{"id":3970,"date":"2025-07-05T16:07:47","date_gmt":"2025-07-05T16:07:47","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=3970"},"modified":"2025-07-05T16:07:47","modified_gmt":"2025-07-05T16:07:47","slug":"konig-gefangen-dritter-akt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3970","title":{"rendered":"K\u00f6nig gefangen &#8211; Dritter Akt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">K\u00f6nig gefangen<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Kom\u00f6die <br>von <br>Peter Podehl<br>\u00a9<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>***<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Dritter Akt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DRITTER AKT<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Novembernachmittag 1268. Neunzehn Jahre sind vergangen. Der Schepper-Vorhang ist unten. Der Saal ist sehr viel wohnlicher geworden, ja, partienweise wirkt er geradezu verwohnt. Viel Zeug liegt und steht unordentlich herum: Weinkannen, benutztes Geschirr (aber es gibt noch keine Gabeln), eine Schale mit Trauben und \u00c4pfeln, Trinkbecher, Papiere und Noten und Schreibwerkzeuge und Musikinstrumente, Stundengl\u00e4ser, Kissen, Spiegel, ein Notenpult, Textilien als verschiedene Draperien, Unn\u00f6tiges, Luxus, Reichtum, auch zwei Damenm\u00e4ntel. Im Fenster sind fr\u00fche Glasscheiben. Einige Wandfl\u00e4chen sind bemalt: mittelalterliche Graffiti, auch fragmentarisch, improvisiert wirkend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINEILA <\/strong><em>liegt auf der Bank hinter dem Tisch und ist nicht gleich zu erkennen. Sie ist neureich pr\u00e4chtig gekleidet, tr\u00e4gt ein stets verrutschendes Geb\u00e4nde. Eine altersschwache Greisin mit unverw\u00fcstlichem Mundwerk.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ist Ende Vierzig und macht sehr gute Figur, ein eleganter Schattenkanzler. Er lehnt irgendwo in nachdenklicher Erwartungshaltung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Totengl\u00f6ckchen l\u00e4utet recht j\u00e4mmerlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>schreckt sehr \u00fcberraschend hoch:<\/em><br>Ich bin nicht tot!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ist zum Fenster gegangen, \u00f6ffnet es, schaut in eine bestimmte Richtung:<\/em><br>Das gilt nicht dir, Servinella.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>beharrt:<\/em><br>Was l\u00e4uten sie mein Totengl\u00f6ckchen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>immer mit dem Blick auf die Piazza:<\/em><br>Nur wenn ehrenwerte Reiche sterben, wird ein Aufhebens davon gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA <\/strong><em>richtet kokett ihr Geb\u00e4nde:<\/em><br>Was denn? Bin ich etwa nicht reich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Als Kupplerin zu Geld gekommen, &#8211; das gilt nichts.<br><em>Jetzt ruft er aus dem Fenster<\/em><br>Messere Lambertino di Guida dei Lambertini?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>nach kleiner Pause:<\/em><br>Was hat er gesagt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Er hat genickt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>zufrieden:<\/em><br>Dann ist er tot &#8211; nicht ich. Gut zu wissen,&nbsp; dass ich noch Atem habe, wenn er auch stinkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ist sehr froh:<\/em><br>Dem himmlischen Vater sei Dank f\u00fcr den Tod des Oberw\u00e4chters. Nun wird sich alles wenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Ja, &#8211; zur H\u00f6lle! Der Lambertino war ein Tyrann, aber es war ein Auskommen mit ihm. Er hat uns jede Menge Kissen erlaubt. Mit dem MicheIe &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>wei\u00df <\/em>mehr:<br>Wer sagt dir,&nbsp; dass Messere degli Orsi Oberw\u00e4chter wird?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Wer sonst? Du?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Nein, ich habe anderes zu tun. Messere Albingo di Ebubo wird Oberw\u00e4chter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA,<\/strong> <em>reichlich erstaunt<\/em>:<br>Der kleine \u00c4h\u00e4 doch nicht!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>singt bei zun\u00e4chst noch geschlossenem Schepper-Vorhang seine Canzonetta, begleitet von ein paar Lautenschl\u00e4gen:<\/em><br>Canzonetta, flieg aus, den Herrn zu gr\u00fcnen,<br>Sag ihm, mir fehl der Sonne Licht;<br>Meine Zwingherren lie\u00dfen arg mich b\u00fc\u00dfen,<br>Und es r\u00fchrt mein Lied sie nicht&#8230;<br>Gr\u00fc\u00dfe die Toscana mir, die K\u00f6nigin,<br>Die noch Rittersitte ehrt.&nbsp;<br>Zur Capitanata flieg und Puglia hin,&nbsp;<br>Die mein Herz Tag und Nacht entbehrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>hat zu Beginn der Canzonetta befriedigend festgestellt:<\/em><br>Wenn er zu singen anf\u00e4ngt, hat er nichts mehr zu k\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann ist der Schepper-Vorhang aufgegangen und hat einen \u00fcppig schwellenden, winzigen, allerliebsten Harem offenbart: Geschickt postierte \u00d6llampen bescheinen bunte Kissenberge, Seidendecken, Damast, Brokat, Tapisserien, Pf\u00fchle, Bilderteppiche an den W\u00e4nden, einen sch\u00f6nen Sessel. Damenoberbekleidung liegt verstreut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht nun auf die F\u00fcnfzig zu. Er ist ein wenig dicker und beh\u00e4biger geworden. Die Rolle des K\u00f6nigs und Eroberers steht ihm immer noch gut, aber fast zwanzig Jahre Ohnmacht haben den Charme der Melancholie wachsen lassen. Er hat die Laute in H\u00e4nden, begleitet aber seine Canzonetta nicht kontinuierlich, weil<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <strong>DA GALUZZI<\/strong>, <em>eine b\u00fcrgerliche appetitliche Matrone im dezenten Unterhemd ihn anzieht, was ihr mehr noch als ihm apr\u00e8s-sinnliches Vergn\u00fcgen macht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIOS<\/strong> <em>Gegenz\u00e4rtlichkeiten halten sich in Grenzen; er singt und klimpert, als ginge ihn die ganze Liebelei nicht mehr viel an &#8230; Gegen Ende der Canzonetta kitzelt KATERINA ihn<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>muss zwar auflachen, beendet aber unwillig den Gesang:<\/em><br>Ich hasse die Kitzelei, &#8211; Du wei\u00dft es!<br><em>Er geht raus, unwirsch:<\/em><br>So kann ich nicht dichten!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>ernst, sehr gefasst:<\/em><br>Endlich, Majest\u00e4t.<br><em>Er ist angef\u00fcllt von bewegender Neuigkeit:<\/em><br>Noch nie habe ich Euch mit gr\u00f6\u00dferem Recht und gr\u00f6\u00dferer Hoffnung Majest\u00e4t tituliert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist nicht sehr interessiert<\/em><br>Wieso das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>geheimnistr\u00e4chtig:<\/em><br>Das Totengl\u00f6ckchen dringt wohl nicht in Eure Kammer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>rei\u00dft einen Macho-Witz:<\/em><br>Was Totengl\u00f6ckchen!, da drinnen l\u00e4utet eine anderer Schwengel!<br><em>Er klimpert verdrie\u00dflich auf seiner Laute herum:<\/em><br>Aber die Frauen hindern meine poetische Lust, &#8211; diese Canzonetta ist viele Jahre alt &#8211; sie w\u00fcrgen den Dichter&#8230;<br><em>Beinahe schelmisch<\/em>:   <br>Du h\u00f6rst mich gern die Frauen l\u00e4stern, was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>reagiert mit s\u00fcffisantem L\u00e4cheln und Schulterzucken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erinnert sich, fast \u00e4rgerlich:<\/em><br>Diese Bianca da Galuzzi &#8211; so t\u00f6richt &#8211; wie alle Jungfrauen&#8230;<br><em>Es sch\u00fcttelt ihn geradezu ein wenig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>etwas verwundert:<\/em><br>Bianca? Ich denke, die Mutter ist da drin? Katerina da Galuzzi?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>auch eher trocken als begeistert:<\/em><br>Beide.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BlANCA<\/strong>, <em>eine blutjunge Lieblichkeit, taucht erst jetzt v\u00f6llig \u00fcberraschend aus den Kissen auf:<\/em><br>Mama?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>die beim Anziehen ist:<\/em><br>Ja, Kind?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>,&nbsp;<em>schon ein klein wenig t\u00f6richt:<\/em><br>Kann ich nun nie mehr eine Jungfrau sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>legt ihr die Hand auf den Mund:<\/em><br>Pst! Beschw\u00f6r kein Verderben! Dein Verlobter w\u00fcrde dich w\u00fcrgen! Nat\u00fcrlich kannst du. Wir sprechen noch dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schaut aus dem Fenster, isst einen Apfel:<\/em><br>Sch\u00f6n, diese neumodischen Glasfenster&#8230;<br><em>Da steckt seine Sehnsucht, das Neumodische der Fenster in der Diktion betonend:<\/em><br>Aber warum sehe ich &#8211; durch sie hindurch &#8211; nicht Lucia da Viadagola zu mir kommen? Seit langem schon bleibt sie fern&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Du hast doch genug andere.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>genau das ist es:<\/em><br>Ja, andere &#8211; genug&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>verk\u00fcndet Bedeutsames:<\/em><br>Das Totengl\u00f6ckchen hat gel\u00e4utet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><em> erfasst die Bedeutungsschwere nicht:<\/em><br>Das Totengl\u00f6ckchen? Wer?<br><em>Er wollte Wein einschenken, aber alle Kr\u00fcge sind leer:<\/em><br>Wieso ist immer noch kein Wein in den Kr\u00fcgen? Ich verdurste!<br><em>Er haut den Krug so w\u00fctend auf die Tischkante, dass er zu Bruch geht<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>dauernd geheimnistr\u00e4chtig:<\/em><br>Ein K\u00fcfer wird kommen und ein neues Fass bringen. Wenn er das leere wegtr\u00e4gt, wird es nicht leer sein&#8230;<br><em>Er schaut ENZIO durchdringend an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>lacht zun\u00e4chst \u00fcber den albernen Scherz:<\/em><br>Das leere, das nicht leer sein \u2013<br><em>Er stutzt pl\u00f6tzlich:<\/em><br>Du starrst mich an, weil \u2013<br><em>Er versteht die Zusammenh\u00e4nge:<\/em><br>Oh, &#8211; Pietro! Das Totengl\u00f6ckchen &#8211; Lambertino &#8211; l\u00e4utet meine Freiheit ein!?<br><em>Er rei\u00dft das Fenster auf:<\/em><br>Volk von Bologna!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>schlie\u00dft das Fenster erschrocken wieder:&nbsp;<\/em><br>Macht nicht all unsere Pl\u00e4ne zunichte!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>ganz sch\u00f6n euphorisch zappelig:<\/em><br>Wir reiten gleich zum Papst, ja?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>etwas genervt:<\/em><br>Ich habe dir vor Monaten gesagt, dass Seine Heiligkeit, Papst Clemens gestorben ist. Aber du h\u00f6rst ja nicht zu, weil du immer nur deine Frauen im Kopf hast.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wehrt l\u00e4chelnd ab<\/em>:<br>Doch nicht im Kopf!&#8230; Und der neue Papst?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Habe ich dir auch gesagt: In Viterbo sitzen die Kardin\u00e4le und br\u00fcten einen neuen Papst aus. Sie lassen sich Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat gleich den n\u00e4chsten Einfall:<\/em><br>So reiten wir nach Viterbo!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>beschw\u00f6rend:<\/em><br>Freund, Enzio, Majest\u00e4t!: &#8211; wir tun den zweiten Schritt nicht vor dem ersten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leichthin herrscherisch<\/em>:<br>Die Politik der Freiheit nach Plan des Schattenkanzlers Pietro Arsinelli, &#8211; es sei, es sei &#8211; Lambertino starb gelegen: Das Heilige R\u00f6mische Reich deutscher Nation seit fast zwanzig Jahren ohne rechtm\u00e4\u00dfigen Kaiser, die Kirche ohne Oberhaupt, &#8211; alles wartet auf mein Erscheinen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>verschw\u00f6rerisch:<\/em><br>So h\u00f6re, was \u00ad\u2013<\/p>\n\n\n\n<p><strong>S<\/strong>ERVINELLA<em> st\u00f6rt ihn:<\/em><br>He, Servinella, verlasse den Saal!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Sie kann doch nicht mehr gehen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>leise verschw\u00f6rerisch, m\u00f6glichst von SERVINELLA abgewandt:<\/em><br>Die Totenglocke des Lambertino hat die treuesten Ghibellinen Bolognas alarmiert. Unter der Br\u00fccke von San Ambrogio sammeln sich mit Anbruch der Nacht zehn Ritter und 92 Fu\u00dfg\u00e4nger, alle wohlgepanzert und gewaffnet. \u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will den Anf\u00e4ngen wehren<\/em>:<br>Aber ich will keine Waffen mehr! Friedensschalmeien sollen der Welt k\u00fcnden, dass ich -&#8230;<br><em>Er wei\u00df nicht recht weiter:<\/em><br>&#8230; also &#8230; Schau mich nicht so bl\u00f6de an!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>sanft belehrend<\/em>:<br>Nicht mehr schw\u00e4rmen, Majest\u00e4t! Nur auf den Spitzen der Lanzen kannst du den Frieden in diese unheile Welt tragen. Wo vermutet die Majest\u00e4t die Krone des K\u00f6nigs von Sardinien?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>recht skeptisch:<\/em><br>Meine Krone? Verrottet irgendwo in den sardischen Residenzen zwischen Torre und Gallura &#8211; oder eingeschmolzen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>kann fein triumphieren:<\/em><br>Es ist eine F\u00fcgung Gottes, dass sie gestern nacht mit geheimer Gesandtschaft in San Ambrogio eintraf&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>ernsthaft ergriffen, animiert:<\/em><br>Lass sie mich aufprobieren!