{"id":3936,"date":"2025-07-05T16:09:46","date_gmt":"2025-07-05T16:09:46","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3936"},"modified":"2025-07-05T21:21:48","modified_gmt":"2025-07-05T21:21:48","slug":"konig-gefangen-erster-akt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3936","title":{"rendered":"K\u00f6nig gefangen &#8211; Erster Akt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">K\u00f6nig gefangen<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Kom\u00f6die <br>von <br>Peter Podehl<br>\u00a9<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Personen der Handlung:<\/p>\n\n\n\n<p>ENZIO, <em>K\u00f6nig von Sardinien<\/em><br>LUCIA DA VIADAGOLA, <em>seine 1.* Geliebte<\/em><br>FRANCESCA DI GUIDA DEI LAMBERTINI, <em>seine 2.* Geliebte<\/em><br>KATERINA DA GALUZZI, <em>seine 11.* Geliebte<\/em><br>BIANCA DA GALUZZI, <em>seine 24.* Geliebte<\/em><br>SERVINELLA, <em>Bedienerin und Kupplerin<\/em><br>LAMBERTO DI GUIDA DEI LAMBERTINI, <em>Oberw\u00e4chter<\/em><br>MICHELE DEGLI ORSI, <em>W\u00e4chter<\/em><br>PIETRO ARSENELLI, <em>W\u00e4chter<\/em><br>ALBINGO DI EBUBO, <em>W\u00e4chter<\/em><br>EIN BAUMEISTER<br>EIN BAUMEISTERGEHILFE<br>EIN SOLDAT<br>EIN FASSTR\u00c4GER<br>EIN B\u00dcHNENARBEITER <em>aus unseren Tagen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>*Die Zahlen sind historisch nicht gesichert; Legenden munkeln, Enzio sei im Laufe seiner Gefangenschaft der Schattenvater von 24 vornehmen Bologneser Knaben und M\u00e4dchen geworden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ort und die Zeit der Handlung:<br><em>Die Stadt Bologna stand im Sommer 1249 vor der beispiellosen Aufgabe, die Kriegsgefangenschaft des K\u00f6nigs von Sardinien, Enzio, illegitimer Sohn des Stauferkaisers Friedrich II., zu organisieren. Das Ende der Vorbereitungsbem\u00fchungen ist der Anfang der Kom\u00f6die. Sie wiederum endet nach dem ersten und einzigen Fluchtversuch des Gefangenen, im Weinfass eines K\u00fcfers, November 1268.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>(Diesen Text sollte auch der Zuschauer im Programmheft lesen k\u00f6nnen.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Szene &#8211; die Kost\u00fcme:<br><em>Seitdem Enzios Gefangenschaft Geschichte geworden ist, hei\u00dft das .Geb\u00e4ude, in dem er einsa\u00df, bis zum heutigen Tag Palazzo di Re Enzio. Es steht im Zentrum der Stadt an der Piazza Nettuno.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Gef\u00e4ngnis im gel\u00e4ufigen Sinne ist das nicht. Ein Saal mit hohem Plafond, einem Fenster ohne Glas, daf\u00fcr ge\u00f6lte Leinwand in Rahmen, die zu \u00f6ffnen sind, und den Blick freigeben auf die vielen T\u00fcrme des mittelalterlichen Bologna, rechts eine schwere doppelfl\u00fcgelige T\u00fcr in dicker Mauer mit einem von au\u00dfen zu \u00f6ffnenden Fensterchen. In der N\u00e4he der T\u00fcr irgendeine Mauernische, die als Versteck dienen kann. Zun\u00e4chst ist das ziemlich sp\u00e4rlich m\u00f6bliert mit einigen Sitzgelegenheiten, einer Bank an der Hinterwand, davor ein Tisch. Zur T\u00fcr noch ein Wort: Ihr Schloss ist ein politisch brisantes Gef\u00e4ngnisschloss, dementsprechend l\u00e4sst sie sehr akzentuierte Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ungew\u00f6hnlich ist eine links in diesen Saal deutlich improvisiert reingebaute h\u00f6lzerne Schlafkammer mit veschlie\u00dfbarer kleiner T\u00fcr, ebenfalls mit einem nur vom Saal aus zu \u00f6ffnenden Fensterchen. In der Kammer steht eine karge Liege mit Decke und einigen Kissen. Alles tun, damit diese Kammer als Raum im Raum erscheint, die Symmetrie des Saales unterbrechend, nicht als Nebenzimmer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Schlafkammer hat einen separaten Vorhang, einen Theatervorhang, der nichts mit der gothisch-mittelalterlichen Szenerie zu tun hat. Wenn er \u00fcber die Schlafkammer f\u00e4llt, oder wenn er hochgeht &#8211; er sollte nicht seitlich gezogen werden -, scheppert es immer: eiserne Quasten oder Ketten oder sonstwas, die auf den B\u00fchnenboden poltern oder aneinander schlagen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kammer ist so gebaut, dass ein offensichtlich der Statik wegen erforderlicher Balken von etwa zehn Zentimeter H\u00f6he in der N\u00e4he der Kammert\u00fcr \u00fcber den Fu\u00dfboden des Saales verl\u00e4uft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu den Kost\u00fcmen &#8211; mehr noch als in dem Profanbau -: Gotik ist angesagt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Alle Frauen, au\u00dfer Servinella, die in den ersten beiden Akten schwarze oder graue grobe Stoffe tr\u00e4gt, sind mehr oder weniger pr\u00e4chtig gekleidet. Eng anliegend das Oberteil, weit und lang fallender Rock, von kostbarem G\u00fcrtel gehalten. Das Oberteil wird mit B\u00e4ndern, die durch viele Schlaufen gezogen werden, seitlich auf den K\u00f6rper geschn\u00fcrt, nicht viel anders, als wenn Damen unseres Jahrhunderts mittels Rei\u00dfverschl\u00fcssen in enge Kleider schl\u00fcpfen. (Eine Magd zum An- und Auskleiden war immer zur Stelle.) Kn\u00f6pfe sind Zierrat, das Knopfloch ist noch nicht erfunden. Die \u00c4rmel erlauben die Entfaltung von stoffverschwendendem Luxus: sehr weit und in vielen Bahnen wallend, die oft viel l\u00e4nger sind als der Arm. Diese Damen arbeiten nicht in der K\u00fcche und nicht am Waschtrog. Unter dem Kleid kunstvoll plissierte und verzierte Hemden oder Hemdchen. \u00dcber dem Kleid je nach Anlass der weite lange Mantel. Das Geb\u00e4nde ist der \u00fcbliche Kopfputz, vornehmlich das Zeichen der verheirateten Frau, seltener tragen es M\u00e4dchen: B\u00e4nder, Binden um Kinn, Stirn und Wangen verdecken viel vom Gesicht und sind gewiss unbequem.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die M\u00e4nnerkleidung ist bestimmt einerseits vom Typ Krieger und Ritter, also Reiter, andrerseits vom republikanischen Stadtadel. Also das mehr oder weniger kunstvoll verzierte Panzerhemd oder das meist knielange Kleid aus kostbaren Stoffen, dazu sind ebenfalls sehr aufw\u00e4ndige \u00c4rmel m\u00f6glich. Die M\u00e4nner tragen Bein, die Hosen liegen eng an wie Str\u00fcmpfe. Ihre Kleidung ist zuweilen vielf\u00e4ltig geschlitzt und mit andersartigen Stoffen oder Pelz unterf\u00fcttert.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Handwerker tragen grau oder schwarz ohne jeden Zierrat, der Soldat einen Helm zum leichten Panzer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Insgesamt: Das Mittelalter ist in den Szenerien und Kost\u00fcmen dieser Kom\u00f6die weder finster noch arm, noch im geringsten unkompliziert. Die Gotik brachte viel Licht in die H\u00f6he des Zeitalters.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ERSTER AKT<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Noch bevor der Vorhang aufgeht, setzt kr\u00e4ftiges Geh\u00e4mmer ein. Der Schepper-Vorhang ist nach oben weggezogen, die Fensterfl\u00fcgel stehen auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein sehr junger <\/em><strong>BAUMEISTERGEHILFE <\/strong><em>nagelt den Balken, der \u00fcber den Fu\u00dfboden verl\u00e4uft, fest. Der etwas feiste <\/em><strong>BAUMEISTER <\/strong><em>betrachtet r\u00fcckw\u00e4rts gehend sein Werk: die eingebaute Kammer. Die alte <\/em><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>eine verschlagene, schlagfertige Frau aus dem Volk, kehrt mit einem Reisbesen Baudreck zusammen, dass es staubt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>st\u00fcrzt \u00fcber den Balken, den GEHILFEN mitrei\u00dfend, Er schreit, steht dann m\u00fchselig auf:<\/em><br>Aua! Hols der Satan! Der Balken wird ein ewiger Stolperstein sein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>mit eher geheucheltem Mitleid:<\/em><br>Habt Ihr Euch wehgetan, Meister Bombardo?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER, <\/strong><em>grimmig:<\/em><br>Nein, ein Engel hat mir den Hintern gek\u00fcsst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE <\/strong><em>nagelt weiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER.<\/strong><br>Halt ein mit Nageln, Roberto. Wollen sehen, ob wir den Balken nicht entbehren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das untersucht er, den Holzbau abw\u00e4gend, daran r\u00fcttelnd, rechte Winkelma\u00dfe anlegend, ausmessend, auch eine Zeichnung kontrollierend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die beiden Fl\u00fcgel der gro\u00dfen T\u00fcr gehen mit Gepolter auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>EIN SOLDAT <\/strong><em>kommt reichlich gestelzt martialisch mit gezogenem Schwert durch die T\u00fcr, als erwarte er Jemanden; es kommt aber Niemand.<\/em><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>immer neugierig, fragt ihn:<\/em><br>Wisst Ihr nicht, wie er aussieht? Er soll sch\u00f6n sein &#8211; und blond&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>nimmt keine Notiz von ihr, geht ab, die T\u00fcr schlie\u00dfend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>kommt kopfsch\u00fcttelnd zu dem Schluss:<\/em><br>Der Balken muss bleiben, &#8211; es st\u00fcrzt sonst die ganze Kammer ein.