spiel stand. Und es wei\u00df Gott kein Theater war. Ich muss zugestehen, dass ich kaum in der Lage sein werde, den Prozessablauf einigerma\u00dfen linear zu beschreiben. Es wird Vieles durcheinander geraten. Seis drum: Ich kann den Tag nicht auslassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sa\u00df mit einigen anderen Zeugen auf der Zeugenbank. Ich kannte nur die Sprechstundenhilfe. Wir begr\u00fc\u00dften einander herzlich. Ich tauschte mit Fabricius einen tiefen Blick.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verlesung der Anklageschrift, sehr ausf\u00fchrlich, dem Dr. Capet alle Schuld zuweisend, Volksverhetzung, Herabsetzung der bulgarischen Volksrepublik, der Sowjetunion, des Sozialismus allgemein, bourgeoise Eitelkeiten und Selbstt\u00e4uschungen, keinerlei Respekt vor dem neuen Staat der Volksrepublik Bulgarien und ihrer Justiz. Wie sollte da einer herausfinden? Maurizius schon gar nicht. Er sa\u00df in der Falle. Der Brief selbst wurde nicht verlesen, umso ausf\u00fchrlicher sein Inhalt ausgebreitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich \u2013 nie werde ich in der Lage sein, den Ursprung dieses Ausbruchs nachzuvollziehen \u2013 schreie ich ganz spontan und laut: \u201eAber das ist ein Liebesbrief!\u201c Der Richter haut mit einem h\u00f6lzernen H\u00e4mmerchen auf eine Unterlage und schreit \u201eRuhe!\u201c Der Staatsanwalt f\u00fchlt sich in seinem Redefluss unterbrochen: \u201eDer Saal schweige! Was soll der Brief sein?\u201c \u2013 \u201eEin Liebesbrief!\u201c schreie ich noch einmal, triumphierend, sehr laut. Der Staatsanwalt f\u00e4hrt fort: \u201eDas w\u00e4re zu beweisen! Der Beruf der Frau Zeugin ist von Natur aus mit der Phantasie befasst. Sie ist Schauspielerin. Aber wir sind hier nicht im Theater, sondern in einem Saal der bulgarischen Justiz. Und wenn ich alle Phantasie auslasse, dann lese ich nur w\u00fcste Beschimpfungen, \u00fcbles Gekeife gegen unseren geliebten Staat Bulgarien und seine Institutionen. Was k\u00f6nnte das mit Liebe zu tun haben?!\u201c Ich lege einen Schalter um. \u201eDer Herr Staatsanwalt ist auf schl\u00fcpfriges Terrain verf\u00fchrt worden. Der Liebe wird man nicht Herr mit Paragraphen, nur mit dem Herzen, nur mit Gegenliebe.\u201c \u2013 \u201eEinspruch, Einspruch!\u201c keifte der Staatsanwalt. \u201eWas soll die Liebe zu tun haben mit all den Anschuldigungen, die der Brief enth\u00e4lt!? Es st\u00fcrzt hier eine Dimension in die Debatte, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Fall zu tun hat. Hohes Gericht, ich bitte um Beendigung dieser Diskussion!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Richter ist unerwarteterweise auf meiner Seite. Alles, fast alles habe ich in Gedanken durchexerziert. Vergeblich nach Beist\u00e4nden im Geiste gesucht. Nun sollte es der Richter sein? \u201eDie Diskussion,\u201c sagte er, \u201emuss zu Ende gef\u00fchrt werden. Ist das ein Liebesbrief? Wenn ja, \u2013 nach welchen Paragraphen w\u00e4re zu urteilen?\u201c Das klang ja schon beinah wie die pure Ironie. Aber er sah ganz n\u00fcchtern aus. Und er verfolgte diese Spur weiter: \u201eNat\u00fcrlich ist im Gesetzestext der Volksdemokratie Bulgarien auch dieser Fall vorgesehen, der Gesetzestext ist unangreifbar vollkommen. Also: \u2013 \u201c Der Staatsanwalt polterte los: \u201eWas also?, hohes Gericht? Der Briefinhalt steht f\u00fcr alle Gesetzes\u00fcberschreitungen der Republik! Ihn zu einem Liebesbrief zu deklarieren, ist der blanke Hohn! Eine Verdrehung und Verf\u00e4lschung der Tatsachen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zum ersten Mal r\u00fchrte sich etwas im Publikum: ein Murren, ein Widerspruch. Der Richter rief \u201eRuhe!\u201c und haute mit seinem H\u00e4mmerchen zu. Stand er doch nicht auf meiner Seite? Doch: er tat nur seine Pflicht und verk\u00fcndete: \u201eIch verpflichte den Staatsanwalt, die Paragraphen der Liebe in sein Pl\u00e4doyer einzubeziehen.\u201c Irgendetwas stimmte nicht. Es gab doch wohl keine solche Paragraphen. Was wurde hier gespielt? Der Richter wandte sich an mich: \u201eFrau Zeugin, bitte schildern Sie alle Umst\u00e4nde, die Ihrer Meinung nach dieses Dokument zu einem Liebesbrief machen.\u201c Blops! Da stand ich ganz nackt unter so vielen Leuten mit meiner Liebe und musste reden: \u201eHohes Gericht!, ich bin weit davon entfernt, hier etwas verdrehen oder gar verf\u00e4lschen zu wollen. Die Fakten sprechen f\u00fcr sich.\u201c Der Richter beugte sich vor: \u201eIch w\u00e4re begierig, etwas von den Fakten zu h\u00f6ren.\u201c Ich holte tief Luft und redete los: \u201eDer Doktor Capet liebt mich, und ich erh\u00f6re ihn nicht, was ihn verst\u00e4ndlicherweise sehr missmutig macht. Und Missmut treibt unter Umst\u00e4nden seltsame Bl\u00fcten. Doktor Capet m\u00f6chte mich beschimpfen. Er m\u00f6chte meine Gegenliebe provozieren. Er will, dass ich ihm entgegenkomme. Aber ich bin spr\u00f6de.\u201c Mein Blick schweifte \u00fcber das Publikum und ich spielte \u201as\u00fc\u00dfes Erschrecken\u2019: \u201eOh, ich breite hier Intimit\u00e4ten aus, die wahrlich nichts in diesem Gerichtssaal zu suchen haben.\u201c \u2013 \u201eDoch,\u201c beharrte der Richter, \u201egenau das ist es, was diesem Prozess einige Glaubw\u00fcrdigkeit geben kann. Fahren Sie fort und scheuen Sie sich nicht, die \u00d6ffentlichkeit mit einigen intimen Details vertraut zu machen.\u201c Nein, das war nicht auf Geil geb\u00fcgelte falsche Sachlichkeit. Ich kam mir vor wie in einem Traum. War das Bulgarien? War ich in einem Schauprozess, der meinen Liebsten, der er noch gar nicht war, zu verdonnern versuchte? Ich musste alle meine Kr\u00e4fte zusammennehmen, um einigerma\u00dfen folgerichtig zu argumentieren. Wer bin ich? Was tue ich? Was kann ich tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich legte Z\u00e4rtlichkeit in meine Stimme: \u201eDa schreibst du mir einen Liebesbrief und sollst daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis.\u201c Der Staatsanwalt drehte und wand sich: \u201eWollen Sie bitte beweisen, wieso dieses abgefeimte Pamphlet ein Liebesbrief sein soll?\u201c Ich konterte heftig: \u201eWir zerst\u00f6ren, was wir lieben.\u201c Der Staatsanwalt war sehr verbl\u00fcfft: \u201eWie bitte? Was? Im Gegenteil: Wir zerst\u00f6ren, was wir hassen. Das w\u00e4re ein Leitspruch von einigem Sinn. Genau genommen sogar sozialistisch. Ich werde ihn dem Genossen Dimitroff vorschlagen. Aber doch nicht: was wir lieben!\u2026\u201c Unbeirrt fuhr ich fort: \u201eDoch, Genosse Staatsanwalt! Das f\u00e4ngt mit der Entjungferung an, die bekanntlich einigerma\u00dfen weh tut. Und h\u00f6rt mit der siebenten Schwangerschaft auf, jedenfalls im erweiterten Landwirtschaftsg\u00fcrtel. N\u00e4her dran an der gro\u00dfen Stadt gibt es weniger Schwangerschaften, zwei oder drei. Und jede ist eine Gefangenschaft von neun Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Und sie tun alle sehr weh, der Frau jedenfalls. So sorgt die Natur daf\u00fcr, dass die M\u00e4nner zerst\u00f6ren, was sie lieben.