{"id":781,"date":"2023-01-03T18:47:15","date_gmt":"2023-01-03T18:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=781"},"modified":"2023-01-04T07:42:55","modified_gmt":"2023-01-04T07:42:55","slug":"goethe-teil-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=781","title":{"rendered":"Goethe &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Goethe, wie er nie im Schulbuch stand<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size\">Teil 2<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=776\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=776\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethes Reise nach Italien, also. Vom Herzog erbittet und erh\u00e4lt er einen langen Urlaub. Sonst wei\u00df niemand etwas, auch Charlotte von Stein wird verraten und ist dementsprechend verletzt, ahnt wohl auch den Anfang vom Ende. Am 3. September verl\u00e4sst Goethe in aller Heimlichkeit Karlsbad, wo auch Charlotte und der Herzog kurten. Er \u00fcbernachtet nur in Regensburg und Mittenwald, am 9. ist er schon auf dem Brenner. Wer von Ihnen kennt diese Station nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Am 9. Abends fuhr ich vom Brenner weg. Der Postillon schlief ein, und die Pferde liefen den schnellsten Trab bergunter. Der Mond ging auf und beleuchtete ungeheure Gegenst\u00e4nde. So leid es mir tat, diese interessanten Gegenden mit der entsetzlichen Schnelle und bei Nacht wie der Schuhu zu durchreisen; so freute michs doch, dass wie ein Wind hinter mir herblies und mich meinen W\u00fcnschen zujagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Tagesanbruch erblickte ich die ersten Rebh\u00fcgel, eine Frau mit Birnen und Pfirsichen begegnete mir, und endlich erblickte ich bei hohem Sonnenschein das Tal, worin Bozen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist mir, als wenn ich hier geboren und erzogen w\u00e4re und nun von einer Gr\u00f6nlandfahrt, von einem Walfischfang zur\u00fcckk\u00e4me.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe blieb \u00fcbrigens in Rom nicht unbeachtet. Wir bringen diese Reise immer nur mit Sehnsucht, Kunst, Dichtung und Faustina in Verbindung. F\u00fcr das kaiserliche Wien war der Weimarische Minister ein \u2013 wie man heute sagen w\u00fcrde \u2013 Sicherheitsrisiko. Der \u00f6sterreichische Gesandte am Heiligen Stuhl berichtet am 3. M\u00e4rz 1878 an seine Regierung:<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Goethe hat sich mehrere Monate hier aufgehalten. Er trachtete unbekannt zu bleiben, und \u00e4nderte deswegen seinen Namen in jenen M\u00fcller, unter welcher Aufschrift auch seine Briefe an ihn gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Er wohnte hier bei dem deutschen Maler Tischbein und mit ebendiesem ist er nach Neapel gereist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe meinem Sekret\u00e4r, auf dessen Rechtschaffenheit ich mich verlassen kann, aufgetragen, dass er bei seiner Zur\u00fcckkunft, die wahrscheinlich bald erfolgen d\u00fcrfte, mit jenem Tischbein sich in einen n\u00e4heren Umgang setzen soll, um hierdurch imstande zu sein, mit Sicherheit ein wachsames Auge auf seine Auff\u00fchrungen und alf\u00e4llige geheime Absichten tragen zu k\u00f6nnen. (Zitatende)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Alles war Goethe in Rom, aber ganz gewiss kein Spion! Die gro\u00dfe Freiheit ist ausgebrochen. Malerfreund Tischbein, Malerfreundin Kaufmann, die erste Geliebte Faustina, Verfassung der Iphigenie, Egmont\u2026 Den letzteren schickt er an Frau von Stein. Sie n\u00f6rgelt am Kl\u00e4rchen herum, dem M\u00e4dchen aus dem Volke, das sich so unerschrocken dem gro\u00dfen Egmont hingibt. Frau von Stein r\u00fcmpft die Nase. Aber Goethe \u2013 nein, nat\u00fcrlich erf\u00e4hrt Frau von Stein keine Silbe von Faustina! Aber er fragt nach Nuancen und Zwischent\u00f6nen, er trifft die ganze schwierige erotische Situation in einem Ton, in dem er fr\u00fcher nie an Frau von Stein geschrieben h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Was du von Kl\u00e4rchen sagst, verstehe ich nicht ganz. Ich sehe wohl, dass dir eine Nuance zwischen der Dirne und der G\u00f6ttin zu fehlen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Aber auf Frau von Stein erwartet noch eine viel gr\u00f6\u00dfere Not: Christiane Vulpius, gleichsam Goethes Kl\u00e4rchen. Er ist aus Italien zur\u00fcck und glaubt in seiner M\u00e4nner-Naivit\u00e4t, es k\u00f6nne die Freundschaft mit Charlotte von Stein wie eh und je fortbestehen \u2013 als habe er nicht so lange jenseits der Alpen gelebt \u2013 und geliebt. Charlotte empf\u00e4ngt ihn mit einem Neuerwerb, einer Pudeldame namens Lilli \u2013 Goethe hat zeitlebens Hunde gehasst, Charlotte wusste das.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter \u00fcberreicht ihm, dem Minister und Hofbeamten, die 23j\u00e4hrige Chtistiane Vulpius eine Bittschrift ihres Bruders. Kriegte, bildlich gesprochen, Charlotte ihr Korsett nicht auf, \u2013 Christiane hatte keines an. Viele Anzeichen sprechen daf\u00fcr, dass der Minister die Demoiselle gleich am ersten Abend verf\u00fchrte und zu seiner Geliebten machte. Die Bindung endete 28 Jahre sp\u00e4ter mit Christianes Tod. Goethe dichtete:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>GEFUNDEN<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging im Walde<br>So f\u00fcr mich hin,<br>Und nichts zu suchen,<br>Das war mein Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schatten sah ich<br>Ein Bl\u00fcmchen stehen,<br>Wie Sterne leuchtend,<br>Wie \u00c4uglein sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wollt es brechen,<br>Da sagt es fein:<br>Soll ich zum Welken<br>Gebrochen sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich grub mit allen<br>Den W\u00fcrzlein aus,<br>Zum Garten trug ichs<br>Am h\u00fcbschen Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pflanzt\u2018 es wieder<br>Am stillen Ort;<br>Nun zweigt es immer<br>Und bl\u00fcht so fort.