{"id":698,"date":"2022-12-27T17:41:29","date_gmt":"2022-12-27T17:41:29","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=698"},"modified":"2026-02-19T11:48:58","modified_gmt":"2026-02-19T11:48:58","slug":"peter-teresa-togliattis-tomaten-und-das-tonbandgerat","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=698","title":{"rendered":"Peter, Teresa, Togliattis Tomaten und das Tonbandger\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">von<br>Claudia Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=659\">Italiano<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Peter war ein nur scheinbar gelassener Mensch. Hinter der ruhigen Maske verbarg sich ein \u00e4u\u00dferst aufmerksamer Beobachter. Sogar als 80j\u00e4hriger, als er eigentlich alle Aufmerksamkeit darauf h\u00e4tte richten m\u00fcssen, wohin er seine F\u00fc\u00dfe setzte, lief er als Hans-Guck-in-die-Luft rum, st\u00fcrzte, wenn er allein war; wenn wir dabei waren, mussten wir ihn andauernd warnen: Vorsicht Stufe, Vorsicht, Stoplerstein, Vorsicht Stolperloch!<\/p>\n\n\n\n<p>Stets neugierig beobachtend bemerkte er so, dass Flamingos das Knie nach hinten biegen, und wenn ich in tiefster italienischer Provinz in einem Supermarkt den Erwerb von Bettw\u00e4sche im Sonderangebot erwog, guckte er mir \u00fcber die Schultern und lachte los: Na sowas: \u201eKaiser Fritz\u201c auf italienischer Bettw\u00e4sche!!! Hahaha. \u2013 Tats\u00e4chlich hie\u00df die Bettw\u00e4sche so. Nur war ich nat\u00fcrlich eher mit der Qualit\u00e4t der Ware besch\u00e4ftigt, w\u00e4hrend er las. Er las einfach alles. Buchstabierte alles, selbst als der schlampige Augenarzt vergessen hatte, sein Altersschielen auszugleichen, und das genaue Hinschauen ihm Schwindel und Kopfschmerz verursachte, konnte er es einfach nicht lassen, weiter alle Buchstaben wo und in welcher Sprache auch immer aufzusaugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was er dann sah und entdeckte und als in einer seiner Geschichten f\u00fcr verbratungsw\u00fcrdig erachtete, wurde sofort festgehalten. Das ging soweit, dass er in fr\u00fcheren Zeiten beim Autofahren anhielt, einen Stift und ein kleines B\u00fcchlein hervorholte, um das Beobachtete, eine Pointe, eine Formulierung festzuhalten. Stets trug er die f\u00fcr solche Aufzeichnungen notwendigen Utensilien bei sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kam die Revolution: ein kleines batteriebetriebenes Tonbandger\u00e4t, das er in die Brusttasche seines Hemdes stecken konnte. In unserer eher untechnologischen Familie war das zun\u00e4chst ein wahrer Luxus.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ging dann so: Peter erfuhr von gerade aus Spanien zur\u00fcckgekehrten Bekannten, dass die Orientierung diesem Land schwierig sei, weil es fast nirgendwo Wegweiser gab. Dann wurde das Tonbandger\u00e4t hervorgeholt und Peter sprach laut: \u201eIn Spanien gibt es zu wenig Wegweiser, deshalb verfahren sich die Deutschen dort andauernd.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter: \u201eJakopp und Elisabett k\u00f6nnten auf ihre Reise nach Spanien ihre eigenen Wegweiser mitnehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JuwdkyVpboQ\">Jakopp und Elisabett<\/a> waren das ungleiche Paar J\u00f6rg Wiesbeck, fast 2 Meter gro\u00df, und Charlotte, 1 Meter 55. F\u00fcr die beiden wurden viele skurrile Geschichten erfunden, einige sehr poetische Filme gedreht, auch die sind im Archiv liegen geblieben. Peter verstand sich nun mal einfach nicht auf die Kommerzialisierung seiner Kreativit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"387\" height=\"522\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/JECharleston-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-699\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/JECharleston-1.jpeg 387w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/JECharleston-1-222x300.jpeg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 387px) 100vw, 387px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Jakopp und Elisabett tanzen Charleston<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich landeten auf dem Tonbandger\u00e4t auch die Stilbl\u00fcten unserer bei den Gro\u00dfeltern Deutsch lernenden T\u00f6chter: die 3j\u00e4hrige Lavinia, die das deutsche Wort \u201cFunschklacke\u201d erfand, und sp\u00e4ter die etwas \u00e4ltere Irina, die aufgeregt in die K\u00fcche in M\u00fcnchen st\u00fcrmte: \u201cKomme Kucke Katze!!