<br><em>Zum GEHILFEN:<\/em><br>Nagel ihn fest f\u00fcr alle Ewigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE <\/strong><em>nagelt weiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>probt nochmal seinen Auftritt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diesmal kommen die vier Bologneser B\u00fcrger herein, die Enzio bewachen sollen: <\/em><strong>LAMBERTINO DI GUIDA DEI LAMBERTINI <\/strong><em>als Oberw\u00e4chter, ein schmallippiger, etwas verbiesterter Typ um die Mitte 40, mit einem Aktenb\u00fcndel; <\/em><strong>MICHELE DEGLI ORSI, <\/strong><em>kantig, undurchsichtig, Enddrei\u00dfiger; <\/em><strong>PIETRO ARSINELLI <\/strong><em>ist homosexuell, alle possenhaften Eigenschaften der Species stehen ihm nicht zur Verf\u00fcgung, er ist eher scheu, l\u00e4chelnsbereit, eine elegante Erscheinung, mit Enzio etwa gleichaltrig, um die 30; <\/em><strong>ALBINGO DI EBUBO, <\/strong><em>der j\u00fcngste, klein, behende, meist absichtsvoll lustig, manchmal aber auch unfreiwillig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>ist rausgegangen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>zum Soldaten:<\/em><br>Ah!, wird man so den Gefangenen begr\u00fc\u00dfen, mit blanker Waffe, brav!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>geht wieder raus, schlie\u00dft die T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>\u00e4rgert sich \u00fcber Servinella:<\/em><br>Servinella!, gleich ist er da!, und der Dreck liegt noch immer zuhauf!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>ist nie um eine Antwort verlegen:<\/em><br>Soll ich ihn fressen?! Ich hab nur zwei H\u00e4nde!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>zu seiner Begleitung, die er sich zu einem Zeremoniell ordnet:<\/em><br>Messere, so stellen wir uns auf, nachdem ich den k\u00f6niglichen Gefangenen hereingef\u00fchrt habe. Dann gehen wir r\u00fcckw\u00e4rts &#8211; dorthin &#8211;<br><em>Er weist zur Kammer:<\/em><br>Ich immer ein Schrittchen vor Euch, Ihr immer ein Schrittchen hinter mir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE W\u00c4CHTER <\/strong><em>gehen steif zeremoniell r\u00fcckw\u00e4rts und kommen<\/em> &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>beim Saubermachen in die Quere, die poltert:<\/em><br>He, Messeri!, soll ich Dreck wegputzen oder Eure Spielchen begaffen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINI <\/strong><em>l\u00f6st das Zeremoniell auf:<\/em><br>Mach erst sauber! Er ist ja gleich da!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>spielt komische Haltungen, Reisbesen einbezogen:<\/em><br>Wie soll ich dastehn, wenn der K\u00f6nig reinkommt? So? Oder so? Oder so?<em>&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>fertigt sie ab:<\/em><br>Du bist doch gar nicht dabei! L\u00e4ngst drau\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>begutachtet den Balken:<\/em><br>Das ist festgef\u00fcgt. Das ist Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE <\/strong><em>wird mit Nageln fertigt, r\u00e4umt das Handwerkszeug zusammen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>schaut aus dem Fenster, entz\u00fcckt:<\/em><br>Diese herrliche Aussicht auf unser herrliches Bologna&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schaut auch raus:<\/em><br>Viel zu sch\u00f6n f\u00fcr einen Kriegsgefangenen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>folgert albern:<\/em><br>Ich werde diese Sch\u00f6nheit mit dem Schwert durchbohren, herunterrei\u00dfen, zertrampeln &#8211; \u00c4h\u00e4<br><em>Dieses alberne \u201e\u00c4h\u00e4\u201c mit gro\u00dfem Tonsprung nach oben ist sein Kennzeichen. Jetzt ern\u00fcchtert er, denn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schaut ihn recht missbilligend an, nach kurzer Pause:<\/em><br>Ob es wirklich klug war, Euch, Messere di Ebubo, in dieses hohe W\u00e4chteramt zu w\u00e4hlen&#8230;? Was tut Ihr, wenn er aus dem Fenster springt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>reichlich verwundert:<\/em><br>Tut er das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>berharrt:<\/em><br>W e n n&nbsp;  er es tut!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>spielt den bl\u00f6den Helden:<\/em><br>Ich spring ihm nach und halte ihn unten fest, mit eisernem Griff &#8211; oder nein: Ich hefte ihn mit diesem Schwert ans Pflaster und &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>unterbricht indigniert:<\/em><br>Auf dem Pflaster liegt ihr beide zerschmettert, und Servinella muss Eure blutverschmierten Knochen zusammensuchen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGON <\/strong><em>schaudert\u2019s:<\/em><br>Oh nein!, so will ich nicht sterben&#8230; Er wird nicht springen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>probt noch einmal seinen Auftritt, geht dann wieder ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>geht w\u00e4hrenddessen in die Kammer:<\/em><br>O!, hier ist ja auch noch alles voll Dreck!<br><em>Sie schlie\u00dft die T\u00fcr und haut sich auf die Liege.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>ordnet nochmals das Zeremoniell:<\/em><br>Messere, ich immer ein Schrittchen vor Euch, ihr immer ein Schrittchen hinter mir. So gehen wir r\u00fcckw\u00e4rts, &#8211; dorthin.<br><em>Er zeigt zur Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE W\u00c4CHTERSCHAR <\/strong><em>geht, zeremoni\u00f6s, fast albern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong><br>Ich immer ein Schrittchen vor Euch, ihr immer ein Schrittchen hinter mir. Wir sind die Gef\u00e4ngnismauer, an der er sich wundsto\u00dfen soll, der Kaisersohn, &#8211;<br><em>Er spuckt aus.<\/em><br>der blonde Bastard, &#8211;<br><em>Er spuckt aus.<\/em><br>der Sohn einer deutschen Hure!<br><em>Er spuckt aus.<\/em><br>Langsam, stumm, Aug\u2019 in Auge mit dem Feind, steinernen Gesichts, ich immer ein Schrittchen vor Euch, ihr immer &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Balken erweist sich als klassische Slapstick-Stolperquelle: Sie st\u00fcrzen alle mit Schwung in die Kammer und schreien durcheinander.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schreckt hoch, richtet sich auf, ist \u00fcber dem Kn\u00e4uel:<\/em><br>Holla!? Wer liegt mir denn da zu F\u00fc\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>sehr \u00e4rgerlich, weil auch gedem\u00fctigt:<\/em><br>Servinella!, lieg nicht rum auf des K\u00f6nigs Pritsche! Du sollst putzen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>wischt LAMBERTINO mit einem dreckigen Lappen ungeniert ab:<\/em><br>Ohne Licht? Dreck, den ich nicht sehen kann, lass ich liegen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wird \u00e4rgerlich:<\/em><br>H\u00f6r auf, Hexe!, was putzt du mich ab mit einem Lumpen, der dreckiger ist als mein Wams!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>wieder drau\u00dfen, st\u00f6\u00dft mit dem Fu\u00df absichtlich an den Balken:<\/em><br>Der Balken hier hat uns gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>kommt dazu:<\/em><br>Jawohl!<br><em>Zum GEHILFEN:<\/em><br>Junge, schlag sofort den Balken weg!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE:<\/strong><br>Aber ich soll doch &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schl\u00e4gt ihn:<\/em><br>Du sollst gehorchen! Schlag das Holz weg!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE:<\/strong><br>Aber ich soll &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schl\u00e4gt ihn auch:<\/em><br>F\u00fcr jedes Aber eine Maulschelle!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE <\/strong><em>schl\u00e4gt mit einem schweren Werkzeug gegen den Balken, dass die ganze Kammer wackelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>probt nochmals seinen Auftritt, geht dann nach dem Eintreten des Baumeisters ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schaut aus der Kammer, in der sie fegt:<\/em><br>He, Robertello, lass die Kammer stehn! Wo soll der deutsche Herr sein Haupt betten?!<br><em>Zu LAMBERTINO, vertraulich:<\/em><br>Er ist blond, sagt Ihr?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Blond, ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Und spricht nur Deutsch?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Was redest du? Er ist K\u00f6nig von Sardinien. Dort spricht man doch nicht Deutsch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Sardinien liegt gleich hinter Nirgendwo. Was wei\u00df ich, welche Zunge sie da reden?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>zum GEHILFEN, der aufgeh\u00f6rt hatte:<\/em><br>Schlag zu, Junge, der Balken muss weg!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER GEHILFE <\/strong><em>h\u00e4mmert mit Wucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>ist eingetreten:<\/em><br>Robertello, hast du den Balken festgen-<br><em>Er sieht die Bescherung, schl\u00e4gt den Jungen, rei\u00dft ihm das Werkzeug aus der Hand:<\/em><br>Hat dir der Teufel in die H\u00e4nde gespuckt?! Festnageln sollst du das! Nicht wegschlagen!<br><em>Er h\u00e4mmert selbst:<\/em><br>Wenn man nicht alles selber macht!<br><em>Er erkl\u00e4rt den W\u00c4CHTERN:<\/em><br>Der Balken st\u00fctzt die Kammer. Ist hier festverfugt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>heuchelt Fachkundigkeit:<\/em><br>Leicht zu verstehn, aber Euer Gehilfe &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Der Junge ist ein Taugenichts!