{"id":3142,"date":"2024-07-03T07:44:34","date_gmt":"2024-07-03T07:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3142"},"modified":"2026-02-19T12:04:44","modified_gmt":"2026-02-19T12:04:44","slug":"eupa-und-ro-entre-act-3-und-szene-4-maskenball","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3142","title":{"rendered":"EUPA und Ro &#8211; Entre act 3 und Szene 4 &#8211; MASKENBALL"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Eupa und Ro<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">*<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Ente act 1 und Szene 2<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">MASKENBALL<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Entre act 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER kommt mit einem Brief aus den Gang zum Abteil, macht die T\u00fcr auf:<br>\u201eSie sind doch Herr Tutou?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER \u00fcberreicht den Brief:<br>\u201eEin Brief f\u00fcr Sie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt ihn erstaunt, schaut gleich auf den Absender, freut sich:<br>\u201eVon meinen Eltern! Aber \u2013 wieso sind Sie jetzt Brieftr\u00e4ger?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eKeineswegs. Ich bin weiterhin der Schaffner dieses verdammten Zuges. Post und Bahn Hand in Hand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat den Brief ge\u00f6ffnet, gibt dem Schaffner ein Trinkgeld aus dem Portemonnaie:<br>\u201eAber dass er einen im fahrenden Zug erreicht, dass soll ein Trinkgeld wert sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER nimmts, wendet aber ein:<br>\u201eDanke. Wie kommen Sie darauf, dass der Zug f\u00e4hrt? Er steht seit f\u00fcnf Jahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEI JUNGEN und EIN M\u00c4DCHEN dr\u00e4ngen ins Abteil, lachend, schwatzend, kaugummikauend, bei fl\u00fcchtigem Hinsehen wenig vertrauenserweckend, bei n\u00e4herem Hinsehen eigentlich netter, aber &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 ist ein bisschen dicklich:<br>\u201eIst doch frei, oder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa.\u201c<br>Er verstaut den kaputten Rucksack, dass die \u00c4pfel kullern, die er dann aufhebt.<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eIst der Rucksack wieder kaputt? Leider kann ich Ihnen jetzt bei der Reparatur nicht helfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN h\u00e4lt Tutou sehr l\u00e4chelnd einen Apfel hin, das es aufgehoben hat.<br>TUTOU schiebt ihn zur\u00fcck:<br>\u201eKannst du behalten, wenn du willst.\u201c<br>Er bietet auch<\/p>\n\n\n\n<p>DEN JUNGS \u00c4pfel an, aber die wehren lachend ab, holen Dosenbier aus der Tasche, setzen sich, trinken, rauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN hat den Kaugummi ausgespuckt:<br>\u201eDanke.\u201cund bei\u00dft in den Apfel. Es steht ziemlich eng in Tutous N\u00e4he, die eine Hand oben im Gep\u00e4cknetz, was der Intimit\u00e4t zu Tutou f\u00f6rderlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, der sich schon l\u00e4nger gesetzt hat, zum Schaffner:<br>\u201eIch versteh das nicht: Wieso steigen hier Leute ein. Sie sagten doch, der Zug steht seit f\u00fcnf Jahren\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER hat die Fahrkarten der Zugestiegenen kontrolliert:<br>\u201eDas \u00e4ndert doch nichts an der Hoffnung.\u201c<br>Er schlie\u00dft die T\u00fcr und geht ab.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt die N\u00e4he des M\u00e4dchens zur Kenntnis und liest den Brief.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2 hat einen Stock in der L\u00e4nge eines Wandersteckens mitgebracht, er schaut aus dem Fenster:<br>\u201eKlasse Krankenhaus ist das da. Sieht gut aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1, der in der Mitte und neben Tutou sitzt:<br>\u201eWillst du rein? Ich brauch blo\u00df mal zuschlagen, \u2013 bist du schon drin!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2 hebt aggressiv den Stock:<br>\u201eOder du!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN haut den Stock runter:<br>\u201eMacht kein Schei\u00df!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eDen Sie da in den Wagen gehievt haben, \u2013 war der tot?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eGlaub ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eIch kannte den.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 boxt mit der Hand auf den Oberschenkel:<br>\u201eDu kennst alle. Du l\u00e4sst doch keinen aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eSt\u00f6rt dich was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eMich doch nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eWann f\u00e4hrt denn der Zug?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 b\u00f6se:<br>\u201eWenn der Heimo heute wieder keinen Stoff hat, kipp ich ihm die Boxen vom Buffett.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eMann, Dicker, du kannst aber wirklich nur noch Randale machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 sehr anz\u00fcglich:<br>\u201eNee, ich kann noch was anderes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN, darauf eingehend, grinst:<br>\u201eNimm die Flossen weg, ich will sitzen.\u201c<br>Es setzt sich auf seinen Scho\u00df, den sch\u00f6nen R\u00fccken Tutou zugewandt, schaukelt hin und her, wenig, aber eindeutig.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2 schaut wieder aus dem Fenster:<br>\u201eDa fahren sie den zum Krankenhaus, \u2013 der war nicht tot.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE:<br>\u201eK\u00f6nnen ihn ja nicht gleich auf den Friedhof karren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eWenn der Heimo die neue Chick-Platte hat, haust du keine Boxen runter. Ist das klar, Dicker?<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eAlles klar, Puppe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eMensch, dieser Arsch von Zug f\u00e4hrt heute wieder nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eWolln wir gehen und den da machen?\u201c<br>Er macht die Anhalter-Geste.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE GRUPPE geht raus, gleich durch den Gang links weg, die Bierdosen schmei\u00dfen sie nicht absichtlich runter, aber als sie poltern, heben sie sie auch nicht auf. Der Stock wird vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN beugt sich im Rausgehen nah zu Tutou:&#8217;\u201eDanke f\u00fcr den Apfel. Tsch\u00fcss!