{"id":831,"date":"2023-01-05T18:05:45","date_gmt":"2023-01-05T18:05:45","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=831"},"modified":"2023-01-14T15:26:17","modified_gmt":"2023-01-14T15:26:17","slug":"personliches-von-peter-podehl-1980","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=831","title":{"rendered":"Pers\u00f6nliches von Peter Podehl &#8211; 1980"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">DAMALS, DAMALS, DAMALS&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Pers\u00f6nliches von Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wiederholung der Serie DIE H\u00d6HLENKINDER erinnert mich, den Autor und Regisseur, aber auch den Vater und Zeitgenossen an so viele Vergangenheiten. Immer wieder taucht ein neues Detail auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals, im Sommer 1961, drehten wir DIE H\u00d6HLENKINDER, in der Eng, jenem wundersch\u00f6nen Tal im \u00f6sterreichischen Tirol, das man nur von Deutschland aus erreicht, es sei denn, man wandert als z\u00fcnftiger Bergsteiger vom Achensee oder vom Inntal her\u00fcber. Mit dem Auto kommt man \u00fcber Bad T\u00f6lz, Neufall, Vorder- und Hinterri\u00df zum talabschlie\u00dfenden Ahornboden. Dort, vielleicht dreihundert Meter \u00fcber und \u00f6stlich vom Boden, lag die H\u00f6hle, die keine H\u00f6hle war; ein langgezogener Felsspalt in einem gro\u00dfe Kalksteinblock diente als &#8220;H\u00f6hleneingang&#8221;. Die &#8220;H\u00f6hle innen&#8221; war ein Filmbau im Schonger-Atelier in Inning am Ammersee. Wer heute dort oberhalb vom Ahornboden ein wenig herumwandert, findet vielleicht noch ein St\u00fcckchen Rohfilm, schwarz-wei\u00df, 35 mm, einen Rest Zelluloid von damals. So erging es mir, als ich dort irgendwann Anfang der 70er Jahre mit Tochterfamilie raufkraxelte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweites Damals ist diese Tochter, die in dieser Serie die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Eva spielte. Das ehemalige H\u00f6hlenkind ist inzwischen in Rom mit einem Sarden verheiratet, hat selbst zwei T\u00f6chter und unterrichtet italienische Berufssch\u00fcler in Englisch und Sozialkunde. Das ist, 19 Jahre sp\u00e4ter ja eigentlich gar nicht verwunderlich, &#8211; den Vater wundert es dennoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Sommertages vor vielleicht 5 Jahren drehten wir f\u00fcr LEMMI UND DIE SCHM\u00d6KER an der U-Bahn-Rolltreppe am Ende der Schildergasse in K\u00f6ln. Pl\u00f6tzlich sagte jemand: &#8220;Guten Tag, Herr Podehl!&#8221; Ich schaute auf und erkannte den jungen Mann mit Vollbart nicht. &#8220;Ich bin G\u00f6tz Burger.&#8221; Das zweite H\u00f6hlenkind, bei dem ich einen Sommer lang fast den Vater vertreten hatte. Nun war er Dramaturg und Regieassistent an den St\u00e4dtischen B\u00fchnen in K\u00f6ln. Aber das ist ja nun auch schon zum Damals geworden. Inzwischen wohnt er im Hohlsteinischen und mach Theater in Kiel, L\u00fcneburg, Karlsruhe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zeitgenosse erinnert sich noch an etwas anderes: wir waren eine haupts\u00e4chlich bayrische Aufnahmetruppe und sagten immer wieder angesichts der Natursch\u00f6nheiten und der gerne hingenommenen Strapazen, die mit dem Drehen in unwegsamem Gel\u00e4nde verbunden waren: &#8220;A scheens Buildl, a xunda Fuim&#8221; (Ein sch\u00f6nes Bild, ein gesunder Film).