{"id":2411,"date":"2024-02-22T17:36:44","date_gmt":"2024-02-22T17:36:44","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=2411"},"modified":"2024-06-12T18:25:16","modified_gmt":"2024-06-12T18:25:16","slug":"unfrisierte-gedanken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2411","title":{"rendered":"Unfrisierte Gedanken (Folge 10)"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Unfrisierte Gedanken als Vorbereitung zum Schreiben<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">**<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Hier die Abschrift von einer Fotokopie aus Podehls Archiv, die mit sehr vielen begeisterten Randbemerkungen und kleinen kritischen \u00c4u\u00dferungen und Bedenken von Armin Maiwald versehen ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">7. April 1980<\/p>\n\n\n\n<p>Unfrisierte Gedanken als Vorbereitung zum Schreiben von Folge&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>AUFR\u00c4UMEN<\/p>\n\n\n\n<p>HALLO SPENCER &#8217;80<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">&#8220;Die Ordnung ist die Lust der Vernunft, aber die Unordnung ist die Wonne der Phantasie&#8221;<br>Paul Claudel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-text-align-right\">&#8220;Die Gefahr, dass das Kind aufr\u00e4umt, statt Unordnung zu machen &#8230;&#8221;<br>Wolfdietrich Schnurre<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8220;Moralit\u00e4ten&#8221; bei Ordnung, Unordnung, Aufr\u00e4umen m\u00fcssen genau bedacht werden. Jedes Ding hat seine zwei Seiten. O nein, viel mehr!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche im Folgenden mal, einzelne Figuren auf ihr Verh\u00e4ltnis zum Aufr\u00e4umen abzuklopfen. Dabei wird nat\u00fcrlich auch ein Haufen Grunds\u00e4tzliches \u00fcber Figuren und Environments zutage treten. Ich gehe auch immer wieder auf die beiden Unterlagen aus Hamburg vom 28.1.80 und 7 Seiten als Anlage zum Brief von W.D. vom 3.3.80 ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf das Unfrisierte solcher mehr Selbstgespr\u00e4che sei noch einmal hingewiesen. Wider- und Zuspruch erbeten, sowie alles Erg\u00e4nzende, Weiterf\u00fchrende, auch &#8220;Ja, aber &#8211; &#8221; kann manchmal gut sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spencer<\/strong><br>will immer aufr\u00e4umen, aber er kann es nicht, sonst w\u00fcrde er nicht immer aufr\u00e4umen. (Merke: Wer dauernd aufr\u00e4umt, r\u00e4umt nicht auf, denn er erreicht das Ziel des Aufr\u00e4umens nicht: Ordnung, die weiteres Aufr\u00e4umen \u00fcberfl\u00fcssig machte. Merke: Ordnung ist ein menschliches Problem und hat nichts mit Zeithaben oder anderer Mangelware zu tun.)<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer hat mentale Schw\u00e4chen, wie sie ein Moderator eigentlich niemals haben&nbsp; d\u00fcrfte. Aber ist es nicht eigentlich merkw\u00fcrdig, wie wenig wir von seinen guten Seiten reden? Er hat Show-Talent, er hat viel drive, Liebe, Freude, Biss, Pfiff, Witz (&#8220;Zieht die Badem\u00e4ntel aus &#8211; ich bin der Weihnachtsmann!&#8221;) war zwar von Achim, aber ganz und gar spencerisch. \u00dcberhaupt merke: In den Trailern, wo wir f\u00fcr die Sendung werben wollten, haben wir ihn eigentlich besser behandelt. Weitere Spencer-Positiva: er ist &#8211; einmal auf der richtigen Spur &#8211; ein Auswerter, Ausbeuter, Ausschlachter, er hat einen \u00fcberproportional guten Willen. Und vielleicht leitet die \u00dcberproportionalit\u00e4t dieses Willens zu den Schw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu viel guter Wille schie\u00dft immer \u00fcber das Ziel hinaus, zu viel Drive ist f\u00fcr den Driver eher l\u00e4stig, f\u00fchrt zu Unf\u00e4llen. Da hilft nur mentale Steuerung, genauer, wenn sie zu gering ist, gibt es eben Unf\u00e4lle. (Merke: eigentlich nicht Pannen, deren Auftreten von imponderabilen Umst\u00e4nden und Instrumenten abh\u00e4ngen; Spencers Ausf\u00e4lle sind zumeist selbstverschuldet aus obigen Gr\u00fcnden.)<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4misse: Spencer will die sch\u00f6nste, beste, eleganteste, erfolgreichste, kindergerechteste, schmissigste Sendung fahren (driver), die sich \u00fcberhaupt nur vorstellen l\u00e4sst, er will zehn Sendungen fahren, auf die alle diese Superlative ebenfalls zutreffen, eine besser als die andere, auch wenn das grammatikalische Schwierigkeiten macht, denn im Superlativ steht etwas recht Singul\u00e4res. Ihm steht ein hervorragendes Instrumentarium, Bestiarium, Pupparium, Kinderarium (alle unsere Puppen sind doch eigentlich&nbsp; Kinder) zur Verf\u00fcgung, das uns und ihn nicht entt\u00e4uscht, zur Illustration seiner Thesen und Themen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mag sein, dass ich mit dem Wort &#8220;Illustration&#8221; ins Redakteur-Fettn\u00e4pfchen getreten bin. But I mean it. Spencer gibt vor: Heute Aufr\u00e4umen &#8211; drei &#8211; vier &#8211; und &#8230; (Merke: Die Fixierung auf ein Thema unterscheidet die Sendung von Allerwelts-Kinder-Magazinen, von denen uns in den n\u00e4chsten Jahren vermutlich Legionen ins Haus stehen werden; sie ist zudem p\u00e4dagogische Labsal, Wohltat.) Und