<\/p>\n\n\n\n<p>Vorhang auf<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Szene 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MASKENBALL<\/p>\n\n\n\n<p>Der politische Graben zwischen Ost und West trennt zwei Maskenb\u00e4lle voneinander. Links ist Schickeria mit viel Geld und allen dekorativen Finessen zugange, Tische und St\u00fchle haben den nostalgischen Charme des Wertvollen. Das kalte Buffett ist exquisit, man trinkt Sekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts ist alles viel schmuckloser, unbeholfener, heller, nicht unbedingt ehrlicher. Aber man kann sich schwerer verstecken. Das Mobiliar gediegen aber ohne Pfiff. Da gibt es auch Sekt, aber auch Bier und Korn, man isst so was wie Tellergerichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Projektionsfl\u00e4che links ein \u201aechter\u2019 Watteau oder so was, rechts heroischer sozialistischer Realismus, scharf aneinandersto\u00dfend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mitte bleibt f\u00fcr eine Tanzfl\u00e4che frei.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor der ganzen Szene h\u00e4ngt zun\u00e4chst eine Wand, eine Fassade mit vielen Fenstern, durch die man Teile der Szenerie schon sehen kann. In der Mitte der Wand eine zweifl\u00fcgelige Pendelt\u00fcr, die ziemlich schnell und schnappig pendelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen der Schr\u00e4ge und dieser Wand steht ein kleiner Tisch mit zwei St\u00fchlen, wei\u00dfes Tuch drauf und eine Vase mit k\u00fcnstlichen Blumen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3156\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-300x225.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-768x576.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/4-Der-Maskenball-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erwin Hahs &#8211; Eupa und Ro: Der Maskenball &#8211; B\u00fchnenbild zu Szene 4<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN sind T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer. Links tragen sie das tief ausgeschnittene Abendkleid neuester Mode und Frack. Alle haben uniformierte Masken vor dem Gesicht. Bei den Frauen sind sie von porzellanenem Ebenma\u00df und aufwendig-dezenter Kosmetik, die M\u00e4nnermasken von unersch\u00fctterlicher Wohlgen\u00e4hrtheit und Selbstbewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts dominiert der nicht gerade gut sitzende Zweireiher, bei den Frauen Konfektionskost\u00fcme und \u2013f\u00e4hnchen. Die Masken rechts unterscheiden wenig zwischen m\u00e4nnlich und weiblich, es sind hagere, eher unzufriedene als revolution\u00e4re Z\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst verharren die Maskierten bewegungslos mit dem R\u00fccken zur Rampe, so dass noch keine Maske sichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU macht die Szenerie neugierig, er schlendert zur Pendelt\u00fcr, versucht, durch die Fenster zu schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kommt durch die Pendelt\u00fcr raus, einen Packen Flugbl\u00e4tter in der Hand. Er ist mit Zuh\u00e4lter-Eleganz gekleidet. Die in Szene 1 eher nur angedeutete Massigkeit ist sehr verst\u00e4rkt, in seiner Disproportion hat er erschreckende Ausma\u00dfe angenommen. Er haut gleich Tutou an:<br>\u201eWas kosten Sie die Stunde?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, zun\u00e4chst etwas verbl\u00fcfft:<br>\u201eOh, ich bin eigentlich nicht darauf angewiesen. Geld zu verd- \u201c<br>Er hat auf seine Hosentasche geklopft und kriegt einen m\u00e4chtigen Schreck:<br>\u201eHe!, mein Portemonnaie! verdammt!\u201c<br>Er klopft alle Taschen ab, dann zum General:<br>\u201eMoment mal!\u201c<br>Er rennt ins Abteil sucht fieberhaft unter der Bank, in den Polstern, rei\u00dft den kaputten Rucksack runter, untersucht dessen Taschen, holt das Kreuz an der Kette aus der Tasche:<br>\u201eIch kann ja nicht das Kreuz aufs Leihhaus bringen\u201c<br>Er steckt es wieder ein.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL brummelt:<br>\u201eMillionen Arbeitslose, aber wenn du einen Schlepper suchst, \u2013 Fehlanzeige\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ist alles klar:<br>\u201eDiese Mistbiene!\u2026\u201c<br>Er gibt den Bierdosen einen scheppernden Tritt. Dann \u00fcberlegt er nicht lange, rennt mit dem Kaputten Rucksack zum General:<br>\u201eHallo! Moment mal!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;DER GENERAL wollte gerade wieder durch die T\u00fcr gehen:<br>\u201eNa? Doch Hunger, was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNee, aber \u2013 ja, das Portemonnaie geklaut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, ohne das geringste Mitleid:<br>\u201eNa also. Hier.\u201c<br>Er gibt ihm die Flugbl\u00e4tter.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, ist wieder etwas unbeholfen mit dem kaputten Rucksack:<br>\u201eWas soll ich denn \u00fcberhaupt machen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eReklame f\u00fcr mein Etabilssement. Maskenball! Wenn ich sehe, dass Sie etwas leisten, \u2013 feste Anstellung als Reklamechef!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eBeim Maskenball eine feste Anstellung? Geht denn der so lange?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, sehr gesch\u00e4ftst\u00fcchtig, sicher:<br>\u201eDas Ganze europ\u00e4isch aufgezogen. Ist doch grade wieder die gro\u00dfe Masche. Keine Sorge! Wenn einer seit 20 Jahren Generalunternehmer ist und riecht den Braten nicht \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAch, jetzt erkenne ich Sie erst wieder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL f\u00e4hrt ihm ziemlich eklig in die Parade:<br>\u201eKeine plumpen Vertraulichkeiten, junger Mann, wenn Ihnen die Stellung lieb ist. Von wegen \u2013entlarven und so: \u2013 ist nicht! Bei einem Maskenball gibt\u2019s nur Mitmachen oder Aussperrung, nichts dazwischen. Also: 3-20 die Stunde, auf Probe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat keine Wahl:<br>\u201eOK.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eAber nicht blo\u00df die Zettel einfach verteilen, \u2013 laut ausrufen, was draufsteht! Und wenns Herrschaften geh\u00f6rt und gelesen haben und gehen nicht gleich rein, \u2013 Werbung durch pers\u00f6nlichen Kontakt in direktem Beschuss: Reden, Dreinredn, \u00dcberreden! Die Europ\u00e4er sind schwerh\u00f6rig!\u201c<br>Er geht durch die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU liest leise und eher \u00e4ngstlich von einem der Zettel ab:<br>\u201eHereinspaziert! Hereinspaziert zum europ\u00e4ischen Maskenball! Garantiert exekutive Sensationen! Europa verschwindet hinter Masken! Jeder nimmt sich was vor! Keiner kennt den Anderen! Das wird ein Mordsspa\u00df!