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>heizt unn\u00f6tig nach:<\/em><br>Ein Tunichtgut! \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>beschwert sich n\u00f6rgelnd:<\/em><br>Meister Bombardino, wieso bist du nicht fertig? Wenn der Gefangene jetzt zur T\u00fcr reinkommt, &#8230; <br><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>\u00fcberreicht mit kleiner Feierlichkeit einen Schl\u00fcssel:<\/em><br>&#8230;k\u00f6nnt ihr ihn gradewegs in diese Kammer f\u00fchren. Ich bin fertig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Messere Lambertino, der Platz ist sauber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>\u00dcberzeugen wir uns also, ob das Gef\u00e4ngnis bereit ist, den kaiserlich-k\u00f6niglichen Ketzer -??<br><em>Er spuckt aus.<\/em><br>&#8230;f\u00fcr ewig zu bannen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE <\/strong><em>schauen herum.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>probt noch einmal seinen Auftritt, bleibt aber angesichts des folgenden Geschehens im Saal.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>sammelt die Kissen auf der Liege bis auf eines ein und gibt die SERVINELLA:<\/em><br>Zu viele Kissen f\u00fcr den Gefangenen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>nimmt sie etwas \u00fcberrumpelt:<\/em><br>Aber ein Kissen ist doch zu wenig f\u00fcr ein k\u00f6nigliches Haupt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>denkt vorsichtig an erotische M\u00f6glichkeiten:<\/em><br>Ja, Messere die Lambertini, zwei Kissen sollten es schon sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Auch ein K\u00f6nig hat nur einen Kopf. Nimm die Kissen weg!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>spielt den Rest der Szene mit den Kissen vor dem Leib.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>EIN B\u00dcHNENARBEITER, <\/strong><em>im modernen Overall, den Dialekt des Auff\u00fchrungsortes sprechend (der in Berlin geborene Autor huldigt hier seinem Mutteridiom), kommt durch die vordere B\u00fchnengasse links, also nicht durch eine T\u00fcr der Dekoration:<\/em><br>N\u2019Abend die Herrn!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE <\/strong><em>erschrecken und starren ihn an,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER <\/strong><em>schaut hinauf in den Schn\u00fcrboden zu dem Schepper-Vorhang und ruft hinter die Szene:<\/em><br>Ede!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>bekreuzigt sich, so gut das geht mit den Kissen, und fl\u00fcstert entsetzt:<\/em><br>Der Gottseibeiuns!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Ein Bote der H\u00f6lle!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>kann sich nicht enthalten zu sagen:&nbsp;<\/em><br>Aber ein s\u00fc\u00dfer!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>befehlshaberisch zum SOLDATEN:<\/em><br>Commandante; was z\u00f6gert ihr, das Schwert zu f\u00fchren?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>st\u00fcrzt mit dem Schwert aggressiv auf den B\u00dcHNENARBEITER los.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER <\/strong><em>wehrt sich gelassen mit einem Griff in die Styropur-Klinge:<\/em><br>Sachte, Junge, mit dem Theaterpr\u00fcjel wirste mir nischt antun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>flieht mit Schreckenslauten zu den anderen, die sich angstvoll zusammengerottet haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER:<\/strong><br>Wat kieken Sie denn so glubsch. Ick mache hier jenau detselbe wie Sie: Nachkieken, ob allet in Ordnung is.<br><em>Er ruft in die Gasse und schaut nach oben:<\/em><br>So, Ede, jetzt mal den Zuch f\u00fcnefzehn runta!<br><em>Der Schepper-Vorhang geht mit einigem Gepolter runter.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER, <\/strong><em>immer \u201aEde\u2018 anrufend:<\/em><br>Det mit dem Scheppan is richtig, det soll so sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>L\u00e4rm unter dem Fenster: Pferdegetrappel, das endet, Schritte, wenige rhythmische Paukenschl\u00e4ge, kurze Fanfarenst\u00f6\u00dfe, kurz aufflackerndes Volksgeschrei&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>ist aufgeregt:<\/em><br>Er kommt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE <\/strong><em>st\u00fcrzen zum Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch der <\/em><strong>B\u00dcHNENARBEITER <\/strong><em>schaut aus dem Fenster:<\/em><br>Da kommta Tatsache.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Auf einem wei\u00dfen Zelter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO.<\/strong><br>Viel zu pr\u00e4chtig &#8211; das Pferd!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>hingerissen:<\/em><br>Der K\u00f6nig!&#8230; Und blond, ganz blond&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>kaum missverst\u00e4ndlich verliebt:<\/em><br>Ein sch\u00f6ner Reiter &#8211; macht gute Figur&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wird energisch:<\/em><br>Er geht zum Haus!, und wir gaffen, als k\u00e4me nun nicht unsere gro\u00dfe Stunde! Raus!, alle, die hier gearbeitet haben, raus!<br><em>Er versucht, auch mit Handgreiflichkeiten, alle rauszuschieben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BAUMEISTER, GEHILFE, SERVINELLA <\/strong><em>tummeln sich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER BAUMEISTER <\/strong><em>stolpert dabei wieder \u00fcber den Balken:<\/em><br>Ein verqueres St\u00fcck Holz, f\u00fcrwahr&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Ich muss ja runter, den Gefangenen zum ewigen Einschluss in diese Mauern zu \u00fcbernehmen!<br><em>Er geht auch raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hat es geschafft, sich samt Kissen in der Nische zu verstecken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER <\/strong><em>hat sich erfolgreich gewehrt, auch durch die B\u00fchnent\u00fcr abgeschoben zu werden. Es ist schon erwartungsvoll still, als er zum Entsetzen der zeremoni\u00f6s wartenden Messeri ruft:<\/em><br>Ede, den f\u00fcnefzehn wieda ruff!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Schepper-Vorhang geht hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER, <\/strong><em>halb zu \u201aEde\u2018, halb zum Publikum:<\/em><br>Det Ding kommt east sp\u00e4ta dran, wenn er sich mit den Damen zum Dr\u00fccken verknutscht, &#8211;<br><em>Er korrigiert sich lachend:<\/em><br>Ick meene: zum Knutschen vadr\u00fcckt.<br><em>Und jetzt mit einem Augenzwinkern ins Publikum:<\/em><br>Herrschaften d\u00fcrfen jespannt sein&#8230;!<br><em>Und ab durch die erste Gasse links.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach kleiner Pause fliegen die T\u00fcrfl\u00fcgel mit Gepolter auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>erscheint mit einge\u00fcbtem Ritual.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>tritt feierlich ein, bleibt stehen, wendet sich um, steht, wie es geprobt wurde, vor den anderen drei W\u00e4chtern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>betritt sein Gef\u00e4ngnis, das er bis zu seinem Tode nicht mehr verlassen wird, festlich gekleidet, eher hochrangig soldatisch als zivil, die H\u00e4nde mit einer goldenen Kette eng und sehr hinderlich gefesselt. Ein blondgelockter Mann um die 30, adlig, mit der Aura des K\u00f6nigs von Gebl\u00fct, ein Feldherr, der sehr grausam sein konnte, und der im Laufe der Kom\u00f6die Dichter, vielfacher Liebhaber und Gro\u00dfvater wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr von innen und stellt sich davor<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE W\u00c4CHTER <\/strong><em>machen ihren R\u00fcckw\u00e4rtsgang, den Balken aufmerksam meidend, stehen dann still.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach stummer Pause rennt <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>zum Fenster.<\/em><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, PIETRO, MICHELE <\/strong><em>und <\/em><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>st\u00fcrzen ihm nach, halten aber etwas Abstand.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>sehr aufgeregt:<\/em><br>Er will fliehen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>abf\u00e4llig, dann still:<\/em><br>Fliehen, &#8211; das Pferd, ich wollte das Pferd noch einmal gr\u00fc\u00dfen&#8230;<br><em>Das tut er aus dem Fenster mit anmutiger Geste:<\/em><br>Wei\u00dfe Unschuld, du&#8230; gesattelt und gez\u00e4umt und ohne Reiter. Und ich? Ein Reiter ohne Pferd&#8230;<br><em>Pl\u00f6tzlich sehr heftig:<\/em><br>Aber nicht f\u00fcr lange!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>ist nicht zum Fenster gerannt:<\/em><br>Hierher mit ihm!<br><em>Da keiner reagiert:<\/em><br>Fasst ihn an, traut Euch!, er ist nicht giftig und kein Engel, der aus dem Fenster fliegt! Hierher mit ihm, zur Zeremonie!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT, ALBINGO <\/strong><em>und <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>greifen nach ENZIO.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sch\u00fcttelt sie scharf ab:<\/em><br>Ich wei\u00df selber, was sich f\u00fcr einen Gefangenen geziemt.