nat\u00fcrlich sind nun unsere Szenen personifizierte, dramatisierte Thesen, Antithesen, dialektische Purzelb\u00e4ume, zum Beispiel: permanentes Aufr\u00e4umen setzt permanente Unordnung voraus und schafft sie zugleich. (Kasimir, ick h\u00f6r dir jaulen!) Dass diese Themen nicht trocken abgehandelt werden, da sei unser aller Kreativit\u00e4t vor. Das meinte ich mit Illustration. Ich achte die m\u00f6gliche Gefahr, dass nun die Szenen wie gestelltes oder gar gestelztes Theater wirken k\u00f6nnten, gering; nach unserer Erfahrung &#8217;79 spricht nichts daf\u00fcr, brisante, brillante, nachdenkliche Szenen tilgen diese Gefahr. Ich hoffe, dass auch das im Folgenden zum Dramatischen Ge\u00e4u\u00dferte sie nicht heraufbeschw\u00f6rt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von W.D.&#8217;s Ahnenforschung bez\u00fcglich Spencer behagt mir eigentlich nur die Annahme, dass er ein Einzelkind war. Aber auch die f\u00fchrt mich nicht auf eine besonders fette Weide. F\u00fcr mich ist seine etwaige Lou-van-Burg-Vergangenheit sehr irrelevant und mit der Telefon-Mutter kann ich schon gar nichts anfangen. Wozu so&#8217;n akustisches Abstraktum? Wo wir von Teufelchen \u00fcber lauter Irdische bis zu Galaktika so viel Optika parat haben? Nein, ab mit ihr in den H\u00f6rfunk!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun fragen wir uns mal ganz konkret, was es bei Spencer aufzur\u00e4umen g\u00e4be, und sto\u00dfen auf diese bl\u00f6den Filmb\u00fcchsen. Ein Relikt, eine Antiquit\u00e4t aus Zeiten, in denen noch H\u00fchnerlibido- und \u00e4hnliche Scherz-Filmchen von au\u00dfen zugeliefert wurden. Ich gestehe zwischendurch, dass ich auch mit den Schnecken meine Schwierigkeiten hatte, sie auch wenig kindertauglich fand (und schlecht synchronisiert); aber mag sein, dass ich da schief liege. Wie dem auch sei: wozu Filmb\u00fcchsen?<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer hat seine Damen und Herren Puppen auf Fingerschnippen bereit (oder nicht bereit); bezeichnenderweise wollen wir ihn ja wohl alle nicht mehr &#8220;Schnitt&#8221; sagen lassen. Gut so: Dies ist ja auch aus der Filmwelt so ein Relikt. Spencers Pr\u00e4senthaben ist eben kein Film, kein Zuspielteil, so wenig, wie Spencers Telefon mit den Telefonen der Bundespost etwas gemeinsam hat. (Wo k\u00e4men wir hin, wenn einer die A.P. anruft und nach Geld oder Terminen fragt und sie antwortet einfach so sichtbar, h\u00f6rbar aus ihrer neuen K\u00fcche beim R\u00fchreiermachen? (Es gibt kaum Menschen, die R\u00fchreier sagen, es wird meistens der Viersilber &#8220;R\u00fcaeier&#8221; daraus, im Gegensatz zum Dreisilber Abendbrot, der fast immer zum Zweisilber &#8220;Ambrot&#8221; verkommt. Aber bei &#8220;R\u00fcaeier zum Ambrot&#8221; sorgt dann das Bundessilbenausgleichsamt f\u00fcr eine ausgewogene Statistik, aber dies nur nebenbei. Zwei Klammern zu:))<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer Fingerschnippen ist Magie, Zauber, selbstverst\u00e4ndliche Zeichengebung in der Hallo-Spencer-Kommune. (Ich muss bei dieser Ansammlung von Individuen immer irgendwie an Worpswede denken.) Da brauchts keine Filmb\u00fcchsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn sie weg, was da hin? Da ich, wie gesagt, seine Vergangenheit f\u00fcr uninteressant halte, sind mir auch Vergangenheitstroph\u00e4en wenig einleuchtend. Am einleuchtendsten w\u00e4ren mir momentan Texte, Manuskripte, Zettel, Schnellhefter, Steckbretter, Pinw\u00e4nde mit den Bildern aller seiner Liebsten und vielleicht dieses und jenes Requisit aus anderen Sendungen. W.D.&#8217;s Rohrpost finde ich gut, vielleicht gleich noch&#8217;n Fernschreiber dazu &#8211; m\u00fcssen aber gen\u00fctzt werden. Mit Spencers Sessel habe ich \u00fcbrigens weniger M\u00fche. Tatsache ist allerdings, dass der Sitzeindruck nie pr\u00e4zise rauskam, ebensowenig gabs demgegen\u00fcber einen Steheindruck, wahrscheinlich zu viel verlangt, von solchen Puppen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spinne jetzt mal los: Spencer begr\u00fc\u00dft seine Zuschauer mit der vorz\u00fcglichen A.M.-Formel und beginnt dann eine Suada \u00fcber Aufr\u00e4umen, Ordnung Machen, Unordnung, innere und \u00e4u\u00dfere Zeitersparnis, mit der der Ordentliche rechnen kann&#8230; Er hat sich auch alles, was er f\u00fcr die heutige Sendung braucht, ordentlich auf einen Zettel geschrieben. Als er ihn jedoch ein erstes Mal benutzt, sagt er zusammenhanglos: &#8220;Gute Nacht, liebe Kinder&#8221;!&nbsp; Es ert\u00f6nt zugleich eine kr\u00e4ftige Sandm\u00e4nnchenmusik, die er nur mit M\u00fche abmurksen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer hat den falschen Zettel erwischt und muss den richtigen suchen. Nun wird die Piccobello Aufger\u00e4umtheit seines Studios als fahle T\u00fcnche entlarvt: sobald er n\u00e4mlich irgendein aktenschrank\u00e4hnliches Beh\u00e4ltnis aufschlie\u00dft, quillt ihm die gr\u00f6\u00dfte Unordnung entgegen. S\u00e4uberlich gestapelte Manuskripte m\u00fcssen umgeschmissen werden, weil sie nicht der Nummerierung nach gestapelt sind, Steckbretter werden einfach auf den Kopf gestellt, sodass s\u00e4mtliche Zettel flattern.