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Wir haben sie nicht in die Mauern der Stadt geschmuggelt. Heute abend an der Br\u00fccke. Dort wartet auch eine wei\u00dfe Stute, gesattelt und gez\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>ist das alles auch etwas unheimlich:<\/em><br>Wie, wenn ich nicht mehr reiten k\u00f6nnte, &#8211; nach neunzehn Jahren?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO <\/strong><em>wiegelt ab<\/em>:<br>Das verlernt sich nicht. Auch zwei oder drei Dirnen sind zur Br\u00fccke beordert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>rei\u00dft eine Zote, die aber einige Melancholie ausstellt:&nbsp;<\/em><br>Und wie, wenn ich nicht mehr reiten &#8211; wollte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>bagatellisiert das lachend:<\/em><br>Das glaubt dir keiner!<br><em>Beim Kern der Verschw\u00f6rung:<\/em><br>H\u00f6re, was du wissen musst, bevor das consiglio nach unserem geheimen Plan Messere Albingo di Ebubo zum Oberw\u00e4chter ernennt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat da ein wenig Zweifel:<\/em><br>D\u00fcrfen wir da ganz sicher sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Absolut. Lucia da Viadagola hat jeden Ratsherren einzeln ins Gebet genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>voller Liebe<\/em>:<br>Wenn sie das getan hat, dann waren sie Wachs in ihren H\u00e4nden und w\u00e4hlen gewiss den kleinen \u00c4h\u00e4. Aber warum kommt sie nicht mehr zu mir?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>etwas gequ\u00e4lt<\/em>:<br>Ich wei\u00df es doch nicht! Wahrscheinlich hast du sie verletzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht nicht recht:<\/em><br>Verletzt? Wieso? Nicht mehr als fr\u00fcher&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>muss zur Sache kommen:<\/em><br>Darf ich der Majest\u00e4t nun die Strategie des heutigen Tages vermelden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>sieht ein, welche Rolle er zu spielen hat:<\/em><br>Jaja, ich bin ganz Kaiserohr. Rede, Kanzler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Kurz vor Sonnenuntergang, bevor MicheIe degli Orsi die Nachtwache \u00fcbernimmt, bringt der K\u00fcfer ein leeres Weinfass &#8211; er tut nat\u00fcrlich so, als sei es voll! -, bringt es hier in den Saal, die Majest\u00e4t schl\u00fcpft rein und wird zur Br\u00fccke San Ambrogio gekarrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>mit kleiner Skepsis seinen Bauch abtastend:<\/em><br>Ich wiege einige Pfunde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>etwas schulmeisterisch:<\/em><br>Ich habe dich immer gemahnt, nicht so viel zu prassen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>scheint der Plan reichlich suspekt<\/em>:<br>Aber &#8211; wenn der K\u00fcfer mich fallen l\u00e4sst und ich poltere im Fass die Treppe runter &#8211; nein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>verliebt:<\/em><br>Der K\u00fcfer ist ein B\u00e4r an Kraft<em>, <\/em>so gro\u00df und &#8211; Er wird als Held in die Geschichte eingehn!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Dein Liebster?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>verstohlen:<\/em><br>Und wenn. Das macht ihn treu und verschwiegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat gewichtigen Einwand:<\/em><br>MicheIe degli Orsi wird sofort den Gefangenen vermissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>hat das bedacht:<\/em><br>Deshalb muss Lucia da Viadagola in der Kammer Liebe spielen &#8211; akustisch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>freut sich erstmal:<\/em><br>Dann wird sie endlich wieder hierherkommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Ja, genau, wenn du weggetragen wirst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>findet die Umst\u00e4nde befremdlich:<\/em><br>Aber wie soll sie allein in der Kammer Liebe spielen? Sie kann nicht heucheln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Nat\u00fcrlich allein. Das ist der Witz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Es ist nicht komisch. Wei\u00df sie Bescheid?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Noch nicht. Ich habe den Kreis der Verschworenen ganz klein gehalten. Deshalb ist mir Servinellas Anwesenheit \u00ad<br><em>Er schaut nach ihr:<\/em><br>Sie schl\u00e4ft, Gottlob!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINEILA <\/strong><em>taucht auf:<\/em><br>Ich bin hellwach und habe alles geh\u00f6rt. Die Krone der Majest\u00e4t in San Ambrogio&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>sehr besorgt, leise zu ENZIO, nicht b\u00f6se,  ganz Politiker<\/em>:<br>Befehlen Majest\u00e4t ihren Tod?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>hart getroffen, grunds\u00e4tzlich ernst:<\/em><br>Pietro!, wann begreifst du endlich, dass ich ein andrer Kaiser sein will!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>versteht das nicht:<\/em><br>Sie ist schon fast tot. Es w\u00e4re nur ein wenig nachzuhelfen. Wenn sie schw\u00e4tzt, ist alles verloren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>bleibt leise, aber sehr bestimmt:<\/em><br>Ich befehle dem Kanzler: Arsinelli: &#8211; deine Klugheit darf denken &#8211; nie mehr! nie, mehr Mord!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>besorgt, beinah f\u00fcr sich:<\/em><br>Mord? Sollte die Majest\u00e4t verlernt haben zu herrschen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df-und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>, <em>dicker, aber nicht ernster, st\u00fcrmt rein:<\/em><br>Ich bin der neue Oberw\u00e4chter! \u00c4h\u00e4! Wer h\u00e4tte das gedacht?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>anz\u00fcglich, aber unaufdringlich:<\/em><br>Wir &#8211; haben das gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>begreift nicht:<\/em><br>Was? Wieso das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>kommt rein, weidlich verbiestert, eine Urkunde in der Hand:<\/em><br>Die Zeremonie! Commandante!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong>, <em>in Ehren ergraut, kommt mit gezogenem Schwert herein, nimmt an der T\u00fcr Aufstellung wie im I. Akt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>nimmt alles leicht, zu MICHELE:<\/em><br>Ich habs ihnen schon gesagt.&nbsp;<br><em>Zu ENZIO:<\/em><br>Wollt Ihr dennoch die Zeremonie, Hoheit?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>diplomatisch:<\/em><br>W\u00e4re es nicht besser &#8211; der res publica zuliebe?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>arrangiert:<\/em><br>Also gut: Commandante &#8211; Ihr steht schon richtig da. Messeri: ich immer ein Schrittchen vor Euch, &#8211; Ihr immer ein Schrittchen ..\u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>, <em>fertig angezogen, st\u00fcrzt aufschreiend aus der Kammer in die hinterste Ecke des Saales:<\/em><br>Eine Spinne!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA, <\/strong><em>ebenfalls fast fertig angezogen, st\u00fcrzt ihr nach:<\/em><br>Aber Kind, so beruhige dich doch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELES<\/strong> <em>Grimm w\u00e4chst:<\/em><br>Jetzt reichts aber! Raus mit den Frauen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>schreit ge\u00e4ngstigt:<\/em><br>Spinnen sind Boten des Todes!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht zu ihr, sehr nett:<\/em><br>Aber nein, t\u00f6richte Bianca! Ich liebe Spinnen!&#8230; Ich rede mit ihnen, stundenlang &#8211; seitdem es mir nicht mehr verg\u00f6nnt ist, mit Pferden zu reden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>umhalst ihn, nachweislich verliebt:<\/em><br>Wenn du das sagst, mein Enzio&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Was ich hasse, sind Wanzen und L\u00e4use!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Aber warum Majest\u00e4tchen? Wenn mein Gemahl &#8211; Gott hab ihn selig! &#8211; mich lauste, das war mir zum Verrecken lieb. Blo\u00df, dass ich immer schwanger davon wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE DAMEN<\/strong> <em>und <\/em><strong>ENZIO<\/strong> <em>lachen lauthals. <\/em><strong>DIE DREI W\u00c4CHTER<\/strong> <em>stehen bl\u00f6de da.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELEN<\/strong> <em>wird\u2019s zuviel, er zieht sein Schwert und donnert los:<\/em><br>Messere di Ebubo, w\u00e4re ich &#8211; wie es mir zust\u00fcnde &#8211; Oberw\u00e4chter geworden, \u00adden Stall dieses Hurenbockes w\u00fcrde ich mit eisernem Besen ausmisten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>sehr \u00fcberlegen:<\/em><br>Aber das hohe consiglio hat nun einmal nicht Euch zum Oberw\u00e4chter erkoren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong> <em>platzt raus:<\/em><br>Weil es eine Versammlung seniler Arschl\u00f6cher ist! Mein legitimer Anspruch auf den Posten des Oberw\u00e4chters \u00ad&#8230;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>nimmt ihm die Urkunde aus der Hand, entrollt sie und h\u00e4lt sie ihm reichlich provozierend vor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In <\/em><strong>MICHELE <\/strong><em>steigen Verd\u00e4chte auf:<\/em><br>Wieso war eigentlich die Urkunde so schnell ausgefertigt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wittert Gefahr und gibt die Urkunde an ALBINGO:<\/em><br>Messere degli Orsi, was mischt Ihr Euch \u00fcberhaupt ein? Euer Dienst beginnt zum Sonnenuntergang. Da will ich Euch wiedersehen.<br><em>Er kann sich nicht enthalten, leise hinzuzuf\u00fcgen:<\/em><br>Oder auch nicht&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>wird bei den Damen handgreiflich:<\/em><br>Oberw\u00e4chter, helft mir, das Damenfleisch zu entfernen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>mischt sich sehr souver\u00e4n, l\u00e4ssig handgreiflich ein<\/em>:<br>Moment, die Damen stehen unter meinem Schutz!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE, <\/strong><em>sehr drohend anmahnend:<\/em><br>O-ber-w\u00e4ch-ter!, das ist unertr\u00e4glich! Das Regiment des Gefangenen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>zieht ALBINGO ein St\u00fcck in die Kammer und fragt vertraulich:<\/em><br>Wart Ihr nicht erstaunt, Euch als Oberw\u00e4chter zu finden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>gibt freim\u00fctig zu:<\/em><br>Oh ja, gewi\u00df, \u00e4h\u00e4&#8230; Um so weniger scheint Ihr erstaunt?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Aber meinem Einfluss verdankt Ihr doch Eure Ernennung! Deshalb befehle ich Euch, diesen degli Orsi zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>macht d\u00fcmmlich die Geste des Halsabschneiders:<\/em><br>Ganz?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kann dadurch wunderbar \u00fcberlegen bleiben:<\/em><br>Nein, &#8211; jetzt, weg von hier!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>:<br>Ach so.<br><em>Er geht raus \u201estark\u201c geworden.<\/em><br>Kraft meines Amtes als Oberw\u00e4chter: Messere degli Orsi, verlasst den Saal und kehrt nicht vor Sonnenuntergang zum Dienstbeginn zur\u00fcck. Ich will es so!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>hat alles beobachtet, wenn auch nichts verstanden, und postuliert drohend<\/em>:<br>Bei der Wahl des Oberw\u00e4chters Albingo di Ebubo ist es nie und nimmer mit rechten Dingen zugegangen! Das war ein abgekartetes Spiel! Ich werde das untersuchen.<br><em>Er geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>leise zu PIETRO:<\/em>&nbsp;<br>Ist da Gefahr?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO, <\/strong><em>ebenso leise:<\/em><br>Keine akute. Die Mitglieder des consiglio sind l\u00e4ngst in alle Winde zerstreut.<br><em>Er geht auch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong><em> versorgt endlich sein Schwert und geht auch<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Von der Piazza t\u00f6nt ein schriller Kinderchor herauf: unverst\u00e4ndlich bleibendes Latein zu mittelalterlichen Melodien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>geht zum Fenster, \u00f6ffnet es:<\/em><br>Da sind sie wieder, meine lieben Kleinen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>tritt dazu, zweifelnd:<\/em><br>Was denn? Wirklich alle die Euren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO, <\/strong><em>in potentiam schwelgend:<\/em><br>Fast alle. Von hier oben, aus der Sicht des Falken, erkenne ich recht deutlich, welche die meinen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>ist mit <\/em><strong>BIANCA <\/strong><em>zum Fenster gegangen, <\/em>beide schmiegen sich geziemlich an ENZIO<em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>:<br>Woran?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>S\u00fc\u00dfe Bianca, an den blonden Haaren, die nachwachsen.&nbsp;<br><em>Etwas herrscherlich ungehalten wendet er sich an SERVINELLA:<\/em><br>Servinella, wie kannst du sie so rumlaufen lassen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVIENLLA<\/strong>, <em>eher schroff:<\/em><br>Was habe ich mit deinen Kindern zu schaffen, au\u00dfer dass ich sie liebe?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Du musst wieder Walnusssud brauen, dass sie die Haare f\u00e4rben k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>z\u00e4hlt leise, Finger albern benutzend:<\/em><br>Eins &#8211; zwei &#8211; drei &#8211; vier&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Ich braue kein Walnusssud mehr. Mich tragen meine F\u00fc\u00dfe nicht mehr von dieser Bank.