{"id":3160,"date":"2024-07-03T08:06:09","date_gmt":"2024-07-03T08:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3160"},"modified":"2026-02-19T12:05:15","modified_gmt":"2026-02-19T12:05:15","slug":"eupa-und-ro-szene-5-prozess","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3160","title":{"rendered":"Eupa und Ro &#8211; Szene 5 &#8211; PROZESS"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Eupa und Ro<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">*<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Szene 5<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">POZESS<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Szene 5<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>PROZESS<\/p>\n\n\n\n<p>\/Gong.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Das Licht im Zuschauerraum erlischt.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Gong.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Vorhang auf<\/p>\n\n\n\n<p>Gef\u00e4ngnis, eine Zelle auf der Schr\u00e4ge mit T\u00fcr und Schloss, aus Gitterst\u00e4ben ringsherum mehr ein K\u00e4fig, ein Dach drauf, das bei geringem Anliften die Gitterst\u00e4be freigibt, so dass sie laut polternd zusammenst\u00fcrzen. Ein gewaltiger Sessel, mit Emblem der Justitia geschm\u00fcckt, ein St\u00fcck massiver Gerichtstheke daneben; beide St\u00fccke zum Demolieren pr\u00e4pariert.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgebung und Projektion vermitteln engen, g\u00e4nzlich schmucklosen, hohen Gef\u00e4ngnishof, so d\u00fcster wie m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3167\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-300x225.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-768x576.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/5-Der-Prozess-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erwin Hahs &#8211; Eupa und Ro: Der Prozess &#8211; B\u00fchnenbild zu Szene 5<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der T\u00e4nzer, kniet in der Zelle, sich kaum bewegend.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU kommt von rechts vorne, den reparierten Rucksack auf dem R\u00fccken. Im Anblick der Szene bleibt er wie erschrocken stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>LAUTSPRECHERDURCHSAGE, technisch nicht so einwandfrei wie die am Anfang:<br>\u201eIn diesem Innenhof f\u00e4ngt sich die ganze K\u00e4lte des Morgens nach der Tat. Nur wer Notwendigkeit im Sinne von Notwendigkeit erw\u00fcnscht, ist noch begierig auf den Fortgang der Geschichte und besteigt wieder den Zug. Tutou, der Turnschuh-Tourist mit seiner Bitte um Gnade, dem Startschuss zum Mord, ist tief verstrickt. Ende der Durchsage.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ist auf die Aufforderung einzusteigen, losgegangen, hat aber bei Erw\u00e4hnung seines Namens angehalten; jetzt geht er etwas z\u00f6gerlich ins Abteil, hebt den Rucksack ins Netz, setzt sich.<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER, seine gro\u00dfe Tasche umgeh\u00e4ngt, vielleicht hat er jetzt einen Mantel an, kommt mit einem dienstlichen Schreiben in der Hand aus dem Gang, will das Neonlicht anmachen, das funktioniert nicht, er probiert die Leselampen, eine brennt:<br>\u201eDie letzte Lampe, die in diesem Zug noch brennt, wirklich.\u201c<br>Er studiert den Brief.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eGibts denn \u00fcberhaupt noch Hoffnung, dass der Zug Europa erreicht, \u2013 jetzt, wo Ro nicht mehr lebt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eWenig, wenig. Ich bin zum Stationsvorsteher von Europa bef\u00f6rdert worden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, fast schon beleidigt:<br>\u201eAber Sie sind doch der Schaffner dieses Zuges!?<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eDer Zug steht seit zwanzig Jahren. Der braucht keinen Schaffner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU st\u00f6\u00dft an die Bierdosen:<br>\u201eDer ganze Zug stinkt nach Bier. \u00dcberall klebt Kaugummi. Und \u00fcbrigens: Ich bin bestohlen worden!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER, einen Augenblick wieder in Funktion:<br>\u201eWas? Da muss ich ja Protokoll aufnehmen! Wann war das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU lacht:<br>\u201eNach Ihrer Zeitrechnung vor ungef\u00e4hr f\u00fcnf Jahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER schlafft gleich wieder ab:<br>\u201eDann ist das doch l\u00e4ngst verj\u00e4hrt!