<\/p>\n\n\n\n<p>Unvergessen, wie mitten in all die Sch\u00f6nheiten und die Strapazen die Nachricht vom Mauerbau im fernen, fernen Berlin platzte. Sechs Jahre vorher &#8211; ein weiteres Damals: 1955 &#8211; hatten wir noch sehr nahe an dieser nun wachsenden und sich verfestigenden Mauer auf der \u00f6stlichen Seite in Potsdam-Babelsberg gewohnt. Dementsprechend erschreckend nahe r\u00fcckte uns dieses Berlin, als wir vom Mauerbau h\u00f6rten und lasen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Zeitgenossen und Regisseur gibt es ein drittes Damals: den Zweiten Weltkrieg, den es vor die Kamera zu holen galt. Es waren keine aufw\u00e4ndigen Schlachten zu inszenieren &#8211; die Gelder der Fernsehanstalten flossen damals nur recht sparsam in solche Kinderfilmproduktionen und h\u00e4tten gro\u00dfen Aufwand gar nicht erlaubt -, aber immerhin: Uniformen, Hakenkreuze, Waffen, Volkswagen mussten vorkommen und echt sein. Ich glaube, man kann den heutigen Golf- oder Passat-Fahrer ruhig gelegentlich daran erinnern, dass das Volk \u00fcberhaupt erst lange nach dem Krieg zu diesen Wagen kam. Nach einigen Schau-St\u00fccken vom K\u00e4fer-Prototyp produzierte Wolfsburg ausschlie\u00dflich Milit\u00e4rfahrzeuge, die in ganz Europa deutsche Soldaten zu ihrem schrecklichen Handwerk transportierten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich auch, ja, ich stamme aus dem ber\u00fcchtigten Jahrgang 1922, den der Krieg so radikal dezimiert hat, und bin manchmal in so einem VW-K\u00fcbel gefahren. Dank meiner sieben Schutzengel habe ich selbst die Mordzeit glimpflich \u00fcberstanden. Aber ringsum war das Grauen doch sichtbar genug. Ich habe gesehen, wie der Blitz in einen Munitionstransport einschlug, habe geh\u00f6rt, wie Hitlers feiger Selbstmord im Radio mit Wagner-Musik zum Heldentod verf\u00e4lscht wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erlebnisse dieser Art waren es auch, die uns damalige Filmemacher dazu veranlassten, die Handlung, die im Buch DIE H\u00d6HLENKINDER von A. Th. Sonnleitner im 17. Jahrhundert spielt, in unsere Zeit zu transportieren; auch wenn uns das Buch weiterhin als Vorlage f\u00fcr die Verfilmung diente. Der Zeitgenosse Autor konnte 1960 angesichts der vielen Kinderschicksale, Kleine und Kleinste, die ihre Eltern durch die Kriegswirren verloren hatten, nicht anders als von 1944\/45 erz\u00e4hlen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein letztes Damals sehr pers\u00f6nlich-beruflicher Natur betrifft den Regisseur von 1961 und den von heute. Da gibt es Selbstkritik nicht nur in einer Richtung. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich nach fast zwanzig Jahren voller weiterer Berufserfahrung Einiges an diesen Filmen gerne \u00e4ndern: manches scheint mir zu m\u00e4rchenhaft, manches etwas zu breit, ich leide unter dem antiquierten Synchronton. Aber eine zwanzig Jahre alte Filmserie ist ein Dokument geworden, als solche kann sie nat\u00fcrlich nur unver\u00e4ndert gesendet werden. Auf der anderen Seite l\u00e4sst sich vielleicht aus ihr lernen: habe ich diese direkte, gradlinige, naive Erz\u00e4hlweise nicht inzwischen manchmal recht weit links liegen gelassen? Zugunsten von Schn\u00f6rkeln und Tricks und Zuschauerf\u00e4ngereien? Ich will die Frage nicht rundheraus selbstzerknirscht bejahen. Aber ich will sie mir gefallen lassen und bei weiterer Arbeit in Zukunft gelegentlich wieder stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6ln, 18.5.1980<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">P.P.\u00a9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAMALS, DAMALS, DAMALS&#8230; Pers\u00f6nliches von Peter Podehl Die Wiederholung der Serie DIE H\u00d6HLENKINDER erinnert mich, den Autor und Regisseur, aber auch den Vater und Zeitgenossen an so viele Vergangenheiten. Immer wieder taucht ein neues Detail auf. 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