<br><em>Er geht zur T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE <\/strong><em>stellen sich wieder ins einge\u00fcbte Zeremoniell.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>will endlich loslegen:<\/em><br>Enzio, K\u00f6nig von Sardinien!, &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>st\u00fcrzt aus ihrem Versteck ENZIO zu F\u00fc\u00dfen, immer noch die Kissen vor dem Leib, himmelt ihn an:<\/em><br>Was hat er f\u00fcr sch\u00f6ne Haare!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schiebt sie unsanft raus:<\/em><br>Servinella!, altes Runkelweib, Hexe!, neugierig wie nur eine! Hier wird kein Volk geduldet! Raus!<br><em>Dann endlich:<\/em><br>Enzio, K\u00f6nig von Sardinien, Bastard des gebannten Kaisers, Kriegsgefangener der Republik Bologna: Zum Amt der W\u00e4chter \u00fcber Eure Haft hat das hohe consiglio generale vier edle Herren berufen: Messere Lambertino di Guida die Lambertini als euren Oberw\u00e4chter, das bin ich, item Messere Michele degli Orsi, item Messere Pietro Arsinelli, item Messere Albingo di Ebubo. Uns seid Ihr \u00fcberantwortet f\u00fcr eine lange Zukunft.<br><em>Er gibt dem SOLDATEN ein Zeichen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>DER SOLDAT <\/em><\/strong><em>geht raus, schlie\u00dft die T\u00fcr von au\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann markante Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach wiederum einiger Pause, in der die \u201aFeinde\u2018 einander stumm gegen\u00fcberstehen, \u00fcberreicht <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>das Aktenb\u00fcndel MICHELE.<\/em><br>Lest, Messere degli Orsi, was das hohe consiglio in mancherlei Statuten festgelegt und besiegelt hat, und was dem K\u00f6nig am Beginn seiner langen Gefangenschaft zu h\u00f6ren geziemt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>liest:<\/em><br>Der Gefangene leidet hinfort nur einen Mangel: das ist seine Freiheit. Er soll keine Not leiden, daher kein Mangel an Essen, Kleidung, Schuhwerk, Dienerschaft und Geld; \u00c4rzte und Notare zu seiner Verf\u00fcgung. Die Tage verbringt der Gefangene unter st\u00e4ndiger Bewachung im Saal. F\u00fcr die N\u00e4chte ist eine Kammer eigens in den Saal gebaut worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>zeigt sie und mag sich mancherlei ertr\u00e4umen:<\/em><br>Seht selbst, K\u00f6nig von Sardinien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>schaut sich das mit sehr m\u00e4\u00dfigem Interesse an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>kann sich einer Albernheit nicht enthalten:<\/em><br>F\u00fcr die Liebschaft mit Morpheus allemal gro\u00df genug. \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>liest weiter:<\/em><br>Vor dem Untergang der Sonne ist der Gefangene dortselbst einzuschlie\u00dfen; geht die Sonne wieder auf, wird die T\u00fcr zur Kammer wieder ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>st\u00fcrzt sehr ungl\u00fccklich r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber den Balken, die Fesselung behindert ihn zus\u00e4tzlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>will ihm spontan helfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>h\u00e4lt ihn zur\u00fcck:<\/em><br>Die Statuten enthalten keinen Passus, ob dem Gefangenen in solchem Fall zu helfen sei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>schaut seine Bewacher an, die ihn ihrerseits \u201avon oben herab\u2018 mustern. Er senkt den Kopf und tut einen schweren Seufzer: Absturz der Seele, sehr schmerzhaft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>befriedigt:<\/em><br>Lest weiter, Messere degli Orsi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>liest:<\/em><br>Gespr\u00e4che mit dem Gefangenen sind nicht erlaubt. Welcher Mann dennoch den K\u00f6nig zu sprechen w\u00fcnscht, &#8211; so erwirkt er zuerst die Erlaubnis des consiglio credentie.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die T\u00fcr fliegt auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA DA VIADAGOLA, <\/strong><em>eine sch\u00f6ne junge Frau, reich gekleidet, rauscht herein, stutzt kurz, als sie ENZIO am Boden sieht, l\u00e4uft zu ihm und breitet ihren langen weiten Mantel um ihn, \u00fcber ihn (eine im Mittelalter vielfach beschriebene Geste des symbolischen f\u00fcrsorgenden Schutzes), wobei sie sich beugen, b\u00fccken, vielleicht knien muss. Sie nimmt seinen Kopf in ihre H\u00e4nde und schaut ihm in die Augen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>ist nachgest\u00fcrzt, wei\u00df nun nicht, wie er eingreifen soll.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>sehr perplex:<\/em><br>Lucia da Viadagola!&#8230;<br><em>Zum SOLDATEN.<\/em><br>So werdet ihrer habhaft!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>wei\u00df den SOLDATEN sehr souver\u00e4n in Schach zu halten:<\/em><br>Meiner habhaft? Ich bin nicht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wei\u00df sich nur herrisch zu helfen:<\/em><br>So greift doch endlich zu, Commandante!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong><br>Sie ist nicht giftig, \u00e4h\u00e4!.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>will zugreifen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>springt dazwischen:<\/em><br>Doch kein Krieg gegen Frauen, knieend dazu. Commandante, verlasst den Saal!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>ironisch gegen LAMBERTINO:<\/em><br>Wir sind doch Manns genug, uns dieser Feindin zu erwehren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>weiterhin herrisch, weil hilflos:<\/em><br>Jawohl, Manns genug, das will ich meinen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>sehr provokativ bissig:<\/em><br>Manns genug?, &#8211; Ihr, Messere Lambertino di Guida dei Lambertini? Macht Ihr Eurer Frau erst einmal ein Kind, damit Bologna erfahre, wieviel Manns Ihr seid!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das trifft <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>zutiefst, ihm bleibt die Luft weg, er greift an sein Herz, muss sich plumpsend setzen. Doch als sich PIETRO um ihn k\u00fcmmern will, wird der schroff abgewiesen:<\/em><br>Ihr fasst mich nicht an!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Ich will nur dies: &#8230;<br><em>Sie wendet sich ENZIO ganz zu. Mag sein, dass sie erst jetzt seinen Kopf nimmt, aber vielleicht war es sch\u00f6n, wie sie nach allen Seiten reagiert und parliert hat, dabei des K\u00f6nigs Kopf in H\u00e4nden; vielleicht hat sie auch nur eine Hand an einer seiner Wangen behalten. Jedenfalls:<\/em><br>&#8230; mit dem K\u00f6nig diesen Blick tauschen &#8211; und dies: &#8230;<br><em>Sie k\u00fcsst ihn leidenschaftlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der hingerissene, v\u00f6llig verdatterte <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>mit seinen gefesselten H\u00e4nden &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>noch schwer atmend:<\/em><br>Messere degli Orsi, so lest, welcher Mann den K\u00f6nig &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>wei\u00df nicht, wie er das finden soll:<\/em><br>Signora, so h\u00f6rt das Statut:<em>&nbsp;<\/em><br><em>Er liest:<\/em><br>Welcher Mann den K\u00f6nig zu sprechen w\u00fcnscht, so erwirkt er zuerst die Erlaubnis des consiglio credentie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>lacht:<\/em><br>Messere degli Orsi, bin ich ein Mann? Welche Frau den K\u00f6nig zu k\u00fcssen w\u00fcnscht, so geht sie zu ihm und tut es.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>wie gebannt, sucht Fassung, leise:<\/em><br>Herrgott, nimm dieses L\u00e4cheln von meinen Lippen &#8211; ich bin Soldat&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>ebenso leise, Bindung herstellend:<\/em><br>Herrgott, brenn ihm dies L\u00e4cheln ins tiefste Herz!&#8230;<br><em>Sie nestelt einen Spiegel aus Glas hervor und legt ihn auf den Balken:<\/em><br>Aus Glas &#8211; das neueste! Keine Frau in Bologna hatte einen solchen byzantinischen Spiegel &#8211; au\u00dfer Lucia da Viadagola. Jetzt habt Ihr ihn. Wie wirst du dich verzehren vor Sehnsucht nach diesem L\u00e4cheln auf deinen Lippen.<br><em>Nach kleiner Pause:<\/em><br>Ich auch.<br><em>Sie rauscht ab, die Fl\u00fcgelt\u00fcr offen lassend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>nach einiger Verbl\u00fcffung aller:<\/em><br>Lehr mich einer die Weiber kennen: Das Haus Viadagola ist doch papistisch bis ins Mark.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>erholt sich langsam:<\/em><br>Die Statuten sind Menschenwerk und unvollkommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Aber! Das hohe consiglio der Republik ist doch nie und nimmer unvollkommen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Es hat vers\u00e4umt, den Frauen jeden Zugang zum Gefangenen zu verbieten. Das muss nachgetragen werden.<br><em>Er ist zur ge\u00f6ffneten T\u00fcr gegangen und befiehlt dem SOLDATEN dahinter:<\/em><br>Verschlie\u00df die T\u00fcr. Du wei\u00dft, dass du nur auf unseren Befehl \u00f6ffnen darfst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr von au\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist aufgestanden und geht wieder zum Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>argw\u00f6hnisch:<\/em><br>Wohin der Gefangene?