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich findet er am Ende der Sendung, wenn das Studio nur noch ein w\u00fcster Haufe ist, den richtige Zettel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir hat die Idee eines l\u00e4nglichen Studios eigentlich gut gefallen, vorne das Ansagepult, in der Tiefe die T\u00fcr. Wie, wenn er rechts und links so eine Art String-W\u00e4nde h\u00e4tte, Raumteiler, mit verschiedenen K\u00e4sten, Kasten, Beh\u00e4ltnissen (usw., siehe oben), an denen die Kamera au\u00dfen vom Pult zur T\u00fcr oder umgekehrt lang fahren k\u00f6nnte (sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6ne Vordergr\u00fcnde, dito Hintergr\u00fcnde, wenn die Kamera mal sozusagen innen f\u00e4hrt)? Hier lie\u00dfe sich auch eine nat\u00fcrlichere, genauer: realistische Spielleiste herstellen. Und da k\u00f6nnten auch letzte Filmb\u00fcchsen stehen. Ringsum ist alles dunkel abgehangen. Das w\u00e4re jedenfalls g\u00fcnstige Aufr\u00e4umdekoration &#8211; wie weit sie f\u00fcr andere Themen ebenso g\u00fcnstig w\u00e4re, sei dahin gestellt. Aber im Augenblick macht mir das einen recht universal brauchbaren Eindruck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einiger M\u00fche jedenfalls schafft es Spencer bis zum ersten Fingerschnippen, auch ohne, trotz manchen W\u00fchlens, den richtigen Zettel zu finden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun stelle ich mir vor, dass alle Szenen damit enden, dass alles Volk sagt, es m\u00fcsse zu Spencer, um ihm beim Aufr\u00e4umen zu helfen. Nat\u00fcrlich sind das variantenreichste Enden! Sein Studio wird also von Moderation zu Moderation voller und &#8211; unaufger\u00e4umter. Naheliegende Pointe w\u00e4re, dass er den Zettel am Schluss f\u00e4nde, den er am Anfang gebraucht h\u00e4tte. Aber es kann sein, dass uns da etwas weniger Naheliegendes, daf\u00fcr Lustigeres einf\u00e4llt.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist diese Zettelei eine klassische Spencer-Situation: Alles in bester Ordnung, alles vorbereitet, nichts kann schiefgehen. Nur der falsche Zettel. In diesem Nur lauert das ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Chaos.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W.D.&#8217;s Idee mit dem Zuschauerbrief in jeder Sendung scheint mir tr\u00e4chtig, der sollte per Rohrpost in seine besten Text klackern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elvis<\/strong><br>braucht nie aufzur\u00e4umen, weil er immer Ordnung hat. Das finden alle anderen. Er findet, dass es stets etwas aufzur\u00e4umen gilt. Was er f\u00fcr Unordnung h\u00e4lt, ist in den Augen der meisten tadellose Ordnung. Er sagt: &#8220;Ich muss das aufr\u00e4umen!&#8221; Und die anderen &#8211; auch die Zuschauer fragen: &#8220;Was? Wo?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmal aber was ganz anderes, grundlegend Wichtiges: Wer oder was ist Elvis denn nun? Seinen Tod als Kameramann beweine ich nicht, ich bin meist f\u00fcr inside out. Aber Kakteenliebhaber, das ist nicht abendf\u00fcllend. Mir gefiel der Schrankenw\u00e4rter zun\u00e4chst einmal gut.&nbsp; Aber vielleicht w\u00e4re er auch nicht schlecht in einem &#8220;Vorzimmer&#8221; von Spencer. Das Wort steht in Anf\u00fchrungszeichen, damit soll eine Art Funktion ausgedr\u00fcckt werden, sowas wie Schrankenw\u00e4rter-Vorzimmer. Es ist ja merkw\u00fcrdig, dass Elvis immer wieder an Spencers Seite gedr\u00fcckt wird. Er hat auch sowas irgendwie Assistentiges. K\u00f6nnte er nicht vor Spencers T\u00fcr sitzen oder stehen (wo er auch seine Kakteen haben k\u00f6nnte) als Sekret\u00e4r-Aufnahmeleiter-Mitarbeiter? \u00dcber die genaue Bezeichnung, auch&nbsp; nach au\u00dfen hin, also in den Texten, w\u00e4re nachzudenken. Nat\u00fcrlich auch hier Insider-Dramaturgie vermeiden. (Das meinte ich oben mit dem vielleicht nicht allgemein verst\u00e4ndlichen &#8220;inside out&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer k\u00f6nnte ihn um Rat fragen, ihn ausschimpfen, loben, einspannen. Elvis k\u00f6nnte Spencer auf Fehler hinweisen, ihn auch mal auf seine Weise ausschimpfen (\u00fcbern\u00e4hme dann die Funktion dieser Telefon-Mutter), Besucher anmelden, oder abwimmeln oder rausschmei\u00dfen helfen. \u00dcbrigens ruhig entfernte \u00c4hnlichkeit mit Kulis Butler Jane.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens \u00fcbrigens eine nicht seltene Freundschaftskonstellation: der etwas hohlk\u00f6pfige Tatknabe und der etwas tatscheue Kopfknabe. Hier w\u00e4re jedenfalls Schauplatz und Funktion f\u00fcr Elvis. Ob wir sie nehmen, sei dahingestellt. Aber etwas dergleichen m\u00fcssen wir f\u00fcr ihn finden. Er w\u00fcrde das Requisit, das der Zuschauerbrief erfordert, anschleppen. (W.D.&#8217;s Heu-Metapher ist mir undurchsichtig geblieben.)<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens, \u00fcbrigens, \u00fcbrigens: Sone ordentlichen Typen wie Elvis sollte man nach unordentlichen Mistecken im mehr seelischen, mehr n\u00e4chtlichen, mehr unterbewussten Bereich abklopfen. K\u00f6nnte sein, dass es da viel aufzur\u00e4umen g\u00e4be.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>*Stehende Redensart: &#8220;Nu mal ernsthaft, nu mal ernsthaft!