\u201c Der Staatsanwalt wusste zu argumentieren: \u201eDie Schmerzen sind unangenehme Begleiterscheinungen, aber\u2026 Das hat doch nichts mit Liebe zu tun!\u201c \u2013 \u201eHerr Staatsanwalt, Ihnen fehlt es an Erfahrung in Sachen Liebe. Da steht Ihnen noch etwas bevor. Sie m\u00f6gen gut sein im Bett, aber Liebe ist mehr. Da t\u00e4uschen Sie sich und alle Frauen, auf die Sie zu liegen kommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das brachte mir einen Lacher, als wenn wir ein Lustspiel auff\u00fchrten. Ich blieb aber auf der Hut, denn es ging ja in Wirklichkeit um Leben und Tod. Und dieser Staatsanwalt war ziemlich sicher ein unangenehmer Zeitgenosse. Nur weiter! Ich war wunderbar in Fahrt: \u201eDoktor Fabricius Capet wollte, dass ich im Beruf gesch\u00e4digt werde, dass ich stolpere und st\u00fcrze.\u201c Er rief laut: \u201eNein!\u201c \u2013 \u201eDoch, Fabri,\u201c erwiderte ich ruhig. \u201eDas wei\u00dft du nicht, aber es ist so.\u201c Ein Kosename, nachdem wir zwei K\u00fcsse getauscht haben: Fabri. Ich fuhr fort: \u201eIch nehme zu seinen Gunsten an, dass er mich nicht liegen lassen wollte, sondern aufheben und st\u00fctzen und helfen aus lauter Liebe!\u2026 Aber dem geht eben Zerst\u00f6ren voraus.\u201c Eine erste Resignation machte sich beim Staatsanwalt bemerkbar: \u201eHohes Gericht, das ist nicht mehr der Prozess der Staatsanwaltschaft. Es ist der Prozess der Henriette Gusi\u010d, die ihren Liebsten aus dem Gef\u00e4ngnis paukt.\u201c Der Richter best\u00e4tigte hocherfreut: \u201eSo ist es, und das ist gut.\u201c \u2013 \u201eWo soll das hinf\u00fchren?\u201c rief der Staatsanwalt. Eine laute M\u00e4nnerstimme kam aus dem Publikum: \u201eZum Freispruch!\u201c und bekam beachtlichen Applaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich erkannte Maria im Publikum, die auch applaudierte, und rief: \u201eMaria, wer mir heute hier applaudiert, muss damit rechnen, morgen verfolgt zu werden. Habe ich Recht, Herr Staatsanwalt?\u201c Der wurde ganz verlegen. Vorsicht!: Ein verlegener Staatsanwalt k\u00f6nnte t\u00fcckisch werden. Bis hin: auch noch nach dem Prozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wollte retten, was zu retten ist: \u201eHohes Gericht, ich fordere ab sofort einen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Ablauf des Prozesses. Keinesfalls kann am Ende dieses Prozesses ein Freispruch stehen, noch dazu gefordert von der Belastungszeugin! Dazu ist der Straftatbestand zu gewichtig.\u201c Ich schrie recht willk\u00fcrlich: \u201eEs lebe die Volksdemokratie der Liebe, Bulgarien!\u201c Das landete im Publikum. Schreie ert\u00f6nten wie \u201eHoch! Hoch! Hoch!\u201c Der Richter klopfte wieder mit seinem H\u00e4mmerchen: \u201eRuhe! Herr Staatsanwalt, ich habe wie Sie den festen Vorsatz, dass wir diesen Prozess zu einem fairen Ende f\u00fchren. Und das k\u00f6nnte durchaus ein Freispruch sein.\u201c Applaus und zustimmendes Gejohle der Menge antwortet. \u201eRuhe!\u201c schreit der Richter und benutzt sein H\u00e4mmerchen. \u201eHohes Gericht!,\u201c ruft der Staatsanwalt, \u201enoch einmal fordere ich einen fairen und gerechten Prozess!\u201c \u2013 \u201eH\u00f6h\u00f6!\u201c ruft die Menge. \u201eEs lebe die Volksdemokratie der Liebe Bulgarien!\u201c \u2013 \u201eNein,\u201c schreit der Staatsanwalt. \u201eJeder Prozess muss seine Ordnung haben.\u201c Eine hohe M\u00e4nnerstimme fordert: \u201eDie Ordnung der Liebe!\u201c Applaus. \u201eDie gibt es gar nicht!\u201c schreit der Staatsanwalt. \u201eHohes Gericht,\u201c fordert einer, \u201edu musst diesen Mann freisprechen! Und daf\u00fcr sorgen, dass dieser Staatsanwalt da abgel\u00f6st und in die tiefste Provinz versetzt wird.\u201c Der Staatsanwalt japste: \u201eHohes Gericht, ein weiteres Mal fordere ich, dass die Prozessordnung eingehalten wird!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin gar nicht mehr in der Lage, den Ablauf der Diskussion festzuhalten. Es entwickelte sich ein derartiges Durcheinander an Stimmen und Rufen und Schreien. Der Richter benutzte sein H\u00e4mmerchen und forderte schlie\u00dflich: \u201eHerr Staatsanwalt, Ihr Pl\u00e4doyer!\u201c Das wiederhole ich hier nicht noch einmal. Schlie\u00dflich war der Brief an mich gerichtet. Es waren die bekannten Vorw\u00fcrfe an den Briefsschreiber, seine unpatriotische Haltung, seine Aufhetzung zum Antisozialismus, seine Gef\u00e4hrlichkeit f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Und dass er schlie\u00dflich mit den h\u00f6chsten Strafen zu bedenken sei. Ganz erstaunlich war die Ruhe im Saal, w\u00e4hrend der Staatsanwalt pl\u00e4dierte: keine sichtbar ablesbare Stellungnahme zu den Worten des Staatsjuristen, die doch vermutlich manchen Widerspruch ausl\u00f6sten. Aber Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Richter blieb ganz ruhig, lie\u00df sich keine Stellungnahme anmerken, klopfte mit dem H\u00e4mmerchen und rief: \u201eDas Pl\u00e4doyer der Verteidigung, bitte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Rechtsanwalt schlug sich wacker, man merkte ihm allerdings an, dass die Materie ihm einigerma\u00dfen fremd blieb. W\u00e4re es nur auf ihn angekommen, h\u00e4tte Fabricius einigerma\u00dfen schlecht dagestanden. Vielleicht tue ich ihm Unrecht, denn nach seinem Pl\u00e4doyer schien mir die Stimmung im Publikum umzuschlagen, zu Fabricius\u2019 Gunsten. Der junge Mann hat also offenbar die Menschen zu r\u00fchren vermocht. Der Richter verk\u00fcndete: \u201eIch nehme die Pl\u00e4doyers von Staatsanwalt und Verteidigung zur Kenntnis und verk\u00fcnde nun das Urteil.\u201c \u2013 \u201ePst! Ruhe! Das Urteil!\u2026\u201c Es trat schlie\u00dflich eine beachtliche Ruhe ein. Der Richter verk\u00fcndete: \u201eDem Angeklagten Professor Doktor med. Fabricius Capet konnten die Beschuldigungen der Anklageschrift nicht einwandfrei genug f\u00fcr eine Verurteilung nachgewiesen werden. Er muss deshalb als unschuldig in jedem der Anklagepunkte freigesprochen werden. Die Kosten des Verfahrens tr\u00e4gt die Staatskasse. Ende der Sitzung.\u201c Und er hieb mit solcher Wucht auf die Unterlage, dass das H\u00e4mmerchen kaputt ging, was ein Gejohle der Zuschauer ausl\u00f6ste. Und nochmals Rufe wie \u201eEs lebe die Volksdemokratie der Liebe, Bulgarien!