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZlO<\/strong>:<br>Aber welche Verlegenheit f\u00fcr all die sch\u00f6nen M\u00fctter, wenn sie nach dem Blondhaar ihrer Kinder gefragt werden?!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>beobachtet unten<\/em>:<br>Da raufen zwei Knaben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ruft runter<\/em>:<br>He! Werdet ihr Frieden halten! Unter Br\u00fcdern!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BlANCA<\/strong>, <em>etwas erstaunt:<\/em><br>Sie schauen herauf und raufen weiter!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>resigniert:<\/em><br>Wie denn auch nicht? Ich bin ihnen ein Fremder&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>ist mit Z\u00e4hlen fertig:<\/em><br>Nicht zu glauben: &#8211; neunzehn, ich z\u00e4hlte neunzehn blonde Haarwirbel &#8211; aus den vornehmsten H\u00e4usern Bolognas.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat seinen Stolz:<\/em><br>Ja, Servinella hat daf\u00fcr gesorgt, dass keine plebejischen Metzen \u00fcber diesen Balken stolpern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>kichert erfolgsfroh:<\/em><br>Und so fein versteckt haben sie die Kaiserenkel aus dem Gef\u00e4ngnis geschmuggelt, &#8211; so fein versteckt &#8211; St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>:<br>Stolzer Vater!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schlie\u00dft das Fenster, \u00e4rgerlich bitter:<\/em><br>Vater? Ich habe die Rolle des Vaters nie spielen d\u00fcrfen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>kommt unerwartet mit einer traurigen Nachricht:<\/em><br>Dass ich dich heute zum letzten Male sehe&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wundert sich:<\/em><br>Was? Woher wei\u00dft &#8211; Wieso?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>:<br>Ich habe meinen Gemahl beschworen, dem armen Gefangenen die Gunst dieser Glasfenster zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>umarmt sie galant, Fensterglas einbeziehend:<\/em><br>Du also&#8230; Das habe ich nicht gewusst. Der arme Gefangene dankt&#8230; Aber wieso bist du zum letzten Mal bei mir?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>:<br>Ich musste ihm heilig versprechen, f\u00fcr die Gunst dieser Fenster der S\u00fcnde mit dir auf ewig zu entsagen. Heute schon brach ich mein Wort. Erf\u00e4hrt ers, wird er kommen und alles zerschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>mit Humor:<\/em><br>Aber nicht auch mich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>lacht:<\/em><br>Nein, alles Glas!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>umarmt sie heftig:<\/em><br>Ich liebe die Wortbr\u00fcchigen!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>kommt durch den Balken ins schwanken, wehrt sich:<\/em><br>Wie umarmst du mich denn, dass ich nicht mehr stehen kann?!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>ganz routinierter Verf\u00fchrer:<\/em><br>Ich will dich liegen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>rei\u00dft sich los:<\/em><br>Bianca, komm, wir m\u00fcssen gehn!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>ehrlich leidend:<\/em><br>Bleibt noch! Ich hasse diesen Saal, wenn die Frauen ihn verlassen haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>umhalst ENZIO:<\/em><br>So bleiben wir noch, Mama!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>zieht sie weg:<\/em><br>Nein, wir sind des Todes, wenn dein Vater \u2026\u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>:<br>Aber es war doch so himmlisch&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat ALBINGO etwas zur Seite genommen:<\/em><br>Oberw\u00e4chter, eine Gunst erbitte ich: &#8211; nachts, das Wasser lassen , &#8211; ich muss immer \u00f6fter. Es ist so beschwerlich &#8211; die Wachen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>geht zur T\u00fcr:<\/em><br>Ich sorge f\u00fcr ein Gef\u00e4\u00df<em>, <\/em>Hoheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>f\u00e4llt seine Flucht ein:<\/em><br>Das hei\u00dft: ich brauche es ja eigentlich gar nicht mehr&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>, <em>eifrig:<\/em><br>Aber Hoheit, wenn es Eure Gunst war, dass ich Oberw\u00e4chter wurde, dann ist ein Nachtgeschirr wohl das geringste Zeichen meiner Dankbarkeit!<br><em>Er hat an der T\u00fcr geklopft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>will gehen, wird aber fast umgerannt von<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>die hereinst\u00fcrmt, in der M\u00f6nchskutte, unvermindert naiv, ja: f\u00fcr ihr Alter geradezu unstatthaft naiv, und wohl etwas fetter:<\/em>&nbsp;<br>Endlich, mein geliebter Zauberer!<br><em>Sie rei\u00dft den verdutzten ENZIO in die Kammer, inst\u00e4ndig bittend:<\/em><br>Sag, dass du mich entbehrt hast! Sags!<br><em>Sie wirft ihn auf das Lager, rei\u00dft sich die Kutte runter, st\u00fcrzt sich im Hemd auf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>der v\u00f6llig \u00fcberrumpelt ist:<\/em><br>Francesca dei Lambertini, &#8211; nach zwanzig Jahren&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>:<br>Jajaja! &#8230; Ist es nicht wunderbar?: In der Morgenfr\u00fche hat mich der Herrgott von meinem Ehejoche befreit!&#8230;<br><em>Sie bedeckt ihn mit K\u00fcssen, zerrt an seinen Kleidern<\/em>:<br>Mein Zauberer!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>ist abgegangen, <\/em><strong>BIANCA <\/strong><em>hat sich versteckt, <\/em><strong>KATERINA<\/strong> <em>schaut sehr verdutzt, <\/em><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>glotzt \u00fcber die Tischkante.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>schaut aus dem Versteck, fl\u00fcstert aufgeregt:<\/em><br>Mama, wollen wir nicht fliehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>kampfeslustig:<\/em><br>Warum?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>findet das denn doch sehr peinlich:<\/em><br>Nun, wenn sie ihre k\u00fcnftige Schwiegertochter hier findet. \u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>belustigt:<\/em><br>Ist es nicht mindestens so pikant, dass wir unsere k\u00fcnftige Schwiegermutter hier finden? Noch dazu als M\u00f6nch!?<br><em>Sie ist zur Kammert\u00fcr gegangen und stellt sich provokativ in den Rahmen:<\/em><br>Muhme?&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>schreckt auf, sehr erstaunt:<\/em><br>Muhme?&#8230;  Ihr hier?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>:<br>Verschluckt  es, mich zu fragen, was ich hier suche: die gleiche Gabe wie Ihr!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>reichlich hilflos:<\/em><br>Ich wills Euch erkl\u00e4ren: Zwanzig Jahre fast habe ich gelebt wie eine Nonne. Aber dann war mirs, als beschw\u00f6re mich mein Gemahl auf dem Sterbebette, ich sollte noch einmal zu meinem Zauberer gehen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>mit diesem bissigen Hausfrauen-unter-sich-Vorwurf:<\/em><br>Und im Hause vermisst niemand die Erbin und Witwe?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>:<br>Cesare, der Sohn ist im Hause und bedenkt die Erbschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>dr\u00e4ngelt sich vorlaut dazwischen:<\/em><br>Und nicht unsere Hochzeit? So vermisst er mich gewisslich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat sich vom Lager erhoben und steht etwas abseits:<\/em><br>Darf ich auch mal was sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE DAMEN<\/strong> <em>beachten ihn gar nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>noch erstaunter:<\/em><br>Bianca, &#8211; du auch hier?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>, <em>ganz sch\u00f6n frech:<\/em><br>Nur aus geziemender Sitte: Es steht einer Braut wohl an, dem wahren k\u00fcnftigen Schwiegervater ihre Aufwartung \u00ad-<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>springt auf und h\u00e4lt ihr den Mund zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>weiterhin vergeblich:<\/em><br>Darf ich auch mal was sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BlANCA<\/strong> <em>nimmt FRANCESCAS Hand weg und schaut ENZIO an:<\/em><br>Und wenn ich bedenke, dass mein Cesare an verschwiegener Stelle ebenso blonde Haare hat\u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>streng:<\/em><br>Bianca?! Woher wei\u00dft du das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>,&nbsp; <em>ebenso streng:<\/em><br>Vor der Ehe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong> <em>spielt ganz braves Kind:<\/em><br>Oh, nichts Ehrenr\u00fchriges: Ich sah es ganz zuf\u00e4llig, als er eines Morgens sein Wasser an einer Mauer abschlug und keinen Blick auf sich gerichtet glaubte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>sehr beruhigt<\/em>:<br>Ach so! Ich dachte schon&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Darf ich endlich auch mal was sagen?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>gibt ihm die Laute, lachend:<\/em><br>Nein, du darfst singen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>nimmt ihm die Laute<\/em> <em>weg:<\/em><br>Doch nicht singen, wo wir so viele K\u00fcsse nachzuholen haben. Muhme, Bianca, geht! Ich will meinen Zauberer endlich ganz f\u00fcr mich allein.<br><em>Sie stellt sich erwartungsfroh vor ENZIO.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong> <em>schl\u00fcpft zwischen die beiden, zu FRANCESCA gewendet:<\/em><br>Die Schwiegermutter hat hier nichts zu befehlen!<br><em>Sie dreht sich rasch zu ENZIO<\/em>:<br>K\u00fcss mich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>&nbsp;<em>schiebt sie weg:&nbsp;<\/em><br>Nein, mich! Mich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>dr\u00e4ngelt auch dazu:<\/em><br>Und ich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>str\u00e4ubt sich lachend:<\/em><br>Aber meine Damen! . .. .<br><em>Im Zur\u00fcckweichen st\u00fcrzt er auf das Lager.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE DAMEN<\/strong> <em>st\u00fcrzen lachend und prustend nach.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schreit und lach<\/em>t<em>:<\/em><br>Weibervolk! Hilfe! Meine Laute! Passt doch auf!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Scheppervorhang geht runter, und es wird dementsprechend leiser.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINEILA <\/strong><em>sinniert skeptisch<\/em>:<br>Also &#8211; der Kaiser kann eine Menge &#8211; aber das ist zu viel!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER<\/strong> <em>kommt durch die vordere Gasse:<\/em><br>Da haben Sie aber v\u00f6llich recht, meine Dame!<br><em>Er ruft:<\/em><br>Ede!, det is falsch! Ruff den F\u00fcnneffzehn! Wie solla det denn schaffen?! Drei uff eenmal! Er is doch nu ooch schon in Jahren.<br><em>Er geht ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Scheppervorhang geht hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Kammer hat <\/em><strong><em>ENZIO<\/em><\/strong><em> eine erotische Kissenschlacht er\u00f6ffnet, nicht gerade zimperlich schl\u00e4gt er zu und erntet viel Gekreische und Gel\u00e4chter. <\/em><strong><em>BIANCA<\/em><\/strong><em> liegt und strampelt mit den Beinen, <\/em><strong><em>FRANCESCA<\/em><\/strong><em> rollt vom Lager, <\/em><strong><em>KATERINA<\/em><\/strong><em> mischt mit und geht dann zur T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schon vor einiger Zeit ist nach Schlie\u00df-und Riegelger\u00e4uschen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hereingekommen, unver\u00e4ndert sch\u00f6n, aber hoheitsvoller, unnahbar, bitter die Z\u00fcge des Mundes. Sie geht zur Kammert\u00fcr, h\u00f6rt nach Aufgehen des Scheppervorhanges lauter werdendes Gekreische. Sie geht zu SERVINELLA, die sie anstupst:<\/em><br>Servinella, bringe den K\u00f6nig vor mein Angesicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>bedauert sehr:<\/em><br>Signora, ich kann nicht mehr gehn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>geht zur Kammert\u00fcr, die sie z\u00f6gernd \u00f6ffnet, und wird von einem Kissen fast gef\u00e4llt, mit dem <\/em>ENZIO KATERINA<em> treffen wollte. <\/em><strong>LUCIA<\/strong><em> schreit:<\/em><br>Nein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>st\u00fcrzt sofort aus der Kammer, deren T\u00fcr er energisch hinter sich schlie\u00dft. Er ist sehr bewegt:<\/em><br>Lucia!&#8230; Endlich wieder!<br><em>Er rennt zu SERVINELLA, kniet bei ihr:<\/em><br>Servinella, schnell die Haare so, wie die Frauen es lieben!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>holt ihn mit einem kr\u00e4ftigen Griff hoch:<\/em><br>Lass deine dummen Witze! Ich bin hier aus Liebe &#8230; \u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will sie umarmen<\/em>:<br>Ja!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>entzieht sich handgreiflich:<\/em><br><strong>ENZIO<\/strong>, <em>ganz sch\u00f6n bel\u00e4mmert<\/em>:<br>Bi-bianca?,&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ja, mein \u00fcberaus s\u00fc\u00dfes Patenkind Bianca da Galuzzi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>tonlos stotternd:<\/em><br>Bianca da Gal- \u00e4h&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>deutlich akzentuierend<\/em>:<br>Da Galuzzi! Ja! H\u00e4mmer dir den Namen in dein schwaches Hirn!