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>(Quietschbeus: &#8220;Nu mal spa\u00dfhaft, nu mal spa\u00dfhaft!&#8221;)<\/p>\n\n\n\n<p>Elvis steht vor seiner tadellos aufger\u00e4umten Szenerie und meint, hier m\u00fcsse mal aufger\u00e4umt werden: zwei nicht ordentlich aufeinander liegende Bl\u00e4tter sind f\u00fcr ihn &#8220;unordentlich&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Poldi<\/strong><br>r\u00e4umt auf durch Fressen, genauer: m\u00f6chte aufr\u00e4umen durch Fressen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00e4llt einem zuerst ein. Aber dann stutzt man (ich) etwas: Vielleicht kann Poldi noch eine ganze Weile mit &#8220;Ich will dir fressen&#8221; eine Ausgangsposition bestimmen. Bei den Zwillingen zum Beispiel m\u00fcsste sich da manches machen lassen. Ich glaube aber, dass er auf die Dauer schon noch einige Motivationen dazubekommen muss. Fressanspr\u00fcche an Lexi, Elvis, Nepi, sind eigentlich nicht mehr zu stellen. Er ist ja, wenn ich das richtig verstanden habe, bei den Kindern bestens angekommen. Was mag denn da als so gut empfunden worden sein? Die Bezeichnung &#8220;Idealtyp&#8221; sagt mir da ein bisschen wenig. Poldi hat viel Initiative, immer recht genaue (Fress-)Vorstellungen, und scheitert doch eigentlich immer. Scheitern ist nur teilweise richtig. Oft bleibt er ja Sieger bei reduzierter Wunscherf\u00fcllung: Magen-F\u00fcllung, wenn auch nicht mit dem, den (!)&nbsp; er fressen wollte. Ich w\u00fcrde ihn naiver nennen als Kasi, von keiner Gedankens Bl\u00e4sse angekr\u00e4nkelt.&nbsp;Ist Kasi underdog, dann ist Poldi jedenfalls over!<\/p>\n\n\n\n<p>Merkw\u00fcrdig ist mir sein Erfolg auch ein wenig insofern, als seine Schule immer nur als Bericht &#8220;vorkam&#8221;; desgleichen merkw\u00fcrdig, als sein Zuhause, diese karge karge H\u00f6hle so gar nicht anheimelnd ist. Aber all das \u00fcberspielt wohl die vorz\u00fcgliche Darstellung. Umso mehr sollte man sich Gedanken machen \u00fcber eine angemessene Heimat.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies um so mehr (Einmal schreibt er Um-so-mehr zusammen, einmal getrennt, wat denn nu? Duden-Kucken war mit zu l\u00e4stig, auswendig wei\u00df ichs nicht.), als ich nicht wei\u00df, in welchem Zuhause ich Poldi eine nicht lineare Postkarte schreiben lassen m\u00f6chte an Kasi. Das Nicht-Lineare ist Poldi nat\u00fcrlich gar nicht bewusst, er findet es sch\u00f6n so:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"389\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/SpencerPoldisBrief_2-1024x389.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2552\" style=\"width:545px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/SpencerPoldisBrief_2-1024x389.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/SpencerPoldisBrief_2-300x114.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/SpencerPoldisBrief_2-768x292.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/SpencerPoldisBrief_2.jpg 1045w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Um eine solche &#8220;unaufger\u00e4umte&#8221; Postkarte, wie Lexi sie nennen wird, zu schreiben, braucht Poldi ein Zuhause. Ich sehe ihn, mit der Kamera von oben \u00fcber seine Schulter, an diesem Elaborat bastelt\u00fcfteln. Er macht bei der Adresse, die er ansonst ordentlich schreibt, Postleitzahlenquatsch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kasimir<\/strong><br>Seine Kastanienwohnung hat mir nicht gefallen. Dieses Stachelige, mit der mechanischen T\u00fcr, von der Gr\u00f6\u00dfe eines Baumstammes, das nie oder nur schwer als Kastanie identifiziert wurde. Ich pl\u00e4diere f\u00fcr ein phantasievolleres Haus, auf einem Baum, aus nicht ganz realistischen Brettern, wie es sich privilegiertere Kinder bauen (privilegiert, weil deren Eltern einen Garten haben und sie nicht in Wohnmaschinen aufwachsen m\u00fcssen) mit Briefkasten und Klingel und so weiter. Solche Behausung ist &#8211; entschuldigt dies harte Wort in der Hast &#8211; sehr kindert\u00fcmlich. Die Strickleiter war ganz sch\u00f6n, die k\u00f6nnte bleiben &#8211; und w\u00e4re vielleicht f\u00fcr mein Aufr\u00e4umthema reizvoll, wenn sie verknotet w\u00e4re: &#8220;Ich muss mein Treppenhaus aufr\u00e4umen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Kasi bekommt beim Aufr\u00e4umen nun diese nicht lineare Postkarte von Poldi, deren Unentzifferbarkeit ihn in gr\u00f6\u00dfte Panik versetzt, denn deren Inhalt k\u00f6nnte sich ja auf gef\u00e4hrliche Dinge beziehen, auf zu Erledigendes, das, w\u00fcrde es nicht erledigt, katastrophale Folgen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kasi l\u00e4uft mit der Karte zu Nepomuk, der die Karte \u00e4sthetisch reizvoll findet, an seinem Sinn jedoch desinteressiert ist, auch nicht an einen solchen glaubt &#8211; &#8220;Der Poldi war schon immer ein bisschen hirnrissig!!&#8221;&nbsp; Vielleicht l\u00e4uft Kasi noch zu anderen. Aber erst Lexi wird ihm die W\u00f6rter aufr\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir f\u00e4llt der Kasi-Grundsatz ein: &#8220;Ich hilfe immer allen, aber mir helft keiner!