\u201c Ich rief noch einmal: \u201eWer jetzt die Volksdemokratie schlecht macht, der macht die Liebe schlecht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Satz sprang Fabricius \u00fcber die Absperrung und st\u00fcrzte in meine Arme. Viele, viele kamen und gratulierten ihm und mir, umarmten uns, auch wildfremde Leute, der Jubel und Trubel nahm kein Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Richter versuchte mit dem Rest seines H\u00e4mmerchens f\u00fcr Ruhe zu sorgen, er musste dabei selbst lachen: \u201eDer Saal ist zu r\u00e4umen! Bitte sehr!\u201c Langsam begann die Menge, sich zu den Ausg\u00e4ngen zu bewegen, heftig diskutierend, fast alle \u00c4u\u00dferungen waren auf Seiten des Richters und des Angeklagten, der ja nun frei war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWohin?\u201c h\u00f6rte ich Fabricius \u00fcber ein paar K\u00f6pfe hinweg rufen: \u201eZu mir! Ins Hochhaus!\u201c antwortete ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses pl\u00f6tzliche Alleinsein. Fast unertr\u00e4glich die Spannung der zwei einsamen Menschen im gro\u00dfen Zimmer. Zwei einsame Menschen in einem gro\u00dfen Zimmer. Bewegungslos. Kaum h\u00f6rbar knistert Textil. Ich bin gut angezogen. Und Atmen ist h\u00f6rbar. Das Ende einer Liebe ist ebenso r\u00e4tselhaft wie ihr Anfang. Wir waren nun f\u00e4llig. Waren das Tangoschritte, mit denen ich ihn aufs Bett zog? Es ist so egal. Ich zog, ich schob, ich dr\u00fcckte, ich dr\u00e4ngte, er folgte geschmeidig. Der Sturz in die Kissen der Liebe im Bett. Ist die Liebe ein Sturz? Die Liebe ist ein Sturz. Was denn sonst?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe unter den Fl\u00fcgeln seines Schlafes. M\u00e4nner k\u00f6nnen das: Nach solcher Liebe einschlafen, ich k\u00f6nnte das nicht. Aber es schreibt sich wunderbar. Und der Tag war ja so rammelvoll. Habe ich was ausgelassen? Sicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Mittwoch, den 1.10.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was denn? Das soll der Tag sein, nachdem Fabricius freigesprochen wurde? Wir sind uns in die Haare geraten. Wir haben nichts Ordentliches gegessen, beleidigt haben wir einander. Vers\u00f6hnung kam \u00fcber meine \u00c4u\u00dferung: \u201eIch will in das Gehege deiner Liebe zur\u00fcck.\u201c \u2013 \u201eDas ist aber ein sch\u00f6ner Satz, Henriette,\u201c sagte Fabricius. \u201eSag mal: das mit dem Zerst\u00f6ren, was wir lieben, \u2013 stimmt das denn immer?\u201c Ich bekannte: \u201eDas wei\u00df ich nicht. Es war jedenfalls gestern die gro\u00dfe Entlastung. Und \u2013 ja, da stimmt schon was. Denk an Entjungferung und Schwangerschaft.\u201c \u2013 \u201eBei Schwangeren denke ich oft: Was die M\u00e4nner da den Frauen antun! Und sie tun das ohne im geringsten zu leiden.\u201c \u2013 \u201eWei\u00df nicht, ob das stimmt. Nur: Entschuldigungen gibt es nicht. Ich habe viel dar\u00fcber nachgedacht, weil ich ja auch mal Kinder haben wollte.\u201c \u2013 \u201eWo sind die geblieben?\u201c \u2013 \u201eDer Gyn\u00e4kologe verbot mir, noch Kinder zu kriegen. Kannst du damit leben?\u201c \u2013 \u201eJa.\u201c Ganz einfach sagte er: Ja. Gut. Er kann damit leben. Wie schnell sich sowas Heikles erledigen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich horchte auf: Jemand machte sich an der Wohnungst\u00fcr zu schaffen. \u201eWas ist?\u201c fragte Fabriciuis. Die Wohnungst\u00fcr ging auf, Maria schl\u00fcpfte rein. Ich wunderte und freute mich: \u201eMaria? Wieso kommst du denn heute noch mal am Nachmittag?\u201c Maria legte den Finger auf die Lippen und lauschte nach drau\u00dfen. Dann machte sie die T\u00fcr noch mal auf und lie\u00df Mladen rein. \u201eMladen?\u201c sagte ich erfreut. \u201eFabri, das ist der Bruder von Maria. Durch ihn bin ich zu dir ins Gef\u00e4ngnis gekommen. Was will er hier?\u201c Maria sagte: \u201eWollt ihr bitte hier Platz nehmen? Wir \u2013 m\u00fcssen etwas besprechen.\u201c Wir setzten uns um den Tisch, Fabricius und ich doch einigerma\u00dfen erstaunt. \u201eUm was geht es?\u201c fragte ich. Maria wandte sich an ihren Bruder: \u201eWillst du sprechen?\u201c Mladen holte tief Luft und sagte: \u201eJa. Es handelt sich um Folgendes: Gestern in dem Prozess \u2013 ist etwas passiert, was uns sehr nachdenklich gemacht hat.\u201c \u2013 \u201eMan hat meinen Fabri freigesprochen,\u201c sagte ich erfreut. \u201eJa,\u201c sagte Mladen, \u201eaber unter Umst\u00e4nden, die m\u00f6glicherweise sehr b\u00f6se Konsequenzen haben k\u00f6nnten.\u201c Ich fuhr auf: \u201eWas hei\u00dft b\u00f6se Konsequenzen?\u201c Mladen bat: \u201eFrau Gusi\u010d, bleiben Sie ruhig. Da wurde etwas \u00f6ffentlich in Gang gesetzt, das wahrhaftig nicht die \u00d6ffentlichkeit interessieren sollte. N\u00e4mlich die politische Einstellung von Professor Capet, die ja bis dahin nur der Securitate bekannt war. Gestern wurde das pl\u00f6tzlich zu einer Sache vor einer gro\u00dfen Menschenmenge. Sie johlten und freuten sich \u00fcber den Freispruch.\u201c \u2013 \u201eWas w\u00e4re daran schlimm?\u201c fragte ich, weil ich so gar nicht dahinterkam, was Mladen wollte. \u201eSehr einfach,\u201c sagte er, \u201eseit gestern ist Professor Capet einer, der die Opposition st\u00fctzt. Das bedeutet aber auch, dass die Securitate ihn besonders ins Visier nehmen wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs gibt,\u201c sagte Fabri, \u201ckeinerlei Vorkommnisse, die mich sonst diffamieren w\u00fcrden. Es liegt nichts gegen mich vor.\u201c \u2013 \u201eDer anonyme Brief gen\u00fcgt.\u201c \u2013 \u201eEine meiner gr\u00f6\u00dften Dummheiten, mit der ich mir die Liebe der Henriette Gusi\u010d erkauft habe.\u201c Ich konnte nichts anderes tun, als ihm um den Hals fallen und ihn k\u00fcssen. Maria meldete sich zu Wort: \u201eIhr k\u00f6nnt nicht so weiterleben wie bisher.\u201c Ich fragte: \u201eWarum? Was ist passiert? Wir werden heiraten. Oder, Fabri?\u201c Er best\u00e4tigte sofort: \u201eNat\u00fcrlich.\u201c Ich fuhr fort: \u201eFabricius wird Dozent an der Uni sein und seine Praxis betreiben. Ich werde am Theater spielen. K\u00f6nnen wir nicht als unbescholtene B\u00fcrger hier leben?\u201c \u2013 \u201eDaran hegen wir gewisse Zweifel,\u201c sagte Mladen. \u201eWieso?\u201c fragte Fabricius ein wenig schroff. Mladen wusste Antwort: \u201eWeil ihr gezeichnet seid, seit gestern. Das w\u00e4scht sich nicht so leicht ab. Professor Capets Freispruch war ziemlich fragw\u00fcrdig.\u201c \u2013 \u201eWieso?\u201c fragte ich beinah schon emp\u00f6rt, weil mir schien, dass mein Anteil daran herabgesetzt wurde. Mladen erkl\u00e4rte: \u201eWeil dieser Staatsanwalt gedem\u00fctigt wurde und das bestimmt nicht auf sich sitzen lassen wird. Der will Rache.\u201c \u2013 \u201eDas klingt ja schrecklich,\u201c sagte ich. Maria beeilte sich zu erkl\u00e4ren: \u201eDas klingt nicht nur schrecklich, das wird h\u00f6chstwahrscheinlich auch schrecklich.