{"id":452,"date":"2022-11-28T15:58:53","date_gmt":"2022-11-28T15:58:53","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=452"},"modified":"2023-04-05T15:45:00","modified_gmt":"2023-04-05T15:45:00","slug":"moglichkeiten-das-stuck-teil-1","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=452","title":{"rendered":"M\u00f6glichkeiten &#8211; Das St\u00fcck  &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*******<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">M \u00d6 G L I C H K E I T E N<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Ein St\u00fcck Theater<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-text-align-center\">von&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Peter &nbsp; Podehl<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Alle Rechte beim Verfasser<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">ES KOMMEN VOR<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrfelbechermann<br>Ein ziemlich seri\u00f6ser Herr<br>Ein energischer Mann<br>Eine Frau<br>Ein anderer Herr<br>Eine Betriebsnudel<br>Eine andere Frau<br>Empore<br>Hellsinn<br>Frau Hellsinn<br>Ein Bauer<br>Ein Redner<br>Ein Dirigent<br>Ein F\u00fchrer<br>Ein Minister<br>Eine Ministergattin<br>AT 621 weiblich<br>Die Mutter<br>GN 4 m\u00e4nnlich<br>Ein Polizist<br>Ein Verk\u00e4ufer<br>Erste Stimme<br>Zweite Stimme<br>Dritte Stimme<br>Stimme von oben<br>Charlotte<br>Ich<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I &nbsp;Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Wir m\u00fcssen eine Gemeinschaft von mindestens sieben Menschen werden, um dieses St\u00fcck auff\u00fchren zu k\u00f6nnen. Die Rollen w\u00fcrden dann folgenderma\u00dfen verteilt:<\/p>\n\n\n\n<p>1 Ein W\u00fcrfelbechermann<\/p>\n\n\n\n<p>2 Ein ziemlich seri\u00f6ser Herr<\/p>\n\n\n\n<p>3 Ein energischer Mann<br>   Dritte Stimme<br>&nbsp; &nbsp;Ein F\u00fchrer<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Polizist<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Dirigent<\/p>\n\n\n\n<p>4 Eine Frau&nbsp;&nbsp; <br>   Die Mutter<br>&nbsp;&nbsp; Eine Ministergattin<br>&nbsp; &nbsp;Frau Hellsinn<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine Stimme von oben<\/p>\n\n\n\n<p>5 Eine Betriebsnudel<br>   GN 4 m\u00e4nnlich<br>&nbsp;&nbsp; Zweite Stimme<br>&nbsp; &nbsp;Ein Bauer<br>&nbsp;&nbsp; Ein Redner<br>&nbsp; &nbsp;Ein Verk\u00e4ufer<\/p>\n\n\n\n<p>6 Eine andere Frau<br>&nbsp; &nbsp;Empore<br>&nbsp; &nbsp;AT 621 weiblich<\/p>\n\n\n\n<p>7 Ein anderer Herr<br>   Hellsinn<br>   Ein Minister<br>   Erste Stimme<\/p>\n\n\n\n<p>Es kann auch ein gr\u00f6\u00dferes Ensemble ans Werk gehen, was insbesondere f\u00fcr die Gestaltung der unter 5 aufgef\u00fchrten Rollen erleichternd w\u00e4re. Die Rollenpaare Empore &#8211; AT621 weiblich; Eine Ministergattin &#8211; Frau Hellsinn; Hellsinn &#8211; Ein Minister; m \u00fc s s e n&nbsp; von &nbsp;e i n e m &nbsp; Menschen dargestellt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also offensichtlich, dass wir auf Kost\u00fcm und Maske besonderen Wert legen m\u00fcssen. Sie m\u00fcssen schnell und deutlich charakterisieren und leicht wechselbar sein. Obwohl das St\u00fcck in der Zukunft spielt, sollten wir Kost\u00fcme von heute tragen, in entsprechender Pointierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir spielen auf einem viereckigen Podest, das eventuell nach vorne etwas geneigt ist. Der Raum davor bleibt&nbsp;haupts\u00e4chlich dem W\u00fcrfelbechermann und dem ziemlich seri\u00f6sen Herrn vorbehalten. Nicht viel mehr als das Podest h\u00e4tte ein leichter Vorhang w\u00e4hrend der Umbauten zu verdecken. Was wir an Dekorationsst\u00fccken und M\u00f6beln brauchen &#8211; es soll m\u00f6glichst wenig sein &#8211; steht auf dem Podest oder lehnt daran.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<br>*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>II &#8211; Einleitender Anfang<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/ Der allgemeine gro\u00dfe Vorhang \u00f6ffnet sich. Unser leichter Vorhang ist offen. Im erl\u00f6schenden Licht des Zuschauerraums erkennt man nur ein unordentliches Durcheinander von Dekorationsteilen, M\u00f6beln und Requisiten auf dem Podest. \/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>II, 1&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(<em>Tr\u00e4gt Hose und Pullover und hat einen W\u00fcrfelbecher umh\u00e4ngen, kommt nach einer kurzen Spanne v\u00f6lliger Dunkelheit mit einer Kerze in der Hand \u00fcber das Podest, sp\u00e4henden Gesichtes, wie es Kerzentr\u00e4gern eigent\u00fcmlich ist, stolpert \u00fcber eine Latte und rei\u00dft mit ziemlichem Get\u00f6se etwas um.<\/em>) Au! (<em>Kommt vorsichtig vor und springt von dem Podest.<\/em>) Entschuldigen Sie, ich konnte den Schalter nicht finden. Ich kann kaum etwas erkennen. Hoffentlich sehen Sie ein bisschen was von mir. (<em>Verlegen:<\/em>) Das mit dem Licht ist blo\u00df, weil &#8230; Das ist n\u00e4mlich alles&#8230; Es ist jedenfalls sehr problematisch. Ich habe Ihnen n\u00e4mlich was mitzuteilen. Ja, wenn es etwas angenehmes w\u00e4re, dann k\u00f6nnte ich&#8217;s ja rundweg heraussagen&#8230; Aber so &#8211; m\u00f6chte ich es doch ein wenig schmackhaft verzieren und &#8211; da gibt es so viele M\u00f6glichkeiten. So. Na, wenigstens wissen Sie jetzt schon, dass es sich um etwas Unangenehmes handelt. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind und &#8230; Leider kann ich das Gleiche von uns nicht &nbsp;-\u00e4h&#8230; Nun merken Sie vielleicht schon, dass hier etwas nicht stimmt. Was ich Ihnen hier sage, das steht n\u00e4mlich alles nicht in meiner Rolle. Meine Rolle in diesem St\u00fcck Theater, das ich &#8211; wir hier spielen wollen &#8211; wollten, ist der W\u00fcrfelbechermann. Hier ist der W\u00fcrfelbecher. Ich bin der Mann. Und ich w\u00fcrfle, drehe um und heraus f\u00e4llt nichts. So ungef\u00e4hr ist meine Lage. Wie ein Engel ohne Fl\u00fcgel stehe ich da. Im Ernstfall w\u00e4ren nat\u00fcrlich W\u00fcrfel drin im Becher&#8230;. also, die Sache ist die: &#8230; Aber daran liegt es im Grunde nicht. Es liegt im Grunde&#8230; Es ist eigentlich sehr traurig und besch\u00e4mend. Dabei ist es menschlich durchaus zu verstehen. Wenn auch&#8230; \u00c4h &#8211; Sie denken jetzt sicher, ich sei ein bisschen &#8230; Na, es ist aber auch, wissen Sie&#8230; (<em>Rafft sich schlie\u00dflich zusammen:<\/em>) Ja also, wir haben einen sch\u00f6nen, handfesten, gro\u00dfen Krach gehabt. Wir haben uns &nbsp;(<em>Schaut in den W\u00fcrfelbecher:<\/em>) zerw\u00fcrfelt &#8211; \u00e4h: zerworfen. Das Unternehmen ist geplatzt und auseinander gelaufen. Ich bin \u00fcbrig geblieben, mit dem Gep\u00e4ck und den Sorgen. Sogar Lieschen, meine Freundin ist&#8230;, Na, lassen wir das. Ich m\u00f6chte nun folgendes vorschlagen: Ich erz\u00e4hle Ihnen jetzt das Ganze. Meinen eigenen Text, den kann ich ja dann richtig spielen. D.h., nat\u00fcrlich auch nur, wenn es sich um Monologe handelt und &#8230; Naja, das Ganze wird nat\u00fcrlich etwas fragmentarisch und ramponiert abrollen. Ich wei\u00df selber noch nicht genau, wie&#8230; Ja, also das ist mein Vorschlag. Ich m\u00f6chte das nun nicht diktatorisch&nbsp;durchf\u00fchren, sondern mehr &#8230; demokratisch. Vielleicht haben Sie etwas dazu zusagen, meine Damen und Herren?!<\/p>\n\n\n\n<p>ENERGISCHER MANN&nbsp;<br>(<em>Im Publikum:<\/em>) Ja, mir gef\u00e4llt das Ganze nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN&nbsp;<br>Da wir &#8211; also vielmehr: ich &#8211; erst am Anfang stehen &#8211; stehe, k\u00f6nnen Sie noch gar nicht wissen, ob Ihnen das &nbsp;G a n z e &nbsp;gef\u00e4llt oder nicht. Ich fragte auch nur, ob Sie Vorschl\u00e4ge haben, was nun werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>ENERGISCHER MANN&nbsp;<br>Nein, das nicht. Aber es gef\u00e4llt mir nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Hm. Andere Vorschl\u00e4ge, Wortmeldungen&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p>EIN ZIEMLICH SERI\u00d6SER HERR (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Ja, vielleicht darf ich vorschlagen, dass Sie endlich Licht machen und uns gehen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>EINIGE (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Jawohl. &#8211; Skandal. &#8211; Sehr richtig.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Licht geht an auf der B\u00fchne.\/<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Bitte. Man hat inzwischen den Schalter gefunden. Das von Ihnen geforderte Licht ist angegangen. Ich kann das meine ausblasen. (<em>Tut es.<\/em>) Tja, und damit k\u00f6nnten wir eigentlich die Veranstaltung beenden. M\u00f6chte vielleicht noch Jemand etwas sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>EINE FRAU (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Ja, ich stimme mit meinem Vorredner insofern \u00fcberein, als er mit vollem Recht elektrisches Licht verlangte. Ich unterst\u00fctze jedoch nicht seinen Vorschlag, dass wir alle gehen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>EINIGE (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Finde ich auch. &#8211; Sehr richtig. &#8211; Bravo!<\/p>\n\n\n\n<p>EINE BETRIEBSNUDEL (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Wenn Sie wenigstens ein Lied singen oder Mundharmonika spielen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>EINE ANDERE FRAU (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Ja, das w\u00e4re fein.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE BETRIEBSNUDEL<br>Was sagen die anderen verehrten Anwesenden zu einem bunten Programm?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Moment mal! Ich allein &#8211; das wird kein buntes, das wird ein ziemlich einfarbiges Programm!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ENERGISCHE MANN<br>Ich schlage vor, wir schreiten zur Selbsthilfe. Ich singe Bass! (<em>Geht zur B\u00fchne.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DIE FRAU<br>Und ich tanze besonders gut Tango. (<em>Geht auch zur B\u00fchne, zieht Hut und Mantel aus und gibt sie dem W\u00fcrfelbechermann.