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Peters&nbsp;f\u00fcr seine Umwelt unerwartetes lautes Lossprechen erregte nat\u00fcrlich jedes mal erstaunte Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Stunden am Schreibtisch spielte er die etwas krakelig anzuh\u00f6renden Aufzeichnungen mehrmals vor und zur\u00fcck und schrieb sie auf. Das wom\u00f6glich viel sp\u00e4tere Lesen in seinen unz\u00e4hligen Aufzeichnungen und Tageb\u00fcchern war oftmals mit Geschmunzel oder gar Gel\u00e4chter verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Charlottes Tod begaben wir uns auf f\u00fcnf sch\u00f6ne gro\u00dfe weite Weltreisen. Die erste nach New York, dann mit meiner italienischen Schw\u00e4gerin Teresa und ihrem Mann Paolo nach Kuba und nach China. Danach auch noch nach Argentinien und S\u00fcdafrika.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ein paar Tagen sehr ungew\u00f6hnlicher Kulisse, Leben, Musik und auch herzhaftem Gestank in Havanna im Februar 2002 wurde der zweite und dritte Teil des in Entwicklung begriffenen \u201c<a href=\"http:\/\/www.stadtroman.de\/\">Stadtromans<\/a>\u201d vollkommen umgekrempelt. W\u00e4hrend wir uns in den warmen gr\u00fcnen Wellen am Strand von Vajadero tummelten, blieb Peter also unter der Kokospalme liegen und r\u00fchrte sich nicht mehr. Weites himmelblaues Hemd, knielange Hosen, beides selbstverst\u00e4ndlich mit vielen Taschen, in die man Brieftasche, Brillen, Schreibwerkzeuge und Tonbandger\u00e4t verstauen konnte, die H\u00e4nde auf dem Bauch gefaltet schmunzelte er angesichts der unerwarteten neuen Perspektive von Ferdinand und Susanne als Weltumrunder vor sich hin.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/SMariaPeter2-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1229\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/SMariaPeter2-1.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/SMariaPeter2-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/SMariaPeter2-1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Spinnen unter Palmen in der S\u00fcdsee<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dann setzte er sich pl\u00f6tzlich auf und fragte, wie lange die Inkubationszeit eines Schnupfens dauere. Teresa antwortete h\u00f6chst erstaunt und stolz zugleich, dass sie es genau wisse: 48 Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter hielt auf dem Tonbandger\u00e4t fest: \u201eTeresa sagt, ein Schnupfen hat eine Inkubation von 48 Stunden.\u201c Teresa verstand nur \u201eTeresa\u201c und freute sich ungemein, auf dem ihre stete Neugier erweckenden Tonbandger\u00e4t gelandet zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Stadtroman wird n\u00e4mlich der wider all sein Erwarten zum pl\u00f6tzlichen Untertauchen gezwungene Bankangestellte Ferdinand von seinem unangenehmen und vollkommen verrotzten Gegen\u00fcber im Hofbr\u00e4uhaus in M\u00fcnchen <a href=\"http:\/\/www.stadtroman.de\/?page_id=18\">angeniest<\/a>&nbsp;(13 anklicken), weshalb er dann 48 Stunden sp\u00e4ter ebenfalls die Nase sehr voll bekommt, einen Arzt aufsuchen muss und in der Arztpraxis dann einige erstaunliche Abenteuer erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Flug nach Havanna hatte sich Teresa \u00fcber Peters pl\u00f6tzliches, ins sp\u00e4tabendliche Ged\u00f6se der Flugg\u00e4ste einbrechendes lautes Lossprechen (er war mittlerweile etwas schwerh\u00f6rig geworden) doch etwas gewundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn er bei uns in Mandela weilte und an einem der dicken Familien- oder Freundetreffen und -essen auf der gro\u00dfen Wiese teilnahm, fielen ihm aus der Beobachtung der ihm fast unverst\u00e4ndlich redenden Kommensalen