\u201c Fabricius war auch ein wenig emp\u00f6rt: \u201eSo. Nun mal in aller Ruhe: Was sollen wir tun? Was k\u00f6nnen wir tun?\u201c Mladen r\u00fcckte mit dem Geheimnis raus: \u201eIhr k\u00f6nnt euch der Opposition anschlie\u00dfen und in ihr t\u00e4tig werden.\u201c Ich war denn doch sehr irritiert: \u201eJa, aber\u2026\u201c \u2013 \u201eIhr w\u00fcrdet alle Schritte, die sie gegen euch unternehmen wollen, rechtzeitig erfahren und k\u00f6nntet etwas dagegen unternehmen.\u201c \u2013 \u201eWas denn?\u201c fragte ich, \u201eso mit Pistole und so?\u201c Mladen lachte: \u201eNein! Die Opposition in der Volksrepublik Bulgarien befindet sich im Aufbau und muss ganz vorsichtig handeln. Nichts darf nach au\u00dfen dringen. \u00c4u\u00dferste Geheimhaltung.\u201c Ich wandte ein: \u201eAlso, daf\u00fcr bin ich nicht die richtige Frau. Nein, das kann ich nicht. Das ist eine Rolle\u2013, die\u2026\u201e Maria machte geltend: \u201eHenriette Gusi\u010d, Sie haben ganz andere Rollen auf der B\u00fchne des Staatstheaters gespielt.\u201c \u2013 \u201eJa, auf dem Theater, aber doch nicht so im politischen Leben\u2026\u201c Fabricius mahnte: \u201eWir m\u00fcssen das sehr genau abw\u00e4gen und \u00fcberlegen. Ihr erwartet keine Entscheidung in diesem Augenblick?\u201c Mladen beschwichtigte: \u201eNein. Wir alle, die wir hier sitzen, k\u00f6nnen alles, was wir bisher gesprochen haben, vergessen und weiterzuleben versuchen wie bisher. Wir sichern euch zu, dass aus dem bisher Gesprochenen keinerlei Konsequenzen f\u00fcr euch drohen. Aber: entscheidet euch. Lebt nicht so, als wenn nichts w\u00e4re. Wir sagen euch: es ist etwas im Gange, das euch den Kopf kosten k\u00f6nnte.\u201c Ich trumpfte noch mal auf: \u201eAlso, Mladen, du hast eine schlimme Unruhe in diese Wohnung gebracht.\u201c \u2013 \u201eDas tut mir sehr leid,\u201c sagte Mladen, \u201em\u00f6ge es ohne Folgen bleiben.\u201c Fabricius wollte wissen: \u201eWie erreichen wir euch?\u201c Maria stellte fest: \u201cIch komme wie eh und jeh zum Putzen und Kochen hierher. Ihr k\u00f6nnt jederzeit mit mir sprechen. Mladen wird wohl nicht so leicht wieder hierherkommen.\u201c Mladen stand auf: \u201eSo ist es.\u201c Er schaute aus dem Fenster aufmerksam auf die Stra\u00dfe. Und sagte dann: \u201eMaria, wir k\u00f6nnen. Gute Nacht.\u201c Die Geschwister gingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da standen wir nun. Eine kleine Drehung und wir lagen einander in den Armen und hielten einander ganz fest. Das geht bei uns immer sehr schnell und klappt ohne Korrekturen. Habe ich noch mit keinem anderen Mann erlebt. Es ist eine riesige Freude und Genugtuung. Dennoch fl\u00fcsterte ich: \u201eIch wei\u00df gar nicht, ob ich noch weiterleben will.\u201c Nein, das war nicht das, was Fabricius h\u00f6ren wollte: \u201eDu musst weiterleben, schon um meinetwillen! Wir strengen unsere K\u00f6pfe an und finden einen Weg aus diesem Dickicht. Ich will deine Selbstmordgedanken gar nicht h\u00f6ren.\u201c \u2013 \u201eWir w\u00e4ren nicht die ersten!\u201c \u2013 \u201eAlles keine Argumente.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ernst war das, was der Mladen da erz\u00e4hlt hatte? Wie leichtfertig konnten wir damit umgehen? Wir konnten es gewiss nicht ins Klo sch\u00fctten und Wasser dr\u00fcbersp\u00fclen. Aber sollte es unser ganzes Leben ver\u00e4ndern? Ja, so f\u00fcrchtete ich tief im Innern. Schlie\u00dflich sagte ich: \u201eDer Mladen spinnt nicht. Ich f\u00fcrchte, den m\u00fcssen wir ernst nehmen.\u201c \u2013 \u201eDas ist ein Satz der Vernunft,\u201c sagte Fabricius, \u201ewir m\u00fcssen nachdenken und einen Landeplatz finden. Vielleicht m\u00fcssen wir auswandern.\u201c \u2013 \u201eUnd wo bleibt dann mein Beruf?\u201c \u2013 \u201eDas findet sich.\u201c \u2013 \u201eDer Satz ist leichtfertig.\u201c \u2013 \u201eJa, hast Recht, ein Professor Capet muss anders argumentieren.\u201c \u2013 \u201eAlso -?\u201c \u2013 \u201eJa, ich wei\u00df im Augenblick noch keine L\u00f6sung.\u201c \u2013 \u201eWir gehen ins Bett, wir liegen einander in den Armen. Das ist eine gute Welt. Wir reden nur noch kluges Zeug.\u201c \u2013 \u201eHauptsache Zeug,\u201c sagte Fabricius lachend. \u201eLass uns mal die Ziele abstecken. Also: Weiterleben wie bisher, Praxis, Uni, Theater\u2026 Am anderen Ende steht die Flucht ins Ausland. Das letztere ist ein riesiger Aufwand und kann uns das Leben kosten, aber\u2026 Es kann auch die gro\u00dfe Freiheit bringen.\u201c \u2013 \u201eOhne meinen Beruf? Was ist mit deinem Beruf?\u201c \u2013 \u201eHNO-Arzt kann ich \u00fcberall sein.\u201c \u2013 \u201eDas ist trotz allem beruhigend.\u201c Ich senkte den Kopf. Fabricius hob ihn mir wieder hoch: \u201eHenriette Gusi\u010d, denk mal nicht das Schlimmste, denk mal Freiheit.\u201c Wir schliefen bald ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sofia, am Donnerstag, den 2. 10.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heute nun dieser Ausriss aus der Presse im Briefkasten, rot umrandet, ekelhaft. Offenbar aus einer juristischen Fachzeitschrift.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aBei der Staatsanwaltschaft III in Sofia mehren sich die Zeichen, dass der Prozess gegen den Arzt und Professor Fabricius Capet neu aufgerollt werden muss,\u2019 stand da zu lesen. \u201aZu viele Umst\u00e4nde des Prozesses vom 30.9. geben Anlass zu einem verschlampten Verlauf, wie er in unserer Republik nicht stattfinden darf. Da sind vor allem die Aussagen der Zeugin Henriette Gusi\u010d, die bekanntlich von einer Volksdemokratie der Liebe redete und damit den Prozessausgang wesentlich zugunsten des Angeklagten beeinflusste. Die Staatsanwaltschaft III in Sofia hat alle Voraussetzungen bereit, um bei einer Wiederaufnahme des Prozesses den pr\u00e4zisen Ablauf der Verhandlung zu gew\u00e4hrleisten.\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schmiss mich auf die Couch und schrie \u201eNein! Nein! Nein!\u201c Fabricius versuchte mich zu beruhigen. Aber ich schrie: \u201eDas geht schief. Was ich da gemacht habe, war einmalig, das St\u00fcck kann man nicht wiederholen! Sie wollen uns verderben! Ich will nicht mehr leben!\u201c Fabricius setzte sich auf die Couch und nahm mich in seine Arme: \u201eHenriette, geliebter Schatz, so darfst du nicht reden, um unserer Liebe willen. Was da steht, ist ja keine amtliche Anordnung. Sicher gibt es solche \u00dcberlegungen, aber es gibt auch Mladen und andere Genossen, die dem zu steuern wissen. Bitte, beruhige dich mit positiven Gedanken! Kannst du dir nicht vorstellen, dass der Staatsanwalt auf Rache sinnt?\u201c \u2013 \u201eJa, auf Rache. Und wer hindert ihn daran, Rache zu nehmen? Mladen sicher nicht! Und Maria schon gar nicht.