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eEs ist auch egal, ob man Geld hat, wenn Ro tot ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eJa, dann werde ich mal losgehen und meine neue Dienststelle suchen.\u201c<br>Das entnimmt er dem Brief:<br>\u201eEuropa ist jetzt eine Grenzstation. Unterschrift Generaldirektor.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWie wollen Sie denn Europa erreichen? F\u00e4hrt da noch ein Bummelzug?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eNein, nein, \u2013 \u201c<br>Er entdeckt den Stock:<br>\u201eGeh\u00f6rt der Ihnen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNein, Andenken an die Taschendiebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eDann kann ich ihn ja nehmen, ich muss zu Fu\u00df dahin. Absurd, nicht wahr? Bahnbediensteter zu Fu\u00df. Schlimmer als ein Landbrieftr\u00e4ger.\u201c<br>Nett vertraulich:<br>\u201eH\u00e4tten Sie denn noch einen Morgenduft f\u00fcr mich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eTut mir leid, die sind alle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHAFFNER:<br>\u201eMuss ich trocken gehen. Naja. Also Tsch\u00fcss dann und \u2013 Gute Reise kann ich Ihnen nicht w\u00fcnschen, alle Gute jedenfalls.\u201c<br>Er geht, den Stecken ausprobierend, nach rechts ab.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDanke, Tsch\u00fcss!\u201c<br>Ihm f\u00e4llt ein:<br>\u201eMensch, ich k\u00f6nnte doch gleich mitgehen, \u2013 nach Europa\u2026\u201c<br>Er holt den Rucksack runter und geht dem Schaffner nach. Er wird aufgehalten durch das Erscheinen<\/p>\n\n\n\n<p>DES GENERALS, der von hinten auf die Schr\u00e4ge kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Von pomp\u00f6ser Musik begleitet.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL ist ein \u00fcberdimensionaler Staatsanwalt. Unter dem l\u00e4ssig wallenden Talar tr\u00e4gt er eine hochkar\u00e4tige Uniform mit einer Unzahl von Orden. Er hat den Umfang des Todes in Szene 1. Auf und an diesem Koloss wirken Kopf und H\u00e4nde scheinbar klein, ebenso das Aktenfaszikel, das er mitbringt. Die Kopfbedeckung ist ein Barett vorn, hinten eine Generalsschirmm\u00fctze. Seine Verpackung wird seine Bewegungen sehr fremdartig machen; alles tun, dass sie fatal wirken und b\u00f6se. Er st\u00f6hnt und \u00e4chzt viel. Er plumpst in den Sessel , schmei\u00dft die Akten auf die Theke.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik endet mit einem provozierenden grellen Halbschluss.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL steht auf, ordnet so viel Talar um sich, wie m\u00f6glich, achtet auf den richtigen Sitz der Kopfbedeckung und pl\u00e4diert schw\u00fclstig:<br>\u201eIch er\u00f6ffne den Prozess ohne Beispiel und erteile mir das Wort: Ich als Generalmenschheitsstaatsanwalt kann kurzen Prozess machen. Es liegt Mord vor ohne die geringsten mildernden Umst\u00e4nde. Selten konnte der Generalmenschheitsstaatsanwalt mit solcher Entschiedenheit die Todesstrafe fordern und vollstrecken lassen.\u201c<br>Er plumpst wieder in den Sessel.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU sehr spontan:<br>\u201eMoment mal!: \u2013 noch ein Mord? Das darf doch wohl nicht wahr sein!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, irritiert, aggressiv:<br>\u201eWas? Die von mir verh\u00e4ngte Todesstrafe ist doch kein Mord!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, h\u00f6hnisch:<br>\u201eUnd der Henker ist kein M\u00f6rder!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL setzt scharf dagegen:<br>\u201eDer Henker ist ein Saubermann\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eBis auf das bisschen Blut. Aber die aktuellen Waschmittel holen sicher auch Blut fasertief aus dem Gewebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL beruhigt sich:<br>\u201eWer redet da \u00fcberhaupt? Sie haben hier nicht Sitz und Stimme!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, ruhig mit einer Geste in den Zuschauerraum:<br>\u201eDer Prozess ist \u00f6ffentlich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eAber die Galerie schweigt!\u201c<br>Er klatscht in die H\u00e4nde:<br>\u201eWas ist? Todesstrafe! Wo bleiben die vollstreckenden Organe?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ger\u00e4t in Angst um Eupa:<br>\u201eWo bleibt der Verteidiger?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eWer soll sich bei diesem widerw\u00e4rtigen<br>&nbsp;Fall von Strangulation hergeben f\u00fcr das Amt des Verteidigers? Sie vielleicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, betroffen abwehrend:<br>\u201eIch doch nicht! Ich bin der Turnschuh-Tourist!