{"id":3959,"date":"2025-07-05T16:08:50","date_gmt":"2025-07-05T16:08:50","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3959"},"modified":"2025-07-05T21:16:23","modified_gmt":"2025-07-05T21:16:23","slug":"konig-gefangen-zweiter-akt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3959","title":{"rendered":"K\u00f6nig gefangen &#8211; Zweiter Akt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">K\u00f6nig gefangen<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Kom\u00f6die <br>von <br>Peter Podehl<br>\u00a9<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Zweiter Akt<br>***<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ZWEITER AKT<\/h3>\n\n\n\n<p><em>Noch ist Nacht. Tiefe Stille am sehr fr\u00fchen Morgen. Die Leinwand im Fenster ist geflickt. Der Schepper-Vorhang oben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sitzt auf seinem Lager nicht viel anders als am Ende des ersten Aktes. Nur ist er deutlich anders angezogen, sozusagen ziviler; es ist also Zeit vergangen. Und er weint nicht mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>ist W\u00e4chter vom Nachtdienst. Er sitzt-fl\u00e4zt schlafend am Tisch nahe der gro\u00dfen T\u00fcr und schnarcht erbarmungsw\u00fcrdig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach einiger Zeit Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche, betont leise.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schleicht herein, geht zur Kammert\u00fcr, stellt fest, dass sie verschlossen ist, \u00f6ffnet das Fensterchen in der T\u00fcr, was ein deutliches Ger\u00e4usch macht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>wendet ruckartig den Kopf, steht auf:<\/em><br>Pietro?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>ganz leise:<\/em><br>Pst! Nein, Michele degli Orsi, lange vor Sonnenaufgang!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><br>Wie soll ich das wissen? In diesem Loch starre ich nur in die Ewigkeit&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>geht zu ALBINGO, sucht ihn ganz vorsichtig nach dem Schl\u00fcssel ab, findet ihn, ohne den Schl\u00e4fer zu wecken, geht zur Kammer, schlie\u00dft leise auf, geht rein, schlie\u00dft die T\u00fcr, auch das Fensterchen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>steht ihm auf gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Distanz gegen\u00fcber.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>tut alles, um auf seine Weise das Gespr\u00e4ch zu suchen, auch fast kriecherisch, zun\u00e4chst undurchsichtig und immer verschw\u00f6rerisch leise:<\/em><br>Ich bin nicht der K\u00f6nigsm\u00f6rder, wie Ihr vielleicht f\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>stolz:<\/em><br>Ich kenne keine Furcht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>revoziert devot:<\/em><br>Gewiss, nein, wie konnte ich so etwas w\u00e4hnen &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat eine erste kleine Runde gewonnen:<\/em><br>Was wollt Ihr also?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>weniger devot, eher schon fordernd:<\/em><br>Euer Hund will ich sein, Euch zu Diensten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kann sich das nicht vorstellen<\/em>:<br>Ein stolzer W\u00e4chter mein Hund? Es ist. zum Lachen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>wird deutlicher:<\/em><br>Nicht so sehr, wenn Ihr h\u00f6rt, was mir heute nacht widerfahren ist: Ein Wagen meines Handelshauses, hochbeladen mit besten flandrischen Tuchen, ist von Soldaten Eures Vaters, des Kaisers aufgebracht worden. Sie w\u00fcteten mit Schwertern und Spie\u00dfen in den Tuchballen und kippten die Fetzen in die Scultenna.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>eher wider besseres Wissen:<\/em><br>So etwas tun die Soldaten des Kaisers nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Seitdem der Kaiser ein Handelsembargo gegen die Republik Bologna verh\u00e4ngt hat, tun sie so etwas immer \u00f6fter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>korrigiert sich also:<\/em><br>Wenn das so ist, dann sind die Soldaten meines Vaters zu loben. Bravo!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>stimmt unerwarteterweise zu:<\/em><br>Jawohl: Bravo!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>erstaunt:<\/em><br>Ihr stimmt mir zu? Wieso heult Ihr nicht \u00fcber Eure ersoffenen flandrischen Fetzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>offenbart Einiges an Hochverrat:<\/em><br>Weil ich Ghibelline bin, Euch verb\u00fcndet, kaisertreu in dieser Stadt, die nur dem Papst den Hintern leckt! Kein Kaufmann in der Stadt hat begriffen, dass es nur im Frieden mit dem Kaiser Handel geben wird. Wir werden bettelarm, gehen vor die Hunde in diesem ewigen lombardischen Krieg!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>etwas hochn\u00e4sig:<\/em><br>Das ist mir die wahre Haltung!: Da ist also einer kaisertreu und Ghibelline, blo\u00df weil er ums Geld in seiner Kasse f\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>sehr n\u00fcchtern:<\/em><br>Warum nicht? Aus solcher Haltung w\u00e4chst Eure Befreiung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>horcht auf, muss das einsehen:<\/em><br>Hm, &#8211; so gesehn&#8230; Was ist zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Ich brauche Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>mit dem idealistischen Rappel:<\/em><br>Ich sehne mich nach meiner Freiheit, &#8211; Ihr redet von Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Die Freiheit ist teuer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Wie soll ich als Gefangener Steuern eintreiben? Ich habe kein Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>versteckt lauernd:<\/em><br>Nicht hier. Aber drau\u00dfen &#8211; ein Schatz, irgendwo versteckt &#8211; vergraben, unter einer Br\u00fccke &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>zwar \u00e4u\u00dferst misstrauisch, aber unaufmerksam zugebend, dass es einen solchen Schatz gibt:<\/em><br>Woher wisst ihr das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>nimmt es positiv, dabei ehrlich:<\/em><br>Ich wei\u00df es ja nicht. Aber ich kann nicht glauben, dass ein befreiter K\u00f6nig von Sardinien nicht w\u00fcsste, wohin sich wenden, um seine Taschen zu f\u00fcllen, dass er S\u00f6ldner lohnen kann und Waffen kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will zun\u00e4chst keinesfalls mehr preisgeben:<\/em><br>So helft mir zu meiner Freiheit, Ghibelline, &#8211; wenn Ihr es ehrlich meint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>trocken:<\/em><br>Dazu brauche ich Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>So dreht sich der Hund im Kreise und schnappt nach seinem Schweif.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Nein, ich schnappe nach Eurem Schatz. Aber Ihr verweigert mir die Wurst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>einigerma\u00dfen hin- und hergerissen:<\/em><br>Gebt mir ein Zeichen, dass Ihr nicht scherzt oder \u00c4rgeres im Schilde f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>J\u00fcngst kam einer meiner Agenten aus Lagopesole, der mit dem Kaiser gesprochen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das regt<\/em> <strong>ENZIO <\/strong><em>sehr auf:<\/em><br>Mit dem Vater? So redet! O, diese Gefangenschaft! Ich starre nach oben: kein Himmel. Ich starre dahin, dahin, dahin: &#8211; keine B\u00e4ume, keine Str\u00e4ucher, keine Soldaten, &#8211; nur Finsternis und kaltes Mauerwerk, wohin ich blicke, wohin ich tappe!&#8230;<br><em>Er r\u00fcttelt an der T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>f\u00e4llt ihm in den Arm:<\/em><br>Weckt mir den Albingo nicht! ER ist der Nachtw\u00e4chter vom Dienst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>resigniert:<\/em><br>Jede Nacht tr\u00e4ume ich von Pferden ohne Reiter&#8230; Der Vater vergisst mich<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Euch doch nicht, den er zu seinem Nachfolger bestimmt hat.<br><em>Er f\u00e4llte ohne Enthusiasmus auf die Knie:<\/em><br>So wird die Welt knien vor der einzigen Majest\u00e4t von Gottes Gnaden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>So gebt mir ein Zeichen, dass ihr es ehrlich meint,<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>eher entt\u00e4uscht:<\/em><br>Ist mein Kniefall nichts?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Auch Verr\u00e4ter k\u00f6nnen knien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>reicht ihm eine Falkenfeder:<\/em><br>So nehmt dies zum Zeichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>erstaunt, erfreut, gl\u00fccklich:<\/em><br>Eine &#8211; eine Falkenfeder&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>l\u00fcgt gut:<\/em><br>Der Kaiser gab sie meinem Agenten in Lago Pesole.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist verf\u00fchrt:<\/em><br>Sie lag also in meines Vaters Hand?&#8230;<br><em>Sehr offen, sehr verschw\u00f6rerisch<\/em><br>H\u00f6re: Bei der Br\u00fccke San Ambrogio \u00fcber die Scultenna, wo ich ins Elend geriet, auf dem westlichen Ufer, unter dem zweiten Pfeiler. Eintausend Goldst\u00fccke zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>st\u00fcrmt rein, einen toten Falken in der Hand:<\/em><br>Schlie\u00dft die Kammer auf, Messere di Ebubo.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>ist sehr verschreckt aufgewacht; hat gro\u00dfe M\u00fche, sich zurechtzufinden:<\/em><br>Ja! Was? Mir tr\u00e4umte &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Aufschlie\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>geht zur Kammert\u00fcr:<\/em><br>Ja. Was soll das tote Vogelvieh?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Ein Falke. Warum schlie\u00dft Ihr nicht auf?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>irritiert, weil der Schl\u00fcssel ja weg ist:<\/em><br>Ja, sicher &#8211; weil&#8230; Wo ist der Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Das m\u00fcsst Ihr wissen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>zeigt die rechte Faust:<\/em><br>In dieser Faust hielt ich ihn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Wo ist er?