<br><em>Sie schl\u00e4gt ihm recht lieblos vor die Stirn:<\/em><br>Verschone sie! Das arme Ding k\u00f6nnte wie alle Bologneser Jungfrauen die Sehnsucht haben, die Hitze ihres Scho\u00dfes bei dir zu l\u00f6schen. Sie ist zu schade f\u00fcr dich! Du zerst\u00f6rst ihre Hochzeit. Sie wird deinen Sohn heiraten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht etwas langsam:<\/em><br>Aber unser Bentivoglio ist doch schon verhei\u00ad..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>unterbricht ihn grimmig:<\/em><br>Als ob unser Sohn dein einziger w\u00e4re auf Bolognas Pflaster! Sie wird Cesare di Guida dei Lambertini heiraten, die Frucht deiner verfluchten Kopulation mit dem S\u00fcndenfall Francesca. Und es ist meine letzte und einzige Bitte, die ich noch an dich habe: Z\u00fcgle nur dieses eine Mal deine widerliche Jungfrauenfresssucht und verschone Bianca da Galuzzi.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>kommt frech aus der Kammer:<\/em><br>Da bin ich, Tante! Es war einfach himml\u00ad-<br><em>Sie st\u00fcrzt heftig \u00fcber den Balken und entbl\u00f6\u00dft einiges Fleisch:<\/em><br>Huch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>fehlen die Worte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZlO<\/strong> <em>ist um so eloquenter. Mit der einen Hand rei\u00dft er BIANCA hoch, w\u00e4hrend er mit der anderen LUCIA beschw\u00f6rt:<\/em><br>Ich bin unschuldig, Lucia! Ich sah die Jungfer Bianca \u00fcber die Piazza eilen und fand sie so \u00fcberaus begehrenswert, &#8230;\u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUClA<\/strong>, <em>tief verletzt:<\/em><br>Oh, die alte Leier!, &#8211; und als sie hier oben war, &#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist schon reichlich gemein:<\/em><br>&#8230; fand ich sie \u00fcberhaupt nicht mehr begehrenswert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>gequ\u00e4lt:<\/em><br>Weiter:, &#8211; aber &#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>merkt nicht, wie stupide er ist:<\/em><br>&#8230; da fand sie mich begehrenswert&#8230; Und weil der Mensch ein kompliziertes Fleisch ist, \u00ad&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>vollendet:<\/em><br>&#8230; verl\u00e4sst sie diesen Saal als falsche Braut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA<\/strong>, <em>vertrauensvoll zu LUCIA:<\/em><br>Aber Tante, es war einfach himmlisch. Er hat \u00ad&#8230;<br><em>Sie will ihr kichernd etwas zufl\u00fcstern<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>zornig abwehrend<\/em>:<br>Fl\u00fcster du mir nicht ins Ohr, was er hat! Ich wei\u00df es! Als du noch keinen Atem hattest, wusste ich es schon!&nbsp;<br><em>Ganz grimmig:<\/em><br>Und es ist s\u00fc\u00df!, &#8211; ja doch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA:<\/strong><br>Tante, was ist Gl\u00fcck?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>wei\u00df es nicht, pl\u00f6tzlich nachdenkend:<\/em><br>Ja, &#8211; was ist das?..<\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Kirchenglocke l\u00e4utet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong>, <em>in der Kammer, aus der sie zu sp\u00e4hen versucht, sehr erschrocken zu FRANCESCA fl\u00fcsternd:<\/em><br>Die Vesper-Glocke! Mein Gemahl wartet! Ich bin des Todes!<br><em>Sie tritt aus der Kammer, sehr verlegen zu LUCIA:<\/em><br>Gott gr\u00fc\u00dfe dich, Muhme&#8230; Ich will nur eben &#8211; nur eben gehen&#8230;<br><em>Sie will sich zur T\u00fcr schl\u00e4ngeln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>vertritt ihr den Weg:<\/em><br>Was denn? Die Mutter auch hier?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>tritt aus der Kammer:<\/em><br>Ich&#8217; auch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>steigert sich in eine gro\u00dfe Wut:<\/em><br>Noch eine Mutter! Der S\u00fcndenfall! Was euch allen geb\u00fchrt, ist dies!&nbsp;<br><em>Sie holt eine Peitsche aus dem langen \u00c4rmel und steht wie eine Racheg\u00f6ttin vor den Frauen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>KATERINA<\/strong> <em>wimmert:<\/em><br>Enzio, hilf uns doch hier raus!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hebt die Peitsche:<\/em><br>Nicht eher, als bis ich euch allen die gerechte Strafe ins Gesicht geschrieben habe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE DREI FRAUEN<\/strong> <em>schreien und brechen zusammen:<\/em><br>Hilfe! Alle Heiligen! Enzio!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>windet LUCIA die Peitsche aus der Hand und klopft an die gro\u00dfe T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>k\u00e4mpft vergebens um die Peitsche:<\/em><br>Lass mir meine letzte Waffe!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>\u00f6ffnet die T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE DREI FRAUEN<\/strong> <em>wuseln raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>wagt es, ENZIO noch einmal zu k\u00fcssen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>springt mit einem Wutschrei dazwischen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BIANCA <\/strong><em>entwischt mit einem Lachen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>will auch gehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>sehr liebevoll:<\/em><br>Bleib du bitte, ich habe mit dir zu reden.<br><em>Nach drau\u00dfen rufend:<\/em><br>Schlie\u00dft die T\u00fcr!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das tut<\/em> DER SOLDAT.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIAS<\/strong> <em>Versuch zu gehen, war halbherzig. Jetzt steht sie wie angewurzelt dicht vor der verschlossenen T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZlO<\/strong><em> wei\u00df nicht recht, wie er anfangen soll:<\/em><br>Warum bist du so lange nicht mehr zu mir gekommen?<br><em>Nach einer kleinen Weile wird er schnoddrig-mutiger.:<\/em><br>Ich danke dir, dass du mich befreit hast von dem Weiberregiment. Ich will sie ja alle nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>beugt den Kopf tief, sch\u00fcttelt ihn fast unmerklich, schl\u00e4gt mit einem knappen Seufzen die H\u00e4nde vors Gesicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wirft die Peitsche in die Ecke, geht zu ihr, dreht sie behutsam um, nimmt ihr die H\u00e4nde vom Gesicht, k\u00fcsst die Innenfl\u00e4chen, legt einen auf die Wange.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>schaut ihn an, rei\u00dft sich dann heftig los und flieht auf gr\u00f6\u00dfte Distanz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>nicht ohne blau\u00e4ugige Ehrlichkeit:<\/em><br>Dabei verstehe ich dich so gut. Du r\u00e4tselst, was uns M\u00e4nner treibt. Aber du kannst nicht den Stall mit der Peitsche s\u00e4ubern, um dann zu verstummen.<br><em>Er geht sein dringliches Thema an mit neuem Ton:<\/em><br>Ich brauche deine Hilfe.<br><em>Da sie bewegungslos bleibt und schweigt:<\/em><br>Lucia, dein Schweigen ist der Graus des Dichters. Verwehre dem S\u00fcnder nicht, dich zu lieben. Verstumme mir nicht.<br><em>Dringlicher:<\/em><br>Deine Hilfe ist mir heute unentbehrlich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>bitter abweisend:<\/em><br>Du brauchst nichts mehr von mir, nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat es noch leicht, \u00fcberlegen zu sein:<\/em><br>Solche Bitternis macht t\u00f6richt, Lucia. Es liegt nicht in deiner Macht zu wissen, was dieser Tag noch bereith\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>in Not verschlossen:<\/em><br>Gut. So wisse, dass ich nichts mehr zu geben bereit bin. Auch kein Wort weiter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erkennt, doch einige M\u00fche zu haben:<\/em><br>Lucia, ich beschw\u00f6re dich bei unserer alten Liebe!, &#8211; sie hat doch in diesem Saal ihr Leben gelebt. An diesem Pfeiler hast du gelehnt, und ich habe dich versiegelt. Es gibt keine Stelle, wo wir einander nicht gek\u00fc\u00dft h\u00e4tten, &#8211; hier &#8211; hier &#8211; hier &#8211; \u00fcberall!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Ich kanns beschw\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>res\u00fcmiert eiskalt:<\/em><br>In diesem Saal verwest die Leiche unserer Liebe. Sie stinkt. Bewahre dich, sie anzur\u00fchren. Das Leichengift k\u00f6nnte dich f\u00e4llen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Dein Redegegenstand ist ekelhaft. Aber dass du nur wieder redest&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Jahrelang hab ichs ertragen, dass ganz Bologna sein Gift \u00fcber die betrogene Geliebte des Gefangenen verspritzte. Verzweifelt habe ich nach der S\u00fcnde gesucht, die in meiner Liebe haust. Ich finde sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>so was wei\u00df er ich dann eben auch:<\/em><br>Weil sie vergeben ist.<br><em>Er ist auch eifers\u00fcchtig:<\/em><br>Seit einem halben Jahr warst du nicht mehr bei mir, verweigerst dich mir. Warum?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>muss in Gedanken l\u00e4cheln:<\/em><br>Weil &#8211; ich bin dir keine Rechenschaft schuldig!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist denn doch sehr eifers\u00fcchtig, verwundert:<\/em><br>Du l\u00e4chelst &#8211; ist da ein anderer Mann?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ein Mensch &#8211; ja&#8230; Aufs neue gefesselt, so s\u00fc\u00df gefesselt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>hilflos irritiert:<\/em><br>Aber Lucia, wie kannst du mir das antun &#8211; dem Gefangenen! \u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>kommt genau auf den Punkt:<\/em><br>Dem Gefangenen, der nie begriffen hat, was diese Mauern an Reichtum der Treue bargen. Du h\u00e4ttest der Welt ein Beispiel geben k\u00f6nnen. Stattdessen entjungferst du deine Schwiegertochter!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>reichlich platt:<\/em><br>Ist mir richtig peinlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Es ist neu, dass dir auf diesem Felde etwas peinlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leichtfertig grinsend:<\/em><br>Freilich ist es auch lustig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>abgesto\u00dfen:<\/em><br>Du bist abscheulich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will naiv gutmachen:<\/em><br>Aber wo ich doch ein Gefangener bin&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>bricht leidenschaftlich aus:<\/em><br>H\u00f6r auf mit deinem ewigen Geleier vom armen Gefangenen! Gefangen war ich! Ich, der eifers\u00fcchtigste Mensch unter Gottes Himmel, falle in verzehrende Liebe zu einem in Ketten Geschlossenen und baue auf die Treue, die das Gef\u00e4ngnis gew\u00e4hren sollte, &#8211; und muss erleiden, dass ich dem geilen Bock aus Satans H\u00f6lle verfallen bin, dem das Weiberfleisch durch die Mauern nur so zuflog &#8211; wei\u00df keiner, wieso&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong><br>Ich wei\u00df das schon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>beschimpft auch sie:<\/em><br>Du sei still, du infame Kupplerin! Du bist an allem schuld! Kaum eine Stunde nach unserer Hochzeit hast du ihm den S\u00fcndenfall Francesca untergeschoben!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>voller Bewunderung, aber zu wenig betroffen:<\/em><br>In dir ist die ganze Hitze Gottes&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>abweisend:<\/em><br>Gott ist ein Mann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Und treu. Wie liebe ich deinen Zorn!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Wie wenig ist mir an deiner Liebe gelegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>f\u00e4delt nicht ganz ohne Raffinesse ein<\/em>:<br>Ich warne dich vor anderen M\u00e4nnern, die dich l\u00e4cheln machen, denn wir wollen heiraten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>rei\u00dft denn doch den Kopf, sie schaut fassungslos.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO <\/strong><em>baut darauf:<\/em><br>Sp\u00e4te Hochzeit, gewiss, aber \u00ad&#8230;<br><em>Er sucht ihre N\u00e4he, verschw\u00f6rerisch:<\/em><br>Meine Freiheit steht bevor. Und das ist auch: unsere Hochzeit. Heute noch werde ich aus diesem Gef\u00e4ngnis fliehen. Bald schon werde ich die Kaiserkrone tragen und der heillos zerstrittenen Welt den Frieden bringen. Du musst zum Gelingen helfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>merkt kaum, dass sie in die n\u00e4chste Gefangenschaft ger\u00e4t:<\/em><br>Was kann ich dazu tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Es ist etwas heikel&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Rede, du bist sonst nicht zimperlich.<br><em>\u00dcber sich selbst ver\u00e4rgert:<\/em><br>Ich gl\u00fche schon wieder, die ich kalt bleiben wollte bis ins Herz!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>l\u00e4chelt durchtrieben:<\/em><br>Glut ist der Sache dienlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>wird ungeduldig:<\/em><br>Rede endlich: Was soll ich tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>\u00f6ffnet die T\u00fcr zur Kammer, einladend:<\/em><br>Ein Kissen nehmen, denken, es sei mein Leib, es herzen, k\u00fcssen, kosen, lachen, seufzen, alle Wonnen h\u00f6ren lassen, wie wir es tausendfach miteinander gespielt haben.<br><em>Er hat ein Kissen genommen und damit etwas albern lasziv herumgespielt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hat das Ansinnen noch nicht verkraftet, tonlos:<\/em><br>Und du?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>&nbsp;<br>Mich transportiert derweilen ein b\u00e4renstarker K\u00fcfer in einem Weinfass extra muros.