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eNa also! Verdr\u00fccken Sie sich mit Ihrem anarchistischen Geschw\u00e4tz! Wir brauchen keine Verteidigung des Mordes!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNein nein, nicht den Mord \u2013 den Mann!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eF\u00fcr so was ist hier kein Platz! Sehn doch selbst: Mein Sessel ist der einzige weit und breit f\u00fcr ein hohes Gericht, das nennt man kurzen Prozess. Wir brauchen Abschreckung! Das darf nicht wieder vorkommen, dass mitten im heiteren Maskentreiben, mitten im tiefsten Frieden ein Privatkrieg ausbricht, ein Mord den kontinentalen Frohsinn erw\u00fcrgt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, sehr abf\u00e4llig:<br>\u201eKontinentalen Frohsinn!\u2026 Das glauben Sie doch wohl selber nicht! Ihre miese Fete hat doch den Mann erst zum M\u00f6rder gemacht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL steht auf, ereifert sich:<br>\u201eDas ist doch wohl der Gipfel! Da veranstaltet man ein Fest, \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eM a n  &nbsp;hat nichts veranstaltet, das war ein Generalunternehmer!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eNa und? Zum Vergn\u00fcgen der Einwohner! Mit Tanz, kein Gedeckzwang, zivile Preise. Und jetzt ist pl\u00f6tzlich dieses harmlose Milieu an allem schuld! Und der hier \u2013 \u201c<br>Er geht um den K\u00e4fig herum, widerlich ironisch:<br>\u201e \u2013 v\u00f6llig unschuldig. Ein Opfer, ein Lamm, genauso wie die Tote.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNein, unschuldig ist er nicht, aber \u2013 \u201c<br>Er z\u00f6gert.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eIch h\u00f6re!: Aber aber aber \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat es etwas schwer zu argumentieren:<br>\u201eJa, sehn Sie mal: Erst locken Sie den Mann in Ihr Etablissement. Und jetzt verraten Sie ihn, jetzt wollen Sie seinen Tod.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eAber dazwischen liegt doch was! Ich habe ihn doch nicht ins Etablissement komplementiert, damit er mordet!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU muss einsehen, wird unsicher, hilflos:<br>\u201eJa sicher, \u2013 aber \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kriegt Oberwasser:<br>\u201eIch h\u00f6re! Aber aber aber \u2013 Was unterhalte ich mich hier mit Zuschauern?! Gehen Sie vors Fernsehen. Die Nachrichten quellen \u00fcber von diesem Prozess!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU stellt den Rucksack ab:<br>\u201eNee, das ist kein Prozess f\u00fcr die Ferne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL wird \u00e4rgerlich:<br>\u201eNehmen Sie Ihr Ger\u00e4t auf und verschwinden Sie! Den Prozess handeln wir zwei aus, dialektisch: Ankl\u00e4ger und Angeklagter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU geht auf die Schr\u00e4ge zum K\u00e4fig:<br>\u201eHat Eupa denn was gesagt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eNicht ein Wort. Seit der Tat schweigt der Angeklagte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWas soll er sonst tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eSein Schweigen ist ein einziger un\u00fcberh\u00f6rbarer Hochmut!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, betroffen:<br>\u201eHochmut? Wenn Sie da recht haben, aber \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eIch h\u00f6re: Aber aber aber \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIch glaube das nicht\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eLassen Sie den Glauben aus dem Spiel!\u201c<br>Aus den Akten nehmend:<br>\u201eHier sind die Fakten: In 26 Verh\u00f6ren hat der Angeklagte den Mund nicht aufgemacht. Immer wieder habe ich ihm das Wort erteilt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU w\u00e4chst durch die N\u00e4he Eupas in seine Aufgaben:<br>\u201eWelches Wort? Welches Wort reicht da rein? Wir haben keinen Schl\u00fcssel zu diesem Gesicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eVerlassen Sie augenblicklich den innersten Gerichtsbezirk. Hier ist doch kein Zoo!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU bleibt:<br>\u201eEupas N\u00e4he tut mir gut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL notiert:<br>\u201eDiesen Satz mache ich aktenkundig: N\u00e4he des M\u00f6rders tut ihm gut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDer Mann muss leben. Endstation Friedhof, \u2013 dazu habe ich mein Ticket nicht gel\u00f6st. Ich bin ganz entschieden gegen die Todesstrafe!