\u201c \u2013 \u201eVielleicht kann dein Fabricius in Aktion treten, man muss gr\u00fcbeln, wie das ausgehen kann. Ich bin ja nicht v\u00f6llig irgendwer\u2026\u201c \u2013 \u201eFabri, du bist gut und hast armseligen Trost zu spenden.\u201c \u2013 \u201eEs tut mir leid, wenn ich nicht so funktioniere, wie du dir das vorstellst, aber\u2026\u201c \u2013 \u201eIch gerate in die H\u00f6lle! Mir ist nicht zu helfen. Ich werde verbrennen.\u201c Fabricius hielt mich fest in seinen Armen und schwieg. Er streichelte meinen Arm hinunter, immer wieder. Ich wurde langsam etwas ruhiger. Aber es kochte da ein Feuer.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch kann doch nicht jeden Tag um halb neun ins Bett gehen und schlecht schlafen, weil der Staat mich qu\u00e4lt. Ich will auch noch Theater spielen, in bulgarischer Sprache, unsere Klassiker, \u00dcbersetzungen aus dem Ausland. Aber was bieten sie mir? Gro\u00dfe Taten! Ein so widerliches St\u00fcck!\u201c \u2013 \u201eAber du hat es doch nicht spielen m\u00fcssen.\u201c \u2013 \u201eJa, um welchen Preis! Die Gusi\u010d kann diese modernen Texte nicht sprechen. Die sind doch nicht modern! Die sind schwachsinnig. Wenn das modern sein soll. Anouilh hei\u00dft da einer in Frankreich, den gibt\u2019s hier gar nicht, nie geh\u00f6rt, sagen alle Kollegen. Er hat bestimmt Rollen f\u00fcr mich geschrieben. Also nicht so direkt, \u2013 aber Rollen, die ich spielen k\u00f6nnte. Stattdessen Schei\u00dfquatsch!\u201c \u2013 \u201eDu wirst eine wunderbare Blanche spielen.\u201c \u2013 \u201eJa, werde ich, und alle werden schreien: die Gusi\u010d als Blanche!, welch eine Offenbarung, dabei wollen sie nicht zugeben, dass es eine Pissrolle ist! Man braucht nicht mich dazu. Fabricius, ich rede ziemlich viel Quatsch. Kannst du denn was damit anfangen?\u201c \u2013 \u201eAber ja! Nein, du redest keinen Quatsch. Die Zunge l\u00f6st dir dieser hochverzerrte Unsinn da in der Zeitung. Du bist mehr wert, viel mehr wert.\u201c Ich sagte sehr wenig \u00fcberzeugend: \u201eJa, nicht wahr? Fabricius, k\u00f6nnen wir einigerma\u00dfen vern\u00fcnftig \u00fcber die Zukunft sprechen? Ich kann so nicht weiterleben.\u201c \u2013 \u201eWir werden morgen mit Maria \u00fcber den Zeitungsartikel reden, rauszukriegen versuchen, was es damit auf sich hat, ob die Staatsanwaltschaft dahintersteckt.\u201c \u2013 \u201eBestimmt,\u201c sagte ich mit festester \u00dcberzeugung. \u201eHenriette,\u201c sagte Frabrizius mit mahnender Stimme, \u201cdu bist oft zu schnell fertig mit deiner Meinung. Du musst abw\u00e4gen, du musst den anderen h\u00f6ren, was der zu sagen hat. Lass uns als erstes mal morgen mit Maria sprechen, sie ist ein kluges Kind und kann uns vielleicht helfen.\u201c \u2013 \u201eIch habe wenig Hoffnung,\u201c war alles, was ich zu sagen hatte. Dabei dachte ich \u00e4hnlich wie Fabricius, und die wenigen Worte, die wir wechselten, taten meiner Seele gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann tat ich etwas, das ich schon sehr lange nicht mehr getan hatte: Ich \u00f6ffnete den Klavierdeckel und setzte mich auf den Hocker davor. \u201eOh ja!\u2026\u201c sagte Fabricius, bevor ich noch einen Ton angeschlagen hatte. \u201eStell dir vor: Ich habe dein Klavier noch gar nicht richtig zur Kenntnis genommen.\u201c \u2013 \u201eIch spiele nicht besonders gut.\u201c \u2013 \u201eSpiel, bitte, das verscheucht ein paar schlimme Gedanken und tut der Seele wohl.\u201c \u2013 \u201eAlso,\u201c sagte ich sp\u00f6ttisch, \u201eob mein Spiel schlimme Gedanken besiegt, wage ich doch sehr zu bezweifeln.\u201c \u2013 \u201eWas spielst du?\u201c \u2013 \u201eWenn ich das w\u00fcsste\u2026\u201c Ich improvisierte ein paar Akkorde, fand mich dann in einer Mozart-Sonate. Und spielte, weil Fabricius mir zuh\u00f6rte, recht gut. Mit Jon war das nie so recht gegangen. Fabricius k\u00fcsste mir das Haar und sagte: \u201eHalte das fest, Henriette, wir werden das brauchen. Es versetzt mich in einen guten Zustand.\u201c Ich brach mittendrin mit den Pfoten auf den Tasten ab: \u201eMich nicht.\u201c Fabricius mahnte: \u201eDas darfst du nicht machen, Henriette. Du schmei\u00dft doch auch nicht die Widerspenstige auf die B\u00fchne, wenn du m\u00fcde bist.\u201c \u2013 \u201eIch bin sehr viel mehr als m\u00fcde!\u201c wusste ich zu erwidern. Dann \u00fcberlegte ich: \u201eJa, w\u00e4r vielleicht ganz sch\u00f6n, wenn man die Abende mit solcher Musik beenden k\u00f6nnte. Aber ich kann das nicht. Es steht zu viel auf dem Spiel. In der H\u00f6lle spielt keiner Klavier! Plingpling.\u201c \u2013 \u201eWas k\u00f6nnte das hei\u00dfen? Plingpling?\u201c \u2013 \u201eDie zwei letzten T\u00f6ne eines Klavierst\u00fccks, auf denen es in die Ewigkeit f\u00e4hrt. Plingpling\u2026 Stammt von meiner Urgro\u00dfmutter aus Deutschland. Die sagte das immer.\u201c \u2013 \u201eIch lerne doch immer noch was Neues. Dass ein Klavierst\u00fcck auf seinen letzten zwei T\u00f6nen in die Ewigkeit f\u00e4hrt, das wusste ich nicht. Ich habe mir oft Gedanken gemacht, wo Musik \u00fcberhaupt bleibt, nachdem sie verklungen ist. Immerhin ein Thema f\u00fcr einen HNO-Onkel\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es klingelt. Das ist seit einiger Zeit ein erschreckendes Zeichen. Steht da drau\u00dfen die Securitate? Hausdurchsuchung? Verhaftung? Es ist Mladen, in Zivil, ein recht sonderbarer Anblick: \u201eIhr m\u00fcsst weg,\u201c platzt er hervor und geht zum Fenster, von wo aus er die Stra\u00dfe sehr aufmerksam beobachtet, \u201eso schnell als irgend m\u00f6glich. Ich bin mir \u00fcber die Zeitpl\u00e4ne nicht v\u00f6llig sicher, aber die Staatsanwaltschaft Sofia III plant b\u00f6se Dinge von m\u00f6rderischer Konsequenz. Die k\u00f6nnen euch treffen. Irgendwelche Pl\u00e4ne?\u201c \u2013 \u201eNein,\u201c sagte ich schnell. \u201eDoch,\u201c sagte Fabricius, \u201emit dem Segelboot \u00fcber das Meer in die T\u00fcrkei.\u201c Mladen fragte: \u201eK\u00f6nnen Sie segeln?\u201c \u2013 \u201eNein.\u201c \u2013 \u201eBesitzen Sie ein Segelboot?\u201c \u2013 \u201eNein,\u201c antwortete Fabricius, \u201eda ist die K\u00fcste, da sind Boote, da sind Leute, die uns das Segeln beibringen. Alles nicht ganz einfach, aber zu bew\u00e4ltigen.\u201c Mladen riet: \u201eFahren Sie morgen ganz fr\u00fch los. Die Mitbewohner des Hauses sollten nichts merken. Fahren Sie stadtausw\u00e4rts nicht auf den g\u00e4ngigen Stra\u00dfen, Umwege, so fr\u00fch am Morgen sind erst wenige Autos unterwegs. Da sind Sie schnell erkannt von der Securitate. Immer Richtung Osten ans Meer. Essenspausen in kleinen Orten, Alles tun, um nicht aufzufallen! An der K\u00fcste in die gro\u00dfe Stadt Burgas, da gehen Sie unter. Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte Ihnen einen Fischer nennen, kann ich aber nicht. Kauft ein Boot, stellt zur Bedingung: Einweisung ins Segeln. Gebt eure Pl\u00e4ne nicht zu erkennen, es sei denn, ihr fasst zu Jemandem gro\u00dfes Vertrauen. Ich rede dummes Zeug, das ist f\u00fcr euch ja ganz selbstverst\u00e4ndlich! Was ist mit Geld?\u201c \u2013 \u201eIch habe fast mein ganzes Konto leerger\u00e4umt, nach und nach.\u201c \u2013 \u201eSehr gut,\u201c sagte Mladen. Ich sagte: \u201eIch kann nicht morgen ganz fr\u00fch weg.\u201c Mladen wollte widersprechen, Fabricius sagte in einem Ton, den ich von ihm noch nie geh\u00f6rt habe: \u201eDu kannst, Henriette. Du wirst k\u00f6nnen m\u00fcssen, sonst gehen wir kaputt.\u201c Mladen schaute wieder auf die Stra\u00dfe hinunter: \u201eEs ist schlimm, zwei Leute wie euch so allein zu lassen. Aber ich wei\u00df keine andere L\u00f6sung.\u201c Er ging zu mir, schaute mich an und umarmte mich dann heftig, auch zwischen Mladen und Fabricius gab es eine heftige Umarmung. Dann lief Mladen davon. \u201eIch gehe jetzt packen. Ich verspreche, nur das N\u00f6tigste mitzunehmen, keinen Quatsch, keinen Tand, keine Kinkerlitzchen.\u201c Fabricius l\u00e4chelte und reichte mir den Arm. Ich nahm ihn verwundert. Er brachte mich zum Klavier. Ich spielte einen Schubert-Walzer zum Abschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass ich das alles noch am Abend aufschreiben konnte\u2026 Ich packte mit gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit, keine Kinkerlitzchen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich wei\u00df nicht den Namen des Ortes, wo wir \u00fcbernachten, am Freitag, den 3.10.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um \u00bd 4 wollten wir starten, um \u00bd 5 fuhren wir los. Fr\u00fch genug. Keine Stra\u00dfenkontrollen. Ich wollte in Burgas \u00fcbernachten, Fabricius zog einen kleinen Ort wenige Kilometer vor der gro\u00dfen Stadt vor. Da hielten wir nun, fanden ein Quartier, taten ein paar Schritte, wie wohltuend nach der langen Fahrt, sprachen noch immer kaum. Eine gut ausgestattete HNO-Praxis haben wir zur\u00fcckgelassen, eine Theaterkarriere, leerer kann die Welt nicht sein. Den Mondfahrern muss es \u00e4hnlich ergehen. Ich glaube, Fabricius leidet nicht so sehr an dem Verlust wie ich. Seine Untersuchungsbestecke findet er in jeder Fremde, ich finde mein bulgarisches Staatstheater nirgendwo als in Bulgarien.<\/p>\n\n\n\n<p>Fabricius blieb stehen und wandte sich mir zu: \u201eEin ordentliches St\u00fcck Abenteuer haben wir noch vor uns.\u201c \u2013 \u201eMir ist nicht bange,\u201c sagte ich, aber ich musste widerrufen: \u201eDoch. Wenn ich alles recht bedenke, dann kriege ich schon eine Menge Angst. Nicht so viel reden.\u201c Fabricius tat nur einen sehr dicken Seufzer. Wir gingen dann sehr fr\u00fch ins Bett.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Burgas, am Samstag, den 4.10.1047<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heute morgen wacht Fabricius auf, als habe ihn aller Mut verlassen. Nein, nicht als habe\u2026 Sondern es hat ihn aller Mut verlassen. Ich rede von einem Boten der H\u00f6lle, der ihm im Nacken sitzt. Aber das klingt ja sehr pathetisch. \u201eWir fahren zur\u00fcck,\u201c sagte er, \u201ewir sind dem gar nicht gewachsen. Das Zuhause aufgeben, \u2013 man stelle sich das vor, auf dem Meer segeln, als w\u00e4ren wir alte Abenteurer\u2026 Nein, nichts da.\u201c \u2013 \u201eAber Fabri,\u201c sage ich. Und sehr ungehalten erwidert er: \u201eNenne mich nicht Fabri. Wir rollen nach dem Fr\u00fchst\u00fcck aus diesem Grundst\u00fcck raus, und ich drehe das Lenkrad auf die Hauptstadt zur\u00fcck. Heute abend sind wir wieder zu Hause.\u201c Ich wende ein: \u201eAber die Gefahren. Denk an Mladen.\u201c Ungehalten erwidert er: \u201eMladen ist ein Schw\u00e4tzer. Er jagt uns ins Elend. Wir m\u00fcssen uns frei von ihm machen.\u201c Ich bleibe in gro\u00dfer Skepsis: \u201eDeine Gedanken sind k\u00fchn, Fabricius. Und ob sie stimmen, \u2013 das ist sehr die Frage. Du lenkst uns zur\u00fcck in unser Ungl\u00fcck.\u201c Fabricius bleibt aufgebracht: \u201eWir schweigen jetzt, lass uns fr\u00fchst\u00fccken, wenn es hier \u00fcberhaupt etwas gibt. Dann fahren wir zur\u00fcck \u2013 nach Westen.\u201c Ich wollte etwas erwidern. \u201eWir schweigen jetzt,\u201c sagte Fabricius sehr bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir packten alles zusammen, schweigend. Dann fr\u00fchst\u00fcckten wir, schweigend. Etwas, was die Wirtin als Kaffee bezeichnete. Dann zahlten wir und gingen raus. Fabricius setzte sich ans Steuer. Ich setzte mich nicht neben ihn, sondern wanderte um das Auto herum an sein Fenster. \u201eMach auf,\u201c sagte ich durch die geschlossene Scheibe. Fabricius kurbelte sie runter. \u201eFabricius,\u201c forderte ich ihn auf, \u201esteig aus, dass wir auf Augenh\u00f6he miteinander reden.\u201c \u2013 \u201eDas kann ich jetzt nicht,\u201c sagte er. Ich angelte mir mit dem Fu\u00df eine klapprige Holzkiste, auf die ich mich setzte. So hatten wir gemeinsame Augenh\u00f6he.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFabricius, du bist dabei, uns ins Verderben zu st\u00fcrzen. Wir k\u00f6nnen nicht mehr zur\u00fcck.\u201c \u2013 \u201eDoch,\u201c beharrte er, \u201ejetzt k\u00f6nnen wir noch. In wenigen Stunden k\u00f6nnen wir es nicht mehr. So sind die Fakten.\u201c Ich wurde sehr bestimmt: \u201eIch setze mich nicht neben dich, so lange ich nicht sicher sein kann, dass du ans Meer f\u00e4hrst.\u201c Nun kam der Satz von ihm: \u201eDann fahre ich alleine nach Sofia zur\u00fcck.\u201c Ich war entsetzt: \u201eFabricius, wie konnte dieser Satz deine Seele verlassen?! Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir beide? Was du gesagt hast, ist das Entsetzlichste, was ich je von dir geh\u00f6rt habe und je, so hoffe ich, von dir h\u00f6ren werde. Aber f\u00fcrchte dich nicht: meine Liebe zu dir hockt so fest verankert in mir, unumst\u00f6\u00dflich, bis ans Lebensende, ans Liebensende. Stell dir das doch einmal vor: ich allein auf diesem Grundst\u00fcck, mutterseelenallein, w\u00e4hrend du nach Sofia f\u00e4hrst. Das l\u00e4uft nicht! Das ist science-fiction. Die Umst\u00e4nde zwingen mir eine Opferrolle auf, zu der ich wenig begabt bin. Auf halbem Weg zum Opferstein, der eine Schlachtbank ist, h\u00e4ltst du an und sagst: Zur\u00fcck. Einfach so: zur\u00fcck. Du fragst das Opfer nicht, du ordnest an, du schleifst mich an den Haaren mit. Das geht nicht, Fabricius, dass das klar ist. Eine Person wie ich, die einmal eingewilligt hat, die Opferrolle zu \u00fcbernehmen \u2013 \u00fcber die kann man nicht nach Gutd\u00fcnken verf\u00fcgen, die kann man nicht umbesetzen, um das schlimme Wort zu gebrauchen. Du hast Schiss bekommen, sehr unm\u00e4nnlichen Schiss. Ich mache da nicht mit. Ich helfe dir, ich st\u00fctze dich, ich biete dir all meine Kraft, aber ich erwarte dein unmissverst\u00e4ndliches Ja zu unserer Schicksalsfahrt. Die kann mit dem Tod enden, mit Verletzung und Siechtum. Sie kann auch wundervoll enden, irgendwo, wo ein HNO-Arzt dringend gebraucht wird, samt Sprechstundenhilfe, der man zuweilen einige Melancholie anmerken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut, gut, du bist blo\u00df der Kutscher, die Sprechstundenhilfe gibt den Kurs an, und ich sage: meerw\u00e4rts, los. Das Gespann sind wir, wir beide, auf gro\u00dfer Fahrt. Wir k\u00f6nnen nur zusammen oder gar nicht. Sperre dein Herzschloss auf. Irgendwo da hinten ist das Meer. Da m\u00fcssen wir hin. Ende meiner Ausf\u00fchrungen\u2026\u201c \u2013 \u201eLeg deine Hand hier auf die Autot\u00fcr,\u201c sagte Fabricius.