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Gro\u00dfartig! Und ich kann Goethe rezitieren. (<em>Geht auch zur B\u00fchne.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DER ENERGISCHE MANN<br>Na also. Kann vielleicht jemand schublattlern? (<em>Gibt Hut und Mantel dem W\u00fcrfelbechermann.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EIN ANDERER HERR (<em>Im Publikum<\/em>)<br>Nein, aber Klavierspielen, falls ein Instrument da ist. (<em>Geht auch zur B\u00fchne und gibt Hut und Mantel der W\u00fcrfelbechermann.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DIE ANDERE FRAU<br>(<em>Tut, was nun offenbar schon als obligatorisch gilt und&#8230;<\/em>) Das wird richtig gem\u00fctlich!<\/p>\n\n\n\n<p>DIE BETRIEBSNUDEL<br>(<em>Fehlt nat\u00fcrlich nicht beim Sturm auf die B\u00fchne.<\/em>) Ich erz\u00e4hle Witze und k\u00f6nnte vielleicht mit der Dame Tango tanzen, obgleich Walzer eher mein Fach ist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Und ich?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ENERGISCHE MANN<br>Sie k\u00f6nnten froh sein, dass die Sache so gut abl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Hat auch Hut und Mantel dem W\u00fcrfelbechermann \u00fcbergeben.<\/em>) Sie schreiben genau auf: Name, eventuell K\u00fcnstlername und was Jeder kann.<\/p>\n\n\n\n<p>DIE BETRIEBSNUDEL<br>Und dann machen wir ein feines buntes Programm!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Laut:<\/em>) Halt!<\/p>\n\n\n\n<p>DIE ANDEREN&nbsp;<br>(<em>Erstarren in atemloser Spannung.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Zum Publikum, in grotesker Kost\u00fcmierung, mit den Kleidungsst\u00fccken:<\/em>)<br>Wie stehe ich da? Nicht in Hut und Mantel, sondern in H\u00fcten und M\u00e4nteln, wie ein Kleiderst\u00e4nder.<br>(<em>Dreht sich einmal um sich selbst, hat auf dem R\u00fccken ein Schild &#8220;Garderobe auf eigene Gewehr!&#8221;<\/em>) Und wie stehen die anderen da? Erstarrt, festgefahren, in tote Bewegung, wie gewollt, aber nicht gekonnt. Der Herr, der Goethe rezitieren wollte, die Tango tanzende Dame. Der Mann mit dem bunten Programm. Wenn sie lange so stehen, werden sie Kr\u00e4mpfe bekommen und Schmerzen leiden und die Angst wird sie wie steigende Wasser umgeben, in sie dringen und sie nicht mehr verlassen &#8211; wie das Blut den K\u00f6rper nicht verlassen kann ohne Wunde. (<em>Geht von einem zum anderen.<\/em>) Ist diese Geste sch\u00f6n? Ist diese Ecke wert, von Ihren Augen so angestarrt zu werden, meine Dame? Aber mein Herr, wollen Sie wirklich mit dieser Falte in die Ewigkeit eingehen? (<em>Wieder zum Publikum:<\/em>) Wonach schreit dieses Panoptikum? Nach Erl\u00f6sung, nach Bewegung, nach erl\u00f6sender Bewegung, nach bewegender Erl\u00f6sung. Und darum, meine Damen und Herren, machen wir Schluss mit dem Scherz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>DIE ANDEREN<br>(<em>Atmen h\u00f6rbar erleichtert aus, nehmen etwas verdattert die Kleidungsst\u00fccke und gehen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu.Umbau.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><strong>II, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN&nbsp;<br>(<em>Vor dem Podest.<\/em>)<br>Ja, es war ein unverbindlicher Scherz ohne ernste Folgen. Er ist vergangen, wie alles auf dem Theater vergeht. Der W\u00fcrfelbechermann liebt solche Scherze. Er freut sich besonders, Ihnen mitteilen zu k\u00f6nnen, dass wir nun ernsthaft anfangen werden. Aller Anfang ist schwer &#8211; oder leicht? Jetzt habe ich doch das Sprichwort vergessen! (<em>Denkt nach:<\/em>) Ist &#8211; &nbsp;schwer. Richtig: Aller Anfang ist schwer. Naja, auf die b\u00fcrgerlichen Sprichw\u00f6rter ist nach so vielen Kriegen sowieso kein Verlass mehr. Zum Beispiel nur als Beispiel: Aller Anfang ist schwer und das dicke Ende kommt nach. Da kann man ja gleich Selbstmord machen und sich erseufzen. Sagen wir also: Aller Anfang ist sch\u00f6n &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Kommt mit einem sch\u00f6n gebundenen Buch in der Hand.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>&#8211; wenn man nicht gest\u00f6rt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Beginnt zu rezitieren:<\/em>)<br>Edel sei der Mensch,<br>hilfreich und gut &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Moment, Moment! Was ist denn?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Ich h\u00e4tte jetzt gern rezitiert.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber das passt doch jetzt gar nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Aber ich m\u00f6chte jedenfalls keinesfalls vergessen werden. Es ist ein besonders sch\u00f6nes und zu beherzigendes Gedicht von Goethe. (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aller Anfang &#8211; wie gesagt: sch\u00f6n! Wenn dieses St\u00fcck anf\u00e4ngt, haben Sie die M\u00f6glichkeit, aufzuh\u00f6ren, Herr und Frau Sowieso zu sein. Der W\u00fcrfelbechermann (<em>Gesteigert:<\/em>) verzau- verzau- verzaubert Sie zu lauter kleinen, unsch\u00e4tzbar wertvollen Teilchen unseres hochverehrten ganzen Publikums. (<em>Verbeugt sich.<\/em>) Ich nehme alle Ihre Namen auf mich und finde, dass wir nun wirklich anfangen sollten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Schaut durch den Vorhang.<\/em>) So. Wir k\u00f6nnen anfangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ja, dann fangen wir doch an mit der Kellerwohnk\u00fcche. (<em>Hilft, den Vorhang aufzuziehen und verschwindet.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>III &#8211; Kellerwohnk\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/In ziemlich d\u00fcstere Beleuchtung erkennt man die Ecke einer Kellerwohnk\u00fcche. In der Ecke selbst ein Herd mit einem gro\u00dfen Topf, in dem die MUTTER r\u00fchrt. Weiter vorn auf eine Schemel hockt AT 621 WEIBLICH, in Schmerz gekauert.&nbsp;Sie tr\u00e4gt Trainingshosen unter einem billigen Rock, grobe Schuhe und ein reizloses Kopftuch. An den W\u00e4nden sind menschliche Figuren, grau und gespenstisch, mit Essn\u00e4pfen in der Hand.\/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>III, 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>(<em>Deutet auf die Figuren<\/em>)<br>Alle Die denken genau so. Die essen ihr bisschen und sind still. Du musst Schluss machen. Ein Mann, wie dieser GN 4, der dich in solche Unannehmlichkeiten bringt, ist nicht f\u00fcr uns. Du hei\u00dft nicht Empore, also braucht er dich auch nicht so zu nennen. Dein Vater sagte, als er umkam, dass man sich auf dieser Welt nicht aufregen soll. Das waren seine letzten Worte. Er konnte Schmerz nicht leiden, und kam mit seinem Leben zurecht. Das ist wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ja. (<em>Still:<\/em>) Was soll ich denn tun?<\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>L\u00fcgen! Du hast ihn nie geliebt. Er hat nie Empore zu dir gesagt. Sie nehmen uns sonst diesen Keller weg und bestrafen uns. Denke an diese Fl\u00fcchtlinge! Sie wissen dann nicht, wo sie essen sollen. Wenn du nicht l\u00fcgst und widerrufst, dann sto\u00dfe ich dich aus diesem Keller auf die flache Erde, und die Fl\u00fcchtlinge werden um die L\u00f6ffel Suppe voller, die du gegessen h\u00e4ttest: &#8211; nein, ich bekomme ja dann deine Marken nicht mehr&#8230; Ich koche hier und tue, was ich kann, und du machst solche Sachen. Dein Vater h\u00e4tte dich verhauen.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>Ich konnte diesen GN 4 nicht leiden. Er redete immer so verzweifelhaftes Zeug zusammen. Wo ist er \u00fcberhaupt?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ich wei\u00df nicht. Irgendwo auf der Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>III, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Steht einsam, arm gekleidet in einem Lichtkegel.<\/em>) Und die Verzweiflung h\u00f6rte nicht auf, wenn die Sonne schien und sie blieb, wenn es regnete. Und als die letzte Kleiderkarte verfiel, waren noch 287 Punkte daran. Alles verfallen. Wie machen es blo\u00df die anderen? In jedem Krieg werde ich regelm\u00e4\u00dfig magenkrank, weil ich das Fressen nicht vertrage. Ich wollte malen. Aber die H\u00e4nde hielten den Pinsel nicht. Sie waren gewehrgew\u00f6hnt. Und alles Papier war bedruckt mit Zeitungen, die Leinwand f\u00fcr Transparente verbraucht. An ein M\u00e4dchen&nbsp;bin ich eines Tages gesto\u00dfen. Sie war nahe meiner Liebe. Ich nannte sie Empore, weil ich sie dar\u00fcberstehend haben wollte. Das ist verboten. Man macht sich ja gar keine Vorstellung, wie verboten die Phantasie ist. Es h\u00f6rte einer und meldet es. Nun bin ich versto\u00dfen aus der schlechten Gemeinschaft. Es ist alles nichts mehr..(<em>Verschwindet im erl\u00f6schenden Licht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>III, 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>Wenn&#8217;s verboten ist, soll er&#8217;s lassen. Solche Aufregungen brauchen wir nicht. Soll dich lieb haben, braucht dich nicht auch noch Empore nennen. Soll dich mit deinem Namen AT 621 nehmen und gut. Was hei\u00dft Empore \u00fcberhaupt?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Etwas H\u00f6heres.<\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>Ich war so froh, dass du einen Mann hattest. Nun sowas. &#8230; Nun geh. Geh zur Polizei und widerrufe alles, was sie verlangen, l\u00fcge alles, was du kannst. Dann hast du nichts mehr mit ihm zu tun und alles ist gut.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>(<em>Steht auf und geht langsam.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>MUTTER<br>(<em>Hoffnungslos:<\/em>) Kind, denk doch an den Sommer, da wird es w\u00e4rmer sein, und im Fr\u00fchling bl\u00fcht alles wieder&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu. Umbau\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>IV<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Kommt vor das Podest.