\u201c<br>\u00dcber sich selbst verwundert:<br>\u201eJetzt rede ich schon wie ein Verteidiger\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, b\u00f6se und gef\u00e4hrlich, nahe bei Tutou:<br>\u201eSie reden wie einer, dem man gleich nach Eupas Hinrichtung auch den Prozess machen wird. Sie haben in die Luft geschossen und um Gnade gewinselt, ohne Waffenschein. Alles aktenkundig. Sie w\u00e4ren nicht der erste Verteidiger, der auf der Anklagebank landet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU weicht nicht:<br>\u201eMeinen Mut kn\u00f6pfen Sie mir nicht ab, den habe ich von Ro geerbt. Ich wei\u00df inzwischen, dass er das Leben kosten kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL macht einen R\u00fcckzieher:<br>\u201eWarum h\u00f6rt mich denn keiner?!\u201c<br>Er klatscht in die H\u00e4nde:<br>\u201eTo-des-strafe\u2026! Die Schergen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Sehr sensible Auftrittsmusik f\u00fcr\/<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3169\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-768x1024.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-225x300.jpg 225w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Der-Tod-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erwin Hahs: Eupa und Ro &#8211; Der Tod &#8211; Figurine<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>DEN TOD, er ist nun ein eleganter \u00e4lterer Herr mit einiger Vorliebe f\u00fcr ein gutes L\u00e4cheln. Er kommt langsam von hinten auf die Schr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, gest\u00f6rt:<br>\u201eWer sind Sie denn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eIch bin einer ohne Ausweis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eWie sind Sie durch die Kontrollen gekommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eVon unten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eWas soll das hie\u00dfen?! Sie haben hier nicht Sitz und Stimme!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD klatscht einmal in die H\u00e4nde und zeigt nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Von oben kommt, an einem langen Seil, ein Stahlrohrsessel herunter<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD hakt ihn aus, setzt sich:<br>\u201eIch habe Stimme \u2013 und Sitz.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Seil verschwindet nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL versteht nichts und jammert rum:<br>\u201eWas soll denn das alles? Ist das eine Revision oder was? Warum denn noch einmal alles neu aufrollen und kompliziert machen? Die Menschheit ist doch einig in globalem Abscheu!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWas ist denn das nun wieder? Woher wissen Sie was von globalem Abscheu?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, von tiefster \u00dcberzeugung erf\u00fcllt:<br>\u201eDie gigantischen Institute der Demoskopie haben den Durchschnitt der gesamten Menschheit befragt. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit von 87 Prozent will nicht mit dem Frauenm\u00f6rder Eupa auf einem Globus leben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eDie gigantischen Institute haben vergessen, die Sch\u00fcler zu fragen, die gerade unter den B\u00e4nken was suchten, die Penner, die saufen statt zu wohnen, die Kaufleute, die immer zu viel abwiegen und trotzdem auf ihre Rechnung kommen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, unzug\u00e4nglich:<br>\u201eDie paar Leutchen schm\u00e4lern mir doch nicht meinen demoskopisch abgesicherten Durchschnittsabscheu! Ich will den Prozess heute \u00fcber die Runden kriegen. Ich will nicht noch einmal aufwachen mit der Angst, dass der M\u00f6rder immer noch lebt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber Eupas Tod kann nicht das Ende der Geschichte sein. Er braucht den Rest seines Lebens, um seine H\u00e4nde zu waschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, h\u00f6hnisch:<br>\u201eDen Makel kriegt er nicht los. Die Zeiten, wo Seife geholfen habt, \u2013 die sind vorbei!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eSchuld braucht Zeit, wenn ich das richtig sehe\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL wills wissen:<br>\u201eMann ohne Ausweis, wer sind Sie?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eDas haben Sie mich schon einmal gefragt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eKann mich nicht erinnern. Und \u2013 was haben Sie geantwortet?