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>immer unsicherer &#8211; die linke Faust:<\/em><br>Oder &#8211; hielt ich ihn in dieser Faust?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wird ungehalten:<\/em><br>Wo er ist?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO:<\/strong><br>Bevor ich &#8211; also, da war er noch da. Was soll der tote Vogel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Sucht den Schl\u00fcssel!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>kriecht auf dem Fu\u00dfboden herum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>kriecht mit, unter Such-\u00c4chzen, aber ganz sch\u00f6n bedrohlich:<\/em><br>Messere di Ebubo, ich muss argw\u00f6hnen, dass Ihr Euer schweres W\u00e4chteramt nicht mit der gebotenen Sorgfalt &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>hat Angst, unzuverl\u00e4ssig erscheinen zu k\u00f6nnen:<\/em><br>Doch doch &#8211; nein &#8211; ja!&#8230; Sehr sorgf\u00e4ltig!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>hat beim ersten Rumoren den Dolch gezogen und ENZIO in Schach gehalten, gezischt:<\/em><br>Kein Laut!, &#8211; es w\u00e4re unser Verderben!<br><em>Durch einen Schlitz des Fensterchens beobachtet er das Treiben im Saal.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als <\/em><strong>ALBINGO <\/strong><em>und <\/em><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>unter dem Tisch suchen, schleicht <\/em><strong><em>MICHELE<\/em><\/strong><em> rasch aus der Kammer, ohne sie zu verschlie\u00dfen, legt den Schl\u00fcssel auf den Tisch, versteckt sich nahe der gro\u00dfen T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>kommt einigerma\u00dfen ersch\u00f6pft hoch:<\/em><br>Es m\u00fcssen b\u00f6se Geister &#8211; in dieser Faust hielt ich &#8211;<br><em>Er entdeckt den Schl\u00fcssel auf dem Tisch:<\/em><br>Hier ist er ja!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>So schlie\u00dft endlich auf!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>will aufschlie\u00dfen, aber:<\/em><br>Die T\u00fcr ist ja auf!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>entsetzt:<\/em><br>Waas?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>mimt sofort eifriges Schlie\u00dfen:<\/em><br>Nein nein! Ein Irrtum! Alles in Ordnung!<br><em>Er st\u00f6\u00dft die T\u00fcr auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>wirft den Falken in die Kammer, macht die T\u00fcr zu, befiehlt ALBINGO:<\/em><br>Schlie\u00dft zu!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das tut <\/em><strong>ALBINGO.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>schaut triumphierend h\u00e4misch durch das Fensterchen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Unterdessen Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>und <\/em><strong>SERVINELLA <\/strong><em>kommen herein. <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>schl\u00fcpft unbemerkt raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>steht in der T\u00fcr, unschl\u00fcssig, ob er gleich wieder abschlie\u00dfen soll; normalerweise geht sonst der W\u00e4chter vom Nachtdiensat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>reichlich verwundert:<\/em><br>Messere die Lambertini, so fr\u00fch &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO, <\/strong><em>verst\u00e4ndnislos:<\/em><br>Er hat einen toten Falken in die Kammer des K\u00f6nigs geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>angewidert:<\/em><br>Welch eine neue Laune&#8230; Warum das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>geht zu den Dreien, leise verschw\u00f6rerisch:<\/em><br>Weil der Kaiser tot ist, der Vater, am Tage der Heiligen Lucia, in einer Jagdh\u00fctte unweit Lagopesole, der Antichrist! Der tote Falke zum Zeichen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>wunderbar laut:<\/em><br>Es gibt kein Gesetz, das den K\u00f6nig von Sardinien verurteilt, mit einem stinkenden Falkenkadaver die Kammer zu teilen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>geht zur Kammer, auch laut:<\/em><br>Hier kommt die Gesetzesauslegung!: &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>springt vor die Kammert\u00fcr:<\/em><br>Ihr nicht! Messere di Ebubo ist der Wachhabende vom Dienst. Er soll es ihm sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>weigert sich:<\/em><br>Ich kanns nicht! Wir haben gestern abend miteinadner gelacht. Mein Dienst ist zu Ende. Messere Arsinelli, der Eure hat begonnen, die Sonne &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>wehrt sich auch, sehr betroffen:<\/em><br>Noch unter dem Horizont! Ich kanns nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>will PIETRO wegschieben:<\/em><br>Aber ich kanns &#8211; mit dem gr\u00f6\u00dften Vergn\u00fcgen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>wehrt sich handgreiflich, verzweifelt:<\/em><br>Nein, Ihr nicht! Ihr seid zu &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>wei\u00df LAMBERTINO abzulenken<\/em>:<br>Ihr habt doch heute nacht dreimal mein Tr\u00e4nklein getrunken, Messere dei Lambertini?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINOS <\/strong><em>Interesse wechselt augenblicklich:<\/em><br>Habe ich, &#8211; dreimal . Der Mond strahlte hell, &#8211; aber &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>kupplerinverf\u00fchrerisch:<\/em><br>So m\u00fcsst Ihr nach Hause eilen &#8211; Euer Weibchen Francesca erwacht soeben und r\u00e4kelt sich und verlangt nach Euch!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERINO <\/strong><em>rennt ab:<\/em><br>Was?!<br><em>Er ruft noch:<\/em><br>Sagt es ihm!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tableaux von einiger Dauer: <\/em><strong>ENZIO, <\/strong><em>auf gr\u00f6\u00dfter Distanz zu dem Falken in seiner Kammer; <\/em><strong>PIETRO, <\/strong><em>abgewendet von der T\u00fcr zur Kammer, <\/em><strong>ALBINGO, <\/strong><em>auf dem Sprung nach drau\u00dfen, <\/em><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>wartet immer noch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>ist mit dem Blick von einem zum anderen gewandert:<\/em><br>Euer Umgang mit dem Tod ist erb\u00e4rmlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO <\/strong><em>wirft den Schl\u00fcssel auf den Tisch und verschwindet:&nbsp;<\/em><br>Die Sonne hoch \u00fcber dem Horizont!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>geht auch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>nach einer Pause, leise:<\/em><br>Ich liebe ihn zu sehr&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>nimmt den Schl\u00fcssel und schlie\u00dft die Kammert\u00fcr auf:<\/em><br>Das Einzige, was ich gelten lasse&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>st\u00fcrmt aus der Kammer:<\/em><br>Was ist das f\u00fcr ein Morgen?! Freund Pietro&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>wendet sich ab, verkriecht, verschlie\u00dft sich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Was ist in Euch gefahren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hat schon den Falken in der Hand:<\/em><br>Lasst ihn, Majest\u00e4tchen. Ich erkl\u00e4rs Euch gleich.<br><em>Sie wirft den Vogel aus dem Fenster, steht still, dem Fenster zugewandt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>muss das Alles sehr verwundern, fast befehlend:<\/em><br>Willst du nicht meine Kammer saubermachen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>kann kaum die Tr\u00e4nen zur\u00fcckhalten:<\/em><br>Geh\u00f6rt es nicht zum Saubermachen, den Falken auf seinen letzten Flug zu schicken?<br><em>Sie heult los und rennt in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>folgt ihr:<\/em><br>Warum weinst du? Geht dir der Tod des Vogels so zu Herzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schlie\u00dft die Kammert\u00fcr von innen, lehnt sich an sie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>sehr verwundert:<\/em><br>Was ist denn blo\u00df los heute morgen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>sehr leise:<\/em><br>Die Welt ver\u00e4ndert &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>nach einer Pause:<\/em><br>Warum fragst du mich nicht, wie jeden Morgen, nach dem Traum der Nacht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hat an ihrer Trauerbotschaft zu kauen:<\/em><br>Was also hat die Hoheit getr\u00e4umt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>mit winzigem Triumph:<\/em><br>Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>ein wenig erstaunt:<\/em><br>Wie? Kein Pferd, gesattelt und gez\u00e4umt und ohne Reiter?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Nichts heute Nacht. Das ist mir angenehm. Es schenkt mir Freiheit. Willst du nicht saubermachen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Gleich. Warum tr\u00e4umst du nie von deiner Mutter, Majest\u00e4tchen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>eher muffig:<\/em><br>Ich wei\u00df von keiner Mutter. Ja: ein Edelfr\u00e4ulein in den deutschen Stammlanden, Adelheid von Hohenburg, &#8211; mehr wei\u00df ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Und warum tr\u00e4umt die Hoheit nie von Frauen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>mit einem Lachen:<\/em><br>Wie kannst du fragen, warum ich etwas nicht tr\u00e4ume?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Ein Mann wie du &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Ich habe Anderes zu tun. Wenn ich erst wieder in die Freiheit reite, werde ich auch wieder Dirnen haben. Solange &#8211; soll es auch was geben, das spielt ein Mann allein&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>mag das nicht h\u00f6ren:<\/em><br>Du doch nicht, Majest\u00e4tchen. Solche Spiele \u00fcberlassen wir doch dem Albingo di Ebubo.