\u201c<br>Die letzte Silbe ist fast untergegangen, denn er sieht Jemanden kommen:<br>\u201eF\u00fcr die Zwei ist das nichts\u2026\u201c<br>Er versteckt den Zettel und verh\u00e4lt sich m\u00f6glichst unauff\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, Schauspielerin und Schauspieler, kommen von der Seite und gehen \u00fcber die B\u00fchne. Sie haben die Lebensmitte erreicht, sind elegant dunkel gekleidet, Mantel, Hut.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eDie Welt muss rund sein, Eupa, hier waren wir schon einmal.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eJa, eigentlich kann man sich gar nicht verlaufen auf der Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO ein wenig s\u00e4uerlich:<br>\u201eIch kann solche S\u00e4tze von dir nicht mehr leiden.\u201c<br>Sie ist an Tutou vorbei, dreht sich um:<br>\u201eWir kennen uns doch\u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, eher verlegen:<br>\u201eJa \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>RO, erfreut:<br>\u201eOh, ich erinnere mich, Eupa: Das ist doch Herr Tutou mit dem kleinen Obdach, \u2013 wie lange ist das schon her? \u2013 und mit dem Apfel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eSorte Morgenduft, ja.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eUnd der Rucksack noch immer kaputt. Sie sehen auch keine Spur \u00e4lter aus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eSind wir denn \u00e4lter geworden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eMein liebes Kind, wir haben schlie\u00dflich die Lebensmitte \u00fcberschritten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, doch etwas erstaunt:<br>\u201eSchon die Mitte? Dann solltest du nicht immer mit diesem Ton \u201amein liebes Kind\u2018 zu mir sagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA reagiert nicht darauf; jovial zu Tutou:<br>\u201eIch glaube, Sie nehmen Ihren Job nicht ganz ernst, \u2013 sonst h\u00e4tten Sie uns doch schon l\u00e4ngst so ein St\u00fcck Papier in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU m\u00f6chte das gar nicht:<br>\u201eJa, also \u2013 bitte erlauben sie mir, dass ich Ihnen vorlese, was da daraufsteht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eIch finde, dass er seinen Beruf sehr ernst nimmt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU tut so, als l\u00e4se er vor, nicht gerade fl\u00fcssig:<br>\u201eEs sollen alle wissen, dass die Angst umgeht, als eine schleichende, ansteckende Krankheit. Als \u2013 als Folgekrankheiten treten Augenerkrankungen auf \u2013 und Gewalt. Der Zustand des Erdteils ist besorgniserregend. Wer dies liest oder vorgelesen bekommt, ist gewarnt. Wer zuh\u00f6rt und steht an der Seite des einen Geliebten, \u2013 hat Hoffnung, davonzukommen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL schnellt durch die T\u00fcr und schwadroniert geflissentlich:<br>\u201eMein Reklamechef in Aktion. Es ist soweit. Wenn ich bitten d\u00fcrfte.\u201c<br>Er \u00f6ffnet dienernd die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, in gro\u00dfer Sorge:<br>\u201eGehen Sie nicht da rein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL haut ihm die Zettel aus der Hand, zischt:<br>\u201eHalten Sie das Maul! Es ist von mir gekauft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, zu Tutou:<br>\u201eWenn dies Ihr Chef ist, dann stammt das Vorgelesene von ihm?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eVon mir, selbstredend. Mein Etablissement zu Ihrer Verf\u00fcgung.\u201c<br>Er dienert wieder an der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWie kommen Sie dazu, so etwas drucken zu lassen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber es steht ja etwas ganz anderes drauf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL schiebt ihn weg:<br>\u201eZu sp\u00e4t. Sie sind entlassen! Scheren Sie sich von meinem Portal!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eEupa, ich f\u00fcrchte, wir k\u00f6nnen den Angestellten mit seinem Chef nur vers\u00f6hnen, wenn wir da reingehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, zum General:<br>\u201eWas sagen Sie dazu? Feuern Sie ihn dann nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL l\u00e4sst sich nicht festlegen, dienert wieder<br>\u201eEurop\u00e4ischer Maskenball, exekutive \u2013 Sensationen!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, zu Ro:<br>\u201eAlso komm.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eIn ein Etablissement geht der Herr zuerst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO gehen durch die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat versucht, es zu verhindern:<br>&#8220;So h\u00f6ren Sie doch! Sie helfen der Sache gar nicht! Sie opfern umsonst!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL wendet sich scharf an Tutou, ehe er auch verschwindet:<br>\u201eWenn ich Sie noch einmal beim Hochverrat ertappe!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eUnd irgendwann wird irgendeiner anfangen von Schuld zu reden\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Ein sch\u00f6ner, etwas schmalziger Salontango, nur der letzte Refrain.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wand mit der Pendelt\u00fcr f\u00e4hrt hoch, sie braucht nicht ganz zu verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL geht innen weiter ab.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, Schauspielerin und Schauspieler, stehen reglos vor der Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, T\u00e4nzerin und T\u00e4nzer, ohne Hut und Mantel, tanzen Tango, wie er im Buche stand und mancherorts wieder steht. Sie geraten auseinander, verlieren den K\u00f6rperkontakt und merken es nicht. Sie tanzen Figuren, als seien sie nah beieinander, halten die Arme, als hielten sie den Anderen noch.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik endet.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, T\u00e4nzerin und T\u00e4nzer, applaudieren, nur sie, und gehen zum kleinen Tisch vor der Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, Schauspielerin und Schauspieler, kommen auch zum Tisch, ziehen die M\u00e4ntel aus.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, T\u00e4nzerin und T\u00e4nzer, ziehen die M\u00e4ntel an und gehen unter leutselig-seri\u00f6sen Verbeugungen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, Schauspielerin und Schauspieler, m\u00f6gen den anderen in den Mantel geholfen haben. Sie machen mancherlei Verbeugungen und setzen sich.