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Nach solcher Liebeserkl\u00e4rung stellt sich die Frage nach irgendeiner Unebenb\u00fcrtigkeit, wie sie jahrzehntelang von den Weimarer Klatschm\u00e4ulern bekrittelt wurde, nicht mehr. Das Gedicht entstand bezeichnenderweise nicht in der Fr\u00fchzeit der Beziehung, sondern gleichsam zur Silberhochzeit, nach 25 Jahren teils wilder, teils legaler Ehe, 1813.<\/p>\n\n\n\n<p>Sommer 1788. Weimar hat seinen Skandal. Die Klatschm\u00e4uler geifern: Goethe treibts mit seiner Haush\u00e4lterin. Dabei sind Christianes Vorfahren eigentlich viel stattlicher anzuschauen als die Goethes: Advokaten, Minister, Geistliche. Nur Christianes Vater kam durch eine Finanzmisere etwas vom Weg ab, was die Familie in Armut st\u00fcrzte. Bei Goethes \u00fcbrigens teilweise th\u00fcringischen Vorfahren hingegen finden sich manche Bauern und Tagel\u00f6hner.<\/p>\n\n\n\n<p>Und im Dezember des Jahres 1789 kommt ein Sohn zur Welt, ein illegitimer, unehelicher. Ein Versto\u00df gegen die Gesetze des Landes, allen Ernstes ein Straftatbestand!, aber den Minister behelligt man damit nicht. Er denkt noch lange nicht an eine Legalisierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herzog tat sich da leichter. Seine Frau war ein Sensibelchen, und wahrscheinlich eine Hochzeitsnachtgesch\u00e4digte. Ansonsten ein ganz prima Person. Ihr Mann umwarb die Schauspielerin Caroline Jagemann, aber sie erh\u00f6rte ihn erst, als die Herzogin ihre f\u00f6rmliche Einwilligung zu dieser Li\u00e4son gab, was sie nach der traurigen Hochzeitsnacht wohl ganz gerne tat. Sp\u00e4ter schenkte der Herzog seiner Maitresse das Rittergut Heygendorf und den Adelsnamen von Heygendorf und ein sch\u00f6nes Haus in der Stadt und drei Kinder, die von Heygendorf hie\u00dfen und erbberechtigt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe nahm sich da kein Beispiel. Er betonte zwar:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Ich bin verheiratet, nur nicht mit Zeremonie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Also hei\u00dft der Sohn, als man ihm eine Reisepass ausstellen muss, August Vulpius. Er wurde unter den Spielgenossen viel geschm\u00e4ht, denn Goethes Sohn zu sein und nicht seinen Namen zu tragen, das ist doch was f\u00fcr Spottm\u00e4uler! Auch Christiane bleibt 18 Jahre lang die Demoiselle Vulpius. Wenn Goethe auf seinen vielen reisen etwas zugesto\u00dfen w\u00e4re, \u2013 sie h\u00e4tte nicht den geringsten Versorgungsanspruch geltend machen k\u00f6nnen und w\u00e4re nach damaligem Brauch im Armenhaus gelandet. Johann Sebastian Bachs Witwe war \u00fcbrigens eine sogenannte Almoseng\u00e4ngerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder h\u00e4tte Christiane als G\u00e4rtnerin ihr Geld verdient? Sie hat viele Jahre lang so reichlich Kohl, Spargel und Artischocken geerntet, dass sie vom \u00dcberschuss Gem\u00fcse verkaufen kann, um die Haushaltskasse des Ministers aufzubessern. Klingt befremdlich, oder? \u2013 ist aber wahr. Nur Frau von Stein bekam den Spargel aus alter Anh\u00e4nglichkeit umsonst, r\u00fcbergeschickt vom Sohn August, den die alternde Charlotte gerne sah, wenn sie auch behauptete, sie k\u00f6nne im Knaben sehr wohl &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>&#8211; die vornehmere Natur des Vaters von der gemeineren der Mutter unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Wozu sich selbst eine Freifrau von Stein hinrei\u00dfen l\u00e4sst. Aber sie hatte da kr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung. Charlotte Schiller, des Dichters Gattin, eine geborene von Lengefeldt, nach des Gatten Adelung Charlotte von Schiller, l\u00e4sterte gern und viel \u00fcber die Demoiselle Vulpius und beeinflusste ihren Mann dementsprechend:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dichter Friedrich von Schiller hat Christiane miserable behandelt. 1794 war er zwei Wochen zu Gast in Goethes Haus in Weimar. Vorsorglich hatte er erkl\u00e4rt, er gedenke nicht, sich an irgendeine Hausordnung oder geregelte Mahlzeiten zu halten, das sei ihm im Hinblick auf seine Krankheit zu l\u00e4stig. Christiane schluckts und umsorgt ihn diskret und fehlerfrei. Als Schiller wieder in Jena war und an Goethe schrieb, fand er nicht ein einziges Wort des Dankes f\u00fcr Christiane, ja er lie\u00df sie nicht einmal gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christianes gro\u00dfer Mut hat sie schlie\u00dflich zur Geheimr\u00e4tin und Frau von Goethe gemacht. Als nach der f\u00fcr die Deutschen verlorenen Schlacht von Jena am 14. Oktober 1806 die Franzosen pl\u00fcndernd ins Goethische Haus fielen und Goethe in seinem Schlafzimmer hart bedr\u00e4ngt wird, wirft sich Christiane todesmutig dazwischen, rettet ihren Liebsten, dr\u00fcckt den besoffenen Marodeuren ein paar silberne Leuchter in die Arme und jagt sie zum Teufel. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter, Sonntag den 19. Oktober werden Goethe und Christiane nach 18j\u00e4hriger Illegitimit\u00e4t getraut, der 17j\u00e4hrige Sohn ist Trauzeuge. Die Trauung findet in der Sakristei von St. Jakob statt. Warum nicht in der Kirche vor dem Altar? Die Antwort ist f\u00fcr L\u00e4sterm\u00e4uler besch\u00e4mend genug: Weil der Kirchenraum voll war mit verwundeten Soldaten, er diente als Lazarett.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute steht in der Bild-Zeitung die Balken-\u00dcberschrift\u2026. Na, h\u00f6ren Sie selbst, was in der Zeitung von Goethes eigenem Verleger Cotta f\u00fcr eine zynische Notiz erschien, die nicht nur Charlotte noch einmal desavouriert, sondern auch die gefallenen Soldaten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Goethe lie\u00df sich unter dem Kanonendonner der Schlacht mit seiner vielj\u00e4hrigen Haush\u00e4lterin Demoiselle Vulpius trauen, und so zog sie allein einen Treffer, w\u00e4hrend viel tausend Nieten fielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Nun ist sie also mit allem Segen kirchlich und standesamtlich beglaubigt Frau Geheimr\u00e4tin von Goethe. Tor und T\u00fcr stehen ihr offen. Was gibt es zu erleben? Goethe hat es bedichtet:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DIE LUSTIGEN VON WEIMAR<\/p>\n\n\n\n<p>Donnerstag nach Belvedere,<br>Freitag geht\u2019s nach Jena fort:<br>Denn das ist bei meiner Ehre,<br>Doch ein allerliebster Ort!<br>Samstag ists, worauf wir zielen,<br>Sonntag rutscht man auf das Land;<br>Zw\u00e4zen, Burgau, Schneidem\u00fchlen<br>Sind uns alle wohlbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Montag reizt uns die B\u00fchne;<br>Dienstag schleicht dann auch herbei,<br>Doch er bringt zu stiller S\u00fchne<br>Ein Rapuschen frank und frei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Rapuschen ist ein Kartenspielchen, frank und frei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mittwoch fehlt es nicht an R\u00fchrung,<br>Denn es gibt ein gutes St\u00fcck;<br>Donnerstag lenkt die Verf\u00fchrung<br>Uns nach Belveder\u2018 zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es schlingt ununterbrochen<br>Immer sich der Freudenkreis<br>Durch die zweiundf\u00fcnfzig Wochen,<br>Wenn mans recht zu f\u00fchren wei\u00df.<br>Spiel und Tanz, Gespr\u00e4ch und Theater,<br>Sie erfrischen unser Blut;<br>Lasst den Wienern ihren Prater,<br>Weimar, Jena, das ist gut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Ach, Frau von Goethe wurde keineswegs sofort und selbstverst\u00e4ndlich in die besseren Kreise der Weimarer Gesellschaft aufgenommen, so wie sie Goethe in diesem typischen Gelegenheitsversen f\u00fcr den Hof besang. Ausnahmen gab es freilich. Schon einen Tag nach der Trauung besuchen Christiane und Ehemann Goethe Frau Johanna Schopenhauer. Ein Ereignis! Johanna schreibt an ihren Philosophen-Sohn Arthur:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Ich empfing sie, als ob ich nicht w\u00fcsste, wer sie vorher gewesen w\u00e4re, ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, k\u00f6nnen wir ihr wohl eine Tasse Tee geben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Es gab nicht nur b\u00f6se Klatschm\u00e4uler in Weimar: Nach Christianes Tod schrieb eine Frau von Recke an Johanna Schopenhauer:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Wodurch die Verstorbene sich mir empfohlen hat, ist, dass ich sie nie von anderen B\u00f6ses sprechen h\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Und genau das hat Goethe an Christiane so geliebt: dass sie reinen Herzens was und sichs nicht anfechten lie\u00df; nie hat sie ihm Vorw\u00fcrfe gemacht, dass er mit der Eheschlie\u00dfung so lange gewartet hat. Eine Emanzipierte, die auf ihre Rechte pochte, war sie nicht. Und er liebte ihre Liebe. Viele Namen gaben sie den Stunden der Liebe: Schlampampersst\u00fcndchen, Schlender- oder H\u00e4tschelst\u00fcndchen, des Dichters Liebesorgan hie\u00df Herr von Sch\u00f6nfu\u00df. So zu lesen in manchen Briefen des Paares. Daraus zitieren wir eine sch\u00f6ne Stelle von Christianes Hand, am 22. Mai 1798 geschrieben \u2013 das ist fast genau zehn Jahre nach der ersten Begegnung:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Nun, mein allerbester, s\u00fcperber, geliebter Schatz, muss mich ein bisschen mit dir unterhalten, sonst will es gar nicht gehen. Erstens muss ich dir sagen, dass ich dich ganz h\u00f6llisch lieb habe und heute sehr hasig bin &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>&#8211; Hasig? Christiane war z\u00e4rtlichkeitsbed\u00fcrftig, sehnte sich nach einem Schlampamesst\u00fcndchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>&#8211; zweitens, dass ich am Montag meine W\u00e4sche aufgeschoben habe, wegen des \u00fcblen Wetters, und erst heute nacht gewaschen wird, und ich sehe zu meinem Vergn\u00fcgen, dass das Wetterglas steiget. Heute bin ich auf dem Jahrmarkt gewesen und habe mir Seife gekauft. Nun hoffe ich aber auch, dass mein Allersuperbster ein Laubt\u00e4lerchen an mich wenden wird, weil ich so ein gro\u00dfer Schatz bin. F\u00fcr heute Abend leb wohl, morgen ein Mehres.