{"id":2917,"date":"2024-05-21T06:41:00","date_gmt":"2024-05-21T06:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=2917"},"modified":"2024-05-21T07:25:30","modified_gmt":"2024-05-21T07:25:30","slug":"zum-hasen-casar-und-zu-kasper-und-rene","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2917","title":{"rendered":"Zum Hasen C\u00e4sar  und zu Kasper und Ren\u00e9"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Gedanken zum<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Hasen C\u00e4sar <br>und zu <br>Kasper und Rene<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aus einem Brief an den Chefredakteur Gert K. M\u00fcntefering, vom 28. Dezember 1966<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Weihnachtswartesendung hat mir, von mancherlei Macken abgesehen, recht gut behagt. Aber man sollte doch wohl fragen: Sind zwei Stunden Kinderunterhaltung nicht in jedem Falle ein Unding an sich?<\/p>\n\n\n\n<p>Merkw\u00fcrdigerweise empfand ich die Caesar-Episode am meisten als Fremdk\u00f6rper. Ich glaube auch zu wissen, dass das an der dramaturgischen Schiefheit des Buches lag. Dass ein Caesar nicht wei\u00df, dass Weihnachten ist, gibt ihm ein Flair von Ignoranz, das nicht zu ihm passt; dass er sich sein Geschenk selber schenken muss, erweckt ein ebenso unpassendes, falsches Mitleid; und dass er am\u00a0 Ende zwischen 4 und 5 Uhr am Heiligen Abend mit Bauchladen zum ausrufenden, anpreisenden Kr\u00e4mer wird, ist einfach der Stunde kontr\u00e4r, auch f\u00fcr Caesar. Ich hatte mir immer vorgestellt, &#8211; und dies im Sommer auch schon ge\u00e4u\u00dfert -, dass Caesar jetzt schon Ostereier bemalt, weil er sonst nicht fertig wird; dass er dieser T\u00e4tigkeit ein wenig zu lange in den Heiligen Abend hineinschiebt, &#8211; daraus h\u00e4tte sich vermutlich besser kindlicher Witz ziehen lassen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich hier ein bisschen ausf\u00fchrlicher engagiert, weil uns der Hase Caesar ja wohl noch einige Zeit besch\u00e4ftigen wird. Er war doch zun\u00e4chst als Spiegelbild des Kindertyps gedacht, der verbalevollen Mundes alles in Angriff nimmt und am Ende alles l\u00e4sst, also durchaus mit einem Schuss der Negation positiv wirkender p\u00e4dagogischer Absicht beladen. Dass er dennoch unsere und wohl vieler Kinder Sympathie errang, macht ihn meiner Meinung nach zu einer besonderes wirkungsvollen, weil nicht simplifizierten Figur.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun soll er Disk-Jockey werden. Und mir scheint dabei die Hauptfrage zu sein: Wen oder was vertritt er dabei? Die etwas angeberischen Caesar-Kinder, die sich den Mund voll nehmen, k\u00f6nnte er nicht mehr sein, sonst ist sein Einsatz &#8211; etwas \u00fcberzogen ausgedr\u00fcckt &#8211; von der Redaktion nicht zu verantworten. Sie w\u00e4ren verpflichtet, Caesar senior zu engagieren. Ein Disk-Jokey hat Meinung, nimmt bewusst und unbewusst Stellung, versucht Einfluss zu nehmen, auf das musikalische Angebot, er ist nicht in der Erleidenssituation des Zuschauers, sondern sitzt am Schalthebel. Und unser aller Wunsch d\u00fcrfte es doch sein, hier auch ein wenig Geh\u00f6r und auch Geschmack zu bilden und nicht nur zu berieseln: darunter brauchen Show-Wert und Unterhaltungsheiterkeit nicht zu leiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir scheint im Augenblick, als ob dem zu suchenden Mitspieler da eine entscheidende, von Fall zu Fall immer wieder korrigierende Funktion zuteil werden sollte, die gerade, weil er als Tonchef mehr technische Funktion hat, besonders reizvoll sein kann. Also auch da eine Vater-, Freund- oder (im besten Sinne) Lehrer-Figur, damit ein Duo entsteht, das an Kasper und Ren\u00e9 erinnern mag, wenn auch in seiner Art ganz anders sein wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die UNICEF-Idee