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, g\u00e4hnt nach einer Pause fast be\u00e4ngstigender Stille etwas verstohlen.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eDie Erf\u00fcllung hat der Sehnsucht die Augen verschlossen. Man darf ungeniert g\u00e4hnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEntschuldige, aber \u2013 es ist ja nichts los.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eWollen wir nicht gehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEs ist egal ob wir hier sitzen oder gehen und wissen nicht, wohin.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, nach einer Pause:<br>\u201eIch will deine Gedanken wissen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA nimmts heiter:<br>\u201eAls marschierte die Inquisition.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, sehr ernst:<br>\u201eDie Inquisition wollte die Liebe retten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, betroffen:<br>\u201eAber \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eIch wei\u00df, die Inquisition blieb nicht heilig.\u201c<br>Sie macht eine fahrige Bewegung oder schl\u00e4gt ein Bein \u00fcber das andere, st\u00f6\u00dft an den Tisch. Die k\u00fcnstlichen Blumen fallen zu Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN, wenden sich mit einer raschen Bewegung lautlos um und starren auf:<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO, die zu ihnen hinaufstarren.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kommt zur Rampe gelaufen:<br>\u201eMusik! Musik! Was soll diese Leichenschauhausstille?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik zum Tanzen, Popul\u00e4rschlager, karikiert schief, wenn auch mit einigem Schmiss, die Dialoge nicht \u00fcbert\u00f6nend.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EINIGE MASKIERTEN tanzen, aber der Graben bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE, von der rechten (also politischen linken) Seite kommt zum Tisch, hebt die Blumen auf:<br>\u201eDie Menschen werden eingeteilt in Klassen und betreiben Klassenkampf. K\u00fcnstliche Blumen verdienen in h\u00f6herem Ma\u00dfe ihre Achtung als nat\u00fcrliche, denn Arbeiterh\u00e4nde haben sie produziert.\u201c<br>Er reicht Ro die Blume.<\/p>\n\n\n\n<p>RO, freundlich \u00fcberlegen:<br>\u201eWenn es Sie vers\u00f6hnt, werde ich so tun, als dufteten sie sogar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE, unerwartet zur\u00fcckweisend:<br>\u201eVon Vers\u00f6hnung kann kein Rede sein, solange Sie nicht unser Gesicht tragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eWelche Bescheidenheit, guter Freund, mein Gesicht hat bisher gereicht zum Lachen und zum Weinen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE verbeugt sich linkisch und sagt mit falscher Bescheidenheit:<br>\u201eD\u00fcrfte ich um diesen Tanz bitten, oder bin ich Hungerleider Ihnen nicht gut genug?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, etwas hilflos vor so viel Direktheit:<br>\u201eEupa, wie soll ich da Nein, sagen\u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eTanze. Es kann nicht schaden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE und RO tanzen und verschwinden auf der Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE, im Abendkleid, ist von der Schr\u00e4ge gekommen. Sie stellt sich vor Tutou und schaut ihn von oben bis unten an:<br>\u201eEs fehlt Ihnen an Geld, Sie haben nichts an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eEs fehlt mir an Geld, aber ich habe mehr an als Sie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eUnd die Augen, das Kinn, Mund, Wangen, Stirn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eTrage ich gerne nackt.<br><\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE, stets cool:<br>\u201eShocking! Scham ist eine Kulturerrungenschaft. Wenn Sie mich Gn\u00e4dige Frau nennen, bekommen Sie einen Frack und ein Gesicht von uns.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wendet sich ab:<br>\u201eDie passen mir nicht, selbst, wenn Sie die richtige Gr\u00f6\u00dfe haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE \u00e4u\u00dfert kaum Entt\u00e4uschung und wendet sich an Eupa:<br>\u201eIhre Frau tanzt mit dem Feind. Jedes seiner Worte ist ein Schlag ins Gesicht der freien Welt. Kommen Sie, mein Mann wartet auf Sie.\u201c<br>Sie streckt ihm einen sch\u00f6nen Arm entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA ist beeindruckt, steht auf:<br>\u201eIch kenne Ihren Mann nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eOh, er ist zwei Direktoren und sieben Aufsichtsr\u00e4te in einer Person. Wenn er stirbt, werden eine Witwe und neun Firmen in 23 Zeitungen der Weltwirtschaft seinen Tod schwarz umrandet verk\u00fcnden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eUnd solch ein Mann wartet auf mich? Was kann er von mir wollen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eMitwisserschaft. Er sucht Teilhaber und Nachfolger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eMir fehlt die Kenntnis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eMan glaubt an die B\u00f6rse, man kennt sie nicht, Armut ist S\u00fcnde, Zinsen sind erh\u00f6rte Gebete. Kommen Sie, unsere Masken sind von innen mit Geldnoten aller W\u00e4hrungen beklebt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eSie werden dementsprechend teuer sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eSie sind umsonst zu haben. Werbung und Wohlt\u00e4tigkeit k\u00f6nnen bei guten Ums\u00e4tzen gar nicht hoch genug veranschlagt werden.\u201c<br>Nach kurzer Pause pl\u00f6tzlich aggressiv:<br>\u201eIhr Z\u00f6gern ist beleidigend!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, erstaunt:<br>\u201eVerzeihen Sie, aber \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eAber die Beleidigung hinterl\u00e4sst keine Spur auf meinen Z\u00fcgen. Aber die Ihren sind verletzlich, und meine N\u00e4gel sind lang.