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Z\u00e4rtlichkeit war also noch nach 10 Jahren angesagt. War Charlotte von Stein ganz sicher ein Kulturwesen \u2013 Christiane unterschrieb viele ihrer Briefe mit: &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>&#8211; Dein kleines Naturwesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Und da entbl\u00f6det sich ein Nachfahr wie der ansonsten gro\u00dfe und verehrte Thomas Mann nicht, Christiane 1948, hundertf\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter, \u201eun bel pezzo di carne\u201c zu nennen, ein sch\u00f6nes St\u00fcck Fleisch. Mensch, Tommi!, was waren denn deine jungen Kellner f\u00fcr Fleischst\u00fcckchen?! Nein, unmissverst\u00e4ndlich ging es um mehr als Fleisch. Freund Knebels Frau schreibt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Goethe hat uns oft gesagt, dass, wenn er mit einer Sache im Geist besch\u00e4ftigt w\u00e4re, sich die Ideen bei ihm stark dr\u00e4ngten, er dann manchmal zu weit k\u00e4me und sich selbst nicht zurechtfinden k\u00f6nne, wie er dann zu ihr ginge, ihr einfach die Sache vorlege und oft erstaunen m\u00fcsste, wie sie mit ihrem einfachen nat\u00fcrlichen Scharfblicke immer gleich das Richtige herauszufinden wisse und er ihr in dieser Beziehung schon manches verdanke.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Trotz allem: Goethe lie\u00df seine Frau viel allein. Wollte er konzentriert arbeiten, \u2013 das konnte er im Hause am Frauenplatz nicht, da wich er nach Jena aus, oft wochenlang, zuweilen monatelang. Er reiste mit einer eigenen Kutsche, versteht sich. Versteht sich das so selbstverst\u00e4ndlich? Bis zu seinem 50. Lebensjahr hatte Goethe keinen eigenen Wagen, sonder benutzte \u00f6ffentliche Verkehrsmittel: die Postkutschen. Um 1800 kaufte er sich dann endlich eine eigene Kutsche, die Pferde dazu schenkte ihm der Herzog. Und schon animiert ihn das Fahrh\u00e4uschen zu einem bezaubernden Gedicht \u00fcber die Relativit\u00e4tstheorie, \u00fcber die Relativit\u00e4t aller Bewegung. Da er Einstein noch nicht kennen konnte, f\u00fchlte er sich als &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DER NEUE KOPERNIKUS<\/p>\n\n\n\n<p>Artges H\u00e4schen hab ich klein,<br>Und, darin versteckt<br>Bin ich vor der Sonne Schein<br>Gar bequem bedeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es ein Schalterlein,<br>Federchen und L\u00e4dchen,<br>Finde mich sowohl allein<br>Als mit h\u00fcbschen M\u00e4dchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn, o Wunder! Mir zur Lust<br>Regen sich die W\u00e4lder,<br>N\u00e4her kommen meiner Brust<br>Die entfernten Felder.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so tanzen auch vorbei<br>Die bewachsnen Berge;<br>Fehlet nur das Lustgeschrei<br>Aufgeregter Zwerge.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch so g\u00e4nzlich still und stumm<br>Rennt es mir vor\u00fcber,<br>Meistens grad und oft auch krumm,<br>Und so ists mir lieber.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ichs recht betrachten will<br>Und es ernst gewahre,<br>Steht vielleicht das alles still \u2013<br>Und ich selber fahre.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Legte sich Christiane ins Wochenbett, floh Goethe meist, wiederum meist nach Jena,. Psychoanalytiker meinen, er floh, weil er das Privileg der Frauen, Kinder zur Welt zu bringen, nicht ertragen wollte, Nun ja -: Psychoanalytiker\u2026 Vielleicht floh er auch vor den Wehen und Schmerzen der Frau, und allen sonstigen Aufregungen eines solchen Wochenbetts, von dem wir wissen, wie nahe es damals neben der Totenbahre stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Fragen wir nach der treue der Liebes- und Eheleute: Es gibt keine Anzeichen f\u00fcr ernsthafte Untreue Goethes oder Christianes. Aber es gibt \u00c4ugelchen, von Christiane \u00c4uglichen geschrieben. Denken Sie an das Wort \u201elieb\u00e4ugeln\u201c. Wir w\u00fcrden wohl heute von \u201eflirten\u201c sprechen. Kommen wir zur\u00fcck auf Bettine von Arnim, geborene Brentano, \u2013 Goethen unentbehrlich geworden durch die Vermittlung vieler Fakten aus seiner Kindheit, die ihr Goethes Mutter in Frankfurt erz\u00e4hlt hatte, und die er in seiner Autobiographie AUS MEINEM LEBEN \u2013 DICHTUNG UND WAHRHEIT in reichem Ma\u00dfe verarbeitet. Erlauben Sie mir, bei dieser Bettine etwas l\u00e4nger und detaillierter zu verweilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie war so ein \u00c4uglichen, dem Christiane einiges Misstrauen entgegenbrachte. Bettine hat sich recht ungeniert auf Goethes Scho\u00df gesetzt, sie haben Umarmungen und K\u00fcsse getauscht. Sie dutzt ihn, Ehefrau Christiane siezt ihren Mann, der sie wiederum duzte. Wenn Bettine 1835 GOETHES BRIEFWECHSEL MIT EINEM KINDE ver\u00f6ffentlicht, dann steckt im Titel eine gelinde Frechheit, denn das Kind war 22 Jahre alt, als sie 1807 zum ersten Mal begegneten. Sie liebte Goethe hei\u00df und innig, mit allem Feuer ihres romantischen Gem\u00fcts. Aber im gesamten Briefwechsel kommen Name und Person Christianes nicht ein einziges Mal vor. 1810 schreibt Christiane an den Ehemann nach Karlsbad, wo er nun schon vier Monate zur Kur weilt, vier Monate !:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Ist denn die Bettine in Karlsbad angekommen und die Frau von Eybenberg? Und hier sagt man, die Sylvie und Gottern gingen auch hin. Was willst du denn mit all den \u00c4uglichen anfangen? Das wird zu viel!