irgendwelche Ideen ein, die er sofort \u2013 und laut \u2013 auf Band sprechen musste. Alle drehten sich angesichts der ungewohnten Laute um. Teresa: Haha, wir haben uns ja da mittlerweile dran gew\u00f6hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahre lang machten wir im September in Sardiniens wenig bekanntem S\u00fcden mit Peter und Charlotte Ferien. Das ist Giannis Heimat. Wir wohnten hoch oben in einer sehr einfachen Wohnung mit g\u00f6ttlich sch\u00f6nem Blick \u00fcber die weite runde Bucht von Porto Pino. \u201cNachts tauchen die Sternschnuppen aus der reich best\u00fcckten Sternenkuppel \u00fcber uns in die Bucht von Porto Pino\u201d, hielt Peter auf dem Tonband fest. Solch romantische Formulierungen stammten von Charlotte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" data-id=\"708\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/DSC00025-2-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-708\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/DSC00025-2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/DSC00025-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/DSC00025-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/DSC00025-2.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p id=\"Tonbandger\u00e4t\">Gianni fuhr morgens meist schon vor 7 Uhr langsam runter, begr\u00fc\u00dfte Flamingos und Reiher, die in der Lagune fr\u00fchst\u00fcckten, und zum Dorf auf der anderen Seite des weiten Tals hinauf, um einzukaufen. Zun\u00e4chst fr\u00fchst\u00fcckte er mit Capuccino und Cornetto in einer Bar und setzte er sich dann im duftenden Brotladen auf eine Bank und wartete zusammen mit den sardischen Omas mit langem Rock und Kopftuch darauf, dass das ofenhei\u00dfe Brot zum Verkauf hereingebracht wurde. Die redeten dann im mir unverst\u00e4ndlichen Sardisch \u00fcber Gott und die alte Welt aus Giannis Kindheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck fuhr er zu einem uralten Bauern, der am Stra\u00dfenrand Tomaten und sonstiges Gem\u00fcse von seinem Acker anbot. Gianni musste allerdings aufs Feld und die Tomaten selbst ernten, und der Alte wog sie dann auf einer H\u00e4ngewaage. Wehe, wenn er weniger als 3 Kilo kaufte. Das lohnte sich ja schlie\u00dflich nicht! Einkaufen bei ihm ging allerdings nicht Ruckzuck, denn auch er musste erst noch ein wenig mit dem Signor Fenu \u00fcber Gott und die Welt palavern. Seine Tomaten waren gut und saftig, und in K\u00fcrze kauften alle unsere Bekannten bei ihm ein. Sarden bedenken alle Menschen ziemlich rasch mit einem Spitznamen, weshalb er ebenso rasch nur noch \u2018Togliatti\u2019 (sprich: Toljatti) genannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ist denn Togliatti?, fragte Peter. \u2013 Na, das war der schon fast legend\u00e4re charismatische Chef der kommunistischen Partei in Italien in den 50er Jahren. \u2013 Aha? \u2013 Der alte Bauer posaunt halt immer und \u00fcberall herum, dass er Kommunist ist und predigt seine Parolen von der Gleichheit aller Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das landete sofort auf dem Tonbandger\u00e4t: \u201cDer Tomatenverk\u00e4ufer in Porto Pino wird \u201cTogliatti\u201d genannt, weil er Kommunist ist.\u201d \u2013 Pause \u2013 \u201cTogliatti war der Chef der KPI in den 50er Jahren.\u201d \u2013 Pause \u2013 \u201cSarden verpassen allen Leuten schnell Spitznamen.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Was Togliatti so alles zum Besten gab, war jedes mal Anlass zu unseren Gespr\u00e4chen beim Mittagstisch auf der sch\u00f6nen Terrasse: Togliatti und die Beamten im Dorfrathaus, Togliatti und die Nato (am Ende des langen Strandes beginnt noch heute das riesige Natogel\u00e4nde von Capo Teulada, wo oftmals heftig geb\u00f6llert wurde), Togliatti und der Priester in der Dorfkirche von S. Anna Arresi und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages wollte Peter wissen, ob denn diese so leckeren Tomaten teuer seien. Nein, sagte Gianni, bei Togliatti kostet alles 1000 Lire das Kilo&nbsp; \u2013 also etwa eine Mark. Da wunderte sich Peter, und Gianni erkl\u00e4rte, der Mann sei Analphabet und k\u00f6nne auch nicht rechnen. \u2013 Wie? Nicht lesen und nicht schreiben? \u2013 Nein, der Mann ist \u00fcber 80, und damals gabs wahrscheinlich noch gar keine Schule hier. Und wenns eine gab, dann h\u00e4tte er ja immerhin 4 oder 5 km zu Fu\u00df dorthin laufen m\u00fcssen. Lies doch mal \u2018Padre padrone\u2019! Das war hier so.