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Was wollte mein Peiniger mit dem toten Vogel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>f\u00e4ngt spontan an, das Bett zu richten:<\/em><br>Es wird keine Pferde geben im Gef\u00e4ngnis der Hoheit. Das bleibt der Traum in jeder Nacht. Aber eine Frau &#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>d\u00e4mmert mit einigem Erschrecken, dass SERVINELLA selbst sich andienen k\u00f6nnte:<\/em><br>Servinella &#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>h\u00e4lt in geb\u00fcckter Stellung mit Arbeiten inne, wendet den Kopf zur\u00fcck, auf ihre Weise kokett, was ENZIO so v\u00f6llig missversteht:<\/em><br>Ja &#8211; Majest\u00e4tchen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>lauernd:<\/em><br>Es gibt in meinem Gef\u00e4ngnis nur eine Frau &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>vergr\u00f6\u00dfert ungewollt das Missverst\u00e4ndnis:<\/em><br>Und die ist kein Traum. Die will dir Liebe verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>ziemlich fassungslos, leise.<\/em><br>&#8230; dass sich mir ein solcher Leib andient&#8230; Was kostest du?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>nun auch fassungslos, aber erheitert:<\/em><br>Waas? Ich doch nicht!<br><em>Kurz liebevoll nachdenklich, vernuschelt:<\/em><br>Obwohl &#8211; meine Liebe, aber&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will rasch vom peinlichen Missverst\u00e4ndnis weg:<\/em><br>Was du zusammenschw\u00e4tzt!, &#8211; mach sauber!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>arbeitet weiter:<\/em><br>Du verkennst mein Gewerbe, Majest\u00e4tchen: Ich bin Kupplerin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist froh, dass die Sache so ausgeht, und schon gleich l\u00fcstern:<\/em><br>Teufelsweib! So schaff mir eine Dirne!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>triumphierend:<\/em><br>Ah, &#8211; ziehts in den Lenden, h\u00e4? Dazu brauche ich Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>aufger\u00e4umt:<\/em><br>Da bist du nicht die erste heute. Die Dirne will es nicht umsonst tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>zuerst etwas geheimnisvoll:<\/em><br>Die Dame tut es umsonst&#8230; I c h  will Geld, ich kupple nicht ohne Lohn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht zuerst auf den zweiten Satz ein:<\/em><br>Wie teuer also bist du?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>F\u00fcr Euch mach ich eine gn\u00e4dige Taxe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>kommt jetzt verwundert darauf zur\u00fcck:<\/em><br>Aber wieso tut es die Dame umsonst?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Weil sie liebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>schwerh\u00f6rig, taktlos:<\/em><br>Ich will nichts geschenkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Aber Majest\u00e4tchen!, &#8211; das sch\u00f6nste Geschenk des Himmels auf Erden!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Du redest wie ein Trobadore. Das taugt nicht ins Freudenhaus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>stellt \u201avornehm\u2018 richtig:<\/em><br>Oh nein, Hoheit!, die Dame kommt aus dem vornehmsten Hause Bolognas!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist sehr verwundert:<\/em><br>Und liebte einen Gefangenen? Liegen ihr nicht Helden genug zu F\u00fc\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>l\u00e4chelt:<\/em><br>Wie sch\u00f6n ahnungslos du bist, was Weiberherzen angeht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>schaltet pl\u00f6tzlich auf ernst:<\/em><br>Servinella, steh ab von deiner Kuppelei. Ich wills dir entgelten, aber &#8211; keine Frauen jetzt. Auch verbieten die Statuten jeden Besuch von Damen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Noch sind die Statuten nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Dennoch: &#8211; der Vater &#8211; er will mich besser, als er selber ist -, der Vater w\u00fcrde es nicht leiden, finge ich jetzt an, mit der Liebe zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>muss nun zuschlagen:<\/em><br>Der Vater ist tot.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>rei\u00dft es mit einem dumpfen Laut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>bleibt jetzt ganz trocken:<\/em><br>In einer Jagdh\u00fctte unweit Lagopesole starb die Majest\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>springt sie an, w\u00fcrgt sie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Aua! Du tust mir weh! Ich bin nur der Bote!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>st\u00fcrzt auf das Lager, w\u00fcrgt mit Klagelauten an seinem Schmerz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Am Tag der Heiligen Lucia&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>sucht verzweifelt nach der Falkenfeder:<\/em><br>Aber &#8211; die Feder, die mir Michele gebracht &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Was Feder!, &#8211; der tote Falke war das Zeichen!<br><em>\u00dcbergangslos:<\/em><br>Ich hol dir die Dame.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>pl\u00f6tzlich w\u00fctend:<\/em><br>H\u00f6r auf von Weibern! Jetzt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>unbeirrt:<\/em><br>Nein, deswegen habe ich angefangen. Ein Sohn, dem solcher Vater gestorben ist, der braucht eine Freundin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will zwischendurch unerwartet wissen:<\/em><br>Wie alt ist sie?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong><em>, ganz Kupplerin:<\/em><br>Bl\u00fchend &#8211; gl\u00fchend&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>windet sich:<\/em><br>Noch nicht jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>abf\u00e4llig:<\/em><br>Jetzt &#8211; jetzt! Ihr M\u00e4nner k\u00f6nnt immer nur Alles hintereinander! In drei Tagen springst du auf die erstbeste Bauerndirne. Aber in drei Tagen ist der Vater genauso tot wie heute. Sage dem Messere Arsinelli, dass du den Besuch einer vornehmen Dame erwartest, &#8211; dass er nicht widerborstig ist.<br><em>Sie geht aus der Kammer, an PIETRO vorbei:<\/em><br>Er wei\u00df es.<br><em>Sie klopft an die T\u00fcr und sagt zum SOLDATEN, der am Fensterchen erscheint:&nbsp;<\/em><br>Lass mich raus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche. Die T\u00fcr geht auf.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>geht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr von au\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>steht abrupt auf, geht aus der Kammer, stolpert \u00fcber den Balken, f\u00e4ngt sich aber sehr elegant, geht zum abgewandten PIETRO, dreht ihn an den Schultern um, umarmt ihn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>erwidert die Umarmung sehr scheu:<\/em><br>Die Hoheit umarmt mich &#8211; zum ersten Mal&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>eher befreit:<\/em><br>Der Vater ist tot.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>in gro\u00dfer Betroffenheit verharrend:<\/em><br>Ich wei\u00df es &#8211; ja&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Ich bin der Kaiser. Mit verbrieften Rechten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>kniet, leise:<\/em><br>Majest\u00e4t&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hebt ihn auf, ein befreiendes Lachen kommt ihm leicht in die Gurgel:<\/em><br>Willst du mein Maresciallo sein? Geh, sattle mir mein Pferd. Sie sollen ihn noch nicht begraben, ich will dabei sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>recht irritiert:<\/em><br>Woher nehmt ihr die Gewissheit, dass &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>unterbricht ungest\u00fcm, ungeduldig:<\/em><br>Wo residiert der Papst? In Rom &#8211; oder Lyon? Dass ich nichts wei\u00df von der Welt drau\u00dfen&#8230; Ich will gleich zum Papst reiten und Frieden schlie\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO:<\/strong><br>Aber Ihr seid verketzert und lebt im Bann der Kirche!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht viel &#8211; wie sinnlos &#8211; umher:<\/em><br>Die Welt l\u00e4sst sich ver\u00e4ndern &#8211; oder? Sie wird einem Friedensf\u00fcrsten das Gastrecht nicht verweigern. Ich brenne darauf zu herrschen als Einer, der die Liebe im Schilde f\u00fchrt! Sollte sie nicht mehr bewirken als der Tod eines Soldaten und noch eines Soldaten und noch eines Soldaten&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>f\u00e4ngt ein wenig Feuer:<\/em><br>Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, Majest\u00e4t&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will sich von keinen Konjunktiven bremsen lassen:<\/em><br>W\u00e4re zu w\u00fcnschen!&#8230; Es ist zu tun! Von einem, der mich zu lieben vorgibt, erwarte ich andere Rede! Das Schwert soll in der Scheide verrosten! Der Griffel soll, \u00fcber den Papyros eilend, vom Frieden k\u00fcnden, landauf, landab, landauf, landab&#8230; Pietro, du bist mir zu schweigsam!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>w\u00fcrde ja gerne mitjubeln, aber -:<\/em><br>Die Hoheit ist beredt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>besinnt sich ein wenig:<\/em><br>Ja, &#8211; ich kann dato nicht anders trauern. Z\u00f6gerst du etwa, mir Gefolgschaft zu leisten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>bekennt, ehrlich, liebend:<\/em><br>Nein. Nie.&nbsp;<br><em>So leise, dass ENZIO es \u00fcberh\u00f6rt:<\/em><br>Umarmt mich noch einmal,Majest\u00e4t&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Du musst Kanzler werden, Pietro, &#8211; in der Freiheit!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong><em> kann seine Skepsis nicht unterdr\u00fccken:<\/em><br>Die einzige Freiheit, die ich an diesem Morgen sehe, ist Eure Freiheit vom Vater.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>nimmts weiterhin leicht:<\/em><br>Es wird nicht leicht sein ohne seine Befehle. Keine Antwort, wenn ich ihn um Rat fragen &#8211;<br><em>Er hat das Fenster ge\u00f6ffnet, das Wort<\/em><br>m\u00f6chte&#8230;<br><em>erstirbt ihm auf den Lippen, weil er auf der Piazza etwas ihm kaum Fassbares sieht. Er rennt wie ein Irrer in die Kammer und kramt herum, vieles durcheinander schmei\u00dfend, bis er die Spiegelscherbe findet. In die schaut er, um seine Frisur zu richten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>ist zum Fenster gegangen, sehr erstaunt:<\/em><br>Lucia da Viadagola &#8211; der Schleier verbirgt es kaum. Sie macht einen langen Weg von der S\u00e4nfte zum Gef\u00e4ngnistor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Frauen d\u00fcrfen also noch zu mir kommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO:<\/strong><br>Jeden Tag will man die Statuten \u00e4ndern, aber bis jetzt ist es nicht geschehn.