<\/p>\n\n\n\n<p>Das tat ich. Fabricius packte seine sch\u00f6ne rechte Hand darauf und sagte: \u201eWir fahren. Ans Meer. Komm, steig ein.\u201c Ich rannte um den Wagen herum und setzte mich an seine Seite und k\u00fcsste ihn. \u201eNun fahr,\u201c sagte ich dann, ohne den geringsten Zweifel. Er startete den Wagen und rollte gem\u00e4chlich aus dem Grundst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kleine Stra\u00dfe f\u00fchrte an die gro\u00dfe \u00dcberlandstra\u00dfe. Auf dem Wegweiser nach rechts stand \u201aSofia 420 Kilometer\u2019 Und \u201aBurgas 9 Kilometer\u2019 stand auf dem Wegweiser nach links. Nach links bog Fabricius in die Stra\u00dfe ein, war ein etwas m\u00fchsames Einf\u00e4delungsman\u00f6ver.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder redeten wir sehr lange wenig. Wir erreichten Burgas, das weder Fabricius noch ich kannten. Aber er fuhr mit gro\u00dfer Sicherheit durch die Stadt \u2013 zum Hafen. Zu den Segelbooten. Es waren nicht allzu viele. Bulgarien ist auf dem Wege, ein sozialistischer Staat zu werden, \u00fcber seine Aussichten als Seglernation ist kaum etwas bekannt. (Ziemlich dummer Satz!)<\/p>\n\n\n\n<p>Fabricius fuhr ziemlich nah am Wasser. \u00dcberall sehr bauf\u00e4llige H\u00fctten. An einer, deren T\u00fcr halb offen stand, hielt er an und rief: \u201eWo ist der Mann, der mir so ein Segelboot verkauft?\u201c Ein Mann kam aus der H\u00fctte und schaute sich Fabricius ausnehmend lange an, von allen Seiten, ging sogar um das Auto herum \u2013 unsere K\u00f6pfe verfolgten ihn. Schlie\u00dflich blieb er stehen und sagte: \u201eDer Mann bin wohl ich.\u201c Fabricius fragte weiter: \u201eUnd wo ist der Mann, der mir auf so einem Boot die Anfangsgr\u00fcnde des Segelns beibringt?\u201c \u2013 \u201eDer Mann bin wohl auch ich. Geht in das Boot da hinten. In dem k\u00f6nnt ihr \u00fcbernachten, nicht sehr bequem, aber es geht. Morgen fr\u00fch um acht komme ich, dann machen wir einen ersten T\u00f6rn.\u201c \u2013 \u201eUnd reden \u00fcber den Preis,\u201c erg\u00e4nzte Fabricius. \u201eJa,\u201c sagte der Mann, \u201eobwohl ich \u00fcber den nicht gerne rede.\u201c Damit verschwand er in seine H\u00fctte. \u201eWie findest du das?\u201c fragte Fabricius mich. \u201eIch bin ein Hoffnungsmensch,\u201c sagte ich, \u201eund finde das ganz wundervoll.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine sehr unruhige Nacht. Ich f\u00fcrchte ja immerzu irgendwelche Entf\u00fchrungen oder \u00dcberf\u00e4lle, wei\u00df auch nicht, warum. Nun ja, ganz harmlose Touristen sind wir jedenfalls nicht. Aber es passiert nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Erster Ort an der t\u00fcrkischen Schwarzmeerk\u00fcste, am Sonntag, den 5. 10. 1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Morgens kommt p\u00fcnktlich der Segellehrer. Entweder ist er ein ganz ausgezeichneter Lehrer oder Fabricius ist ein ganz au\u00dfergew\u00f6hnlicher Sch\u00fcler. Er begreift, noch ehe der andere viel gesagt hat. Wir segeln \u00fcber die Bucht von Burgas hin und her, gro\u00dfe Kurven, schnelle Passagen, scharfe Turns. Dann sind wir wieder im Hafen und Fabricius \u2013 ja, kann segeln. \u201eDer Preis,\u201c fordert er beim Aussteigen. Der Mann streicht sich \u00fcbers unrasierte Kinn: \u201eDu zahlst, was du zahlen kannst.\u201c Vertrauensvoll wandte er sich an mich: \u201eIst nicht viel oder?\u201c Dann wieder zu Fabricius: \u201eDa, wo du jetzt hingehst,\u201c \u2013 Woher um Himmels willen wusste er das??? \u201e\u2013 brauchst du viel Geld. Behalte, was du brauchst.\u201c Was f\u00fcr eine sch\u00f6ne Formulierung: Behalte, was du brauchst, gib mir, was du \u00fcbrig hast. Fabricius holt Geld aus der Tasche und h\u00e4lt dem Mann einen Packen hin, ohne nachzuz\u00e4hlen. Der Mann nimmt es, z\u00e4hlt auch nicht nach und geht davon.<\/p>\n\n\n\n<p>Fabricius bittet mich mit einer Geste auf das Boot zur\u00fcck. Ich will protestieren: \u201eNoch eine Nacht in der engen Kaj\u00fcte?\u201c Fabricius nickt. Ich folge seiner Geste, er springt auch auf das Boot und richtet mit ein paar Griffen die schlaff h\u00e4ngenden Segel auf, so dass das Boot ins offene Wasser schaukelt. \u201eWas hast du vor?\u201c frage ich sehr \u00e4ngstlich. Ganz leise fl\u00fcstert er in mein Ohr: \u201eT\u00fcrkei.\u201c \u2013 \u201eJetzt?\u201c frage ich entsetzt, \u201ees ist gleich tiefe Nacht. Du bist zum ersten Mal auf See. Nein, Fabri, lass das.\u201c Er sch\u00fcttelt den Kopf und geht ans Steuer. Wir gleiten langsam durch den dunklen Hafen. Gleich hinter der Mole nimmt Fabricius Kurs nach S\u00fcden. \u201eBitte, setz dich,\u201c sagt er, \u201ehier, neben mir.\u201c Ich sinke nieder an seiner Seite. \u201eIch habe diese K\u00fcste auf der Karte sehr genau studiert, \u2013 es kann nicht viel passieren. Krajmorie, Sosopol, Zarevoviel sp\u00e4ter kommt noch Rosovo. Und schlie\u00dflich kommt die Grenze.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich umarme ihn heftig. Das Wasser wurde etwas unruhig und lie\u00df unser Boot immer erkennbarer schaukeln. Fabricius schaute nach hinten, nach achtern muss man hier ja wohl sagen. Pl\u00f6tzlich schrie er: \u201eHinlegen!\u201c Ich sagte: \u201eIch liebe es, wenn du zu mir sagst, dass ich mich \u2013\u201c \u2013 \u201eHinlegen!\u201c schrie er noch einmal. Ich rutschte auf die Planken, er eng neben mich: \u201eEs k\u00f6nnte sein,\u201c sagte er, \u201edass ich M\u00fcndungsfeuer von einem Patrouillenboot der bulgarischen Marine gesehen habe.