{"id":444,"date":"2022-11-27T06:40:07","date_gmt":"2022-11-27T06:40:07","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=444"},"modified":"2025-06-16T14:33:52","modified_gmt":"2025-06-16T14:33:52","slug":"moglichkeiten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=444","title":{"rendered":"M\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Peter Podehl erkl\u00e4rt:<\/h3>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">M\u00f6glichkeiten<\/h1>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Ein St\u00fcck Theater<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p>Der Versuch, die Zukunft in ihren M\u00f6glichkeiten zu schildern, bedeutet, dass es von der Gestaltungskraft der Menschen abh\u00e4ngt, wie sie aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt der W\u00fcrfelbechermann, der diese Perspektiven durcheinanderwirbelt, ein Feind des Publikums, der es immer wieder aus seiner Tr\u00e4gheit rei\u00dft, zum Mitdenken veranlasst, Illusionen zerst\u00f6rt, &#8211; etwa eine sch\u00f6ne Liebesszene abrupt abbricht -, ein wenig Mephisto, allerdings will er auch durchaus das Gute. Das Publikum muss ihn sympathisch-unbehabglich empfinden. Vertreter des Autors, frech, listig, b\u00f6se, lebendig bis akrobatisch. In keiner Weise lieber Gott (wie in &#8220;Kleine Stadt&#8221;)*, sondern ein menschlicher Zauberer. Spielt auch mit Jahreszahlen; kann alles sagen, vom Kalauer bis zur Philosophie. Zu \u00fcberlegen, ob er am Schluss eine Freundin bekommt&nbsp; und durch sie klein wird; eine Freundin auch des Publikums, die ihm die Sch\u00e4rfe nimmt; eventuell eine Mitwirkende, die er von Anfang an liebt, die sich weigert, was ihn b\u00f6se macht. Schluss: Eine den Spuk vergessen machende Liebesszene, auch der W\u00fcrfelbechermann liebt!<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00fcck l\u00e4uft nicht ab, es wirbelt mit allen B\u00fchneneffekten (dekorativ, beleuchtungsm\u00e4\u00dfig, akustisch), eventuell ohne Pause, nat\u00fcrlich im Auf und Ab mit Ruhen und Steigerungen, eine &#8220;M\u00f6glichkeit&#8221; nach der anderen wird geschildert, lang, kurz, hintereinander mal die gleiche Situation positiv und negativ, dann eine andere Situation positiv und negativ nicht hintereinander. Alles durch den W\u00fcrfelbechermann durcheinandergewirbelt, der die F\u00e4den in der Hand h\u00e4lt, fragt, zur Diskussion stellt, erkl\u00e4rt, zuweilen korrigiert. Ruhig bis ins Kabarettistische, mit den ber\u00fchmten Ohrfeigen. So weit gehen, dass sogar einmal zwei Welten miteinander zu sprechen versuchen, sich aber nur sehr schwer zu verst\u00e4ndigen verm\u00f6gen. Nicht immer Gegeneinanderstellen. Mal n\u00e4here mal fernere Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den einzelnen Perspektiven darauf achten, dass sie nicht von M\u00e4tzchen leben, sondern menschlich bleiben. Also: Wenig Anspielung auf die Vergangenheit (Gegenwart, Hitler, 1947 etc.), keine technischen Utopien, immer vorstellbar, realisierbar bleiben, keine Dominik-Effekte und Spannungen (Roboter, Atome). Davon wissen wir nichts, aber die menschliche Entwicklung ist vorstellbar. So, wie in &#8220;Kommen und Gehen&#8221; nie abstrahiert wurde, sondern immer Erlebbares geschildert wurde. Die Zukunft als Erlebnis, nicht als Ereignis. Realistische Zukunft in beiden Perspektiven.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die negative Zukunft immerw\u00e4hrender Krieg, Qualen, manchmal laut, meistens grau und abgestumpft. Angst, Angst, Angst, keine Spur von Heldentum. Einsamkeit, keine soziale Gemeinschaft. Ruinenhafter Lebensstandard, Namen wie Haus I, II, III. Rebellionen vermeiden, grauenhafte M\u00fcdigkeit. &#8220;Regens doch nicht so auf!&#8221; sagt man einem Verzweifelnden. Gewaltanwendung und -anbetung; grauenhaft phantasie- und humorlos, nerv\u00f6s, hungrig, jedoch immer Menschen, wenn auch (in B\u00fcrokratie, Staat, Zwang langsam) absterbende. Wie ein Wasserhahn, der das Leben langsam zudreht. Abtr\u00f6pfeln. Keine Liebe. Gestorbener Gott. Diese Zukunft kann manchmal sehr nah genommen werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Positive Zukunft: Wenn die Liebenden siegen! Nicht geistige Glasperlenspielwelt, sondern humorvolle, lebendige, kr\u00e4ftige Welt voll Liebe, Glaube, Zupacken. Phantasie ist etwas Reales, man gibt den Kindern sch\u00f6ne Namen. Die M\u00f6glichkeit des Krieges nicht wegleugnen, nur geringmachen. Alle soziale, kulturelle, politische Reform nur auf Grund der Liebe, haupts\u00e4chlich der erotischen Hierarchie der Liebenden. Weisheit, Aufbau, Arbeit, alles aus Liebe. Die Frau in der Politik nicht dem Mann nacheifernde Intellektbestie, sondern &#8211; Frau, als Einbeziehung von politischen M\u00f6glichkeiten, die bisher noch nicht da waren: &#8220;Die Liebe ist die Mutter aller Dinge.