<br><em>Er informiert ENZIO:<\/em><br>Lucias Bruder ist eifrig im Lager Eurer Feinde, Majest\u00e4t, stolz guelfisch bis ins innerste Mark. Was will sie hier?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist aus der Kammer gekommen, gibt PIETRO die Spiegelscherbe, frisiert an sich rum:<\/em><br>Halte mir das. Wenn meine Haare so liegen, &#8211; ich wei\u00df das &#8211; das lieben die Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>l\u00e4chelnd, leise:<\/em><br>Ich auch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>eher nebenbei:<\/em><br>Sie hat mich gek\u00fcsst &#8211; vor tausend Jahren&#8230; Oder habe ich das getr\u00e4umt?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>kommt eifrig beflissen rein, l\u00e4sst die gro\u00dfe T\u00fcr offen, l\u00e4uft zu ENZIO, zupft an seiner Kleidung rum, streicht ihm \u00fcber die Haare.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>ungehalten:<\/em><br>Nicht die Haare so!<br><em>Er \u00e4ndert es wieder, nerv\u00f6s mit dem Spiegel umgehend:<\/em><br>So! So lieben es die Frauen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Wenn sie es nur lieben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>fingert leidend an einer Schleife in der Taille herum:<\/em><br>Eine so sch\u00f6ne Frau zu empfangen ohne das Schwert in der Schlaufe &#8211; abger\u00fcstet&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>bissig, gequ\u00e4lt, obsz\u00f6n:<\/em><br>Ihre Schlaufe wird Wert legen auf das andere Schwert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELA, <\/strong><em>mit ihrer kleinen Koketterie:<\/em><br>Messere Arsinelli, habt Ihr nicht mit dem Commandante drau\u00dfen Dringliches zu bereden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>geht raus, wehm\u00fctig<\/em>:<br>Der Liebende schie\u00dft der Liebe den Weg frei&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Deinen Kuppellohn bekommst du morgen. Messere degli Orsi wird mir Geld besor-<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hat zur T\u00fcr geschaut, legt ihm die Hand auf den Mund, verneigt sich tief.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die wundersch\u00f6ne <\/em><strong>LUCIA DA VIADAGOLA, <\/strong><em>\u00e4u\u00dferst geschmackvoll und reich gekleidet, das Geb\u00e4nde auf dem Kopf, verschleiert, tritt ein, bleibt an der T\u00fcr stehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr von au\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>die <\/em><strong>LUCIA <\/strong><em>deutlich zur Kenntnis nimmt, aber eher erfreut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>steht zwischen Kammert\u00fcr und Balken, hebt ihr den Arm einladend entgegen; die Geste ist sch\u00f6n, wird aber von Unsicherheit gebrochen (was sie vielleicht noch sch\u00f6ner macht).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>geht langsam, sch\u00f6n, w\u00fcrdevoll zu ihm.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>weist mit einer elegant l\u00e4ssigen Geste des Unterarms und ausgestrecktem Zeigefinger auf den Stolperbalken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>verz\u00f6gert den Schritt, rafft den Rock und steigt schleppen- und \u00fcberhaupt kost\u00fcmbewusst \u00fcber das Hindernis, kann sogar kurz stehenbleiben und hinter sich schauen, dann geht sie in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>will folgen, zischt aber noch zu SERVINRELLA:<\/em><br>Du bist sicher, dass sie kein Engel ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schiebt ihn in die Kammer:<\/em><br>Ein Engel vielleicht, aber einer zum Anfassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schlie\u00dft die T\u00fcr, setzt sich auf die Bank und bleibt lange bewegungslos sitzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>und <\/em><strong>LUCIA <\/strong><em>verharren zun\u00e4chst fast regungslos. Ihre Augen wandern. Wenn die Blicke aufeinandertreffen, ist die Verlegenheit gro\u00df, aus L\u00e4cheln wird sekundenschnell tiefer Ernst. Schlie\u00dflich \u00f6ffnet <\/em><strong>LUCIA <\/strong><em>die Schlie\u00dfe ihres Mantels.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>eilt, ihn ihr abzunehmen. Sie muss sich dabei drehen und wenden. Er streichelt genussvoll begierdig ihren Arm, \u00fcber ihren R\u00fccken. Er wei\u00df nicht, wohin mit dem sperrigen, volumin\u00f6sen Kleidungsst\u00fcck, rennt zu SERVINELLA raus, wuchtet ihr den Mantel hin:<\/em><br>Ich habe ihn gestreichelt. Er ist noch da.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA, <\/strong><em>reichlich verwundert \u00fcber den Gebrauch des m\u00e4nnlichen Pronomens:<\/em><br>Wer &#8211; er?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>rennt in die Kammer zur\u00fcck:<\/em><br>Der Engel!<br><em>Er schlie\u00dft die T\u00fcr von innen, sucht sich zu fassen:<\/em><br>Lucia &#8211; nicht lange vorbei, dass Ihr Namenstag hattet&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>erstmal spr\u00f6de:<\/em><br>Lange genug vorbei.<br><em>Dann sehr einladend:<\/em><br>Mein Ohr ist begierig auf andere Rede.<br><em>Damit hat sie den Schleier gel\u00fcftet und offenbart gro\u00dfe geheimnisvolle Sch\u00f6nheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><em> &#8211; es ist wohl so, dass ihm die Knie weich werden, er sinkt mit hinrei\u00dfendem L\u00e4cheln zu Boden, auf die Knie, aber es ist nicht eigentlich ein Kniefall, &#8211; eine Schw\u00e4che, eine Fassungslosigkeit, immense Verlegenheit, Geblendetsein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>geht rasch zu ihm, fasst ihn an den Ellenbogen und hebt ihn auf:<\/em><br>Nicht doch mir zu F\u00fc\u00dfen, &#8211; deine Lippen nahe den meinen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat auch ihren Unterarm ergriffen, steht ihr sehr nahe:<\/em><br>Euer Atem haucht Rosenduft in diesen Kerker.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>haucht ihn z\u00e4rtlich und zur\u00fcckhaltend an:<\/em><br>\u00d6l von roten Rosen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Gl\u00fchend hei\u00df &#8211; Rosen als Brandstifter.<br><em>Ihn verl\u00e4sst der Mut. Er l\u00f6st die gro\u00dfe K\u00f6rpern\u00e4he, streicht \u00fcber Bett und Kissen:<\/em><br>Euer Glanz in dieser Armseligkeit&#8230; Ein einziges einzelnes Kissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>leise, z\u00e4rtlich:<\/em><br>Platz genug, zwei K\u00f6pfe darauf zu betten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht leider nicht darauf ein, entfernt sich eher noch:<\/em><br>Wie jammernswert, dass ich ein so schlechter Gastgeber geworden bin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>leidet die Entfernung, stichelt provozierend:<\/em><br>Geworden? Wart Ihr je ein guter?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>empfindlich:<\/em><br>Was f\u00e4llt Euch ein, so zu fragen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>freut sich, ihn getroffen zu haben:<\/em><br>O, nichts weiter&#8230; Ja, die kurze Spanne vielleicht, da ihr K\u00f6nig spieltet und &#8211; Ehemann in Torre und Gallura auf Sardinien. Die meiste Zeit seid Ihr in meiner lombardischen Heimat Soldat gewesen &#8230;<br><em>Unerwartet scharf:<\/em><br>&#8230; und Henker!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>stumpft ab, wei\u00df nicht gleich zu antworten:<\/em><br>Die Arbeit eines K\u00f6nigs &#8211; f\u00fcr den Vater.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>ein wenig schulmeisterlich rechthaberisch:<\/em><br>Und es fand sich keine andere K\u00f6nigsarbeit &#8211; f\u00fcr den himmlischen Vater&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist doch etwas gekr\u00e4nkt:<\/em><br>Wollt Ihr Euch zu meinem Beichtiger aufspielen? Der Stolz des Gefangenen ist wohlfeil zu brechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>will alles andere, vor allem das Gespr\u00e4ch wieder wenden:<\/em><br>Nein nein, ich will mich gewiss nicht aufspielen &#8211; nicht spielen &#8211; was rede ich f\u00fcr Torheiten? Ach &#8211; k\u00f6nnt ich sagen, was ich will&#8230;<br><em>Sie neigt den Kopf tief auf die Brust.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat ihr Geb\u00e4nde vor Augen, wieder \u00fcberlegener, will etwas wissen:<\/em><br>Euer Kopfschmuck verr\u00e4t die Ehefrau &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>sehr rasch richtigstellend:<\/em><br>Die Witwe. Mein j\u00fcngerer Bruder w\u00fcnscht, dass ich dies Zeichen meines Standes trage.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>mit kleinem Argwohn:<\/em><br>Wei\u00df Euer kleiner Bruder, dass Ihr hier seid?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>ist unerwartet erschrocken-betroffen:<\/em><br>Er selber schickt mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>einigerma\u00dfen misstrauisch:<\/em><br>Er? Guelfisch bis ins Mark?<br><em>Pl\u00f6tzlich hoffnungsfroh:<\/em><br>Etwa, den Frieden zu suchen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>tr\u00e4gt ein Geheimnis, sehr vieldeutig:<\/em><br>Den Frieden &#8211; ja, &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht wieder auf das Geb\u00e4nde ein:<\/em><br>Der Bruder also w\u00fcnscht diesen Rahmen f\u00fcr das himmlisch sch\u00f6ne Bild?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>als l\u00f6se sie sich von einem Zwang, nimmt seine Hand und f\u00fchrt sie z\u00e4rtlich \u00fcber seine Wange:<\/em><br>Das &#8211; ist kein Bild&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>nimmt lachend ihre Hand und batscht und presst sie \u00fcberm\u00fctig \u00fcber sein Gesicht:<\/em><br>Und das &#8211; ist ein Bart!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>ist froh, dieses Spiel spielen zu k\u00f6nnen. Sie f\u00fchrt einen seiner Finger \u00fcber seine Nase:<\/em><br>Das eine Nase.