{"id":3173,"date":"2024-07-03T15:17:24","date_gmt":"2024-07-03T15:17:24","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3173"},"modified":"2026-02-19T12:06:18","modified_gmt":"2026-02-19T12:06:18","slug":"eupa-und-ro-entre-act-4-szene-6-grenzstation","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3173","title":{"rendered":"Eupa und Ro &#8211; Entre act 4 &#8211; Szene 6 &#8211; GRENZSTATION"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Eupa und Ro<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">*   <\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Ente act 4 und Szene 6<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\"><strong>GRENZSTATION<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">***<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Entre act 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, im Gang, behindert vom aufgeschnallten Rucksack, macht die T\u00fcr auf zu seinem Abteil, ohne gleich zu merken, wer drin sitzt, will den Rucksack abmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 schlie\u00dft die T\u00fcr gleich wieder:<br>\u201eBesetzt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU erkennt die Diebe:<br>\u201eHei, ihr seid doch die \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN \u00f6ffnet die T\u00fcr:<br>\u201eKannst ruhig reinkommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU emp\u00f6rt sich, geht dann rein:<br>\u201eTut doch nicht so d\u00e4mlich! Ich wei\u00df doch ganz genau, dass ihr mir meinen Zaster geklaut habt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eNa und?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, einigerma\u00dfen verbl\u00fcfft:<br>\u201eWas hei\u00dft Na und?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eViel war das ja nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eHast du Hunger?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa, klar, und ihr seid die Diebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eSags doch dem Schaffner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDer Zug hat keinen Schaffner mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1, ganz logisch:<br>\u201eNa siehste. Was willstn machen gegen uns Drei?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eGibt ja wohl noch Bahnpolizei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eDie hat andere Sorgen als deine paar lausigen Kr\u00f6ten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eSie r\u00e4umt die Kiffer ab. Im hintersten Wagen ist einer am Krepieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>LAUTSPRECHERDURCHSAGE, weiterhin defekt:<br>\u201eZ-\u00fcckblei-en!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein m\u00e4chtiger<\/p>\n\n\n\n<p>\/eigentlich nur akustischer Ruck, akzelerierend (von G\u00fcterbahnh\u00f6fen bekannt, wenn ein Zug zusammengeschoben wird und die Puffer aufeinander knallen)\/<\/p>\n\n\n\n<p>l\u00e4sst<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU samt Rucksack auf.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN fallen, das sehr bereitwillig die Arme \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, eigentlich etwas deplaciert:<br>\u201eOh, entschuldige bitte!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN, gen\u00fcsslich, scharf auf Tutou:<br>\u201eBrauchst dich doch nicht entschuldigen. Bleib sitzen, aber mach das Ding ab.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt den Rucksack ab und verstaut ihn im Gep\u00e4cknetz.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eDamals war der Rucksack kaputt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDer h\u00e4lt jetzt f\u00fcr immer und ewig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eUndn Apfel haste mir geschenkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDie sind alle.\u201c<br>Er wei\u00df nicht, was er mit der Aufforderung, sich auf ihren Scho\u00df zu setzen, tun soll.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN weidet sich breit grinsend daran, dann:<br>\u201eKomm. Trau dich. Bist jan Leichtgewicht. Da hatte ich schon ganz andere S\u00e4cke auf mir drauf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU muss auch grinsen, z\u00f6gert, schaut Jungen 1 an, aber da kommt kein Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eWillst du mir weh tun?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU spontan, ehrlich:<br>\u201eNein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN, dunkelstimmig:<br>\u201eDann setz dich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU setzt sich auf ihren Scho\u00df, was durch seine Verlegenheit nicht ganz ohne Komik abgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN hat, was es zun\u00e4chst wollte und bleibt ganz indifferent.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1, nach einer Pause, unerwartet:<br>\u201eSteh auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU m\u00f6chte rational bleiben:<br>\u201eAber sie hat doch extra gesagt \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1, unzug\u00e4nglich:<br>\u201eSteh auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU tut das, leise kopfsch\u00fcttelnd.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eWas gehorchstn dem \u2013 wien Hund mit angelegten Ohren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU l\u00e4chelt verlegen, schaut aus dem Fenster.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eSiehst sch\u00f6n aus, wenn du grinst. Brauchst du gar nicht so geil aus dem Fenster zu glotzen. Bist du schwul?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU findet das eher eine Zumutung:<br>\u201eNein!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eH\u00e4tt ja sein k\u00f6nnen. M\u00f6chte wissen, warum du dich dann nicht setzt?\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eIch kann die Schwulen nicht leiden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIch sag doch: bin ich nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eDann tu, was sie sagt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat einige M\u00fche mit der Irrationalit\u00e4t:<br>\u201eAber du hast mir doch eben erst ges- \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 schneidet ihm das Wort pampig ab:<br>\u201eWenn du meine Puppe nicht sch\u00f6n findest, setz ich dir Sterne auf die Augen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU muss sich dauernd rechtfertigen:<br>\u201eAber ich find sie ja sch\u00f6n!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eEcht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, ehrlich, l\u00e4chelnd:<br>\u201eEcht\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eMann, dein L\u00e4cheln \u2013 das h\u00e4lt ne Weile vor\u2026 Dicker, wenn der sich nicht bald setzt, musst du mir ihn weich klopfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 steht nach kurzer Pause auf, rei\u00dft das M\u00e4dchen hoch, schubst Tutou auf die Bank, das M\u00e4dchen auf seinen Scho\u00df:<br>\u201eDa hast du. Aber halt ihn dir fest.\u201c<br>Er setzt sich wieder.<br>JUNGE 1 steht nach kurzer Pause auf, rei\u00dft das M\u00e4dchen hoch, schubst Tutou auf die Bank, das M\u00e4dchen auf seinen Scho\u00df:<br>\u201eDa hast du. Aber halt ihn dir fest.\u201c<br>Er setzt sich wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN, h\u00fcbsch zweideutig:<br>\u201eDanke, Dicker, ich werd mich annageln.\u201c<br>Sie wendet sich Tutou zu, gurrt:<br>\u201eSo kommt man zu was.\u201c<br>Sie entdeckt das Kreuz an der Kette, die er um den Hals tr\u00e4gt:<br>\u201eVon wem hastn das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas hab ich gefunden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN macht diese alberne langsame Lache:<br>\u201eHa-ha-ha-ha \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eEcht-\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eDas hast du von irgend einer Gisela oder Edeltraut.\u201c<br>Sie schiebt es in seinen Nacken:<br>\u201eDa hinten h\u00e4ngt das auch gut.\u201c<br>\u00dcbergangslos:<br>\u201eKannst bei mir wohnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, nicht eben geschickt:<br>\u201eGibt\u2019s denn in Europa keine Jugendherbergen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2, kichernd:<br>\u201eKlar \u2013 f\u00fcr junge Ratten ist die und junge L\u00e4use. Beim Herbergsvater kriegst du Klasse Stoff, der beste dealer in der Stadt, kein Beschiss, echt!