\u201c<br>Sie f\u00e4hrt ihm mit roten Krallenfingern ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA packt erschrocken ihre Handgelenke:<br>\u201eWas f\u00e4llt Ihnen ein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE, lasziv:<br>\u201eEs fiel mir ein, Sie zu fesseln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wills heiter nehmen:<br>\u201eSie mich? Ich w\u00fcrde sagen, ich habe &nbsp;S i e &nbsp;gefesselt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE:<br>\u201eDann z\u00fcnden Sie sich eine Zigarette an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA f\u00e4llt darauf rein:<br>\u201eDamit Sie mir mit Ihren roten N\u00e4geln wieder ins Gesicht fahren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE landet l\u00e4ssig ihren Coup:<br>\u201eWer also ist gefesselt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wei\u00df nicht gleich zu antworten, rutscht-weicht aus:<br>\u201eWie eine Zaubergeige spielt Ihr Puls unter meinen Fingern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE zieht ihn langsam in einen Tanz, z\u00e4rtlich:<br>\u201eVon Freiheit singt sie, von Wohlstand, Recht und Gl\u00fcck in ganz Europa\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA ruft zu Tutou:<br>\u201eTr\u00f6sten Sie meine Frau, ich bin gleich wieder da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTE und EUPA verschwinden tanzend auf der Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE und Ro werden auf der rechten Seite auf exponierter Stelle sichtbar und kommen zum Sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eEs ist nicht gut, dass wir tanzen bei solchem Gespr\u00e4ch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE:<br>\u201eBildung f\u00fcr jeden! Gro\u00dfgrundbesitz in Bauernhand! Tod den Konzernen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eSchlagworte. Aber sie gehen durchs Trommelfell und treffen das Gewissen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE:<br>\u201eDas Elend in Europa ist wichtig. In jedes unserer Gesichter mei\u00dfelt die Ausbeutung dieselbe Entschlossenheit.\u201c<br>Er hat Ro eine Maske seiner Gruppe hingehalten:<br>\u201eVor dieser Internationalen zittert die Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eDie Sehnsucht zu wissen, wo man steht, ist gro\u00df, und nirgends d\u00fcrfte es sein als auf der Seite der Entrechteten. Aber die Angst, das Herz k\u00f6nnte versteinern, wie diese Z\u00fcge \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE, eifrig:<br>\u201eLege sie an, setze sie auf, \u2013 und es ist die letzte Angst deines Lebens gewesen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO nimmt z\u00f6gernd die Maske:<br>\u201eSie sollte so leicht zu verlieren sein? Die Maske stinkt\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER MASKIERTE beeilt sich zu versichern:<br>\u201eNur nach innen. Drau\u00dfen merkt keiner was. Jeder hat nur den Gestank seiner eigenen Maske in der Nase!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO probiert die Maske mir einigem Widerwillen.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik endet schlagartig.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN erstarren in atemloser Stille:<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA springt auf den Tisch auf der Schr\u00e4ge, ein gef\u00fclltes Sektglas in der Hand. Er ist offensichtlich beschwipst und high:<br>\u201eRo!, dieses Glas Champagner sch\u00fctte ich \u00fcber dein Herz!\u201c<br>Er vergie\u00dft den Sekt in weitem Bogen:<br>\u201eIch sehe, du hast die Verwandlung schon hinter dir. Auf Wiedersehen! Auf welch ein Wiedersehn!\u201c<br>Er springt vom Tisch und verschwindet unter den Maskierten.<\/p>\n\n\n\n<p>RO konnte die Maske nicht schnell genug wegrei\u00dfen. Jetzt gelingt es, und sie ruft laut:<br>\u201eNein! Eupa! Du sollst mich so nicht wieder sehen! Eupa!\u201c<br>Sie wirft die Maske weg und st\u00fcrzt auf die Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL rast \u00fcber die B\u00fchne und schreit:<br>\u201eAlarm!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Laute Klingeln, Martinshorn, Sirenen, Alarmt\u00f6ne jeder Art.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN bilden, ohne die mittlere Grenze zu \u00fcberschreiten, eine in ihrer Organisation undurchschaubare, aber wirksame Abwehrfront gegen Ro, die sie von der Schr\u00e4ge dr\u00e4ngen, sie vorne hermetisch absperrend.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Das Ger\u00e4usch endet.\/<\/p>\n\n\n\n<p>RO ist fast von der Schr\u00e4ge gest\u00fcrzt, l\u00e4uft davor hin und her:<br>\u201eEupa! Dein Gesicht! Eupa!\u2026\u201c<br>Aber sie wird schw\u00e4cher, die Maskenwand l\u00e4sst sie resignieren.<br>Sie setzt sich an den Tisch vor der Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU geht zu ihr:<br>\u201eIch \u2013 soll Sie tr\u00f6sten\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO l\u00e4dt ihn mit einer Geste ein:<br>\u201eSetzen Sie sich.\u201c<br>Nach einer Pause:<br>\u201eTr\u00f6sten Sie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat sich gesetzt, er ist \u00fcber die Entwicklung besorgt;:<br>\u201eF\u00e4llt mir unheimlich schwer \u2013 Eupa ist \u2013 er hat gesagt, er sei gleich wieder da\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO ist auch sehr besorgt, sie meint die Mauer der Maskierten:<br>\u201ePlanet Eupa hinter der Mauer. Was soll das f\u00fcr eine Zukunft werden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, sehr liebevoll und behutsam tr\u00f6stend:<br>\u201eJede Zukunft braucht gute Freundschaft mit dem Mut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO knapp:<br>\u201eIch bin kein Rennfahrer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIn den Manteltaschen des Muts stecken die Wunder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, sehr unvermittelt:<br>\u201eIst Sterben ein Wunder?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, ehrlich, nach kurzer Pause:<br>\u201eDu glaubst doch nicht, dass ich darauf eine Antwort wei\u00df?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eMan muss ja Fragen nicht immer beantworten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eGut. Ich habe angefangen, vom Mut zu reden, und von Wundern \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, nicht eine Spur wehleidig:<br>\u201eIch vom Tod. Weiter? Was fehlt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eLiebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO erblickt etwas Imagin\u00e4res und steht auf:<br>\u201eDa steht der Mut vor mir, von dem du gesprochen hast. Was soll ich tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eHak dich bei ihm ein \u2013 nein: besser gleich umarmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO tut das in einer sehr anmutigen Pantomime.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eUnd vergiss nicht, die wundervollen Taschen zu leeren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO versucht, auch das anzudeuten, verharrt dann in kontemplativer Stellung.