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>legt ihre Hand auf seine Stirn:<\/em><br>Meine Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>wagt es auch mit dem Mund, f\u00fchrt seine Finger dar\u00fcber:<\/em><br>Mein Mund &#8211; Lippe, Lippe, Z\u00e4hne&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>in tiefster Verliebtheit:<\/em><br>Nimm den Schleier ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>sch\u00f6n verwundert:<\/em><br>Ich habe ihn abgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Du tr\u00e4gst abertausend Schleier.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Wirst du sie l\u00fcften?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Das kostet Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Zeit &#8211; Amor hat kein k\u00f6stlicheres Geschenk&#8230;<br><em>Sie entdeckt die Schwertschlaufe:<\/em><br>Was ist das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>empfindlich:<\/em><br>Meine Schande. Die Schlaufe, die das Schwert des Ritters und K\u00f6nigs h\u00e4lt. Leer in der Gefangenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>steht sehr begehrenswert vor ihm, deutlich zweideutig:<\/em><br>Wirklich kein Schwert? Ich will nicht hoffen &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht ermutigt darauf ein:<\/em><br>Es sei denn, Ihr schmiedet ihm eins &#8211; dem Henker.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>umarmt und k\u00fcsst ihn:<\/em><br>Zum Teufel mit dem Henker!<br><em>Sie fasst ihn in der Taille:<\/em><br>Durch Messere di Ebubo wei\u00df die Stadt, dass der K\u00f6nig von Sardinien kitzlig ist&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>wehrt sich lachend. Es entsteht eine kleine Balgerei voller Juchzen und Lachen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>hat dabei etwas M\u00fche mit dem Geb\u00e4nde:<\/em><br>Es ist ein Kopfschmuck gegen das Lachen und gegen das K\u00fcssen und &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><br>So h\u00f6rt auf zu lachen und zu k\u00fcssen &#8211; oder &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>wei\u00df, was er meint:<\/em><br>Oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>nimmt ihr nach kurzer Pause sehr behutsam das Geb\u00e4nde ab, hat dann viel Bindenzeug in H\u00e4nden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>sch\u00fcttelt ihr langen Haare, ernst:<\/em><br>Da habt Ihr meine Haare. Nun k\u00f6nnte ich lachen, aber &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist etwas unsicher:&nbsp;<\/em><br>Trat ich Euch zu nahe? Soll ich es Euch wieder aufsetzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>nimmts wieder leicht und lacht:<\/em><br>Das versucht nur.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>wird selbst bei Ans\u00e4tzen dazu sehr hilflos und komisch sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Was drei Frauenzimmer in einer Stunde zauberten, wird ein Mannsbild nicht in drei Tagen schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>rennt mit dem zerrupften, flatternden Geb\u00e4nde zu SERVINELLA, gibt es ihr, ist sehr aufgekratzt:<\/em><br>Aus Fleisch und Blut, Servinella &#8211; und sie sagt Sachen &#8211; kein Engel! Als n\u00e4chstes was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Die G\u00fcrtelschnalle l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist schon wieder in der Kammer, wo LUCIA ihm den R\u00fccken zukehrt. Er ist jetzt gut in Fahrt:<\/em><br>Abgewendet, Lucia da Viadagola?<br><em>Er kokettiert mit k\u00f6niglicher Entt\u00e4uschung:<\/em><br>Ich bin es nicht gewohnt, mit mir spielen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>dreht sich nicht um:<\/em><br>Du Armer!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Arm?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Spielen ist ein Reichtum. Wei\u00df man das nicht in Deutschland?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Ich bin auf Sizilien gro\u00df geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Dann tut, was Servinella Euch gesagt hat: oder trugen die Sch\u00f6nen auf Sizilien keine G\u00fcrtel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>sch\u00f6n ungeduldig und ein wenig unerfahren mit schicken Damen:<\/em><br>Aber wie soll ich Eure Schnalle erreichen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>dreht, bei sonst statuarischem Stillstehen die G\u00fcrtelschnalle nach hinten.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>greift etwas z\u00f6gerlich zu. <\/em><strong>LUCIA <\/strong><em>ist in zwiesp\u00e4ltigster Gef\u00fchlsverwirrung, dreht sich lachend abrupt um. <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>will an die G\u00fcrtelschnalle, die ja nun wieder von ihm abgewendet ist. Es entsteht ein noch intimeres Gebalge, in dessen Verlauf LUCIA deutlich erkennbar ein Dolch aus dem weiten \u00c4rmel f\u00e4llt und \u00fcber den Boden rollt. Kein Zweifel, dass das versehentlich und ohne ihr Zutun geschieht. Nach kurzer Schrecksekunde will <\/em><strong>LUCIA <\/strong><em>ihn greifen, aber <\/em><strong>ENZIO <\/strong><em>tritt ihr &#8211; wie absichtlich oder instinktiv sei dahingestellt &#8211; unnachsichtlich auf die Hand.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>schreit auf:<\/em><br>Aua! Meine Hand!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hebt den Dolch auf, sehr ver\u00e4ndert, ohne Mitleid:<\/em><br>Wenn Ihr den Krieg wollt?! Ich muss Euch warnen: Da bin ich in meinem Fach und besser zur Hand als mit Weiberkleidern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>will ihm den Dolch abjagen, ist aber seiner Kraft und seinem Geschick hoffnungslos unterlegen. Sie k\u00fcsst ihn pl\u00f6tzlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>nur kurz irritiert, h\u00e4lt den Dolch hoch \u00fcber seinem Kopf:<\/em><br>Was wollt Ihr? K\u00fcssen? Oder zusto\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>weint in ihrer Not:<\/em><br>Beides doch, du tumber Deutscher!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat es leicht, \u00fcberlegen zu sein:<\/em><br>Glaubt Ihr im Ernst, ich \u00fcberlasse Euch diesen Schatz? Nun hat der Krieg wieder Waffen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>bricht an der Liege zusammen:<\/em><br>Es ist alles verloren!&#8230;<br><em>Sie schaut zu ihm auf:<\/em><br>Wollt Ihr nicht zusto\u00dfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Eine tote Lucia da Viadagola in des Kaisers Kerker? Nein. Geht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>besinnt sich:<\/em><br>Nein, mit Gottes Hilfe und der Wahrheit ist nichts verloren. Lasst mich erz\u00e4hlen, was mich zu Euch f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>k\u00fchl:<\/em><br>Ich h\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>bleibt halb am Boden, wendet ihm den R\u00fccken zu, und die Haltung ist schwer einzuordnen zwischen Dem\u00fctigkeit und Laszivit\u00e4t:&nbsp;<\/em><br>Die G\u00fcrtelschnalle noch immer unge\u00f6ffnet&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>\u00f6ffnet sie nach kleiner Besinnungspause mit knapper Bewegung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>entt\u00e4uscht:<\/em><br>Noch einmal schlie\u00dfen und wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>lacht h\u00f6hnisch auf:<\/em><br>&nbsp;Dass Ihr mir die Waffe abjagt? Nein! Ich bin auf der Hut!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Es ist nur, dass ich mir das \u00d6ffnen z\u00e4rtlicher gew\u00fcnscht h\u00e4tte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO:<\/strong><br>Da ist der Dolch im Wege.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Am Tage Eures Einzuges in Bologna, als ich Euch unter meinen Mantel nahm und k\u00fcsste und l\u00e4cheln machte, &#8211;<br>Si<em>e zeigt ihm das Schnur-Ende, und der Ton ist ist \u00fcbergangslos gleich:<\/em><br>Wenn Ihr hier ziehen wollt, entschn\u00fcrt Ihr mein Kleid.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>zieht langsam in der Taille, und es kommt unter ihrer Erz\u00e4hlung zu einer diskreten mittelalterlichen Entkleidung: Das eng anliegende Oberteil des Kleides bl\u00e4ttert wie eine Bl\u00fcte auf&#8230; Darunter tr\u00e4gt sie ein zartes, reich besticktes und verziertes Hemd. Um so komischer, als ENZIO bei alledem den Dolch vor ihrem m\u00f6glichen Zugriff sch\u00fctzt.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA:<\/strong><br>Mein Bruder war \u00fcber das, was ich getan hatte, aufs \u00e4u\u00dferste emp\u00f6rt. Ich verstand ihn nur zu gut, aber vergebens forschte ich in mir nach Spuren von Reue&#8230; Mein Bruder beschwor mich, die Ehre des guelfischen Hauses da Viadagola wiederherzustellen. Sein Plan war einfach und schlau: Ich sollte zu Euch gehen, alle Liebe heucheln und den verhassten Feind &#8211; morden. Er sorgte daf\u00fcr, dass den Frauen der Zutritt zum Gef\u00e4ngnis nicht verboten wurde. Er unterrichtete mich im Umgang mit der Waffe, zeigte mir den Sitz des Herzens, wo wir alle sterblich sind&#8230;, und nahm Servinella als Kupplerin in Dienste. O, &#8211; sehr schlau war sein Plan &#8211; bis auf einen Punkt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>hat sich gefangen nehmen lassen, auch nur z\u00f6gernd entschn\u00fcrt, h\u00fctet allerdings den Dolch:<\/em><br>Welchen Punkt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>bekennt:<\/em><br>Ich kann die Liebe nicht heucheln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ermisst nicht gleich das ganze Ausma\u00df des Bekenntnisses, ist beeindruckt, aber noch auf der Hut:<\/em><br>Ich finde, dass Ihr die Liebe vorz\u00fcglich spielt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA, <\/strong><em>sehr leise, ernst:<\/em><br>Ich spiele nicht &#8211; nichts.<br><em>Wieder \u00fcbergangslos:<\/em><br>Zieh fester.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>enth\u00fcllt sie weitgehend bis aufs Hemd und reicht ihr den Dolch:<\/em><br>Geliebte Feindin: &#8211; sto\u00df zu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>schl\u00e4gt ihm den Dolch aus der Hand und st\u00fcrzt sich auf ihn:<\/em><br>Nein! Nein! Nein! Geliebter Freund!, sto\u00df du zu!