&#8221; Keineswegs fehlerlose Menschen, sondern gewaltlose, willige, bekennende. Die M\u00f6glichkeit des Noch-Nicht-Dagewesenen. Unz\u00e4hlige Elefanten unserer Zeit sind M\u00fccken geworden. In dem Sprichwort liegt etwas unorganisches. Hier ist alles gewachsen, man meidet Vergleiche und Sprichworte. Alles Wort und alle Tat ist neu und urspr\u00fcnglich. Nie vergeistigen, nie spinnen, immer lebendig-menschlich bleiben. Ohne Skepsis, immer begeisterungsf\u00e4hig. Keine Spur von bitters\u00fc\u00dfer Resignation, wenn auch menschliche Regungen, wie Trauer und Verzweiflung vorhanden bleiben m\u00fcssen. Keine M\u00fcdigkeit, Schlafen &#8211; Wachen.&nbsp; &nbsp; Fernere Zukunft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fchnenbildner m\u00fcssen ebenso zaubern, wie der W\u00fcrfelbechermann. Ich halte ein gro\u00dfes, etwas schr\u00e4ges Podest f\u00fcr vorteilhaft, das der Spieler jeweils besteigt, rechts helle Ecke hinten, links graue schwarze, unorganische. Durch Stufen, M\u00f6bel, B\u00f6gen, Vorh\u00e4nge (hinter denen umgebaut werden kann) Versatzst\u00fccke usw. die Spielm\u00f6glichkeiten schaffen, die St\u00fcck, Regisseur und Darsteller brauchen.<em> Pars pro toto<\/em>, nie abstrakt (wie Seiter in &#8220;Kleine Stadt&#8221;*), Illusionstheater mit Wenden von W\u00e4nden, durchaus \u00fcberschaubare Zauberei (Prismen des Goldoni-Theaters). Im negativen Teil alles aufeinander (Wohnk\u00fcche), im positiven Kultur. Der Versuch, das B\u00fchnenbild, dem St\u00fcck und der Auff\u00fchrung organisch und unentbehrlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage der Darsteller bis dato (7.4.48) ungekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unerl\u00e4sslich bleibt, dass es sich um durchgehende, abh\u00e4ngige Handlungen handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 P.P.<\/p>\n\n\n\n<p>So schrieb er 1948, so etwa in der gleichen Zeit begann mein winzig kleines Leben. Auch in seinem Bewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Fertig war das St\u00fcck 1951. Auf einem besonderen Blatt widmet Peter es auch diesmal Charlotte. Sie war in Stuttgart gewesen und hatte dort (zum letzten Mal in ihrem Leben) Theater gespielt. Zu ihrer R\u00fcckkehr schenkte er ihr das fertige St\u00fcck.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erwin Hahs kritisiert in einem Brief aus eben dieser Zeit, in der er sich an den Entwurf der B\u00fchnenbilder macht, dass der Schluss nach den vorangegangen heftigen Szenen nicht stark genug, nachhaltig genug &#8211; w\u00fcrde man heute sagen &#8211; sei. Und ich denke, er hat recht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass Peter diesen Schluss, mit dem rettenden Satz, den er Charlotte in den Mund legt, sich eben nur von Charlotte gesprochen vorstellen konnte, die es so h\u00e4tte r\u00fcberbringen k\u00f6nnen, dass danach dann eine ganz gro\u00dfe Stille, ein Nachdenken, im Publikum h\u00e4tte folgen m\u00fcssen. Charlotte konnte das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 C.P.<\/p>\n\n\n\n<p>*Kleine Stadt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Spielleiter<\/strong> ist die \u00fcbergeordnete Instanz des St\u00fcckes. Er steht au\u00dferhalb der Handlung, kennt Ablauf und Ausgang und wendet sich oftmals direkt an das Publikum. Er f\u00fchrt durch den wegen der zahlreichen R\u00fcckblenden und Verfremdungseffekte teilweise verwirrenden Ablauf, f\u00fchrt Charaktere ein, kommentiert Szenen und schl\u00fcpft manchmal auch in einzelne (Neben-)Rollen, so im zweiten Akt die des Drugstore-Verk\u00e4ufers Mr. Morgan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">****<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=452\">&#8220;M\u00f6glichkeiten&#8221; &#8211; Das St\u00fcck &#8211; Teil 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1273\">&#8220;M\u00f6glichkeiten&#8221; &#8211; Das St\u00fcck &#8211; Teil 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1201\">Zitate aus &#8220;M\u00f6glichkeiten<\/a>&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>*** Peter Podehl erkl\u00e4rt: M\u00f6glichkeiten Ein St\u00fcck Theater *** Der Versuch, die Zukunft in ihren M\u00f6glichkeiten zu schildern, bedeutet, dass es von der Gestaltungskraft der Menschen abh\u00e4ngt, wie sie aussieht. Im Mittelpunkt der W\u00fcrfelbechermann, der diese Perspektiven durcheinanderwirbelt, ein Feind des Publikums, der es immer wieder aus seiner Tr\u00e4gheit rei\u00dft, zum Mitdenken veranlasst, Illusionen zerst\u00f6rt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":175,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-444","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=444"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3768,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/444\/revisions\/3768"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/175"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}