{"id":948,"date":"2023-02-02T07:34:49","date_gmt":"2023-02-02T07:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/peterpodehl.com\/?page_id=948"},"modified":"2023-03-07T05:12:04","modified_gmt":"2023-03-07T05:12:04","slug":"wahre-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/webaid.it\/?page_id=948","title":{"rendered":"Wahre Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Zu 81,5% wahre Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">von<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Claudia Podehl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=941\">italiano<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin.<br>Wie bitte?<br>Ich bin.<br>Und was bin ich?<br>Ich.<br>Ah.<br>Ein des Zweifels f\u00e4higer Wille.<br>Donnerwetter! Und was ist ein Zweifel?<br>All die Fragezeichen da oben.<br>Oh, das prickelt! &#8211; Und nun?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Spindeld\u00fcrr sieht sie mich. Aber sie sieht mich. Von da dr\u00fcben, im Jenseits. Umgeben von feurig flirrenden Fragezeichen. Beunruhigenden. Unverst\u00e4ndlichen. Dunkel. Nein, es ist nicht dunkel, sondern nebelig. Aber da ist auch Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Da ist sie schon wieder. Und diese Musik. Wiesen voller Blumen, und ich schwebe dar\u00fcber hin und her. Wie wunderbar. Rauf! Runter! Eine Kurve. Ich kichere. Ich tanze. Avatar. Und sie beobachtet mich. Gl\u00fcckseligkeit!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sie ist ja gar nicht meine Mutter. Das ist die andere da. Ich will auf ihren Kopf, mich darauf legen. Oder dr\u00fcber schweben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das geht nicht. Da kommt mir eine Str\u00f6mung&nbsp; entgegen. Warum?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin unglaublich traurig. Ich weine verzweifelt. Weinen ist eine Befreiung. Aaahh! Schluchzen. Das entl\u00e4dt. &#8211;&nbsp; Nur l\u00f6st es das Problem dieses verdammten Gegenstroms nicht. Ich heule in Str\u00f6men und schluchze.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber da ist ja wieder Kata.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bitte????<\/p>\n\n\n\n<p>Kata sagt, ich soll aufh\u00f6ren??!! &#8211; Aufh\u00f6ren womit?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu weinen, sagt sie. Wenn ich auf die Welt kommen will, dann muss ich mich in Bewegung setzen, sagt sie.<\/p>\n\n\n\n<p>So ein R\u00fcckschlag! Bin ich wieder in der Glibbermasse? Nein, sonst k\u00f6nnte ich ja gar keine Fragezeichen setzen. Aber wo bin ich denn? Es ist stockdunkel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich soll mich in Bewegung setzen, hat sie gesagt. Hm? Hier im Dunkeln? Wenn ich doch nur etwas sehen k\u00f6nnte!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich sehe Katas F\u00fc\u00dfe. Was m\u00f6gen F\u00fc\u00dfe sein?<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss etwas mit dem \u201cspindeld\u00fcrr\u201c zu tun haben, von dem Kata sprach. Was bedeutet \u201espindeld\u00fcrr\u201c? Etwas kleines, winziges. W\u00fcrde Kata sagen. Vielleicht. Etwas Unzureichendes. Und was bedeutet unzureichend? Das es eben nicht reicht. Aber an Katas F\u00fc\u00dfen bewegt sich was.&nbsp; Und das kommt bis hierher zu mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach so, das sind die H\u00e4nde von Filo. Und was machen die? Die bearbeiten Katas F\u00fc\u00dfe. Das muss irgend etwas mit der Materie zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da will ich hin! &#8211;&nbsp; Wirklich? &#8211; Oh, ja, ich will Materie bewegen! Nicht mich bewegen, sondern die Materie. &#8211;&nbsp; Wie komme ich auf so sonderbare Ideen?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendetwas bewegt mich fort, eine ganz feine Anziehungskraft. Ganz langsam. Zieht sie mich weg. Es wird heller. Ich komme aus dem Dunkel raus. Ich gleite. Wie wunderbar! Auf einem fliegenden Teppich. Ja, da ist er, Filos Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Str\u00f6mung ist weg. Das hei\u00dft, nein, sie ist noch da, es ist diese Str\u00f6mung, die mich nun fortzieht. Zu ihr hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin auf ihrem Kopf! Dort wollte ich doch hin!<\/p>\n\n\n\n<p>Oh Gott, ich kann mich sogar darauf legen. Darauf zusammenkauern. Ich verschr\u00e4nke die Arme. Nanu? Ich habe auch Arme? Und ich kann meinen Kopf darauf legen. Schr\u00e4g. G\u00f6ttliche Harmonie. Vertrauen. Zuversicht.