<br><em>Auch seine Rolle ist mieslich, Lucia soll ja nicht denken&#8230;:<\/em><br>Auch nicht grade verlockend f\u00fcr einen Kaiser, aber &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>&nbsp; <em>kann sich nur schwer fassen:<\/em><br>Welcher Teufel hat mir diese Rolle zugedacht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Kanzler Pietro Arsinelli. Ich habe ihm gleich gesagt, dass du nicht gerne spielst, aber &#8211; Nun, so teuflisch doch wiederum nicht, bedenkst du, wie du meinen Peiniger MicheIe degli Orsi t\u00e4uschst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> s<em>ch\u00fcttelt es vor Ekel:&nbsp;<\/em><br>Solch Schauspiel f\u00fcr Michele degli Orsi&#8230; Wer sagt dir, dass ich es tun werde?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> k<em>ann ihr Z\u00f6gern nur schwer nachvollziehen:<\/em><br>Lucia, kannst du dich diesem Dienst wirklich verweigern? Deine Tat wird dazu helfen, dass die kaiserlose Zeit im Heiligen R\u00f6mischen Reich deutscher Nation endlich Vergangenheit wird!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>f\u00fchlt nur ihre Dem\u00fctigung:<\/em><br>Ich will so einen wie dich nicht zum Kaiser.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>endlich einmal ehrlich erkennend:<\/em><br>Wie tief muss ich dich verletzt haben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> h<em>orcht auch gleich auf<\/em>:<br>Sag das noch einmal!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Ich habe dich tief verletzt, immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Oh, h\u00e4ttest du dieses Wort nur ein einziges Mal gesagt in all den vielen Jahren&#8230; Stattdessen immer nur Geschw\u00e4tz und Witze&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> w<em>irft ihr leichtfertig das Kissen zu<\/em>:<br>Nimm also, &#8211; ein Balg mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>f\u00e4ngt das Kissen und hat es wirklich wie ein Kind im Arm. Sie gibt zu bedenken:<\/em><br>Was wird, wenn der Betrug auffliegt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leichtfertig:<\/em><br>Tu so, als schliefen wir. Schnarche f\u00fcr zwei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>beharrt:<\/em><br>Irgendwann wird die T\u00fcr ge\u00f6ffnet!?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>denkt an sich:<\/em><br>Dann bin ich l\u00e4ngst in Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>mit wachsender Sorge:<\/em><br><em>&nbsp;<\/em>Du! Aber meine Sicherheit?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Das findet sich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA <\/strong><em>gef\u00e4llt seine Leichtfertigkeit nicht:<\/em><br>Warte, Enzio: &#8211; die hohe Politik hat also nicht bedacht, dass man eine Hochverr\u00e4terin finden wird, die mit ihrem Liebesgestammel die Republik Bologna zum Gesp\u00f6tt gemacht hat?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will beschwichtigen:<\/em><br>Lucia, Geliebte, Kanzler Arsinelli wird auch das bedenken und eine L\u00f6sung finden&#8230; Wir befreien dich, der Thron an meiner Seite wartet auf dich!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>r\u00e4soniert sehr nachdenklich<\/em>:<br>Es sollte wirklich alles gut werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wird wieder euphorisch:<\/em><br>Es ist \u00fcberirdisch sch\u00f6n zu denken, dass ich aus allem Get\u00fcmmel der Welt immer wieder zu dir heimkehren kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ich bin rasend eifers\u00fcchtig! Auf alles Get\u00fcmmel!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Welch sch\u00f6nes Gew\u00fcrz!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>bittet inst\u00e4ndig:<\/em><br>Nimm mich mit in die Welt!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will nichts dergleichen und argumentiert sehr ungeschickt:<\/em><br>Nicht doch! Es finden sich Bl\u00fcmchen genug am Wegrand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>ahnt ihre ganze Schw\u00e4che:<\/em><br>Du hast andere Frauen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist die Frage unverst\u00e4ndlich:<\/em><br>Wieso nicht? Ich selbst bin solche Frucht aus meines Vaters Lenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>verkraftet das schwer:<\/em><br>Aber du willst doch anders werden! Ein Friedenskaiser!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Was hat der Friede damit zu tun, dass ich Kebsen habe?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>wei\u00df die knappe Antwort:<\/em><br>Alles.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht die ganze Thematik nicht:<\/em><br>Ich wei\u00df wirklich nicht, wovon du sprichst. Treu sind die Heiligen, aber die heiraten nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>emp\u00f6rt ihr Recht einklagend, anklagend, gr\u00f6\u00dfer, \u00e4rmer als er:<\/em><br>Aber ich liebe dich doch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>brutal konternd:<\/em><br>Da bist du nicht die einzige.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>sackt nach kurzer Fassungslosigkeit in die Knie und sucht in der Kammer herum, unter dem Bett, Kissen werfend, murmelnd:<\/em><br>Wo bist du? Komm, tu endlich, wozu du von Anfang an bestimmt warst&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will das ihm unverst\u00e4ndliche Getue gereizt beenden<\/em>:<br>Was suchst du denn da unten herum? Hier bin ich! Hier!<br><em>Er \u00f6ffnet die Arme<\/em>:<br>Meine Arme, sich um deinen Leib zu schlingen!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hat den Dolch gefunden, h\u00e4lt ihn drohend in der erhobenen Rechten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>erstaunlich kaltbl\u00fctig:<\/em><br>F\u00fcr dich &#8211; oder f\u00fcr mich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Wage nicht, dich mir zu nahen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>geht auf sie zu, ahnt mehr, als dass er wei\u00df:<\/em><br>Ich habe dich schon wieder verletzt&#8230; Verzeih mir!<br><em>Er umarmt sie in voller Liebe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>l\u00e4sst fast unmerklich den Dolch sinken, dann polternd fallen, umarmt ihn.<\/em><br>Du bist sehr mutig. Und sehr dumm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Und sehr verliebt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die T\u00fcrfl\u00fcgel schlagen auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>EIN FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>stolpert mit einem leeren Fass herein. (In Legendenform ist dieser Fluchtversuch als quasi-historisch belegt. Es muss also ein Fass sein, in das sich ENZIO quetschen kann, es muss sich wie ein Koffer \u2013 etwa einer Bassgeige \u2013 \u00f6ffnen und schlie\u00dfen lassen. Und es muss ein FASSTR\u00c4GER von entsprechender Kondition sein). Er meutert:<\/em><br>Ein leeres Fass in einen Palazzo tragen!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>kommt eilig hinzu:<\/em><br>Ja doch &#8211; schon recht!<br><em>Er versucht angesichts einer Panne Fassung zu bewahren, eilt zu ENZIO.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>ist auch etwas verwundert reingekommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong>:<br>Nie mein Lebtag trug ich ein leeres Fass in solchen Saal!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>zwischen Entsetzen und Am\u00fcsiertheit:<\/em><br>Ist das dein Liebster?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>genervt, auch leise<\/em>:<br>Aber nein! Eine Panne! Mein K\u00fcfer steht unten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>erz\u00e4hlt recht bed\u00e4chtig-anschaulich:<\/em><br>Geh ich da \u00fcber die Piazza, seh ich den K\u00fcfer Bruno ein Fass tragen. Holla, denk ich, das verbietet die Gewerkschaft der Fasstr\u00e4ger. Wir m\u00fcssen sehn, wie wir unsre Taxen eintreiben. Hab ich ihm das Fass abgenommen &#8211; leer dennoch &#8211; auf Befehl dieses Herrn &#8211; die Treppe rauf&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>will gehen, aber&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>h\u00e4lt ihn auf<\/em>:<br>Halte die T\u00fcr ge\u00f6ffnet, Comandante, und sorge, dass die Treppe frei ist. Das Fass muss auf die Piazza runter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>schiebt das Fass mit Fu\u00dftritten zur T\u00fcr:<\/em><br>Erst rein, dann raus&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>dirigiert ihn nerv\u00f6s zur Kammert\u00fcr:<\/em><br>Nein, zuerst dorthin, zur Kammer!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>wird zunehmend verwirrter, sucht Trost bei ENZIO:<\/em><br>Der Herr ist nicht ganz richtig, oder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will nie und nimmer in dieses Fass:<\/em><br>Ein Irrtum das Ganze. Trag es raus &#8211; leer!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>rennt zu ENZIO, beharrt heftig:<\/em><br>Nein! Hierher das Fass!<br><em>Leise zu ENZIO:<\/em><br>Ich beschw\u00f6re dich! Wir m\u00fcssen es dennoch wagen! Alles andere verl\u00e4uft genau nach Plan!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>steht bewegungslos:<\/em><br>Zwei Herren kann ich nicht dienen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>greift entschieden ein:<\/em><br>Guter Mann, gehorche dem Messere Arsinelli: Bringe das Fass zuerst dort zur Kammer und dann auf die Piazza.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong>, <em>genie\u00dferisch:<\/em><br>Eine so sch\u00f6ne Dame und schimpft mich Guter Freund? Zu Diensten, Signora.&nbsp;<br><em>Er maltr\u00e4tiert das Fass mit Schubsen und Tritten Richtung Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DIE ANDEREN<\/strong> <em>sehen es mit Entsetzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>beschw\u00f6rt ihn:<\/em><br>Was maltr\u00e4tierst du das Fass derart?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong>:<br>Lehrt Ihr einen Fasstr\u00e4ger, wie er mit F\u00e4ssern umgehen soll!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leise, hysterisch:<\/em><br>Das ist mein Sarg!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Behutsam doch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong>:<br>Leere F\u00e4sser f\u00fchlen nichts!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>bang:<\/em><br>Und wenn es voll ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>ist auch ein Poet<\/em>:<br>Da trage ich es, als w\u00e4re es die Wiege unseres Herrn Jesus. Wein ist eine Gottesgabe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ergreift rasche und erleichtert die Gelegenheit:<\/em><br>H\u00f6re, Fasstr\u00e4ger, dieses Fass ist voll, wenn du es raus tr\u00e4gst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong>, <em>zu ENZIO und LUCIA:<\/em><br>Der Herr ist nicht ganz richtig, sagt ichs doch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Du scheinst mir nicht ge\u00fcbt im Wunderglauben!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>versteht oder meint zu verstehen<\/em>:<br>Ach so! Sprudelt da drin eine Weinquelle?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Nein, das Fass wird schwanger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>liebvoll:<\/em><br>Und du wirst es tragen, als sei ein Wein von vielerlei Gnaden drin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>An Geld \u00fcber die Taxe hinaus soll es nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>t\u00e4tschelt kennerisch das Fass:<\/em><br>Kam mir gleich so wundertr\u00e4chtig vor&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>schiebt ihn zur gro\u00dfen T\u00fcr:<\/em><br>Fasstr\u00e4ger, sieh zu, dass die Treppe frei ist!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>geht raus<\/em>:<br>Jajaja. . .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>zwischen Eifer und gro\u00dfer Angst<\/em>:<br>Wie geht es auf? Wie soll ich da rein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>sucht fieberhaft rum, findet den \u00d6ffnungsmechanismus:<\/em><br>Dass aber auch unser Plan &#8211; mein Bruno steht auf der Piazza&#8230; Hier!&nbsp;<br><em>Er \u00f6ffnet das Fass.<\/em><br>Steig ein, Majest\u00e4t!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>flieht in LUCIAS Arme<\/em>:<br>Ich will nicht! Es ist mein Tod!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>schiebt ihn zum Fas<\/em>s<em>:<\/em><br>Kaiser, wo bleibt dein Mut?!<br><em>Sie h\u00e4lt ihn unter den Armen, w\u00e4hrend PIETRO entschlossen seine Beine greift. Sie betten ihn ins Fass, schlie\u00dfen es, richten es auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>schiebt LUCIA in die Kammer:<\/em><br>Lasst uns nun der Liebe Schmachten h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>kann nicht mehr protestieren, geht in die Kammer, setzt sich auf die Liege.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>schlie\u00dft die Kammert\u00fcr, haut dagegen, zischt:<\/em><br>Los, was z\u00f6gert Ihr?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>\u00fcbernimmt die ihr von diesen M\u00e4nnern zugedachte Rolle: Sie spielt im Folgenden Liebe zwischen Selbstekel und schauspielerischen Meisterschaft. Sie lacht, gurrt, t\u00e4ubelt, schmatzt, st\u00f6hnt, \u00e4chzt, schreit, klatscht sich wohl mit der Hand auf den Hals und redet zwischendurch unverst\u00e4ndlich oder laut:<\/em><br>Ja, endlich, Liebster, ach&#8230; Oh &#8211; Ah &#8211; ja, solange nicht, aber jetzt&#8230; Liebster, du tust mir weh &#8230; Weiter so, jajajaja &#8211; Nein, sage du jetzt nichts &#8211; jetzt nicht! &#8230; Aua!, nicht doch bei\u00dfen, mein Engel!