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Oder Kasi w\u00e4re, was gut zu ihm passen w\u00fcrde, der Brieftr\u00e4ger der Kommune und ist v\u00f6llig verdattert, die Karte zu kriegen, und dann sehr ungl\u00fccklich, dass er sie trotz Lesenk\u00f6nnen nicht lesen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ihm Lexi den Karteninhalt &#8220;.. mir geht es gut, Wie geht es Dir?&#8230;&#8221; sortiert wird, geht Kasi zu Poldi und sagt &#8220;Gut&#8221; und versteht gar nicht, dass Poldi das nicht gleich als Antwort auf seine Postkarte versteht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lexi<\/strong><br>K\u00f6nnte gelegentlich sagen:<br>Ach, Ihr Lieben, nach der Setzung des Doppelpunkts fiel mir was zu Galy oder sonstwem ein, und das notierte ich, und nun wei\u00df ich nicht mehr, was Lexi gelegentlich sagen k\u00f6nnte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass er immer an der Lexiklop\u00e4die arbeitet, gef\u00e4llt mir gut. Solche Motivationen geben immer reichhaltige Handlungsanst\u00f6\u00dfe, allein schon das Gest\u00f6rtwerden durch jederlei Besucher; es erspart auch aufwendige Expositionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein spezielles Aufr\u00e4umproblem ist die Ordnung seiner immer umfangreicher werdenden Bibliothek.<br>(Zwischenfrage: Ob Lexi nicht irgendwann doch Zupackh\u00e4nde brauchen wird? Oder ist er da zu klein zu?)<br>Ordnet man B\u00fccher nach Alphabet, Gr\u00f6\u00dfe, Farbe oder Geist? Lexi hat bei aller sonstigen Entschieden- und \u00dcberlegenheit hier gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten, er nimmt allen Rat dankend entgegen:<\/p>\n\n\n\n<p>Kasi: nach Farbe, Elvis: nach Alphabet, Nepomuk: nach Gr\u00f6\u00dfe, aber vertikal, die kleinsten unten, die gr\u00f6\u00dften oben, da st\u00fcrzen sie am sch\u00f6nsten zusammen, hahaha, Poldi zuerst die am besten, dann die weniger gut, zuletzt die, die gar nicht &#8211; na, was denn wohl?! &#8211; schmecken. &#8220;Aber Poldi, B\u00fccher schmecken doch gar nicht!&#8221; &#8211; Poldi: &#8220;Zu was hast du sie dann?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>So gesehen k\u00f6nnen Au\u00dfenstehende kaum alle Gesichtspunkte eines Lexiklop\u00e4die-Machers bei der Ordnung seiner Bibliothek abw\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lexi k\u00f6nnte Kasis (Poldis) Postkarte zerschneiden &#8211; zum Entsetzen Kasis! &#8211; oder wird vorher bei Elvis eine Fotokopie gemacht? &#8211; oder die W\u00f6rter in der richtigen Reihenfolge sortieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zwillinge<\/strong><br>Ob die von einem Puppenspieler gef\u00fchrt werden? Auf jeder Hand eine? Dann Stab-H\u00e4nde-Sprache? Sprecher?<\/p>\n\n\n\n<p>Einlinge &#8211; Zwillinge &#8230; &#8211; Sechslinge &#8211; Dreihundertvierundzwanzlinge &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Merkw\u00fcrdig schwierig scheint es mir, mit diesen Damen weiterzukommen, nachdem man ihnen zum Geburtstag so heftig gratuliert hat. Was hat uns veranlasst, ihre Entstehung so sehr zu begr\u00fc\u00dfen, wenn ihre Integration in die Kommune nun so viel M\u00fche macht? &#8220;Unbeschreiblich weiblich&#8221; &#8211; und was weiter?<\/p>\n\n\n\n<p>Unser gro\u00dfer Bruder Shakespeare hat ein St\u00fcck gef\u00fcllt mit den Irrungen zweier Zwillingspaare, gespielt von vier Schauspielern, von denen je zwei sich sicher h\u00f6chst selten zum Verwechseln \u00e4hnlich sind. (Fall 1, siehe unten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden uns anstrengen m\u00fcssen, um aus unseren Zwillingen jeweils den einen oder anderen Reiz zu schlagen:<\/p>\n\n\n\n<p>Fall 1: Zuschauer wissen durch deutliche Merkmale in Kleidung, Haartracht oder Accessoires den Unterschied &#8211; sind also in der Exposition informiert worden &#8211; und am\u00fcsieren sich \u00fcber die Unwissenheit der anderen Figuren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Fall 2: Auch die Zuschauer wissen nicht und werden durch ihre eigene Irref\u00fchrung am\u00fcsiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zwillinge eignen sich sehr gut zur Demonstration des merkw\u00fcrdigen Tatbestandes, dass Zwei, die sich oft nicht einig sind, sofort solidarisch werden, wenn Angriffe von au\u00dfen stattfinden.&nbsp; (Von ihrem Mann verpr\u00fcgelte Ehefrau keift gegen Einmischer, der den Mann zurechtweist: &#8220;Wat jeht Sie denn det an!&#8221;)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, ein Zwilling (wir sollten ihnen bald Namen geben, allerdings komische, sowas wie Gogols Bobtschinski und Dobtschinski) ist f\u00fcr Aufr\u00e4umen, einer dagegen. Und zuweilen sehe ich eine riesige Puppenpr\u00fcgelei, Ordnung gegen Unordnung, die einen angef\u00fchrt vom einen Zwilling, die anderen vom anderen. Vielleicht ist das auch ein gro\u00dfer Song mit viel Kontrapunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo, wie wohnen die Zwillinge? Spiegelbild f\u00e4llt mir ein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mal folgendem Einfall nachgehen: Kasi hat einen Zwilling gerade bei sich, rennt mit Poldis unlinearer Karte zu Nepi, da ist der andere Zwilling. Kasi: &#8220;Wieso bist du denn schon hier?