{"id":926,"date":"2023-01-24T19:23:37","date_gmt":"2023-01-24T19:23:37","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=926"},"modified":"2023-01-24T19:28:34","modified_gmt":"2023-01-24T19:28:34","slug":"sagte-er-selbst-uber-sich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=926","title":{"rendered":"Sagte Peter Podehl \u00fcber sich selbst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><em>Dieses Selbstportr\u00e4t fand ich beim Ordnen von Peter Podehls Spencer-Papier-Archiv voller Drehb\u00fccher, Manuskripte, Szenarien, Briefwechsel, Stablisten und vorl\u00e4ufigen Drehfolgen. Die 100. Spencer-Folge sollte gefeiert werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Die Frage nach meinem Beruf<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">von <br>Peter Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><\/p>\n\n\n\n<p>In Hotels schreibe ich auf den Anmeldezettel: Regisseur. In einer Gesch\u00e4ftsreisenwelt, in der die Wirtschaft weithin den Ton angibt, verschafft so ein Begriff wie &#8220;Regisseur&#8221; einen eigent\u00fcmlichen, vielleicht ein wenig anr\u00fcchigen Respekt; man neigt hinter dem Rezeptionstresen zu einem zarten L\u00e4cheln, wie es Professionen wie Manager, oder Kaufmann oder Ingenieur nie ausl\u00f6sen. Und L\u00e4cheln Ausl\u00f6sen ist eine meiner liebsten Besch\u00e4ftigungen, \u2013 es darf auch ein Lachen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Schriebe ich Spieler auf das Anmeldeformular, w\u00fcrde der Nachtportier vielleicht ans Spiel-Casino denken und g\u00e4be mir das schlechteste Zimmer. Dabei w\u00e4re Spieler eine gute Berufsbezeichnung f\u00fcr mich \u2013 also nicht im Dostojewskischen Sinne, als Roulette-Abh\u00e4ngiger. Nein, Spieler im Sinne der Spiele, die Kinder spielen. Man denke doch nur, welch ausgedehnten Umgang mit Puppen ich im hohen Mannesalter habe. Jahr f\u00fcr Jahr \u2013 bald sind es zehn \u2013 schrieb ich Spencer-Puppenspiele, bald sind es 100 an der Zahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja, Autor, k\u00f6nnte ich mich auch nennen. Dazu findet sich in der Wortschatzkiste was Sch\u00f6nes \u00fcber die Herkunft: Autor kommt von lateinische auctor, geh\u00f6rt zu augeo, und das hei\u00dft: ich ziehe gro\u00df, ich vermehre, ich bef\u00f6rdere. So hievt mich das W\u00f6rterbuch im Seitenumdrehen in die Position eines Lehrers, ja Vaters.&nbsp; Ergibt mit Regisseur und Spieler und Kind eine sch\u00f6ne, wenn auch etwas wirre Mischung.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie mich noch ein wenig fortfahren mit der Aufz\u00e4hlung m\u00f6glicher Berufsnamen f\u00fcr das was ich tue: Autor wird mit Urheber \u00fcbersetzt, und manchmal habe ich wirklich das Gef\u00fchl, schwere Spielgewichte aus dem Urschlamm zu heben. Nicht weit vom Urheber die Hebamme (w\u00fcrde ich nat\u00fcrlich nie auf das Anmeldeformular eines Hotels schreiben). Was tut sie Wundersch\u00f6nes? Sie bringt zur Welt. Ich geh\u00f6re zu denen, die seit vielen Jahren Kinder-Unterhaltung zur Fernseh-Welt bringen. Vielleicht wecke ich in erwachsenen Lesern tief versch\u00fcttete Kindheitserinnerungen an Fernseh-Serien, wenn ich aufz\u00e4hle: Die H\u00f6hlenkinder, M\u00e4rchen- und Liederraten mit Kasper und Ren\u00e9 auf dem Dachboden und im Hinterhof, Lemmi und die Schm\u00f6ker, und Spa\u00df am Dienstag mit Zini. Und nun feiern wir die 100. Folge des guten alten Spencer im 1. Programm.