&#8230; Fasse mich ganz, Gl\u00fcck, Gl\u00fcck &#8211; Wonne&#8230; Oh &#8211; Ah&#8230;<br><em>Mag sein, dass sie aufsteht, sich an eine Mauer lehnt oder hin- und hergeht, Mimik und Haltungen widersprechen der ganzen Akustik und spiegeln die Trag\u00f6die, der sie sich da aus lauter Liebe aussetzt, der sie zum Opfer gefallen ist &#8230; Und schlie\u00dflich bleibt es auch ein St\u00fcck lausige Kom\u00f6die!&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ziemlich bald ist der Schepper-Vorhang runtergegangen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER<\/strong> <em>kommt wieder aus der vorderen Gasse.<\/em><br>Halt, Ede!, schon wieda falsch! Ruff den F\u00fcnnefzehn! Det spielt die Dame doch blo\u00df, die is doch janz alleene, da brauchstedoch nich&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Schepper-Vorhang geht hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER<\/strong> <em>geht ab ins Publikum:<\/em><br>Tschuldijen vielmals&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>kommt rein, wieder in der M\u00f6nchskutte:<\/em><br>Jetzt aber endlich, &#8211; mein Zauberer!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>folgt<\/em>:<br>Grade recht zu einem Wunder, hochw\u00fcrdiger Vater!: Die Verwandlung eines leeren Weinfasses in ein volles. Gott steh uns bei, wenn es Teufelswerk ist&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>:<br>Wo ist mein Zauberer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>zeigt mit teuflischen Grinsen zur Kammer:<\/em><br>Da drin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>geht zur Kammert\u00fcr und wird zur entz\u00fcckten Ecouteurin, sinkt gar an der T\u00fcr zusammen:<\/em><br>Ja ja!, so war es &#8211; genau so&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Fasstr\u00e4ger an die Arbeit!, aber behutsam wie San Christoforo!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong> <em>kommt rein, ungehalten:<\/em><br>Alle T\u00fcren sperrangelweit offen! Wo ist der Gefangene?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>empfindet sein Erscheinen als zus\u00e4tzliche Belastung:<\/em><br>Da drin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>\u00fcberzeugt sich ebenfalls von der Akustik, abf\u00e4llig:<\/em><br>Bei der ewigen Balz!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Wieso kommt Ihr jetzt, Messere degli Orsi?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Stellt kl\u00fcgere Fragen, Messere Arsinelli. Euch abzul\u00f6sen, Tramonto, Dienstbeginn, was sonst? Was soll das Fass hier mitten im Saal?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Ja, eben, raus damit!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>tr\u00e4gt das Fass zur T\u00fcr:<\/em><br>Tats\u00e4chlich voll &#8211; schwer: &#8211; ein Wunder auf meinem Buckel!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>hat etwas am Fass entdeckt und schreit pl\u00f6tzlich auf:<\/em><br>Halt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>h\u00e4lt tischnah an, setzt ab<\/em>:<br>Dies ist ein Tollhaus!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>st\u00fcrzt \u00fcber die Bank auf den Tisch und zeigt auf eine Stelle oben am Fass:<\/em><br>Was ist das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>sehr beunruhigt:<\/em><br>Wieso? Was ist da?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>:<br>Haare! Hier! Ein Haarschopf so blond, wie ihn nur einer hat in ganz Bologna!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>st\u00fcrmt auf den Tisch, ihr den Mund zuzuhalten:<\/em><br>Was faselt die Bl\u00f6de?!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber<\/em> <strong>FRANCESCA<\/strong> <em>entzieht sich ihm erstaunlich geschickt und umarmt das Fass, gleitet an ihm runter<\/em>:<br>Mein Zauberer! Meinen Zauberer m\u00fcsst ihr mir hier im Gef\u00e4ngnis lassen!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>weist auf die Kammert\u00fcr:<\/em><br>Aber so h\u00f6rt doch! Dort!<\/p>\n\n\n\n<p>ALLE <em>lauschen mit Spannung oder Grinsen auf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIAS<\/strong> <em>Liebesgest\u00f6hne:<\/em><br>Ja! Ja! Ja! Lass mir doch Atem, Liebster!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>hat nun gr\u00f6\u00dfte Eile und Sorge:<\/em><br>Nun aber runter mit dem Fass auf die Piazza und auf den Karren!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>setzt wieder an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>geht zum Fass:<\/em><br>Halt! Erst will ich wissen, was es mit dem Blondhaar auf sich hat!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>stellt sich ihm in den Weg, in gr\u00f6\u00dfter Not:<\/em><br>Messere degli Orsi!, dies ist mein Dienst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schafft sich handgreiflich Zugang zum Fass:<\/em><br>Schon eine ganze Weile ist es mein Dienst! Kein Strahl der Sonne trifft mehr die T\u00fcrme Bolognas.<br><em>Zum FASSTR\u00c4GER:&nbsp;<\/em><br>\u00d6ffne das Fass!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FASSTR\u00c4GER<\/strong>:<br>Als Fasstr\u00e4ger, wie der Name sagt, ist das \u00d6ffnen meine Sache nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>sucht und findet die Fass\u00f6ffnung, l\u00e4sst sich von <\/em><strong>PIETRO<\/strong> <em>nicht hindern<\/em>. <strong>ENZIO<\/strong> <em>st\u00fcrzt aus dem Fass zu Boden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00ad<strong>MICHELE <\/strong><em>springt kurz zur\u00fcck, zieht blank, stell einen Fu\u00df auf ENZIO:<\/em><br>Verschw\u00f6rung! Sturz der Republik!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>zieht auch blank, muss nun viel heucheln:<\/em><br>Wer h\u00e4tte das gedacht?! &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>schreit auf einen ekstatischen H\u00f6henpunkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLER<\/strong> <em>K\u00f6pfe wenden sich zur Kammert\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>rennt hin, stolpert \u00fcber den Balken, rei\u00dft die Kammert\u00fcr auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>verstummt abrupt und starrt entsetzt auf das Tableaux im Saal&#8230;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>kommt mil einem mitteralterlichen Nachttopf rein:<\/em><br>Hoheit, die N\u00e4chte sind gerettet, \u00e4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schreit nach kurzer Stille:<\/em><br>Commandante!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>erscheint.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>st\u00fclpt ALBINGO den Topf auf den Kopf:<\/em><br>Messere di Ebubo verhaften! St\u00fcrzt ihn ins tiefste Verlies! Er verriet die Republik!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>f\u00fchrt den hilflosen, blinden, sich wehrenden<\/em> ALBINGO <em>brutal ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Jetzt habe ich wieder keinen Topf zum Pinkeln! &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>tritt von ENZIO zur\u00fcck:<\/em><br>Messere Arsinelli, \u00fcbernehmt die Bewachung des Gefangenen! Fasstr\u00e4ger, raus!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER FASSTR\u00c4GER<\/strong> <em>geht kopfsch\u00fcttelnd.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> \u2013 <em>mit welchem Gef\u00fchl setzt er den Fu\u00df auf ENZIO:<\/em><br>Nun also &#8211; mein Gefangener&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>rennt zum Fenster, rei\u00dft es auf, schreit runter<\/em>:<br>Sbirren! Hierher! Die Republik in h\u00f6chster Gefahr! Bewacht das Portal! Keiner rein, keiner raus!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leise zu PIETRO:<\/em><br>Rette deine Haut, Kanzler!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>wendet sich an PIETRO:<\/em><br>Helft mir, Messere Arsinelli, den Gefangenen abzuf\u00fchren. In die Kammer!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>steht sehr beh\u00e4nde auf und geht in die Kammer:<\/em><br>R\u00fchrt mich nicht an! Ich wei\u00df, was sich f\u00fcr einen Gefangenen geziemt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>st\u00f6\u00dft ihn, h\u00f6hnisch:<\/em><br>Geziemt!&#8230; Als gezieme sich solch hinterh\u00e4ltige Flucht &#8211; in einem Weinfass!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>will ENZIO umarmen:<\/em><br>Was habe ich getan?! O, was habe ich getan!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>rei\u00dft sich weg und z\u00fcckt den Dolch gegen sie<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong>, <em>leidenschaftlich ergeben<\/em>:<br>Ja, sto\u00df zu, Muhme! Willkommen, Tod! Ich wollte doch nur endlich wieder mit meinem Zauberer&#8230;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>l\u00e4sst den Dolch sinken, wirft ihn weg, ver\u00e4chtlich:<\/em><br>Du elende Ratte bist keinen Dolchsto\u00df wert!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>hebt einen Arm FRANCESCAS wie zur Siegespose hoch:<\/em><br>Die HeIdin hei\u00dft Francesca di Guida dei Lambertini. Sie rettete am Tage, da sie Witwe ward, die Republik!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>FRANCESCA<\/strong> <em>rennt heulend raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>hat \u00fcberhaupt nichts verstanden.<\/em><br>Es \u00fcberk\u00f6mmt sie!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>verschwindet unbemerkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Messere Arsinelli, Ihr \u00fcbernehmt meine Wache. Ich eile ins consiglio, dass wir der Verschw\u00f6rung auf die Spur kommen. Und ich lasse mich zum Oberw\u00e4chter proklamieren!<br><em>Er rennt zum Fenster und ruft raus:<\/em><br>Sbirren, geleitet die HeIdin Francesca di Guida dei Lambertini mit h\u00f6ch\u00adsten Ehren nach Hause! Und verhaftet Lucia da Viadagola wegen Hochverrates!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>kommt rein:<\/em><br>Ein M\u00f6nch w\u00fcnscht den Gefangenen zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>wehrt entsetzt ab<\/em>:<br>Nein!, haltet mir die M\u00f6nchin vom Leibe!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>aus dem Fenster schauend, so, dass ENZIO es h\u00f6rt:<\/em><br>Die kann es nicht sein, Francesca rennt gerade halbnackt \u00fcber die Piazza davon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Dann lasst den M\u00f6nch eintreten &#8211; ich habe viel zu beichten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>sadistisch:<\/em><br>Ihr m\u00fcsst den Oberw\u00e4chter f\u00f6rmlich darum bitten. W\u00e4re doch gelacht, wenn wir nicht endlich Zucht und Ordnung in dieses Gef\u00e4ngnis br\u00e4chten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>stolz:<\/em><br>Das tue ich nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Dann gibt es keine Beichte!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Ich w\u00fcrde es tun, Majest\u00e4tchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Wenn du das sagst, &#8211; Ich bitte den Oberw\u00e4chter Messere degli Orsi mir die Gnade der Beichte zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>ist in der M\u00f6nchskutte reingekommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>h\u00f6flich:<\/em><br>Hochw\u00fcrdiger Vater, der Gefangene erwartet Euch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>eilt in die Kammer.\u00ad<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schlie\u00dft hinter ihr zu und geht zur gro\u00dfen T\u00fcr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>folgt ihm sehr niedergeschlagen:<\/em><br>Was g\u00e4be es f\u00fcr mich noch zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Wachsam zu bleiben &#8211; nichts sonst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BEIDE<\/strong> <em>gehen raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ab hier D\u00e4mmerung, dann Dunkelheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>spielt den M\u00f6nch mit diskreter Komik, aber effektvoll:<\/em><br>Gelobt sei Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schmei\u00dft alles, was auf dem Sessel liegt, auf das Lager, verstaut die Laute:<\/em><br>In Ewigkeit, Amen. Setzt Euch, hochw\u00fcrdiger Vater und verzeiht die &#8211; \u00e4h \u00ad<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Die vielen Kissen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>setzt sich so, dass die Zuschauer ihr im Laufe der Szene immer wieder ins verz\u00fcckte Gesicht unter der Kapuze schauen k\u00f6nnen.<\/em><br>Ein jeglicher Gottesmann ist angetreten zu verzeihen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>ist an einem Blick in dieses Gesicht gar nicht gelegen:<\/em><br>Ihr bringt dem verteufelten Ketzer den Herrn?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>grunzt tiefstimmig:<\/em><br>Hm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><br>Ihr wisst, dass ich unter dem Bannfluch des Papstes schmachte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Die Liebe endet nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>erfreut zustimmend:<\/em><br>Nein, nicht wahr? Dank f\u00fcr diesen ersten Trost, Pater &#8211; Wie ist Euer Name?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>z\u00f6gert kaum:<\/em><br>Pater Lucius.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>entz\u00fcckt:<\/em><br>Lu &#8211; Lu <em>Lucius!