&#8221; &#8230; Kasi rennt zu Lexi, da ist der erste Zwilling. Kasi: &#8220;Wieso bist du denn schon hier?&#8221; Ich wei\u00df: Hase und Igel, aber&nbsp; immerhin. W\u00e4re \u00fcbrigens obiger Fall 2.<\/p>\n\n\n\n<p>Poldi k\u00f6nnte das Aufr\u00e4umen der Unordnung, die die Zwillinge durch ihr blo\u00dfes Erscheinen machen, so verstehen, dass er einen fressen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Der aufmerksame Leser registriert: Ich schildere mehr Reaktionen der Anderen auf die Zwillinge als deren Aktionen. Da w\u00e4re noch manches zu s\u00e4en.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem&nbsp;<br><strong>Teufelchen<\/strong><br>habe ich noch einige Schwierigkeiten, obwohl ich doch gerade DES TEUFELS GENERAL inszeniere. Oder vielleicht deshalb.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Menschengedenken plagen sich die Menschen mit dem Wesen und dem Begriff des B\u00f6sen herum. F\u00fcr die Katholen gibt es H\u00f6lle, Satan, Teufel, Erb- und andere S\u00fcnde, Luther wirft ein Tintenfass nach dem Leibhaftigen, wovon der Fleck noch heute zu sehen sein soll, Nietzsche stellt sich jenseits vor, Lorenz nennt es &#8220;sogenannt&#8221;. Irgendetwas hats zu tun mit Recht, Gewissen, Schuld. Man k\u00f6nnte sich in kilometerlange Philosopheme und Moralogien st\u00fcrzen, aber man soll ja HALLO SPENCER schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vermutlich sind alle zwischen Teufelchen und Galy gut und b\u00f6se. Das Teufelchen aber ist nur b\u00f6se, kein Mephisto, der &#8220;stets das B\u00f6se will und stets das Gute schafft&#8221;.&nbsp; Jedenfalls werden wir ihn nicht in diesem Goetheschen Sinne sinnieren lassen. Aber das Teufelchen in seiner Einseitigkeit, seiner absoluten Bosheit wird uns zwingen, \u00fcber Gut und B\u00f6se im Menschen und nicht minder in Puppen sehr genau nachzudenken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Falsch w\u00e4re es wohl jedenfalls, wenn das Teufelchen gegen das Aufr\u00e4umen als solches was h\u00e4tte. Siehe allein die beiden Zitate am Anfang. Kein advocatus diaboli also der Kinder gegen die Eltern. Ebenso falsch w\u00e4re es nur als Anwalt der Eltern gegen die Kinder. WOLLT ihr wohl aufr\u00e4umen!<\/p>\n\n\n\n<p>Verzwickt, verzwickt!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich setze mal zwei F\u00e4lle gegeneinander:<br>Fall 1: Jemand r\u00e4umt Baukl\u00f6tzer in einen Kasten und &#8211; st\u00fcrzt sie dann mit Wonne wieder aus dem Kasten: Konflikt im Selbstbereich.<br>Fall 2: Jemand r\u00e4umt Baukl\u00f6tzer in einen Kasten und &#8211; ein Anderer st\u00fcrzt sie wieder raus: Viel dramatischerer Konflikt im Kommunikationsbereich, Aggression, Pr\u00fcgel im Anzug, Wut, Resignation, Sieg &#8211; Niederlage &#8211; Machtkampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Fall 1 taugt f\u00fcr Nepomuk und sein \u00c4sthetik-Verst\u00e4ndnis. Fall 2 taugt f\u00fcr die Zwillinge, aber auch f\u00fcr jede Zweierbegegnung. Aber der Andere k\u00f6nnte auch das Teufelchen sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich komme mit diesem Gedankenzug zu keinem Ende und schneide einen anderen, auch nicht leichter verdaulichen Kuchen an: Verf\u00fchrt unser Teufelchen unsere Spencer-Kommunen-Mitglieder zum B\u00f6sen oder betreibt er das B\u00f6se selbst? Verf\u00fchrt er einen Zwillinge, den fein einger\u00e4umten Baukasten des anderen Zwillings umzust\u00fcrzen oder st\u00fcrzt er selber um?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei all meiner wohl nicht zu \u00fcberlesenden Skepsis werde ich vielleicht gl\u00fccklich sein, wenn mir das Teufelchen bei der Ausarbeitung der Szenen irgendeinen Gordischen Dramaturgie-Knoten &#8211; oder auch zwei &#8211; elegant und glaubw\u00fcrdig zerhaut. Aber noch etwas: Ist das Teufelchen b\u00f6se, dann kann die Folge nur sein:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Galy<\/strong><br>ist gut! Wenn man das B\u00f6se oder jedenfalls einiges B\u00f6se vom Teufelchen besorgen l\u00e4sst, dann muss man f\u00fcrs Gute ein Engelchen auffahren, oder runterfahren, oder einbeamen. Dass Galy nicht wie ein Engelchen aussieht, ist dabei nur von Vorteil. Dass sie von einem anderen Stern kommt, ist zweifelhaft, obwohl ich mit anderen Sternen einschl\u00e4gige Kalker Erfahrungen habe. Wir m\u00fcssen ja nicht sagen, dass sie vom Himmel ist, sowenig wie wir Teufelchens Zuhause als H\u00f6lle bezeichnen. Aber ein Deus ex Stanze wird Galy nun allemal.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Guten wollen wir phantasievoll umgehen, will sagen: nicht moralisierend langweilig, das versteckt Aufregende am Guten w\u00e4re zu suchen. (Auf der vorherigen Seite k\u00f6nnte man auch noch sagen: das versteckt Langweilige am B\u00f6sen w\u00e4re zu suchen.) Vielleicht sollte man Galy nicht immer zur L\u00f6sung verworrener Zust\u00e4nde kommen lassen, sondern vorher, nebenher. Sie k\u00f6nnte zum Beispiel prophetische Aussagen machen, die nicht eintreffen, weil Teufelchen&#8230; \u00dcbrigens k\u00f6nnte vice versa auch Teufelchen sich in Prophetie versuchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird schon kompliziert, wenn Claudel mit der Behauptung recht hat, dass Unordnung die Wonne der Phantasie ist, dann kann die gute Galy nicht mehr prinzipiell f\u00fcrs Aufr\u00e4umen sein. Wohlgemerkt: sowas kompliziertes ist ja gut!