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eH\u00f6r mal zu, du m\u00fcder Schlappi: Wenn ich dir sage: Kannst bei mir wohnen, dann laberst du nicht was von Jugendherberge! Ist das klar? K\u00fcss mich!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU tut das, etwas z\u00f6gerlich.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN genie\u00dft es:<br>\u201eMehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU tuts noch mal.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eDu bist doch schwul.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, wieder verlegen-emp\u00f6rt:<br>\u201eNein! aber ich \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eNa was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIch h\u00e4tts gern alleine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN logisch:<br>\u201eHab doch gesagt, kannst bei mir wohnen. Aber son bisschen Vorspiel m\u00f6chte hier schon sein\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa, fein \u2013 aber dein Dicker\u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eSag noch mal Dicker zu mir!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eDer pr\u00fcgelt mich nachher sowieso.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, einigerma\u00dfen entsetzt:<br>\u201eWas?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eKlar. Du gehst, der bleibt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas ist mir aber \u2013 das m\u00f6chte ich nicht \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eKann ich mir vorstellen. Aber da f\u00fchrt kein Weg raus. Du bist schuld. K\u00fcss mich, damits die Pr\u00fcgel wert ist.\u201c<br>Sie bedient sich leidenschaftlich.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE schwanken zu Junge 1 r\u00fcber:<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 wird\u2019s zu viel, greift zu:<br>\u201eHe, wenn du nicht schwul bist, steh ab von meiner Puppe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU verteidigt sich etwas schofel:<br>\u201eIch doch nicht! Wer sagt denn hier andauernd: K\u00fcss mich!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eVerr\u00e4ter! F\u00e4ngst ja fr\u00fch an, mich zu entt\u00e4uschen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU geht nicht darauf ein, zum Jungen 1:<br>\u201eDu hast mich doch selbst auf sie geschubst!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1:<br>\u201eUnd jetzt sag ich: Steh ab!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU will sich rasch befreien, die T\u00fcr \u00f6ffnen:<br>\u201eLasst mich hier raus!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN kniet auf Tutous Scho\u00df:<br>\u201eHei! Pfoten weg!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eDie T\u00fcr da f\u00fchrt direkt aufn Bahndamm!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU versteht nicht:<br>\u201eWas? Aber der Zug \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eDas ist schon lange kein Zug mehr. Fahrn blo\u00df nochn paar Abteile.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber du hast doch vorhin gesagt, im letzten Wagen ist einer am Krepieren?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eDas war der Kurswagen zur H\u00f6lle. Du willst doch nach Europa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2:<br>\u201eBistu hier richtig\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN hat viele Kaugummis ausgewickelt, steckt Tutou einen in den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWas ist das?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eKaugummi.\u201c<br>Es steckt ihm ziemlich rabiat viel in den Mund.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wehrt sich:<br>\u201eHe! H\u00f6r auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eHast doch gesagt, du hast Hunger. Wer meine K\u00fcsse nicht will, dem f\u00fctter ich meinen Kaugummi\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDeine K\u00fcsse sind mir lieber.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eGlaub ich dir nicht. Hast mich ja verraten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU gesteht ein:<br>\u201eJa, war nicht gut, entschuldige. So \u2018ne lady wie dich \u2013 die verr\u00e4t man nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN animiert:<br>\u201eHast du lady gesagt? Du verw\u00f6hnst mich\u2026\u201c<br>Sie \u2013 ja ich wei\u00df, es m\u00fcsste korrekterweise Es hei\u00dfen, aber hier kann ich nicht anders, als auf das Neutrum pfeifen \u2013 sie schmiegt-kuschelt sich in seine Umarmung.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1, sehr gereizt und gef\u00e4hrlich, steht auf, rei\u00dft das M\u00e4dchen weg, rei\u00dft Tutou hoch, steht aggressiv vor ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ist zuerst sehr erschrocken, nach kurzer Pause l\u00e4chelnd:<br>\u201eSchlag zu, du kannst es besser als ich\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN, hingerissen:<br>\u201eSchlag zu, sagt der und l\u00e4chelt\u2026!\u201c<br>Sie trennt die Beiden:<br>\u201eDicker, du l\u00e4sst dein Messer stecken! Den habe ich noch lange nicht ausgelutscht. Der geht, du bleibst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 sinkt mit einem frustrierten:<br>\u201eOh nein!\u2026\u201c<br>auf die Bank.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2 kichert schadenfroh los.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 haut ihm eine rein.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 2 schreit auf, will ihm eine zur\u00fcckschlagen, erkennt seine Machtlosigkeit, die Hackordnung:<br>\u201eAu Mann, das kostet die Bundesbahn wieder ne Ausbesserung!\u201c<br>Er holt sein Messer raus und schneidet die Polster auf.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN nimmt die Arme des Jungen 1 hoch, setzt sich auf seinen Scho\u00df, stellt die Beine angewinkelt auf den mittleren freien Platz, legt seine Arme um sich:<br>\u201eKannst schlafen, Dicker.\u201c<br>Es wird Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN erz\u00e4hlt:<br>\u201eEs war einmal ein M\u00e4dchen, das hatte einen kleinen Finger dran. Sagte ein Mann: \u201aNa und?\u2019 Sagte sie: ,Der ist ein Wunder, der kleine Finger.\u2019 Da wollten sie heiraten, aber das ging nicht. Sagte sie: \u201aEs gibt blo\u00df wenig gute Ohren auf der Welt.\u2019 Aber wohnen wollten sie. Da klingelten sie \u00fcberall an den T\u00fcren und schwupp: hatten sie f\u00fcnfzehn Wohnungen, eine hier, eine da, eine bei der Ampel, den anderen einfach weggeschnappt. Wer zuerst kommt, wohnt zuerst, sagte die Bausparkasse. Da mussten sie auf einen Maskenball gehen, der dauerte sehr lange und deshalb h\u00f6rte ihre Liebe nie auf, niemals. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, nach kurzer Pause, ohne sich zu r\u00fchren:<br>\u201eWer hat dir das erz\u00e4hlt?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eEin alter Mann aufm Bahnhof, ehemaliger Str\u00e4fling, Frauenm\u00f6rder, und den General hat er auch gekillt, eiskalt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWo ist der?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN:<br>\u201eHab ich doch gesagt: aufm Bahnhof, der Rangierer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Attacca VIOLETTAS klagendes<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEupa!\u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht der Vorhang auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Szene 6<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>GRENZSTATION<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Szene steckt bis zum Ende immer wieder auch Komik. Es mag mieslich sein, so etwas hinzuschreiben, aber vielleicht ist es eine Lesehilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Nacht. Es ist Winter. Spuren von Eis und Schnee \u00fcberall, einige unordentlich zusammengekehrte Haufen alten Schnees.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sehr viel Abfall liegt herum: Papier, Plastik, Apfelsinenschalen, Essensreste in Alufolie, Getr\u00e4nkedosen. Auf der Schr\u00e4ge Gleise, teilweise rostig unbenutzt, ein, zwei Weichen, von Hand zu bedienen. Schotter, auch Schotterhaufen. Das setzt sich auf der Projektion fort, gibt der Szene Tiefe; auf der Projektion vielleicht ein ausgebranntes Waggongerippe, eine abgetakelte Lokomotive.