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Ein Jahr sp\u00e4ter, 1811, kommt die frischverm\u00e4hlte Bettine, nun mehr Frau von Arnim mit ihrem Mann nach Weimar und gibt sich sehr vertraut mit ihrem nach wie vor Schwarm Goethe, beachtet Christiane kaum, kehrt wohl auch die intellektuelle Gro\u00dfst\u00e4dterin hervor, was ihr teuer zu stehen kam: sie ging der Freundschaft mit Goethe verlustig, dem die intensive junge Dame wohl schon vorher ein wenig l\u00e4stig geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Christiane und das Ehepaar von Arnim gingen in eine Ausstellung mit Bildern von Kunscht-Meyer, Johann Heinrich Meyer aus Z\u00fcrich, daher der Name Kunscht-Meyer, seit mehr als 20 Jahre Goethen freundschaftlich verbunden als Ratgeber in allen Fragender bildenden Kunst. Allerdings: sehr fortschrittlich war dieses Gespann nicht! Ein Genie wie Kaspar David Friedrich lehnten die Kunst-Epigonen ab! Dementsprechend mittelm\u00e4\u00dfig waren die biederen Bilder, die Christiane und die Arnims betrachteten<\/p>\n\n\n\n<p>Bettine sah die Gelegenheit, Christiane ihre ganze \u00dcberlegenheit sp\u00fcren zu lassen. Sie m\u00e4kelte und kritisierte herum, vom rein k\u00fcnstlerischen Standpunkt gewiss zu recht. Aber Christiane ging die Galle hoch, denn Kunscht-Meyer war ein Mann, der ihr ritterlich und h\u00f6flich begegnete, und davon gab es nicht viele in Weimar. Ob er ein gro\u00dfer K\u00fcnstler war, interessierte sie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keinen authentischen Augenzeugenbericht \u00fcber das, was in der Kunstausstellung passierte. Daf\u00fcr gibt es Berichte der Klatschm\u00e4uler haufenweise:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Sie wahnsinnige Blutwurst!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>&#8211; soll Bettine gesagt habe, Marie von K\u00fcgelgen schreibt aus Dresden:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Bettine hat ganz Weimar erz\u00e4hlt, es w\u00e4re eine Blutwurst toll geworden und h\u00e4tte sie gebissen. Und wirklich soll die Goethe keinem Ding so \u00e4hnlich sehen als einer Blutwurst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Christiane soll, so geht das Ger\u00fccht, dem verhassten \u00c4uglichen mit einer Maulschelle die Brille von der Nase geschlagen und dann noch drauf rumgetrampelt. Dann ist sie unter lautstarkem Schimpfen abgerauscht, und der herbeieilende Ehemann Achim von Arnim fand seine Frau &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>&#8211; bleich und zitternd zwischen einer Menge von Unbekannten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Und er befindet: &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Goethe ist durch diese Frau von allen rechtlichen Menschen in Weimar abgeschnitten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe steht eindeutig und uneingeschr\u00e4nkt zu seiner Frau, er verbiete den Arnims sein Haus, denen nichts anderes \u00fcbrigbleibt, als Weimar zu verlassen. Auch als ein Jahr sp\u00e4ter die Arnims zuf\u00e4llig oder nicht so ganz zuf\u00e4llig erscheinen, schreibt er an seine Christiane:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Von Arnims nehme ich nicht die mindeste Notiz, ich bin sehr froh, dass ich die Tollm\u00e4uler los bin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Kleine Ehrenrettung f\u00fcr das Kind Bettine: Sie war ganz sicher eine bedeutende Person, geistreich, kreativ, gem\u00fctvoll, witzig, hochgebildet. Sie sagt von sich den sch\u00f6nen Satz:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Meine Seele ist eine leidenschaftliche T\u00e4nzerin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Auch Christiane hatte durchaus ihre \u00c4uglichen, wenn sie zur Kur nach Bad Lauchst\u00e4dt fuhr, heute nennt man das wohl Kurschatten. Goethe mahnt sie deswegen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Mit den \u00c4uglichen geht es, merk ich, ein wenig stark, nimm dich nur in acht, dass keine Augen daraus werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Christiane starb schwer und einsam, 1816. Goethe hat auch bei dieser h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Not eine solche Abscheu vor Krankheit und Tod, dass er sich mit einem fiebrigen Katarrh ins Bett legte und sie allein lie\u00df. Einige Chronisten wollen ihn noch im Sterbezimmer gesehen habe, aber das d\u00fcrfte Legende sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir nehmen Abschied von Christiane mit einem St\u00fcck aus einem Brief, den sie \u2013 wie alle ihre Briefe (es sei denn, sie diktierte) \u2013 in haarstr\u00e4ubendem Th\u00fcringischer Dialekt-Orthographie schrieb. Sie hatte mit ihrem Sohn Goethe ein St\u00fcck nach Jena begleitet und schildert ihre Stimmung nach dem Abschied in dem kleinen Ort K\u00f6tschau oberhalb von Jena. Erschrecken Sie nicht, meine Charlotte ist aus ebendiesem Jena geb\u00fcrtig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Wie du in K\u00e4uschau von uns wech warst, gin wie naus und sahm auf dem berch dein Kuss fahren da figen wir alle bey eile am zu Heulen und sachten beyde es w\u00e4re uns so wunderlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Wissen Sie, weshalb Goethe mit Vorliebe seine Texte diktierte? Weil er zeitlebens mit der deutschen Rechtschreibung auf Kriegsfu\u00df stand. Zwar war er etwas besser als Christiane, aber beim Diktieren konnte man doch alle Verantwortung f\u00fcr orthographische Fehler auf den Schreiber abw\u00e4lzen. Es gab ja noch keinen Duden. Und noch etwas am Rande: das deutsche Wort Dichten geht ethymologisch nicht auf irgendein romantisches Ver-dichten zur\u00fcck, sondern schlichtweg auf Diktieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe war auch einige Jahre Direktor des Hoftheaters, ein recht despotischer \u00fcbrigens. Seine Schauspieler hatten aufs Wort zu gehorchen, sonst \u2013 also Geldbu\u00dfen konnte er ihnen schwerlich ankn\u00f6pfen, denn sie verdienten miserabel wenig. Deswegen wanderten sie bei Unbotm\u00e4\u00dfigkeiten f\u00fcr eine oder mehrere N\u00e4chte ins Gef\u00e4ngnis. Aber auch das Publikum hatte zu gehorchen. Als eine schlechte Trag\u00f6die die Leute nicht weinen sondern lachen machte, stand er in seiner Loge auf und br\u00fcllte mit Donnerstimme:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Man lache nicht!