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA kommt von der Seite nach vorne. Er ist auf eine grausam symmetrische Weise zweigeteilt: Links tr\u00e4gt er einen halben Zweireiher mit halber M\u00fctze und einem groben Schuh, rechts zum halbe Zylinder den erstklassig sitzenden Frack mit einem Frackscho\u00df; auch Frackschleife, Hemd und Maske sind halbiert. In der glac\u00e9behandschuhten Rechten hat er einen Revolver. Er ver\u00e4ndert sich im Laufe der folgenden Szene: Zun\u00e4chst wirkt er unbeholfen und fahrig, in Kost\u00fcm und Maske gar nicht heimisch. Durch die ungleichen Schuhe hinkt er etwas. Der Revolver erregt mehr Furcht durch unbedachte als durch zielsichere Bewegung. Aber ziemlich rasch wird er sattelfester, selbstgef\u00e4lliger, eleganter. Zun\u00e4chst tappt er herum, bis er nahe zu Ro zu stehen kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>RO schrickt aus ihrer Versunkenheit auf und flieht an den Tisch, setzt sich, als k\u00f6nne sie unbeteiligt scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA folgt ihr<\/p>\n\n\n\n<p>RO, lehnt rasch den unbesetzten Stuhl schr\u00e4g an den Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA verbeugt sich, hat einige M\u00fche die Kopfbedeckung zu ziehen, zuckt die Achseln, kippt den Stuhl zur\u00fcck und setzt sich.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eDieser Platz ist nicht frei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEr wartet auf Eupa, nicht wahr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO spring auf und starrt ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWas ist? Ich sah dich doch vorhin von weitem, schon maskiert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO hat gro\u00dfe M\u00fche, das Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren:<br>\u201eEs war \u2013 nur zur Probe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, gener\u00f6s:<br>\u201eDas regeln wir, Ro, das machen wir dauerhaft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, entsetzt, leise:<br>\u201eNein!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, volumin\u00f6s, theatralisch:<br>\u201eWelch ein Wiedersehn, Ro!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eWieder? Ich sehe niemanden wieder. Ich h\u00f6re eine Stimme, die von fern an Eupa erinnert.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEin wenig hohl, naturgem\u00e4\u00df. Die Maske muss sich erst gew\u00f6hnen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eSich zu gew\u00f6hnen ist das Los der Gesichter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schwadroniert:<br>\u201eDas ganz gro\u00dfe Los ist auf mich gefallen!: Als Mann in den besten Jahren hat man mir den Lauf der Welt \u00fcbertragen. Willst du mal den Lauf der Welt sehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO,<br>\u201eDu sprichst, als h\u00e4ttest du das R\u00e4derwerk in der Tasche.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA h\u00e4lt ihr den Revolver dicht vor das eine Auge:<br>\u201eHier! &nbsp;D a s &nbsp;ist der Lauf der Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO r\u00fchrt sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA etwas entt\u00e4uscht:<br>\u201eDu hast keine Angst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eNicht die Angst, die du erwartest.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDas Lied der Angst wird sowieso erschossen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eEs hat mehr Strophen, als die schnellste Waffe meucheln kann.\u201c<br>Sie schl\u00e4gt mit einer raschen Bewegung die Waffe von ihren Augen weg.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA hebt sie auf und ist sofort bem\u00fcht, Ro zu vers\u00f6hnen:<br>\u201eVerzeih, Ro, verzeih mir bitte, die Waffe ist mit keiner Patrone f\u00fcr dich bestimmt.\u201c<br>Er geht zu Tutou und will ihm den Revolver geben:<br>\u201eHier, junger Mann, das verschafft Ihnen Arbeit und Brot bis zur verdienten Pensionierung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wehrt entschieden ab:<br>\u201eIch geh\u00f6re gar nicht zu diesem Etablissement.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA bedroht ihn pl\u00f6tzlich mit dem Revolver:<br>\u201eNehmen Sie oder ich schie\u00dfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt den Revolver und richtet ihn sofort auf Eupa:<br>\u201eNehmen Sie zur\u00fcck oder ich schie\u00dfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA ist zun\u00e4chst erschrocken, nimmt dann den Revolver und richtet ihn wieder auf Tutou:<br>\u201eWas? Nehmen Sie wieder oder ich schie\u00dfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wiederholt das Spiel:<br>\u201eNehmen Sie oder ich schie\u00dfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wiederholt das Spiel:<br>\u201eNehmen Sie oder ich schie\u00dfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU r\u00fchrt sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eSie wollen nicht mehr spielen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNein. Schie\u00dfen Sie. Ich mache ernst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eAber ich nicht. Ich sehe, das Schie\u00dfeisen macht auch keinen Spa\u00df.\u201c<br>Er steckt den Revolver in die Frackges\u00e4\u00dftasche.<\/p>\n\n\n\n<p>RO, in gro\u00dfer Sorge, die sie sich nicht merken lassen m\u00f6chte:<br>\u201eEupa, wollen wir nicht gehen? Man soll in einem Etablissement nicht das Ende des Vergn\u00fcgens abwarten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eTanzstundenweisheit. Das Etablissement ist die Welt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, be\u00e4ngstigt:<br>\u201eAber, es muss doch einen Ausgang geben?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL belehrt sie im Vor\u00fcbergehen:<br>\u201ePendelt\u00fcren, gn\u00e4dige Frau, Sie pendeln von einem Maskenball in den anderen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO k\u00f6nnte man jetzt beinahe hysterisch nennen:<br>\u201eEinen Notausgang, wenn es brennt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, im Abgehen:<br>\u201eNur in den Fahrstuhlschacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO klammert sich an Eupa:<br>\u201eLass mich nicht fallen, Eupa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, ihre N\u00e4he auskostend, dringlich werbend:<br>\u201eErheben will ich dich. Ro, zu mir emporziehen auf den h\u00f6chsten Thron! Mein Amt wird eine Frau brauchen. Man wird uns trauen. Es wird Ziele geben, Pl\u00e4ne, Kraft, Macht, Ruhm, elektrische K\u00fcche, St\u00fchle, eine Himmelbett, ein Haus hier, ein Haus da, ein Haus \u00fcberall.