<\/em>)&nbsp;<br>Damit wollen wir es f\u00fcr den Anfang genug sein lassen. Ich habe Ihnen eine erfreuliche Mitteilung zu machen: In Zukunft ist alles m\u00f6glich. Deshalb auch spielt unser St\u00fcck in der Zukunft und hei\u00dft &#8220;M\u00f6glichkeiten&#8221;. Was Sie soeben sahen, das war also in der Zukunft. Ich wei\u00df nicht in welchem Jahr. Jedenfalls in keiner erstrebenswerten Zukunft. Aber das St\u00fcck h\u00e4tte einen anderen Titel, wenn wir nicht noch eine andere Zukunft f\u00fcr Sie parat h\u00e4tten &#8211; zur Abwechslung. Die wird jetzt da oben aufgebaut. Die Zukunft ist mithin eine Sache des Bauens. Auf einer B\u00fchne ist so ein Aufbau nat\u00fcrlich etwas leichter als im wirklichen, richtigen Leben, weil man im Theater immer genau wei\u00df, was kommt. Nun kommt: Wie Hellsinn und Empore am Wasser Fr\u00fchst\u00fcckspause machen. (<em>Will gehen.<\/em>) Zur Orientierung muss ich noch hinzuf\u00fcgen, dass es sich hier um eine echte Empore handelt. Ein M\u00e4dchen, das wirklich so hei\u00dft, nicht blo\u00df so genannt wird. Sie m\u00fcssen mir das bitte glauben, auch wenn Ihr Scharfblick erkennen sollte, dass die so Genannte und die so Getaufte von demselben Menschen dargestellt werden, &#8211; aus bestimmten Gr\u00fcnden. Also: Wie Hellsinn und die echte Empore am Wasser Fr\u00fchst\u00fcckspause machen. (<em>Geht.<\/em>)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>V &#8211;&nbsp; Am Wasser<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Ein einfacher Landungssteg ragt in den Fluss. Eine Trauerweide schaut hin\u00fcber. Auf den Planken sitzen, beinebaumelnd und vielleicht auch stullenessend HELLSINN und EMPORE.\/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V, 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Empore, wohin blinzelst du?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Weit weg ins Weltall.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>(<em>Blinzelt auch:<\/em>) Wie winzig und unwichtig ist so ein Menschenpunkt im Weltall.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Winzig und wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Man sitzt so auf einem Landungssteg wie am letzten Ende der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du bist tr\u00fcsterig und altmodisch. Bekanntlich beginnt am Ende jeder Welt eine andere.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Siehst du, so spricht meine Frau nie mit mir.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Und wie sprichst du mit ihr?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Es ist sch\u00f6n hier. Die Glockenweide &#8230; Ihre \u00c4ste h\u00e4ngen herab; sie sieht traurig aus.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du siehst traurig in sie hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Und du siehst lustig in sie hinein. Wie gut wir einander erg\u00e4nzen. (<em>Lacht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich finde das nicht komisch. Was ist denn blo\u00df los mit dir? Seit Tagen kann man nicht mehr ordentlich mit dir arbeiten. Den Bericht kannst du auch nicht so absenden.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Welchen Bericht?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Den Viertelj\u00e4hrlichen \u00fcber deine Ehe. Du hast mich darin erw\u00e4hnt. Was habe ich mit deiner Ehe zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Du spielst eine gro\u00dfe Rolle in meinem Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ach, Unsinn! Dann m\u00fcsste ich doch was davon wissen.!<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Leider wei\u00dft du eben nichts davon.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du, ich mag \u00fcber so etwas \u00fcberhaupt nicht mit dir reden. Zwischen uns ist keine Spur von solch einer Liebe. Wenn dich etwas Derartiges besch\u00e4ftigt, dann bring das mit dir selbst in Ordnung, aber sprich nicht so sentimental davon im Anblick dieser wohllebendigen Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Du bist ziemlich hart.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Mein Mitleid brauchst du nicht, weil du nicht leidest.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Und deine Liebe?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Die braucht ein anderer.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Wer?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich kenne ihn noch nicht. Mein Verst\u00e4ndnis sollst du haben. Und mit dem Verstand frage ich dich: Warum willst du die Minister mit der M\u00fccke behelligen, die du f\u00fcr mich empfindest?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Ich muss doch wahrheitsgetreu berichten, was meine Ehe irgendwie beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Aber nicht von M\u00fccken. Wenn die das nun ernst nehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Sollen sie. Sie werden trotzdem s\u00e4mtliche Augen zudr\u00fccken. Jeder andere Minister wird abgesetzt, wenn seine Ehe nicht in Ordnung ist. Ich nicht! Bei mir sagen sie, dass das Ministerium f\u00fcr Geldabschaffung in dem Moment aufgel\u00f6st wird, wo das Geld abgeschafft ist. Ich kann berichten, was ich will; und wenn es zehn Ehebr\u00fcche sind. Ich bin keinem verantwortlich und brauche keinem dankbar zu sein. Ich bin nicht gew\u00e4hlt, sondern gebeten worden. Das Volk k\u00fcmmert sich einen Dreck um mich. Und wenn ich das Geld abgeschafft habe, dann bin ich arbeitslos.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du wirst einen anderen Posten bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Oh nein! Dann werden die Herren Kollegen die Augen nicht zudr\u00fccken, sondern den Bericht genau lesen, und befinden, dass meine Ehe f\u00fcr einen staatlichen Posten nicht gut genug ist. Aber f\u00fcrs Geld abschaffen &#8211; da war ich ihnen gut genug.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Es klopft ein Specht.\/<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>(<em>Horcht gespannt und dirigiert mit kleinen Bewegungen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Was ist?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Der Specht hat aus einer Suite von Bach geklopft.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Versteht nicht:<\/em>) Was?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Die Paukenstimme. Die Triolen waren nicht ganz sauber. Ich war doch fr\u00fcher Pauker im gro\u00dfen Orchester.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Siehst du, &#8211; das wei\u00df ich nicht einmal. Und da willst du mich in deinem Ehebericht erw\u00e4hnen.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Doch! Musst mal meine Frau fragen. Das war sch\u00f6n. Besser als Geld abschaffen. Das habe ich gern gemacht. Ich stand ganz oben hinten, direkt gegen\u00fcber dem Dirigenten.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Dann kannst du doch wieder Pauker werden, wenn das Geld abgeschafft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Tja, wei\u00dft du, nach meinem letzten Konzert habe ich gebeten, die Pauken zu mir in die Wohnung zu schaffen. Dabei ist eine die Treppe herunter gefallen und v\u00f6llig zerbeult unten angekommen. Am n\u00e4chsten Tag haben die etwas d\u00fcmmlichen Hausfrauen sie als M\u00fclleimer benutzt. Das habe ich symbolisch genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich w\u00fcrde die D\u00fcmmlichkeit der Hausfrauen nicht als symbolisch nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Und die andere Pauke habe ich mir gestern seitdem zum ersten Mal wieder angesehen. Das Fell h\u00e4ngt schlaff in sie hinein. Rost hat angefangen zu fressen, und den Schl\u00fcssel haben die Kinder beim Schlittschuhlaufen verbummelt. Das ist alles.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Alles kein Grund, weshalb du nicht wieder pauken solltest. Kannst du nicht im Gesch\u00e4ft eine neue bekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Eine Blockfl\u00f6te oder eine Ziehharmonika kann ich bekommen, aber kein Gesch\u00e4ft gibt einem Hausmusiker eine Pauke. Mit Recht gibt es Pauken nur f\u00fcr Berufsmusiker.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Was machen wir denn da<br><\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Nichts. Ich glaube, ich kann sowieso nicht mehr pauken. Das Geld hat mich unmusikalisch gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Kommt mit seinem Buch und beginnt zu rezitieren:<\/em>)<br>Edel sei der Mensch,<br>Hilfreich und gut, &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>St\u00fcrzt vor:<\/em>) Mensch, nicht doch jetzt! Sp\u00e4ter!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Aber ich m\u00f6chte jedenfalls in dieser Zukunft rezitiert haben. Sie erscheint mir angenehm. (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Bleibt am Podestrand sitzen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Dein Junge hat mir neulich gesagt, du w\u00e4rst kein Vater f\u00fcr Kinder. Das ist eigentlich ziemlich schlimm, nicht? Hast du mit deiner Frau gesprochen?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSIN<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ja? Sprechen \u00e4ndert oft wenig.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Ich muss das Geld so schnell als m\u00f6glich abschaffen. An jedem Schein, an jeder M\u00fcnze klebt der Dreck von Tausend Jahren. Wechsel, Betrug, Verbrechen, schlechter Tausch, Zinsen, schwarzes Pulver, wei\u00dfes Pulver, Judaslohn, Abtreibung, Kinder im Bergwerk. Das bleibt alles an meinen Fingern haften.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Es ist gar nicht gut, dass du bei der Arbeit so viel mit mir zusammen bist.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Was tust du, wenn die Arbeit getan ist?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich werde lieben. Bis dahin habe ich meinen Mann gefunden.<br>(<em>Entdeckt den W\u00fcrfelbechermann.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Und wohin blinzelst du jetzt, Empore?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Da sitzt ein Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Wo?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Da dr\u00fcben, am anderen Ufer.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>(<em>Hat ihn auch entdeckt.<\/em>) Der sieht aber ziemlich altmodisch aus. He du! Was machst du denn da?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>F\u00fchlt sich ein wenig ertappt.