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechts ist die Grenze, hermetisch verschlie\u00dfende Mauer, die H\u00f6he ragt weit in den Theaterhimmel, ist nicht abzusehen, Stacheldrahtrollen, spanische Reiter und andere, eher absurd wirkende Hindernisse. Die Grenze wird im Laufe der Szene durchbrochen. Das Bahnhofsgeb\u00e4ude und der eigentliche Bahnsteig sind jenseits der Mauer zu denken, hier steht am oberen Ende der Schr\u00e4ge eine k\u00fcmmerliche Baracke.<\/p>\n\n\n\n<p>Inmitten der Gleise eine sehr kleine, vergammelte, improvisiert zusammengebastelte H\u00fctte, schief, in der der Rangierer Eupa eigentlich nur sitzen kann, auf einem ehemals feudalen Ledersessel. Hinter ihm ein \u00d6fchen, f\u00fcr mehr ist gar kein Platz. Fenster in der T\u00fcr, die nach vorne aufgeht. Das Improvisierte ist auch immer wieder teilrenoviert, teilbemalert, verklebt, verpappt, vernagelt. Ein Haufen Kohle, ein unordentlicher Haufen Brennholz.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwo ein armseliges Bahnhofsschild \u201aEuropa\u2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer will, mag auch Spuren von Gem\u00fctlichkeit entdecken, zum Beispiel vermitteln vielleicht die im Wind schaukelnden und quietschende Lampen so etwas, oder der Rauch, der aus dem Schornstein der H\u00fctte steigt. Irgendwo etwas kahles Buschwerk, keine B\u00e4ume, aber viel langes, gelbes Gras, insbesondere vor der Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr unwirtlich ist die Grenzstation, und arm, die g\u00e4ngigen Investitionen haben sie nicht erreicht. Sie tr\u00e4gt alle Zeichen einer jahrzehntelangen Improvisation. Nur die Hinnahme durch die Bediensteten und die Bewohner lassen sie schlie\u00dflich auch als Lebensraum erkennen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3177\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-300x225.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-768x576.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/6-Der-Bahnhof-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erwin Hahs &#8211; Eupa und Ro: Der Bahnhof &#8211; B\u00fchnenbild zu Szene 6<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist b\u00f6ig windig, alles Lose bewegt sich immer wieder und scheppert.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vom Band immer wieder Windb\u00f6en.<\/p>\n\n\n\n<p>Keine pappige Bahnhofsschleife, nur gezielte Ger\u00e4usche, die meistens dramaturgische Bedeutung haben.\/<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, Krankenschwester in adrettem Wei\u00df (das einzige Adrette auf dieser Station) hat an einer d\u00fcnnen Schnur eine ziemlich gro\u00dfe Rot-Kreuz-Tasche f\u00fcr die Erste Hilfe \u00fcber die Schultern h\u00e4ngen. Um die Schulter zu entlasten, hockt sie meist so, dass die Tasche auf der Erde steht. Jetzt hockt sie vor der geschlossenen H\u00fctte und klagt laut:<br>\u201eEupa!\u2026\u201c<br>Nach kurzer Pause mosert sie rum:<br>\u201eIch verstehe das nicht!, ich verstehe nicht!\u2026 da haust er in dieser Hundeh\u00fctte. Drau\u00dfen nur Wohnungsnot weit und breit!\u201c<br>Laut:<br>\u201eIch biete dir an, \u2013 du ziehst zu mir: Ofen, Bett, Fernsehen, Bratkartoffeln!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der Schauspieler rei\u00dft die T\u00fcr auf, giftet raus:<br>\u201eHauen Sie endlich ab, Sie altes Reff!\u201c<br>Er ist ein alter Mann, kaum wiederzuerkennen unter der tief ins Gesicht gezogenen M\u00fctze, in dem weiten kittelartigen Rangiermantel, alles alt und schmierig-schmutzig. Er tr\u00e4gt derbe Schuhe, dicke F\u00e4ustlinge, eine Trillerpfeife h\u00e4ngt ihm um den Hals, in einem Halter auf der Brust steckt eine brennende Karbidlampe zum Signalisieren. Er rei\u00dft die T\u00fcr gleich wieder zu.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, laut, \u00e4rgerlich:<br>\u201eF\u00fcr wen du dich aufsparst, \u2013 das m\u00f6chte ich wissen!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA klebt sein Gesicht von innen an die Scheibe, bissig:<br>\u201eF\u00fcr den Tod!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA geht nach hinten weg, schimpfend:<br>\u201eNa warte mal: Wenn Ihnen mal was passiert, und Sie auf meine Erste Hilfe angewiesen sind!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>LAUTSPRECHERSTIMME, kaputt:<br>\u201eEin- Durch-age: Der E-opanah-kehrs-xpress wird voraus-tlich vierundzwanzig Jahr- versp\u00e4t- ein-reffen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, ehemals der Zugschaffner, kommt auf der anderen Seite der H\u00fctte von hinten vor. Zwar tr\u00e4gt er rote M\u00fctze und Krawatte, aber der wei\u00dfe Hemdkragen sitzt miserabel. Und sein Uniform-Wintermantel wird nur noch von einem Knopf zusammengehalten, der ziemlich weit unten \u00fcbrig geblieben ist, oben klafft er weit. Er hat einen Stock mit Spitze und eine lange Zange in der Hand, wie sie Leute benutzen, die Bahnk\u00f6rper von Abf\u00e4llen s\u00e4ubern.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, als sie ihn zur H\u00fctte gehen sieht, dreht um, hockt sich nicht weit weg hin.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER sieht sie nicht gleich, macht die T\u00fcr der H\u00fctte auf, die der Wind ihm aus der Hand rei\u00dft und weit offen l\u00e4sst:<br>\u201eGuten Abend, Herr Eupa!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA rei\u00dft die T\u00fcr gleich wieder zu.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER macht sie wieder auf:<br>\u201eHe, warum machen Sie denn die T\u00fcr wieder zu?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA macht sie zu.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eHerr Eupa, ich als Ihr Vorgesetzter \u2013 !\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE rangeln um die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA steht auf, nestelt am Verschluss der Tasche.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, schlie\u00dflich:<br>\u201eAber ich bringe Ihnen etwas Wunderbares! Hier, die gro\u00dfe Arbeitserleichterung, ganz neu, kaum gebraucht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA beendet den T\u00fcrkampf, schaut sich das an.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA hockt sich wieder hin.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER f\u00fchrt die Zange vor:<br>\u201eHier!, ohne B\u00fccken, \u2013 damit k\u00f6nnen Sie \u2013 \u201c<br>Er entdeckt Violetta, nerv\u00f6s:<br>\u201eWas hocken Sie denn schon wieder hier rum?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, eher weinerlich:<br>\u201eWeil es keine Lederriemen gibt! Die Tasche ist schwer, die Schnur frisst sich in die Schulter. Wenn ich hocke \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER unterbricht und vollendet gereizt:<br>\u201e \u2013 tr\u00e4gt die Erde das Gewicht der Tasche. Ich wei\u00df es auswendig! Warum Sie nicht in der Mission am Ofen beten, das will ich wissen!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eWeil es bei der letzten Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Herrn Eupa zu T\u00e4tlichkeiten gekommen ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER will abwiegeln:<br>\u201eJa, aber heute \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eIch musste Pflaster setzen. Wenns brenzlig wird, stehe ich auf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eAber heute doch nicht, wo ich Herrn Eupa diese wunderbaren Ger\u00e4tschaften \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA steht auf.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, genervt:<br>\u201eWarum stehen Sie denn jetzt auf?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA zeigt auf Eupa:<br>\u201eDa k\u00f6nnte Blut flie\u00dfen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA hat sich die Stockspitze an die Gurgel gesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER rei\u00dft ihm den Stock aus der Hand:<br>\u201eHe, das ist f\u00fcr Papier!\u201c<br>Er piekt Papier auf:<br>\u201eHier, so, so, so \u2013 wird die Grenzstation endlich picobello sauber.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, wird muffig:<br>\u201eOhne mich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, \u00e4rgerlich:<br>\u201eNat\u00fcrlich Sie, wer denn sonst?