&nbsp; In ein Leben aus Materie.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun sieht auch Kata mich wieder. Auf Filos Kopf. Sie staunt. Sehr. Na klar, sie hatte mich ja im Nichts verschwinden sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Filo ist mit mir auf dem Kopf fortgegangen. Wie wunderbar! Sie wiegt mich. L\u00e4chelnd. Unbeschwert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun kommt auch Kata. Sie geht zu Fu\u00df. Ah, dazu braucht man F\u00fc\u00dfe.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und Filo erz\u00e4hlt ihr, sie habe sich so wunderbar entspannt. Und da wundert sich Kata wieder, gl\u00fccklich: Wirklich entspannt? Fragt sie. Und tut so, als ob sie von nichts etwas w\u00fcsste. Denn Filo wei\u00df ja nicht, dass Kata mich sieht, dass sie mich ausgeschimpft hat. Und dass ich nun auf ihrem Kopf kauere. Nein nein, Kata sagt kein Wort. Aber ich sehe, wie sie mit st\u00fcrmisch klopfendem Herzen fortgeht. Was ist ein Herz?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun bin ich wieder auf der Wiese mit der Musik. Ich wei\u00df nicht so recht, was ich will. Mir geht es gut. Kata ist wieder da, sie sieht mich, scheint etwas unschl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Auaaaa!! Verdammt noch mal, so ein Schubser! So ein Schreck! Ich w\u00e4re ja beinahe umgefallen!<\/p>\n\n\n\n<p>Kata schimpft den Jungen da aus \u2013 wie sie ihn nennt \u2013, der gerade aus der Glibbermasse gekommen ist und mich von hinten geschubst hat. Das war schlimm. Der ist ziemlich gro\u00df und kr\u00e4ftig. Und Kata sagt, dass die M\u00e4nner eben alle gleich sind. &#8211; Was ist ein Mann?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du immer nur hier stehen bleibst, dann kann ich da auch nicht raus, verdammt noch mal!!! Du versperrst mir den Weg!&nbsp; Verstehst du das denn nicht??!!! Br\u00fcllt der Junge. Nun geh endlich!!!!<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00c4rmste, der ist ja gerade erst aus der Glibbermasse gekommen. Aber der m\u00fcsste doch eigentlich auch ein paar Fragezeichen setzen, oder? Aber der scheint gar keine Zweifel zu haben, der wei\u00df genau was er will.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, was machen die Zwei denn da, zum Schie\u00dfen komisch! Und der andere da, wer ist denn das? Kata hatte das letzte Mal gesagt, Filo sei so weit. D.h., das hat sie nat\u00fcrlich nicht gesagt, sie spricht ja nicht. Sie hatte das gedacht, als sie Filo ins Gesicht sah. Ich habe n\u00e4mlich begriffen, dass Wesen aus Materie den&nbsp; Mund bewegen,&nbsp; und dann versteht der andere das auch, aber sie k\u00f6nnen auch nur denken,&nbsp; und dann wei\u00df der andere davon nichts. Er wei\u00df zwar, dass du denkst, aber nicht, was. Wir beide verstehen die Wortseele, sagt Kata.<\/p>\n\n\n\n<p>Also ich muss andauernd kichern, diese unglaubliche Menge von krausen Haaren; und da ist dann auch noch eine andere Materie bei Filo. Ob die vielleicht ein Mann ist? Und da geht\u2018s ja unglaublich zu um diesen Berg voller krauser Haare. Was machen die beiden denn da? Hihihi! Kata!!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rein mit dir! Da rein! Hat Kata mir verordnet. Ich kichere weiter und gehorche.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Stockfinster ist es. Kata m\u00fcsste eigentlich da sein, denn Filo bewegt sich, wie wenn Kata bei ihr ist. Aber hier kann man sich ja \u00fcberhaupt nicht bewegen. Ich bin vollkommen zusammengepresst. Kata!! H\u00f6rst du mich?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie antwortet nicht. Offensichtlich kommt meine Wortseele durch diese Materie nicht durch. Kata!!??!! \u2013 Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Also, das ist schon erstaunlich, diese Materie. Eine verdammt schwere Masse. Aber was man da alles sp\u00fcrt!!! Und raus komme ich praktisch auch nicht mehr. Nur ein bisschen. Ein kleines St\u00fcck von mir ist rausgekommen. Aber eigentlich bin ich noch da drinnen. Aber auch hier drau\u00dfen, weil ich singen will. Ja, ich singe!!! Mit der Musik, die immer gespielt wird, wenn Kata bei Filo ist. Meine Mutter. Jetzt h\u00f6re ich sie echt, Tonwellen sind das. Und ich siiiiiiinge! Sopran, sagt Kata. Ja Kata, Sopran, die K\u00f6nigin der Nacht. Oder noch toller.