<\/p>\n\n\n\n<p>Mir geht jetzt etwas durch den Sinn: was die Frage nach Teufelchen (dem man \u00fcbrigens wie Galy einen Namen geben sollte) und Engelchen vielleicht etwas kl\u00e4rt:&nbsp; Gut und B\u00f6se sind immer nur aus der jeweiligen Situation zu erkl\u00e4ren. Man kann es schwerlich gut hei\u00dfen, wenn der eine Zwilling den anderen mit der Nadel piekt, und Teufelchen kann da ganz gewiss seine H\u00f6rnchen im Spiele haben. Aber wenn Onkel Doktor, recht schmerzhaft auch, in die Ellbogenbeuge piekt und Gesundheit, oder gar Leben rettet, dann ist das doch was ganz Galyfeines.<\/p>\n\n\n\n<p>Also vielleicht sollte man da gar nicht so podehlisch-grunds\u00e4tzlich verfahren, sondern aus Situationen Spa\u00df und Pointen filtern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Quietschbeus<\/strong><br>sind beleidigt, wenn man sie Quietschbeus nennt. Aber das f\u00fcr den Anfang nebenbei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich h\u00f6re sie den Hagoschlentawita-Song singen, oder Morgensterns Das gro\u00dfe Lalula. Aber das auch nur nebenbei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde ihnen keine spezielle Dekoration zuweisen, schon gar nicht im Sinne von Behausung, h\u00f6chstens ihre Revue-Wand, wie gehabt. Sie schauen immer \u00fcberall mal rein. Die Wohnungslosigkeit kann ihnen sogar einen Hauch von Melancholie verleihen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>A.M., den ich hier nun endlich f\u00fcr den Diebstahl am Thema AUFR\u00c4UMEN um Vergebung bitten kann &#8211; aber das muss doch wohl sein d\u00fcrfen unter uns *. A.M meint, die Quietschbeus sollten alte Noten aufr\u00e4umen und durchsingen. Wenn sie nun alle, jeder mit einem Packen Noten von Spielort zu Spielort gehen m\u00fcssten, weil sie \u00fcberall h\u00f6chst unwillkommen sind, weil \u00fcberall ebenfalls aufger\u00e4umt werden soll&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe \u00fcbrigens aus den Notenbl\u00e4ttern einzelne Noten fallen, was das Aufr\u00e4umen ganz irreal erschwert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Quietschbeus machen mir wenig bange.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Stehe zu meinem Thema auch nicht als Eigent\u00fcmer, \u00fcbernehme auch Themen, die dem Erfinder gro\u00dfe Sorgen machen!&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Nepomuk<\/strong><br>Es sei zun\u00e4chst einmal festgehalten, dass er in einer sehr realistischen Umgebung haust, die ich, es sei betont, sehr sch\u00f6n finde: T\u00fcmpel, Schloss, knarrende T\u00fcr, vergittertes Fenster im Turm, Vordergrund, Spielleiste aus Natur-Gras. Nachdenken, inwieweit auch sonstige Behausungen realistisch oder teilrealistisch sein sollten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nepomuk hat eine tiefe weltanschauliche Sperre gegen Aufr\u00e4umen. Es k\u00f6nnte sein, dass er nicht einmal wei\u00df, was das ist. Selbstverst\u00e4ndlich steht er gegen Typen wie Elvis, auch Lexi, aber auch gegen Anti-Aufr\u00e4umer mit Aufr\u00e4um-Einsicht: Kasi, Poldi. Aufr\u00e4umen ist f\u00fcr ihn: in den T\u00fcmpel werfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n<p>&#8220;Aber das rostet doch!&#8221;<br \/>&#8220;Rost ist sch\u00f6n. Ich bin rostfarben!&#8221;<\/p>\n\n\n<p>Er wird Unordnung ordentlich finden, sch\u00f6n, anregend, am\u00fcsant, &#8220;verstehst du: a-m\u00fc-sant, verstehst du ja doch nicht!&#8221; Er liebt es, zu suchen, hasst es, Sachen schnell zu finden. Sein Unordnungssinn ist stark ausgepr\u00e4gt und hat Souver\u00e4nit\u00e4t, jedenfalls niemals Nervosit\u00e4t, die etwa Spencer bef\u00e4llt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Poldis Brief an Kasi gef\u00e4llt Nepomuk aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden, zum Entziffern ist er nicht bereit.&nbsp;<\/p>\n\n\n<p>&#8220;Ich sitze am T\u00fcmpel<br \/>und bin so schrecklich m\u00fcmpel.&#8221;<\/p>\n\n\n<p>Er erkl\u00e4rt Kasi, dass er m\u00fcde meint, aber das h\u00e4tte sich nicht gereimt. Ihm ist Reim wichtiger, als Sinn. Kasi geht kopfsch\u00fcttelnd. Nepi schl\u00e4ft ein. Die Zwillinge kommen vorbei und halten ihn f\u00fcr was Verrostetes, das sie aus Ordnungssinn in den T\u00fcmpel rollen wollen. Was das ne Reaktion von Nepomuk gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Paar Einf\u00e4lle<\/strong><br>Spencer schreit: &#8220;Nein! Nein!&#8221;, wenn an einem Szenenende wieder welche ank\u00fcndigen, dass sie nun zu Spencer gehen, um ihm beim Aufr\u00e4umen zu helfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist das eine kleine Gemeinde von Puppen, Einwohner eines Puppen-Worpswede, die ihren T\u00e4tigkeiten nachgehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz wichtig: Aufr\u00e4umen ist eine widerw\u00e4rtige, ganz und gar erwachsene Unterbrechung oder gar Beendigung des Spielens! Aufr\u00e4umen ist rundweg erwachsen! Kind w\u00fcrde ohne Unterbrechung spielen. Unsere Puppen sind Kinderbilder und m\u00fcssten im Grunde immer was gegen Aufr\u00e4umen haben. Ausnahme Elvis, bestenfalls Lexi. Es sei zugestanden, dass Kinder in Vernunftsphasen Einsicht ins Aufr\u00e4umen haben k\u00f6nnen. Dennoch: Aufr\u00e4umen ist Vertreibung aus dem Paradies!