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD zitiert sich selbst:<br>\u201eDer General kennt mich nicht. Ich bin der Tod.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, zun\u00e4chst ganz perplex:<br>\u201eAch nee\u2026!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, sehr ernst:<br>\u201eAch so \u2026 Ja, dann kann ich wohl wirklich gehen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL sieht noch keinen Zusammenhang:<br>\u201eWas? Wieso denn mit einem Mal?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, geht eine Treppe runter:<br>\u201eGegen &nbsp; d e n &nbsp; Vollzugsbeamten gibt es keine Verteidigung mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kippt ins \u00fcbereifrig Beflissene, zum Tod:<br>\u201eMenschenskind, Gevatter, k\u00f6nnen Sie mir noch einmal verzeihen?! Wie konnte ich denn blo\u00df so begriffsstutzig sein. Sie kommen zur Vollstreckung des Urteils.\u201c<br>Er schlie\u00dft den K\u00e4fig auf:<br>\u201eH\u00f6chstpers\u00f6nlich. Sie sollen nicht mit leeren H\u00e4nden wieder gehen. Bitte sehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eSchlie\u00dfen Sie wieder zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, \u00e4u\u00dferst frivol:<br>\u201eEupa, raus! Das letzte St\u00fcndlein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eLassen Sie den Angeklagten in Gewahrsam und schlie\u00dfen Sie wieder zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL tut das:<br>\u201eWas? Wieso?\u201c<br>Ihm f\u00e4llt ein:<br>\u201eAch, wahrscheinlich wegen der Henkersmahlzeit. Aber der isst sowieso weniger als ein Spatz.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eEs geht nicht um Essen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wird zornig:<br>\u201eIhr seid wohl wahnsinnig geworden, hier solches Zeug zu reden! Blo\u00df weil der Angeklagte schweigt. Schlie\u00dflich hat er Ohren! Da kann man sich doch nicht \u00fcbers letzte St\u00fcndlein und Henkersmahlzeiten unterhalten! Jetzt pl\u00e4diere ich f\u00fcr den kurzen Prozess!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eSehr richtig! Was wollen Sie mehr, als die Todesstrafe?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eIch bin keine Strafe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, sehr verbl\u00fcfft:<br>\u201eWas?!\u201c<br>Aber er versteht sofort und st\u00fcrmt auf die Schr\u00e4ge:<br>\u201eHurra! Eins zu null f\u00fcr mich! Eupa, du hast Ohren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL hat dagegen die Tragweite nicht verstanden:<br>\u201eIn einem Mordprozess schreit man nicht Hurra! Sie verletzen andauernd die W\u00fcrde des hohen Gerichts.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eSie kapieren aber auch gar nichts! Ihre Strafe ist pers\u00f6nlich anwesend und \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL unterbricht:<br>\u201eAls ob ich das nicht verstanden h\u00e4tte, \u2013 zur Abholung des Verurteilten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eEben nicht! Unmissverst\u00e4ndlich hat er gesagt: Ich bin keine Strafe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL wittert Gefahren:<br>\u201eSoll ich das wirklich so verstehen, Gevatter? Als wir uns das letzte Mal sahen, hatten Sie einen riesigen Appetit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eDer Tod hat viele Gesichter und einen schwankenden Appetit.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eAber das ist Anarchie! So k\u00f6nnen wir nicht leben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eWenn sie so nicht leben k\u00f6nnen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDann ziehen wir die Konsequenz! Aber der hier bleibt leben und arbeitet an seiner Schuld.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eUnd die Folgetaten? Es ist gesellschaftlich nicht zu verantworten, dass so ein Frauenm\u00f6rder lebt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eGeneral, seien Sie vorsichtig, wir k\u00f6nnten nach den M\u00f6rdern im Generalstab fragen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, knapp abweisend:<br>\u201eMeinen Beruf lassen Sie aus dem Spiel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, vehement:<br>\u201eIch lasse gar nichts mehr! Ich packe jeden Strohhalm, um den hier in die Freiheit seiner Gefangenschaft zu f\u00fchren. Ich bin jetzt Generalverteidiger!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eEin J\u00fcngelchen im Generalsrang!, \u2013 das ist Amtsanma\u00dfung!