&#8230;<\/em><br><em>Pl\u00f6tzlich erschrickt er:<\/em><br>Sie wird nie wiederkommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Wer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>zutiefst ehrlich bekennend<\/em>:<br>Die ich liebe &#8211; von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ist diese Liebe Eure S\u00fcnde?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>stellt bewegt richtig:<\/em><br>Aber nein! Mein bestes Teil!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Und die S\u00fcnde also?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Ihr nicht zur Gen\u00fcge gesagt und gezeigt zu haben, wie sehr ich sie liebe von Ewigkeit zu Ewigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>m\u00f6chte am liebsten wegschmelzen:<\/em><br>Sonst keine S\u00fcnden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>sto\u00dfseufzend:<\/em><br>Oh doch! Fl\u00f6ssen sie ins Meer, es w\u00fcrde \u00fcberlaufen und uns alle ers\u00e4ufen. Die ewigen m\u00fc\u00dfigen Gepl\u00e4nkel und Schlachten&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Im Krieg?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>sch\u00fcttelt den Kopf:<\/em><br>In der Liebe &#8211; als sei sie ein Krieg. Der S\u00fcndenfall Francesca gleich nach der Hochzeit. Ich wollte immer nur Opfer. Meine Eroberungswut, meine Siegestaumel, dass ich geil war, Standarten zu h\u00e4ufen: die R\u00f6cke der geliebten Feindinnen, Geb\u00e4nde, \u00c4rmel, T\u00fccher, Hemden, Hauben, Schn\u00fcre, Schn\u00fcre, Pater -: endlos Schn\u00fcre&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>,<em> \u2018streng\u2019<\/em>:<br>Sollte Eure Beichte nicht mehr vom Himmel handeln denn von Frauenkleidern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>erst eifrig, dann revozierend:<\/em><br>Jaja! Nein!, der Himmel hat sich mir in einem \u00c4rmel verborgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>In einem \u00c4rmel? Wie das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erz\u00e4hlt anschaulich:<\/em><br>Ich stand hinter ihr, die Hand auf ihrer Schulter, liebkosend, &#8211; rutschte unter ihren Arm, wo es s\u00fc\u00dfe feucht war, im hohen Sommer, &#8211; tastete mich vor, &#8211; Fingerspitze f\u00fcr Fingerspitze vor bis zu der Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hat immer mehr M\u00fche, Pater zu bleiben<\/em>:<br>Welche Stelle?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:&nbsp;<br>Den Anfang&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Anfang?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>&#8230; des Himmels. Wo es anf\u00e4ngt, dass die Frauen anders sind als wir M\u00e4nner, wo sie mehr sind als wir. An den Rippen. Ich konnte nicht anders: die andere Hand wies zum Himmel hinauf&#8230; Und es ihr nie gesagt zu haben&#8230; Pater, verzeiht, ich rede von Dingen, die Euch ganz fremd sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>spontan:<\/em><br>Aber nein!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>horcht auf, mit Schalk:<\/em><br>Nein? Ihr solltet wissen? Am Ende h\u00e4ttet auch Ihr etwas zu beichten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>lacht m\u00e4nnlich:<\/em><br>Das nun wieder nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Aber meine Rede ist unziemlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>kann gar nicht genug Unziemliches h\u00f6ren:<\/em><br>Vergesst alle R\u00fccksicht auf das Ohr des Beichtigers. Er ist vieles gewohnt. Sagt mir alles im Namen der Liebe.<br><em>Es f\u00e4llt ihr ein, rasch anzuf\u00fcgen:<\/em><br>&#8230; Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>immer in gro\u00dfer Aufrichtigkeit:<\/em><br>Es ist mir so herzlich leid, die, die ich liebe, in tausend Tode gehetzt zu haben. Die Treue mit F\u00fc\u00dfen getreten, dass sie winselte. Kein Ohr f\u00fcr das Winseln der Freude. Aber der Riecher f\u00fcr Jungfrauen &#8211; immer a posto, und immer Sieger, und immer &#8211; nicht zu leugnen, Pater: die S\u00fc\u00dfe der Siege&#8230; Pater:, der Nutzen der Reue wird erst im Himmel verrechnet, nicht wahr?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Gottes Wege sind unerfindlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Ihr meint, ich k\u00f6nnte schon auf Erden einen Zipfel Vergebung erhaschen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>steht auf:<\/em><br>Das zu versprechen, liegt nicht in meiner Macht. Aber was meinen Teil angeht, \u00ad<br><em>Sie stellt sich mit dem R\u00fccken zu ihm:<\/em><br>Gebt Eure linke Hand unter meinen Arm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>tut das<\/em> <em>verwundert, gestreckten Armes<\/em>:<br>Was hat das zu bedeuten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>So erteilen wir nach der neuen Regel die Absolution. Weist mit der rechten Hand zum Himmel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>tut das, lacht etwas:<\/em><br>Welch neumodische Wege zur Absolution. Was hat sich nicht alles ge\u00e4ndert in den neunzehn Jahren meiner Gefangensch\u00adaft!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>hat ein wenig nachgeholfen, dass er an die Stelle kommt. Sie streift die Kapuze ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>stammelt ganz leise:<\/em><br>Himmel &#8211; Himmel&#8230;!<br><em>Langsam n\u00e4hert er sich ihr, beugt den linken Arm, legt den Kopf in ihren Nacken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER<\/strong> <em>tritt sehr behutsam auf<\/em>:&nbsp;<br>Jetzt, Ede, den F\u00fcneffzehn!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Schepper-Vorhang geht mit m\u00f6glichst wenig Schweppern runter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER B\u00dcHNENARBEITER<\/strong> <em>geht wieder. Mit diskretem Charme ins Publikum:<\/em><br>Herrschaftn &#8211; Z\u00e4rtlichkeit nach zwanzich Jahren&#8230; .<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach einiger Zeit Schlie\u00df- uznd Riegelger\u00e4usche..<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong><em> kommt rein, misstrauisch an der Kammert\u00fcr interessiert, fragt SERVINELLA:<\/em><br>Kennst du den M\u00f6nch, der da bei der Majest\u00e4t drin ist, &#8211; schon so lange?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>listig:<\/em><br>Wie wird er hei\u00dfen? Lucius wahrscheinlich.<br><em>Es besch\u00e4ftigt sie ewtas:<\/em><br>Messere Arsinelli, sie nennen die Signora Francesca dei Lambertini immer den S\u00fcndenfall, \u00ad-<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>gering interessiert:<\/em><br>Warum nicht? Es wird schon stimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Es ist nur, &#8211; weil ich sie ihm untergeschoben habe. Werde ich nun in die H\u00f6lle kommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>lacht:<\/em><br>Schwerlich wird sich eine alte Kupplerin in den Himmel verirren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>geplagt:<\/em><br>O, wenn ichs nur wiedergutmachen k\u00f6nnte&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>:<br>Wie sollte dir das gelingen &#8211; liegend auf der Bank?<br><em>Er hat andere Sorgen, schaut aus dem Fenster, dann verschw\u00f6rerisch:<\/em><br>H\u00f6re, Servinella, ich ahne nichts Gutes f\u00fcr den Rest des Tages. Ich werde fliehen m\u00fcssen. Hier hast du meinen Schl\u00fcssel zu des Kaisers Kammer. Er ist bei dir besser aufgehoben als bei einem Verschw\u00f6rer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>nimmt ihn, wirkt nachl\u00e4ssig:&nbsp;<\/em><br>Jaja.. .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>ermahnt sie dringlich:<\/em><br>Verwahre ihn gut! Was ich dir da gebe, ist mit keinem Goldst\u00fcck aufzuwiegen. Was ich tue, ist Hochverrat!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>:<br>Das mit dem S\u00fcndenfall Francesca, &#8211; das zwickt mich&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>geht zur Kammert\u00fcr, horcht, zunehmend beunruhigt:<\/em><br>Das klingt nicht wie eine Beichte \u00ad<br><em>Pl\u00f6tzlich bricht er aus:<\/em><br>O, alle Teufel und Heiligen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>sehr verwundert:<\/em><br>Was ist in Euch gefahren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>st\u00fcrzt zu SERVINELLA und r\u00fcttelt sie:<\/em><br>Servinella!, ich habe ihn so sehr geliebt! Neunzehn Jahre ihm selbstlos gedient!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>geschmerzt:<\/em><br>Was r\u00fcttelst du mich? R\u00fcttle deinen Kaiser!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>ungl\u00fccklich und zornig:<\/em><br>Nie hatte er die Gnade, meine Liebe mehr als statthaft zu erwidern. Ich habe es edelm\u00fctig ertragen. Und nun treibt ers mit einem hergelaufenen M\u00f6nch!&#8230; Lucius!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong>, <em>trocken:<\/em><br>Oder Lucia&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>v\u00f6llig verdattert:<\/em><br>Was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong><br>Einer, der fliehen will, sollte nicht so langsam von Verstand sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong><br>Du meinst, Lucia da Viadagola ist da &#8211; ?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Habt Ihr nicht selbst gesagt, dass die M\u00f6nchin Francesca halbnackt \u00fcber die Piazza rannte? Wo mag ihre M\u00f6nchskutte sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>langsam erleichtert:<\/em><br>Du meinst: da drin? Auf Lucias Schultern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>in alter Kupplerinnenfreude:<\/em><br>Wo sonst? Ob sie sie freilich in diesem Augenblick auf ihren Schultern tr\u00e4gt&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong>, <em>ganz entlastet:<\/em><br>O, Servinella, wie hast du mein Herz erleichtert! Dank, Dank! Nun will ich aber fliehen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Als was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>versteht nicht:<\/em><br>Wie: als was?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Wenn Pietro Arsinelli die Lage in Bologna mulmig findet, sollte er als Pietrina fliehen. Nimm den Weibermantel da.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>wirft einen herumliegenden Frauenmantel \u00fcber und t\u00e4nzelt anmutig damit herum.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>:<br>Ich wusste gleich, dass er dir gut stehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>PIETRO<\/strong> <em>klopft an die gro\u00dfe T\u00fcr, zieht den Mantel aus und rollt ihn zusammen, fl\u00fcstert SERVINELLA zu:<\/em><br>F\u00fcr sp\u00e4ter! Kein Geschichtsbuch wird jemals verk\u00fcnden, was die gute Servinella f\u00fcr des Kaisers Rettung getan hat!&#8230;<br><em>Er k\u00fcsst sie und rennt raus, denn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>DER SOLDAT<\/strong> <em>hat auf das Klopfen ge\u00f6ffnet und schlie\u00dft dann wieder ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach einer kleinen Weile geht der Schepper-Vorhang behutsam- und also m\u00f6glichst leise \u2013 hoch.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>und <\/em><strong>ENZIO<\/strong> <em>in z\u00e4rtlich entspanntem Apr\u00e9s , noch nicht wieder richtig angezogen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Jetzt kann der Henker kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>legt ihm den Finger auf den Mund:<\/em><br>Pst&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Nun glaube ich aber nicht mehr, dass da ein anderer Mann in deinem Leben ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>lacht, etwas ausweichend:<\/em><br>Oh doch! Ein neuer Mensch!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>in heiterer Eifersucht:<\/em><br>Wer sollte das sein? Wie alt ist er?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>O, jung, ganz ganz jung&#8230;! Ein Verwandter von dir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>versteht nun gar nichts mehr:<\/em><br>Dein Liebhaber und mir verwandt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Uns verwandt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>lacht etwas gequ\u00e4lt:<\/em><br>Oh, Lucia, erl\u00f6se mich mit des R\u00e4tsels L\u00f6sung!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Unser Sohn Bentivoglio ist Vater geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong><em> rei\u00dfts<\/em>:<br>Was? Und ich?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Du &#8211; Gro\u00dfvater. Deine Enkeltochter hei\u00dft Antonia di Bentivoglio. Vor sechs Monden kam die Herzenstaube zur Welt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Und das sagst du mir erst jetzt? Warum so sp\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>mit heiterem Spott:<\/em><br>Es war immer so voll in deinem Stall. O, Antonia, Tonina ist so allerliebst! &#8211; besonders, wenn sie weint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>verst\u00e4ndnislos besorgt:<\/em><br>Allerliebst, wenn sie weint?..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ja, ich muss so lachen, wenn ich das kleine Gesch\u00f6pfchen weinen sehe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, f<em>assungslos:<\/em><br>Lachen? Bist du des Teufels?!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Du w\u00fcrdest auch lachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>kategorisch:<\/em><br>Niemals!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Doch! Ich werde sie dir \u00fcber die Piazza tragen. Und du schaust aus dem Fenster!