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein-, ab-, auf-, weg-, aus-r\u00e4umen&#8230;<br>Aufr\u00e4umen m\u00fcssen &#8211; d\u00fcrfen &#8211; k\u00f6nnen &#8211; sollen&#8230;<br>Zwischenr\u00e4ume, R\u00e4umfahrzeuge, R\u00e4umungsklage, R\u00e4umungsverkauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Essordnung umwerfen: erst Dessert, dann Braten, dann Suppe. Die Chinesen essen die Suppe immer zuletzt. Na also.<\/p>\n\n\n\n<p>Kasi schreit: &#8220;Das geht schief!&#8221;   <br>Lexi geht schief.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unfrisierter Schlussakkord<\/strong><br>Dem Vorangeschriebenen ist ja noch wenig Szenisches, Dramaturgisches zu entnehmen. Aber ich halte alle diese Kl\u00e4rungen f\u00fcr wichtig und n\u00f6tig. Die Sache mit Poldis Karte an Kasi, der\/die damit \u00fcber Nepi zu Kasi muss, weist darauf hin, dass die K\u00e4stchen-Dramaturgie sehr aufgelockert wird, was ich f\u00fcr gut halte. Auch der Quietschbeus-Einfall weist in solche Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht etwa, dass eine Sendung mit kontinuierlicher Handlung im Sinne von Fernsehspiel oder -film entst\u00fcnde (dann br\u00e4uchten wir keinen Moderator), aber das Gewebe dieser Kommune, dieser gro\u00dfen Familie sollte doch nicht nur ein zusammengen\u00e4hter Fleckerlteppich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2396\">Spencers Enkelgeschichten<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2419\">Peter Podehl, der Spencer-Geschichtenerz\u00e4hler<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2811\">Peter Podehls Drehb\u00fccher<\/a><br>und seine Aufzeichnungen hierzu<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2694\">Die Drehb\u00fccher eines Komikers<\/a><br>Grundsatzanweisungen an die Puppenspieler \u2013 zu den Folgen \u201cViele W\u00fcnsche\u201d, \u201cGummib\u00e4rchen-Transporte\u201d, \u201cGro\u00dfes Aufr\u00e4umen\u201d und \u201cEinsamkeit\u201d und alle anderen Folgen<br>September 1980<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2799\" data-type=\"page\" data-id=\"2799\">Zu den Drehb\u00fcchern eines Komikers<\/a><br>von SpencerEnkel Jannik Graf &#8211; der wei\u00df viel<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2804\">Mut zur Arbeit<\/a><br>erste Aufzeichnungen zu den Folgen \u201cGesundheit\u201d und \u201cGaly und die Katastrophe\u201d<br>Januar 1981<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2871\">SpencerEnkel Maxens Gedanken zu Podehls Gedanken<\/a><br>von SpencerEnkel Max zu Podehls ersten Aufzeichnungen zu den Folgen \u201cGesundheit\u201d und \u201cGaly und die Katastrophe\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=614\">Der Sprachaufpasser f\u00fcrs Deutsche und Puppenpoesie<\/a><br>Peter Podehls Pr\u00e4sentation<br>an der Dolmetscher- und \u00dcbersetzer-Universit\u00e4t S.Pio V in Rom<br>von 2006<br>Da gibt\u2019s viel Wortspielereien und auch einen Bericht dar\u00fcber, mit wem er die Folgen absprach, bevor er sie schrieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie alles anfing:<br><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2408\">Lorenz Claussen berichtet vom TamS-Theater-Quatsch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2722\">Die Puppenspieler berichten<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2416\">Klaus Naeve berichtet, wie Spencer von Charlotte gestreichelt wurde<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Armin Maiwald erz\u00e4hlt die&nbsp;<br><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2456\">Sache mit dem Du und \u201cMacht doch, was ihr wollt\u201d<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2563\">Die SpencerEnkel stellen sich vor<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2557\">SpencerEnkel Maxi<\/a>&nbsp;mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@KnutFingerhut\">Knut Fingerhut<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2579\">Der SpencerEnkel Janni<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2623\">SpencerEnkel Sven<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Unfrisierte Gedanken als Vorbereitung zum Schreiben ** Hier die Abschrift von einer Fotokopie aus Podehls Archiv, die mit sehr vielen begeisterten Randbemerkungen und kleinen kritischen \u00c4u\u00dferungen und Bedenken von Armin Maiwald versehen ist. *** Peter Podehl 7. April 1980 Unfrisierte Gedanken als Vorbereitung zum Schreiben von Folge&nbsp; AUFR\u00c4UMEN HALLO SPENCER &#8217;80 &#8220;Die Ordnung ist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2396,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2411","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2411"}],"version-history":[{"count":53,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2946,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2411\/revisions\/2946"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}