<\/em>) Ich? \u00c4h&#8230; Ich schaue Ihnen zu. Es ist sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Zu Hellsinn:<\/em>) Geh, das habe ich aber gar nicht gern.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Ich auch nicht. Dann gehen wir. (<em>Steht auf und geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Folgt ihm.<\/em>) Du musst bald wieder pauken.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu. Umbau.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>VI<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Von seinem Sitz aus:<\/em>)<br>Schade, jetzt habe ich sie vertrieben. Das M\u00e4del gef\u00e4llt mir, die ist s\u00fc\u00df. Nee, das passt gar nicht auf sie. (<em>Leicht romantisch:<\/em>) Empore, M\u00e4dchen aus der Zukunft. Klingt wie&#8217;n schlechter Schlager. Bezaubernd &#8211; oder vielmehr: charmant. Oder noch besser: reizend. Nein, da stimmt alles nicht. Mir fehlen die Worte, wie sie ist. Die muss ich kennen lernen. Und wenn Lieschen schimpft. In die Zukunft muss ich reinsteigen. Die h\u00e4ssliche Zukunft, &#8211; da m\u00f6chte ich mich lieber fernhalten. Die wollen hier das Geld abschaffen&#8230;. L\u00e4cherlich! Wie wollen die denn dann bezahlen? Aber wie die so mit ihm geredet hat, und wie die so dasa\u00dfen. Eigentlich gar nicht so viel anderes, als wir hier in der Gegenwart. Blo\u00df die Trauerweide nennen sie Glockenweide, und die Minister m\u00fcssen nicht nur ihre Arbeit tun, &#8211; die m\u00fcssen auch noch eine gute Ehe f\u00fchren. Wenn&#8217;s bei denen zuhause nicht liebevoll zugeht, werden sie abgesetzt. Naja, das ist nat\u00fcrlich Zukunftsmusik. In der Zukunft ist &#8211; wie gesagt, &#8211; viel Musik m\u00f6glich. Die andere Tonart ist aufgebaut. Die W\u00fcrfel fallen. Man k\u00f6nnte einen Gong hauen. (<em>Imitiert einen Gong:<\/em>) Bong.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>VII<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Das Licht geht aus.\/<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nanu, was ist denn los?<\/p>\n\n\n\n<p>\/Das scharfe Licht eines Scheinwerfers wandert im Folgenden blendend durch den Zuschauerraum.\/<\/p>\n\n\n\n<p>ERSTE STIMME<br>Aber der Kerl muss doch irgendwo zu finden sein!<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEITE STIMME<br>Da ist er<br><\/p>\n\n\n\n<p>ERSTE STIMME<br>Wo? Welcher?<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEITE STIMME<br>Da rechts von der Dame mit der braunen Handtasche.<\/p>\n\n\n\n<p>ERSTE STIMME<br>Ach, Quatsch! Guck dir doch den Steckbrief richtig an und verd\u00e4chtige nicht harmlose Theaterbesucher!<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEITE STIMME<br>Harmlos ist keiner.<\/p>\n\n\n\n<p>DRITTE STIMME<br>Wen sucht ihr denn?<\/p>\n\n\n\n<p>ERSTE STIMME<br>Den GN 4, der seine Olle &#8220;Empore&#8221; genannt hat. Dabei war sie eine ganz gew\u00f6hnliche AT 621 WEIBLICH.<\/p>\n\n\n\n<p>ZWEITE STIMME<br>Den finden wir nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>ERSTE STIMME<br>Hier im Theater ist er jedenfalls nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Der Scheinwerfer erlischt. Vorhang auf.\/<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aus einem Automaten fallen dabei immer Goethes Verse aus seinem Mund&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII &nbsp; &#8211;  F\u00fchrerzimmer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Hochmodern, geleckt geschmackvoll, breit. Sehr un-Gem\u00fct-lich und ungef\u00fcgt (nicht ungef\u00fcgig). Die MINISTERGATTIN sitzt in einem Sessel. Sie tr\u00e4gt sich kitschig, in einer Mischung aus Eleganz und Volkstum. Der F\u00dcHRER steht mit einem Glas in der Hand da.\/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII, 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Zum abgehenden W\u00fcrfelbechermann:<\/em>) He, Sie! Kommen Sie her!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Verdattert:<\/em>) Ja, aber ich&#8230; (<em>Will gehen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Gehorsam verweigern, was? Herkommen!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Jawohl. (<em>Geht hin.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Wie sehen Sie denn aus? Uniform?!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ja, ich bin ja von fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Ach so, &#8211; Maskenfest. Recht so, tobt euch nur aus! Bald habt ihr sowieso nichts mehr zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Jawohl.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Gehen Sie ins Gef\u00e4ngnis. Wenn der GN 4 m\u00e4nnlich eingeliefert wird, &#8211; sofort zu mir melden. Na los!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Jawohl. (<em>Geht leicht verdattert.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Entschuldigen Sie, Holdeste, aber die hohe Politik verlangte mich.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Aber mein F\u00fchrer, ich w\u00e4re untr\u00f6stlich traurig, wenn Sie meinetwegen die hohe Politik vernachl\u00e4ssigen w\u00fcrden. Sie ist wichtiger als die Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Oh, nein. Sie w\u00e4ren es gewiss wert, sich in einem Rausch einmal zu vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Ich w\u00e4re ausgezeichnet vor Millionen von Frauen aus dem Volke, die sich nach deinen Armen sehnen, mein F\u00fchrer. Mein Mann ist ein Popanz.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Er versteht nichts von Politik, &#8211; wie soll er da etwas von Frauen verstehen? Erst die ideologische Synthese jeglicher Handlung der Existenz macht M\u00e4nner sowohl als auch Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Hier ist die Wahrheit ausgesprochen. Er ist ein Popanz.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Umarmt sie.<\/em>) Oh, Sie sind h\u00fcbsch gebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Unsagbares Gl\u00fcck beseligt mich, dass meine bescheidene Figur meinem Volksf\u00fchrer gef\u00e4llt. Gef\u00fchl ist wenig, Rausch ist alles&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII, 3&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Kommt mit einem Buch.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Was wollen Sie denn?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR&nbsp;<br>Goethe rezitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>\u00dcberschrift?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Das G\u00f6ttliche.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Auf jeden Fall \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Rezitiert.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Meine Dame, darf ich bitten, auch wenn die Zeit knapp ist. Goethe begleitet uns. (<em>Verschwindet mit der Ministergattin hinter einem Vorhang.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Spaltet sich: der eine Teil rezitiert, sachlich richtig, mit falschem Gef\u00fchl, der andere schaut sich etwas verst\u00e4ndnislos und fragend um.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII, 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN <br>(<em>Kommt.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Um Gottes Willen, lassen Sie mich. Hier darf ich. (<em>F\u00e4ngt noch einmal an.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Bitte, bitte. Wo ist denn -?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Deutet im Weiterrezitieren hinter den Vorhang.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Will hin.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>H\u00e4lt ihn zur\u00fcck und sch\u00fcttelt den Kopf. Wie aus einem<\/em> <em>Automaten fallen dabei immer Goethes Verse aus seinem Mund, immer routiniert richtig, wie es Unverst\u00e4ndige beklatschen w\u00fcrden.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber ich muss doch die Meldung machen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Deutet mit einer unanst\u00e4ndigen Geste an, was F\u00fchrer und Ministergattin machen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ach so!<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Erscheint wieder in einem Lichtkegel au\u00dferhalb des Zimmers.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>(<em>Kommt eilends, tr\u00e4gt sich halb elegant, etwa ohne Krawatte, mit Homburg, sieht den rezitierenden Herrn, h\u00f6rt zu.<\/em>) Ach, Goethe!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Nickt verst\u00e4ndnisvoll im Weiterrezitieren.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Kommt hinter dem Vorhang hervor.<\/em>) So. Oh, welche Versammlung. (<em>Zum Rezitierer:<\/em>) H\u00f6ren Sie zu: Die \u00dcberschrift wird ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR&nbsp;<br>(<em>Rezitiert weiter.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>H\u00f6ren Sie doch auf!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Aber ich bin noch nicht fertig!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Aber wir sind fertig. Also h\u00f6ren Sie doch auf.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Reizende Wortspiele, mein F\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Das Gedicht kann bleiben. Ist ja auch Goethe. \u00dcberschrift wird ge\u00e4ndert. Nicht &#8220;Das G\u00f6ttliche&#8221;, sondern &#8220;F\u00fchrervorbild&#8221;. So, nun k\u00f6nnen Sie gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Jawohl (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich m\u00f6chte melden, &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Moment, erst mein lieber Minister. (<em>Sch\u00fcttelt ihm die H\u00e4nde.<\/em>) Mein Lieber, habe mir soeben erlaubt, Ihre Gattin zu be &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>(<em>Entz\u00fcckt:<\/em>) Reizendes Wortspiel, mein F\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Im \u00dcbrigen habe ich \u00fcberlegt, dass der Nihilismus bis zum Endsieg erk\u00e4mpft werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Eine&nbsp;ideologische Notverst\u00e4ndlichkeit, mein F\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Der n\u00e4chste Krieg wird unvermeidlich sein. Das Fl\u00fcchtlingselend muss sofort zu einem Heldenepos umgestaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Ich werde die Dichter entsprechend instruieren lassen. Habe soeben die gro\u00dfartigen neuen Bauten gesehen: Ich m\u00f6chte sagen: Impokolossph\u00e4nomenal!