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>sofort eifrig:<\/em><br>Wann? lch kann es nicht erwarten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Heute abend &#8211; beim Angelus-L\u00e4uten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>gibt zu bedenken:<\/em><br>Eine Lucia da Viadagola kann nicht beim Angelus-L\u00e4uten ihre schreiende Enkeltochter \u00fcber die Piazza tragen. Das verst\u00f6\u00dft wider jede Sitte!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>ist jetzt sehr erfinderisch:<\/em><br>Ich verkleide mich und foppe zugleich MicheIe degli Orsi. Ich gehe als arme Frau und tue so, als wollte ich den Bastard an der Klosterpforte bei den Franziskanern aussetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>besorgt:<\/em><br>Und wenn sie grade nicht weint? K\u00f6nnte sie nicht Opa rufen? Bring es ihr rasch bei!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>lacht:<\/em><br>Oh, du Nichtvater! Ein Kind von sechs Monden spricht doch noch kein Wort! Sie wird bestimmt nicht weinen. Sie liebt es, von mir herumgetragen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>klagend:<\/em><br>Wie also soll ich dann zu meinem Enkelweinen kommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ich werde sie zwicken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Untersteh dich, meine Antonia zu zwicken! Zeige mir, wie sehr.<br><em>Er h\u00e4lt ihr eine Wange hin.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>zwickt ihn:<\/em><br>So.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>fast schon gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig:<\/em><br>Gut, das erlaube ich. Aber erst zwicken, wenn das Angelus-L\u00e4uten vor\u00fcber ist, weil sonst das Weinen im Gel\u00e4ute untergehen k\u00f6nnte. Und f\u00fchre eine Lampe mit dir, die ihr Gesicht bescheint!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ich merke, dass die s\u00fc\u00dfe Tonina einen Strategen zum Gro\u00dfvater hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Bis eben hatte ich nur noch eine Zukunft&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>besorgt, sucht auf dem Boden herum:<\/em><br>Sage nicht: den Tod.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Was suchst du schon wieder?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Immer wieder die Waffe. Dein Leben&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>lacht sehr beruhigend:<\/em><br>Sei unbesorgt: ein Gro\u00dfvater st\u00fcrzt sich nicht ins Schwert&#8230; Ich habe ja jetzt eine neue Zukunft: das allerliebste Weinen meiner s\u00fc\u00dfesten Enkeltochter Antonia.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Ich werde ihr alle deine S\u00fcnden erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Wann? Wenn sie schon alles versteht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>:<br>Nein, morgen, &#8211; da versteht sie noch kein Wort.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Dann wird sie mir alles vergeben. Genau wie du &#8211; mein Gottesbote&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>st\u00fcrmt rein, Leinwand in H\u00e4nden und ENZIOS goldene Fessel:<\/em><br>Wo ist der Wachhabende?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>st\u00fcrmt nach, den Nachttopf in H\u00e4nden:<\/em><br>Wieso bin ich frei?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>ist sehr aufgeregt und durcheinander:<\/em><br>Weil Eure Unschuld erwiesen ist. Messere Arsinelli ist der Verschw\u00f6rer! Ihm geb\u00fchrt das Nachtgeschirr auf den Kopf! Servinella, wo ist er?<br><em>Er r\u00fcttelt sie r\u00fcde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong>, <em>m\u00fcrrisch, sich rausredend:<\/em><br>Wo soll er denn sein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schl\u00e4gt die Fenster ein:<\/em><br>Messere di Ebubo, h\u00e4ngt wieder Leinwand vor die Fenster! Den Blick auf die Piazza zuschlie\u00dfen!<br><em>Er schmei\u00dft wahllos m\u00f6glichst Luxuri\u00f6ses aus dem Fenster:<\/em><br>Und alles raus! Das Ende des Harems!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>schmei\u00dft den Topf raus:<\/em><br>\u00c4h\u00e4!<br><em>Dann flickt er Leinwand \u00fcber die Fenster.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Nein, helft mir zuerst, den K\u00f6nig zu fesseln.&nbsp;<br><em>Er schlie\u00dft die Kammert\u00fcr auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der L\u00e4rm hat&nbsp; <\/em><strong>LUCIA<\/strong> <em>und <\/em><strong>ENZIO<\/strong> <em>aufgeschreckt und sich schnell anziehen lassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>barsch:<\/em><br>Eure Arme, Gefangener!<br><em>Er und <\/em>ALBINGO <em>fesseln den kaum sich wehrenden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Nein, haltet ein!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>bei der \u201eArbeit\u201c:<\/em><br>Hochw\u00fcrdiger Vater, es wird Euch freuen zu h\u00f6ren, dass es nie wieder einer Frau erlaubt sein wird, den gefangenen K\u00f6nig zu besuchen. Nach neunzehn Jahren haben wir es endlich mit Brief und Siegel vom hohen consiglio.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong>, <em>mit gr\u00e4sslicher Ironie und auch einer Spur sadistischer Genugtuung:<\/em><br>Gelobt sei Jesus Christus&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALLE ANDEREN<\/strong>:<br>In Ewigkeit, Amen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>hat genug Fassung, etwas Wunderbares zu tun:<\/em><br>Vorsichtig, ehrw\u00fcrdiger Vater: \u00fcber diesen Balken sind viele gestolpert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>LUCIA<\/strong> <em>\u00fcbersteigt mit Anmut den Balken:<\/em><br>Ich danke dir f\u00fcr deine Aufmerksamkeit, mein lieber Sohn. Der Friede des Herrn sie mit dir&#8230;<br><em>Sie geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>w\u00fctet weiter:<\/em><br>Alle Kissen raus, Messere di Ebubo! Eins gen\u00fcgt! Das ist das Ende des Harems!<br><em>Er wirft <\/em>ALBINGO <em>Kissen zu, der sie aus dem Fenster wirft..<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>nimmt die Laute:<\/em><br>Raus aus dem Fenster!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>leidet sehr:<\/em><br>Nicht meine Laute!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>, <em>b\u00f6se logisch<\/em>:<br>Wie will denn der gefesselte K\u00f6nig noch T\u00f6ne zupfen?&nbsp;<br><em>Er wirft sie<\/em> ALBINGO <em>zu, der sie aus dem Fenster wirft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>(M\u00fc\u00dfig zu sagen, dass auf dem Pflaster der Piazza alles mit h\u00e4sslichem Gescheppere ankommt!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>findet den Dolch, zieht albernerweise sein Schwert:<\/em><br>Hier! Der Gefangene war bewaffnet! Dieser Stahl galt meinem Herzen! Wo ist Messere Arsinelli?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>:<br>Lassen wir ihm den Tisch?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE<\/strong>:<br>Servinella, raus! Allen Frauenspersonen ist das Gef\u00e4ngnis verboten!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>:<br>Sie kann nicht mehr gehen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong>, <em>b\u00f6se albern:<\/em><br>So werfen wir sie auch raus, \u00e4h\u00e4!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Nein, wir m\u00fcssen sie peinlichst verh\u00f6ren. Sie wei\u00df, wo der Arsinelli steckt.&nbsp; Aber sp\u00e4ter. Ich muss noch einmal ins consiglio.<br><em>Er haut das Fenster so zu, dass die Leinwand festklemmt, mit dem Schwertknauf schl\u00e4gt er die Fenstergriffe ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>will dem wehren:<\/em><br>Aber ich muss sie doch sehen!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>beachtet ihn gar nicht:<\/em><br>Messere di Ebubo, Ihr bleibt als Wachhabender und wartet weitere Weisung ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ALBINGO<\/strong> <em>geht raus:<\/em><br>Warte weitere Weisung ab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE:<\/strong><br>Der Gefangene in die Kammer!<br><em>Er zieht <\/em><strong><em>ENZIO<\/em><\/strong><em>, der sehns\u00fcchtig am Fenster steht, wie Weiland Lambertino an der Kette in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>kann sich, gefesselt, nicht wehren, st\u00fcrzt \u00fcber den Balken<\/em><br>Au!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>bugsiert ihn brutal in die Kammer.<\/em><br><em>Das Angelus-L\u00e4uten setzt ein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>erstarrt eine Sekunde<\/em>:<br>Das Angelus-&#8230;<br><em>Er dr\u00fcckt mit gro\u00dfer Kraft die T\u00fcr im letzten Moment noch einmal auf, stellt einen Fu\u00df dazwischen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>st\u00f6\u00dft ihn zur\u00fcck und tritt ihm heftig gegen das Schienbein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>st\u00fcrzt aufschreiend r\u00fccklings in die Kammer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>MICHELE <\/strong><em>schlie\u00dft die Kammert\u00fcr ab, geht raus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schlie\u00df- und Riegelger\u00e4usche.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>tritt gegen die T\u00fcr, h\u00e4mmert dagegen:<\/em><br>Lasst mich raus!&#8230; Das Weinen meiner Antonia Bentivoglio&#8230; Wachhabender!<br><em>Er sinkt an der T\u00fcr zusammen:<\/em><br>Ich will doch nur meine Enkeltochter weinen h\u00f6ren!&#8230; Tonina, winzige Jungfrau&#8230; Servinella!, ich will dich kaiserIich lohnen, verkupple mich mit dem Enkelkind! Ein letzter Gang, ich flehe dich an! Hole den Wachhabenden!&#8230;<br><em>Er ist ein H\u00e4ufchen Elend, legt das Ohr an die T\u00fcr<\/em><br>In diese Finsternis dringt kein Enkelweinen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVINELLA<\/strong> <em>schiebt mit \u00fcberraschender Kraft den Tisch zur\u00fcck, er kann auch umst\u00fcrzen, richtet sich auf, rutscht das Geb\u00e4nde zurecht, leise:&nbsp;<\/em><br>War sch\u00f6n die Zeit mit dir, Kaiser&#8230;<br><em>Sie schleppt sich tiefgebeugt, gekr\u00fcmmt, eigentlich gehunf\u00e4hig, zur Kammert\u00fcr, in die sie den Schl\u00fcssel steckt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>horcht gespannt auf:<\/em><br>Ebubo? Pietro? Servinella?..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> <em>schlie\u00dft mit einiger M\u00fche auf:<\/em><br>Ja, ich, Majest\u00e4tchen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>schl\u00e4gt die T\u00fcr so ungest\u00fcm auf, dass er<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>SERVlNELLA<\/strong> t\u00f6dlich <em>trifft<\/em>. <em>Sie sackt mit einem Schmerzenslaut zusammen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>merkt es nicht, st\u00fcrmt zum Fenster, das er vergeblich zu \u00f6ffnen versucht<\/em>:<br>Der Himmel segne dich, Servinella, &#8211; aber ein wenig schneller h\u00e4ttest du sein k\u00f6nnen. Hat sie etwa schon geweint?<br><em>Er lauscht in die Totenstille.<\/em><br>Ob sie schon geweint hat? Servinella, \u00fcbe dein Mundwerk!&nbsp;<br><em>Er stutzt:<\/em><br>Servinella?..<br><em>Er geht zu ihr, pr\u00fcft die Augenlieder, tonlos:<\/em><br>Tot.<br><em>Rekonstruierend bewegt er die T\u00fcr ein wenig, schaut seine H\u00e4nde an:<\/em><br>Dass bleibt meine Profession&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kom\u00f6die endet mit dem Sch\u00f6nsten und anr\u00fchrendsten Babyweinen und- greinen, das je \u00fcber die Piazza Nettuno in Bologna getragen wurde: dieser Weltuntergang, diese Verz\u00f6gerungen, die Pausen, das Wiederaufflackern, das Verebben &#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>st\u00fcrzt zum Fenster und versinkt nach kurzer vergeblicher Bem\u00fchung, es doch noch zu schaffen, im Lauschen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Weinen droht zu verebben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, <em>leise, dringlich, in einen Dialog mit der Enkelin tretend:<\/em><br>Weiter!&#8230; Noch nicht aufh\u00f6ren \u2013 geliebte Tonina!&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Nachweinen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong>, ganz <em>versunken:<\/em><br>Nochmal. . .<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein letztes Glucksen: &#8211; Weinensende.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ENZIO<\/strong> <em>lacht so z\u00e4rtlich, schluchzt wohl auch \u2013 und lacht&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es dauert eine Weile, bis das Licht langsam verlischt und der Vorhang f\u00e4llt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Ende<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=3930\">Kom\u00f6dien von Peter Podehl<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** K\u00f6nig gefangen Kom\u00f6die von Peter Podehl\u00a9 *** Dritter Akt *** DRITTER AKT Ein Novembernachmittag 1268. Neunzehn Jahre sind vergangen. Der Schepper-Vorhang ist unten. Der Saal ist sehr viel wohnlicher geworden, ja, partienweise wirkt er geradezu verwohnt. Viel Zeug liegt und steht unordentlich herum: Weinkannen, benutztes Geschirr (aber es gibt noch keine Gabeln), eine Schale [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4045,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3970","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3970"}],"version-history":[{"count":64,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4107,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3970\/revisions\/4107"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4045"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}