{"id":3401,"date":"2024-10-11T06:42:02","date_gmt":"2024-10-11T06:42:02","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3401"},"modified":"2025-02-24T17:55:50","modified_gmt":"2025-02-24T17:55:50","slug":"hatte-die-sache-nicht-mit-einem-knall-begonnen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3401","title":{"rendered":"H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen&nbsp;<br><br>***<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">dann w\u00e4re alles ganz anders verlaufen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=958\">zur\u00fcck zu Peters kleine Geschichten<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jagdszene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen, w\u00e4re alles ganz anders verlaufen. Verlaufen n\u00e4mlich, genau, verlaufen h\u00e4tten sich Zorn, Gesetz, Diebstahl, sogar Kassenfehlbestand, wie man so sch\u00f6n sagt, im Sande. Leider kam es im Gegenteil zu einem ganz unanst\u00e4ndig langen langen Laufen \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der Knall schreckte den Polizisten Rumpert aus der Ruhe seines friedlichen Reviernachmittags, Reviersamstagnachmittags.<\/p>\n\n\n\n<p>Karlinke, sein Widerpart, war mit der Logik eines Berufsverbrechers, die, wie er selber zugeben w\u00fcrde, einer besseren Sache wert gewesen w\u00e4re, vorgegangen. Die von ihm ben\u00f6tigte Menge Geldes war so gering, dass sie sich nicht hinter Panzerplatten verbergen musste, andererseits so um 100 Mark herum, also gewiss in verschlossener Schatulle.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Taschendieben fehlte ihm jede Erfahrung, es sollte auch kein richtiger Einbruch sein, also kleinstes Risiko, zum Erreichen eines limitierten Zieles.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geringste Gefahr, entdeckt und verpfiffen zu werden, w\u00e4hnte Karlinke bei einem vorsichtigen Einsteigen in die an diesem Nachmittag geschlossene Nebenstelle des Amtes f\u00fcr \u00f6ffentliche Ordnung, die in den R\u00e4umen des Reviers untergebracht war und wo sich seiner Sch\u00e4tzung nach eine richtig gef\u00fcllte Schatulle f\u00fcr die von reisew\u00fctigen B\u00fcrgern vereinnahmten&nbsp; Passgeb\u00fchren befinden m\u00fcsste. Alles stimmte \u00fcbrigens, die Schatulle war nicht nur da, sondern enthielt auch 101 Mark und drei\u00dfig Pfennige, wie sich sp\u00e4ter herausstellte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Karlinke stieg durchs Fenster ein, das sich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht aufdr\u00fccken lie\u00df. Die T\u00fcr zum Revierkorridor, man bedenke, stand offen. Karlinke nahm\u2019s&nbsp; mit einem verwunderten Blinzeln seiner hellwachen Augen wahr. Die Schatulle war bald entdeckt und nicht weniger bald entwendet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sah Karlinke die T\u00fcr sich bewegen. Er stand wie gel\u00e4hmt, denn er vermutete Menschenh\u00e4nde von hinter der T\u00fcr, aber es war der Wind, das himml-, der Zug, der die T\u00fcr mit grausam sich steigender Rasanz ins Schloss jagte. Es gab einen f\u00fcrchterlichen Knall, der aufw\u00fchlend durch den Revierkorridor hallte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rumpert kannte den Knall. In den Dienststunden des Amtes, insbesondere vor sommerlichen Gewittern, wenn der vorauseilende Wind aufkommt, hatte es schon zuweilen gescheppert. Aber am dienstfreien Samstagnachmittag?<\/p>\n\n\n\n<p>Rumpert war seit 13 Jahren Polizist. In dieser Zeit hatte er nie jemanden verfolgt, bestraft oder angezeigt, zweimal jemanden verwarnt und bei einigen Parks\u00fcndern des \u00f6fteren ein Auge zugedr\u00fcckt. Dies waren seine einzigen Amtshandlungen. Er hatte niemals im Bahnhofsviertel oder in Seemannsgassen Dienst gemacht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er war mit all dem sehr zufrieden, wollte es nicht anders. Und das Schicksal hatte diesen Wunsch sonderbarerweise respektiert. Aus der Sicht Rumperts war die Kriminalit\u00e4t minimal, ansonsten alles in Ordnung, alles in Ordnung\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun dieser Knall, der Rumpert &#8211; es sei gestanden &#8211; aus einem in unz\u00e4hligen Stunden erprobten und sich bew\u00e4hrt habenden Dienstd\u00f6sen schreckte. In echt wachem Zustand h\u00e4tte er besonnener reagiert. Jetzt sprang er mit einem Satz auf, raste zum Knall- und Tatort, sah einen Mann mit einer Schatulle aus dem Fenster springen und sprang hinterher.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Er war aus einem D\u00f6sen \u00fcbergangslos in eine Verfolgung geraten. Dazwischen lag nicht der Bruchteil einer Sekunde f\u00fcr Nachdenkm\u00f6glichkeiten.&nbsp; Deshalb pappten pl\u00f6tzlich D\u00f6sen und Verfolgung, obgleich doch von so diametral entgegengesetztem Rhythmus, zu einem Klumpen bedenkenloser T\u00e4tigkeit zusammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Karlinke rannte, Rumpert rannte. Der Polizist war vom Erfolg seines Rennens so \u00fcberzeugt, dass er nicht die Aufmerksamkeit der Umwelt durch Rufen erweckte. Auch schoss es ihm durch den Kopf, dass ein Polizist schreienden Menschen beizustehen hatte, nicht aber selbst zu schreien habe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So gelangten sie durch die vornehme, \u00fcbrigens menschenleere Villenstra\u00dfe in den nahen Wald. Karlinke rannte langsamer, Rumpert noch langsamer, denn er war \u00e4lter. Das Polizeirevier verwaist. Der diensthabende Polizist verfolgte im Wald einen Schatullendieb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rumpert nahm jetzt doch die Stimme zu Hilfe: \u201cHe! Halt! Stopp! Heda! Stehenbleiben! Menschenskind! Im Namen des Gesetzes.