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas ist die erste Liebe im Generalsrang! Zum ersten Mal in der Milit\u00e4rgeschichte. Liebe zu Ro! Die Liebe zwischen Eupa und Ro kann nicht vom Generalstaatsanwalt gel\u00f6scht werden. Seit dem Tod von Ro hinkt der Erdteil. Soll er ganz zu gehen aufh\u00f6ren? Das w\u00e4re die Bombe, die den Kontinent ausradiert, da l\u00e4uft kein M\u00e4rchen mehr. Halb zerst\u00f6rt ist er schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eWeil eine Frau diesem Schlappschwanz die Maske abgerissen hat, \u2013 eine Frau!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAus Liebe, \u2013 alles aus Liebe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL:<br>\u201eLiebe! Liebe! Ich versteh immer Liebe! Ich liebe meine Frau auch nicht mehr, aber ich bringe sie deshalb nicht gleich um?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNicht doch ihr Fehlen, \u2013 ihr Vorhandensein! Die Liebe, die nicht schmilzt, die unten rauskommt aus den Hoch\u00f6fen von Verbrechen und Schuld, die glitzert in all der Schlacke\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL ist l\u00e4ngst \u00fcberfordert mit seinen Verst\u00e4ndniskapazit\u00e4ten:<br>\u201eNa also, na also! Mit meiner Strafe bef\u00f6rdere ich den Angeklagten doch direkt in das Reich, wo er seine Geliebte schon hinexpediert hat. Da k\u00f6nnen sie sich doch umhalsen und turteln bis zum j\u00fcngsten Gericht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU rennt erregt rum:<br>\u201eEr kapiert nichts, \u00fcberhaupt nichts! Er kann nur Krieg denken. Wie kann man ihm nur das Maul stopfen, dass er aufh\u00f6rt dieses verdammte Zeug zu kr\u00e4hen?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL, sehr emp\u00f6rt:<br>\u201eIch lasse den Saal r\u00e4umen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD, mit einer Geste zum Zuschauerraum:<br>\u201eDen Saal lassen Sie nicht r\u00e4umen, General, Sie nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL berappelt sich, nur mit M\u00fche gefasst:<br>\u201eHerrschaften, jetzt seid doch mal vern\u00fcnftig!: Wie soll ich die Gesellschaft denn sch\u00fctzen gegen den Gesetzes\u00fcbertreter, die Gewaltt\u00e4ter? Herr Verteidiger \u2013 h\u00e4?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eMann, ich hab nur meinen Schulabschluss, \u2013 fragen Sie mich was Leichteres!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL kriegt wieder Oberwasser:<br>\u201eNa also. Gesetz und Ordnung! Das kalte Grausen kommt mich an, wenn ich mir vorstelle, dass die Unterwelt so voll wird von M\u00f6rdern und R\u00e4ubern und Zuh\u00e4ltern, dass sie nach oben schwappt, ans Tageslicht, in den Stadtpark, sich auf die Bank setzt neben meine Tochter. Wir m\u00fcssen die L\u00fcsternen abschrecken, indem wir die T\u00e4ter bestrafen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eIch \u2013 bin keine Strafe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU steht in gro\u00dfer Freude vor dem Tod:<br>\u201eHier passiert was ganz Dolles!: Hier sagt mal einer seine Meinung, der sonst nie auftritt und immer alle stumm in sich hineinfrisst. Auf den m\u00fcssen wir h\u00f6ren!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL steht hinter dem Tod, leise, suggestiv, beschw\u00f6rend:<br>\u201eTod, Herr Tod, Gevatter, Exzellenz, die Jurisprudenz braucht Sie. Unterlaufen Sie nicht den Vertrag, der seit Menschengedenken gilt: Sie sind die M\u00fcllkippe f\u00fcr das, was uns zerst\u00f6ren will. Das gilt im Krieg, \u2013 das gilt im Frieden.\u201c<br>Er weist auf Tutou:<br>\u201eDer will das Unkraut wachsen lassen, bis wir alle dran ersticken. Wenn die totale Anarchie ausbricht, werden Sie sich auch \u00fcberfressen und r\u00fclpsen, keine geregelten Mahlzeiten. Lassen Sie sich r\u00fchren: Tod im Namen des Gesetzes ist besser. Nehmen Sie die Strafe an, Gevatter, ich beschw\u00f6re Sie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD:<br>\u201eIch bin keine Strafe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL wendet sich w\u00fctend ab, umkreist den Tod:<br>\u201eSie sind doch vielleicht ein Schei\u00dfkerl! Ich bin keine Strafe, ich bin keine Strafe!\u2026 Ihre Selbstsicherheit \u00fcber das, was Sie sind, kann uns v\u00f6llig egal sein! H\u00f6ren Sie auf zu l\u00e4cheln! Wir wollen Angst! Und Sie fallen uns da nicht in den Arm!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD ist aufgestanden und f\u00e4llt dem General steif in den Arm:<\/p>\n\n\n\n<p>DER GENERAL h\u00e4lt ihn m\u00fchsam, sehr erschrocken:<br>\u201eWas soll denn das jetzt wieder?! Der Tod spielt Ohnmacht oder sich selbst. Warten Sie, ich f\u00fchre Sie ab.