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Das soll Christiane kommentiert haben mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Und keiner hat gepiepst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe trank sehr gerne Wein, Christiane auch, und Sohn August bekam auch sehr fr\u00fch Wein zu trinken, es wurde sein Verderben. Man hielt Wein in der damaligen Zeit f\u00fcr eine durchaus seri\u00f6se Medizin. Eine sch\u00f6ne Anekdote, die sich 1818 in Karlsbad zutrug, bekam der Schauspieler Eduard Genast von Goethes Hausarzt Wilhelm Rehbein erz\u00e4hlt. Er hat sie in Dialogform wie ein Minidrama aufgezeichnet:<\/p>\n\n\n\n<p>Der treue Diener Goethes, Karl, erh\u00e4lt am 27. August fr\u00fch den Befehl, zwei Flaschen Rotwein nebst zwei Gl\u00e4sern heraufzubringen und in den gegen\u00fcberliegenden Fenstern aufzustellen. Nachdem dies geschehen, beginnt Goethe seinen Rundgang im Zimmer, wobei er in abgemessenen Zwischenr\u00e4umen an einem Fenster stehen bleibt, dann am anderen, um jedesmal ein Glas zu leeren. Nach einer Weile tritt Doktor Rehbein, der ihn nach Karlsbad begleitet hat, ein. Goethe empf\u00e4ngt ihn missmutig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Ihr seid mir ein sch\u00f6ner Freund! Was f\u00fcr einen Tag haben wir heute, und welches Datum?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Den siebenundzwanzigsten August, Exzellenz!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Nein, es ist der achtundzwanzigste und mein Geburtstag.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Ach was, den vergesse ich nie; wir haben den siebenundzwanzigsten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Es ist nicht wahr! Wir haben den achtundzwanzigsten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter: <\/em><\/strong>(determiniert)<br>Den siebenundzwanzigsten.<strong><em>&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Goethe klingelt, Karl tritt ein.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Was f\u00fcr ein Datum haben wir heute?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Den siebenundzwanzigsten, Exzellenz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Dass dich \u2013 den Kalender her!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>(Karl bringt den Kalender.)<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe (nach langer Pause):<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Donnerwetter! Dann habe ich mich ja umsonst besoffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe hat als Vater keine sehr gute Figur gemacht. Er bestellte bei seiner Mutter in Frankfurt Spielsachen f\u00fcr Weihnachten 1793, der Sohn August ist vier Jahre alt. Unter anderem soll es auch eine Spielzeugguillotine sein. (Dabei hasste der Vater die franz\u00f6sische Revolution!) Da kommt der H\u00e4tschelhans aber bei seiner Mutter schlecht an:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Lieber Sohn! Alles, was ich Dir zu Gefallen tun kann, geschieht gern und macht mir selber Freude \u2013 aber eine solche infame Mordmaschine zu kaufen \u2013 das tue ich um keinen Preis. W\u00e4re ich Obrigkeit, die Verteidiger h\u00e4tten ans Halseisen gemusst \u2013 und die Maschinen h\u00e4tte ich auch durch den Schinder \u00f6ffentlich verbrennen lassen \u2013 was! Die Jugend mit so etwas Abscheulichem spielen zu lassen \u2013 ihnen Mord und Blutvergie\u00dfen als einen Zeitvertreib in die H\u00e4nde zu geben \u2013 nein, da wird nichts draus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe hat seinen Sohn August radikal ausgenutzt, ja gepl\u00fcndert. Alles, was dem Vater l\u00e4stig war, musste er erledigen. Oder zum Beispiel: Als August im Zuge allgemeiner patriotischer Begeisterung in den Freiheits-Kriegen gegen Napoleon Soldat werden wollte, konnte der Vater diesen Einsatz nicht verhindern. Aber er sorgte daf\u00fcr, dass er auf einem Druckposten in Weimar blieb, was unter den Helden-Soldaten der Altersgenossen nat\u00fcrlich wieder allen Spott heraufbeschwor.<\/p>\n\n\n\n<p>August starb vermutlich an den Folgen einer Alkoholvergiftung in Rom. Er liegt auf dem dortigen protestantischen Friedhof bei der Cestius-Pyramide begraben. Die Italiener nennen ihn nicht protestantischen Friedhof, sondern cimitero acatolico, den nicht-katholischen Friedhof. Auf dem Grabstein ist nicht einmal der Vorname vermerkt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Goethe Filius Patri antevertans obiit anno Quadraginta. Das hei\u00dft: Goethes Sohn, seinem Vater vorangehend, starb in seinem vierzigsten Lebensjahr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der heutige Abend wird alt, liebe Zuh\u00f6rer, der damalige Goethe auch. Er spricht am 27. Januar 1824 mit Eckermann \u00fcber das Gl\u00fcck in seinem Leben und ist doch einigerma\u00dfen skeptisch:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Man