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIch doch nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER f\u00fchrt die Ger\u00e4te euphorisch vor:<br>\u201eAber mit diesen Hilfsmitteln ist es doch ein Kinderspiel \u2013 schwupp und schwupp! \u2013 im Handumdrehen haben Sie all die Pizza-Reste in der Zange, die H\u00e4nde bleiben sauber. Kein B\u00fccken mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, nicht ganz logisch:<br>\u201eIch b\u00fcck mich doch nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER reagiert auch nicht gerade logisch:<br>\u201eJetzt wird es anders.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eNichts wird anders.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eKinderleicht. Ich als Vorgesetzter \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, r\u00fcckt genervt die Fakten zurecht.<br>\u201eMann, dass du das nicht kapierst!: Mit der bl\u00f6den Zange wird doch nicht was leichter, was ich noch nie gemacht habe!\u201c<br>Er zwickt ihn in die Wade.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eHe, lassen sie meine Wade in Ruhe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA will Violetta am Busen zwicken:<br>\u201eWarum? Violetta will Blut\u2026!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA wehrt sich lachend:<br>\u201eHe! H\u00f6r auf!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eLassen Sie Schwester Violetta in Ruhe!\u201c<br>Zu Violetta:<br>\u201cUnd Sie lachen nicht bei so was!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eSo gut war ich noch nie zu der!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER nimmt ihm die Zange weg:<br>\u201eEupa, ich verlange, \u2013 ich ordne an, \u2013 wir pflanzen Blumen, die Reisenden werden gerne ankommen.\u201c<br>Er h\u00e4lt ihm beide Ger\u00e4te hin:<br>\u201eDer Dreck muss weg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA vermufft mehr und mehr:<br>\u201eIch bin Rangierer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, die Augen zum Himmel:<br>\u201eMan k\u00f6nnte glauben, dass Sie den Dreck lieben \u2013 \u201c<br>Er rutscht aus und f\u00e4llt hin:<br>\u201eAua! Weil Sie den Schnee so schlampig beseitigen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA setzt sich in seinen Sessel, wird immer leiser:<br>\u201eIch bin Rangierer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA ist zum Stationsvorsteher gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER bellt sie an:<br>\u201eFassen Sie mich nicht an! Ich bin nicht verletzt!\u201c<br>Er steht auf:<br>\u201eHerr Eupa, ein letztes Mal \u2013 \u201e<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIch bin Rangierer.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eAber mit diesen Luxus-Ger\u00e4tschaften \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA f\u00e4llt w\u00fctend aus:<br>\u201eAber mit diesen Ger\u00e4tschaften \u2013 \u201c<br>Er rei\u00dft ihm den Stock aus der Hand, zielt mit der Spitze auf seine Gurgel, dr\u00e4ngt ihn an die H\u00fcttenwand.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER hat die Zange fallen lassen, erstarrt:<br>\u201eHilfe! Schwester Violetta! Wieso greifen Sie nicht ein!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA ist aufgestanden und wirkt bereit:<br>\u201eErst wenn Blut flie\u00dft. Es steht nichts in meinen Vorschriften, Blutgie\u00dfen zu verhindern. Polizist bin ich keiner.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, angenagelt:<br>\u201eEupa, h\u00f6ren sie auf, die Sache geht vor Gericht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schmei\u00dft den Stock hin:<br>\u201eDa war ich schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER muss Dampf ablassen, eher leise gemein:<br>\u201eDer alte M\u00f6rder schimmert eben doch immer wieder durch\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA hockt sich wieder hin.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER auch davon genervt:<br>\u201eSchwester Violetta, k\u00f6nnen sie nicht die f\u00fcnf Minuten stehenbleiben, die wir noch zu reden haben?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA mault aggressiv:<br>\u201eF\u00fcr Ihr Gequatsche lass ich mir doch nicht die Schulter anfaulen!<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, weiter aggressiv zu Eupa:<br>\u201eSie sollen den Helm tragen bei der Arbeit auf den Gleisen der Grenzstation! Wie oft habe ich Ihnen das schon gesagt!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIch bin Rangierer auf der Endstation. Und ich b\u00fcck mich nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eUnd es hei\u00dft Grenzstation!, und das habe ich Ihnen auch schon tausendmal gesagt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wird wieder leiser, aber eklig:<br>\u201eEndstation.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eGrenz \u2013 Grenz \u2013 Grenz! Eines Tages verschwindet die Mauer wie ein Spuk, reges Fahren der Z\u00fcge hin und her, darauf m\u00fcssen wir immer vorbereitet sein! Da tr\u00e4gt man Helm!\u201c<br>Er holt unter Rumw\u00fchlen den Helm aus der Bude, setzt ihn Eupa auf die M\u00fctze:<br>\u201eDer wird von Ihnen aufgesetzt auf der Grenzstation!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schmei\u00dft den Helm weg:<br>\u201eAbgesetzt auf der Endstation\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER setzt ihn ihm wieder auf:<br>\u201eAuf Grenzstation!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schmei\u00dft den Helm weg:<br>\u201eAb, Endstation!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER will ihn ihm wieder aufsetzen, kategorisch<br>\u201eAuf-ge-setzt \u2013 Grenz-sta-tion\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wehrt sich handgreiflich.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA steht auf, bereit.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER l\u00e4sst ab:<br>\u201eWenn dieses Reff von Violetta aufsteht, kann ich nicht mehr raufen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA haut den Helm wie einen Fu\u00dfball weg.<\/p>\n\n\n\n<p>LAUTSPRECHERDURCHSAGE:<br>\u201eDer \u2013ersp\u00e4tete Eu-a-nah-kehrs-press wird in weni- Min-ten auf dem Abstellgl-s \u2013nfahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Ger\u00e4usch eines einfahrenden Zuges wird immer lauter.\/<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA geht ans obere Ende der Schr\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER will auch gehen, sieht aber, dass:<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA sehr bed\u00e4chtig Papier aufpiekst.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, schon wieder gestresst:<br>\u201eEupa!, der Europanahverkehrsexpress!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA piekst versonnen Papier:<br>\u201ePicobello\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eAber doch nicht jetzt, wo Sie den Europanahverkehrsexpress \u2013 !\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDie Reisenden werden gern ankommen\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eEupa!, ich flehe Sie an! Es gibt ein Ungl\u00fcck!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eEr fleht mich an!\u2026 Und der Dreck?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER nimmt ihm die Ger\u00e4te weg:<br>\u201eDas hat doch Zeit! Gehen Sie arbeiten, tun Sie Ihre Pflicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA rennt ans obere Ende der Schr\u00e4ge, holt die Lampe raus:<br>\u201eBist du schuld, wenn der Bahnhof dreckig bleibt!\u201c<br>Er gibt mit der Lampe Signale, die nicht sehr sinnvoll wirken, und wird von<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, dem T\u00e4nzer, abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER schmei\u00dft die Ger\u00e4te weg, rennt ans obere Ende der Schr\u00e4ge, emp\u00f6rt:<br>\u201eDer Mann kostet mich den letzten Nerv!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Musik zu einer Springprozession mit Gep\u00e4ckst\u00fccken, wahrscheinlich ein harter beat mit monotonen Wiederholungen, der dem eher schwerm\u00fctigen Tanz rhythmische Akzente gibt.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Das Abteil f\u00e4hrt mit seinen Fahrg\u00e4sten in die Grenzstation ein. Kurz darauf f\u00e4hrt noch eine Plattform von links nach rechts mit<\/p>\n\n\n\n<p>REISENDEN, T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern, darauf und sehr vielen Gep\u00e4ckst\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA stellt Weichen, pfeift, gibt Lichtsignale, durchaus t\u00e4nzerisch.