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Er will der sch\u00f6nen Stute nachwinken. \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>bleibt bei diesem Satz abrupt stehen, verletzt, ohnm\u00e4chtig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schlie\u00dft den Fensterrahmen:<\/em><br>Alles verboten, auch ohne Vorschriften.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>dreht sich in Stille und sonstiger Ratlosigkeit um, l\u00e4uft mit Aggression zum immer noch sitzenden LAMBERTINO, h\u00e4lt ihm mit einer abrupten Bewegung die gefesselten H\u00e4nde so dicht vors Gesicht, dass<\/em> &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>heftig erschrickt:<\/em><br>He! Die Fesseln, &#8211; ja, es ist unseres Amtes, sie zu l\u00f6sen.<br><em>Pl\u00f6tzlich springt er auf, geht auf Abstand, z\u00fcckt seinen Dolch:<\/em><br>Des Teufels!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>erschrocken, z\u00fcckt auch den Dolch, sticht Luftl\u00f6cher:<\/em><br>Der Teufel? Wo?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Was ist Euch, Messere dei Lambertini?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Er ist bewaffnet!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sch\u00fcttelt traurig den Kopf:<\/em><br>Ich bin ohne Waffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>l\u00e4sst sich nicht beirren:<\/em><br>Wenn wir die Fesseln l\u00f6sen, wird er uns meucheln!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>z\u00fcckt auch den Dolch:<\/em><br>Ha!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>wird herrisch \u00e4rgerlich, dann fast \u00fcbergangslos verzweifelt, leidend:<\/em><br>Ich bin &#8211; ohne Waffen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE.<\/strong><br>Wieviel wiegt das Wort des k\u00f6niglichen Ketzers;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Messere Arsinelli, sucht ihn ab nach verborgenen Waffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>war sehr zur\u00fcckhaltend, jetzt zwischen Schrecken und verborgener Lust:<\/em><br>Ich &#8211; ihn absuchen&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>hofft auf Spa\u00df, anz\u00fcglich:<\/em><br>Ihr!, wer sonst? Bologna wei\u00df, mit wieviel Lust ihr nach M\u00e4nnerwaffen sucht!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>ist sehr irritiert, l\u00e4chelt kurz, geht auf ENZIO zu, bleibt aber pl\u00f6tzlich stehen:<\/em><br>Nein&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Solltet Ihr wirklich nicht wissen, wie man sich Freunde macht? So!<br><em>Er betatscht ENZIO in der Taille.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>erweist sich als kitzlig, muss ganz wider Willen lachen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>ist sehr erstaunt:<\/em><br>Wie das?&#8230;<br><em>Er probiert es noch einmal<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will abwehren, muss aber lachen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>ist schrecklich fasziniert von seiner Erkenntnis:<\/em><br>Der Gefangene ist kitzlig! Messeri!, der K\u00f6nig von Sardinien ist kitzlig!&#8230;<br><em>Er t\u00e4nzelt zum Fenster, das er \u00f6ffnet und schreit hinaus:<\/em><br>Ganz Bologna kund und zu wissen: Der K\u00f6nig von Sardinien ist kitzlig!<br><em>Er macht das Fenster wieder zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>hat zwar Spa\u00df an der Dem\u00fctigung des Gefangenen, aber:<\/em><br>Messere di Ebubo, Eure Erkenntnis in Ehren, aber wir m\u00fcssen wissen, ob der kitzlige K\u00f6nig versteckte Waffen tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Er und <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>und <\/em><strong>ALBINGO <\/strong><em>n\u00e4hern sich ENZIO, den Dolch in der Rechten, mit der Linken vorsichtig nach ihm greifend, seine Arme bewegend. Das macht ihnen Spa\u00df, durcheinander redend:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Wir sind ja in Gefahr des Lebens!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Er bem\u00e4chtigt sich der Schl\u00fcssel!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Flieht &#8211; ins transalpine Germanien!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist ein H\u00e4ufchen Elend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>sieht es mit wachsendem Grauen, laut:<\/em><br>Messeri, ich bin bereit, den Gefangenen nach Waffen abzusuchen, peinlichst genau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE ANDEREN <\/strong><em>lassen ab von ENZIO.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO:<\/strong><br>Dort in der Kammer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>zieht ENZIO an der goldenen Kette in die Kammer, nicht viel anders als einen Maulesel:<\/em><br>Greift zu, Messere Arsinelli, &#8211; die Sicherheit der Republik liegt in Euren H\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>widerlich anz\u00fcglich:<\/em><br>Sucht auch weiter unten, wo alle M\u00e4nner ihr Schwert haben. \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>ist in die Kammer gefolgt:<\/em><br>Schlie\u00dft die T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das tut <\/em><strong>LAMBERTINO.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE MESSERI <\/strong><em>versorgen ihre Dolche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>versucht mit Behutsamkeit herauszufinden, ob er in ENZIO einen Gespielen haben wird:<\/em><br>K\u00f6nig von Sardinien, ich bin solcherma\u00dfen legitimiert, Euch &#8211; zu ber\u00fchren. Nehmt, so bitte ich, die Arme hoch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>tut das, steinernen Gesichts. Eine Falkenfeder, die er irgendwo im \u00c4rmel versteckt hatte, schwebt zu Boden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>hebt sie auf, verliebt:<\/em><br>Eine Falkenfeder, gewisslich zum Troste des Gefangenen. Der Knabe Enzio hie\u00df am sizilischen Hof des Vaters nur Falconello&#8230; Wie gerne w\u00fcrde der gefangene K\u00f6nig jetzt wieder zur Falkenbeize reiten&#8230; Ich wei\u00df alles \u00fcber Euch. Die Feder ist keine Waffe.<br><em>Er umkreist ENZIO. Ein wenig verschw\u00f6rerisch, jedenfalls leise:<\/em><br>Ich w\u00fcrde Euch das Absuchen ersparen, w\u00fcsste ich, dass es Euch im geringsten l\u00e4stig ist.<br><em>Ganz vorsichtig ihn ber\u00fchrend:<\/em><br>Oder &#8211; angenehm&#8230;?<br><em>Nach weiterer Pause:<\/em><br>Ihr d\u00fcrft mit mir sprechen.<br><em>Da ENZIO schweigt, streicht-streichelt er den noch erhobenen Unterarm hinunter bis zur Taille, dann umarmt er ihn pl\u00f6tzlich heftig von hinten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>hat das kleine Fenster in der Kammert\u00fcr entdeckt und schaut hindurch, hat <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>und <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>herangewinkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie sehen, wie <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>mit dem Ellbogen <\/em><strong>PIETRO <\/strong><em>heftig wegst\u00f6\u00dft &#8211; verst\u00f6\u00dft, so dass er taumelt und fast st\u00fcrzt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>faucht in die Kammer:<\/em><br>He, K\u00f6nig!, der Krieg ist zu Ende!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Dem Gefangenen geziemt ein gel\u00e4hmter Arm!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>will dringendst abwiegeln:<\/em><br>Messeri, so beruhigt Euch, ich bin gestolpert! Und ich kann versichern: der gefangene K\u00f6nig von Sardinien tr\u00e4gt keine versteckten Waffen auf dem Leib. Nur diese Falkenfeder.<br><em>Die legt er drau\u00dfen auf den Tisch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wills genug sein lassen:<\/em><br>So l\u00f6sen wir seine Fessel.<br><em>Er sucht in Taschen, dann:<\/em><br>Messere Michele, den Schl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>etwas erstaunt, auch in Taschen suchend:<\/em><br>Ich habe doch den Schl\u00fcssel nicht, Messere Arsinelli, den Schl\u00fcssel!<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>schon nur noch symbolisch suchend:<\/em><br>Den habe ich nicht. Messere di Ebubo!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>macht sich ein Such-Sp\u00e4\u00dfchen, auch in Anlehnung an die Grabschereien und Kitzligkeiten vorher:<\/em><br>Ich? Den Schl\u00fcssel? Ja, wo hab ich den denn? Hier? Oder hier, wo ich kitzlig bin? \u00c4h\u00e4! Nein, hier. Oder wo?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Messeri, wer hat den K\u00f6nig gefesselt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>nach einigem Schweigen:<\/em><br>Der Podest\u00e0.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>So wird er den Schl\u00fcssel haben. Messere di Ebubo, geht zum Podest\u00e0.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Ich eile, ich fliege.<br><em>Dementsprechend leichtf\u00fc\u00dfig versucht er, durch die T\u00fcr zu gehen, die aber verschlossen ist:<\/em><br>O, ich verga\u00df, wo wir sind. \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>klopft an die T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>erscheint im Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>\u00d6ffne!