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Zahnarzt fragt mich gelegentlich, ob es mir denn nicht gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten macht, stets neue Einf\u00e4lle zu haben. Ich antworte mit einem Vergleich: ein Kind spielt fast von seinem ersten Lebenstag an bis ins dreizehnte, vierzehnte Lebensjahr hinein tagt\u00e4glich; alte bew\u00e4hrte Spiele wechseln mit neuen, g\u00e4nzlich unerforschten ab. Aber um Einf\u00e4lle zum Spielen ist ein Kind nie verlegen; sollten Anzeichen in dieser Richtung auff\u00e4llig werden, dann nagt eine Krankheit an seiner Seele. Um Einf\u00e4lle bin ich auch nie verlegen. Aber \u2013 hingegen \u2013 jedoch: Die Konzentration zu erlangen und zu erhalten, die Kinder meist m\u00fchelos in den Scho\u00df f\u00e4llt, \u2013 das ist meine schwerste Arbeit, um die muss ich oft genug h\u00e4nderingend flehen. Es ist sehr schwer, die Barrieren zu beseitigen, die die Einf\u00e4lle hindern einzufallen, das Handwerk auszu\u00fcben, das aus Einf\u00e4llen schlie\u00dflich Sendungen macht, \u2013 da flie\u00dft mein Schwei\u00df. Nat\u00fcrlich nicht nur meiner. So viel Spiel im Spiele ist, \u2013 beim Produzieren einer Fernseh-Serie entfallen alle Freiheiten, die Kinder beim Spielen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re ich ein ordentlicher Mensch, w\u00fcsste ich, wo ich die Originalworte vom gro\u00dfen Theatermann Max Reinhardt f\u00e4nde; als unordentlicher Mensch kann ich sie nur sinngem\u00e4\u00df wiedergeben: Schauspieler sind Menschen, die rechtzeitig vor dem Erwachsenwerden ein St\u00fcck Kindheit in die Tasche gesteckt haben, von dem sie ein Leben lang zehren und guten Gebrauch machen. Dass manch einer dabei etwas kindisch ist und bleibt, muss als Nebenwirkung in Kauf genommen werden. Reinhardts Wort gilt auch f\u00fcr alle Autoren, Regisseure, Kinderunterhalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Kinderunterhalter k\u00f6nnte ich auch als Beruf angeben. Ich habe hohen Respekt vor guter Unterhaltung. Im besten Falle bedeutet sie Gespr\u00e4ch, bedeutet sie In-Bewegung-Setzen von Gedanken, dann kann sie gute Erziehung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Spencer ist \u2013 wenn bei oben erw\u00e4hnter Konzentration alles gut geht (vor Flops sind auch wir so wenig gesch\u00fctzt, wie alle anderen Bilder-Macher auch), Geschichtenspender, ein Spiegel der unterschiedlichsten St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Menschenseele, und als so ein Spiegel ist er gelegentlich auch ein Bescheidwisser \u00fcber&nbsp; Auswege aus K\u00fcmmernissen und N\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Leute! \u2013 Spencer sagt immer: Leute: \u2013 kleine und gro\u00dfe, wir nehmen euch ernst! Deswegen, so hoffen wir, habt ihr bei uns viel zu lachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">\u00a9 Peter Podehl <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>* Dieses Selbstportr\u00e4t fand ich beim Ordnen von Peter Podehls Spencer-Papier-Archiv voller Drehb\u00fccher, Manuskripte, Szenarien, Briefwechsel, Stablisten und vorl\u00e4ufigen Drehfolgen. Die 100. Spencer-Folge sollte gefeiert werden. * Die Frage nach meinem Beruf von Peter Podehl In Hotels schreibe ich auf den Anmeldezettel: Regisseur. 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