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE DREI JUNGEN LEUTE und TUTOU steigen aus, ziemlich sp\u00e4t, und integrieren sich ans Ende des nachfolgenden Zuges der<\/p>\n\n\n\n<p>REISENDEN, die tanzend \u00fcber die Gleise gehen und nach hinten weg in die Baracke oder daneben. Aber: sie haben zwischen vier und acht Gep\u00e4ckst\u00fccke, jeder. Also tragen sie erstmal zwei St\u00fccke vor, verschieden weit, gehen\/tanzen zur\u00fcck und holen das n\u00e4chste Paar, wieder vor, wieder zur\u00fcck, zwischen den Gleisen, auf dem Schotter nicht ganz einfach. Ob sie sich zum Zur\u00fcckgehen umdrehen oder ob sie r\u00fcckw\u00e4rts tanzen, sei dahingestellt. Auf der Schr\u00e4ge entsteht eine Hin- und Her-Mechanik, keine Durcheinander-Hektik; alle wissen, was sie zu tun haben. Eupa ist \u00fcberall und zwischendurch als Rangierer t\u00e4tig und tanzt am Ende fast unbemerkt mit ab. Die Reisenden sind eher billig gekleidet und wirken wie Lastentr\u00e4ger, wie sie \u00fcber die ganze Breite der Schr\u00e4ge nach Europa ziehen. Das d\u00fcnnt dann aus, die mit den meisten Gep\u00e4ckst\u00fccken brauchen am l\u00e4ngsten.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE DREI JUNGEN LEUTE haben auch etliche Gep\u00e4ckst\u00fccke und tanzen als letzte ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik d\u00fcnnt auch dementsprechend aus.\/<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN setzt ein Kofferpaar ab und dreht sich um.<\/p>\n\n\n\n<p>JUNGE 1 ist hinter ihr und schl\u00e4gt ihr ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN heult auf, st\u00fcrzt \u00fcber Koffer zu Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA eilt zu dem M\u00e4dchen und hilft ihr.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ist auch in die Springprozession geraten, hat sich alles etwas verwundert angesehen. Jetzt eilt er zum Tatort, wird aber gar nicht zur Kenntnis genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN rappelt sich auf und umarmt Jungen 1 traurig-fl\u00fcchtig:<br>\u201eDicker, ich bin froh, dass ich dich jetzt wieder ganz habe\u2026\u201c<br>Sie holt ihre letzten Gep\u00e4ckst\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE DREI JUNGEN LEUTE und VIOLETTA gehen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU steht sehr nachdenklich, sehr verloren da.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER ruft ihn an:<br>\u201eHaben sich die Ankunft in Europa schicker vorgestellt, was?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU schaut ihn an.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER geht zu ihm, um guten Eindruck bem\u00fcht, nestelt deshalb im Folgenden viel an seinem klaffenden Mantel:<br>\u201eEs ist Nacht, es ist kalt, und es ist der lausigste Bahnhof der Welt. Ich hei\u00dfe sie dennoch willkommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU kann ja mit dem Schicksal des M\u00e4dchens noch nicht fertig sein:<br>\u201eWird hier viel gepr\u00fcgelt?\u201c<br>Er geht zur Mauer.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eDas will ich meinen: der Auslauf fehlt \u2013 man st\u00f6\u00dft an die Grenze, dreht sich um und schl\u00e4gt zu. Ich erkenn Sie an dem Rucksack, den haben wir zusammen repariert.\u201c<br>Er ist Tutou nachgegangen:<br>\u201eTja, hier wollten Sie also her. Haben mich damals immer nach Europa gefragt, wann wir ankommen und so \u2013 Und ich wusste immer nicht Bescheid. Jetzt sind Sie am Ziel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWas ist hinter der Mauer?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eMan kann sich doch denken, was dahinter ist: Lauter Minen, jeder Schritt eine Explosion.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWar hier immer Grenze?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eWo denken Sie hin? Hier, k\u00f6nnen Sie selber sehen, dass die Mauer direkt auf die Schienen gesetzt ist. Mein Herr Vorg\u00e4nger bedauerte noch, dass so wenig Z\u00fcge hier halten. Jetzt enden alle hier. Das eigentliche Bahnhofsgeb\u00e4ude liegt da dr\u00fcben, desgleichen der Bahnsteig, gibt alte Fotos, schwarz-wei\u00df: sehr stattlich, eine herrliche Magnolie im Bahnhofsgarten. Und so soll es ja auch eines Tages wieder werden. Kaiser Wilhelm hat ihn ja h\u00f6chstselbst eingeweiht und immer wieder zu benutzen geruht, wenn er zur Jagd ins Revier kam. Das waren Zeiten!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eSie w\u00e4ren gern woanders?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eManchmal tr\u00e4ume ich, Bahnhofsvorsteher in Bad Gastein zu sein\u2026 Andererseits: es ist nicht allzuviel zu tun hier \u2013 aber es dauert immer alles lange \u2013 alles \u2013 immer \u2013 die Versp\u00e4tungen zum Beispiel \u2013 \u201c<br>Er stolpert heftig \u00fcber einen Holzscheit:<br>\u201eAu! Verdammt noch mal! Seit Winteranfang l\u00e4sst er sein Holz hier rumgammeln.!\u201c<br>Er beginnt, es ordentlich zu schichten angesichts der Menge ein albernes Beginnen:<br>\u201eNie ist das so sch\u00f6n geschichtet, wie auf den schmucken Bauernh\u00f6fen im Unterland.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eSie haben sich \u00fcber Eupa zu beklagen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER hat f\u00fcr eine Weile sein Buh-Mann-Thema:<br>\u201eNur!, Nur!\u2026\u201c<br>Er h\u00f6rt auf, Holz zu schichten:<br>\u201eWas mach ich mir seine H\u00e4nde dreckig?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIst er nicht gef\u00e4hrdet hier in der H\u00fctte direkt auf den Schienen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER erkl\u00e4rt fachm\u00e4nnisch:<br>\u201eKucken Sie sich den Rost an. Solange die Grenze zu ist, rollt auf dem Gleis keine Achse. Sie kennen ihn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa \u2013 von fr\u00fcher\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eDann werden Sie auch sein Vorstrafenregister kennen. Nach wie vor gemeingef\u00e4hrlich. Jedes Gespr\u00e4ch \u2013 ich fange immer ganz ruhig an \u2013 am Ende Gewalt\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWarum lassen Sie ihn nicht abl\u00f6sen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eNee. Zwei Gr\u00fcnde: Hier rauf in unser ewiges Chaos w\u00fcrden sie uns nur den letzten Ramsch von Rangierer schicken. Zweitens: Eupa mag menschlich \u2013 naja \u2013 aber er rangiert: \u2013 das beste an Rangierer, was ich in meiner ganzen Laufbahn kennen gelernt habe. Der riecht, wann die Z\u00fcge kommen. Waggons, auf denen nichts draufsteht, h\u00e4ngt er an die richtige Partie. Immer hat er Bremskl\u00f6tze und Reservebremskl\u00f6tze zur Hand. Und wie der mit den ewigen Versp\u00e4tungen klarkommt \u2013 unser Fahrpl\u00e4ne taugen doch nur als Klopapier.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas wollte ich sie dauernd fragen: Wieso diese irren Versp\u00e4tungen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eSeit wir keine Generaldirektion mehr haben, \u2013 hat auch seine Vorteile, aber ich habe Jahre gebraucht, bis ich der Anarchie etwas Liebe entgegenbringe konnte, Jahre\u2026 sie wissen von der Ermordung des Generals?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wei\u00df es anders:<br>\u201eErmordung?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eNun ja, ein Frauenm\u00f6rder ist da nicht pingelig. Der geht auch auf M\u00e4nner, und wenn sie noch so dick sind. Und dann dieser skandal\u00f6se Freispruch \u2013 was hei\u00dft Freispruch?: wenn man den Generalstaatsanwalt einfach ermordet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU pocht darauf:<br>\u201eIch bin Zeuge, dass es anders war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eWas streite ich mit Ihnen in einer Winternacht \u00fcber ein oder zwei Morde, die l\u00e4ngst verj\u00e4hrt sind, wo ich selbst auch schon l\u00e4ngst Dienstschluss habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWie komme ich denn jetzt weiter? Ich meine \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eWeiter? Hier kommt man nicht weiter\u2026 Anschluss finden Sie allemal auf der Bahnhofsstra\u00dfe. Oder Sie \u2013 wie nannten Sie das?: Sie poofen da in Ihrem Abteil. Gute Nacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eGute Nacht. Und vielen Dank.\u201c<br>Er geht ins Abteil. Tut den Rucksack ins Gep\u00e4cknetz und legt sich hin.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA kommt rasch, schaut sich um und hockt sich hinter die H\u00fctte.