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Da rasselt der Schepper-Vorhang runter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hat sich schon lange auf die Bank gelegt, den Mantel unter dem Kopf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>f\u00e4hrt auf, sie will den Mantel verstecken, aber<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>kommt rasch rein und will sich neben sie setzen. Er ist geladen, meint den Mantel:<\/em><br>Nimm das weg!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>hievt den Mantel auf die andere Seite, zupft daran herum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Was steht da f\u00fcr eine S\u00e4nfte auf der Piazza?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>spielt ganz unschuldig:<\/em><br>Steht auf der Piazza eine S\u00e4nfte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Wo ist der Gefangene?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>In seiner Kammer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>hat zwar andere Sorgen, aber:<\/em><br>Am helllichten Tag? Wieso ist er so ruhig?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Woher wisst Ihr, dass er ruhig ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>kommt auf den Mantel zur\u00fcck:<\/em><br>Was ist das da?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Ein Mantel von Signora da Viadagola.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Was tut der hier?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>heuchelt jetzt und im Folgenden immer Arbeit am Mantel:<\/em><br>Ich bessere ihn aus. Eine arme Witwe muss sehn, wo sie bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>poltert los:<\/em><br>Ich werde dich ins Gef\u00e4ngnis bringen &#8211; und da wirst du bleiben!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>schaut ihn erstaunt-erschrocken an:<\/em><br>Waas?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Jawohl! Als Hexe! Ich zahle und zahle f\u00fcr deine Tr\u00e4nke, aber alles, was ich zu einem Sohn brauche, liegt im Argen &#8211; liegt, liegt, liegt &#8211; h\u00e4ngt&#8230; Wenn du nicht bald Besseres wei\u00dft, bringe ich dich vor Gericht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>setzt sehr untertreibend zu einem diabolischen Plan an:<\/em><br>Euer Weibchen Francesca braucht einen Trank.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO, <\/strong><em>gleich wieder ganz eifrig:<\/em><br>Gib her! Ich sch\u00fctte ihn heute Abend noch in ihren Wein! Das Gemunkel in den Gassen Bolognas \u00fcber den kinderlosen Lambertino di Guida dei Lambertini wird ja schon lauthals.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Nein, sie muss ihn nicht oben trinken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>hat im Folgenden viel zu verkraften:<\/em><br>Nicht oben? Was meinst du?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Er geht nicht durch den Magen. Er muss in den anderen Mund.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO <\/strong><em>versteht nur mit Verz\u00f6gerung:<\/em><br>Den anderen &#8211; ? So hilf ihr und mir. Du hast Zugang zu ihr, unter dem Vorwand, weise zu sein. Sie l\u00e4sst dich ran.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Nein, den Trank muss ein Mann verabreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO:<\/strong><br>Ein Mann? Wieso ein Mann? Doch nicht ein Mann? Was ist der Unterschied?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA:<\/strong><br>Ihr solltet den Unterschied nicht kennen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>ahnt das Teuflische, das ihm der Konjunktiv eingibt:<\/em><br>Ich w\u00e4re ein Mann &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>brutal<\/em>:<br>Aber nicht der.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>opponiert vehement:<\/em><br>Ein anderer? Ein dritter, der mir H\u00f6rner aufsetzt, dass der Spott in den Gassen Bolognas \u00fcberschwappt?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>bleibt feldherrenruhig:<\/em><br>Nicht doch!, &#8211; wir suchen einen, der nicht durch die Gassen Bolognas scharwenzelt, einen Kavalier, der Maulsperre hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Was? Wo sollen wir den finden? Au\u00dferhalb? Irgendeinen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Nicht au\u00dferhalb. Und nicht irgend einen &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> dringlich<em>:<\/em><br>Aber wen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>sehr l\u00e4ssig:&nbsp;<\/em><br>Einen K\u00f6nig &#8211; gefangen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>klappt die Kinnlade runter, er deutet fassungslos zur Kammert\u00fcr:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>nickt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>, <em>tonlos:<\/em><br>Aber &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Aber?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Aber der Papst hat ihn gebannt. Ich kriege einen Teufelsbraten zum Sohn und Erben!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>unger\u00fchrt:<\/em><br>Aber einen Sohn und Erben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>springt in die Entscheidung<\/em>:<br>Was soll sie anziehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong><em> <\/em><em>freut sich:<\/em><br>Was zum Ausziehen. Sie soll sich sch\u00f6n machen wie die S\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>ist jetzt ganz Stratege:<\/em><br>Sie kann nicht als S\u00fcnde \u00fcber die Piazza stolzieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>So zieht ihr Knabenkleider \u00fcber das Hemd.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Nein, sie wirft die M\u00f6nchskutte meines Onkels Theobaldo \u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Und der M\u00f6nch geht nackt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Er geht nicht mehr. Theobaldo liegt seit Wochen am Kaminfeuer und fr\u00f6stelt. Ich rede auf Francesca ein: Mein T\u00e4ubchen!, ich f\u00fchre dich jetzt zu einem Zauberer, der unserem Hause dei Lambertini den langersehnten Erben und Sohn &#8211; \u00e4h &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>erg\u00e4nzt:<\/em><br>&#8230; eintr\u00e4ufeln wird, &#8211; das klingt medizinisch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Ja: &#8211; eintr\u00e4ufeln wird. Tue alles, werde ich ihr sagen, was er sagt, und was er will, sei gef\u00fcgig und empf\u00e4nglich und &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>&#8230; in neun Monden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>, <em>pl\u00f6tzlich kategorisch streng:<\/em><br>Servinella, ich werde dich f\u00fcrstlich entlohnen! Aber nur, wenn du schweigst wie ein Grab. Nur wir beide wissen es, und nehmen das Geheimnis dereinst in den Tod. Auch der &#8211; der Vat &#8211; keine Silbe. Wenn du schw\u00e4tzt, bringe ich dich alte Hexe an den Galgen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Als ob ich jemals schw\u00e4tzen w\u00fcrde&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>will gehen:<\/em><br>Ich hole sie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Bringt Kissen mit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Kissen? Wieso Kissen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Er hat nur ein einziges. Mehr Kissen sind der Sache dienlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>geht zur T\u00fcr uns klopft:<\/em><br>Ich tue alles, was der Sache dienlich ist!&nbsp;<br><em>Zum <\/em>SOLDATEN, <em>der durch die \u00d6ffnung schaut:<\/em><br>Lass mich raus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>mit Bezug auf die Kammert\u00fcr besorgt, aber gleich sich selbst beruhigend<\/em><br>Hoffentlich kann er das, &#8211; aber ein Kaiser kann alles&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>kommt aus der Kammer, im Hemd, das Kleid ordentlich \u00fcber dem einem Arm, den anderen Arm sehnsuchtsvoll ausgestreckt in der Kammer, sehr gl\u00fccklich verliebt:<\/em><br>Servinella&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Zu Diensten, Signora.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>wird noch einmal in die Kammer gezogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>\u00e4ugt vorsichtig in die Kammer, besorgt:<\/em><br>Oh weh, &#8211; was habe ich da f\u00fcr eine lange Liebe angerichtet&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Schepper-Vorhang geht hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>steht hinter <\/em><strong>LUCIA<\/strong><em>, hat eine Hand unter ihrer Achsel, lehnt seinen Kopf in ihren Nacken. Ein Bild gro\u00dfer Z\u00e4rtlichkeit, seine andere Hand weist in den Himmel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Nun brauche ich nicht nur mehr Zeit zum Beten, sondern auch mehr Zeit zum Beichten. Erz\u00e4hle mir von deinen Lieben vor mir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ehrlich:<\/em><br>Fl\u00fcchtig. Die Liebe flieht den Krieger seit je.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>mehrdeutig:<\/em><br>Nun liegt die Fl\u00fcchtige gefangen&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie stehen versunken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>nach kurzer Pause mit lauter Dienstbotenaufforderung:<\/em><br>Zu Diensten, Signora!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>l\u00f6st sich von ihm<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>der warnt<\/em>:<br>Vorsicht, Geliebte, der Balken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>schaut ihm tief in die Augen, haucht:<\/em><br>Ja, Geliebter, genug Balken f\u00fcr heute.<br><em>Sie steigt anmutig r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber <\/em>den <em>Balken:&nbsp;<\/em><br>Servinella, kleide mich an, schn\u00fcre mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>passt das nicht:&nbsp;<\/em><br>Das dauert aber!