<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Werden wieder abgebaut. Die Stadt ist im n\u00e4chsten Krieg nicht zu halten. Geld zum Abbau anweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER&nbsp;<br>Geld spielt keine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>So. (<em>Wendet sich zum W\u00fcrfelbechermann.<\/em>) Sie!?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Melde, dass GN 4 m\u00e4nnlich noch nicht gefasst wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Da steht er doch<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Unf\u00e4hig. Bef\u00f6rderung ausgeschlossen. Hauen Sie ab<br><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Geht, die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken, langsam zu GN 4 m\u00e4nnlich, um ihn herum und ins Zimmer zur\u00fcck.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>(<em>Ist zum Minister gekommen.<\/em>) Schnuckiputzipopanz.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Sei still, du benimmst wie &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Nur keine Moralpauke, wir haben keine Moral mehr. Nur noch Pauken.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Trotzdem brauchst du nicht &#8211; (<em>Bricht ab und grinst den auf ihn zukommenden F\u00fchrer an.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Steht breitbeinig GN 4&nbsp; m\u00e4nnlich gegen\u00fcber, jedoch eine Wand oder eine T\u00fcr zwischen sich und ihm. Laut:<\/em>) GN 4&nbsp; m\u00e4nnlich, Sie haben ein M\u00e4dchen!?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>&#8220;Jawohl&#8221; hei\u00dft das! Sie haben Sie &#8220;Empore&#8221; genannt?!<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Wissen Sie, dass das verboten ist?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>&#8220;Jawohl&#8221;, Mensch! Sie leugnen nicht einmal?!<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ich sage die Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTERGATTIN<br>Es ist nicht zu fassen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Sie werden zu einem Exempel statuiert werden. Ich lasse Sie zum Tode verurteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Verschwindet wieder im erl\u00f6schenden Licht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>VIII, 5<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>(<em>Zum Minister:<\/em>) Sie unterrichten den Gerichtshof. Muss ich da noch irgendein Gesetz erlassen, damit der Mann zum Tode verurteilt werden kann?<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Ich glaube, dass die Vorhandenen gen\u00fcgen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Sonst mache ich schnell noch eins.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Nein danke, wirklich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Mensch, ich kann ja gar kein Exempel statuieren! W\u00e4re doch Quatsch, wo jetzt Krieg kommt. Ich kann doch diesen herrlichen Infanteristen nicht vor der Zeit t\u00f6ten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Gar keine Bestrafung?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Soll um Gnade winseln, die ich gew\u00e4hren werde. Gef\u00e4ngnis, bis Kriegsausbruch.<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Er wird dem F\u00fchrer noch im Heldenhimmel treu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<\/p>\n\n\n\n<p>Und bevor die ersten Teppiche fallen, gehen wir wieder ins F\u00fchrerhauptquartier. Darf ich Ihre Frau einladen mitzukommen?<\/p>\n\n\n\n<p>MINISTER<br>Ehre, gro\u00dfe Ehre.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00dcHRER<br>Es ist sehr sch\u00f6n dort. Ich habe eine herrliche Natur entwerfen lassen: Wiesen, Wald, ein malerischer See, wirklich zauberhafte Spazierg\u00e4nge. Und jeden Tag werde ich Ihnen einen gro\u00dfen Strau\u00df roten echten Kriegsmohn schenken.<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu. Umbau.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>IX<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Kommt und sch\u00fcttelt sich.<\/em>) Ach! Wie man so reinrutschen kann. Extra habe ich noch gesagt, dass ich mit &nbsp;d e r &nbsp;Zukunft nichts zu tun haben will, &#8211; und dann befiehlt der F\u00fchrer und schon folge ich, gehorcht mein schlechteres Ich und sagt &#8220;Jawohl&#8221;. Abmurksen m\u00f6chte ich mein schlechteres Ich. Das hei\u00dft: m\u00f6chte? Muss! Ich bin n\u00e4mlich kein schlechterer Kerl, als jeder andere, der den Krieg hasst und doch stramm gestanden ist und die H\u00e4nde an die Hosennaht gelegt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Kommt.<\/em>) Sagen Sie mal &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Schnell:<\/em>) Aber nicht wieder rezitieren!<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Oh nein. Ich habe ja eben erst. Ich bin zun\u00e4chst zufrieden. Was ich wissen sollte: Wo ich rezitiert habe?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Beim F\u00fchrer.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Erschrocken:<\/em>) Pst! Ist der denn wieder da?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>In Zukunft wohl&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Ich kann die F\u00fchrer prinzipiell nicht leiden, aber dass der mich Goethe &#8211; wenn auch nicht ganz zu Ende &#8211; hat rezitieren lassen, war eigentlich kulturell ganz nett. War das denn die bessere oder die schlechtere Zukunft?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Na, was meinen Sie?<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>Hm, ja ich wei\u00df nicht&#8230; Zugunsten des F\u00fchrerprinzips &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Es war die schlechtere.<\/p>\n\n\n\n<p>DER ZIEMLICH SERI\u00d6SE HERR<br>(<em>Unbeeindruckt:<\/em>) So. Dann vergessen Sie mich also bitte nicht in der anderen. In dieser m\u00f6chte ich &#8211; wie bereits betont &#8211; auch rezitiert haben. (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Tja, also, ich konnte mir die vorhergehende Szene gar nicht richtig ansehen, weil ich mich vom erstbesten F\u00fchrer kommandieren lie\u00df. Nur mit Erstaunen habe ich geh\u00f6rt, dass bei denen das Geld auch keine Rolle spielt. Aber ich nehme an, es ist wohl trotzdem ein Unterschied. (<em>Deutet auf das Podest.<\/em>) Da ist der Unterschied aufgebaut, die andere Seite, das andere Ufer. (<em>Setzt sich auf den Podestrand.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>X &#8211;&nbsp; Geldabgabeschalter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Ein Schalter mit der Aufschrift &#8220;Geldabgabe&#8221;. Hinter dem Schalter EMPORE, davor ein Bauer, der in einem Dialekt spricht.\/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>X, 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Nun pass mal auf, Empore: &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du sagst meinen Namen so lustig!<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>So? Na &#8230; Ich muss noch viel fragen. Ich habe das mit dem Gelb-Abschaffen noch nicht so ganz verstanden. Ich bin fr\u00fcher immer um die Schule herumgegangen, mit dem Vieh auf die Weide.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>So. Und da ist das Denken ein wenig zu kurz gekommen, was?<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Ja. Aber auf der Weide war&#8217;s sch\u00f6n. Und wenn ein Vieh was hat, &#8211; das merke ich ihm jetzt schon auf eine ganz weite Sicht sofort an. (<em>Nach einer kleinen Pause:<\/em>) Bei den anderen geht&#8217;s Geldabschaffen schneller, was?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Etwas, ja.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Auf meinem Hof habe ich ein Ehepaar. Arbeiten prima. Der Mann war mal Minister, hei\u00dft Balduin Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Lacht:<\/em>) Ach, der!<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Was lachst du?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich kannte ihn. War ein Lieber, aber zum Minister-Sein fehlte ein bisschen Klugheit.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Aber die Ehe ist prima. Und ich denke, darauf kommt&#8217;s an, nicht auf die Klugheit&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Auf beides: klug und liebevoll.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>(<em>L\u00e4chelt sehr verst\u00e4ndnisvoll.<\/em>) Aha&#8230; Meine Ehe ist auch gut, aber ich m\u00f6chte Bauer bleiben. Morgens aufs Feld, nicht ins B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Willst du mir nicht dein Geld geben?<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Ja, das ist es eben. Was gibst du mir denn daf\u00fcr?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>(<em>Triumphiert:<\/em>) Aha! Das habe ich mir gedacht. Und wovon soll ich dann meinen Arbeitsanzug bezahlen? Sagst du mir das?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich gebe dir einen Zettel, dass du alles Geld abgegeben hast. Mit dem Zettel bekommst du \u00fcberall, was du willst.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Ohne Geld?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Freilich.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Na gut, wenn du meinst. (<em>Holt Geldscheine aus der Tasche, legt sie hin und l\u00e4chelt sehr verschmitzt.<\/em>) Da.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Merkt, was los ist.<\/em>) Du musst nat\u00fcrlich alles abgeben. Sonst bekommst du den Zettel nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>(<em>Listig:<\/em>) Woher willst du wissen, wenn&#8217;s alles ist? (<em>Holt aus der anderen Tasche einen zweiten Packen Geldscheine und legt ihn hin.<\/em>) Da.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du wirst doch nicht l\u00fcgen?<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>(<em>Schnell und entschlossen:<\/em>) Nein, nein, das nicht, Empore. (<em>Holt noch zwei Packen aus zwei anderen Taschen und legt sie hin.