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den lese- und schreibw\u00fctigen Peter schwer fassbar: Und rechnen kann er auch nicht? \u2013 Nein, kann er nicht. 1 Kilo Tomaten 1000 Lire, 2 Kilo 2000 Lire, 3 Kilo 3000 Lire, das geht. Aber 1 Kilo 1200 Lire, 2 Kilo kann er dann eben nicht ausrechnen. Und zweieinhalb Kilo erst recht nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter aufs Tonband: \u201eBei Togliatti kostet alles 1000 Lire, weil er nicht rechnen kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich esse noch immer gerne Paprika. Gianni fragte also Togliatti nach Peperoni. Nein, hat er nicht angebaut. Im Jahr danach kam Gianni erst sp\u00e4ter nach Sardinien, weshalb also ich bei ihm einkaufte. Man hatte mir bereits berichtet, dass er Peperoni angebaut habe, die seien aber solo per il Signor Fenu. Wunderbar, denke ich, endlich erntefrische saftige Peperoni. \u2013 Ich bin die moglie von Signor Fenu, ob ich denn so 2 Kilo Peperoni haben k\u00f6nnte. \u2013 No, die sind solo per il Signor Fenu. \u2013 Nichts zu machen. Frauen waren ihm wohl grunds\u00e4tzlich nicht ganz geheuer, und ich konnte \u2013 was nat\u00fcrlich besonders schlimm war \u2013 praktisch kein Sardisch verstehen, geschweige denn sprechen. Jedenfalls bekam ich nicht eine einzige Paprikaschote und musste wohl oder \u00fcbel Giannis Ankunft abwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter aufs Tonbandger\u00e4t: \u201cTogliatti hat Paprika angebaut, aber nur f\u00fcr den Signor Fenu. Claudia wollte welche kaufen, bekam aber keine, obwohl sie mehrmals beteuerte, sie sei die Frau von Signor Fenu.\u201d<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"940\" height=\"628\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-704\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-5.png 940w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-5-300x200.png 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-5-768x513.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Strand von Porto Pino. Links oben au\u00dferhalb des Bildes die Terrasse, auf der wir \u00fcber Togliattis Tomaten sprachen \u2013 und nat\u00fcrlich auch a\u00dfen.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine weitere Sardiniengeschichte, die auf Peters Tonbandger\u00e4t landete, waren die sardischen Witze. Oder besser, meine recht traumatische Begegnung mit denselben. Wir verbrachten eine der hei\u00dfen N\u00e4chte unseres ersten gemeinsamen Sardinienaufenthalts im August unter der Laube eines unserer Freunde. Man hatte gegessen und getrunken, etwa 40 Leute. Das war f\u00fcr Peter und Charlotte schon aufregend genug, denn die italienische Art gemeinsamer Essen \u2013 um nicht zu sagen: Fressen \u2013 war ihnen zun\u00e4chst vollkommen unverst\u00e4ndlich, wenn auch recht interessant.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rasch gew\u00f6hnten sie sich jedoch daran, sich nur einfach hinzusetzen und der Gaumenereignisse zu harren, die da kommen w\u00fcrden. In un\u00fcbersichtlicher Zusammensetzung oder Reihenfolge landeten dann auf ihren Tellern neben den bekannten italienischen Leckereien Pasta mit Seeigelfleisch, oder Thunfischrogen, oder Wildschweisugo, Schnecken in Anisso\u00dfe, oder in Tomatenso\u00dfe, Tintenfischsalat, Meer\u00e4schen gekocht, gegrillt, gebraten, in Tomatensauce, Sardellen mit Fenchel, Pinienkernen und Rosinen, in \u00d6l eingelegte Distelstengel, Hasenbraten, Miesmuscheln mit Knoblauch und Petersilie, sardische K\u00e4sest\u00fcckchen, darunter auch aus einer Form voller kleiner W\u00fcrmer, die hochsprangen wie Fische aus dem Wasser, dazu die kr\u00e4ftigen Landweine der Umgebung, gesch\u00e4lte eiskalte Kaktusfr\u00fcchte, hausgemachter