<br><em>Sie versucht im Folgenden vergeblich, eine immer wieder abgelenkte, sehr aufmerksame<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>anzukleiden, wobei etliche Kleidungsst\u00fccke auf dem Fu\u00dfboden verstreut werden:<\/em><br>Die Zeit im Gef\u00e4ngnis kann nicht lange genug dauern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>wirft einen Blick aus dem Fenster:<\/em><br>Oh doch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>gradlinig, zuversichtlich.:<\/em><br>Der Tod des Vaters wird mir die Freiheit bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>bestimmt, fast b\u00f6se:<\/em><br>Ich hasse deine Freiheit!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kann das nicht verstehen:<\/em><br>Aber &#8211; vielleicht heute Abend noch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>sperrt sich:<\/em><br>Ich will sie nicht. Hier habe ich dich sicher. Nichts ist mir an deiner Freiheit gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht dar\u00fcber hinweg, l\u00e4chelnd, liebevoll:<\/em><br>Ich werde sie mit dir teilen. Was wirst du deinem Bruder sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>ist mutig:<\/em><br>Die Wahrheit wird ihm unertr\u00e4glich sein. Die werde ich ihm sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erschrickt:<\/em><br>Nein! Er wird dich erschlagen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>freut sich:<\/em><br>Hast du Angst um mich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>z\u00e4rtlich:<\/em><br>Das fragst du? Bleibe &#8211; f\u00fcr immer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>spontan protestierend:<\/em><br>Nein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>lacht<\/em>:<br>Recht hast du, Servinella! Solche Tr\u00e4ume tr\u00e4umen M\u00e4nner.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><em> wei\u00df dagegen:<\/em><br>Als ob du Frau ihn nicht auch tr\u00e4umen m\u00f6chtest.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>st\u00fcrzt ihm wieder in die Arme<\/em>:<br>Ja! Ja! Ja!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>kriegt zunehmend Angst vor dem Anmarsch der n\u00e4chsten Dame. Sie gibt die Ankleideversuche auf, sammelt alles zusammen und gibt es <\/em><strong><em>LUCIA<\/em><\/strong>:<br>So wird das nichts. Rafft Euer Zeug zusammen und werft den Mantel \u00fcber alles.<br><em>Sie holt Mantel und Geb\u00e4nde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Hole mir die S\u00e4nfte ganz nahe ans Portal.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>tut das mit Pfiffen und Gesten aus dem Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>recht obenhin:<\/em><br>Wo ist der Kanzler Pietro Arsinelli, &#8211; dass wir anfangen Politik zu machen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>h\u00f6rt das nicht gerne<\/em><br>Lass das mit der Politik. Ruh dich erstmal aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Ja, ruh dich erstmal aus, Majest\u00e4tchen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>etwas verschwiemelt, sendungsbewusst:&nbsp;<\/em><br>Gro\u00dfe Aufgaben warten auf mich!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>anz\u00fcglich trocken:<\/em><br>Sehr gro\u00dfe. Deswegen solltest du dich erstmal ausruhen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>wieder z\u00e4rtlich:<\/em><br>Als ich kam, wollte ich, dass ganz Bologna sieht, wie ich zum armen Gefangenen gehe.<br><em>Sie legt den Mantel um, tr\u00e4gt ihre etwas w\u00fcste Aufmachung mit Anmut<\/em><br>So &#8211; soll mich niemand sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>&#8230; wie du den reichen Gefangenen verl\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>und <\/em><strong>LUCIA<\/strong> fliehen in die Kammer, schlie\u00dfen die T\u00fcr<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>kommt rein, hat einigen Triumph auszuspielen:<\/em><br>Wo ist der Gefangene?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>ver\u00e4rgert \u00fcber den unerwarteten Eindringling:<\/em><br>In der Kammer, aber &#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>b\u00f6se:<\/em><br>Der L\u00f6we im innersten K\u00e4fig, &#8211; da l\u00e4\u00dft er sich gut reizen.<br><em>Er geht zur Kammert\u00fcr, macht das Fensterchen auf, geht zur\u00fcck, stolpert empfindlich, aber ohne Sturz \u00fcber den Balkon und klimper-spielt mit vielen Geldst\u00fccken, die er von einer Hand in die andere laufen l\u00e4sst, h\u00f6hnisch:<\/em><br>Ihr gabt mir eine gute Adresse, Hoheit: Zweiter Pfeiler unter der Br\u00fccke Sant&#8217;Ambrogio, &#8211; armer Gefangener, reicher W\u00e4chter!  &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht den Betrug nicht, liebkost <\/em><strong><em>LUCIA<\/em><\/strong><em>, ohne dass Michele und SERVINELLA es sehen k\u00f6nnen<\/em>:<br>Kenntet Ihr meinen Reichtum&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>provozierend:<\/em><br>Das hier wiegt meine flandrischen Tuche auf. Was mir der Vater raubte, zahlt mir der Sohn zur\u00fcck &#8211; weit \u00fcber Wert!<br><em>Nach einer Pause befriedigt:<\/em><br>Jetzt m\u00f6chtet Ihr mich erw\u00fcrgen. Ich sp\u00fcre es durch das Holz der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist sehr unger\u00fchrt, streichelt <\/em><strong><em>LUCIA<\/em><\/strong><em>:<\/em><br>Ich habe anderes zu handeln &#8211; zu behandeln &#8211; zu handhaben &#8211; als Kr\u00e4mergesch\u00e4fte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>zunehmend verwundert, dass er ins Leere l\u00e4uft:<\/em><br>He, Hoheit, Euer Geld ist meins geworden!<br><em>Irritiert:<\/em><br>Servinella, warum \u00e4rgert er sich nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Weil er sich zu sehr freut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>\u00fcbergeht das, weil er es nicht versteht, ruft:<\/em><br>Eure k\u00f6nigliche Hoheit kund und zu wissen: Am Ufer der Scultenna findet Ihr nur noch Kiesel! Das Gold ist in meine Tasche geflossen und da bleibt es!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ist eingetreten, etwas beunruhigt \u00fcber die lasche Gefangenschaft:<\/em><br>Majest\u00e4t m\u00fcssen jetzt &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ruft sehr \u00fcberlegen:<\/em><br>Kanzler Pietro Arsinelli, verhandelt Ihr das Gesch\u00e4ft mit Messere degli Orsi!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>ver\u00e4chtlich:<\/em><br>Was Kanzler! Was Gesch\u00e4ft! Da gibt es nichts zu handeln! Kein Embargo mehr auf meine Tuche! Toter Kaiser, gefangener K\u00f6nig, reicher Kaufherr!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht zum ersten Mal auf ihn ein<\/em>:<br>Aber die Falkenfeder aus Lagopesole?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>lacht sch\u00e4big:<\/em><br>Als ob es nicht in Bologna Falken genug g\u00e4be!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Euer Kniefall!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Auch Verr\u00e4ter k\u00f6nnen knien!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erfasst es endlich:<\/em><br>Ihr wollt sagen, dass Ihr mich verraten und betrogen habt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>das wollte er, befriedigt:<\/em><br>Na endlich versteht er!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wird \u00e4rgerlich, sucht den Dolch:<\/em><br>H\u00f6re, W\u00e4chter!, dass du mich um meinen Schatz prellst, das mag angehn &#8211; was frage ich nach solchem Geklimper! -, aber dass ich Servinella nicht ihren gerechten Kuppellohn zahlen kann, &#8211; das ist eine Sauerei!<br><em>Damit ist er w\u00fctend aus der Kammert\u00fcr gest\u00fcrmt und bedroht MICHELE mit dem Dolch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>will erschrocken fliehen, st\u00f6\u00dft aber mit <\/em><strong><em>LAMBERTINO<\/em><\/strong><em> zusammen, der mit einem Kissenberg reinkommt<\/em>:<br>Servinella, jetzt steht die S\u00e4nfte ganz eng vor dem Portal!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Wie sie da nur hinkommt? Gewi\u00df hat sie Beine.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hat ENZIO den Dolch abgenommen und bringt ihn in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>nimmt in seiner Interessenlage und hinter dem Kissenberg die leise huschende LUCIA nicht wahr, zu MICHELE:<\/em><br>H\u00f6re, W\u00e4chter, dass Ihr mir ja den M\u00f6nch reinlasst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>versteht die Welt sowieso nicht mehr:<\/em><br>Welchen M\u00f6nch?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:&nbsp;<br>Der gleich da sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Ich bin nicht der W\u00e4chter vom Dienst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Wer denn?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Ich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Wenn ein M\u00f6nch reinkommt, f\u00fchrt ihn augenblicklich zum Gefangenen!&nbsp;<br><em>Er st\u00fcrzt zur Kammer und stolpert prompt \u00fcber den Balken, dass die Kissen purzeln:<\/em><br>Aua! Oh &#8211; ah&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>eine etwas plumpe, aber reizvolle laszive Naive, was unter M\u00f6nchskutte und -kapuze zun\u00e4chst kaum zu erkennen ist, hat den Raum unbemerkt betreten. Sie fragt MICHELE mit s\u00fc\u00dfer Piepsstimme, vielleicht sogar etwas lispelnd, erwartungs- und verhei\u00dfungsvoll, wobei sie die Kutte ein wenig \u00f6ffnet und ein verf\u00fchrerisches Hemd blinken l\u00e4sst:<\/em><br>Bist du mein Zauberer?..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>st\u00fcrmt raus<\/em>:<br>Was ist das f\u00fcr ein Tollhaus!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>:<br>Nein, mein Zauberer ist z\u00e4rtlicher &#8211; O, so z\u00e4rtlich&#8230;<br><em>Sie verdr\u00fcckt sich, kaum bemerkt, in den Hintergrund und beobachtet die Anwesenden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINEILA <\/strong><em>ist schon lange &#8230;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>zu Hilfe geeilt, der sehr verwundert der aus der Kammer gehenden LUCIA nachschaut:<\/em><br>Wieso ist Lucia da Viadagola hier? Meine Frau &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>ordnet mit ihm Kissen in der Kammer<\/em>:<br>Keine Sorge: Majest\u00e4tchen haben nur ein wenig trainiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Sage nicht Majest\u00e4t! Nur dem Kaiser geb\u00fchrt der Titel Majest\u00e4t. Der Kaiser ist tot. Es gibt keine Majest\u00e4t mehr!