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, befremdet:<br>\u201eWie leicht dir die Worte von den neuen Lippen gehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDu sollst meine Hausfrau werden. Hausfrau hier, Hausfrau da, Hausfrau \u00fcberall.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eNimm einmal die Maske ab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, pl\u00f6tzlich ganz eklig:<br>\u201eH\u00f6r mit deinen albernen Forderungen auf! Sie sitzt fest f\u00fcr ein gesichertes arbeitsreiches Leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, erschrocken:<br>\u201eUnd abends \u2013 legt ihr die Masken nicht ab?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, anz\u00fcglich, nahe bei ihr:<br>\u201eNur die Kleider, Ro, nur die Kleider \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kommt zu Eupa, irgendein pomp\u00f6ses Feldzeichen in der Hand, das zu seiner Zuh\u00e4lter-Kleidung in krassem Gegensatz steht, und sagt leise, servil, verschw\u00f6rerisch:<br>\u201eExzellenz, es ist so weit\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA rafft sich, strafft sich:<br>\u201eJawohl!\u201c<br>Vollendet h\u00f6flich zu Ro:<br>\u201eDu entschuldigst mich bitte. Ich muss zu meinem ersten Einsatz.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL gibt der Musik ein Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik. Sie ist so b\u00f6se wie alles Folgende: pomp\u00f6s, monstr\u00f6s, sie l\u00e4sst nichts aus, um Ohr und Gem\u00fct zu maltr\u00e4tieren. Es beginnt mit einem schrecklichen Tusch. Dann Untermalung der Bewegungen auf der Szene.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN treten in zwei langen Reihen zur Seite, Angelpunkte sind die vorderen Ecken und die Schr\u00e4ge. Sie geben den Blick frei auf ein scheu\u00dflich albern dekoriertes Rednerpult mit vielen Mikrophonen, das mitten auf der Grenzlinie steht.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL \u201aschreitet\u2019 auf die Schr\u00e4ge zum Rednerpult, vor dem er stehen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA folgt ihm, holt den Revolver aus der Tasche, geht hinter das Pult, wo er sehr erh\u00f6ht steht.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL macht ein schreckliches faschistisches Bla-bla:<br>\u201eHei\u00dfer Koordinationswille hat endlich die Macht produziert, die uns einer einheitlichen besseren Zukunft entgegenf\u00fchren wird!\u201c<br>Er hebt das Feldzeichen:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN heben jetzt und bei jedem \u201aJubel und Beifall\u2019 die Arme, deuten Klatschen an.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik hat daf\u00fcr jetzt bei jedem folgenden \u201aJubel und Beifall\u2019 einen Akzent.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schie\u00dft in die Luft. Seine Stimme kommt gewaltig verst\u00e4rkt \u00fcber den Lautsprecher:<br>\u201eDer Startschuss zur Verbr\u00fcderung ist gefallen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Rauschende Musik.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN st\u00fcrzen stumm \u00fcber die Grenze und fallen einander in die Arme.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDas Ganze \u2013 Halt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik pausiert.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN verharren regungslos.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201ePlanm\u00e4\u00dfige Verbr\u00fcderung im Gleichschritt \u2013 Marsch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik: Marsch, Landsknechtstrommeln.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN marschieren paarweise und nunmehr bunt gemischt, wie auch immer, um das Pult herum, b\u00f6se Verquickungen von Marsch und Tanz, unziemlich, vulg\u00e4r und \u2013 ohne Plattheiten! \u2013 obsz\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, rhythmisch, vielleicht mit sinnlosen Betonungen und Sprechmelodien:<br>\u201eNot, Pest, Krieg, Hunger, Elend, K\u00e4lte machen einschneidende Ma\u00dfnahmen erforderlich, damit Gl\u00fcck, Brot, Geld, Freiheit, Frieden, Wohlstand aufbl\u00fchen k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eErstens: Militarisierung der Friedens!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eZweitens: Verstaatlichung der Anarchie!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDann werde ich den Erdball aus den quietschenden Angeln heben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDie Waffe ist das Ma\u00df aller Dinge!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eJubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEuropa erwache!\u201c<br>Unerwartete Stille.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eJeder Morgen in Europa liegt im Schatten des Kreuzes von Golgatha. Willst du auf Schatten schie\u00dfen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA hat nicht geh\u00f6rt:<br>\u201eH\u00e4tte ich sie frei, w\u00fcrde ich in die H\u00e4nde klatschen. So benutze ich die neue Akustik, um die Hochzeitsfeierlichkeiten einzuleiten.\u201c<br>Er schie\u00dft in die Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Attacca verhunzter Hochzeitsmarsch nach Mendelssohn oder Wagner oder beiden.\/<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEI MASKIERTE FRAUEN, von jeder Sorte, tragen feierlich je eine H\u00e4lfte Frauenkleidung und Maske auf die Schr\u00e4ge: links das halbe Abendkleid, rechts das halbe Konfektionskost\u00fcm, auf Gestellen sch\u00f6n drapiert.<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEI MASKIERTE M\u00c4NNER, von jeder Sorte, kommen zu Ro, die unverwandt auf die Schr\u00e4ge starrt, verneigen sich tief vor ihr, packen sie dann pl\u00f6tzlich brutal unter den Armen, ihre Gesichter (Masken) sind der Richtung Ros Gesicht entgegengesetzt, was Ro beim folgenden Getragenwerden sehr hilflos macht. Die M\u00e4nner drehen sie um und tragen sie \u2013 Ros Gesicht also nun zur Rampe \u2013 auf die Schr\u00e4ge, genau auf die Trennungslinie.<\/p>\n\n\n\n<p>RO wehrt sich kurzem \u00dcberrumpeltsein, muss auch oben von den M\u00e4nnern festgehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE FRAUEN tragen die Kost\u00fcm- und Maskenh\u00e4lften feierlich zu Ro, setzen sie direkt vor ihr behutsam zusammen, sie verdeckend.