<\/em>) So. Das ist alles.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Gibt ihm den Zettel.<\/em>) Und hier ist der Zettel.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Z\u00e4hlst du nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nein. Es wird doch sowieso abgeschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Richtig. Danke. (<em>Will gehen, kehrt aber wieder um:<\/em>) Ich muss noch was fragen: Ich kann doch nun nichts mehr verkaufen?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nein.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Was mach ich dann mit der Pauke.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Interessiert:<\/em>) Du hast eine Pauke?<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Bei mir im Keller steht eine Pauke. Schon als mein Urgro\u00dfvater Kind war, hat sie da gestanden. &nbsp;Es wird gemunkelt, dass sie fr\u00fcher einmal ein einem &#8211; na, in einem &#8211; mir f\u00e4llt das Wort nicht ein, so ein altmodisches Wort. In einem K-<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Richtig. In so &#8216;nem Krieg soll sie aus der Stadt mal auf den Hof gekommen sein. Nun will ich sie endlich loswerden. Wie mach ich denn das?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ist sie denn in Ordnung?<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Prima, wir haben sie gehegt und geputzt, wie alles, was bei uns im Keller steht.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Dann schenk sie dem Minister f\u00fcr Geldabschaffung.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Braucht der eine?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Na, gut. Schenk ich sie ihm. Ist mir ganz recht. Wenn ich sie verschenken kann, brauch ich nicht mal feilschen. So, Wiedersehn, Empore. (<em>Gibt ihr die Hand.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wiedersehn, mein Lieber.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>(<em>Geht, wendet sich noch einmal um:<\/em>) Wir haben uns gut verstanden, nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ja, sehr gut. Gr\u00fc\u00df deine Frau und Wiedersehn mit Pauke.<\/p>\n\n\n\n<p>BAUER<br>Jaja. (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>X, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Auf seinem Platz am Podestrand.<\/em>) Da steht sie nun, steht da und verk\u00f6rpert Zukunft am Schalter. Und da sieht man mal, dass es gar nicht auf den Schalter ankommt, sondern nur auf den Menschen dahinter. Ich m\u00f6chte jetzt hingehen und einfach ein Gespr\u00e4ch mit ihr anfangen, aber ich trau mich nicht. Ich w\u00fcsste auch gar nicht, was ich zu meiner Zukunft sagen sollte. (<em>Hat einen Einfall:<\/em>) Mensch, ich k\u00f6nnte doch mein Geld abgeben, &#8211; (<em>Steht auf.<\/em>) &#8211; ganz harmlos, wie jeder andere Einwohner dieser Zukunft. (<em>Hat einen hemmenden Einfall:<\/em>) Ja, aber Lieschens Mantel? Der kommt morgen aus der Reinigung, und Empore verlangt doch das ganze Geld; und ich kann doch in der Zukunft nicht mehr schwindeln! Ach was, ich gehe. Und mit Lieschens Mantel wird mir schon etwas einfallen. (<em>Z\u00f6gert:<\/em>) Allerdings&#8230; Komisch: Zu der einen Welt l\u00e4sst man sich kommandieren ohne Widerspruch, und hier steht man da und ist verlegen und traut sich nicht. Wenn sie mich nun zum Beispiel auslacht, weil ich altmodisch aussehe? (<em>Setzt sich.<\/em>) Ich lasse es lieber. Ich seh mir das lieber von hier aus weiter an, &#8211; da kann mir nichts passieren. (<em>Nach einer Pause:<\/em>) Na, die scheinen aber auch nicht viel Lust zu haben, ihr Geld loszuwerden. Oder warten die etwa auf mich? Da k\u00f6nnen sie lange warten. Ich lass mich doch nicht auslachen! (<em>Nach einer weiteren Pause, entschieden:<\/em>) Na also, was ist? Die tun nichts. Da muss ich wohl &#8211; oder \u00fcbel. (<em>Steht auf und r\u00fcstet sich wie zu einem Sprung ins kalte Wasser.<\/em>) Sei ein Mann, W\u00fcrfelbechermann, und spring hinein! (<em>Geht auf das Podest zum Schalter.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>X, 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Guten Tag. (<em>Reicht ihm die Hand.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Greift die Hand sehr ehrfurchtsvoll.<\/em>) Guten Tag. Ich m\u00f6chte hier &#8230; (<em>Deutet auf &#8220;Geldabgabe&#8221;.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wo kommst du denn her?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich? Von fr\u00fcher. Ich habe eben der Zukunft die Hand gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich habe dich aber schon mal gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Sie erinnern sich? Am Fluss neulich. Ich sa\u00df am anderen Ufer.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Mit Hellsinn war ich da. Du hast uns zugeschaut und gest\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Es tut mir sehr leid. Warum haben Sie mich denn auch nicht verjagt?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Verjagt? (<em>Sucht, sich des Wortes zu erinnern:<\/em>) Verjagt&#8230; Jagd, &#8211; jagen- ach so. Nein, warum denn?&nbsp; W i r &nbsp;&nbsp;f\u00fchlten uns doch gest\u00f6rt. Darum sind wir gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Komisch?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wieso?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ja, also, wenn einer mich so gest\u00f6rt h\u00e4tte, &#8211; den h\u00e4tte ich doch verjagt.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Weil du von fr\u00fcher bist. Wir lieben die leisen, friedvollen und unschuldigen Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aha&#8230; Ja, ich kann mir das schon vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nun ist kein Fluss mehr zwischen mir und dir, nur noch ein Schalter.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Sagen Sie: Wieso duzen Sie mich?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Duzen? Was ist denn das?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>&#8220;Du&#8221; sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wie soll ich denn sagen? Du ist doch das Mindeste, was man zum anderen sagen kann, au\u00dfer er ist mit dem Kreuz verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Das Mindeste? Was kann man denn sonst noch sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Es gibt noch viele M\u00f6glichkeiten. Die sage ich Sie sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Verzeihung!: Das hei\u00dft &#8220;Ihnen&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>So? Ja, ich kenne mich im Sp\u00e4thochdeutschen nicht so genau aus.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Und &#8211; soll ich nun auch &#8220;Du&#8221; sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nat\u00fcrlich! Du wirst doch nicht wollen, dass ich &#8220;Sie&#8221; sage!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nein, um Gottes Willen!<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Gottes Wille hat damit aber \u00fcberhaupt nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Etwas verdattert:<\/em>) Nein nein, entschuldige.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Deswegen brauchst du dich bei &nbsp;m i r &nbsp;nicht zu entschuldigen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Durcheinander:<\/em>) Was? Nein&#8230; Wieso? (<em>L\u00e4chelt etwas verlegen.<\/em>) Nun m\u00f6chte ich aber auch etwas wissen: Wenn &#8220;du&#8221; das Mindeste ist, wie hei\u00dft es dann im H\u00f6chstfall?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wie kannst du das von mir verlangen? So fr\u00fch! Wir kennen einander doch kaum!<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nein, ich wollte ja nur etwas unverbindlich wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Unverbindlich ist der Tod der Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Der Liebe&#8230;? Habe ich jetzt richtig verstanden &#8211; oder &#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>L\u00e4chelt.<\/em>) Richtig. Oder willst du wirklich nur dein Geld abgeben?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nein, aber&#8230; Ich wage gar nicht mehr zu glauben&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Na, dann gib mal das Geld her. Es scheint dich zu belasten.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Zum ersten Mal in meinem Leben, dass mich Geld belastet. (<em>Kramt in seinen Taschen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Dann ist kein Schalter mehr zwischen uns.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Vorsichtig:<\/em>) Man muss ja wohl &#8211; alles abgeben&#8230;? (<em>Legt es hin.<\/em>) Hier.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Was ist denn das f\u00fcr Geld<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Wieso? Von fr\u00fcher nat\u00fcrlich. Ostgeld. Oder nehmt ihr nur Westgeld?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Was haben denn die Himmelsrichtungen mit eurem Geld zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ach, das ist schwer zu erkl\u00e4ren. Jedenfalls: Anderes habe ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Nein, das beh\u00e4lt man. H\u00f6chstens einen Schein f\u00fcr den Papierkorb. (<em>Nimmt einen Schein.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Was?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Den Rest kannst du wieder einstecken.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Schade. (<em>Steckt die Scheine ein.<\/em>) Nun bleibt der Schalter zwischen uns. Aber vielleicht besser so, wenn ich wieder zur\u00fcck &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Kommt vor den Schalter:<\/em>) Du brauchst das Geld wohl?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Och&#8230; Nur wegen Lieschens Mantel. Der kommt morgen aus der Reinigung.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Interessiert:<\/em>) Du hast ein Lieschen? Wo ist sie denn?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich wei\u00df nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Was? Wie k\u00f6nnt ihr denn leben, wenn ich nicht wisst, wo ihr seid?