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINEILA <\/strong><em>muss das letzte Wort haben:<\/em><br>Ich sage ja Majest\u00e4tchen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>zu ENZIO, der bei LUCIA steht \u2013 niemand nimmt FRANCESCA zur Kenntnis<\/em>:<br>Wieso kommt ein M\u00f6nch zu Euch, Majest\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht \u00fcberhaupt nichts:<\/em><br>Wieso kommt ein M\u00f6nch zu mir?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Messere dei Lambertini gab Anweisung, ihn vorzulassen.&nbsp;<br><em>Politisch besorgt:<\/em><br>Dies ist nicht die Stunde der Papisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>mit Blick in die Kammer:<\/em><br>Und wieso braucht ein M\u00f6nch so viele Kissen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>ist nicht gehfertig und umarmt ENZIO spontan und heftig:<\/em><br>Der Dolch unter deiner &#8211; unter unserer Liegestatt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>liebevoll:<\/em><br>Dein Bruder soll ja sorgen, dass dir der Zutritt zu mir nicht verwehrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>siegessicher und z\u00e4rtlich doppeldeutig:<\/em><br>Ich sorge, &#8211; dass ich Zutritt zum Dolch habe, wann immer es mich danach gel\u00fcstet.<br><em>Ein letzter Kuss und sie rennt weg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht zum Fenster, beugt sich weit hinaus<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>kommt aus der Kammer und macht sich an seinen Haaren zu schaffen:<\/em><br>Die Haare so, wie die Frauen es lieben!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schiebt sie weg, wehm\u00fctig:<\/em><br>Aber die Frau ist doch gegangen! Lass mich in Ruhe!&nbsp;<br><em>Er wirft eine Kusshand nach drau\u00dfen unten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>fragt PIETRO noch verhei\u00dfungs- und erwartungsvoller bei leicht sich \u00f6ffnender Kutte<\/em>:<br>Dann bist du mein Zauberer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ist der Anblick ziemlich entsetzlich:<\/em><br>Ich doch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>ver\u00e4chtlich:<\/em><br>Nein, du bestimmt nicht, du Angsthase! Mein Zauberer ist ja so mutig!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>kommt aus der Kammer, in der er&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>schiebt. Sie fragt ganz erstaunt:<\/em><br>Wo bin ich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Hier bist du richtig. Beim Zauberer. Zieh die Kutte aus. Und denke daran: gef\u00fcgig und empf\u00e4nglich&#8230;<br><em>Er hilft ihr aus der Kutte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kommt vom Fenster und fragt PIETRO:<\/em><br>Kanzler, finde heraus die Residenz des Papstes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Ich habe erkundet, dass Seine Heiligkeit, Innocenz IV., Lyon verlassen hat und auf dem Wege nach Rom ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>freut sich:<\/em><br>So wollen wir ihm entgegenreiten, um endlich Frieden zu schlie\u00dfen. Du arbeitest weise, Pietro, Freund und Kanzler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>kommt aus der Kammer, zu PIETRO, er meint die gro\u00dfe T\u00fcr:<\/em><br>Die T\u00fcr sperrangelweit offen, &#8211; dies ist kein Taubenschlag, sondern ein Gef\u00e4ngnis, und Ihr seid der W\u00e4chter vom Dienst, Messere Arsinelli!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>geht ein wenig schuldbewusst heraus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will bei LAMBERTINO auf seine Rechte pochen:<\/em><br>Aber seit dem Tod meines Vaters am Tage der Heiligen&#8230;&nbsp;<br><em>Der Name verz\u00fcckt ihn:<\/em><br>&#8230; Lucia, der Heiligen Lucia &#8211; LuciaLuciaLucia, &#8211; ist die Gefangenschaft zu Ende!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>, <em>ganz erstaunt und abweisend<\/em><br>Welcher Teufel bl\u00e4st Euch solche M\u00e4ren ein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Mit Brief und Siegel vom Juli 1239 hat mich der Vater zum Nachfolger berufen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Null und nichtig!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>beharrt:<\/em><br>Nein!, ich bin fortan der Redegeselle! Was kann die Republik Bologna gegen meine Friedensangebote einzuwenden haben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Doch nicht der Bastard des Antichristen auf dem Thron! Aus diesem Gef\u00e4ngnis wandert kein Kaiser in Heilige R\u00f6mische Reich deutscher Nation!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht stolz und zornig in die Kammer:<\/em><br>Ich teile den Raum nicht mit einem, der der Majest\u00e4t die Achtung verweigerte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong> <em>schlie\u00dft die Kammert\u00fcr zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>wird wohl die Kutte noch vor mancherlei Bl\u00f6\u00dfen halten und nur langsam wegziehen:<\/em><br>Dann bist du also mein Zauberer &#8211; du bist auch der Sch\u00f6nste!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>st\u00fcrzt nach kurzer Fassungslosigkeit zur T\u00fcr, findet Sie verschlossen, ebenso das Fensterchen (das von innen nicht zu \u00f6ffnen ist). Er h\u00e4mmert gegen die T\u00fcr..<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>, <em>besorgt zu SERVINELLA:<\/em><br>Was bedeutet das? Will er nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Ich werde ihn wollen machen. Ihr werdet doch nicht hier verweilen, w\u00e4hrend &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>, <em>unger\u00fchrt:<\/em><br>Ich will die Kissen wieder mitnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>ziemlich fassungslos<\/em><br>Die Kissen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>Ja, er wird sie nie mehr brauchen.<br><em>Ihm f\u00e4llt ein:<\/em><br>Oder nein: ich k\u00f6nnte unterdessen ins consiglio eilen und &#8230;<br><em>Er klopft an die T\u00fcr. Zum SOLDATEN, der durch das Fensterchen schaut:&nbsp;<\/em><br>Lass mich raus!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LAMBERTINO<\/strong>:<br>D<em>as <\/em>consiglio soll endlich beschlie\u00dfen, dass allen Frauen der Zutritt zu diesem geilen Bock verboten wird. So k\u00f6nnen wir ihn kastrieren.<br><em>Er geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>geht rasch zur Kammert\u00fcr, gegen die <\/em><strong><em>ENZIO<\/em><\/strong><em>, nach Blicken auf <\/em><strong><em>FRANCESCA<\/em><\/strong><em> immer wieder geh\u00e4mmert hat. Sie \u00f6ffnet das Fensterchen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>zischt w\u00fctend:<\/em><br>Servinella, was will der nackte M\u00f6nch in meiner Kammer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Einen Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wehklagt:<\/em><br>Aber Lucia!, &#8211; Lucia war mehr als &#8211; meine Lenden sind tr\u00e4ge. Du \u00fcbertreibst deine Kuppeldienste. Frag mich doch erst!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Wenn du w\u00fcsstest, Majest\u00e4tchen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Ich habe auch kein Geld. Du wei\u00dft, dass Michele &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>wehrt ab:<\/em><br>Kein Geld f\u00fcr diese Jungfrau.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat pl\u00f6tzlich kurzen Blick und Interesse f\u00fcr FRANCESCA, zwischen trocken und l\u00fcstern abw\u00e4gend:<\/em><br>Jungfrau?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Und wenn ich dir sage, wie sie hei\u00dft &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kann das Blicken nicht lassen, sto\u00dfseufzend:<\/em><br>Der Mensch ist ein kompliziertes Fleisch. Wie hei\u00dft sie?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>serviert trocken, aber im vollen Bewusstsein der Sensation:<\/em><br>Francesca di Guida dei Lambertini.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>fassungslos:<\/em><br>Waas? Des Erzfeindes Weib?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Da bleiben die Lenden nicht tr\u00e4ge, was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>mit perfidem wachsenden Genussgrimm:<\/em><br>Ihm H\u00f6rner aufsetzen, dem Teufel, ihn zum Hahnrei machen? Jetzt wei\u00df ich, warum ich heute nacht nicht getr\u00e4umt habe. Die Stute soll ihren Reiter haben&#8230;!<br><em>Er grunzt breit<\/em>.<br>Oh, &#8211; und mit wieviel Wollust!&#8230;<br><em>Er st\u00fcrzt mit Schnauben auf <\/em><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>die erst erschrocken, dann l\u00fcstern kreischt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Da f\u00e4llt der Schepper-Vorhang.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>steht ganz still und freut sich:<\/em><br>Zwillingsenkel wird er haben, der Kaiser, der tote&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Blackout, Vorhang.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3970\" data-type=\"page\" data-id=\"3970\">K\u00d6NIG GEFANGEN, dritter Akt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3930\">Kom\u00f6dien von Peter Podehl<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** K\u00f6nig gefangen Kom\u00f6die von Peter Podehl\u00a9 *** Zweiter Akt*** ZWEITER AKT Noch ist Nacht. Tiefe Stille am sehr fr\u00fchen Morgen. Die Leinwand im Fenster ist geflickt. Der Schepper-Vorhang oben. ENZIO sitzt auf seinem Lager nicht viel anders als am Ende des ersten Aktes. Nur ist er deutlich anders angezogen, sozusagen ziviler; es ist also [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4045,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3959","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3959","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3959"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3959\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4118,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3959\/revisions\/4118"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3959"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}