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der Schauspieler kommt so, dass er Violetta nicht sieht, verstaut die Lampe im Brusthalter, geht an seiner H\u00fctte vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA schie\u00dft vor, bissig:<br>\u201eF\u00fcr wen du dich aufsparst, \u2013 das m\u00f6chte ich wissen!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA ist sehr erschrocken, bellt zur\u00fcck:<br>\u201eF\u00fcr den Tod!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA geht w\u00fctend ab:<br>\u201eNa warte, wenn dir mal was passiert, wenn du auf meine Erste Hilfe angewiesen bist\u2026!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA brummt:<br>\u201eAltes Reff!\u2026\u201c<br>Er geht zum Abteil, will es mit der Schulter schieben, entdeckt Tutou und weckt ihn sehr unsanft:<br>\u201eRaus hier!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU berappelt sich m\u00fchsam:<br>\u201eHe, was denn los?!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eRaus! Endstation!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber der Stationsvorsteher hat extra gesagt \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eUnd das Polster aufgeschnitten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas war ich nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA eklig, bedrohlich, zu Handgreiflichkeiten bereit:<br>\u201eWirds bald?!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa ja, ich geh ja\u2026\u201c<br>Er greift seinen Rucksack, sein Gesicht ger\u00e4t in den Schein der Karbidlampe.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA erkennt das Gesicht, h\u00e4lt es einen Augenblick in den behandschuhten H\u00e4nden, dann:<br>\u201eRaus!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt den Rucksack auf den R\u00fccken und steigt aus.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schiebt das Abteil mit dem R\u00fccken nach links ganz von der Szene; an der schr\u00e4gen Stemmlage des K\u00f6rpers wird deutlich, wie schwer das ist. Dann kommt er zur\u00fcck, geht ganz nah an Tutou vorbei, bleibt abrupt stehen, geht zur\u00fcck, h\u00e4lt ihm die Lampe vor die Nase, dreht sich ganz weg, wieder zur\u00fcck, leuchtet ihn wieder an. Hat was Clowneskes.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat sich nicht bewegt, leise:<br>\u201eIch will zu dir\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA breitet ganz weit die Arme aus:<br>\u201eWillkommen \u2026\u201c<br>Er leuchtet ihn wieder an:<br>\u201eDu frierst ja!\u2026\u201c<br>Er pustet die Lampe aus, steckt sie in den Halter, entwickelt eine fieberhafte Umsorgung, dreht Tutou an den Schultern um die eigene Achse, fasst an den Rucksack:<br>\u201eDer Morgenduft kriegt Frost \u2013 !\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDie sind alle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eQuatsch! Ein Duft ist niemals alle!\u2026\u201c<br>Er hat Tutou an der Hand gefasst und zerrt den Verdutzten zu seiner H\u00fctte, rei\u00dft ihm hastig den Rucksack ab, schubst ihn in den Ledersessel, haut die T\u00fcr zu.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU \u00f6ffnet sie etwas:<br>\u201eWir Turnschuh-Touristen sind Sommerkinder, wei\u00dft du \u2026?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA haut die T\u00fcr zu, klaubt rasch viel Holz zusammen, rei\u00dft die T\u00fcr auf und bullert das Holz \u00fcber den armen Tutou hinweg in den Ofen.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Ofenbullern, unrealistisch laut.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sei hier gesagt, dass bis zum Ende der Szene einige unrealistisch laute, \u00fcberh\u00f6hte, verfremdete Ger\u00e4usche wichtige dramaturgische Beweger sind.\/<br>Rauch deutlich aus dem Schornstein.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schlie\u00dft die T\u00fcr, hockt sich davor.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU \u00f6ffnet sie.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA haut sie zu.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hustet, lachend:<br>\u201eHe, es wird zu hei\u00df, ich ersticke!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA st\u00fcrzt sich wieder \u00fcber Tutou an den Ofen:<br>\u201eDie Drosselkappe ist kaputt. Es ist alles kaputt. Gastgeber Eupa ist kaputt.\u201c<br>Er piekt drei St\u00fccke Apfelsinenschale auf und h\u00e4lt sie Tutou hin, nicht ohne Eleganz:<br>\u201eApfelsinenschale ist das Einzige was ich anzubieten habe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt etwas verwundert ein St\u00fcck:<br>\u201eDanke \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA nimmt ein St\u00fcck, h\u00e4lt es an die Nase, knickt es:<br>\u201eWenn man sie so knickt, gibt es einen Duft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU macht es ihm nach:<br>\u201eSie gibt das Letzte her, was sie noch hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA hockt-lehnt sich an die H\u00fctte, genie\u00dft eine fl\u00fcchtige Gem\u00fctlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eEupa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eJa?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eWir sind ein Gespr\u00e4ch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, mit kleinem Vorbehalt:<br>\u201eJa, \u2013 aber nicht viel reden \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, nicht ganz aufmerksam, uneinsichtig:<br>\u201eDoch, wir haben viel zu erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA sch\u00fcttelt den Kopf, leise:<br>\u201eNichts erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU hat den Einwand nicht registriert:<br>\u201eEs ist gar nicht so lange her, \u2013 l\u00e4sst sich in Stunden messen \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schaut hoch, mit Sorge:<br>\u201eDer Vorhang, \u2013 dieser graue Schleier geht hoch \u2026 Halt!: Der hatte doch sein Gutes!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA ist aufgetaucht und hockt schon einige S\u00e4tze lang hinter ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wendet sich ihr zu, als sp\u00fcrte er sie.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, sehr leise, eigentlich nett:<br>\u201eF\u00fcr wen du dich aufsparst, \u2013 das m\u00f6chte ich wissen..!.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eF\u00fcr den Tod.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA geht.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA zu Tutou:<br>\u201eMit dem Tod kann ich ihr immer den Mund stopfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eReden wir nicht vom Tod., \u2013 wo kann ich schlafen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIch nehme dich als Logierbesuch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU w\u00e4gt den Innenraum der H\u00fctte ab:<br>\u201eAber \u2013 es ist sehr eng bei dir \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eIch schiebe dein Abteil hier ran, ganz nah.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIch habe das Abteil sehr geliebt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, eher erstaunt \u00fcber die eigene Euphorie:<br>\u201eWir flicken das Polster.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAber brauchst du nicht die Gleise hier drum rum?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWir setzen das Abteil auf das H\u00fcttendach.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAu ja, der Salon im ersten Stock!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA lacht:<br>\u201eSalon ist gut!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIm Salon sind drei Pl\u00e4tze. Wenn wir erz\u00e4hlen, ist eine dabei, die auch gerne lachte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, wei\u00df, wen Tutou meint, will die Unverbindlichkeit retten:<br>\u201eVioletta lacht nicht gerne.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIch meine Ro.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA springt auf, stopft Tutou rasch seine M\u00fctze in den Mund, steht dann abgewandt.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, die M\u00fctze in der Hand:<br>\u201eDer Name ist doch nicht im Grab. Wenn man von einer Toten nicht mehr spricht, stirbt sie ja noch mal! Ich wei\u00df, es tut weh\u2026 Eupa, komm, lass mich nicht immer wieder als der b\u00f6se Unschuldige dastehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA wendet sich ihm zu, gibt ihm die Hand:<br>\u201eDu bist ein lebensgef\u00e4hrlicher Gast.