<\/p>\n\n\n\n<p>RO haut mit ein paar Schl\u00e4gen Kost\u00fcmteile und Gestell zusammen, dass die Fetzen fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik bricht ab.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DIE MASKIERTEN fliehen an die \u00e4u\u00dfersten R\u00e4nder der Schr\u00e4ge, stehen geduckt, gespannt.<\/p>\n\n\n\n<p>RO, auch in gr\u00f6\u00dfter Spannung:<br>\u201eDie Angst blitzt gel\u00e4ufig aus den geduckten Leibern. So begr\u00fc\u00dft man Bomben. Seid ruhig, liebe Kinder: keine unbekannte Seele soll von mir beleidigt werden. Nur dem will ich Schmerz antun, den ich liebe.\u201c<br>Sie wendet sich zum Pult.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA versucht, die Spannung abzubauen, weicht ihr aus, geht auf Distanz, wird pomp\u00f6s-miekrig:<br>\u201eSchmerz antun ist deines Amtes nicht! Als Frau hast du sanft zu sein, milde zu lindern, was der Mann in harter Pflichterf\u00fcllung etwa Grausames zu vollstrecken hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO wird hart:<br>\u201eWird Sanftmut und Milde von deinem Gesicht die grausame Verpuppung entfernen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eMit ihr habe ich das Jahrhundert geflickt! Auch du schuldest mir Jubel und Beifall!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eIch will dein Schuldner nicht bleiben. Lass mich die lebendigen Lippen dankbar k\u00fcssen.\u201c<br>Sie geht mir ausgestreckten Armen auf ihn zu.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDu drohst mir mit Liebe? Hilfe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO bleibt Stehen, l\u00e4sst vielleicht die Arme sinken:<br>\u201eLiebe ist wie Kr\u00e4tze in diesem Etablissement. Ich bin auss\u00e4tzig. Keiner wird dir helfen, keiner mir. Wir gehen auf Messers Schneide. Jeder Schritt ist von t\u00f6dlichem Ernst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA k\u00f6nnte jetzt einlenken, aber die Angst sitzt so abgrundtief, dass er mit der Waffe \u2013 noch etwas unsichtbar \u2013 auf Ro zielt:<br>\u201eDu wirst den Schritt zur\u00fcck machen. Wir werden aufatmen. Du wirst das Leben nicht dem Gesicht opfern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO streckt ostentativ wieder die Arme aus und geht langsam auf ihn zu.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, jetzt deutlich die Waffe anlegend:<br>\u201eH\u00e4nde hoch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO geht weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIn letzter Sekunde werfe ich die Waffe fort.\u201c<br>Er wirft den Revolver gegen die Rampe, zieht den Handschuh aus, wirft ihn weg:<br>\u201eMit nackten H\u00e4nden werde ich mich deiner erwehren, bis du um Gnade winselst!\u2026\u201c<br>Er packt sie, die immer n\u00e4her gekommen ist, mit schnellem Griff an der Gurgel und h\u00e4lt sie sich vom Leibe.<\/p>\n\n\n\n<p>RO versucht, ihm die Maske abzurei\u00dfen, vermag sie jedoch nicht zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA und RO verharren fast regungslos in der Unentschiedenheit des schrecklichen Kampfes.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hebt den Revolver auf:<br>\u201eIch bitte um Gnade!\u201c<br>Er schie\u00dft in die Luft.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA l\u00e4sst t\u00f6dlich erschrocken in der Abwehr nach und schreit ge\u00e4ngstigt:<br>\u201eWer schie\u00dft da?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO kann ihm in diesem Augenblick die Maske vom Gesicht rei\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schreit auf vor Schmerz und presst Ro, die H\u00e4nde noch immer um ihren Hals, an sich, sch\u00fcttelt sie. Er ist unter der Maske aschgrau eingefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>RO sinkt leblos zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA h\u00e4lt sie mit gr\u00f6\u00dftem Eifer und viel Kraft hoch:<br>\u201eRo, du bist so schwer mit einem Mal. Komm, wir wollen tanzen, es ist doch Hochzeit, Hoch-Zeit!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er umarmt die Leblose mit Tanzgesten:<br>\u201eUnd nun drehen, drehen \u2013 La-lala, La-lala!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Keine Musik.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA scheitert bei diesem Totentanz: Bei seiner Drehung am oberen Ende der Schr\u00e4ge f\u00e4llt Ro ihm aus den Armen. Sein Kost\u00fcm zerrei\u00dfend, rollt sie die Schr\u00e4ge hinunter. Eupa sinkt nach kurzer Pause wie vom Schlag getroffen auf die Knie, bewegt sich auf den Knien auf sie zu, fast tonlos:<br>\u201eLa-lala, La-lala\u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL tritt an exponierter Stelle auf, schreit:<br>\u201ePolizeistunde!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Blackout.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorhang.<\/p>\n\n\n\n<p>Licht im Zuschauerraum.<\/p>\n\n\n\n<p>Pause.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3087\">Eupa und Ro &#8211; Peters Podehls Kommentar von 2010<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3094\">Eupa und Ro &#8211; Titel und Personen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3106\">Eupa und Ro &#8211; Szene 1 &#8211; EINLEITUNG<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3124\">Eupa und Ro &#8211; Entre act 1 und Szene 2 &#8211; BILDENDE KUNST<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3129\">Eupa und Ro &#8211; Entre act 2 und Szene 3 &#8211; OBDACHLOSIGKEIT<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3142\">Eupa und Ro &#8211; Entre act 3 und Szene 4 &#8211; MASKENBALL<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3160\">Eupa und Ro &#8211; Szene 5 &#8211; PROZESS<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3173\">Eupa und Ro &#8211; Entre act 4 und Szene 6 &#8211; GRENZSTATION<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Eupa und Ro * Ente act 1 und Szene 2 MASKENBALL *** Entre act 3 DER SCHAFFNER kommt mit einem Brief aus den Gang zum Abteil, macht die T\u00fcr auf:\u201eSie sind doch Herr Tutou?\u201c TUTOU:\u201eJa?\u201c DER SCHAFFNER \u00fcberreicht den Brief:\u201eEin Brief f\u00fcr Sie.\u201c TUTOU nimmt ihn erstaunt, schaut gleich auf den Absender, freut sich:\u201eVon [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":3087,"menu_order":10,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3142","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3142"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4496,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3142\/revisions\/4496"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}