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO.<\/strong><br>Ich \u00fcbernehme die Wache bis zum Sonnenuntergang. Messere Arsinelli, dann l\u00f6st Ihr mich ab zur ersten Nachtwache. Messere degli Orsi, Ihr seid dann morgen zum Sonnenaufgang zur Stelle. Die Kammer des W\u00e4chters befindet sich drau\u00dfen vor der Treppe. Gehen wir.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das tun sie, wiederum unter etwas alberner Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>der Gefangene ist zum ersten Mal allein. Denkbar, dass er lange wie angewurzelt steht, dann der Blick verloren \u00fcber W\u00e4nde und Decke taumelt. Er tigert zur T\u00fcr und untersucht deren Verschlossensein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Fensterchen in der T\u00fcr geht ruckartig auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schaut hindurch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>erschrickt, steht kurz Auge in Auge mit seinem W\u00e4chter, erkennt, dass er stets beobachtet werden kann. Er rennt in die Kammer, deren T\u00fcr er schlie\u00dft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>verschwindet vom Fensterchen, das er schlie\u00dft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>lehnt einen Augenblick mit dem R\u00fccken innen an der Kammert\u00fcr, sieht irgendetwas an der gegen\u00fcberliegenden Seite, tastet die Stelle ab, ob sie Ausbruchsm\u00f6glichkeiten bietet, aber es scheint nicht so; er versucht, mit dem herumschweifenden Blick die Architektur zu durchschauen: Auf Anhieb sind keine Schwachstellen auszumachen. Ihm wird schlecht.<\/em><strong><em>&nbsp;<\/em><\/strong><br>Wie wird mir &#8211; ich ersticke!&#8230;<br><em>Er rennt aus der Kammer &#8211; es ist ihm egal, ob LAMBERTINO ihn noch beobachtet oder nicht -, zum Fenster, stolpert \u00fcber Balken und Spiegel, st\u00fcrzt aber nicht, bef\u00f6rdert den Spiegel mit einem kr\u00e4ftigen Fu\u00dftritt, dass er zerbirst, unter irgendwelches Mobiliar. Er will das Fenster \u00f6ffnen, das geht mit der Fesselung nicht. Er schl\u00e4gt auf die Leinwand im Rahmen ein. Unter Krachen gibt sie Licht und Luft frei. ENZIO beugt sich weit aus dem Fenster, japst nach Luft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>eilt herein:<\/em><br>Wollt Ihr schon wieder fliehen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche hinter ihm.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Luft will ich, &#8211; Licht, sonst nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>bem\u00fcht sich vergeblich, das Fenster zu flicken, h\u00f6hnisch im Argwohn:<\/em><br>Sonst nichts?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>bequemt sich zu bekennen:<\/em><br>Aus diesem Fenster springt nur, wer den Tod sucht. Ich aber suche das Leben, die Freiheit, das Gefecht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Das ist mehr &#8211; viel mehr als Licht und Luft. Die Republik Bologna wird alles tun, dass Ihr nicht findet, was Ihr sucht! Wir haben keine Kosten gescheut f\u00fcr Schl\u00f6sser und Riegel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Mein Vater wird sie sprengen, &#8211; der Kaiser!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>h\u00f6hnt:<\/em><br>Der Ketzer, den der Papst kraft g\u00f6ttlichen Amtes abgesetzt und gebannt hat. Es gibt keinen Kaiser mehr!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>b\u00f6se:<\/em><br>So kl\u00e4ffen die Pinscher!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>gereizt:<\/em><br>Falsch! Der Pinscher hat das Maul nicht frei zum Kl\u00e4ffen. Er hat die Z\u00e4hne im Nacken eines feisten Ebers, h\u00e4lt ihn gefangen!<br><em>Er hat fest zugepackt, von hinten, am Hals&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIOS, <\/strong><em>der sich mit geschickter Gewalt rasch zu befreien wei\u00df. Mit schneller Drehung steht er LAMBERTINO angriffslustig gegen\u00fcber.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>hat den Dolch gez\u00fcckt und ist lauernd auf der Hut:<\/em><br>Wenn ich Euch jetzt niedersteche, gibt es keinen Zeugen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>mutig, ohne sich zu r\u00fchren:<\/em><br>Aber eine Leiche, die Euch anklagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wei\u00df \u00fcberlegenen Rat, zieht einen zweiten Dolch:<\/em><br>Wohl bedacht, Herr K\u00f6nig: Ich werde diese liebliche Waffe in Eure eiskalte Hand legen, mich ein wenig stechen, da oder hier, und sagen, dass Ihr mich meucheln wolltet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>folgert haarscharf genau:<\/em><br>Wer so gefesselt ist, dessen Hand taugt nicht zum Meucheln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>kurz irritiert:<\/em><br>Was? Oh, ich verga\u00df.<br><em>Er versorgt die beiden Dolche.<\/em><br>Ich tus ja nicht. Ihr seid tot genug in diesem Gef\u00e4ngnis. F\u00fchlt Euch nur zu Hause wie im Grab. Ich will Euer Totenw\u00e4chter sein bis ans selige Ende meiner Tage.<br><em>Er kommt ihm unangenehm nahe, grinst:<\/em><br>Das ist ein seltenes Gl\u00fcck: ein Feind so nah und machtlos&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>weicht ihm nicht aus:<\/em><br>Ich bin schlecht ge\u00fcbt im Kampf mit W\u00f6rtern. Wenn ich mein Schwert wieder f\u00fchre, beim Kreuz des Herrn, &#8211; dann will ich Euch Gen\u00fcge tun!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>l\u00f6st die N\u00e4he, zornig:<\/em><br>Ein Ketzer im Bann f\u00fchrt den Namen des Herrn nicht im Munde. Was tut Ihr, wenn der Friede kommt?! Wohin werft Ihr Eure Mordgel\u00fcste? Dreihundert Bologneser habt Ihr aufgeh\u00e4ngt an den Ufern des Po!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>f\u00fchlt sich in diesem Belang nicht schuldig:<\/em><br>Soll ich alles, wof\u00fcr ich gek\u00e4mpft habe, wegwerfen?, &#8211; es hie\u00dfe: meinen Vater wegwerfen. Ihm habe ich die Stra\u00dfen nach Deutschland freigeschossen und offengehalten. Jeder tote Feind war ein Opfer, das ich meinem Vater brachte. Die aufgekn\u00fcpften Bologneser waren Soldaten in Waffen, keine Friedensengel. Ich sorge nicht, dass mein Vater mich aus diesem Kerker befreit. Er sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Kerker? Da muss ich lachen. Dies ist ein k\u00f6niglicher Palast &#8211; freilich mit guten schweren Schl\u00f6ssern.<br><em>Aus dem Fenster erkl\u00e4rend:<\/em><br>Da dr\u00fcben unter dem Turm des Grafen Malvasia liegen Verliese, in die nie ein Lichtstrahl dringt. W\u00e4re es nach mir gegangen, &#8211; der Kaiserbastard schmachtete jetzt da unten bei Brot und Wasser. Aber man h\u00f6rte nicht auf mich, man lie\u00df sich blenden vom K\u00f6nigstitel, ich wurde \u00fcberstimmt, besiegt. Ihr wisst am eigenen Leibe, was es hei\u00dft, besiegt zu werden. Man goss Balsam in meine Wunden und machte mich zum Oberw\u00e4chter. Ich werde Euch halten wie ein Kerkermeister mit der ganzen Turmeslast da dr\u00fcben, seid dessen gewiss! Kind und Kindeskinder werden mir danken f\u00fcr meine Strenge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>auch nicht ganz fein lauernd:<\/em><br>War nicht die Rede, dass Ihr kinderlos seid?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>wieder an empfindlicher Stelle getroffen:<\/em><br>\u00dcble Rede!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>stichelt weiter:<\/em><br>Wie hei\u00dfen sie denn, die lieben Kleinen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>nur ganz kurz ratlos:<\/em><br>Was? Wie sie &#8211; Cesare, Francesco, Erasmo, Clementino, Giacomo, Giuglielmo, Marino, Pietro, Cesare &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Cesare hatten wir schon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Es gibt nicht Namen genug f\u00fcr die Zahl meiner S\u00f6hne!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>ungl\u00e4ubig, sp\u00f6ttisch:<\/em><br>So viele also&#8230;?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Werde ich haben, ja. Noch bin ich nicht lendenlahm. Ich rede zu viel mit einem, dem kein Gespr\u00e4ch erlaubt ist.<br><em>Er nimmt die Falkenfeder vom Tisch, zerbricht sie, wirft sie aus dem Fenster und doziert dabei:<\/em><br>Meines Amtes ist es, den Gefangenen strenge zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>kommt rein, voller Neuigkeiten:<\/em><br>Wisst Ihr das Neueste?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Wo ist der Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Fragt mich, wo der Podest\u00e0 ist! In seinen Weinbergen, extra muros.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>So reitet zu ihm. Oder sucht den Schlosser. Die Fessel muss ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Ja doch, aber erst die Neuigkeit: Der Kaiser &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>verbessert:<\/em><br>Der Nichtkaiser!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>versteht nicht:<\/em><br>Nicht der Kaiser? Doch der Kaiser! Er will seinen Sohn, den K\u00f6nig von Sardinien, unseren werten Gefangenen, ausl\u00f6sen mit einer silbernen Kette von der L\u00e4nge der &#8211; nun ratet!