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU nimmt die Hand arglos.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA rei\u00dft ihn brutal aus dem Sessel, setzt sich rein:<br>\u201eDie H\u00fctte geht auch als Sarg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU steht verwundert, verletzt:<br>\u201eAber Eupa, ich \u2013 \u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA nicht mehr zug\u00e4nglich:<br>\u201eTodesengel, hau ab!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU wendet sich betroffen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA greift die Stange mit dem Pieker, h\u00e4lt ihn sich an die Gurgel, will die T\u00fcr zumachen, sieht etwas in Tutous Nacken:<br>\u201eTodesengel, bleib stehn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU will sich umdrehen.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDreh dich nicht um. Im Schatten deiner Fl\u00fcgel \u00fcberdauert das Kreuz mit dem Gott.\u201c<br>Er geht hin und k\u00fcsst es fl\u00fcchtig:<br>\u201eKein ganz schlechter Abgang. Es ist vorbei.\u201c<br>Er macht die T\u00fcr zu.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, ohne sich zu r\u00fchren:<br>\u201eWer sagt &#8216;vorbei&#8217; auf einer B\u00fchne, die nur Wandlung kennt? \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Erschreckend, ohrenbet\u00e4ubend lauter Mauerdurchbruch, dem kurz hohe Geigen vorausgegangen sein m\u00f6gen.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mauer bricht auf, vollkommen unrealistisch, in Zeitlupe. Und nach dem ersten Krachen lautlos, riesige Brocken st\u00fcrzen ganz langsam herunter. Es entsteht ein Durchbruch. Durch ihn rollt ebenso lautlos und ganz langsam ein G\u00fcterwagen mit Dach und geschlossener T\u00fcr. Darauf steht untereinander gro\u00df: \u201aAbgangsbahnhof: Bestimmungsbahnhof: Art der Ladung: \u2018<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA ist von dem L\u00e4rm aufgeschreckt, aus der H\u00fctte gest\u00fcrzt, gibt mit der Lampe Zeichen, stellt fest, dass sie nicht brennt, wirft sie weg, sucht fieberhaft Bremskl\u00f6tze, gibt mit den H\u00e4nden Zeichen, rennt hin und her, vor und zur\u00fcck, schaut auch sehr aufmerksam nach links, pr\u00fcfend, was der weiterrollende Wagen anrichten k\u00f6nnte, ist furchtlos wie Buster Keaton, pfeift auf der Trillerpfeife ganze S\u00e4tze, stellt Weichen sorum und gleich wieder andersrum. Er will mit ausgebreiteten Armen den doch bedeutend gro\u00dfen Wagon aufhalten:<br>\u201eHalt! Ich habe keine Bremskl\u00f6tze! Das gibt ein Ungl\u00fcck, \u2013 da hinten! \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Damit hat er sich umgedreht, der Waggon haut Eupa um, f\u00e4hrt auf seine H\u00e4nde und steht. Er hat vorher Eupas H\u00fctte umgefahren und zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schreit schmerzgepeinigt.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU war l\u00e4ngst aus der Gefahrenzone geflohen. Jetzt will er zu Eupa st\u00fcrzen, wird aufgehalten vom<\/p>\n\n\n\n<p>lautlosen Aufgehen der Waggont\u00fcr und glei\u00dfendem Licht und der<\/p>\n\n\n\n<p>\/kr\u00e4ftig einsetzenden Musik: Auferstehung, Vers\u00f6hnung, Gnadenvorgang, nicht weniger, sicher von gro\u00dfem Ernst, aber noch viel mehr Liebe, auch erinnerungsseelig, -trunken, Reminiszenzen an die Geburt \u2013 dies ist ja Wiedergeburt! Auf dem lausigsten Bahnhof der Welt, inmitten von Tr\u00fcmmern einer Mauer, die zu unser aller Heil bersten musste.\/<\/p>\n\n\n\n<p>RO, die T\u00e4nzerin, steht im Waggon, in strahlendem Licht, grauhaarig, sch\u00f6n, heiter, in weitem Reisemantel.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der T\u00e4nzer, kommt unter dem Waggon hervor, hilft Ro galant von der Ladefl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE tanzen das Wunder der Vers\u00f6hnung (h\u00e4ngt sprachlich an S\u00fchne), ernst, aber gewiss auch komisch und unbeholfen, denn die Protagonisten sind alt geworden. Man ist bei der Wiedergeburt, beim H\u00e4uten immer \u00e4lter und scheiternsge\u00fcbter als bei der Geburt. Eine Hebung etwa, die nicht klappt, weckt keinen Zorn, sondern r\u00fchrt durch Lachen und wird vollendet sch\u00f6n aufgel\u00f6st. Nichts ist perfekt, aber alles ist Liebe. Auch st\u00f6ren Tr\u00fcmmer, Gleise und Schotter. Nein: Sie st\u00f6ren eben nicht! Die Harmonie der Einheit, des Einsseins wird wieder hergestellt, Eros und Agape. Dann f\u00fchrt Eupa Ro wieder zum Waggon zur\u00fcck, hilft ihr hinein, verschwindet darunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Waggont\u00fcr geht lautlos zu, das Licht erlischt.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Die Musik endet.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, der Schauspieler, schreit.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU st\u00fcrzt zu ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER, mit M\u00fctze und Mantel, aber ohne Hosen, kommt angest\u00fcrzt:<br>\u201eNat\u00fcrlich Eupa! Der Unentbehrlichste auf der ganzen Grenzstation! Und das am Sonnabend!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA kommt angest\u00fcrzt:<br>\u201eWo? Was? Wer?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eHier unter dem Waggon! Eupa!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eDen Waggon schieben! Ein St\u00fcck dalang!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>ALLE DREI bewegen den Waggon etwas in Richtung Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Dazu jetzt Ger\u00e4usch: R\u00e4derquietschen\/<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eWaggonschieben war immer seine Sache. Wo hat er Bremskl\u00f6tze? Nie hat er Ordnung gehalten!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU sichert die R\u00e4der:<br>\u201eSind genug Mauersteine da.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA macht die \u00fcblichen, ersten, notwendigen Notfall-Checks:<br>\u201eEr lebt \u2013 Kopf unversehrt \u2013 Beine in Ordnung.\u201c<br>Sie fasst die Arme an.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA schreit-st\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eAber die H\u00e4nde!\u201c<br>Sie breitet die Arme aus:<br>\u201eSo lagen die Handgelenke auf den Schienen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAls Bremskl\u00f6tze.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eEr muss runter vom Schotter.\u201c<br>Sie leistet allererste Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eIn den Waggon.\u201c<br>Er rennt zur T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eVorsicht, Explosionsgefahr! Wer wei\u00df, was von da dr\u00fcben kommt!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU \u00f6ffnet die T\u00fcr:<br>\u201eIch wei\u00df es.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Dazu jetzt T\u00fcrger\u00e4usche.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA richtet sich unter St\u00f6hnen etwas auf.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eEr richtet sich auf. Junger Mann mit den Turnschuhen, helfen Sie!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER will helfen.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eSie nicht, Sie haben ja nicht mal Hosen an!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>DER STATIONSVORSTEHER:<br>\u201eIch wundere mich schon die ganze Zeit, wieso mir so kalt ist.\u201c<br>Er rennt weg, findet die Lampe:<br>\u201eDie Lampe! Eupa!, so gehen Sie mit dem Ihnen anvertrauten Gut um!\u201c<br>Fast im gleichen Atemzug:<br>\u201eDa dr\u00fcben bl\u00fcht die Magnolie. Vielleicht ist es da dr\u00fcben warm genug ohne Hose!\u201c<br>Er rennt durch die Mauer ab.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA und TUTOU, je einen Arm Eupas um die Schulter, tragen ihm zum Waggon.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eVorsicht, die Handgelenke. So wird er mich nie wieder umarmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>BEIDE betten Eupa in den Waggon.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, ohne den Kopf zu wenden:<br>\u201eWer steht da?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA schaut rum:<br>\u201eWo? Niemand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, zunehmend erregter:<br>\u201eDoch, da in der Ecke\u2026!