hat mich immer als einen vom Gl\u00fcck besonders Beg\u00fcnstigten gepriesen; auch will ich mich nicht beklagen und den Gang meines Lebens nicht schelten. Allein im Grunde ist es nichts als M\u00fche und Arbeit gewesen, und ich kann wohl sagen, dass ich in meinen f\u00fcnfundsiebzig Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt. Es war das ewige W\u00e4lzen eines Steines, der immer von neuem gehoben sein wollte. Mein eigentliches Gl\u00fcck war mein poetisches Sinnen und Schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Goethe reiste auch in seinem achten Lebensjahrzehnt noch ins Karlsbad, wie man zu sagen pflegte, oder nach Marienbad. Ein wenig machte er Kur, ja, aber die Brunnenpromenade diente doch vorz\u00fcglich einer gro\u00dfen internationalen Gesellschaft zu mannigfaltiger Kommunikation.<\/p>\n\n\n\n<p>1821 wurde Goethe bei einem solche Aufenthalt mit der Familie von Levetzow bekannt \u2013 verwitwete Mutter mit drei T\u00f6chtern. 1822 sahen sie einander wieder. 1823 finden wir Goethe an seinem 74. Geburtstag in h\u00f6chster Not: Er hat zum ersten Mal in seinem Leben einen Heiratsantrag gemacht, hat um die Hand der 18j\u00e4hrigen Ulrike von Levetzow angehalten. Fast vierzig Jahre fr\u00fcher ist er bereits einmal an einem 3. September aus Karlsbad geflohen, nach Italien, nun am 5. September 1823 flieht er ein letztes Mal, diesmal nicht vor irgendwelchen Anspr\u00fcchen einer Frau, sondern vor einem blutjungen M\u00e4dchen, das sich eine Ehe mit ihm nicht ausmalen kann. Goethes Brautwerber, der Herzog pers\u00f6nlich, hat einen Korb bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg nach Hause entsteht in der Reisekutsche die Marienbader Elegie: Zu h\u00f6chster dichterischer Form gesteigerte Schilderung eines eigentlich un-be-schreib-lichen, schrecklichen Abschieds. Goethe zitiert am Anfang seinen Tasso als Motto:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Und wenn ein Mensch in seiner Qual verstummt,<br>Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>&#8211; und endet in der Gewissheit, dass die G\u00f6tter ihn zugrunderichten. Wenig sp\u00e4ter wird Goethe schwer krank, Diagnose: Krampfhusten. Heilung bringt zur Verbl\u00fcffung aller \u00c4rzte Freund Zelter, Komponist aus Berlin, ansonsten Bauunternehmer. Sehr anschaulich beschreibt er in seinem Tagebuch Diagnose und Therapie:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Mein Gesch\u00e4ft in Erfurt war in zwei halben Tagen abgemacht. Nun wasche mich, putze mich, freue mich, nehme Extrapost, komme nach Weimar, fahre vor. Stadelmann \u2013 der Diener \u2013 kommt und h\u00e4ngt das Haupt und zuckt die Schultern. Ich frage \u2013 keine Antwort. Wo ist Ottilie? \u2013 Nach Dessau. \u2013 Wo ist Ulrike von Pogwisch? \u2013 Im Bette. \u2013 Der Kammerrat kommt \u2013 das ist der Sohn: Vater ist \u2013 nicht wohl; krank, sehr krank. \u2013 Er ist tot! \u2013 Nein, nicht tot, aber sehr krank. Ich trete n\u00e4her, und Marmorbilder stehen und sehen mich an. So stieg ich auf. Die bequemen Stufen scheinen sich zur\u00fcckzuziehen. Was werde ich finden? Einen, der aussieht, als h\u00e4tte er Liebe mit aller Qual der Jugend im Leibe. Nun, wenn das ist, er soll davonkommen! Nein, er soll sie behalten, er soll gl\u00fchen wie Austernkalk; aber Schmerzen soll er haben. Kein Mittel soll helfen; die Pein allein soll St\u00e4rkung und Mittel sein. \u2013 Und so geschah\u2019s. Von einem G\u00f6tterkinde, frisch und sch\u00f6n, war das liebende Herz entbunden. Es war schwer hergegangen, doch die g\u00f6ttliche Frucht war da, und lebt, und wird leben und ihres Geistes Namen \u00fcber die Zonen und \u00c4onen hinaustragen und wird genennet werden: Liebe, ewige allm\u00e4chtige Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zelter war offensichtlich ein ausgezeichneter Hom\u00f6opath und Psychosomatiker. Er hat den Krankheitserreger in der Seele erkannt und das Leiden mit dem Leiden kuriert: Wieder und wieder hat er dem Kranken dessen eigene Marienbader Elegie vorgelesen, bis Goethe schlie\u00dflich sagte:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Du liest gut, alter Herr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>&#8211; und gesund wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike von Levetzow starb ein Jahr vor der Jahrhundertwende, 1899, in einem Stift. Sie w\u00e4re 67 Jahre lang Goethes Witwe gewesen. Eine Freundin des Hauses Levetzow berichtet \u00fcber ein Gespr\u00e4ch, das sie mit Ulrike f\u00fchrte, als diese eine alte Dame war:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Ich wusste, dass das h\u00fcbsche und wohlhabende Fr\u00e4ulein von Levetzow viel umworben war, und sprach ihr einmal meine Verwunderung aus, dass sie nicht geheiratet habe. &#8220;Ich bin von Goethe geliebt worden&#8221;, erwiderte sie mit einem stolzen und wehm\u00fctigen L\u00e4cheln. Und dann f\u00fchrte sie weiter aus, dass das Neinsagen ihr damals einen schweren Kampf gekostet habe, aber die Furcht vor dem Altersunterschied und dem Zusammenleben mit der Schwiegertochter sei doch st\u00e4rker gewesen als alle Schw\u00e4rmerei. Wenn sich ihr sp\u00e4ter ein Mann huldigend n\u00e4herte, so vermisste sie etwas bei ihm. Alle lie\u00dfen sie k\u00fchl. Sie wies einen Freier nach dem anderen ab. &#8220;Ich h\u00e4tte mich zu sehr mit ihnen gelangweilt&#8221;, sagte sie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Sollten