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Lasst Eure Faxen! Einer silbernen Kette von der L\u00e4nge der &#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>tief beeindruckt:<\/em><br>&#8230; Bologneser Stadtmauer, ringsherum, stellt Euch vor!: Porta San Felice, Porta Galliera, Porta San Donato, Porta Mascarella, Porta San Vitale, Porta Castiglione&#8230; ringsherum Silber, echtes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat zwischendurch sto\u00dfgeseufzt:<\/em>&nbsp;<br>Dem Vater sei Dank!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Sie wird die Stadt eher umschlie\u00dfen, als wir diese Fessel gel\u00f6st haben. So eilt zum Schlosser. Er hat gewiss einen Zweitschl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Noch eine Neuigkeit: In der Via Portanova h\u00f6rte ich eine Dame fl\u00fcstern, Lucia da Viadagola werde nun mehr Zeit zum Beten brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Was soll das R\u00e4tsel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>:<br>Weil sie K\u00f6nig Enzio in jedes Gebet einschlie\u00dfen will &#8211; \u00e4h\u00e4! Ich eile, ich fliege zum Schlosser!<br><em>Er hat die T\u00fcr wieder verschlossen gefunden und klopft:<\/em><br>O, ich vergesse immer, wo wir sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>erscheint im Fensterchen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Lass mich raus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die T\u00fcr wird unter Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4uschen ge\u00f6ffnet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>schl\u00fcpft raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>f\u00e4llt unerwartet auf die Knie, er kriecht herum und sucht nach den Spiegelscherben, nach der gr\u00f6\u00dften, er sucht immer verbiesterter, weils gefesselt sehr m\u00fchsam ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Lucia da Viadagola mag beten so viel sie will. Morgen noch werden die Statuten erg\u00e4nzt: Keiner Frau wird jemals der Zugang zum Gefangenen erlaubt.<br><em>Da ENZIO fast verschwunden ist:<\/em><br>He, ich rede mit Euch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>ohne aufzuschauen:<\/em><br>Was Ihr gar nicht d\u00fcrft. Die Statuten verbieten das.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>geht ver\u00e4rgert zur T\u00fcr und klopft:<\/em><br>Euch wird die Frechheit vergehen! Stumm werde ich bleiben. Anflehen wird mich der K\u00f6nig um ein einziges Wort.<br><em>Zum SOLDATEN, der im Fensterchen erschienen ist:<\/em><br>\u00d6ffne!<br><em>Er geht unter Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4uschen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat die wohl gr\u00f6\u00dfte Scherbe gefunden und d\u00fcrfte einige M\u00fche haben, sich bei gefesselten H\u00e4nden darin zu spiegeln. Er wird die Scherbe auf das Fensterbrett legen m\u00fcssen, um den n\u00f6tigen Abstand zu kriegen; vielleicht tastet er seinen Mund ab auf der Suche nach dem L\u00e4cheln; er findet es:<\/em><br>Herrgott sei Dank, &#8211; da habe ich das L\u00e4cheln wieder&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>kommt rein und zieht die widerstrebende <\/em><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hinter sich her.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>keift:<\/em><br>Was solls, Messere, wollt Ihr mich zum K\u00f6nig sperren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>geht zu <\/em><strong>ENZIO, <\/strong><em>der die Spiegelscherbe gerade noch greifen kann, und f\u00fchrt ihn wieder an der Kette in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>str\u00e4ubt sich:<\/em><br>Messere, was bedeutet das? Die Sonne steht noch hoch am Himmel. Die Statuten &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>sperrt ihn ein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>\u00f6ffnet das Fensterchen der Kammert\u00fcr:<\/em><br>Aber der arme K\u00f6nig hat doch Recht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schl\u00e4gt das Fensterchen vor SERVINELLAS Nase w\u00fctend zu, wobei der Schl\u00fcssel zur Kammer von ihm unbemerkt (auch die Zuschauer m\u00fcssen das nicht mitkriegen) in die Kammer fliegt:<\/em><br>Es ist vor Sonnenuntergang oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Wenn Ihr das so seht, dann ist es den ganzen Tag lang vor Sonnenuntergang.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>zieht sie ins Vertrauen, ab hier sehr verschw\u00f6rerisch und immer dringlich:<\/em><br>H\u00f6r zu, alte Hexe, ich muss einen Sohn haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>wei\u00df das:<\/em><br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>wieder empfindlich getroffen:<\/em><br>Wieso sagst du ja? Spricht man in der Stadt von meinem Sohn?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>wei\u00df sich zu entziehen:<\/em><br>Ihr habt doch keinen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Aber ich brauche einen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>tut viel scheinheilig:<\/em><br>Was kann ich dazu tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>gibt ihr Geld, das sie sehr bereitwillig nimmt:<\/em><br>Vielleicht sehr viel. Tu nicht, als seist du keine Hexe. Dies Goldst\u00fcck, damit zu schweigst wie ein Grab. Mehr Goldst\u00fccke, wenn du mir hilfst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Wie denn?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Es sollte mich doch sehr wundern, wenn du nicht Tr\u00e4nke zu brauen w\u00fcsstest, die mir zu einem Sohn verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>muss sich ja auch gegen Hexenverd\u00e4chtigungen absichern:<\/em><br>Ich? Tr\u00e4nke? Einen Sohn?&#8230; Aber vielleicht ist der Scho\u00df Eurer Frau kalt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>gibt ihr Geld:<\/em><br>Noch ein Goldst\u00fcck, damit du auch ja schweigst: Er ist hei\u00df wie die H\u00f6lle. Servinella, es liegt an mir: Mir will kein Baum wachsen, dass meine Frau ihn abs\u00e4gen k\u00f6nnte&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>sehr einverst\u00e4ndlich:<\/em><br>Freilich, da lassen die S\u00f6hne auf sich warten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>will zum Punkt kommen:<\/em><br>Wei\u00dft du Tr\u00e4nke dagegen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>doch auch ein Aas:<\/em><br>Gegen B\u00e4ume?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>ungeduldig:<\/em><br>F\u00fcr!, Servinella, f\u00fcr!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>brabbelt:<\/em><br>Sellerie, Rabeneier, Theriak venezian im Wieserlblut, vielleicht Wolfsherz, viele seltene Kr\u00e4uter, Spezereien aus dem Orient &#8211; sehr teuer&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>gibt ihr Geld:<\/em><br>Wenn ich mir nur einen Sohn kaufen kann&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Der erste Schluck, wenn der Mond \u00fcber den Berg steigt, den zweiten, wenn der Mond am h\u00f6chsten steht, den dritten, wenn der Mond hinter dem Flu\u00df untergeht, sieben N\u00e4chte lang.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Gib her, den Trank!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>abf\u00e4llig \u00fcber so viel Hast:<\/em><br>Das braucht Zeit, &#8211; dreimal muss der Uhu schreien, dreimal muss der Wind ins Feuer fahren, drei Katzen m\u00fcssen sterben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Was ist, wenn der Mond hinter Wolken steht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Dann geht der Zauber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Ich brauche den Sohn aber bald!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Ein Gebet mehr. Die Wolken werden ein Einsehen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>kommt fr\u00f6hlich rein:<\/em><br>Wisst Ihr schon das Neueste?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Wo ist der Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>\u00fcbergibt ihn:<\/em><br>Hier. Der Schlosser hatte einen zweiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Endlich!<br><em>Er will in die Kammer.<\/em><br>Wo ist der Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>versteht nicht:&nbsp;<\/em><br>Ich gab ihn Euch.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>sucht rum:<\/em><br>Nicht der! Der andere!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Braucht es zwei Schl\u00fcssel, des K\u00f6nigs Fessel zu l\u00f6sen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wird wieder ungeduldig:<\/em><br>Nein!, der Schl\u00fcssel hier von der Kammer! Servinella?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>schon reichlich perfide:<\/em><br>Unser Redegegenstand war Euer Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>sehr erstaunt:<\/em><br>Ihr habt einen Sohn?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Wird!, wird haben &#8211; in neun Monden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>\u00f6ffnet das Fensterchen in der Kammert\u00fcr:<\/em><br>Vielleicht k\u00f6nnen wir durch dieses Fenster hindurch die Fessel l\u00f6sen&#8230;?