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA legt die Hand auf seine Stirn:<br>\u201eSie haben ja die Augen gar nicht auf. Sie fiebern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWer steht da im Dunkel?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eDer Waggon ist leer. Was soll schon von da dr\u00fcben kommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU, leise:<br>\u201eIch wei\u00df schon, wen er meint, aber \u2013 der Name ist Tabu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, leise, aber schrecklich unverstanden:<br>\u201eIch will wissen, wer da steht\u2026!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, so traurig, wie es ihr nur m\u00f6glich ist:<br>\u201eAch, Eupa, nun werden wir Sie doch in eine Anstalt einliefern m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA findet das erl\u00f6sende Wort:<br>\u201eSie kann ja stehenbleiben, aber sie darf nicht weggehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sanftes Licht im und aus dem Waggoninnern.<\/p>\n\n\n\n<p>RO, die Schauspielerin, kommt in die offene T\u00fcr des Waggons, hockt sich zu Eupa, nimmt seine rechte Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, \u00e4ngstlich, aber sehr behutsam:<br>\u201eObacht, die Handgelenke!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA, in gr\u00f6\u00dfter Erregung:<br>\u201eDu h\u00e4ltst mich bei meiner rechten Hand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eGib deinen Kopf in meinen Scho\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA tut noch nichts dergleichen, ruft, auf seine Weise entz\u00fcckt, zu Zeugen:<br>\u201eLuft, Luft, Waggon, Schienen, Signale, Schotter und Sterne \u2013 H\u00f6rt ihr, was vorgeht?: Das ist ihre Stimme, \u00e4lter geworden, viel \u00e4lter!\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eDen Kopf in meinen Scho\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>ALLE helfen dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA, ohne Bosheit:<br>\u201eDu hast mich angeschwindelt, Eupa, du hast gar nicht auf den Tod gewartet, sondern auf die da\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, mit kleinem Stirnrunzeln:<br>\u201eWer ist die Dame?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eKannst du mir verzeihen, Schwester Violetta?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>VIOLETTA:<br>\u201eVerzeihn ja, aber ich kann es nicht mit ansehen.\u201c<br>Sie geht ab, \u00fcber die Schr\u00e4ge nach hinten weg.<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eNun liegt zwischen der Welt und mir wieder dein Angesicht wie ein untr\u00fcgliches Spiegelbild.\u201c<br>Sie streichelt seine Haare:<br>\u201eSo grau bin ich also geworden.\u201c<br>Sie streichelt sein Gesicht:<br>\u201eSo von Falten gezeichnet die Z\u00fcge. Ich brauche die Brille.\u201c<br>Sie setzt eine Brille auf und forscht in seinem Gesicht:<br>\u201eJaja, \u2013 da ist sogar noch etwas Schalk im linken Augenwinkel h\u00e4ngen geblieben!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eHattest du da dr\u00fcben einen Fahrplan?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eEs gibt dr\u00fcben keinen Fahrplan. Nur Wartes\u00e4le voller Frauen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWorauf warten sie. Ab sofort ist alles grenzenlos.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eAlle Versp\u00e4tungen integriert. Die Anarchie wird hin- und herfluten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eWer ist der Herr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eAlter Bekannter. Wir haben vorhin so gelacht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO, wieder mit kleinem Stirnrunzeln:<br>\u201eIhr habt gelacht \u2013 ohne mich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eJa, \u00fcber den Salon im ersten Stock.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eIn meinen Tod hinein habt ihr gelacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eVielleicht haben wir durch das Lachen \u2013 \u2026 Er hat extra noch gesagt: Da ist dann eine dabei, die auch so gerne lachte. Aber du warst gar nicht dabei. Aber jetzt bist du dabei. Hast du auch alle deine kleinen Finger mit?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eZwei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eDas gen\u00fcgt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eWer ist der Herr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eAlter Bekannter. Blo\u00df wei\u00df ich seinen Namen nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO lacht:<br>\u201eVon alten Bekannten wei\u00df man doch den Namen! Helmut oder Hartmut \u2013 irgendwas mit Mut.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU:<br>\u201eNein, ich hei\u00dfe Tutou, weil -: In meinem T u rnschuhen t u ich alles f\u00fcr euch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eTutou, in meiner Tasche findet sich von altersher ein St\u00fcck Kreide.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO findet die Kreide und gibt sie Tutou.<br>\u201eSchreibe den Segen auf unser Haus.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU schreibt hinter die drei Doppelpunkte der Waggonbeschriftung mit gro\u00dfen Lettern das Wort \u201aEUROPA\u2018.<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eWenn ich sicher gewesen w\u00e4re, dass du kommst, h\u00e4tte ich die Grenzstation piccobello sauber gemacht.\u201c<br>Er schreit aufgekratzt:<br>\u201eHerr Stationsvorsteher, ich sag auch nie wieder Endstation!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU gewichtig schreibend:<br>\u201eDer ist dr\u00fcben bei der Magnolie.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\/Ab hier singen bis \u00fcber den Vorhang hinaus irgendwelche Instrumente.\/<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eNun ist die Welt wieder unser. Sie ist nicht besser geworden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>RO:<br>\u201eSie ist besser geworden um unser armseliges Brautbett. Aber wer soll diesen Kasten Liebe auf sich nehmen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>EUPA:<br>\u201eDie Gemeinde, von der wir nicht wissen wie gro\u00df sie ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>TUTOU ist fertig mit Schreiben, er geht zur Rampe, spricht gefasst und voller Freude:<br>\u201eWei\u00dfe Kreide, leichter Griffel sei uns gn\u00e4dig. Von Kreta bis Island, von Nowaja Semlja \u2013 jaja, so weit \u2013 bis Kastilien beschrifte die H\u00e4user des Kontinents. Ich breche dich und werfe die St\u00fccke wie Sternenstaub in die Hand eines Jeden!\u201c<br>Er hat die Kreide zerbrochen und mit gro\u00dfem Schwung \u00fcber die Rampe geworfen. Er rennt zu seinem Rucksack, haut ihn sich um. Der Rucksack geht kaputt und entl\u00e4sst ein Geflecht gro\u00dfer silberner Kugeln, die nach oben gezogen werden, w\u00e4hrend er davonl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>DAS M\u00c4DCHEN ist angerannt gekommen, hilft die Kugeln zu entwirren:<br>\u201eUnd da hat er doch glatt gesagt, die \u00c4pfel w\u00e4rn alle\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Licht weg. Die Kugeln schimmern.<\/p>\n\n\n\n<p>Langsamer Vorhang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3087\">Eupa und Ro \u2013 Peters Podehls Kommentar von 2010<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3094\">Eupa und Ro \u2013 Titel und Personen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3106\">Eupa und Ro \u2013 Szene 1 \u2013 EINLEITUNG<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3124\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 1 und Szene 2 \u2013 BILDENDE KUNST<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3129\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 2 und Szene 3 \u2013 OBDACHLOSIGKEIT<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3142\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 3 und Szene 4 \u2013 MASKENBALL<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3160\">Eupa und Ro \u2013 Szene 5 \u2013 PROZESS<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3173\">Eupa und Ro \u2013 Entre act 4 und Szene 6 \u2013 GRENZSTATION<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Eupa und Ro * Ente act 4 und Szene 6 GRENZSTATION *** Entre act 4 TUTOU, im Gang, behindert vom aufgeschnallten Rucksack, macht die T\u00fcr auf zu seinem Abteil, ohne gleich zu merken, wer drin sitzt, will den Rucksack abmachen. 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