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Kata ist wieder zu Filo gekommen. Als sie die Kr\u00e4uselhaare sah, hatte sie irgendwie gerechnet, dann sagte sie etwas vom 12. Februar. Was mag ein Februar sein? Und zw\u00f6lf? Aber ich sehe Kata und Filo, die miteinander sprechen, d.h. nein, ich h\u00f6re sie! Jawohl, mit den Ohren. Das ist wahnwitzig aufregend. Und Kata fragt Filo, ob sie ihr nicht etwas sagen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal schweigt meine Mutter. Sie sagt nichts. Diese Gaunerin.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber am Schluss muss sie ihr doch etwas gesagt haben, so etwas wie Tage kommen nicht, oder so.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun schweigt Kata. Als Filo sich von ihr verabschiedet, nachdem sie ihr die F\u00fc\u00dfe massiert hat, sehe ich Kata mit Tr\u00e4nen in den Augen. Nasse Tr\u00e4nen. Aus Materie.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich das recht verstehe, ist Kata heute zum letzten Mal zu Filo gekommen. Sie ruft mich. Und sie fragt mich, wie die Materie denn nun sei. Ihr durch die Materie hindurch zu antworten kostet unglaublich viel Kraft. Materie bewegen ist verdammt anstrengend, erm\u00fcdend, da wird man wahnsinnig; ihr k\u00f6nnt euch gar nicht vorstellen, was man alles falsch machen kann, wenn man Materie bewegen will. Ich schlafe andauernd, weil ich so m\u00fcde bin. Aber was ist Schlafen f\u00fcr eine wunderbare Sache! Entspannen, entschweben, die Sinne verlieren. Nach all diesen materiellen M\u00fchen. Ahhh. &#8211; Aber dann geht das Abenteuer gleich wieder los, neue Empfindungen, T\u00f6ne,&nbsp; Ger\u00fcche (was das sein soll, wei\u00df ich nicht, aber aufregend ist es), Licht, Bewegungen, schaukeln mit den Bewegungen im Bauch meiner Mutter.&nbsp; Schwerkraft. Herzklopfen. Jetzt wei\u00df ich auch, was ein Herz ist. Ich habe n\u00e4mlich auch eins, und das ist immer aufgeregt. Bum bum bum. Welch ein Wunderwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, also Kata, ja, ich kann die Materie empfinden. Ich bin in der Materie drin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie fragt mich, welche dieser Empfindungen am sch\u00f6nsten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ber\u00fchren, antworte ich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fchlst du denn? Fragt sie mich.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4rme, Prickeln, Reibung, Ertasten, die N\u00e4he des anderen, das nicht ich bin. Erzittern.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nach einer Weile verstehen wir beide: die Ber\u00fchrung mit meinem Bruder. Denn der ist auch hier.&nbsp; Das hatte ich gar nicht gemerkt. Auch er ist hier reingegangen, ohne Kata zu fragen, was er machen sollte. Er brauchte keine Katalysatorin.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann seid ihr Zwillinge, sagt Kata. Du und dein Bruder. Na dann, alles Gute.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<\/p>\n\n\n\n<p><em>PostScriptum<\/em><br>Den Anfang und das Ende dieser Geschichte habe ich sp\u00e4ter dazugedichtet, eben, damit es \u00fcberhaupt eine Geschichte werden konnte. Ich habe zwar nachgefragt, ob es aber wirklich so gegangen ist, wei\u00df ich nicht. Ich wei\u00df auch nicht, ob diese grazile, arg tr\u00e4umerische kleine&nbsp; K\u00f6nigin der Nacht es wirklich geschafft hat, sich voll und ganz in die Materie einzubringen. Ich sah Blut, wollte es nicht sehen, schob es weg, meinte, ich spinne.&nbsp; Nur, Filo ist verschwunden, ich kann sie nicht mehr fragen. Vielleicht hat ja der kr\u00e4ftige, nicht von Zweifeln geplagte Junge die viel Realismus abverlangende Symbiose mit der Materie durchgeboxt. Ich hoffe es sehr.&nbsp;<br>F\u00fcr Filo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Kata<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<br>\u00a9 Claudia Podehl<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/webaid.it\/?page_id=492\">Claudias Geschichten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>* Zu 81,5% wahre Geschichte von Claudia Podehl italiano Ich bin.Wie bitte?Ich bin.Und was bin ich?Ich.Ah.Ein des Zweifels f\u00e4higer Wille.Donnerwetter! Und was ist ein Zweifel?All die Fragezeichen da oben.Oh, das prickelt! &#8211; Und nun? &#8211; Spindeld\u00fcrr sieht sie mich. Aber sie sieht mich. Von da dr\u00fcben, im Jenseits. Umgeben von feurig flirrenden Fragezeichen. Beunruhigenden. Unverst\u00e4ndlichen. 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