\u201c Nein, zu h\u00f6ren ist nichts, wenn, dann ginge das unter im Pfeifen des Windes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schreibe nicht viel \u00fcber mancherlei Umst\u00e4nde. Wohl, weil das Theater da kaum noch eine Rolle spielt; als es noch die Widerspenstige in meinem Leben gab, war ich sehr viel ausf\u00fchrlicher. Dies ist das Tagebuch der Sprechstundenhilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann schrammte das Boot ziemlich heftig auf einen Kieselstrand und legte sich gleich schief, so dass ich M\u00fche hatte, mich aufrecht zu halten. \u201eHoffentlich,\u201c sagte Fabricius, \u201eist das schon die T\u00fcrkei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das war sie. Wir klingelten am erstbesten Haus, das wir erkennen konnten. Eine alte Frau machte sehr behutsam die Haust\u00fcr auf. Sie sprach ein sehr schlechtes Bulgarisch und das sehr rasch: \u201eHaut ja ab! Ihr kommt von dr\u00fcben?\u201c \u2013 \u201eJa.\u201c \u2013 \u201eEin ganzes Regiment von euren Securitate-Leuten wimmelt hier herum. Da hinten ist eine Haltestelle zum Bus nach Istanbul. Los, weg! F\u00e4hrt in einer Stunde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehorchten. Wir kamen nach Istanbul und suchten eine offizielle Stelle f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Aber da war nichts als eine Polizeidienststelle. Auf dem Flughafen landeten wir und ergatterten zwei Tickets nach M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>M\u00fcnchen, am Montag, den 20.10.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese vergangenen zwei Wochen waren eine einzige Turbulenz. In M\u00fcnchen sind wir gelandet, in des Wortes Bedeutung, fast v\u00f6llig zerst\u00f6rte Hauptstadt von Bayern. Mit sehr unterschiedlichen Bewohnern: viele sind sehr nett und hilfsbereit, aus vielen spricht der Hunger und die Verzweiflung. Die Stadt ist fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt durch die Bomben des Kriegsfeindes. Wo schlafen nur die vielen vielen Menschen? Bulgarische Fl\u00fcchtlinge sind \u00e4u\u00dferst selten. Dennoch k\u00fcmmert sich eine Frau in einer amtlichen Stelle sehr r\u00fchrend um uns. HNO-Arzt, das wird selten gesucht. \u201eUnd ich,\u201c sage ich dann, \u201ebin die Sprechstundenhilfe.\u201c Sie l\u00e4chelt, als s\u00e4he ich nicht wie eine Sprechstundenhilfe aus. Daf\u00fcr wollte ich Fabricius verantwortlich machen, aber das geht nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hohentwil, am Mittwoch, den 22.10.1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind im Fl\u00fcchtlingslager Hohentwil gelandet, irgendwo im S\u00fcdwesten Deutschlands. Es ist alles sehr ordentlich und sauber, sehr deutsch, k\u00f6nnte man sagen. Und wir suchen und suchen nach einer Bleibe auf diesem Planeten. F\u00fcr mich ist alles sehr sehr fremd. Ich vermisse meine Sprache. Es gibt nur noch einen Bulgaren auf der Welt: Fabricius. Wir m\u00fcssen ja auch Geld verdienen. Streckenweise sind die Tage sehr erm\u00fcdend. Blo\u00df gut, dass Fabricius darauf bestand, alle Papiere mitzunehmen. Seine beruflichen Qualifikationen er\u00f6ffnen uns doch eine Menge Aussichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich atme schwer. Die F\u00fclle ringsum mich macht mir Angst. Ich bin die Frau, die ihren Beruf verloren hat. Um so heftiger klammere ich mich an Fabricius. Und wei\u00df nicht, ob ihm das gef\u00e4llt. Doch, ja, wir finden Augenblicke des Ausruhens, auf irgendwelchen B\u00e4nken, in kleinen Caf\u00e9s, wo wir einander die H\u00e4nde halten k\u00f6nnen und die Zeche wenig kostet. Wenn es mir sehr gut geht, dann mache ich alles durch wie eine Schauspielerin, als sei ich mitten in einer Rolle. Geht es mir nicht so gut, dann heule ich viel und notiere im Geiste, dass das Theater jenseits vom Leben liegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hohentwil, am Donnerstag, den 23. 10. 1947<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Morgen brechen wir auf nach Fort-de-France, Hauptstadt der Karibik-Insel Saint Martinique. Fabricius fragte mich mit einem Schmunzeln nach meinen Franz\u00f6sisch-Kenntnissen. Verwundert antwortete ich: \u201eNicht viel mehr als Schul-Franz\u00f6sisch.\u201d St. Martinique ist franz\u00f6sisch. Es hat sich ergeben, dass Fabricius dort eine gro\u00dfe HNO-Praxis \u00fcbernehmen kann und Aussicht hat auf eine Dozentur an der regionalen kleinen Universit\u00e4t. Ich kann das noch nicht fassen. Er sagt: \u201eDu wirst meine Sprechstundenhilfe.\u201c Ja, das werde ich wohl. Als Sprechstundenhilfe also endet auf der Karibik-Insel St. Martinique die seltsame Karriere der Henriette Gusi\u010d\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das sind die letzten Worte im Tagebuch der gro\u00dfen bulgarischen Schauspielerin Henriette Gusi\u010d, vermeldet im ledergebundenen Buch mit der kyrillischen Gold-Aufschrift \u201aMein Kochbuch\u2019, das Arbeiter festgeklemmt im Seitenteil eines Bettes fanden, als die gro\u00dfe Mittelbaracke abgerissen wurde. Es gibt viele Anzeichen, dass es dort absichtlich vergessen wurde.<\/em><br><em>Aus Fort-de-France h\u00f6rt man indes, dass Doktor Capet sich sehr schnell einen Namen machte, weil er den jungen unter Dauererk\u00e4ltungen leidenden Fischern dringend riet, ab Mitte Oktobernacht nicht mehr morgens um halb vier in kurzer Hose und T-Shirt auf Fischfang zu fahren, sondern sich w\u00e4rmer anzuziehen. Das taten sie, und die Dauererk\u00e4ltungen gingen fast schlagartig zur\u00fcck unter kr\u00e4ftigem Einsatz von Sprechstundenhilfe Henriette Capet, geborene Gusi\u010d.<\/em><br><em>Professor Doktor Fabricius Capet lie\u00df auch ein Klavier ins karibische Haus stellen. Mozart, Beethoven, Reger. Plingpling.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Claudia indes hat sp\u00e4ter auch vernommen, dass sich in <em>Fort-de-France<\/em> in gewissen Kreisen ein reges Interesse an bulgarischer Untergrundliteratur entwickelte. Die bulgarische Staatssicherheit ist nie dahinter gekommen, auf welchen Wegen solche Schriften in die Karibik gelangten. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1908\">Henriette Gusi\u010d \u2013 Teil 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1903\">Claudias Klappentext hierzu<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1860\">Lotte in Weimar<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sofia, am Donnerstag, den 25.9.1947 Wurde Henriette Gusi\u010d vergewaltigt?\u2019 Wichtig: Das Fragezeichen, ganz wichtig. In einem nach dem gestrigen Tag vollkommen unwirklichen Zustand ging ich von zu Hause zum Theater. Ich absolviere das meistens ziemlich flott, weil ich nicht angestarrt werden oder gar Autogramme geben m\u00f6chte. Ich wollte Ordnung wiederherstellen: Ich bin nicht mehr krankgeschrieben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":1901,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2303","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2303"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2328,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2303\/revisions\/2328"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}