\u201d Letztere Formulierung hatte er nicht aus der Dienstvorschrift, sondern aus einem Film. Er wusste gar nicht, was er rufen sollte. Er verfluchte, dass er in der Villenstra\u00dfe so zur\u00fcckhaltend still geblieben war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da h\u00e4tte er doch die Funkstreife anrufen lassen k\u00f6nnen. Hier erreichte seine Stimme nur den Kerl da vorne, der nicht reagierte. Und die Wipfel rauschten im gleichen Wind, der die T\u00fcr hatte zuknallen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Karlinke wurde die Schatulle beim Rennen zu schwer, er lie\u00df sie auf den Waldweg gleiten. Rumpert sah das nicht und stie\u00df mit den Zehen des linken Fu\u00dfes heftig gegen das Eisenblech. Er schrie so laut, dass es Karlinke schon wieder leid tat, auf der anderen Seite, war er froh, seinen Vorsprung vergr\u00f6\u00dfern zu k\u00f6nnen, denn der Wald \u00f6ffnete sich in ein tiefes Ackerfeld.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier nun h\u00e4tte Rumpert aufgegeben k\u00f6nnen. Was hei\u00dft aufgeben? Mit der Schatulle zur\u00fcckgehen, das Fenster schlie\u00dfen, die Schatulle an Ort und Stelle, im Dienstzimmer Platz nehmen, als sei nichts geschehen. Wer wollte das mit Aufgeben oder gar Niederlage gleichsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Zehenschmerz lie\u00df ihn weiter rennen, ja, entfaltete Rumperts Wut, dass er&nbsp; die Schatulle in die linke Hand nahm und mit der Rechten die Pistole aus der Tasche zog. Wahrhaftig eine Wandlung! Bisher hatte er nur bei regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcbungen auf Pappganoven geschossen, mit durchschnittlichem Erfolg. Jetzt nahm er zum ersten Mal ein lebendes Ziel aufs Korn. Komisch, wie dann pl\u00f6tzlich an so einem Wort ein Menschenleben h\u00e4ngen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Aufs-Korn-Nehmen wars dann \u00fcbrigens sehr schwierig, denn der Dieb wurde immer kleiner. Es lag nicht am Abstand, dass er zur Gr\u00f6\u00dfe eines Zehnj\u00e4hrigen zusammenschrumpfte. Dieses Ph\u00e4nomen stachelte Rumpert an. Der Abstand wurde k\u00fcrzer, der Dieb wurde kleiner. Rumpert dachte: Ich muss jetzt schie\u00dfen, wenn er noch kleiner wird &#8211; treffe ich ihn nicht mehr, wollte er folgern. Aber er folgerte: Ich kann doch nicht auf Kinder schie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Rumpert lie\u00df Pistole und Schatulle fallen und verk\u00fcrzte auf diese Weise den Abstand noch mehr. Hinzu kam, dass dem anderen mit jedem Schritt die Beine schrumpften. Rumpert verfolgte nunmehr auf dem riesigen Acker ein f\u00fcnfj\u00e4hriges Kind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rumperts Gef\u00fchle schlugen Purzelb\u00e4ume. Er&nbsp; f\u00fchlte sich schuldig, einen erwachsenen Mann in einen Schrumpfungsprozess gejagt zu haben. Mitleid mit dem m\u00fchsam \u00fcber die Ackerkrume stapfenden Dreij\u00e4hrigen zerriss ihm das ohnehin vom Rennen angegriffene Herz. Aber er lie\u00df nicht nach. Auf einen Schritt war er dran. Beim Zugreifen jedoch st\u00fcrzte er und fiel mit offenem Mund direkt ins Erdreich. Als er schnaubend und pustend aufblickte, kroch ein Baby auf allen Vieren \u00fcber die Ackerkrume davon, dem fernen fernen Horizont entgegen. Rumpert wollte ihm nach, es retten, sch\u00fctzen, heimbringen, in Schlaf singen und wiegen, mit seiner Jacke zudecken. Aber die ersch\u00f6pften Glieder versagten den Dienst, und das Baby wurde auch immer kleiner, immer kleiner, ein Punkt, nichts \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cDas gibts doch nicht,\u201d sagte Rumpert, \u201cdass einer einfach vom Verfolgen, vom Rennen, so abnimmt und sich in nichts aufl\u00f6st, &#8211; das gibt es doch nicht.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Er drehte sich um, weil er glaubte, der Dieb st\u00fcnde hinter ihm. Aber er war allein auf dem riesigen Acker\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Peters kleine Geschichtchen<\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=610\">Nur Einer!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2 Polizistengeschichten:<br><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3401\">H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen<\/a><br><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=2255\">Angela<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=955\">Drei Kilo Zucker<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3746\">Die Antwort auf der Stra\u00dfe<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen&nbsp; *** dann w\u00e4re alles ganz anders verlaufen zur\u00fcck zu Peters kleine Geschichten Jagdszene H\u00e4tte die Sache nicht mit einem Knall begonnen, w\u00e4re alles ganz anders verlaufen. 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