scheint mir an sich gut. Man muss dann allerdings wohl versuchen, Danny Kay oder wen auch immer nicht nur als Prominenz einzukaufen (die er nicht mehr in so deutlichem Sinne ist), sondern mit echter Funktion, wie denn \u00fcberhaupt New York nicht als abendf\u00fcllend angesehen werden sollte. Das soll andererseits nicht hei\u00dfen, dass man auf die Begegnung Caesars mit der Freiheitsstatue verzichtet. Ich meine nur, man muss auch bei solchem Projekt m\u00f6glichst pr\u00e4zise programmieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Darf ich damit noch einmal auf Prag kommen: Wenn ich im Sommer vom Zauber Prags sprach, der einzufangen w\u00e4re, haben Herr Mohrhof und Sie mir mit Recht widersprochen: Die Moldau ist f\u00fcr Kinder ein Fluss und Wasser ist einfach Wasser. Dennoch meine ich, dass man die Stadt nicht zu sehr als Quantit\u00e9e negligeable \u00fcbergehen sollte. Dass es nicht zum 0-8-15-Feature mit dito Schwenks \u00fcber eine fremde Stadt kommt, &#8211; daf\u00fcr sorgen Arndts Buch und die Figuren ganz alleine. Aber die Vorstellung, in der Fremde zu weilen, sollte nicht nur auf Begegnungen im Studio beschr\u00e4nkt bleiben. Ich denke an eine Verh\u00e4ltnis von zwei Drittel im Studio und einem Drittel Au\u00dfen. Ich stelle mir zum Beispiel sehr erheiternd vor, wenn Kasper mit seinem Auto \u00fcber die Grenze f\u00e4hrt. Allerdings wegen der Sicherheits- und Drehbeschr\u00e4nkungsm\u00fchen nicht im Falle Prag, aber einen passvorweisenden und zolltechnische Fragen beantwortenden Kasper sollte man sich nicht entgehen lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch ein Wort zur Produktionsform. Die Vorstellung, einen Kasper-Film mit einem fremden Team zu machen, ist mir &#8211; wie ich schon sagte &#8211; ein wenig unbehaglich. Ich glaube, der sich herauskristallisierende Stil dieser Filme (auf eine knappe Formel gebracht: durchaus festgelegte Spielhandlung als Reportage) ist auch durch die Intimit\u00e4t meiner Produktionsweise mitgeschaffen worden. Es geht mir dabei weniger um die Studio- als um die Au\u00dfenaufnahmen. Das beginnt mit der ganz dumm erscheinenden Frage: Wer, in einem anderen Team, f\u00e4hrt das Kaper-Auto, wie wir es brauchen? Und endet etwa mit der wesentlich problematischeren Frage: Welche zus\u00e4tzliche Arbeit habe ich zu leisten, um einen mir unbekannten Kameramann in den erarbeiteten Stil einzuweihen und einzuweisen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will das gewiss nicht zu einem gro\u00dfen Problem aufbauschen, aber ich m\u00f6chte ein Risiko, das wir damit doch alle auf uns nehmen, wenigstens noch einmal zu bedenken geben. Vielleicht sollte man auch erw\u00e4gen, nur die Au\u00dfenaufnahmen in der bisherigen bew\u00e4hrten Form zu produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Schallplattensendung gibt es in absehbarer Zeit das eingerichtete Buch und die Kalkulation. Drehzeitvorschlag, mit Hohnsteinern abgesprochen: nach Ostern, 28.3 bis 4.11.. Und als Rekapitulation Drehzeitvorschlag Prag: zweite Maih\u00e4lfte, nach Pfingsten zwischen den beiden Ratereiseproduktionen. So, das war mein Beitrag zu Ihrem m\u00f6glichen Lesestoffmangel in der Stillen Woche.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit allen guten W\u00fcnschen zum Neuen Jahr und herzlichen Gr\u00fc\u00dfen Ihr&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">PP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Gedanken zum Hasen C\u00e4sar und zu Kasper und Rene *** Aus einem Brief an den Chefredakteur Gert K. M\u00fcntefering, vom 28. Dezember 1966 &#8230; Die Weihnachtswartesendung hat mir, von mancherlei Macken abgesehen, recht gut behagt. Aber man sollte doch wohl fragen: Sind zwei Stunden Kinderunterhaltung nicht in jedem Falle ein Unding an sich? 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