Myrtenschnaps zum Verdauen, oder sardische Grappa, Fil&#8217;eferru genannt, &#8220;Eisendraht&#8221;, hei\u00dfe Quarktaschen mit Honig. Alle Sardinnen \u00fcberschlugen sich in ihrer Gastfreundschaft f\u00fcr die neuen &#8220;Deutschen&#8221;, die all diese Gaumenfreuden ja nicht kennen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter aufs Tonbandger\u00e4t: &#8220;Eine Grundschullehrerin mit schriller Stimme stolpert, eine Riesenschale mit leergegessenen Schneckenh\u00e4usern in Tomatenso\u00dfe landet auf Claudias Bluse. Ein sehr lauter rhythmischer Chor aller Anwesenden geht los, gefolgt von Applaus, und dann bekommt Claudia ein sauberes T-Shirt geliehen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass dieser Chor alles andere als salonf\u00e4hig war, habe ich lieber nicht \u00fcbersetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem ersten Abend waren sie nun m\u00fcde und fuhren nach hause. Langsam wurde die Nachthitze ertr\u00e4glicher und Filippo begann, den Anwesenden in jeder Altersklasse rundherum Witze zu erz\u00e4hlen. Das waren sehr lange Geschichten, die mit viel Mimik und Gestik ein St\u00fcck weit auf Sardisch und dann gleich noch einmal auf Italienisch vorgetragen wurden, weshalb ich den Ablauf der Geschichte recht gut verstand und mich k\u00f6stlich am\u00fcsierte. Wenn dann nach 10 Minuten aufmerksamem Zuh\u00f6ren, allgemeinem Gekicher und Gegluckse schlie\u00dflich die Pointe kam, war das sehr schnell hingeschmissener engster sardischer Dialekt. Alle rund um mich herum, vom Dreik\u00e4sehoch bis zum hageren 80j\u00e4hrigen Urgro\u00dfvater, lachten sich schief, ich sa\u00df da, geduldig auf eine wie auch immer holprige \u00dcbersetzung wartend. Nur, wenn sich die ersten vom Lachkrampf erholt hatten, wandten sie sich mir zu: Claudia, hast du verstanden? \u2013 Nein. \u2013 Zweites allgemeines Riesengel\u00e4chter: Huhu, haha, Claudia hat nicht verstanden!! Haha, huhu! \u2013 Begossener Pudel. \u2013 Filippo seinerseits geriet in Erkl\u00e4rungsnot und wurde jedes mal knallrot, was ihn allerdings nicht davon abhielt, gleich den n\u00e4chsten Witz mit ebensolcher gesichtsr\u00f6tender Pointe zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter: \u201cFilippo erz\u00e4hlt eine Nacht lang phantasievolle Witze, aber die Pointe kommt immer auf Sardisch, weshalb Claudia nicht eine einzige davon versteht. Sie bekommt auch keine \u00dcbersetzung, denn Filippo sagt immer: Lass dir das von deinem Mann erkl\u00e4ren.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pointen habe ich nie erfahren und die Geschichten mittlerweile alle vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Filippo und seine Frau Erminia, die uns damals und viele Jahre lang die sch\u00f6ne Wohnung vermieteten, erz\u00e4hlen noch heute lachend und glucksend diese Geschichte von mir, und alle Sarden lachen sich dar\u00fcber nat\u00fcrlich wieder schief.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"940\" height=\"627\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-702\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-4.png 940w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-4-300x200.png 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-4-768x512.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Filippo und Erminia im Budapester Jugendstilmuseum Magyar Szecessi\u00f2 H\u00e1za<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"940\" height=\"705\" src=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-701\" srcset=\"https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-3.png 940w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-3-300x225.png 300w, https:\/\/webaid.it\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/image-3-768x576.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Johannesburg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vonClaudia Podehl Italiano Peter war ein nur scheinbar gelassener Mensch. Hinter der ruhigen Maske verbarg sich ein \u00e4u\u00dferst aufmerksamer Beobachter. 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