\u201c<br>Er f\u00fchrt in ans obere Ende der Schr\u00e4ge. Dort st\u00fcrzt er mit dem Tod ab, schreiend.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Ein riesiger Krach.\/<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU rennt nach hinten:<br>\u201eGeneral, den Schl\u00fcssel, wir brauchen den Schl\u00fcssel!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER TOD erscheint auf irgendeinem Podest in strahlendem Licht:<br>\u201eDer General verf\u00fcgt \u00fcber keinen Schl\u00fcssel mehr.\u201c<br>Er verschwindet im Dunkel.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber wie kriege ich meinen Mann da raus?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Eine w\u00fcste Rock-Musik.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EINE HORDE anarchischer junger Zerst\u00f6rer st\u00fcrmt \u00fcber die Schr\u00e4ge und zertr\u00fcmmert den K\u00e4fig, die beiden M\u00f6belst\u00fccke und rast wieder ab. Manche rei\u00dfen sich noch Masken von Maskenball ab und spielen damit Fu\u00dfball. Der Stahlrohrsessel des Todes bleibt dabei unversehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieweit und wie viel dies noch Tanz ist, sei dahingestellt. Das Hochgef\u00fchl der Anarchie muss vielleicht noch choreographiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE DREI JUNGEN LEUTE aus dem fr\u00fcheren entre act waren dabei und sitzen pl\u00f6tzlich im Eisenbahnabteil.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Anarchie der Musik verebbt und l\u00e4sst \u00fcbrig, was nun Eupa begleitet. Das ist gewiss alles andere als Ruhe nach dem Sturm. Es ist der Anfang eines Neuen, aus dem Chaos geborenen und immer noch chaotisch genug: Schuld in der Freiheit, eine kaum zu ertragende Spannung.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der T\u00e4nzer, tanzt; ja, er tanzt, ein anderes Ausdrucksmittel ist kaum vorstellbar, auf den Knien, auf den F\u00fc\u00dfen, wieder zusammenbrechend, momentweise regungslos am Boden, dann momentweise strahlend aufgerichtet, auch in Dankeskorrespondenz zu Tutou, \u2013 tanzt in seine, wie Tutou es nannte: Freiheit der Gefangenschaft. Er verl\u00e4sst die B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik endet.\/<\/p>\n\n\n\n<p>LAUTSPRECHERDURCHSAGE, defekt, von Rauschen begleitet, Silben, Laute sind gekappt, wie Querstriche im folgenden Text andeuten:<br>\u201eZum Nahver-ehrszug nach Eu-opa bitte \u2013nsteigen und T\u00fc-n schlie\u00dfen \u2013icht selbstt\u00e4t-\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU stolpert \u00fcber die Tr\u00fcmmer der Schr\u00e4ge, schnappt sich seinen Rucksack und rennt zu seinem Abteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorhang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3087\">Eupa und Ro \u2013 Peters Podehls Kommentar von 2010<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3094\">Eupa und Ro \u2013 Titel und Personen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3106\">Eupa und Ro \u2013 Szene 1 \u2013 EINLEITUNG<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3124\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 1 und Szene 2 \u2013 BILDENDE KUNST<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3129\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 2 und Szene 3 \u2013 OBDACHLOSIGKEIT<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3142\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 3 und Szene 4 \u2013 MASKENBALL<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3160\">Eupa und Ro \u2013 Szene 5 \u2013 PROZESS<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3173\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 4 und Szene 6 \u2013 GRENZSTATION<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Eupa und Ro * Szene 5 POZESS *** Szene 5 PROZESS \/Gong.\/ Das Licht im Zuschauerraum erlischt. \/Gong.\/ Vorhang auf Gef\u00e4ngnis, eine Zelle auf der Schr\u00e4ge mit T\u00fcr und Schloss, aus Gitterst\u00e4ben ringsherum mehr ein K\u00e4fig, ein Dach drauf, das bei geringem Anliften die Gitterst\u00e4be freigibt, so dass sie laut polternd zusammenst\u00fcrzen. Ein gewaltiger [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":3087,"menu_order":12,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3160","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3160"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3160\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4497,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3160\/revisions\/4497"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}