Sie gelegentlich an der Rasanz der Gegenwart Ansto\u00df nehmen, zum Beispiel am vergleichsweise noch harmlosen ICE, an den teilweise geradezu irre anmutenden Kommunikationsm\u00f6glichkeiten \u00fcber Computer und Internet, oder auch an den vollkommen abstrusen Tausendstel Sekunden im sportlichen Wettkampf \u2013 sollten Sie gelegentlich die gute alte Zeit herbeiw\u00fcnschen \u2013 h\u00f6ren Sie, was Goethe dazu, vor rund 150 Jahren an den Freund Zelter zu schreiben hatte:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Junge Leute werden viel zu fr\u00fch angeregt und dann im Zeitstrudel fortgerissen; Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert und wornach jeder strebt; Eisenbahnen, Schnellpost, Dampfschiffe und alle m\u00f6glichen Facilit\u00e4ten der Communication sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu \u00fcberbieten, zu \u00fcberbilden und dadurch in der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit zu verharren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist es das Jahrhundert f\u00fcr die f\u00e4higen K\u00f6pfe, f\u00fcr leichtfassende, praktische Menschen, die, mit einer gewissen Gewandtheit ausgestattet, ihre Superiorit\u00e4t \u00fcber die Menge f\u00fchlen, wenn sie gleich selbst nicht zum H\u00f6chsten begabt sind. Lass uns so viel wie m\u00f6glich an der Gesinnung halten, in der wir herkamen, wir werden, mit vielleicht noch wenigen, die Letzten sein einer Epoche, die sobald nicht wiederkehrt. Und so allem Guten und Echten empfohlen! Treu beharrlich Goethe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Ich denke wir sollten nicht enden ohne einen sehr tr\u00f6stlichen Goethe. Er hat die Natur geliebt und verehrt hat. Er hat mir ihr gesprochen. Als er ein Gestein fand, das er lange gesucht hatte, sagte er:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Da bist du ja!<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Ein Gestein namens Goethit hat er zwar nicht selbst gefunden, aber es zeugt von seiner Wertsch\u00e4tzung unter den Mineralogen, dass einer von ihnen einem Rubinglimmer den Namen Goethit gab. Lassen Sie sich bezaubern von diesen Worten des 78J\u00e4hrigen, die er zu Eckermann sagte:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Fast den ganzen Tag bin ich dann im Freien und halte Zwiesprache mit den Ranken der Weinrebe, die mir gute Gedanken sagen und wovon ich euch die wunderlichsten Dinge mitteilen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Desgleichen \u00e4u\u00dferte er auf dem wundersch\u00f6nen Schloss Dornburg, n\u00f6rdlich von Jena, hoch \u00fcber der Saale. Dort spricht er auch wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag mit dem Mond:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>DEM AUFGEHENDEN VOLLMONDE<\/p>\n\n\n\n<p>Dornburg, 25. August 1828<\/p>\n\n\n\n<p>Willst du mich sogleich verlassen?<br>Warst im Augenblick so nah!<br>Dich umfinstern Wolkenmassen,<br>Und nun bist du gar nicht da.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch du f\u00fchlst, wie ich betr\u00fcbt bin,<br>Blickt Dein Rand herauf als Stern!<br>Zeugest mir, dass ich geliebt bin,<br>Sei das Liebchen noch so fern.<\/p>\n\n\n\n<p>So hinan denn! Hell und heller,<br>Reiner Bahn, in voller Pracht!<br>Schl\u00e4gt mein Herz auch schmerzlich schneller,<br>\u00dcberselig ist die Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Peter:<\/em><\/strong><br>Gab es eigentlich eine Vers\u00f6hnung mit Frau von Stein? Zun\u00e4chst nichts dergleichen. Nach der omin\u00f6sen Kaffeeschelte von 1789 gingen weder Briefe noch Brieflein zwischen ihnen hin und her. Sieben Jahre absolutes Schweigen. Dann, ab 1789, gab es doch gelegentlich dies oder das mitzuteilen. Sie sind schlie\u00dflich beide bei Hofe. Sie nennt ihn Geheimrat, das Du ist verbannt, das ist obligatorisch. Charlottes letzte Liebestat, eigenartig genug: Sie ordnet testamentarisch an, dass ihr Leichenzug nicht an seinem Hause am Frauenplan vorbeif\u00fchren m\u00f6ge, da sie doch seine Abscheu kennt vor allem, was mit dem Tode zusammenh\u00e4ngt. Es war vergebliche Liebesm\u00fch: Das Protokoll achtete diese Bitte der Verstorbenen nicht, der Zug f\u00fchrte unter Goethes Fenstern vor\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir enden mit dem Gru\u00df des greisen Goethe an die 83j\u00e4hrige Frau von Stein, den er vier Wochen vor ihrem Tod schrieb. Ein letztes Mal zum Zeichen: Er war die Liebe selbst:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Charlotte:<\/em><\/strong><br>Beiliegendes Gedicht, meine Teuerste sollte eigentlich schlie\u00dfen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aNeigung aber und Liebe unmittelbar nachbarlich angeschlossener Lebender, durch so viele Zeiten sich erhalten zu sehen, ist das Allerh\u00f6chste, was dem Menschen gew\u00e4hrt sein kann.\u2018<\/p>\n\n\n\n<p>So f\u00fcr und f\u00fcr. Goethe.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=776\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=776\">Zur\u00fcck zu Teil 1<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>* Goethe, wie er nie im Schulbuch stand Teil 2 Zur\u00fcck zu Teil 1 Peter:Goethes Reise nach Italien, also. Vom Herzog erbittet und erh\u00e4lt er einen langen Urlaub. Sonst wei\u00df niemand etwas, auch Charlotte von Stein wird verraten und ist dementsprechend verletzt, ahnt wohl auch den Anfang vom Ende. Am 3. 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