<br><em>Ein Wort zu <\/em><strong>ENZIO: <\/strong><br><em>Er sitzt seit seiner Einschlie\u00dfung bewegungslos auf seiner Pritsche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Ja, das w\u00e4re lustig! \u00c4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>schlie\u00dft das Fenster:<\/em><br>Nein, das ist ganz unm\u00f6glich.<br><em>Er macht es wieder auf und starrt auf den Kammerboden:<\/em>&nbsp;<br>Moment mal, da drin liegt ja der Schl\u00fcssel!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>und <\/em><strong>SERVINELLA <\/strong><em>dr\u00e4ngeln:<\/em><br>Was? Wo? Tats\u00e4chlich!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>macht das Fensterchen wieder zu:<\/em><br>Alles wegen der kreuzneugierigen Servinella! Als ich ihr das Fensteer vor der Nase zugeschlagen habe, muss der Schl\u00fcssel reingefallen sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>So m\u00fcssen wir den K\u00f6nig um die Herausgabe des Schl\u00fcssels bitten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Nie!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>echot:<\/em><br>Nie!<br><em>Nach kleiner Pause:<\/em><br>Was aber tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTO, <\/strong><em>nach wiederum kleiner Pause:<\/em><br>Nie!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Nie!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>geht nach kleiner Pause zum Fensterchen und \u00f6ffnet es:<\/em><br>Majest\u00e4tchen, reich uns doch bitte den Schl\u00fcssel heraus. Wir schlie\u00dfen dir auch die Fessel auf.<br><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das tut <\/em><strong>ENZIO, <\/strong><em>dann setzt er sich wieder.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr auf:<\/em><br>Sag nie wieder Majest\u00e4t zu dem Gefangenen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Ich hab ja Majest\u00e4tchen gesagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE <\/strong><em>gehen in die Kammer, umstehen ENZIO:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>sucht wieder:<\/em><br>Wo ist der Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Welcher?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Von der Fessel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Ich \u00fcbergab ihn Euch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>sucht ihn in einer Tasche:<\/em><br>Ja doch! Hier ist er!<br><em>Das Aufschlie\u00dfen ist nicht so einfach:<\/em><br>Man m\u00fcsste knien, um aufzuschlie\u00dfen. Aber nie kniet ein W\u00e4chter vor einem Gefangenen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Nie. Was aber tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>nach kurzer Pause:<\/em><br>Gebt her.<br><em>Sie nimmt den Schl\u00fcssel, kniet sich hin und schlie\u00dft auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>springt auf, reckt sich, bewegt wie wild die Arme, so dass <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>und<\/em><strong> ALBINGO <\/strong><em>aus der Kammer fliehen. Auch <\/em><strong>SERVINELLA <\/strong><em>geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schlie\u00dft die Kammert\u00fcr zu:<\/em><br>Nun sagt, was es Neues gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>mit double-break:<\/em><br>Neues? Wieso Neues? Ach so, ja!: Die Stadt will die silberne Kette vom Kaiser nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>macht das Fensterchen auf:<\/em><br>Was? Das muss er h\u00f6ren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>bezieht die Kammer in seine Rederichtung ein:<\/em><br>Ja, das consiglio lehnt des Kaisers Angebot ab, als Preis f\u00fcr K\u00f6nig Enzios Freilassung eine silberne Kette um die Stadtmauer zu legen. Das consiglio sagt: Der K\u00f6nig ist h\u00f6heres Pfand wert als einen Haufen Silber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sackt betroffen auf die Pritsche:<\/em><br>Vater, hilf weiter&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ab hier D\u00e4mmerung bis Dunkelheit zum Aktschluss.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>kommt herein, eigentlich guter Dinge:<\/em><br>Tramonto, die Sonne k\u00fcsst den Horizont.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>hat in jeder Hand einen Schl\u00fcssel, \u00fcbergibt einen an PIETRO:<\/em><br>Ja hier ist der Schl\u00fcssel zur &#8211;<br><em>Er ist unsicher:<\/em><br>Nein, dies der Kammerschl\u00fcssel, &#8211; oder doch der?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Da <\/em><strong>PIETRO <\/strong><em>immer zugreifen will, entsteht ein Handgemenge, das damit endet, dass <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>noch einmal die Kammert\u00fcr auf- und zuschlie\u00dft. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>nimmt den anderen Schl\u00fcssel und probiert das Fesselschloss. Sie reden zugleich:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Dies der Schl\u00fcssel zur Kammer.<br><em>Er \u00fcbergibt ihn PIETRO.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Dies der Kettenschl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>zu PIETRO:<\/em><br>Bewahrt ihn, W\u00e4chter vom Dienst, bis zur \u00dcbergabe an Messere degli Orsi bei Sonnenaufgang. Und haltet den Gefangenen sicher. Und sagt ihm, dass drau\u00dfen ein Diener wartet, der ihm beim Entkleiden helfen soll.<br><em>Er klopft an die gro\u00dfe T\u00fcr:<\/em><br>Lass uns raus!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>anz\u00fcglich:<\/em><br>Die erste Nacht, Pietro, &#8211; \u00e4h\u00e4!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es gehen <\/em><strong>LAMBERTINO, ALBINGO, SERVINELLA.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>geht nach einer Weile zur Kammert\u00fcr, \u00f6ffnet das Fensterchen, alles z\u00e4rtlich behutsam, spricht nach einer Pause:<\/em><br>Wir kennen einander &#8211; von der Schlacht an der Scultenna, die Eure letzte werden sollte. Die Br\u00fccke Sant&#8217;Ambrogio, die Br\u00fccke der Niederlage f\u00fcr Euch Kaiserliche&#8230; Ich sah Euch im Gefecht und dachte nichts als: Herrgott, schenke mir die N\u00e4he zu diesem Feind. Da legtet Ihr einen Pfeil an und zieltet auf mich. Ich tat nichts, ihn abzuwehren. Er streifte das Ohr meines Pferdes und traf den edlen Ritter Prendiparte so ungl\u00fccklich im Hals, dass er vom Pferd st\u00fcrzte und an seinem Blut erstickte. Wenig sp\u00e4ter wart Ihr gefangen&#8230;<br><em>Nach einer Pause:<\/em><br>Drau\u00dfen wartet ein Diener, Euch beim &#8211; beim Entkleiden zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist verschlossen:<\/em><br>Ich brauche ihn nicht, danke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO:<\/strong><br>Das wird ihm recht sein. Er schien m\u00fcde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>verbiestert sich in herrlicher Vision:<\/em><br>Ich gelobe, diese Kleider nicht abzulegen, bis ich das Licht der Freiheit wieder koste. Dann werde ich im Flusse Scultenna baden, am Ufer schlafen, unterm Sternenzelt, und am Morgen davongaloppieren, um wieder zu k\u00e4mpfen und Siege davonzutragen&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>mit verhaltener Melancholie:<\/em><br>Ja, Siege tr\u00e4gt man davon, die Toten bleiben liegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>recht ver\u00e4chtlich:<\/em><br>So schw\u00e4tzen die W\u00e4chter. H\u00f6re, W\u00e4chter, mein Vater braucht Siege, keine Trauer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>schlie\u00dft das Fensterchen, geht zur gro\u00dfen T\u00fcr, klopft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>erscheint im Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>leise:<\/em><br>Lass mich raus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sitzt regungslos in absoluter Stille, so lange, dass die Spannung kaum ertr\u00e4glich bleibt. Sie l\u00f6st sich in einem zun\u00e4chst fast unh\u00f6rbaren, dann immer lauter werdenden Weinen des Gefangenen. Niemand wird sagen k\u00f6nnen, wann genau es angefangen hat&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Langsam verl\u00f6scht das letzte Licht, schlie\u00dft sich der Vorhang.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3959\" data-type=\"page\" data-id=\"3959\">K\u00d6NIG GEFANGEN &#8211; Zweiter Akt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3930\">Kom\u00f6dien von Peter Podehl<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** K\u00f6nig gefangen Kom\u00f6die von Peter Podehl\u00a9 *** Die Personen der Handlung: ENZIO, K\u00f6nig von SardinienLUCIA DA VIADAGOLA, seine 1.* GeliebteFRANCESCA DI GUIDA DEI LAMBERTINI, seine 2.* GeliebteKATERINA DA GALUZZI, seine 11.* GeliebteBIANCA DA GALUZZI, seine 24.* GeliebteSERVINELLA, Bedienerin und KupplerinLAMBERTO DI GUIDA DEI LAMBERTINI, Oberw\u00e4chterMICHELE DEGLI ORSI, W\u00e4chterPIETRO ARSENELLI, W\u00e4chterALBINGO DI EBUBO, W\u00e4chterEIN BAUMEISTEREIN [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4045,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3936","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3936"}],"version-history":[{"count":42,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3936\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4120,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3936\/revisions\/4120"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}