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Och, so schnell stirbt man ja nun nicht. Es gab Krach.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Krach? Ist was runtergefallen?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Etwas verlegen:<\/em>) Nein, Krach mit dem Mund, mit der Stimme: &nbsp;&#8211; na, geschimpft haben wir. Wir qu\u00e4len einander manchmal ein bisschen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Verst\u00e4ndnislos:<\/em>) Also, wenn ihr liebt, braucht ihr doch nicht zu qu\u00e4len?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Warum nicht? Wir qu\u00e4len &nbsp;u n d &nbsp;lieben.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ihr m\u00fcsst aber sehr viel Zeit und Kraft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Oh, nein. Die Menschen meiner Zeit leiden an einem chronischen Zeitmangel. Und Kraft haben wir nach den vielen Kriegen und Spannungen erst recht nicht. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Sonderbar. Und wie soll das weitergehen?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Das wei\u00df ich doch nicht! Ich regiere doch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wer denn?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Na, die Regierung nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Und die gibt euch keine Kraft und l\u00e4sst euch keine Zeit?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(Sc<em>h\u00fcttelt den Kopf.<\/em>) Minimal.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Na, bei euch m\u00f6chte ich nicht leben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich auch nicht! Ich meine &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Manchmal, wenn ich in den alten B\u00fccher von euren K\u00e4mpfen und Qualen lese, von Sozialismus und Einsamkeit und all den anderen Belastungen, &#8211; dann \u00fcberkommt mich oft Schmerz und eine gro\u00dfe Sehnsucht euch zu helfen. Als ob es euch noch g\u00e4be. Keine meiner Freundinnen kennt dieses Gef\u00fchl. Ich bin allein damit.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber uns gibt es doch noch! Ich bin doch verzaubert und tr\u00e4ume. Ich stecke meinen Kopf aus dem Sack unserer Nacht in die Luft eures Tages. Es ist hohe Luft wie auf den Bergen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Es handelt sich zwischen uns nicht um Tag und Nacht, sondern um fr\u00fcher oder sp\u00e4ter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ja, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00fcssen wir wohl zu euch kommen. Am liebsten w\u00fcrde ich hier bleiben, aber Lieschen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du musst dich sowieso von ihr trennen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Schaut sie erstaunt an. Dann:<\/em>) Ja, &#8211; ich wei\u00df. Ich habe es immer gewusst, aber nie ausgesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Eine d\u00fcrftige Liebe ist schlimmer als gar keine.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber ihr Mantel.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Bring ihr das Geld und komm wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Nachdenklich:<\/em>) Ja&#8230; Kannst du dir vorstellen, wie mir zumute ist? Man kann doch aus seiner Zeit nicht einfach aussteigen, wie aus einem Zug. Wer wei\u00df, ob ich \u00fcberhaupt f\u00e4hig bin, hier&#8230;? K\u00f6nnen wir es nicht probeweise versuchen?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Die Liebe kann man nicht versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nein, ich meine, dass ich hier, in meiner Zukunft mal probeweise lebe.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Hier kann man nicht leben, ohne zu lieben. Deine Zukunft ist Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Also gar keine Auswege. Nur noch ein Weg&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Magst du mich nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Erschrocken:<\/em>) Doch, Empore, das musst du nicht fragen. Ich mag dich \u00fcber alle Zeiten gern. Aber ich wage nicht, an diese M\u00f6glichkeit zu glauben. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Wieder wagst du nicht zu glauben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich stehe vor dir, wie ein kleines Kind vor den Geschenken unterm Weihnachtsbaum.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>W\u00fcrfelbecherkind.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich brauche deine Kinderliebe und deine gro\u00dfe Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>(<em>Ergriffen:<\/em>) Oh, wie viel&#8230;! Wie sch\u00f6n viel. Wie viel Sch\u00f6nheit. Ich werde mich \u00fcber dich beugen und zu dir aufschauen. Ich werde dich erziehen und verehren, f\u00fchren und folgen und -lieben &#8211; \u00fcber alles. (<em>Setzt sich auf den Podestrand.<\/em>) Komm, leg deinen Kopf in meinen Scho\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Tut es.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>So liegen unsere Kinder, wenn ihre Mutter ihnen die ersten Weltzeichen deutet. Unsere Erziehung beginnt mit der Frage: Was ist der Mensch?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Was? Damit fangt ihr an? Damit kommt bei uns keiner zu Ende. Nicht mal Greise und Gro\u00dfv\u00e4ter. Ich h\u00e4tte den folgenden Standpunkt: &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>X, 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>(<em>Kommt.<\/em>) Was machst du denn hier?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich erziehe das W\u00fcrfelbecherkind.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Hast du das eingef\u00e4delt, dass meine Frau dich abl\u00f6st, wenn ich hier bin.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ja.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Das ist doch Quatsch! Eine ganz unn\u00f6tige Belastung f\u00fcr sie. Au\u00dferdem kennt sie die Arbeit doch gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Du wirst ihr helfen. (<em>Steht auf.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Soll sie sich auch noch mit diesen Schmutzscheinen abgeben?<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Ich gehe dann zu euch nach hause zu den Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>(<em>Kommt. Zu Empore:<\/em>) So. Bitte beeil dich, Liebe. Ich habe vorhin etwas W\u00e4sche aufgesetzt. Die kannst du gleich ausmachen, wenn du da bist. Und dass die Kinder nicht zu sp\u00e4t ins Bett kommen. Das Essen brauchst du nur zu w\u00e4rmen. Ich habe alles vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE<br>Sch\u00f6n. Und die Schl\u00fcssel?<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>Es steht alles offen.<\/p>\n\n\n\n<p>EMPORE(<em>Zum W\u00fcrfelbechermann:<\/em>) Ich muss eine Entgleisung verh\u00fcten gehen. Sei nicht traurig. Wir sehen einander wieder, &#8211; wenn du willst. Ich lasse dich ein wenig allein mit unserer ersten Frage. Lebt wohl! (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>Leb wohl. (<em>Zu Hellsinn:<\/em>) So. Soll ich hinter dem Schalter bleiben?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Ja, ich wei\u00df nicht. Ach, das Ganze ist doch Unsinn. Na, ich gehe ins B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>(<em>Meint den W\u00fcrfelbechermann:<\/em>) Was ist denn mit dem Mann da?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Mal fragen. Den hab ich doch schon irgendwo mal gesehen&#8230;? Verzeihung.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Erschrickt.<\/em>) Wie?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Willst du Geld abgeben?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Was? Ja. Das hei\u00dft: nein. Ich h\u00e4tte eine gro\u00dfe Bitte: Kann ich hier etwas liegen bleiben? Ich muss nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Andere tun das unter B\u00e4umen. Unter Schaltern ist mir das noch nicht vorgekommen. Aber, wenn du willst&#8230; (<em>Zu seiner Frau:<\/em>) Also, wenn was ist: Ich bin im B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>Ich kann doch auch mal kommen, wenn nichts ist?<\/p>\n\n\n\n<p>HELLSINN<br>Ja, meinetwegen. (<em>Geht.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>FRAU HELLSINN<br>(<em>Schaut sich um.<\/em>) Und jetzt ist doch gerade nichts. (<em>Folgt ihm.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu. Umbau.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>XI<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Bleibt vorn am Podestrand liegen. Etwas leichtfertig:<\/em>) Was ist der Mensch? Was ist der Mensch? Was ist der Mensch? Wei\u00df nicht. Wei\u00df nicht. Wei\u00df nicht. (<em>Schaut sich um.<\/em>) Wo ist denn mein Standpunkt? Ich hatte doch eben noch einen Standpunkt! Ach, ich kann ja gar keinen Standpunkt mehr haben: Ich liege ja. Liegepunkt&#8230; Nein, ich fliege. Fliegepunkt. Standpunkt Himmel. Was ist der Mensch? &nbsp; I c h &nbsp; bin ein Mensch. Was ist mithin der Mensch? Ach, nicht nachdenken, nur verliebt sein. Empore&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>\/Unter m\u00e4chtigem Aufbauschen des Vorhangs wird der W\u00fcrfelbecher vom Podest geworfen.\/<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Rums. Souterrain. Doch nachdenken. Von der Empore geschmissen. Au\u00dferhalb, mitten in die Gegenwart. Nicht weit von Lieschen. (<em>Steht auf.<\/em>) Und bei Ihnen, meine Damen und Herren&#8230;. Ach, war das sch\u00f6n! Da muss ich hin zur\u00fcck, &#8211; nein vorw\u00e4rts. Wenn Sie auch nur ein wenig Anteil nehmen, an meinem Schicksal, dann m\u00fcssen Sie mir helfen. Denken Sie mit nach \u00fcber die mir gestellte Kardinalfrage: Was ist der Mensch? Wenn ich Empore wieder sehe, muss ich eine Antwort wissen. Ich bin abh\u00e4ngig von Ihrer freundlichen Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Tja, das Weitermachen wird mir verflucht schwer. Am liebsten w\u00fcrde ich den ganzen Karren aufhalten und das St\u00fcck nur noch in der angenehmen Zukunft weiterspielen lassen. Dann w\u00e4re ich auch viel schneller wieder bei Empore. Aber so ein St\u00fcck ist unerbittlich wie ein Traum. Das rollt wie ein Zug in die Entgleisung, wie ein Komet ins Weltall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang auf.\/<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Der Vorhang ist auf. Ich m\u00f6chte mich gar nicht umsehen. (<em>Bleibt stehen.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>XII &#8211;&nbsp; Gitter dazwischen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\/Es stehen Gitter unordentlich und labyrinthisch verteilt &#8211; ausweglos. Hinter einem Gitter kniet GN 4 M\u00c4NNLICH.\/<\/p>\n\n\n\n<p><strong>XII, 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Ruft leise:<\/em>) W\u00fcrfelbechermann.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Dreht sich um.<\/em>) Wer ruft denn da?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ich. Komm her. Du bist von fr\u00fcher. Ich habe dir Letztes zu sagen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Geht zu ihm, jedoch das Gitter zwischen ihm und sich.<\/em>) Was hei\u00dft das, &#8220;Letztes&#8221;?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>W\u00fcrfelbechermann, ich habe Gift genommen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Warum?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Aus letzter Freiheit. Ich werde zum Tode verurteilt, aber ich sterbe ihnen vorher weg.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ist das eure Freiheit?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Die letzte und einzige, die wir kennen. Die erste, zu leben aus eigener Kraft, haben sie uns lange genommen. In einsamen Gedankenstunden habe ich sie m\u00fchsam aus meinem Gehirn hervorgegr\u00fcbelt. &nbsp;Ich kenne sie theoretisch. Nun nehme ich mir die letzte, praktische Freiheit: Freitod.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber sie haben dich begnadigt! Du sollst leben, weil ein Krieg kommt und sie Soldaten brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Gnade, Leben Krieg, Soldat&#8230;? Was hei\u00dft Gnade und Leben? Ich wei\u00df nur, was Krieg hei\u00dft. Da werde ich regelm\u00e4\u00dfig magenkrank. Was hei\u00dft Gnade?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Gnade? Gnade ist, wenn &#8230;Herrgott, diese Gitter. Ich wei\u00df in diesen Gittern nicht, was Gnade ist.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Das ist dumm. Ich h\u00e4tte gern gewusst, was Gnade in eurer Zeit bedeutet. Es muss eine sch\u00f6ne Zeit gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ja &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Warum will man wissen, was Gnade ist, wenn man Gift im Bauch hat? Warum ist man so ungen\u00fcgsam? Sage ihr nicht, wie es um mich steht, W\u00fcrfelbechermann! Ein lustiger Name: W\u00fcrfelbechermann.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Ich muss hier raus.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Ja, geh. Du kannst noch zur\u00fcck. Steige weg. Ich werde diesen Gittern hier nie mehr entkommen. Meine Augen brechen eher als sie.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Schleicht durch die Gitter hinweg.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>XII, 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>(<em>Geht mit h\u00e4ngendem Kopf durch die Gitter hindurch.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Ruft sie fl\u00fcsternd an, als sie sich jenseits seines Gitters bewegt.<\/em>) Empore.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ich bin nicht mehr Empore, war es nie, hat er nie zu mir gesagt. Ich bin At 621.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Empore.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ich habe alles widerrufen. Du wirst frei sein aller Fesseln, auch der Fesseln meiner Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Hast &nbsp; w a s &nbsp; widerrufen?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Die Mutter wollte es. Feierlich habe ich bei der Polizei, bei Gott, bei dem F\u00fchrer geschworen, dass wir uns nie geliebt haben, dass du mich nie Empore gehoben &#8211; genannt hast.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Ergreift sie bei den Fu\u00dfgelenken und sch\u00fcttelt sie.<\/em>) Empore.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Und ich habe nie einen Namen f\u00fcr dich gefunden. Nie einen, der deiner Empore gleich kommen w\u00fcrde. Ich habe nur unsere armseligen Leben ein wenig verl\u00e4ngert. Wer wei\u00df, wie wenig, denn es kommt wieder ein Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>(<em>Laut:<\/em>) Empore!<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Nicht doch! Ich konnte es nie leiden, wenn du laut wurdest. Entschuldige, wenn ich das nochmal sage. Sei still. Es war schwer genug. Die Menschen sollen still sein, sagte mein Vater, als er umkam. Die Welt ist laut genug.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Empore, du hast mein Leben umsonst gerettet. Ich habe Gift im Leib.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Also habe ich nur mein Leben gerettet? Das ist ein bisschen wenig f\u00fcr die vielen L\u00fcgen. Soll ich den Widerruf widerrufen? Hast du noch Gift?<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Gift ist knapp. Es reichte gerade f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ich werde in der R\u00fcstungsfabrik alles vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>GN 4 M\u00c4NNLICH<br>Meine Augen&#8230; Letzter Blick in diese Welt: Gitter, &#8211; dahinter (<em>Hallend:<\/em>) Empore&#8230;!<br>(<em>St\u00fcrzt und f\u00e4llt leblos vom Podest.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>XII, 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Tritt an seine Stelle.<\/em>) Was ist los?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Nichts. (<em>Steht auf.<\/em>) Es ist vollbracht. Da stirbt der eine und da kommt der andere. (<em>Sieht ihn an.<\/em>) Aber der andere sieht sonderbar aus. Wer bist du?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Der W\u00fcrfelbechermann.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Komm doch her. (<em>Verr\u00e4tselt:<\/em>) Woher nur? Woher&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Es ist doch das Gitter dazwischen.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Mach doch das Gitter weg. Das kannst du doch! Du siehst aus, als k\u00f6nntest du viel wegmachen und emporheben. Sie sind zu mir geschickt vom Bev\u00f6lkerungsministerium? Kein Soldat? (<em>Ergreift seine Hand durch das Gitter.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Was?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>(<em>Schaut die Hand an, bef\u00fchlt sie.<\/em>) So ungef\u00e4hr muss das Gl\u00fcck aussehen, wie diese Hand. (<em>Zieht ihn an der Hand ungeschickt zu sich.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Au! Lassen Sie doch meine Hand!<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Habe ich weh getan? Wie konnte ich? (<em>K\u00fcsst die Hand.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Nicht doch! Lassen Sie mich gehen!<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Du willst wieder gehen? Du geh\u00f6rst doch zu mir. Du suchst mich doch. Ich bin AT 621 weiblich.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Wer?<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>AT 621 weiblich. Ich habe widerrufen, und es sollte mir ein Mann zugeteilt werden. Bist du das nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>Aber nein, ich geh\u00f6re doch gar nicht hier her.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Nicht hier her? Wohin denn? (<em>Verr\u00e4tselt:<\/em>) Wohin nur? Wohin&#8230;? Lass uns fliehen, bevor der andere kommt. Hebe die H\u00e4nde empor, sage &#8220;Hokuspokus&#8221; und diese Gitter sind verschwunden. Du bist doch ein Zauberer&#8230;?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>In eurer Welt ist auch der Zauber gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Aber mein Herz schl\u00e4gt doch noch! Nenne mich Empore.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Entgeistert:<\/em>) Ich kann dich doch nicht Empore nennen&#8230;! (<em>Weicht zur\u00fcck.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>AT 621 WEIBLICH<br>Ich suche dich. (<em>L\u00e4uft an den Gittern entlang.<\/em>) Es muss doch einen Weg zu dir geben. Hoffnung ist die ewige Nahrung der Armen. Einen Weg zur\u00fcck&#8230; (<em>Verschwindet in den hinteren Gittern.<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p>\/Vorhang zu. Umbau.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p><strong>XIII<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00dcRFELBECHERMANN<br>(<em>Kommt vor das Podest.<\/em>) Es gibt nat\u00fcrlich einen Weg zur\u00fcck. Sie will ja nichts anderes als in unsere Gegenwart zur\u00fcck. Um Ihnen eine M\u00f6glichkeit zu geben, unsere Gegenwart mal wieder aus eigener Anschauung zu erleben, &#8211; machen wir jetzt alle zusammen eine Pause. Bitte vergessen Sie nicht, mir zu helfen. Sie wissen doch: Was ist der Mensch?<\/p>\n\n\n\n<p>\/Pause.\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">***<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=1273\">M\u00f6glichkeiten &#8211; Teil 2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*****<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>******* M \u00d6 G L I C H K E I T E N Ein St\u00fcck Theater von&nbsp; Peter &nbsp; Podehl Alle Rechte beim Verfasser Peter Podehl *** ES KOMMEN VOR W\u00fcrfelbechermannEin ziemlich seri\u00f6ser HerrEin energischer MannEine FrauEin anderer HerrEine BetriebsnudelEine andere FrauEmporeHellsinnFrau HellsinnEin BauerEin RednerEin DirigentEin F\u00fchrerEin MinisterEine MinistergattinAT 621 weiblichDie MutterGN 4 m\u00e4nnlichEin [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":444,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-452","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=452"}],"version-history":[{"count":32,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1608,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/452\/revisions\/1608"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/webaid.it\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}